Die Inkarnation des Bösen
Reinhard Tristan Eugen Heydrich wurde am 7. März 1904 in Halle an der Saale geboren. Heydrichs Mutter Elisabeth, geborene Kranz, stammte aus einer wohlhabenden Familie und war die Tochter des Leiters des Königlichen Konservatoriums von Dresden. Sein Vater, Bruno Heydrich, war Opernsänger und Komponist. Sein Sohn, der das Talent des Vaters geerbt hatte, war ein talentierter Musiker (Violine) und ein beeindruckender Athlet, insbesondere in den Disziplinen Fechten und Schwimmen.
Es gab viele Gerüchte über Heydrich´s jüdischer Abstammung. Dietrich Bronder schrieb in seinem Buch „Bevor Hitler kam“, dass „ der Vater laut Riemannschem Musiklexikon standesamtlich "Isidor Süß hieß". Eine weitere Quelle der Gerüchte um Heydrichs angeblich jüdische Vorfahren ist unter anderem ein Brief des Gauleiters von Halle-Merseburg, Rudolf Jordan, der am 8. Juli 1932 bei Gregor Strasser eingegangen ist. Dem Gauleiter sei zu Ohren gekommen, dass Heydrich möglicherweise der Sohn eines jüdischen Vaters sei. Dr. Achim Gercke, der Ahnenforscher der Partei, wurde mit den Ermittlungen betraut und konnte nach zwei Wochen die Parteiführung beruhigen.
Günther Deschner schrieb 1987 in seinem Buch „Reinhard Heydrich. Statthalter der totalen Macht“, das Gerücht sei darauf zurückzuführen, dass Heydrichs Großmutter väterlicherseits in zweiter Ehe mit dem Schlossergehilfen Gustav Robert Süß verheiratet war und sich öfter Süß-Heydrich genannt habe. Der Name Süß habe bei den Nachbarn offenbar den Verdacht erweckt, es müsse sich um eine jüdische Familie handeln.
Reinhard Heydrich wurde von früh auf durch einen extremen Nationalismus geprägt, der in der Familie vorherrschte. Seine Eltern lasen die Schriften von Houston Stewart Chamberlain, nach dessen Auffassung der „Rassenkampf“ Leben und Tod der Nationen diktierte. Als Heydrich 10 Jahre alt war, brach der Erste Weltkrieg aus. Die Niederlage des Deutschen Reiches und die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. wurde von seiner Familie als Katastrophe empfunden.
Vom Freikorps zur Marine
Mit 16 schloss er sich bereits mit sechzehn Jahren dem rechtsradikalem „Maercker“ Freikorps an. Nach einigen Saal- und Straßenschlachten mit sozialistischen Revolutionären in Halle und nach dem Abitur ging er zur Marine. Seine Karriere begann als Kadett auf dem Ausbildungssegelschiff „Niobe“. Die Marine, mit ihrem strengen Ehrenkodex, verkörperte für ihn eine Elite. Darüber hinaus war er von den Erzählungen von Felix Graf von Luckner, dem „Seeteufel“, beeinflusst worden, der nach dem Krieg häufiger Gast der Familie Heydrich war. 1926 wurde er zum Nachrichtendienst der Marine versetzt und 1928 zum Leutnant zur See befördert. Seine Laufbahn wurde durch Wilhelm Canaris gefördert, den damaligen Ersten Offizier des Kreuzers Berlin, auf dem zeitweise auch Heydrich Dienst tat. Heydrich spielte sogar hin und wieder in einem Streichquartett mit Canaris’ Ehefrau.
Die Marine prägte ihn im Geist von Revanchismus und verletztem Nationalstolz. Am 3. Juni 1923 nahm Heydrich mit anderen Kadetten an einer Feier zur Erinnerung an die verlorene Skagerrak-Schlacht von 1916 teil, bei der eine Tafel mit der - heute noch zu sehenden - Inschrift enthüllt wurde: "Nicht klagen. Wieder wagen! Seefahrt ist not!" Und daneben auf Latein: "Möge ein Rächer aus unseren Gebeinen erstehen."
Darüber hinaus legte er sich einen zweifelhaften Ruf als Schürzenjäger zu. Im Dezember 1930 lernte er auf einem Ball seine spätere Ehefrau, Lina von Osten, kennen, die ebenfalls aus einem nationalistischen Elternhaus kam. Im Januar 1931 fand die Heirat in Großenbrode statt. Aus der Ehe gingen später vier Kinder – Klaus, Heider, Silke und Marte – hervor.
Heydrich hatte allerdings in dieser Zeit eine Beziehung zu einer anderen Frau, der Tochter des Marinewerftdirektors von Kiel. Die Beziehung beendete er, indem er ihr die aus einem Lokalblatt ausgeschnittene Verlobungsanzeige mit Lina von Osten zuschickte.
Heydrich hatte allerdings in dieser Zeit eine Beziehung zu einer anderen Frau, der Tochter des Marinewerftdirektors von Kiel. Die Beziehung beendete er, indem er ihr die aus einem Lokalblatt ausgeschnittene Verlobungsanzeige mit Lina von Osten zuschickte.
Unehrenhafte Entlassung
Nach dem Kodex der Marine hatte Heydrich sich unehrenhaft verhalten. Die Angelegenheit wurde vor einem „Ehrenrat” verhandelt. Heydrichs arrogantes Auftreten vor dem Rat führte mit dazu, dass er im April 1931 von Admiral Erich Raeder wegen „ehrwidrigen Verhaltens” aus der Marine entlassen wurde. Dieser Ausschluss war der schwerste Schlag in seinem Leben und machte ihm zeitlebens zu schaffen.
Im Juni 1931 trat Heydrich in die NSDAP (Mitglied Nr. 544 916) und die SS (SS Nr. 10 120) ein. Er schloss sich der SA an und nahm an deren berüchtigten „Saalschlachten“ gegen Sozialisten und Kommunisten teil.
Zu dieser Zeit baute Heinrich Himmler die „Schutzstaffel des Führers“, die SS, systematisch auf. Um die Tätigkeiten der Organisation besser zu koordinieren und vor allem politische Gegner zu überwachen und auszuschalten, benötigte die wachsende SS einen effizienten Nachrichtendienst. Über seinen Freund Karl von Eberstein, den Führer der SA in München und Oberbayern, wurde Heydrich im August 1931 Himmler vorgestellt. Heydrich skizzierte ihm kurz seine Vorstellungen vom Aufbau eines Nachrichtendienstes. Weil Himmler fälschlicherweise seine Funkausbildung als Teil der militärischen Abwehr versteht, beauftragt er Heydrich mit dem Aufbau eines Nachrichten- und Überwachungsdiensts für die Partei, des späteren Sicherheitsdiensts (SD).
Chef des SD
Im Juli 1932 wird Heydrich Leiter des neu geschaffenen SD, der organisatorisch Himmlers SS untersteht. Er ist mittlerweile zum engsten Mitarbeiter von Himmler geworden und in der SS-Hierarchie zum Standartenführer aufgestiegen. Im November 1933 wird der SD als fünftes Hauptamt innerhalb der SS direkt Himmler als Reichsführer SS unterstellt. 1934 erhält Heydrch von Himmler den SS Ehrenring. Der SS-Ehrenring war eine private Auszeichnung Heinrich Himmlers an SS-Angehörige, die die „SS-Führerschule“ erfolgreich abgeschlossen hatten.
Der Ring wurde aus Silber gearbeitet und trägt auf seiner Stirnseite einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen. Ferner waren zahlreiche Runenzeichen angebracht, die dem Träger die so genannten „Germanischen Tugenden“ stärken sollten. Innen eingraviert waren „SLB“ („Seinem Lieben“), der Name des Trägers, der Verleihungstag und „H. Himmler“. Obwohl keine offizielle Parteiauszeichnung, war der Totenkopfring bei Angehörigen der SS äußerst begehrt. Als sich die Kriegsniederlage näherte, ließ Himmler alle noch existierenden Ringe in eine Kammer nahe der Wewelsburg einschließen. Ringe von gestorbenen Trägern wurden bis zum Januar 1945 an Himmler zurückgesendet, danach häufig mit dem Träger begraben.
Als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, bedeutete dies für die SA und SS einen legalen Zugang zur Macht. Das Ermächtigungsgesetz ermöglichte die Zerschlagung jedweder Opposition. Die Staatsbürokratie wurde systematisch aufgerollt und von linientreuen Anhängern des Regimes übernommen.
Das nach außen hin straff organisierte Dritte Reich wies im Innern allerdings eine Struktur rivalisierender Machtgruppierungen auf, wie NSDAP, SA, SS, Wehrmacht sowie verschiedene geheimdienstliche und polizeiliche Organisationen. Diese Rivalität zwischen Hermann Göring, Joseph Goebbels, Heinrich Himmler und Ernst Röhm wurde von Hitler noch geschürt. Dadurch erreichte er auch, dass diese Funktionäre eine ausgeprägte Abneigung untereinander pflegten.
Das Röhm Dossier
1934 schien es als ob Hitler der unumschränkte Herrscher über Deutschland wäre; doch er fürchtet ständig diese Macht zu verlieren. Deshalb verfolgte er auch die Taktik des teilen und herrschen. Ernst Röhm war von allen am meisten gefürchtet, da das Machtpotential der mächtigen SA jeden von ihnen hätte hinwegfegen können. Göring und Himmler instruierten Heydrich, ein Dossier über Röhm zusammenzustellen.
Die SA unter Ernst Röhm wurde nach der Machtübernahme zunehmend unzufriedener. Sie hatte Hitler ihrer Auffassung nach an die Macht gebracht, spielte jetzt jedoch nur noch eine untergeordnete Rolle. Ein Teil der SA forderte eine so genannte zweite sozialistische Revolution. Hitler, dem die SA unbequem wurde, suchte nach Möglichkeiten, diese auszuschalten. Die neue Reichsregierung unter Hitler war für ihre Pläne auf die Unterstützung der Reichswehr, welcher Hitler das Waffenmonopol zugesichert hatte, und der Wirtschaft angewiesen und wollte das Image des Straßenkämpfers ablegen. Dem widersprach der Wille Röhms, die SA in eine reguläre Armee umzuwandeln. Heydrichs SD leistete hier ganze Arbeit und sammelte fingierte Beweise für einen unmittelbar bevorstehenden Putsch.
Von Heydrich und der SS wurden Gerüchte über einen Putschversuch durch Röhm sowie über seine homosexuellen Neigungen verbreitet. Am 30. Juni 1934 wurde auf Befehl, und unter aktiver Beteiligung Hitlers, Ernst Röhm, zusammen mit der Führungsriege bei einer Tagung in Bad Wiessee verhaftet und am 1. Juli im Gefängnis in München Stadelheim ermordet. Die Führung der SA war zu einer Tagung in Bad Wiessee zusammengekommen; die Erschießung erfolgte ohne Gerichtsverfahren, nachdem sich Röhm geweigert hatte, sich selbst umzubringen. Mehr als 200 Personen verloren in drei Tagen ihr Leben. Für seine Dienste bei der Aktion wurde Heydrich am 1. März 1934 zum SS-Gruppenführer ernannt.
1936 wurde Heydrich Leiter der Sicherheitspolizei und des SD für das gesamte Deutsche Reich. Die politische Polizei der Länder wurde reichseinheitlich zur Geheimen Staatspolizei (Gestapo) unter seiner Führung zusammengefasst. Als Organisator baute er ein Kontroll- und Unterdrückungssystem auf und wendete Verfolgung, Einschüchterung und Erpressung als Terrormaßnahmen an. Seine nachrichtendienstliche Schlüsselposition nutzte er zu umfangreichen Dossiers über vermeintliche Regimegegner und Rivalen.
Unter anderem fertigte Heydrich ein Dossier über den sowjetischen Geheimdienst OGPU (Vereinigte politische Hauptverwaltung), Vorläuferorganisation des späteren KGB, an. Dann begann er Stalin mit Falschmeldungen über einen bevorstehenden Militärputsch zu füttern. Diese Meldungen ließen ihn glauben, die Rote Armee würde mit deutschen Spionen unterwandert. Ende 1936 hatte Heydrich 32 gefälschte Dokumente in Umlauf gebracht, die den paranoiden Diktator Stalin dazu brachten, die Hälfte des russischen Offizierskorps, sowie 35.000 Unterführer und Soldaten umzubringen oder in Gulags zu verschleppen.
Der sowjetische Generalstabschef Michail Nikolajewitsch Tuchatschewski wurde verdächtigt, mit deutschen Militärs in regem Briefwechsel zu stehen. Doch diese Briefe waren Fälschungen. Es hinderte Stalin nicht, ihn am 22. Mai 1937 durch den NKWD-Chefs Jeschow ohne gerichtliche oder staatsanwaltliche Grundlage zu verhaften und der "Leitung antisowjetischer und trotzkistischer Organisationen innerhalb der Roten Armee" anzuklagen. Am 11. Juni wurden ihm im vierten Moskauer Prozess vom obersten Gericht der Sowjetunion seine militärischen Ränge und Titel aberkannt und er wurde zum Tode verurteilt.Am 12. Juni 1937 wurde er erschossen. Seine Frau Nina J. Grintschewitsch wurde zunächst verbannt und 1941 ebenfalls erschossen. Fast seine ganze Familie wurde entweder inhaftiert oder zu Lagerhaft verurteilt. Drei seiner Schwestern überlebten bis 1957, als Tuchatschewski offiziell rehabilitiert wurde.
Herrscher über das RSHA
Am 27. September 1939 wurde das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) von Reichsführer-SS Heinrich Himmler durch Zusammenlegung von Sicherheitspolizei (Sipo) und Sicherheitsdienst (SD) gegründet. Erster Chef wurde Reinhard Heydrich. Das Amt stellte als eines von 12 Hauptämtern der SS mit 3000 Mitarbeitern die zentrale Behörde dar, die den größten Teil der deutschen Sicherheitsorgane leitete. Seinen Hauptsitz hatte es in der Berliner Wilhelmstraße 101, wo sich die Büros von Heydrich und Kaltenbrunner befanden und in der Prinz-Albrecht-Straße 8, wo die Zentrale der Gestapo war.
Heydrich war auch für den Überfall auf den Sender Gleiwitz verantwortlich. Dieser Zwischenfall sollte den Angriff auf Polen propagandistisch vorbereiten. Am Abend des 31. August 1939 drang der SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks zusammen mit fünf oder sechs SS-Leuten in den Sender Gleiwitz ein, um einen polnischen Überfall vorzutäuschen. Ein Toter – aus einem KZ herbeigeschafft und intern als „Konserve“ bezeichnet – wurde als „Beweis“ für den angeblichen polnischen Überfall in der Sendeanlage zurückgelassen. Die Aktion dauerte nur wenige Minuten, dann verschwanden Naujocks und seine Männer wieder.
Jagdflieger Heydrich
Zu Beginn des 2. Weltkrieges diente Reinhard Heydrich auch als Reservehauptmann, später als Major in der Luftwaffe. Trotz seines fortgeschrittenen Alters absolvierte er 1940 auf dem Fliegerhorst Werneuchen bei Berlin einen Jagdfliegerlehrgang. Heydrich wollte damit ein Exempel statuieren, dass Mitglieder der SS keine Etappenhengste hinter der Front, sondern zur führenden Elite der Nation gehörten. Im April 1940 flog er eine Messerschmitt Bf 109 in der Jagdgruppe II des Jagdgeschwaders 77, „Herz As“, in Norwegen. Die Flugzeuge, die Heydrich flog, trugen eine alte germanische Rune, ein S für Sieg, auf dem Rumpf. Am 13. Mai 1940 überschlug sich seine Me beim Start in Stavanger. Heydrich verletzte sich am Arm, das Flugzeug war Schrott.
Obwohl ihm sein Chef Himmler mehrmals das Fliegen verbot, war Heydrich zu Beginn des "Unternehmens Barbarossa" in der UdSSR heimlich wieder am Start: Mit seiner privaten Me-109 erschien er beim JG 77 auf dem Stützpunkt Balti (Belzy) in Moldawien. Bei einem Angriff auf eine Dnjestr-Brücke nahe Jampol am 22. Juli 1941 traf sowjetische Flak seine Maschine. Heydrich musste zwischen den Fronten notlanden. Sein Geschwaderchef Anton Mader schwitzte Blut und Wasser: Der Gestapo-Chef in der Hand Stalins - Hitlers Zorn wäre furchtbar. Schließlich erlöste ihn ein Anruf von einer Fronteinheit: "Hier ist einer von euch runter gefallen, der muss einen abbekommen haben. Behauptet, er sei Reinhard Heydrich."
Die Deutschen, die den unversehrt gebliebenen Heydrich in Sicherheit brachten, waren seine Untergebenen: Ein Trupp des Sonderkommandos 10a der Einsatzgruppe D brachte ihn zu Kommandochef Heinz Seetzen, den Heydrich noch als Hamburger Gestapo-Chef kannte. Sein Sk 10a hatte eben bei der "Partisanenbekämpfung" 45 Juden und 30 Geiseln getötet. Nach dem Absturz beendete Himmler die Karriere des Luftwaffen-Majors Heydrich endgültig. "Er hatte fliegerisch keine große Erfahrung und damit auch keinen Abschusserfolg", erinnert sich Pilot Georg Schirmböck, der mit Heydrich flog. Er erhielt aber für seine 60 Einsätze die Frontflugspanne in Silber.
Die Deutschen, die den unversehrt gebliebenen Heydrich in Sicherheit brachten, waren seine Untergebenen: Ein Trupp des Sonderkommandos 10a der Einsatzgruppe D brachte ihn zu Kommandochef Heinz Seetzen, den Heydrich noch als Hamburger Gestapo-Chef kannte. Sein Sk 10a hatte eben bei der "Partisanenbekämpfung" 45 Juden und 30 Geiseln getötet. Nach dem Absturz beendete Himmler die Karriere des Luftwaffen-Majors Heydrich endgültig. "Er hatte fliegerisch keine große Erfahrung und damit auch keinen Abschusserfolg", erinnert sich Pilot Georg Schirmböck, der mit Heydrich flog. Er erhielt aber für seine 60 Einsätze die Frontflugspanne in Silber.
Heydrich war der Hauptarchitekten des Holocaust während des 2. Weltkrieges. Seine “Karriere” als einer der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts begann in der „Kristallnacht“. Der polnische Jude Herschel Grynszpan (Hermann Grünspan), ein 17-jähriger Emigrant, hatte am 7. November in der Deutschen Botschaft in Paris zwei Schüsse auf den Legationssekretär abgegeben, erzürnt über die Vertreibung seiner Familie aus Hannover an die Grenze zu Polen. Dort waren 17. 000 im Reich wohnende polnische Juden unter elenden Bedingungen zusammengepfercht, sie sollten abgeschoben werden. Heydrichs Gestapo leitete die Aktion.
Heydrich hat den wüst um sich greifenden Antisemitismus genutzt, um mehr Macht zu erlangen. Während Juden im Führerstaat boykottiert, angegriffen und systematisch entrechtet wurden, nahm seine Gestapo willkürlich Verhaftungen vor, arbeitete sein Sicherheitsdienst (SD) rastlos an Plänen zur "Entjudung Deutschlands". Heydrich hatte viel eher als sein zaghafter Dienstherr, SS-Führer Heinrich Himmler, erkannt, dass es in Hitlers Rassenwahn nichts Wichtigeres gab. "Heydrich wollte Himmler hier übertreffen", erklärt der Stuttgarter Historiker Eberhard Jäckel. "Heydrichs Ehrgeiz und Machtgier ermöglichten Hitler, das zu tun, was er schon immer tun wollte."
Umsetzung der "Nürnberger Gesetze"
Nun gab das Attentat von Paris den Vorwand, die Nürnberger Gesetze umzusetzen auf einen Angriff auf Hab und Gut, auf Leib und Leben. Und jetzt gab Heydrich einen Vorgeschmack auf das was noch kommen sollte. Gestapo-Chef Heinrich Müller aus Berlin - nach Rücksprache mit Heydrich – wies die Staatspolizei an: "Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden insbesondere gegen deren Synagogen stattfinden. Sie sind nicht zu stören." Die Polizei solle jedoch die Verhaftung von "20-30 000 Juden" vorbereiten. Nachdem Himmler, der zunächst seine Schutzstaffel heraushielt, von Hitler in dessen Münchner Privatwohnung eingewiesen worden war, gab er Heydrich Bescheid.
Am 10. November 1938 um 1.20 Uhr präzisierte der "Chef der Sicherheitspolizei und des SD" in einem geheimen Blitz-Fernschreiben die Befehle: "Es dürfen nur solche Maßnahmen getroffen werden, die keine Gefährdung deutschen Lebens und Eigentums mit sich bringen. Geschäfte und Wohnungen von Juden dürfen nur zerstört, nicht geplündert werden." Um 3.43 Uhr funkte Heydrich, die "Judenaktion" solle keine Strafermittlungen auslösen.
Zwei Tage lang wütete der braune Mob. Am 12. November zog Heydrich bei einer Ministerialkonferenz vor Reichsmarschall Hermann Göring Bilanz: 7500 Geschäfte und 177 Synagogen zerstört, "mehrere 100 Millionen Reichsmark" Sachschaden, 800 Fälle von Plünderungen. Die 91 Todesopfer scherten Wirtschaftslenker Göring nicht: "Mir wäre lieber gewesen, ihr hättet 200 Juden erschlagen und nicht solche Werte vernichtet."
Am Abend des 22. Juni 1940 wurde Himmler zu einem Privatgespräch mit Hitler in sein Feldquartier “Wolfsschlucht” in Brûly-de-Pesche (Belgien) gebeten. Das Gespräch fand in Hitlers Privaträumen statt und es wurden keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Das war auch nicht notwendig, denn mündliche Befehle Hitlers waren Gesetz. Bei dem bevorstehenden Unternehmen „Barbarossa“, dem Angriff auf Russland, sollten hinter der Front Millionen von Juden von SS -Sonderkommandos umgebracht werden.
Am 30. Juni 1940, genehmigte der Führer Himmlers Plan. Obwohl er damit beauftragt worden war, war es Heydrich, der den Plan gnadenlos mit den Einsatzgruppen in die Tat umsetzte.
Gründung der Einsatzgruppen
Im Sommer 1938, als die Wehrmacht den Angriff auf die Tschechoslowakei mit Angriffstermin 1. Oktober vorbereitete, wurden diese Einsatzgruppen gegründet. Ihr Aufgabe wäre es gewesen, direkt hinter der kämpfenden Truppe in Regierungsbüros nach wichtigen Dokumenten Ausschau zu halten. Sie waren keine reguläre Einheiten, sondern Truppen, die ad hoc aus den Reihen der SS, des SD, der Ordnungspolizei, der Gendarmerie, der Kripo und der Gestapo rekrutiert wurden. Sie wurden mehre Monate trainiert und in den Einsatz geschickt.
Während des Polenfeldzuges befahl Heydrich ihren Einsatz hinter der Front und erteilte Kommandeuren und Untergebenen Carte Blanche. Sie konnten jeden umbringen, der sich feindlich den Deutschen gegenüber verhielt.
Nach der Besetzung Polens töteten sie die polnische Intelligenz wie Priester und Lehrer. Während des Westfeldzuges hingegen, reduzierte sich ihre Aufgabe wieder auf die Sicherstellung offizieller Papiere. Wäre Operation Seelöwe, die Eroberung Englands gelungen, dann wären sechs Einsatzgruppen zum Einsatz gekommen. Sie hatten Listen, die nach dem Krieg als „Schwarzbuch“ bekannt wurden, in denen die Namen von 2.820 Personen standen, die sofort verhaftet worden wären.
Nach der Invasion der Sowjetunion 1941 war die Hauptaufgabe der Einsatzgruppe, die Ermordung aller kommunistischen Offiziere und Juden. Die Einsatzgruppen standen unter direktem Befehl von Heydrich und dem RSHA. In dem offiziellen Einsatzbefehl hieß es, dass Regierungs- und Parteidokumente sichergestellt werden sollten, alle höheren Kader des Staates umgebracht und die Bevölkerung zu Progromen gegen die lokale jüdische Bevölkerrung angestachelt werden sollte. Doch sehr schnell waren die Einsatzgruppen eher mit Massenerschießungen als Progromen beschäftigt.
Zunächst beschränkten sie sich auf die Erschießung von Männern, doch im Verlaufe des Sommers machte man keinen Unterschied mehr und tötete alle; egal ob Kinder, Frauen oder alte Menschen. Die schrecklichste aller Einsatzgruppen war Einsatzgruppe A, die in den baltischen Staaten, Litauen, Lettland und Estland operierte. Sie waren die ersten, die systematisch alle Juden töteten. Nach dem Dezember 1941 begann die Aktion der übrigen drei Gruppen, die Raul Hilberg, US-amerikanischer Historiker österreichischer Herkunft und einer der bekanntesten und bedeutendsten Holocaust-Forscher, als „zweites Fegen (mit dem Besen)“, bezeichnete. Das dauerte bis zum Sommer 1942 und übertraf noch die Zahlen der Einsatzgruppe A.
Insgesamt ermordeten sie 1,5 Millionen Juden, Kommunisten, Kriegsgefangene und Roma (Zigeuner). Sie unterstützten die Wehrmacht und lokale Antisemiten bei der Ermordung einer weiteren halben Million Menschen. Zunächst, zu Beginn des russischen Feldzuges, waren sie mobile Einheiten, anschließend, wurden sie im besetzten Gebiet stationiert. Zuzüglich zu ihren Mordaktionen nutzte man sie zu Einsätzen gegen Partisanen.
Einladung zur Wannseekonferenz
Am Abend des 31. Juli, 1941 legte Heydrich, Chef des RSHA, Hermann Göring, dem zweiten Mann im Staate, ein Dokument zur Unterschrift vor. Adolf Hitler hatte ihm weitreichende Macht zur Vernichtung der Juden erteilt. Mit Görings Unterschrift wurde Heydrichs Vorreiterrolle in der Judenvernichtung bestätigt. Heydrich nutzte dieses Papier gegenüber dem RSHA und anderen Regierungsstellen als Legitimation der Mordaktionen der Einsatzgruppen und seine eigene Rolle bei der Aktion „Endlösung der Judenfrage.“ Jeder, der zu einer Konferenz am Wannsee am 29. November 1941 eingeladen wurde, erhielt eine Abschrift dieses Dokumentes.Das Originaldokument lautete:
Der Reichsmarschall des Großdeutschen Berlin, den 31.7.1941Reiches
Beauftragter für den Vierjahresplan
Vorsitzender
Des Ministerrates für die Reichsverteidigung
An den
Chef der Sicherheitspolizei und des SD
SS-Gruppenführer Heydrich
Berlin
In Ergänzung der Ihnen bereits mit dem Erlaß vom
21. 1.39 übertragenen Aufgabe, die Judenfrage in Form der
Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverhält-
nissen entsprechend möglichst günstigsten Lösung zuzu-
Führen, beauftrage ich Sie hiermit, alle erforderlichen
Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und
materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung
der Judenfrage im deutschen Einflussgebiet in Europa.
Sofern hierbei die Zuständigkeiten anderer
Zentralinstanzen berührt werden, wird diese zu betei-
ligen.
Ich beauftrage Sie weiter, mir in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen.
Unterschrift von Göring
Am 20. Januar 1942 war Heydrich der Vorsitzende der Wannseekonferenz, bei der die Pläne für die Deportation der Juden in die Vernichtungslager besprochen wurden.
Diese Konferenz fand in einer stilvollen Villa am Wannsee, einer vornehmen Gegend etwas außerhalb von Berlin statt. Nacheinander fuhren die Limousinen der Teilnehmer vor. Einer nach dem anderen betraten die Männer die Empfangshalle, wo Diener ihre Mäntel in Empfang nahmen, und sie der Dinge nervös harrten, die da kommen sollten. Die 15 wichtigsten und in der Hierarchie am höchsten stehenden Technokraten sollten hier die „Endlösung“ diskutieren. Während der Plan, die Juden in ganz Europa zu entrechten, bereits auf dem Wege war, und die Ermordung in einigen Teilen Osteuropas bereits begonnen hatte, war es nun Zeit, eine größere Effizienz walten zu lassen. Es sollten noch so viele – 11 Millionen – umgebracht werden, dass dies schneller vonstatten gehen musste.
Die Teilnehmer der Konferenz waren:
• SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich (Leiter desReichssicherheitshauptamtes, Stellvertretender Reichsprotektor von
Böhmen und Mähren)
• Gauleiter Dr. Alfred Meyer (Reichsministerium für die besetzten
Ostgebiete)
• Reichsamtsleiter Dr. Georg Leibbrandt (Reichsministerium für die
besetzten Ostgebiete)
• Dr. Wilhelm Stuckart (Staatssekretär im Reichsministerium des Innern)
• Erich Neumann (Staatssekretär im Amt des Beauftragten für den
Vierjahresplan)
• Dr. Roland Freisler (Staatssekretär im Reichsjustizministerium)
• Dr. Josef Bühler (Staatssekretär im Amt des Generalgouverneurs in
Krakau)
• Martin Luther (Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt)
• SS-Oberführer Dr. Gerhard Klopfer (Ministerialdirektor der Parteikanzlei
der NSDAP, Leiter der Staatsrechtlichen Abteilung III)
• Ministerialdirektor Friedrich Wilhelm Kritzinger (Ministerialdirektor der
Reichskanzlei)
• SS-Gruppenführer Otto Hofmann (Chef des Rasse- und
Siedlungshauptamtes der SS)
• SS-Gruppenführer Heinrich Müller (Chef des Amtes IV (Gestapo) des
Reichssicherheitshauptamtes)
• SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann (Leiter des Referats IV B 4
(u.a. Judenangelegenheiten, Auswanderung und Räumung) im
Reichssicherheitshauptamt)
• SS-Oberführer Dr. Karl Eberhard Schöngarth (Befehlshaber der
Sicherheitspolizei und des SD im Generalgouvernement)
• SS-Sturmbannführer Dr. Rudolf Lange (Kommandeur der
Sicherheitspolizei und des SD für Lettland in Vertretung seines
Befehlshabers).
Die Besprechung fand an einem großen Konferenztisch statt, der direkt neben einem Esszimmer gelegen war, wo später elegant gespeist werden sollte. Es war eine kurze Besprechung, etwa anderthalb Stunden (laut Aussage Eichmanns) lang. Es durften keine Notizen gemacht werden aber jeder der Teilnehmer bekam ein von Heydrich aufgesetztes Protokoll. Insgesamt wurden 30 Exemplare dieses Protokolls ausgestellt. Davon wurde bis heute nur das Exemplar des Konferenzteilnehmers Martin Luther aufgefunden. Es wurde erst 1947 während der Vorbereitungen für den „Wilhelmstraßen-Prozess“ in Nürnberg in Geheimakten des Auswärtigen Amtes entdeckt. Offenbar entging es nur deshalb der Vernichtung, weil Luther wegen eines Putschversuchs gegen Außenminister Ribbentrop im KZ Sachsenhausen inhaftiert war. Von diesen Notizen sollte die Welt erfahren, mit welcher Kälte und welch großem Enthusiasmus die Ermordung von Millionen von Menschen beschlossen wurde.
Heydrich bemühte sich, bei seiner späteren schriftlichen Bestandsaufnahme um eine neutrale Sprache. Doch hatte man seinen Code entschlüsselt, so wurde die Absicht deutlich: Diese Männer sollten den Bau und Unterhalt von Todeslagern, Gaskammern und Krematorien beschließen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Erschießungen und Gaswagen als ineffizient erwiesen und waren eine Qual für diejenigen, die sie ausführen mussten. Die Lösung des Problems war die Nutzung von mehr Arbeitslagern, in denen an „natürlichen Ursachen“ sterben würden. Die Vernichtungslager Auschwitz, Belzec, Majdanek und Malyj Trostinez waren längst im Entstehen. Gaskammern und Krematorien als effektivste Massenmordmethode waren, nach mehreren Inspektionsreisen Eichmanns in die Todeslager, bereits gewählt, Zyklon B im September 1941 in Auschwitz schon "getestet" worden.
In dem Heydrich sich in einer Art “Amtssprache” artikulierte, machte er den Teilnehmern klar, dass sie die Befehle so ausführen würden, als ob sie Teil eines Räderwerkes wären, das nur dazu da war, störungsfrei zu laufen. Niemand sollte für die Einleitung der Aktion verantwortlich sein oder sich fühlen, es ging hier ausschließlich um einen reibungslosen Ablauf und Schnelligkeit. Sie sollten ihren Job ohne Rückfragen zu Ende führen. Die „Endlösung“ sollte mit Präzision und ökonomisch durchgeführt werden. So als ob sie Arbeitsabläufe in einem Industriekonzern definieren würden. Befehl und Gesetz.
Als Adolph Eichmann (Leiter des Gestapo-Referats IV B 4 für „Juden- und Räumungsangelegenheiten“), der die Rede Heydrichs zur Wannseekonferenz verfasst hatte, in den 60er Jahren in Israel vor Gericht stand, wurde er natürlich auch über diese befragt. Er sagte aus, dass Heydrich seinen Einflussbereich vergrößern wollte, indem er den anderen seinen Willen aufzwang. Damit er dieses Ziel erreichte, verfasste Eichmann eine Übersicht, in wie weit die Judenaktion fortgeschritten wäre und welche Schwierigkeiten dabei aufgetreten wären. Um das Ganze zu beschleunigen, mussten diese Schwierigkeiten beseitigt werden.
Der erhaltene Protokolltext dokumentiert den Plan zur rationalisierten Ermordung aller europäischen Juden, das prinzipielle Einverständnis und die effektive Beteiligung des nationalsozialistischen Staatsapparates an diesem industrialisierten Völkermord. Die Formulierung „entsprechend behandelt" in Eichmanns Wiedergabe des Einleitungsreferats von Heydrich wird als typische Tarnfloskel für die Ermordung der die Zwangsarbeit überlebenden Juden gesehen, da der Kontext keinen anderen Schluss zulässt. Nach Aussage Eichmanns in seinem Prozess war die tatsächliche Sprache unmissverständlich: Es wurde vom Töten und Eliminieren und Vernichten gesprochen. Wieweit dies zutrifft und über welche Tötungsvarianten gesprochen wurde, ist unter Historikern umstritten. Sandkühler stellt dar, dass bis zur WSK in Ostgalizien Jüdinnen und Juden gemordet wurden, die von den Nazis als arbeitsunfähig eingestuft wurden; nach der WSK galt der Mordbefehl für alle Juden überhaupt, mit Ausnahme der winzigen Zahl derer, die in der Erdöl-Industrie als unentbehrlich deklariert wurden, was oft genug persönlichen Einsatz von "Rettern" erforderte.
Dieser ersten Wannseekonferenz auf Staatssekretärsebene folgten zwei Nachfolgekonferenzen auf Referenten-/Arbeitsebene zur Klärung weiterer Fragen. Diese fanden am 6. März 1942 und 27. Oktober 1942 im Referat IV B 4 von Adolf Eichmann in der Berliner Kurfürstenstraße statt. Der „Endlösung“, dem größten geplanten und ersten industriellen Massenmord der Geschichte, fielen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges rund sechs Millionen Juden - Jude hier im Sinne der in den Nürnberger Gesetzen formulierten nationalsozialistischen Rassenideologie - zum Opfer.
Nachdem 1938 die Tschechoslowakei von deutschen Truppen besetzt worden war, etablierten die Deutschen sofort eine neue Regierung. Ein „Reichsprotektor“ für Böhmen und Mähren wurde eingesetzt, der auf dem Prager Hradschin residierte. Mit diesem Amt wurde Konstantin von Neurath ernannt, der abgesetzte deutsche Außenminister. Neurath nahm seine Aufgabe nach Auffassung von Heydrich und dem SS-Funktionär Karl Hermann Frank nicht mit der nötigen Härte wahr – beide hatten Ambitionen auf Neuraths Posten. Heydrich sammelte Belege über Neuraths angebliche Unzuverlässigkeit, was dazu führte, dass dieser auf unbestimmte Zeit „beurlaubt“ wurde – offiziell wurde mitgeteilt, er habe den „Führer“ aus gesundheitlichen Gründen um seine Abdankung gebeten.
Reichsprotektor für Böhmen und Mähren
Heydrich wurde zum stellvertretenden Reichsprotektor ernannt, blieb aber gleichzeitig Chef des RSHA. Am 27. September 1941 traf er in Prag ein. Heydrich selbst zog mit seiner Familie auf das Landgut Jungfern-Breschan, etwa 20 km von Prag entfernt, das zuvor dem jüdischen Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch-Bauer abgenommen worden war.
Heydrich hatte seine eigenen Pläne in Bezug auf die Tschechen. Seine grotesken pseudo-wissenschaftlichen Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass 45 % erfolgreich „germanisiert“ werden könnten, 40 % minderwertige Bastarde wären und 15% rassisch nicht zu tolerieren wären. In einer Rede im Oktober 1941 stellte er fest: „Böhmen und Mähren muss deutsch werden. Die Tschechen haben hier nichts zu suchen.“
Er wollte seinen üblen Ruf als "des Deutschen Reiches Müllkipper" und "Bluthund" hinter sich lassen, vom Staatsverbrecher zum Staatsmann aufsteigen. Prag bot sich für seine neue Methode "Zuckerbrot und Peitsche" an. Tschechien lebte, während anderswo der Krieg tobte, fast wie im Frieden: Männer - vom Wehrdienst freigestellt - waren zum Abendbrot zu Hause, die Städte blieben von Bombenangriffen verschont, der Widerstand gegen die Besatzer lief lahm. Trotzdem kannte Heydrich keine Gnade, damit niemand das Reich "für schwach hält": Kaum hatte er am 27. September den Hradschin, seinen neuen Amtssitz, betreten, ließ er den tschechischen Ministerpräsidenten Alois Elias verhaften. Sofort verhängte er den Ausnahmezustand, unter dem bis zum 29. November 400 Tschechen erschossen wurden. Mehr als 4.000 verschwanden in den Gestapo-Kellern. Bald begann auch die Deportation der Prager Juden. Er entschied, dass in Terezín (Theresienstadt) ein Konzentrationslager für die jüdische Bevölkerung Böhmens und Mährens errichtet wurde.
Ambivalente Unterdrückung
Die von Kriegseinwirkungen weitgehend verschonten böhmischen und mährischen Gebiete boten dem NS-Regime optimale geographische und strategische Bedingungen für ihre Kriegsproduktion. Deshalb investierte die NS-Führung besonders in die Schwer- und Waffenindustrie erhebliche Finanzmittel. Der als Arbeitskräftepotential dringend benötigten tschechischen Bevölkerung wurden durch Vollbeschäftigung, durch eine gesicherte Nahrungsmittelversorgung und durch Intensivierung der Gesundheitsfürsorge erträgliche Lebensbedingungen gewährleistet. Die "gefährlichen Elemente" der tschechischen Bevölkerung wie Kommunisten und Intellektuelle allerdings waren Repressions- und Terrormaßnahmen der deutschen und der mit ihnen kollaborierenden tschechischen Sicherheitsbehörden ausgeliefert. Mindestens 38.000 Tschechen fielen den so genannten Säuberungsaktionen zum Opfer. Zugleich erhöhte Heydrich propagandawirksam Lebensmittelrationen und jagte Schwarzhändler. Indem er den Arbeitern "ihr Fressen" gab, hoffte er auf Ruhe in der kriegswichtigen Rüstungsindustrie Böhmens.
Zu diesem Zeitpunkt war SS Obergruppenführer Heydrich ein überaus arroganter junger Mann, der es liebte im offenen grünen Mercedes 320 B Cabriolet mit der Nummer "SS-3" von seinem Landhaus nach Prag gefahren zu werden. Ungewöhnlich für einen hohen NS-Funktionär und zum Entsetzen von Himmler ließ Heydrich so gut wie alle Sicherheitsvorkehrungen außer Acht. Diese Fahrten im ungepanzerten Auto, ohne bewaffnete Eskorte war ein Ausdruck seiner Arroganz und eine Demonstration seiner Macht, um den Widerstand zu düpieren und die Bevölkerung zu befrieden.
Seinen Doppelposten in Prag und Berlin bewältigte Heydrich mit bewährtem Elan. Zwei-, dreimal die Woche pendelte er mit seinem Stab in einer Ju-52. Er nutzte alle Hilfsmittel wie ein moderner Manager: Funk, Diktafon, Kuriere, Lufthansa-Eilfracht, Diplomatenpost.
Britische Attentatspläne
Doch Heydrichs Herrschaft sollte nur von kurzer Dauer sein. Das British Special Operations Executive hatte Ende 1941 den Plan, eine Aufsehen erregende Aktion durchzuführen – ein Attentat auf den verhassten Reichsprotektor. Die Aktion erhielt den Decknamen „Anthropoid“. Unter strengster Geheimhaltung wurde ein eng ausgesuchter Kreis von Soldaten hierfür ausgebildet. Am Morgen des 29. Dezember 1941 um 2 Uhr 24 wurden schließlich Jozef Gabčík und Jan Kubiš von einem britischen Halifax-Bomber östlich von Pilsen mit Fallschirmen abgesetzt. Ungeklärt ist, warum für den brisanten Einsatz ausgerechnet jene Soldaten ausgewählt worden waren, die in ihrer Ausbildung eher mäßige Leistungen gezeigt hatten. Im britischen Ausbildungszeugnis der beiden Fallschirmjäger, die von der Royal Air Force bei Prag abgesetzt worden waren, bekamen Schlosser Gabcik und Kaminbauer Kubis schlechte Noten, Kubis im Umgang mit Sprengstoff zudem den Vermerk: "Langsam in Praxis und Reaktion."
Dieser Plan wurde vom heimischen Widerstand entsetzt abgelehnt, denn man fürchtete deutsche Massenrepressalien gegen Tschechen. In diesem Widerstand waren vier Gruppen mehr oder minder aktiv: "Volksverteidigung" (Obrana národa), eine Organisation ehemaliger Soldaten, "Politisches Zentrum" (Politické ústředí), eine Organisation ehemaliger Politiker, "Wir bleiben treu" (Vĕrni zůstaneme), eine Organisation von Intellektuellen, und "Jindra", eine Organisation, die aus dem ehemaligen nationalen Wehrsportverband "Sokol" (Falke) hervorgegangen war. Eigentlich war nur noch die Gruppe "Jindra" aktiv, und die sprach sich für ein Attentat auf den tschechischer Quisling Emanuel Moravec aus.
London aber hatte es auf Heydrich abgesehen, und Ende Dezember 1941 wurden per Fallschirm die Gruppen "Silver A", "Silver B" und "Anthropoid" über Böhmen abgesetzt, um das Attentat auszuführen. Über dieses sind ungezählte Bücher und Artikel geschrieben, Filme gedreht worden, ohne dass der Eindruck zu beseitigen war, es habe sich um ein bemerkenswert schlecht geplantes und vorbereitetes Unternehmen gehandelt, das dennoch ein Erfolg wurde: Die Attentäter landeten am falschen Platz, hatten keine Kontaktadressen, sollten sich von heimischen Widerständlern fernhalten und so dauerte es fünf Monate, bis wenigstens zwei Attentäter, Jan Kubis und Jozef Gabčík in die Nähe von Heydrich gelangten.
SS-3
Stern-Reporter Mario R. Dederichs und Teja Fiedler beschreiben in ihrem Buch "Heydrich - Das Gesicht des Bösen" die Ablauf der Ereignisse so:Um 10.32 Uhr lauerten ihm drei tschechische Attentäter an einer Haarnadelkurve im Prager Stadtteil Lieben (Liben) auf. Johannes Klein, der Heydrichs Mercedes 320 mit der Nummer "SS-3" fuhr, berichtete später, beim Abbremsen habe er einen Mann mit einer Maschinenpistole bemerkt, der jedoch "aus irgendwelchen Gründen" nicht schoss. Klein konnte nicht wissen, dass die Sten Gun des Attentäters Josef Gabcik klemmte, weil Kaninchenfutter hineingeraten war. Darunter nämlich hatte Gabcik die zerlegte Waffe in seiner Tasche versteckt. Der Chauffeur weiter: "Plötzlich detonierte im hinteren Teil des Fahrzeugs eine Bombe, die von einer anderen Person geworfen worden ist, die ich nicht wahrgenommen habe."
Heilloses Durcheinander brach aus. Während Heydrich blutend auf der Straße zusammensank, verfolgte Klein den Attentäter Gabcik, der seine nutzlose MPi weggeworfen hatte. Er stellte ihn in der Metzgerei Brauner, doch Gabcik feuerte ihm mit einer Pistole ins Schienbein und entkam. Kubis, aus Splitterwunden im Gesicht blutend, floh auf seinem Fahrrad bergab zum Zentrum. Ebenso entwischte der dritte Mann, Josef Valcik, der mit einem Spiegel Heydrichs Kommen signalisiert hatte.
Die stern-Reporter Mario R. Dederichs und Teja Fiedler beschreiben in ihrem Buch "Heydrich - Das Gesicht des Bösen" die Ereignisse des 27. Mai 1942 so:
„Um 10.32 Uhr lauerten ihm drei tschechische Attentäter an einer Haarnadelkurve im Prager Stadtteil Lieben (Liben) auf. (Oberscharführer) Johannes Klein, der Heydrichs Mercedes 320 mit der Nummer "SS-3" fuhr, berichtete später, beim Abbremsen habe er einen Mann mit einer Maschinenpistole bemerkt, der jedoch "aus irgendwelchen Gründen" nicht schoss. Klein konnte nicht wissen, dass die Sten Gun des Attentäters Josef Gabcik klemmte, weil Kaninchenfutter hineingeraten war. Darunter nämlich hatte Gabcik die zerlegte Waffe in seiner Tasche versteckt. Der Chauffeur weiter: "Plötzlich detonierte im hinteren Teil des Fahrzeugs eine Bombe, die von einer anderen Person geworfen worden ist, die ich nicht wahrgenommen habe."
„Um 10.32 Uhr lauerten ihm drei tschechische Attentäter an einer Haarnadelkurve im Prager Stadtteil Lieben (Liben) auf. (Oberscharführer) Johannes Klein, der Heydrichs Mercedes 320 mit der Nummer "SS-3" fuhr, berichtete später, beim Abbremsen habe er einen Mann mit einer Maschinenpistole bemerkt, der jedoch "aus irgendwelchen Gründen" nicht schoss. Klein konnte nicht wissen, dass die Sten Gun des Attentäters Josef Gabcik klemmte, weil Kaninchenfutter hineingeraten war. Darunter nämlich hatte Gabcik die zerlegte Waffe in seiner Tasche versteckt. Der Chauffeur weiter: "Plötzlich detonierte im hinteren Teil des Fahrzeugs eine Bombe, die von einer anderen Person geworfen worden ist, die ich nicht wahrgenommen habe."
Heilloses Durcheinander brach aus. Während Heydrich blutend auf der Straße zusammensank, verfolgte Klein den Attentäter Gabcik, der seine nutzlose MPi weggeworfen hatte. Er stellte ihn in der Metzgerei Brauner, doch Gabcik feuerte ihm mit einer Pistole ins Schienbein und entkam. Kubis, aus Splitterwunden im Gesicht blutend, floh auf seinem Fahrrad bergab zum Zentrum. Ebenso entwischte der dritte Mann, Josef Valcik, der mit einem Spiegel Heydrichs Kommen signalisiert hatte. Am Tatort erkannte eine Frau den verwundeten Statthalter und schrie: "Heydrich! Jesses Maria!" Tschechische Passanten sorgten dafür, dass ein Kleinlastwagen ihn zum nahen Krankenhaus Na Bulovka schaffte; einer trug sogar seine Tasche mit Geheimakten für eine Konferenz mit Hitler hinterher.
Heydrich im OP
Erst im Jahre 2003 brach der 91-jährige tschechische Chirurg Alois Vincenc Honek sein Schweigen und berichtete dem Stern von seinem Erlebnis im Krankenhaus:"Als ich in den Saal kam, wurde Heydrich schon ausgezogen. Er trug eine kugelsichere Weste, aber nur vorn. Er hat nicht gezeigt, dass er Schmerzen hatte. Ich fragte ihn: Sind Ihre Zähne fest? Aber er hat nicht geantwortet. Da habe ich seinen Mund geöffnet und alles kontrolliert." Splitter und Rosshaar vom Autopolster waren am Rücken links oberhalb des Zwerchfells eingedrungen und hatten Heydrichs Milz zerstört. Prags bester Internist, Josef Albert Hohlbaum von der Deutschen Klinik am Karlsplatz, leitete die OP. Der Professor begann mit einem großen Längsschnitt oberhalb des Nabels. Honek: "Auf einmal merkte er, dass es so nicht ging. Er hatte Schweiß auf der Stirn. Professor Dick reagierte schnell: ,Ihnen ist nicht gut. Wenn Sie erlauben, werde ich weitermachen."" Hohlbaum trat zurück, und Dick schnitt nun quer zur Seite. Er entfernte die Milz, flickte das Zwerchfell und schloss die Wunde. Erst danach wurde Heydrichs kollabierte Lunge wieder aufgepumpt. "Die Folgen traten ein, weil der Zugangsschnitt zu groß war", erinnert sich Honek. "Wir hatten keine großen Probleme erwartet, weil die eigentliche Wunde so klein war."
Nun breitete sich die ursprüngliche Infektion durch Material der Sitzpolsterung zu einer Entzündung im ganzen Bauchraum aus. Diese Perisplenitis war nicht aufzuhalten. Auch Himmlers Leibarzt Karl Gebhardt aus Berlin konnte nichts mehr retten: Am 4. Juni um neun Uhr starb Heydrich.
Schriftsteller und Historiker Miroslav Honzik schrieb ein Buch über seinen Tod und was er zu sagen hatte, war einfach bemerkenswert. Laut Honzik wurde Heydrich sofort in das Bulovka Krankenhaus gebracht, wo sofort Röntgenaufnahmen von Wirbelsäule und Becken gemacht wurden. Die Diagnose lautete: Rückenverletzung und zerrissene Milz. Gegen Mittag wurde Heydrich ungefähr 60 Minuten lang operiert. Der Mann, der über Leben und Tod der Tschechen entschied war nun in der Hand einiger weniger Mediziner. Dr. Hohlbaum begann die Operation und Dr. Walter Dick beendete sie. Die Milz, sowie ein 4x2 Zentimeter langer Metallsplitter wurden entfernt. Die beiden Ärzte waren sich darüber im klaren, dass es jederzeit zu einer Blutvergiftung hätte kommen können. Anschließend wurde auch der Fahrer Klein behandelt. Danach wurde der Reichsprotektor wieder in den Operationssaal für eine Bluttransfusion gebracht.
In seinem 1983 erschienen Buch wies Prokop Malek darauf hin, dass die Milzverletzung nicht tödlich war und Malek äußerte, wie Miroslav Honzik, Zweifel über die Todesursache Heydrichs. Zwei Faktoren bestimmten ihren Zweifel. Zum einen waren mehr deutsche Ärzte als nötig nach Prag befohlen worden, darunter der berühmte Professor Sauerbruch. Daneben war jedoch auch Himmlers persönlicher Arzt, Dr. Gebhardt, anwesend. Als Heydrichs Chef war er nur zu gut über das abgrundtiefe Böse in Heydrichs Charakter informiert; hieß es doch, Heydrich würde geheime Dossiers über jeden prominenten Nazi, inklusive Hitler, führen.
Am 3. Juni fühlte sich Heydrich sehr wohl, saß sogar in seinem Bett und genoss sein Essen. Doch am nächsten Morgen war er tot. Zwei deutsche Ärzte führten eine Autopsie durch. Einer der beiden, Professor Dr. Herwig Hamperl, schrieb in seinen Memoiren, dass keine krankhaften Veränderungen in Heydrichs Körper stattgefunden hätten. Daher, so zog er den Schluss, musste er wahrscheinlich an Schock gestorben sein. Doch Miroslav Honzik traute dieser Schlussfolgerung nicht und recherchierte weiter. Er erfuhr dabei, dass sämtliche medizinischen Unterlagen, inklusive des Autopsieberichtes, verschwunden waren.
Merkwürdige Todesumstände
Es gab zwei Möglichkeiten für den Tod Heydrichs – Blutvergiftung, oder anämischer Schock. Malek behauptete, dass während der Autopsie keine Hinweise auf eine Infektion gefunden worden wären. Nachdem er unzählige medizinische Experten zu dem Thema befragt hatte, kam er letztendlich zu dem Schluss, dass es keine Vergiftungen gegeben haben konnte. Blieb also nur noch die Frage des Schocks. Ein anämischer Schock wird durch Blutverlust verursacht. Darüber hinaus befindet sich der Patient in einem schlechten Gesamtzustand und verweigert Nahrungsaufnahme. Davon konnte bei Heydrich keine Rede sein, der noch wenige Stunden vor seinem Tod aß. Gleichfalls gab es auch keinen toxologischen Befund innerhalb des Autopsieberichtes. Doch der Umschwung seines Gesundheitszustandes war so dramatisch und die Symptome, die er zeigte, so ähnlich der einer Botulismusintoxikation. Botulismus ist eine lebensbedrohliche, meist durch verdorbene Lebensmittel hervorgerufene Vergiftung, die von Botulinumtoxin, einem vom Bakterium Clostridium botulinum produzierten Giftstoff, verursacht wird. Schon seit langem wurde schon vermutet, dass Botulin vereinzelt in Handgranaten zum Einsatz kam.
Obwohl die englischen Akten zum Attentat auf Heydrich immer noch unter Verschluss sind, ist bekannt, dass Paul Fildes, Chef des Porton Downs Forschungszentrums, das BTX (Botulinumtoxine) Waffen entwickelte, darin eine gewisse Rolle spielte. Er sollte später behaupten, dass der Tod Heydrichs „die erste Kerbe an meinem Pistolengriff war.“ Trotz aller Bemühungen starb jedoch Heydrich im Alter von 38 Jahren in dem Prager Hospital.
In der Zwischenzeit begannen die deutschen Repressalien. Um die Attentäter aufzuspüren begannen sie das Puzzle der Spuren vom Tatort zusammenzusetzen und stießen durch Zufall auf einen Koffer mit Papieren, die zu Tschechen führte, die falsche Papiere erwerben wollten. Zahlreiche Personen wurden verhaftet, verhört und gefoltert. Einige begangen Selbstmord, um nicht Verrat üben zu müssen. Die Gestapo setzte eine Belohnung von 100.000 Kronen aus, die zur Verhaftung der Attentäter führen sollte, und schließlich wurden sie von zwei Männer aus dem Team, Sergeant Karel Curda and Corporal Vilem Gerik, verraten. Diese hatten sich in der orthodoxen Kirche St Cyril und Methodius in der Resslova Straße. versteckt, wo sie am 18. June 1942 von den Deutschen zur Aufgabe aufgefordert wurden.
Die Deutschen stürmten die Kirche und die sieben Männer, Josef Bublík, Josef Gabcík, Jan Hrubý, Jan Kubiš, Adolf Opálka, Jaroslav Švarc und Josef Valcík, die sich dort verschanzt hatten, wehrten sich mit Pistolen, Maschinenpistolen und Handgranaten gegen fast 800 SS und Gestapo Männer fast sechs Stunden lang. Opalka wurde getötet, Kubis und Svarc schwer verwundet. Die übrigen vier hatten sich in die Krypta zurückgezogen, wo sie sich verteidigten. Doch alle Bemühungen, die vier aus der Krypta zu vertreiben misslangen. Nachdem die Deutschen 14 Mann verloren hatten, ging den Verteidigern die Munition aus und die Krypta wurde durch den Ventilationsschacht geflutet. Als sie zu ertrinken drohten, begingen sie Selbstmord. Der tschechische Bischof Matěj Pavlík, auch als 2. Heilige Gorazd bekannt, der den Attentätern Unterschlupf in seiner Kirche gewährte, wurde von der Gestapo am 4. September 1942 in Prag-Kobylisy hingerichtet.
Brutale Vergeltung
Die Nazivergeltung war außerordentlich wüst und brutal; ein Zeichen der Warnung hinsichtlich weiterer möglicher Aufstände. Fast 13.000 Menschen wurden verhaftet, viele umgebracht; doch das war noch nicht alles. Am 8. Juni wurde das Dorf Lidice umstellt und alle männlichen Einwohner über 16 Jahre wurden in eine Scheune gesperrt. Am nächsten Tag wurde sie erschossen, die Frauen und Kinder nach Ravensbrück ins KZ geschickt. Das Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht und aus allen deutschen Landkarten gestrichen. Die Nazis erklärten weiterhin. Dass für jeden weiteren “jüdischen Terrorakt“ hunderte ihr Leben lassen würden. Am Ende der Vergeltung waren geschätzte 1.300 Menschen ermordet worden.
Für Heydrich wurden zwei Begräbnisse organisiert. Das eine fand in Prag statt, wo tausende SS-Männer den Weg des Leichenwagens zum Prager Schloss mit Fackeln säumten, wo weitere Tausende am Sarg vorbei defilierten. Würdenträger aus dem ganzen Land kamen zum Hradschin, um Blumen und Kränze niederzulegen. Dann wurde der Sarg von der Burg über die Karlsbrücke im Beisein von SS Obergruppenführer Daluege zum Hauptbahnhof gefahren. Daluege wurde nach dem Krieg wegen der Ermordung der Männer und Jungen von Lidice zumTode verurteilt und gehängt.
In Berlin fand die Begräbniszeremonie am 9. Juni 1942 in der Neuen Reichskanzlei statt. Adolf Hitler persönlich drapierte Heydrichs Orden, darunter die höchste Auszeichnung des Deutschen Orden, der am 11. Februar 1942 verliehen worden war, sowie die Medaille zur Erinnerung an den 9. November 1923, posthum (Blutorden) und bemerkte in seiner Rede: „Ich finde nur wenige Worte, um diesen toten Mann zu würdigen. Er war einer der besten Nationalsozialisten, einer der unerbittlichsten Verteidiger des Deutschen Reiches und einer der größten Widersacher aller Feinde des Reiches. Er fiel als Märtyrer für den Schutz und die Erhaltung des Reiches. Als Parteiführer und als Führer des Deutschen Reiches gebe ich Dir, mein lieber Kamerad Heydrich, die höchste Anerkennung, die ich zu verleihen habe: den höchsten Rang des Deutschen Ordens. Nach Parteikamerad (Fritz) Todt bist Du die zweite Persönlichkeit, die diesen Orden erhält.“
Heydrichs Grab lag in der Sektion A des Invalidenfriedhofes an der Scharnhorststrasse in Berlin. Er wurde mit allen militärischen Ehren neben dem Grab des Infanteriegenerals Graf Tauentzien von Wittenberg beigesetzt, der in den Befreiungskriegen (1813 – 1815) gegen Napoleon gekämpft hatte. Heydrich sollte ein monumentales Mausoleum erhalten, das von dem Architekten Wilhelm Kreis und dem Bildhauer Arno Breker gestaltet werden wollte. Er wurde jedoch wegen des Kriegsverlaufes nicht gebaut. 1945 verschwand Heydrichs hölzernes Grabkreuz und ist heute unauffindbar. Zum Andenken zierte eine Totenmaske eine der Nazibriefmarken. Die britische Presse nannte die Beerdigungszeremonie „Gangster Beerdigung im pompösen Chicagostil.“
"Dämliche Dummheit"
Hitler selbst war über die Art des Todes von Heydrich erbost und sprach ihm eine Mitschuld an seinem Verderben zu: „Solch heroische Gesten wie das Herumfahren in einem offenen und ungepanzerten Wagen, oder das Spazierengehen ohne Leibwächter sind einfach dämliche Dummheiten, die dem Staat nichts nützen. Die Tatsache, dass sich ein derart unersetzlicher Mann wie Heydrich sich derart Gefahren aussetzt kann ich nur als dumm und idiotische verurteilen.“
Heydrichs Gattin Lina erklärte später, sie glaubte Heydrich hätte einen frühen Tod erwartet und sie nähme an, dass die Risiken, die er auf sich nahm, dazu dienen sollten, ihm einen dramatischen Abgang zu sichern.
Heydrichs Nachfolger als Chef des RSHA wurde Ernst Kaltenbrunner, Karl Hermann Frank (27. – 28. Mai 1942) und Kurt Daluege (28. Mai 1942 – 14. Oktober 1943 wurden seine Nachfolger als Reichsprotektor.
Nach Heydrichs Tod wurde die ersten drei “Versuchsvernichtungslager” Treblinka, Sobibór, und Belzec gebaut und in Betrieb genommen. Dieses Projekt nannte man zu Ehren Heydrichs Operation Heydrich.
1943 wurde auf Veranlassung von Heinrich Himmler ein 36-seitiges Reinhard Heydrich Erinnerungsbuch in limitierter Auflage veröffentlicht. Jeder Gauleiter, sowie verdiente Polizei- und SD-Mitglieder, alle Führer der allgemeinen und Waffen SS erhielten ein Exemplar. 3.000 Bücher wurden an Reichsleiter Martin Bormann zur weiteren Versendung an alle Kreisleiter, höhere Parteichargen und andere NSDAP Bonzen verschickt.
Heydrichs Familie wurde nach seinem Tode von einem Schicksalschlag getroffen. Sein zehnjähriger Sohn radelte in einem unbeachteten Moment an der SS-Wache vorbei durch das Tor des Schlosses Jungfern-Breschan auf die Landstraße, direkt in einen Lastwagen. Den Lkw-Fahrer Karel Kaspar ließ die Gestapo bald wieder laufen: Am Unfall trug er keine Schuld. Als Lina Heydrich im April 1945 vor der nahenden Roten Armee flüchtete, heuerte sie Kaspar für den Abtransport ihrer Habe an. Er kehrte nie zurück.
Lina Heydrich wurde von der tschechischen Militärkommission in West-Berlin beschuldigt, Misshandlungen und Hinrichtungen von Häftlingen angeordnet zu haben, 1945 aus tschechischem Besitz Gold, Juwelen und wertvolle Kunstgegenstände gestohlen und bei ihrer Flucht mitgenommen zu haben. Sie wurde nicht an die Tschechoslowakei ausgeliefert. Im Gegenteil: Der Entnazifizierungs- Berufungsausschuss Kiel stufte sie 1951 rechtskräftig als Entlastete ein, die Vermögenssperre wurde aufgehoben. 1956 sprach ihr das Landessozialgericht in Schleswig- Holstein die üppige Pension ihres Mannes mit der Begründung zu, Reinhard Heydrich sei "als Soldat im Kampf gefallen". In den sechziger Jahren war sie die Besitzerin einer Gaststätte auf der Insel Fehmarn, in der sich regelmäßig SS- und andere Kameraden trafen. Sie starb in den achtziger Jahren in ihrem Haus auf Fehmarn.


















































































