Geschichte Böhmens und Tschechiens
Die Besiedlung Böhmens reicht bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. Da wurde das Gebiet vom keltischen Stamm der Bojer besiedelt, dessen lateinischer Name, Boiohaemum, der Namensgeber für Böhmen ist. Die Kelten wurden in der Folgezeit von den einwandernden Slawen verdrängt oder assimiliert. 658 starb Samo, ein fränkischer Kaufmann aus dem Senoner Land und der erste Herrscher der Slawen, dessen Name bekannt ist. Das Gebiet des so genannten Reiches von Samo, das in Wirklichkeit jedoch wohl nur eine Art Stammesbund war, umfasste die heutigen Gebiete Slowakei, Mähren, Niederösterreich, später wahrscheinlich auch Böhmen, Sorbien (an der Elbe) und vorübergehend auch (das historische) Kärnten. Böhmen war Teil des Reiches Kaiser Karls des Großen (768-814). Der Přemyslide Herzog Wenzel von Böhmen wurde 929 von seinem Bruder Boleslav ermordet und später Schutzheiliger des Landes. 973 errichtete der deutsche Kaiser Otto I. das Bistum Prag. Bis dahin war Böhmen ein Teil des Bistums Regensburg.
1029 fiel Mähren an Böhmen, blieb aber eine eigene Markgrafschaft.
Im 12. Jahrhundert förderten die Przemysliden die Einwanderung deutscher Kaufleute, Handwerker, Bergleute, Priester, Mönche und Bauern. 1306 erlosch mit Wenzel III. das Geschlecht der Przemysliden und die böhmischen Stände wählten Graf Johann von Luxemburg zum König. Durch diese Wahl kam auch das ursprünglich zum bairischen Nordgau gehörende Egerland zu Böhmen. Unter Johanns Sohn, dem späteren deutschen Kaiser Karl IV. wurde Prag zum Mittelpunkt des alten Reiches.
Im 12. Jahrhundert förderten die Przemysliden die Einwanderung deutscher Kaufleute, Handwerker, Bergleute, Priester, Mönche und Bauern. 1306 erlosch mit Wenzel III. das Geschlecht der Przemysliden und die böhmischen Stände wählten Graf Johann von Luxemburg zum König. Durch diese Wahl kam auch das ursprünglich zum bairischen Nordgau gehörende Egerland zu Böhmen. Unter Johanns Sohn, dem späteren deutschen Kaiser Karl IV. wurde Prag zum Mittelpunkt des alten Reiches.
Er gründete in seiner Funktion als böhmischer König 1348 in Prag die Karls Universität im Heiligen Römischen Reiches. Sie war durch das Übergewicht der deutschen Studenten und Professoren die erste "deutsche" Universität, die erste in Mitteleuropa überhaupt.
Kirchenreformer Jan Hus
Während der Herrschaft Wenzels IV. (1378-1419) in Böhmen machte sich zunehmend Unzufriedenheit über die soziale, politische und religiöse Lage breit; in dem sich zuspitzenden Konflikt fiel dem um 1370 im südböhmischen Husinec geborenen Magister Jan eine führende Rolle zu. Als Vertreter des Reformanliegens und als Märtyrer gab er einer Bewegung seinen Namen, die die Geschichte Böhmens im 15. Jahrhundert entscheidend prägte. Beeinflusst von den Schriften des englischen Reformators John Wycliffe trat Hus als Universitätslehrer und Initiator der tschechischen Volkspredigt in der Prager Bethlehems Kapelle für eine grundlegende Kirchenreform ein. Gemeinsames religiöses Symbol war der Laienkelch als Zeichen eines bibelgemäßen Verständnisses der Eucharistie.
Bereits im Sommer 1409 musste Jan Hus sich vor der Inquisition verantworten, wurde 1410 mit dem Kirchenbann belegt und 1412 aus Prag ausgewiesen. Da Hus überzeugt war, die Rechtmäßigkeit seiner Lehrsätze beweisen und einen bedeutenden Anstoß zur Kirchenreform geben zu können, erklärte er sich nach Zusicherung freien Geleits bereit, vor dem Konzil in Konstanz zu erscheinen. Dort im November 1414 in Haft genommen, wurde ihm erst im Juni des folgenden Jahres die Gelegenheit geboten, seine Lehre zu verteidigen. Da er einen Widerruf, die Abschwörung seiner angeblichen Irrtümer, ablehnte, endete er am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen. Sein Märtyrertod löste in Böhmen schwere Unruhen aus, die der nachgiebige König Wenzel IV. duldete, und gab den Forderungen, künftig das Abendmahl in beiderlei Gestalt ("sub utraque specie") zu reichen, sowie nach freier Predigt, einer Überprüfung des Kirchengutes und der Missachtung ungerechtfertigter kirchlicher Bannsprüche neuen Auftrieb. In einer zwischen Gemäßigten (Kalixtiner bzw. Utraquisten) und Radikalen (Taboriten) heftig geführten Diskussion kristallisierten sich schließlich als gemeinsamer Nenner vier Punkte heraus: Kelchkommunion der Laien, Predigtfreiheit, Armut der Priester und Bestrafung der Unmoral (Prager Artikel, April 1420).
Das Vorgehen Wenzels führte zu einem Aufstand. Dabei kam es am 30. Juli 1419 zum ersten Prager Fenstersturz, bei dem Hussiten das Rathaus stürmten und einige Ratsherrn aus dem Fenster warfen. König Wenzel traf am 16. August der Schlag, als ihn die Nachricht vom Fenstersturz erreichte. Seinen Bruder Sigismund wollten die Hussiten nicht als König anerkennen, da er das seinerzeit dem Hus versprochene sichere Geleit nicht eingehalten hatte; er galt geradezu als dessen Mörder. In den Tagen nach dem Tode Wenzels unterwarfen hussitische Volksmassen in Prag Kirchen und Klöster gewaltsam der Kelchkommunion oder zerstörten und verbrannten sie. Die Gräuel dauerten mehrere Wochen.
Im Dezember 1419 erlitt eine kaiserlich-katholische Einheit in der Nähe von Pilsen eine erste Niederlage gegen ein kleines hussitisches Kontingent. Die Kreuzzugsbulle von Papst Martin V. vom März 1420 führte dazu, dass aus dem Aufstand ein regelrechter Krieg wurde. Wenige Tag nach Erlass der Bulle griffen katholische Truppen Ende März in Südböhmen bei Sudoměř vergeblich eine hussitische Einheit unten Jan ika an. Die Niederlage begründete den militärischen Ruhm ikas und gab den Auftakt für die Entwicklung der Taktik der Wagenburg auf Seiten der Hussiten.
Hussiten und neue Kampfformen
Die sich als Gottesstreiter empfindenden Hussiten errangen mit neuen Kampftechniken - Wagenburgen, gezieltem Einsatz von Geschützen und Handfeuerwaffen, hoher Marschgeschwindigkeit - erstaunliche Erfolge und verbreiteten auf ihren Zügen in ganz Mitteleuropa Angst und Schrecken. Nach der Schlacht bei Taus (1431) erkannte das Basler Konzil im Frühjahr 1433 in den "Prager Kompaktaten" die Forderungen der "Vier Prager Artikel" weitgehend an, die aber den Meinungsstreit unter den Hussiten vertieften. Die weiterhin kämpfenden Taboriten wurden 1434 bei Lipan von dem vereinten Heer der Utraquisten und kaiserlich-katholischen Truppen geschlagen. Es siegte der gemäßigte Flügel, der sich 1436 mit Sigismund als König von Böhmen abfand.
Endergebnis der Hussitenkriege war ein für die gemäßigten Utraquisten günstiger konfessioneller Kompromiss, die Stärkung des niederen Adels und der königlichen Städte. Endgültig beigelegt wurde der Konflikt zwischen den Utraquisten auf der einen Seite sowie dem Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus auf der anderen Seite mit dem Frieden von Olmütz 1479. Matthias durfte die böhmischen Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz behalten. Ladislaus und Matthias durften den Titel "König von Böhmen" führen.
1618 rebellierten die evangelischen Stände gegen Kaiser Matthias. Der Prager Fenstersturz war der Auslöser für den Dreißigjährigen Krieg. Nach dem Tod des Kaisers im März 1619 sagten sich die Stände der böhmischen Länder von den Habsburgern los und schufen sich mit der Böhmischen Konföderation eine neue Verfassung. Danach wählten sie den Calvinisten Friedrich von der Pfalz zum König. Am 8. November 1620 fand die entscheidende Schlacht des Aufstands am Weißen Berg (Bilá Hora) vor den Stadttoren Prags statt. Sie dauerte zwei Stunden, und die schlecht bezahlte und demoralisierte Ständearmee unter ihrem König Friedrich von der Pfalz verlor die Schlacht. In der Schlacht am Weißen Berge am 8. November 1620 unterlagen die böhmischen Stände unter ihrem König Friedrich von der Pfalz den Truppen der katholischen Liga, die von dem Feldherren Johann Tserclaes Graf von Tilly angeführt wurden. Friedrich, der so genannte Winterkönig, musste aus Böhmen fliehen und Kaiser Ferdinand II. konnte seinen Anspruch auf die Krone Böhmens durchsetzen.
Auf die Schlacht am Weißen Berge folgte die in der älteren nationaltschechischen Historiographie als Temno "Dunkelheit" bezeichnete Zeit. Kaiser Ferdinand II. unterdrückte alle Nicht-Katholiken. Einige Führer des böhmischen Aufstands wurden hingerichtet, die Mehrheit des böhmischen protestantischen Adels wurde enteignet und musste das Land verlassen. Die Güter wurden an katholische Adlige aus anderen Teilen des Habsburgerreiches vergeben. Ein Teil des böhmischen Adels konvertierte auch zum Katholizismus. Sukzessive wurde Deutsch zur vorherrschenden Verwaltungssprache.
Die Ära Maria Theresia
Vom allerersten Augenblick seiner Herrschaft an bemühte sich Karl VI. (1711-1740), die Situation zu klären, die entstehen würde, falls er ohne einen männlichen Nachkommen sterben sollte. Die Pragmatische Sanktion von 1713 erklärte die Monarchie für unteilbar. Sie legte auch die Nachfolgeregelung in den männlichen und weiblichen Linien der Familie fest. Karl verwendete einen großen Teil seiner Anstrengung darauf, dass die Pragmatische Sanktion in allen Ländern der Habsburger sowie auch auf der internationalen politischen Bühne anerkannt und akzeptiert wurde. Dennoch musste Maria Theresa ihre Ansprüche dann im österreichischen Erbfolgekrieg mit Waffengewalt verteidigen.
Als die männliche Linie der Habsburger 1740 ausstarb, bestieg Maria Theresia (1740-1780), die Tochter Karl VI., den Thron gemäß der in der Pragmatischen Sanktion festgelegten Regeln. Die Anerkennung der Sanktion erwies sich als wertlos, nachdem der preußische König Friedrich II. in Schlesien, dem reichsten Land des Königreichs, einfiel. Die Kriege endeten mit dem Friedensschluss von Dresden und Aachen. Preußen gewann den größten Teil Schlesiens und Glatz hinzu. Die Forderungen der anderen Verbündeten wurden nicht erfüllt. Maria Theresia blieb Königin von Böhmen, und ihr Mann, Franz von Lothringen, wurde der Heilige römische Kaiser.
1756 fielen preußische Streitkräfte erneut in Böhmen ein. Im Vergleich zum vorherigen Krieg fand eine radikale Änderung in der Zusammensetzung der Koalitionen statt. Der böhmische Adlige Wenzel Anton Kaunitz, der Staatskanzler, brachte eine Allianz mit Frankreich und Russland zustande. Das isolierte Preußen suchte Hilfe bei Großbritannien. Friedrich II. blieb von einer totalen Katastrophe durch den Beistand des russischen Zaren Peter III. verschont, der ein großer Bewunderer des preußischen Königs und seines Landes war. Maria Theresia scheiterte auch bei ihrem Versuch, Schlesien in diesem Krieg zurück zu gewinnen.
Als Reaktion auf die verlorenen Kriege bemühten sich Maria Theresa und ihr Sohn Josef II. (1780-1790), die Monarchie zu reformieren. Die Reformen sollten die Staatsverwaltung effizienter machen, das Steueraufkommen verbessern und die Entwicklung der Wirtschaft fördern. Zentralisierung war eines der Instrumente der Reformen. Zuerst waren die böhmischen Länder ausschließlich durch die Gestalt des Monarchen mit der Monarchie vereinigt. Nach der Schlacht am Weißen Berg hatten immer ein separates böhmisches Königreich und eine eigenständige mährische Markgrafschaft bestanden, aber diese wurden jetzt in einem dynastischen Bund beteiligt. 1749 wurde eine gemeinsame Staatskanzlei der böhmischen und österreichischen Länder gegründet. Die Reform der Staatsverwaltung ging Hand in Hand mit der Steuerreform.
Josef II. und das Untertanenpatent
1781 erließ Josef II. das Untertanenpatent, eine Verordnung über die Abschaffung der Knechtschaft, da Knechtschaft und Fronarbeit die Wirtschaftsentwicklung hemmten. Leibeigene konnten jetzt den Wohnsitz ohne die Zustimmung des Adels frei wählen, ihre Kinder wegschicken, um zu studieren, und heiraten, wen sie wollten. In demselben Jahr verabschiedete Josef das Toleranzpatent, das jedem erlaubte, sich zu einem anderen Glauben als dem Katholizismus zu bekennen. Trotzdem betraf dies nur die Toleranz und nicht die Gleichheit der Glaubensgemeinschaften. Die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt, und die ersten gelehrten Gesellschaften wurden gegründet. Mit fiskalischen und weiteren Verordnungen führte Josef II. weitere Reformen durch, die die Stellung der Landbevölkerung verbesserten.
Nach seinem Tode musste Leopold II. (1790-1792) diese Reformen unter dem Druck des Adels wider zurücknehmen. In den niederen Schichten kultivierte Josef II. das Bild, ein "Bauernkaiser" zu sein, der für das Wohl der Leute arbeitete.
1789 brach die Französische Revolution in Frankreich aus, und eine Republik ersetzte die Monarchie. Die Habsburger konnten sich mit den Ideen, die ihre Ordnung bedrohten, nicht anfreunden. Neben machtpolitischen Gründen gab es auch solche, die mit dem französischen König verbunden waren: Marie Antoinette, die Frau Ludwigs XVI., dem letzten König vor der französischen Revolution, war die Tochter von Maria Theresia und die Schwester der beiden Habsburger Kaiser, Joseph II. und Leopold II.
In Europa hatte sich eine weitere Koalition gegen Napoléon formiert. Napoléon griff an, überschritt am 25. September mit seinen Truppen den Rhein und sicherte sich am 2. Dezember 1805 einen großen Sieg gegen Österreich und Russland in der Dreikasierschlacht von Austerlitz. Das besiegte Österreich wurde Frankreichs Verbündeter, als der österreichische Botschafter in Paris, Prinz von Metternich, die Ehe von Napoleon und der Tochter des österreichischen Kaisers Franz vermittelte. Nach Napoleons katastrophalem Russlandfeldzug 1812 wechselte Österreich auf die Seite von Napoleons Feinden. In der Völkerschlacht von Leipzig kämpfte Österreich 1813 auf der Seite der Anti-Napoleon-Allianz.
Nach einer langen Zeit der Unterdrückung wurde die nationale tschechische Einheit nur in der Sprache und Kultur hauptsächlich auf dem Land bewahrt. Es war noch ein langer Weg der Emanzipierung zu gehen vom unselbständigen deutschen zum tschechischen Nationalstaat.
Nationale Erweckung
Die nationale Erweckungsbewegung sah sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts einer anspruchsvollen Aufgabe gegenüber: die tschechische Sprache wieder zu beleben, die bis zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zum Deutschen ins Hintertreffen gekommen. Es war notwendig, eine wissenschaftliche Nomenklatur und eine intellektuelle Klasse zu schaffen, um die tschechische Kultur, Wissenschaft, Kunst und Industrie zu fördern.
Das verknöcherte System der Heiligen Allianz, die alle Arten von Reformen und Forderungen nach einer Liberalisierung und Demokratisierung der Gesellschaft ignorierte, endete 1848 mit dem Ausbruch von Revolutionen in ganz Europa. Am 2. Dezember 1848, nachdem die größte Revolutionswelle abgeklungen war, dankte Ferdinand I. (bekannt in Böhmen als Ferdinand Dobrotivy - "Ferdinand das Gütige") ab. Auf den schwachsinnigen Kaiser folgte Franz Joseph I , der von den "unpassenden Versprechungen" zu Zeiten der Revolutionen nicht belastet war. Der neue Herrscher ließ seine Streitkräfte das Reichsparlament in Kremsier zusammen mit der vorbereiteten Verfassung auflösen. Im Dezember 1851 hob eine Entscheidung des Kaisers die Verfassung auf. Alles, was von der Revolution von 1848 übrig blieb, war die Gleichheit aller vor dem Gesetz, die Abschaffung der Fronarbeit, die Religionsfreiheit und die regionale Autonomie in einem begrenzten Umfang.
Das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen verschlechterte sich im Laufe der Zeit. Die Deutschen stellten ungefähr ein Drittel der Bevölkerung in Böhmen und Mähren. In bestimmten Gebieten, hauptsächlich in den Grenzregionen (dem so genannten Sudetenland), bildeten sie sogar eine homogene Mehrheit. Die Tschechen wollten die Unteilbarkeit des Staates bewahren und den Gebrauch der tschechischen Sprache, sowohl im Verkehr zwischen Bürgern und Behörden, als auch unter den Verwaltungsbehörden selbst festschreiben.
Auf der anderen Seite kämpften die Deutschen für die Schaffung eines in sich abgeschlossenen deutschen Territoriums in Böhmen und für die Aufteilung aller staatlichen Elemente in tschechische und deutsche Bereiche, bei Beibehaltung des Deutschen als Amtssprache. Konflikte erwuchsen aus den nicht miteinander zu vereinbaren Forderungen beider Parteien. Nachdem die Deutschböhmen die Arbeit in der Ständeversammlung boykottiert hatten, was die finanziellen Schwierigkeiten des Landes verschlimmerte, wurde die Selbstverwaltung 1913 durch die kaiserlichen St.-Anna-Patente aufgehoben. Die Geschicke des Landes wurden von einer staatlichen Verwaltungskommission übernommen, die durch verfassungswidrige Mittel eingesetzt worden war.
Tödliche Reise
Der Sohn Kaiser Franz Josephs I., Kronprinz Rudolf, beging mit seinem Geliebten Selbstmord, sodass die Thronfolge auf den Neffen des Kaisers, Franz Ferdinand von Österreich-Este (im Englischen auch häufig als Franz Ferdinand bezeichnet). Dennoch musste er wegen der dynastischen Unregelmäßigkeit seiner Ehe mit Sophie von Chotkova, die nur eine Gräfin war, auf die Thronfolgerechte seiner Kinder verzichten. 1914 reiste er mit seiner Frau anlässlich einer österreichisch-ungarischen Militärübung nach Sarajevo.
Am 28. Juni 1914 wurde das Ehepaar Opfer eines von einer Gruppe bosnischer Serben (Bürger des österreichisch-ungarischen Staates) und der Vereinigung der schwarzen Hand organisierten Attentats. Der Attentäter, Gavrilo Princip, traf zunächst mit einem schlecht gezielten Schuss Sophie, die er gar nicht hatte töten wollen. Ein zweiter Schuss traf zufällig den Thronnachfolger. Beide erlagen später ihren Verletzungen.
Nach einem gestellten Ultimatum griff Österreich Serbien an, wo die Spur der geheimen Vereinigung der schwarzen Hand hinführte. Das war der Beginn des Ersten Weltkrieges.
Die österreichisch-ungarische Armee, in der natürlich auch Tschechen dienten, kämpfte hauptsächlich an der Ostfront gegen Russland und an der Front in Italien. 1914 verließ Tomáš Garrigue Masaryk, der berühmte Soziologe und Professor für Philosophie an der Prager Karlsuniversität, Böhmen und ging ins Exil. Zusammen mit seinen Mitarbeitern, dem Tschechen Edvard Beneš und dem Slowaken Milan Rastislav Štefánik, begann T. G. Masaryk, die ersten Kapitel des tschechoslowakischen Auslandswiderstands zu schreiben. Er errichtete und führte den tschechoslowakischen Nationalrat im Ausland, der sich aus im Ausland lebenden Landsleuten, Kriegsgefangenen und Fahnenflüchtigen aus den Reihen der österreichisch-ungarischen Armee zusammensetzte.
Tschechoslowakische Truppen an vielen Fronten
Tschechoslowakische Truppen wurden an den Fronten in Frankreich, Italien und vor allem in Russland eingesetzt. In diesem Land (das durch den Bürgerkrieg nach der bolschewistischen Machtübernahme erschüttert war) kontrollierten tschechoslowakische Legionen, die mehrere zehntausend Männer zählten, die komplette Transsibirische Eisenbahn. Die Legionen und ihre erfolgreiche militärische Zusammenarbeit mit dem tschechoslowakischen Nationalrat waren in erster Linie der Grund für die internationale Anerkennung, die der tschechoslowakische Staat gewann. Dieser gründet auf der Idee des Tschechoslowakismus - eine Nation mit einem tschechischen und einem slowakischen Zweig.
In den Kriegsjahren schufen die tschechischen politischen Vertreter ein allgemeines politisches Organ - die Nationalversammlung. Die einzelnen Parteien waren darin den Wahlergebnissen von 1911 entsprechend vertreten. Am 28. Oktober 1918, nach der Veröffentlichung einer Note des österreichisch-ungarischen Außenministers Julius Andrássy, die Österreichs Bereitschaft, über einen Waffenstillstand zu verhandeln beinhaltete, rief die Nationalversammlung die unabhängige tschechoslowakische Republik aus. Der 28. Oktober ist ein Staatsfeiertag und erinnert an die Errichtung des tschechoslowakischen Staates.
Auf der Friedenskonferenz in Versailles entschieden die Sieger auch über die Grenzen der Tschechoslowakei. Die Grenzfestlegung der Nachfolgestaaten erwies sich aus historischen, ethnischen, wirtschaftlichen und militärstrategischen Gründen kompliziert. In den tschechischen Gebieten wurden die historischen Grenzen mit kleineren Änderungen zugunsten der Tschechoslowakei bestätigt.
Die Verfassung wird angenommen
Am 29. Februar 1920 nahm die Nationalversammlung die tschechoslowakische Verfassung an. Tomáš Garrigue Masaryk wurde zum Präsidenten gewählt. Der Schutz von Minderheiten wurde bereits in den Friedensverträgen von Versailles festgelegt. Dies wurde im Hinblick auf die multinationale Zusammensetzung der Bevölkerung in der Verfassung der Tschechoslowakei und in einem Sprachengesetz bestätigt, das zusammen mit der Verfassung angenommen wurde.
Als Adolf Hitler 1933 in Deutschland die Macht übernahm, änderte sich die Situation schlagartig. Ein feindliches Deutschland stellte eine tödliche Bedrohung für die Tschechoslowakei dar. Deshalb begann diese sich in der zweiten Hälfte der 30er Jahre auf ihre Verteidigung vorzubereiten. Sie baute Grenzbefestigungen nach dem Beispiel Frankreichs. Aber eine wirkungsvolle Verteidigung wurde nicht nur durch die Länge der gemeinsamen Grenzen mit Deutschland und durch die geographische Beschaffenheit des Geländes schwieriger, sondern auch durch die große deutsche Minderheit(deren überwältigender Anteil zum Nationalsozialismus tendierte). Die Sudentendeutschen wurden durch die von Konrad Heinlein geführte nationalsozialistische und totalitäre Sudetendeutsche Partei vertreten.
In den Verhandlungen mit der tschechoslowakischen Regierung über den Status der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei folgte die Sudetendeutsche Partei den Anweisungen Adolf Hitlers. Ihr Hauptziel war es, nicht zu einer Übereinkunft in der Sudetenfrage zu kommen. Demzufolge verschärften sich die internationalen Spannungen wegen des Status der Sudetendeutschen.
Appeasement Politik auf Kosten der Tschechen
Großbritannien und Frankreich - gelähmt durch die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und sich der Tatsache bewusst, für einen Krieg nicht vorbereitet zu sein, entschieden sich für eine Politik der Zugeständnisse an Deutschland. Im November 1938 gestand der Wiener Schiedsspruch, der der Münchner Konferenz folgte, Ungarn die südliche Slowakei und die Karpaten-Ukraine zu, während Polen einen Teil von Tschechen und Teile der nördlichen Slowakei erhielt. Der tschechoslowakische Staat war durch den Verlust der Industrie, den Abbruch der Transportverbindungen und eine Flut von 150.000 Flüchtlingen betroffen, die das Sudetenland verlassen mussten.
Hitler erließ eine Verordnung, die das Protektorat Böhmen und Mähren schuf. Die Protektorats-Regierung arbeitete unter deutscher Verwaltung und Aufsicht. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde von der Widerstandsbewegung begrüßt, die für die Wiederherstellung der Vorkriegs-Tschechoslowakei kämpfte. Nur die totale Niederlage Deutschlands konnte die Nation von der nationalsozialistischen Okkupation befreien.
Am 29. August 1944 brach der so genannte slowakische Volksaufstand aus, dessen Mitglieder in die Tschechoslowakei vorstießen. Die Mobilmachung der tschechoslowakischen Armee wurde auf dem Territorium des Aufstands ausgerufen. Er konnte den überlegenen deutschen Kräften zwei Monate lang Widerstand leisten. Dann ging der Kampf in den Bergen weiter, aber der Volksaufstand wurde schließlich niedergeschlagen.
Das III. Reich verendet in den Strassen von Prag
Präsident Beneš, der ein gewichtiges Wort bei der Entwicklung der tschechoslowakischen Außenpolitik mitsprach, war sich des wachsenden Einflusses der UDSSR auf die Nachkriegsereignisse bewusst. 1943 schloss er einen Bündnisvertrag mit der Sowjetunion. Prag rebellierte gegen die Besatzer im Mai 1945. Die deutsche Armee kapitulierte gegenüber den Aufständischen unter der Bedingung des freien Abzugs. Die Rote Armee erreichte Prag am 9. Mai 1945 und wurde in Kämpfe mit den letzten fanatischen deutschen Divisionen verwickelt. Die Tschechoslowakei wurde größtenteils durch die Sowjetunion, Westböhmen jedoch von der amerikanischen Armee befreit.
Die Ereignisse von München, die Zeit des Protektorats und die deutsche Terrorisierung der Bevölkerung während des Krieges verursachten eine allgemeine Feindseligkeit unter den Tschechen gegenüber den Deutschen. Bezüglich der Frage der Umsiedlung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei herrschten eine allgemeine Einmütigkeit und die Überzeugung, dass diese Maßnahme notwendig war. In der Anfangsphase der ersten Monate nach dem Krieg fand die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung, in der so genannten Periode der wilden Vertreibung, auf unkontrollierte Weise statt. Die Art und Weise der Umsiedlung rief Kritik unter den westlichen Alliierten hervor. Die Umsiedlung der deutschen Minderheiten in der Tschechoslowakei, Polen und Ungarn wurde auf einer Sitzung der Alliierten 1945 in Potsdam gebilligt.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich die kommunistische Partei zum ersten Mal an der Arbeit der tschechoslowakischen Regierung, die nach den Erfahrungen des Nationalsozialismus eine klare Ausrichtung auf das linke politische Lager hatte.
Die kommunistische Partei gewann die Wahlen von 1946 auf nationaler Ebene. Weitere Wahlen sollten zwei Jahre später abgehalten werden. Die kommunistische Partei war jedoch bestrebt, die ganze Macht zu gewinnen. Indem sie ihre eigenen Anhänger in wichtige Positionen brachte, infiltrierte sie die Streitkräfte und Sicherheitsorgane des Staates. Sogar die anderen Regierungsparteien waren vor der Infiltration durch kommunistische Agenten nicht sicher.
Im Februar 1948 reichte eine Gruppe von demokratischen Ministern aus drei Parteien ihren Rücktritt ein; aus Protest gegen die verstärkte Position der Kommunisten im Sicherheitsapparat. Die Kommunisten nutzten die Situation aus, um auf formalrechtliche Weise die Macht in der Form zu ergreifen, die Regierung wieder aufzubauen. Nachfolgende Wahlen waren nur dem Namen nach Wahlen, weil nur ein Listenkandidat erlaubt war, und diese Liste von der kommunistischen Partei aufgestellt wurde.
Kommunisten übernehmen die Macht
Nachdem die Kommunisten die Macht übernommen hatten, initiierten sie politische Verfahren gegen ihre politischen Gegner: demokratisch gesinnte Militärs, Zionisten und sogar Leute aus ihren eigenen Reihen. Todesurteile und lange Strafen in Konzentrationslagern wurden erlassen. Ein buchstäblich eiserner Vorhang fiel entlang der südlichen und westlichen Grenzen der Tschechoslowakei zu Österreich und der Bundesrepublik Deutschland herab, der die totalitäre von der demokratischen Welt trennte. Die Tschechoslowakei war als Vasallenstaat Teil des sowjetischen Reiches. Die Sowjetunion reagierte mit Gewalt auf jeden Versuch der Loslösung (in der Deutschen Demokratischen Republik 1953, in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968). Gemäß der so genannten Breschnew-Doktrin hatte die Sowjetunion das Recht, das sozialistische System in jedem Staat des sowjetischen Blocks unabhängig von der Souveränität des gegebenen Landes zu verteidigen.
Am 21. August 1968 fielen Streitkräfte aus fünf Ländern des Warschauer Pakts (die Sowjetunion, die Deutsche Demokratische Republik, Ungarn, Polen und Bulgarien) in die Tschechoslowakei ein mit dem Ziel, den so genannten Prager Frühling zu beenden, der ein Versuch war, das kommunistische System zu reformieren. Die Interventionisten schleppten die Vertreter des tschechoslowakischen Staates und der kommunistischen Partei nach Moskau, wo diese, mit Ausnahme von Frantisek Kriegl, das Moskauer Protokoll unterzeichneten, in dem sie den sowjetischen Streitkräften erlaubten, "vorübergehend" auf dem Territorium der Tschechoslowakischen Republik zu bleiben.
Das Establishment, das nach der Invasion des Warschauer Pakts die Macht übernahm, blieb 21 Jahre am Ruder. Die kommunistische Partei durchlebte eine Säuberungsaktion, bei der ihre unzuverlässigen und unberechenbaren Mitglieder entfernt wurden. Mitglieder, die dem Regime unbequem waren, wurden eingesperrt oder anderweitig verfolgt, aber im Gegensatz zu den 50er Jahren wurden keine Todesurteile mehr verkündet.
Die Oppositionsgruppe sammelte sich um die Bürgerrechtsbewegung Charta 77, die sich für die Verteidigung und Einhaltung der Menschenrechte einsetzte. Der Staat selbst hatte sich auf der Konferenz von Helsinki verpflichtet, diese einzuhalten, doch handelte er natürlich nicht so. Die wichtigsten Personen der Bürgerrechtsbewegung Charta 77 waren Jan Patocka und der zukünftige Präsident Václav Havel.
Das Schicksal des kommunistischen Blocks war fest mit der Entwicklung der Sowjetunion verbunden. Nach dem Antritt von Michail Gorbatschow 1985 und den wachsenden Wirtschaftsproblemen des gesamten sowjetischen Blocks begann das sowjetische Reich zu wackeln.
Am 17. November 1989 griff das von der kommunistischen Partei geführte Regime bei von Studenten organisierten Demonstrationen anlässlich des 50. Jahrestages der Schließung tschechischer Schulen durch die Nazis hart durch. Menschen gingen aus Protest gegen die Brutalität des Eingreifens auf die Straßen und organisierten Demonstrationen und Streiks.
Die samtene Revolution
Die Kommunisten gaben die politische Macht während der samtenen Revolution ab. Das Regime hatte sich selbst erschöpft und nicht mehr die Kraft, sich auf einen Machtkampf mit der ganzen Gesellschaft einzulassen. Politische Parteien wurden wieder zugelassen, und die ersten freien Wahlen wurden 1990 abgehalten. Václav Havel, der die Verhandlungen mit der kommunistischen Regierung geführt hatte, wurde Präsident.
Die tschechischen und slowakischen Abgeordneten waren erfolglos bei der Suche nach einem passenden bilateralen Modell für die Koexistenz der tschechischen und slowakischen Nation. Daraus resultierte die organisierte und ordnungsgemäße Auflösung des gemeinsamen Staates.
Tschechien und die Slowakei bestehen seit dem 1. Januar 1993 unabhängig voneinander. Die Integration in die Europäische Gemeinschaft und in die europäischen Sicherheitsstrukturen wurde zum Ziel beider Staaten. Die gegenseitigen Beziehungen liegen wegen der Verschmelzung beider Völker in fast 90 Jahren der Koexistenz in einem gemeinsamen Staat über der Norm.
Tschechien wurde am 12. März 1999 als Mitglied in die NATO (Verteidigungsbündnis zwischen den Parteien des Nordatlantikpakts) aufgenommen. Tschechien ist jetzt formal Mitglied der NATO und der Vereinten Nationen, und tschechische Einheiten nahmen an Missionen im Irak, Kroatien, Kosovo, Afghanistan und vielen anderen Staaten teil.































