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Wünsdorf-Zossen

Heeressportschule Wunsdorf
Um die Jahrhundertwende wird der Drang nach immer ausufernden Truppenübungsplätzen größer. 1907 wird der preußische Kriegsminister bei Zossen/Wünsdorf fündig. Anstatt jedoch das Gelände korrekt zu erwerben, wird der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Und manch einer verdient sich am Fiskus eine goldene Nase. Kaiser Wilhelm II war es egal. Er wollte die Aufrüstung. Bereits zum Jahreswechsel 1905/1906 schreibt er unmissverständlich an seinem „treuen Freund", den Reichskanzler Fürst von Bülow: „Erst die Sozialisten abschießen, köpfen und unschädlich machen - wenn nötig per Blutbad - und dann Krieg nach außen“.
Pünktlich zum Kriegsbeginn 1914 war der Platz in Wünsdorf einsatzbereit. Einer der ersten Errungenschaften war die Entwicklung des Stahlhelmes, die auf Anregung des Chirurgen, Professor Dr. August Bier zurückging. Außerdem baute man Wünsdorf zu einem riesigen Kriegsgefangenenlager aus. Unter anderem für Gefangene muslimischen Glaubens. Eigens für sie errichtete man eine hölzerne Moschee, die erste ihrer Art in Deutschland. 1926 wurde sie abgerissen.

Feldmarschall Walter Model
Nach dem 1. Weltkrieg übernahm die Reichswehr das Gelände und begann mit dem Ausbau getreu den Bestimmungen des Versailler Vertrages. Diese „Treue“ hielt nicht lange vor. Mitte der 20er Jahre begann eine heimliche Zusammenarbeit mit der Roten Armee. Ziel dieser Kooperation war die Entwicklung der Panzerwaffe. Ab 1925 tauschte man bereits Kommandeure und Generalstäbler zur Teilnahme an Manövern und Lehrgängen unter einander aus. 1926 waren Russen bereits regelmäßig Hörer an der Berliner Kriegsakademie. Ende 1929 tauchten sechs Prototypen dreier deutscher Firmen,  Daimler-Benz, Krupp und Rheinmetall im russischen Übungsgelände Kama auf. Zu denen, die in Kama ausgebildet werden sollten, waren die späteren Generalfeldmarschälle und Panzergeneräle Walter Model, Theo Kretschmer und Walter Hoth.1933, als diese geheime Kooperation beendet wurde, kehrten die Panzer nach Wünsdorf zurück.. Die restlichen  Fahrzeuge, sowie die Funkausrüstung, blieben in Russland.

Am 1. November 1933 wurde der erste Panzerverband in Wünsdorf aufgestellt. Aus Tarnungsgründen nannte man ihn „Kraftfahrlehrkommando Zossen“, später wurde er offiziell in Panzerregiment 5 umgetauft. Dieses Panzerregiment sollte später auch als erster gepanzerter Verband Rommels in Nordafrika kämpfen. Daneben ging die infanteristische Ausbildung weiter. Man wollte Häuserkampf proben und dafür brauchte man Gebäude. Gefunden wurden sie in Zehrensdorf, am Rande des bisherigen Geländes. Die Enteignung und Evakuierung der Bevölkerung war Formsache.

Gesprengter Eingang zu einem der Maybach 1 Bunker
Zwischen 1933 und 1935 wurden mehr als 150 Militärbauten in Wünsdorf errichtet. Oktober 1935 wurde eröffnet und die Panzerabwehrabteilung 39, das Panzerregiment 5, sowie die Heereskraftfahrschule zogen ein. Im gleichen Jahr wurde auch beschlossen, eine „feldmäßiges Hauptquartier der Wehrmacht zu bauen. Neues Gelände musste her und man fand dies zwischen Zossen und Zesch, welches dem Fürsten Friedrich zu Solms-Baruth gehörte. Der wehrte sich mit allen Mitteln, musste aber dennoch verkaufen. Nun begannen die Arbeiten an drei Bunker-Komplexen: Maybach I, Maybach II und Zeppelin.

Betonstruktur von Maybach 1
Kegelbunker
Gebaut wurde in einem idyllischen Waldstück, durch das die Zeppelinstraße führte. Maybach I und II waren als zwei kongruente Anlagen ausgeführt. Ein riesiger, ringförmiger, unterirdischer Gang verband  je12 Bunker ( A 1-12 ). Jeder war 36 m lang, 16 m breit und neun m tief. Der unterirdische Teil bestand aus zwei Kellergeschossen mit einer Deckenstärke von 1 m Stahlbeton. Der oberirdische Teil war im Landhausstil gebaut. Die Dächer waren aus 40 cm starkem Beton gebaut und zur Tarnung mit Dachziegeln belegt. Die Außenwände waren mit aufgemalten Fenstern, Türen und Verzierungen versehen. Insgesamt standen in Maybach I und II mehr als 4 000 Arbeitsräume zur Verfügung, die von 3 034 Generalstäblern und technischem Personal genutzt wurden. Zwischen diesen Anlagen befand sich der riesige Kommunikationsbunker Zeppelin.

Eingang zu Zeppelin
Sprengversuch der Russen in Zeppelin
Zeppelin, auch Amt 500 genannt, war die leistungsfähigste Nachrichtenanlage der Wehrmacht. Das Führungsnachrichtenregiment 6 mit seinen 2.050 Mann - davon 700 Wehrmachtshelferinnen - konnte von hier aus jeden okkupierten Punkt in Europa erreichen. Zeppelin verfügte über eine netzunabhängige Energieversorgung und eine leistungsfähige Sendeanlage, deren Mast hydraulisch auszufahren war. Diverse Einrichtungen machten diese Anlage einzigartig: Verstärkeramt, Wählamt, Fern- und Ortsvermittlung mit 40 Fernschränken, Fernschreibvermittlung, Verstärker-, Trägerfrequenz- und Wechselstrom-Telegraphieanlagen, Maschinenräume, Dieselanlagen, sowie diverse Serviceabteilungen. Allzu angenehm gestaltete sich die Arbeit in diesem Bunker nicht. Wegen der extremen Hitzeentwicklung der elektrische/elektronischen Anlagen mussten die Nachrichtenhelferinnen oftmals bei 40 Grad Zimmertemperatur arbeiten.

Kegelbunker
Dachstruktur von Maybach I
Das Ende des Krieges erlebte die Anlage relativ unspektakulär. In dem Einsatzbefehl Konjews spielte die Gegend um Wünsdorf/Zossen keine Rolle. Eindeutiges Ziel war Berlin und die Errichtung eines Einschließungsrings um die Reichshauptstadt. Am 20.April melden deutsche Beobachter Feindbewegung Richtung Zossen. Generalstabschef General Hans Krebs setzt seine letzte Reserve, eine 250 Mann starke Aufklärungseinheit unter Oberleutnant Kränkel gegen die Russen in Marsch. Am 21. April sind von dieser Einheit noch 40 Mann im Einsatz und gegen 13.45 verlässt Krebs mit seinen Offizieren Maybach II in Richtung Berlin. Der Rest des Generalstabs zieht sich nach Potsdam zurück.

Maybach Bunker im Landhausstil
Wehrmacht Rohrpost
Am 23. April werden Maybach I und II, sowie Zeppelin von der Roten Armee überrannt. Zu diesem Zeitpunkt haben sich einige Techniker in den Katakomben Zeppelins versteckt und warten auf die Russen. In ungelenker russischer Schrift machten sie die Rotarmisten darauf aufmerksam, dass sich hier eine wertvolle Trophäe befände, die man tunlichst nicht zerstören solle. Wenig später begann dann die Demontage der Anlagen und der Transport der Güter in Richtung Sowjetunion. Mann kann davon ausgehen, dass nur wenige Teile unbeschädigt ihren Empfänger auch erreicht haben.
In den Jahren des Kalten Krieges nutze die Rote Armee Wünsdorf intensiv. Während des Aufstandes vom Juni 1953 wurden alle Fäden von Wünsdorf und Karlsdorf gezogen. Bis zum Fall der Mauer am 9. November 1989 war der Ort das Zentrum sowjetischer Militärmacht. Am 12. September 1990 wurde ein Vertrag zwischen der Bundesregierung und Moskau geschlossen, der den Abzug der Streitkräfte und eine „Heimkehr in Würde“ regelte. Der Preis war eine Einmalzahlung an die UDSSR in Höhe von 12 Milliarden DM und ein zinsloser Kredit in Höhe von 3 Milliarden DM. Beide Summen wurden später sogar noch erhöht. Am 8. September 1994 verließ dann der letzte Militärzug Wünsdorf in Richtung Moskau.