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Potsdam

Potsdam im Mai 1945
Die Großen Drei und ihre Außenminister bei der Potsdam Konferenz im Juli 1945
Schon früh beschleicht Churchill eine gewisse Angst und Respekt vor Stalins Expansionsgelüsten. Er sieht die Ausweitung des Sowjet-Einflusses in Europa voraus und versucht lange die Amerikaner von einer Balkaninvasion zu überzeugen. Vergeblich. Aber mit dem sich nähernden Ende des Nazi Reiches verstärkt er in mehreren Briefen an Harry S. Truman, der den verstorbenen Theodore Roosevelt als Präsident der Vereinigten Staaten beerbt, den Ruf nach einer weiteren Konferenz der großen Drei, um Stalin zur Räson zu bringen. Auch Truman ist nicht verborgen geblieben, dass der Ton erheblich schärfer und das Verhältnis untereinander frostig geworden ist. Er selbst ist erbost über diverse Unartigkeiten der Russen und hat dies auch lautstark Molotow gegenüber geäußert. Der wiederum ist geschockt von Trumans Wortwahl: „Noch niemand hat mit mir in diesem Ton gesprochen“. Truman daraufhin: „Halten sie ihre Versprechungen und man wird in einem anderen Ton mit ihnen sprechen“. Das Leih- und Pachtgesetz wird abrupt gekündigt und der Streit bei einem Gründungstreffen der Vereinten Nationen fortgesetzt.
Churchill forciert seine Bedenken gegenüber den Russen und schließlich wird das Treffen, das die Aufgabe hat, die politische Zukunft Europas zu diskutieren und mit Russland zu einer Einigung zu kommen, auf Juli 1945 festgesetzt. Die Vorbereitungen für die Konferenz sind gewaltig. Da Berlin keine Konferenz Möglichkeit wegen der Zerstörungen zu bieten hat, wird Schloss Cecilienhof in Potsdam ausgewählt. Das Schloss wird in den Jahren 1913 - 1917 von Wilhelm II für Kronprinz Wilhelm von Hohenzollern erbaut und nach Kronprinzessin Cecilie benannt. Nachdem der Kaiser abgedankt hat, verlässt auch der Kronprinz das Schloss, um jedoch 1923 zurückzukehren und es erst 1945 endgültig zu verlassen. Für die Konferenz werden enorme Anstrengungen aufgewendet. Zunächst gestaltet man drei Eingangsbereiche, dann die drei Aufenthaltsräume der drei Delegationen, die auf ihre Wünsche abgestimmt werden. Der US Bereich ist in blau gehalten, der Churchills in rosa und der der Russen in weiss. Die eigentliche Konferenz findet im größten Saal an einem runden, polierten Tisch statt. Die Entourage der drei teilnehmenden Nationen wird in  Babelsberg, dem ehemaligen Film Filmgelände der UFA, untergebracht.
Die Anreise Stalins wird unter geradezu absurden Umständen gesichert. Da der rote Zar per Bahn anreist, wird die gesamte Strecke durch Mitglieder des NKWD (Narodnyj Komissariat Wnutrennych Del - Volkskomissariat für innere Angelegenheiten) gesichert. 17.000 NKWD Leute und 1.515 normale Truppen stehen an der 1.923 km langen Strecke. 6 - 15 Mann pro Bahnkilometer! Truman und Churchill kommen bereits am 15. Juli an. Beide nutzten die Gelegenheit, Berlin zu besuchen.Truman nimmt eine Parade der 2. US Panzerdivision ab, die an der Avus Aufstellung genommen hat. Churchill, der gerade von einem Kräfte raubenden Wahlkampf aus England angekommt, besucht die Reichskanzlei und den Führerbunker. Churchill über seinen Besuch: „Die Berliner wussten nichts von unserem Besuch. Nur vor der Reichsanzlei stand eine Menge, die - bis auf einen älteren Mann, der den Kopf abfällig schüttelte - freudig applaudierte."
Truman ist mit dem Wissen nach Potsdam gekommen, schon bald über die Fürchterlichste aller Waffen, die Atombombe, verfügen zu können. Der erste Test am 16. Juli in der Wüste von New Mexico, unter den Augen Oppenheimers und General Groves, ist ein Erfolg. Dementsprechend sicher kann sich Truman während der folgenden Konferenz  geben, obwohl er die Verhandlungstaktik der Russen bis aufs Blut hasst. Stalin, der von Truman vom Besitz einer völlig, neuen Waffe informiert wird, gibt sich fast desinteressiert. Er ist wohl bestens durch seinen Spion Klaus Fuchs über die Tragweite der Atombombe informiert. Eine weitere, nicht erwartete Überraschung ist die Niederlage Churchills bei den Unterhaus Wahlen in England. Er fliegt am 24. Juli  optimistisch nach London. Umsonst. Die Konservativen verlieren 193 Sitze und die Macht. Schrecklich für Churchill auch das Wahlergebnis in seinem eigenen Bezirk. Ein Polit-Clown, dessen Programm die Eintagewoche für Arbeiter vorsieht, bekommt 10.000 Stimme. Er selbst erhält gerade mal 27.000. Die Briten sind des Krieges und ihres Kriegsführers überdrüssig geworden. An seiner Stelle kehrt Clement Attlee als Premierminister nach Potsdam zurück.
Das Ergebnis der Konferenz, ein Minimalkonsens über Deutschlands Stellung im Nachkriegseuropa,  besser als das Potsdamer Abkommen bekannt,  wird am 2. August 1945 veröffentlicht.Dieses Papier betont die Verantwortung der Deutschen als Gesamtheit für die nationalsozialistischen Verbrechen. Die Frage der Einheit bleibt offen.Die Ergebnisse der Übereinkunft von Jalta werden präzisiert (Entmilitarisierung, Alliierter Kontrollrat). Darüberhinaus erzielt man Einigung - unter anderem - bei folgenden Grundsätzen: Auflösung der NSDAP, Verurteilung der Kriegsverbrecher, Demokratisierung, Dezentralisierung der deutschen Wirtschaft (z. B. IG Farben), Verbot deutscher Kriegsproduktion, Abtretung Königsbergs und nördliches Ostpreußen an Russland (vorbehaltlich einer endgültigen Friedensvereinbarung), Verlust der Gebiete östlich der Oder-Neisse Linie an Polen, „geordnete Überführung“ (Vertreibung) der deutschen Bevölkerung. Dieses Potsdamer Abkommen wird entscheidend für die alliierte Nachkriegspolitik in Deutschland und ist ursächlich verantwortlich für zukünftige Konfliktlinien zwischen den Supermächten.