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Robert the Bruce und die Schlacht von Brannockburn

An Stelle der Burg steht heute der Leuchtturm von Turnberry
Er wurde als erstes Kind und ältester Sohn von Robert de Brus, 6. Lord of Annandale und Margaret of Carrick, Tochter von Niall of Carrick und Margaret, Tochter Walter Stewart, 3. High Steward von Schottland geboren. Von seiner Mutter erbte er das gälische Fürstentum Carrick (ein Teil von Ayrshire) und von seinem Vater die Abstammung von einer königlichen Linie, die es ihm später ermöglichen sollte, Anspruch auf den Thron zu erheben. Das Datum seiner Geburt ist definitiv gesichert, nicht jedoch sein Geburtsort; wahrscheinlich war es Turnberry Castle in Ayrshire, doch auch Lochmaben in Dumfriesshire wird genannt.
Die de Brus Familie, die ursprünglich aus Yorkshire stammte und normannischen Ursprungs war, besaß Land im Südwesten von Schotttland, und konnte weitere Besitztümer sowohl in England, als auch in Schottland erwerben, die ihnen später zur Zeit de Interregnums (1. Interregnum 1290-1292, 2. Interregnum 1296-1306) einige Kopfschmerzen verursachten.
 

Dieses Ringen um die Kontrolle Schottlands begann, als Alexander III. 1286 starb und als Nachfolger für seinen Thron seine Enkelin Margret, die „Maid of Norway“, die sehr junge Tochter des norwegischen Königs, hinterließ. Der englische König Eduard, auch mit Spitznamen „Longshanks“ (Langschenkel) bekannt, muss als Lehnsherr der Neubesetzung des Thrones zustimmen und schlug vor, dass Margret (6) seinen Sohn (5) heiraten sollte. Als der Vertrag von Birgham abgeschlossen war, präsentierte Edward seine Trumpfkarte: Er legte eine päpstliche Bulle von Nikolaus IV. vor, in der der Papst einer Vermählung zwischen Edward II. und Margaret zustimmte. Dies hätte zur Folge, dass die englische Krone mit der schottischen Krone vereint würde. Die Bulle stieß bei den schottischen Vertretern auf Entsetzen. Aber da unter Alexander 20 Jahre Frieden in Schottland herrschte, wollte man diesen Frieden nicht auf das Spiel setzen.
 

Edward I.
Dennoch wurde in diesem Vertrag wurde festgelegt, dass Schottland ein selbständiges und unabhängiges Königreich bleiben sollte. Im Original heißt es: „losgelöst, getrennt und frei, ohne Abhängigkeit vom Königreich England“. Doch Eduard hatte andere Vorstellungen und wünschte Garnisonen in einigen Festungen Schottlands zu behalten. Auf ihrem Weg nach Schottland starb die junge Prinzessin Margret im Alter von acht Jahren ohne das Zuckerwerk und Rosinen genossen zu haben, die ihr Eduard zu einem Zwischenstopp auf den Orkneys geschickt hatte. Jetzt stand die Thronfolge vielen wieder offen.
 

The Great Cause

Robert the Bruce
13 Treffen fanden von Mai bis August 1291 in Berwick statt, bei denen diejenigen, die Ansprüche an den Thron stellten, ihre Begründungen König Eduard vortragen mussten. Dieser Vorgang ging als „Great Cause“ in die Geschichte ein. Die meisten Ansprüche wurden verworfen. Nur John Balliol, Robert Bruce, 5. Lord of Annandale, Florens V., Graf von Holland und John de Hastings, 2. Baron Hastings, konnten ihre Herkunft von König David I. ableiten. Letztendlich jedoch kamen nur Balliol und Bruce zum Zug.
 

Balliol im Jahre 1292
Am 3. August bat Eduard Balliol und Bruce je 40 Unparteiische für sich auszusuchen, während er selbst 24 Schiedsrichter benannte, um den Fall zu lösen. Durch Mehrheit wird Balliol am 17. November 1292 zum König gewählt und am 30. November als König von Schottland in Scone Abbey gekrönt. Am 26. December schwor König Johann in Newcastle upon Tyne auf Eduard I, und auf das Königreich Schottland. Edward machte ihm schnell klar, dass er Schottland als seinen Vasallenstaat betrachtete. Balliol, von Mitgliedern der Bruce Fraktion unterwandert, sträubte sich und die Schotten wiesen letztendlich das Ansinnen von Eduard zurück. Eduard im Gegenzug ordnete er an, dass Balliol sofort bei ihm zu erscheinen habe und befahl ihm dann bis zum 1. September 1294 Truppen und Nachschub aus Schottland für seinen Feldzug gegen Frankreich zur Verfügung zu stellen habe. Nach seiner Rückkehr hielt Balliol mit seinem Rat eine Konferenz ab, bei der nach Tagen heftiger Debatten beschlossen wurde, den Befehlen Eduard I.´ zu trotzen. Ein paar Wochen später wurde hastig ein schottisches Parlament einberufen und 12 Mitglieder wurden für einen Kriegsrat gewählt, der Balliol beraten sollte.
 

Philipp IV. von Frankreich
Emissäre wurden in Marsch gesetzt, um König Philip IV. Von Frankreich von den Absichten der Engländer zu unterrichten. Sie verhandelten auch einen Vertrag, der vorsah, dass die Schotten im Falle eines Angriffs auf Frankreich England attackieren würden und im Gegenzug die Franzosen die Schotten unterstützen würden. Das Bündnis beider Länder wurde mit der Heirat von Edward Balliol, dem Sohn des Königs, und Jeanne de Valois, der Nichte des französischen Königs, besiegelt. Es dauerte bis zum Jahre 1295, bis Eduard von den geheimen franko-schottischen Verhandlungen erfuhr. Anfang Oktober begann Eduard seine nördlichen Verteidigungslinien gegen eine mögliche Invasion der wieder erstarkten schottischen Armee zu verstärken.
 

John Balliol wollte ein Heer aufstellen. Doch dabei stieß er auf breite Ablehnung. Die meisten Adligen beriefen sich darauf, dass sie per Eid an Edward gebunden seien und erschienen nicht! Um diesen Worten Nachdruck zu verleihen, wiederholten sie gegenüber Edward den Eid. Unter ihnen waren Robert the Bruce, die Grafen von Dunbar und Angus, Patrick und Ingram de Umfraville. Balliol erklärte daraufhin ihre Ländereien für konfisziert. Robert the Bruce' Besitz wurde John „Red“ Comyn, einem Vetter von Robert the Bruce, zugesprochen.
 

Der Krieg bricht aus

Im März 1296 brach der Krieg aus, als der englische Herr von Wark, Robert de Ros, Wark Castle angreift und die Burg belagerte. Am 30. März erreichte Edward I. Berwick und griff an. Es wurde gestürmt und geplündert, nachdem eine bedingungslose Kapitulation durch die Bewohner abgelehnt wurde. Lediglich 30 Flamen, die in Berwick ansässig waren, leisteten Widerstand. Durch einen Pfeil von ihnen wurde der Vetter von Edward I., Richard von Cornwall, getötet. Die Bevölkerung wurde brutal von den Engländern niedergemetzelt. Etwa 17.000 Menschen verloren ihr Leben. Am 23. April forcierte Edward die Offensive, nachdem bekannt wurde, dass die Burg vom Grafen Patrick von Dunbar durch die schottischen Truppen unter John "Red" Comyn beschlagnahmt und besetzt worden war. Er befahl John de Warenne diese sofort zu erobern.
 

Stirling Castle
Am 27. April 1296 kam es bei Dunbar zu einer Schlacht. Das schottische Heer mit etwa 10.000 Mann – überwiegend Veteranen des Flandern- und Walesfeldzuges - bot den Engländern außerhalb der stark befestigten Mauern von Dunbar eine offene Feldschlacht an. John "Red" Comyn führte das schottische Heer an. Es wurde jedoch vernichtend geschlagen. Die Führer des Heeres, John "Red" Comyn, Andrew Moray von Bothwell, sowie dessen Vater und Onkel, gingen in Gefangenschaft. Die Morays wurden nach Chester gebracht.
Am 28. April kapitulierte auch die Burg Dunbar. Nach dem Fall von Berwick und der Schlacht von Dunbar fiel auch Roxburgh Castle am 8. Mai, zwei Wochen später Jedburgh und schließlich Edinburgh Castle. Edward I. marschierte ohne nennenswerten Widerstand bis ins Hochland vor. Mitte Juni erreichte er Stirling, dass jedoch von der eigenen Besatzung verwüstet wurde. Am 2. Juli erkannte Balliol in seinem Hauptquartier in Kincardine, dass die Lage aussichtslos geworden war. Diejenigen, die nicht gefallen waren oder gefangen genommen wurden, wandten sich von ihm ab. Am 7. Juli kündigte Balliol öffentlich seinen Verzicht auf die Krone.
 

Der magische Stein unter dem Krönungsstuhl in Westminster Abbey, 1855
Am 11. Juli kapitulierte John Balliol und trat Edward in Montrose gegenüber. Dieser demütigte ihn, in dem er ihm die Krönungsinsignien abnahm, ihn absetzte und den Krönungsstein von Scone Palace nach Westminster bringen ließ. Dies brachtet John Balliol den Beinamen "Leerer Mantel" ein. Edward I. zwang den schottischen Adel ihm als schottischen König zu huldigen. John Balliol wurde in der ersten Augusthälfte per Schiff nach England gebracht. Er lebte die nächsten drei Jahre als Gefangener im Tower von London und Hertford, bevor nach Frankreich ins Exil ging.
 

Die Schlacht von Sterling Bridge
Die andauernde Kampagne von Wallace and de Moray führten schließlich am 11. September 1297 zum ersten schottischen Sieg über die verhassten Engländer bei Stirling Bridge. Kurz danach schlug sich Robert Bruce wieder auf die Seite seiner Landsleute. Er verwüstete Annandale und zerstörte die von den Engländern gehaltene Burg bei Ayr. Als Eduard nach seinem Sieg in der Schlacht von Falkirk nach England zurückkehrte, entzog er Robert Bruce die Herrschaftsrechte über Annandale und Carrick, gab ihm aber die Chance, seine Loyalität ihm gegenüber zu beweisen.
 

William Wallace war nach Falkirk von seinem Amt als "Wächter Schottlands" zurückgetreten. Auf ihn folgten Robert Bruce und John Comyn, die sich das Amt teilten, das dem eines Reichsverwesers entsprach. Doch die beiden konnten ihre persönlichen Differenzen nicht beilegen.
 

Totschlag vor dem Hochaltar

König Robert the Bruce
Nach der Gefangennahme und Exekution von Wallace im Jahre 1305, scheint Schottland befriedet. Doch am 10. Februar trafen sich John "Red" Comyn, Neffe von John Balliol, und Robert de Bruce in der Kirche des Konvents der Franziskaner in Dumfries. Comyn musste zu diesem Treffen überredet werden. Robert de Bruce war wegen des Verrates seines Vetters erbost. Er wollte, dass dieser ihn unterstütze, König eines unabhängigen Schottland zu werden. Comyn der über zahlreiche Anhänger und auch über die Unterstützung der Engländer verfügte, lehnte wütend ab. Es kam zu einem heftigen Streit. Robert de Bruce attackierte Comyn, stach ihm in die Kehle und tötet ihn vor dem Hochaltar. Sir Robert Comyn, der Onkel des Getöteten und seine Begleiter wurden von Roberts Gefolgsleuten– Lindsay und Kirkpatrick – ebenfalls vor dem Altar erschlagen. Daraufhin wurde er von Papst Clement V. exkommuniziert und von Eduard für vogelfrei erklärt.
 

Die Ruine von Kildrummy Castle
Edward I. befahl dem Schwager des toten John "Red" Comyn, Aymer de Valence, Graf von Pembroke, den neuen König gefangen zu nehmen. Daraufhin zog sich Robert de Bruce zusammen mit Sir James Douglas, "the Black Douglas", in die Wälder und Hügel von Athol und Argyll zurück. Am 19. Juni kam es in Methven bei Perth zu einer Schlacht, bei der Aymer de Valence Robert de Bruce im Morgengrauen überraschte und ihn bei einer offenen Feldschlacht besiegte. Der Graf von Athol wurde gefangen genommen und hingerichtet. Ebenso erging es Neil Bruce, John und Christopher Seton und Simon Fraser. Robert de Bruce schickte im September seine Frau und seine Tochter zu seinem Bruder Nigel nach Kildrummy Castle, während er mit etwa 200 Mann in Perthshire blieb. Doch die Engländer nahmen sie bei Tain gefangen und eroberten Kildrummy Castle. Nigel wurde geköpft und gevierteilt. Die Frau und Tochter des Königs kamen in verschiedene Kerker. Die Gräfin Isabella von Buchan, die mit einem Cousin von Comyn verheiratet war, wurde in einen winzigen Käfig gesperrt und an die Mauern von Berwick Castle gehängt. Dort blieb sie bis 1314. Gleiches Schicksal erlitt die Schwester von Robert de Bruce, Mary, in Roxburgh Castle. Zahlreiche Anhänger von William Wallace und Robert de Bruce wurden geköpft. Zur Abschreckung spießte man ihre Köpfe auf. Auch zwei weitere Brüder (Thomas und Alexander) wurden getötet. Robert the Bruce und James Douglas trennten sich nun: Robert de Bruce wich nach Südwesten aus und erreichte Dunaverty Castle. Von hier setzte er per Schiff auf die Insel Rathlin vor der irischen Küste über. Seine Lage schien hoffnungslos. James Douglas wendete sich nach Süden um seine eigenen Ländereien zurück zu erobern.
 

Das Gleichnis der Spinne

Vogelkolonie auf der Insel Rathlin
Während er sich in einer Höhle versteckte und sich mit dem Gedanken trug, aufzugeben, erzählte die Legende, dass er einer kleine Spinne beim Versuch eine Verbindung über eine scheinbar unüberwindliche Kluft zu spinnen. Als es ihr beim ersten, zweiten und dritten Mal nicht gelang, versuchte sie es solange, bis sie es geschafft hatte. Robert the Bruce nahm das als ein Zeichen an, eine ähnliche Strategie in seiner Heimat anzuwenden. Die Guerillataktik war geboren.
 

Das Denkmal Spirit of Scotland bei Loudoun Hill für Robert the Bruce
Im Februar 1307 kehrte Robert the Bruce nach Schottland zurück (voraussichtlich bei Ayrshire) und begann vom Südwesten aus sein Reich von seinen inneren und äußeren Feinden zurückzuerobern. Er griff unermüdlich – meist aus dem Hinterhalt – an und wurde dabei zu einem Meister der Guerillataktik. Dadurch gewann Bruce ganz allmählich doch den Respekt und die dringend notwendige Unterstützung des schottischen Adels. Seinen ersten großen Sieg über die Engländer errang er bei Glen Trool und besiegte dann Aymer de Valence in der Schlacht von Loudoun Hill.
 

Die Krone von Schottland
Am 7. Juli stirbt Roberts größter Feind Edward I. im Alter von 68 Jahren in Burgh-by-Sands, nahe Carlisle. Nachfolger wird sein 23-jähriger Sohn Edward II., der jedoch die Jagd, Schwimmen und Rudern, sowie die Kunst mehr liebt als den Krieg; zudem galt er als homosexuell. Angesichts der vielen Probleme zu Hause und der Tatsache, dass ihm die Rücksichtslosigkeit und Einfallsreichtum seines Vaters fehlen, hat der junge Eduard keine Lust, sich in den schottischen Malstrom herein ziehen zu lassen. Da Edward II. keine Anstalten machte nach Schottland aufzubrechen, bot sich nun Robert the Bruce die Gelegenheit, sich um die schottischen Angelegenheiten zu kümmern. Er wandte sich nun gegen seine Gegner in Buchan, Argyll und Galloway. Doch bevor es zu einer Entscheidung kommen kann, erkrankt Bruce sehr schwer und muss nach Inverurie gebracht werden. Seine Feinde blieben ihm auf den Fersen.. Als er hörte, dass einige seiner Männer bei einem Gefecht mit den Anhängern von Balliol und Comyn niedergemetzelt wurden, führte er seine 700 starke Armee geschwächt in die Schlacht. Am 24. Dezember wurden die Männer aus Buchan vernichtend in Inverurie geschlagen. Im Mai 1309 berief er in St Andrews seine erste Parlamentssitzung ein und im August kontrollierte er alle Gebiete nördlich des Flusses Tay. Bei einer Generalversammlung im Jahr 1310 erkannte ihn der schottische Klerus als König an. Dass er trotz der Exkommunikation die Unterstützung der lokalen Kirchenoberhäupter erhielt, war von großer Bedeutung und war wahrscheinlich auf den Einfluss seines Freundes Lamberton zurückzuführen. Auch der französische König erkannte Robert the Bruce als den alleinigen König an.
 

Burg Sterling wird belagert

Wallace in Buntglas des Wallace Monumentes bei Sterling
So gestärkt, vertrieb er die Engländer aus all ihren Festungen, bis auf Stirling, und begann eine Invasion in Nordengland. Stirling wurde von den Schotten belagert. Edward Bruce, der Bruder von Robert besaß keine Belagerungstechnik und versuchte die Engländer auszuhungern. Im Frühjahr verhandelte Edward Bruce mit dem englischen Oberkommandierenden, Sir Philip Mowbray, über eine Übergabe. Der wollte ihm die Burg kampflos übergeben, wenn bis zum 24. Juni, des Mittsommertages, die Burg nicht entsetzt würde. Robert de Bruce war darüber verärgert, denn dies zwang ihn, sich in einer offenen Feldschlacht den Engländern zu stellen. Bis jetzt hatte er erfolgreich nur seiner Guerilla-Taktik vertraut und nach der jüngsten Entwicklung würde Eduard II mit Sicherheit Streitkräfte nach Norden schicken, wollte er Sterling behalten.
 

Edward II.
Eduard II, war natürlich überglücklich, als er die Kunde vernahm, glaubte er doch, er könne nun die Arbeit seines Vaters beenden. Er zog eine Armee von mehreren zehntausend Mann mit der Absicht zusammen, die Schotten ein für allemal zu besiegen und den Aufständen ein Ende zu bereiten. Eduard hatte seine Armee bei Berwick-upon-Tweed versammelt. Zwei Wochen vor Ablauf des Ultimatums marschierte er von dort nach Norden, überschritt die Grenze bei Coldstream, und marschierte in Richtung Sterling weiter.
 

Der weideraufgebaute Turm der Cambuskenneth Abtei
Die Armee, die Berwick-upon-Tweed am 17. Juni 1314 verließ, war gewaltig: ungefähr zwei bis dreitausen Reiter und 17.000 Mann Infanterie. Das war ungefähr das Dreifache der Kräfte, die Robert the Bruce mobilisieren konnte. In Eduards Armee kämpften erfahrene Veteranen aus den schottischen Feldzügen. Angeführt wurden sie vom Earl of Pembroke und Veteranen wie Henry Beaumont, Robert Clifford oder Marmaduke Tweng. Der unversöhnlichste aller Feinde war auch darunter: Ingram de Umfraville, ein ehemaliger “Wächter”und sein Blutsverwandter, der Earl of Angus, so wie die anderen von den MacDoualls, den MacCanns and den Comyns. Der Bissigste von allen war Sir John Comyn of Badenoch, der einzige Sohn von “Red” Comyn, der in England aufgewachsen war und nun nach Schottland zurückkehrte, um seinen Vater zu rächen. Dies war eine große Armee von Lehnsherren, eine der letzten des Mittelalters, die England verließ. König Robert the Bruce erwartete ihre Ankunft südlich von Sterling, nahe Bannockburn. In der Abtei von Cambuskenneth ließ er ein Lager anlegen.
 

Ein Heer von Speerträgern

Bruce's Armee war, ähnlich wie die von William Wallace vor ihm,  hauptsächlich ein Heer von Fußsoldaten, die mit langen Speeren ausgerüstet waren. Sie waren in vier Abteilungen oder Shiltrons gegliedert. Ein Shiltron ist eine Gruppe von Männern, die 5-7 Meter lange Speere tragen und so den Eindruck eines riesigen Stachelschweins vermitteln. Mit ihren riesigen Speeren konnten sie leicht die Lanzen der Reiter ausmanövrieren und bildeten so einen undurchdringlichen Wall. Thomas Randolph, Earl of Moray, kommandierte die Vorhut, die sich ungefähr 1,6 Kilometer südlich von Sterling und nahe der St. Ninians Kirche aufhielt, während Robert the Bruce die Nachhut am Eingang von New Park befehligte. Sein Bruder Edward führte die 3. Division an. Durch vererbtes Rechte kommandierte die 4. Division Walter Stewart, Sohn und Erbe von James the Stuart. Aber wegen seines jungen Alters und Unerfahrenheit lag das Kommando praktisch in der Hand seines Cousin, James Douglas. Robert hatte auch eine Kavallerie von etwa 500 Männern unter der Führung von Sir Robert Keith, der eine kleine aber entscheidende Rolle in der kommenden Schlacht spielen sollte.
 

Vielleicht war die schottische Armee 9.000 Mann stark, eher aber nur 6,000-7,000. Sie kamen aus ganz Schottland: Ritter und Noble, freie Männer und Pächter, Städter und Händler, Männer die sich die notwendigen Waffen und Rüstungen leisten konnten. John Barbour, der älteste nationale Dichter Schottlands hat überliefert, dass Robert the Bruce diejenigen nach Hause schickte, die nicht adäquat bewaffnet waren. Benötigt wurden der Speer, Helm, eine dick gefütterte, knielange Jacke und gepanzerte Handschuhe. Es ist wahrscheinlich, dass eine große Anzahl Speerträger eine noch aufwändigere Rüstung besaß, wenn man bedenkt, dass das Land sich bereits seit 20 Jahren im Krieg befand.
 

Für die Ausgewogenheit der Armee sorgten die Reiter und Bogenschützen. Jeder dieser Kriegertypen war nicht zu unterscheiden von ihren Gegenspielern aus Frankreich oder England. Viele der schottischen Reiter dienten aber in der Schlacht von Bannockburn zu Fuß.
 

Die Ahnung bewahrheitet sich

Karte der Schlacht von Bannockburn. Copyright: braveheart.co.uk
Wie Robert the Bruce voraus ahnte, hatten die Engländer die alte Römerstrasse benutzt und dementsprechend hatte er seine Truppen aufgestellt; seine Divisionen verteilten sich entlang der Straße im Schutze der des Waldes. Um zu gewinnen musste er die Schlacht zu seinen Bedingungen führen, was bedeutete, dass die Masse der englischen Armee an einer engen Stelle gestellt werden musste, wo sie sich nicht entfalten konnte. Er hoffte, dass dann seine Shiltrons den Ansturm der englischen Reiterei stoppen konnten, ohne die eigenen Linien zu gefährden.
 

Als Schlachtfeld hatte er sich die Enge zwischen dem Wald, der das Dorf Bannockburn umgibt und dem Wald von Gillies Hill ausgesucht; nahe der Furt durch den Bannockburn Bach. Innerhalb der Wälder blockierte er jeden Pfad mit Zweigen und grub Löcher, die er mit Ästen und Gras tarnte: gewissermaßen das erste „Minenfeld“ der Geschichte, in dem die Flankenbedrohung der feindlichen Kavallerie begegnet werden sollten. Jetzt musste er nur noch warten.
 

Keine unüberlegten Schritte

Die Schlacht von Bannockburn
Seit 1307 hatte König Robert immer wieder demonstriert, dass er willens war, Risiken einzugehen, aber diese waren abgewogen und kühl kalkuliert. Er hatte nie die Absicht, alles auf eine einzige Karte zu setzen, wie es William Wallace in der Schlacht von Fallkirk getan hatte. Daher hatte er auch einen Rückzug bis zur letzten Minute nicht ausgeschlossen. Erst die Nachrichten über den schlechten moralischen Zustand der englischen Armee ließ ihn die Schlacht aufnehmen.
 

Sir Philip Mowbray, der Kommandant von Stirling Castle, der Robert´s Vorbereitung an der Strasse beobachtet hatte, tauchte am frühen Morgen in Eduard´s Lager auf und warnte ihn, die Schotten auf direktem Wege von New Park anzugreifen. Mowbray wies auch darauf hin, dass eine Schlacht gar nicht mehr notwendig wäre, da die englische Armee schon so nah wäre, dass man durchaus mit Edward Bruce zu einer Einigung kommen könne. Weiterhin bat er Eduard ihn um einen Teil seiner Truppen, damit er mit ihnen die Burg entsetzen könne. Eduard stimmte dem zu und überließ ihm 500 Reiter.
 

Mowbray kannte die Stellungen der Schotten und wußte, dass der Weg über die Strasse versperrt war. Daher führte er die Truppen unter Sir Clifford und Sir Beaumont an einem engen Treidelpfad entlang, der vom Dorf zur Burg führte. Durch den Hohlweg, den der Treidelpfad nahm, waren die englischen Reiter gegen Einblicke der Schotten geschützt. Doch kurz bevor die Engländer diesen Punkt ungesehen passieren konnten, wurden sie von Robert entdeckt. Robert befahl Randolph sofort einen Gegenangriff zu führen.
 

Das Schlachtfeld von Bannockburn um 1900
Der sammelte sofort seine Männer, griff die Engländer an und blockierte gleichzeitig den Pfad. Randolph begriff, dass es keine andere Option als den Kampf gab, da die Engländer mit ihren 500 Reitern durchaus die Chance sahen, die schottischen Linien zu durchbrechen. Kurz vor der Kavallerieattacke, senkten die Schotten ihre Speere, spannten ihre Muskeln an und warteten auf den Ansturm der Reiterei.
 

Sinnlose Kavallerieangriffe

Die erste Welle traf die Schotten mit voller Wucht. Doch die Linie hielt und viele englische Ritter starben vor dem speergespickten „Stachelschwein“. Die Kavallerie zog sich zurück, sammelte und griff wieder an. Aber ein Durchbruch blieb ihnen verwehrt. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrmals, schwächte die Engländer immer mehr, bis soviel tote oder schwer verwundete englische Ritter den Pfad versperrten, dass jeder weitere Angriff sich von selbst verbat.
 

Randolphs Manöver sollte eine Blaupause sein für das, was am nächsten Tag geschehen sollte. Da die Kavallerie nicht von Bogenschützen unterstützt wurde, machten sie zwangsläufig auf die schottischen Speerträger kaum Eindruck. Es war fast eine Kopie der ersten Phase der Schlacht von Fallkirk. Doch die Schotten hatten ihre Lektion gelernt und die Kunst gleichzeitig Mobilität und Einhalten der Schlachtordnung zu gewährleisten, verinnerlicht. Die englische Kavallerie wurde so bezwungen; einige versuchten die Burg zu erreichen, andere flohen zu ihren eigenen Linien. Unter denen, die gefangen genommen wurden, war Sir Thomas Gray of Heton, der später mit seinem Buch „Scalacronica“, die die Geschichte Englands, und die Umstände der Schlacht von Bannockburn beschrieb.
 

Sieg in der Schlacht von Bannockburn
Die englische Kavallerie hatte zunächst genug und zog sich in Sichtweite der schottischen Shiltrons zurück. Plötzlich taten die Schotten etwas, was so noch nie im Mittelalter geschehen war: siegesgewiss griffen sie die Kavallerie an! Das war das Ende der englischen Ritter. Von Fußsoldaten umzingelt, gerieten sie in Panik und stürmten davon. Von den ursprünglich 500 Reitern, die Sterling Castle entsetzen wollten, kamen nur 400 zurück. Die Schotten verloren sechs ihrer Leute.
 

Allein mit der Streitaxt

James and Randolph kehrten daraufhin sofort zu den eigenen Linien zurück und nahmen ihre ursprünglich Position wieder ein. Nun geschah eine der eindrucksvollsten Momente schottischer Geschichte. Sir Henry de Bohun, Neff des Earl of Hereford, ritt seinen Kameraden voraus und sah plötzlich den schottischen König. Sir de Bohun senkte seine Lanze und begann einen Angriff, der ihn zur Legende machen sollte. Robert de Bruce ritt auf einem ungepanzerten Pferd und war nur mit einer Streitaxt bewaffnet. Er stellt sich dem Angriff, was von seiner Armee mit Entsetzen beobachtet wurde. Man befürchtete das Schlimmste. Als der Engländer nur wenige Meter entfernt war, dreht sich Robert von ihm weg, stellte sich in seine Steigbügel und spaltete mit einem Hieb Helm und Schädel des Angreifers. Dieser Zwischenfall veranschaulicht den Krieg sehr gut: auf der einen Seite die schwer bewaffnete aber schwerfällige englische Armee, auf der anderen Seite die Schotten, mobil und in der Lage sich an die jeweilige Lage anzupassen.
 

Roberts Unterführer waren jedoch keineswegs von der Aktion ihres Königs beeindruckt. Im Gegenteil. Sie machten ihm heftige Vorwürfe, solch ein hohes Risiko eingegangen zu sein. Doch Robert erwiderte, dass es ihm nur Leid täte, dass der Schaft seiner Axt gesplittert wäre.
 

Durch diesen eindrucksvollen Bewies seiner Tapferkeit angestachelt, stürmten die Schotten nach vorn. Für den Verfasser der Biographie „Vita Edwardi Secundi“ von Eduard II., war dies der Anfang vom Ende. Nach schweren Kämpfen, bei denen der Earl of Gloucester vom Pferd geschlagen wurde, zogen sich die Ritter der englischen Vorhut nach Tor Wood zurück. Die Schotten, die nachsetzen wollten, wurden jedoch von ihrem König daran gehindert.
 

Die Nachricht von der Niederlage verbreitete sich schnell im englischen Heer, das immer noch nicht in Sterling angekommen war. Die Erfahrung der Vorhut deckte sich mit den Informationen von Sir Philip Mowbray: Robert de Bruce Vorbereitungen hatten den direkten Weg nach Stirling zunichte gemacht. Doch für weitere Aktionen war es an diesem Tag zu spät. Die Männer brauchten Ruhe und de Pferde Wasser. Nachdem die Engländer im Frontalangriff unterlagen, unterlief Eduard II. ein enormer Fehler: Nach Beratungen mit seinen Unterführern, befahl er die Landstrasse zu verlassen und den Bannockburn Bach östlich der Schotten zu überqueren. Dann sollten sie durch den New Park auf ein Gelände zwischen den Bannock und Pelstream Scheunen marschieren, das als Carse of Balquhiderock bekannt war. Hier sollten sie die Nacht vom 23. auf den 24. Juni verbringen. Es war ein Marschgelände, von kleinen Bächen durchzogen und durch Pferd und Wagen stark verschlammt. Hier verbrachten die Engländer eine unruhige Nacht. Es war der Auftakt zu einem Desaster. Die Stimmung im englischen Lager war so schlecht,m dass Eduard II getwungen war, Herolde loszuschicken, die den Soldaten erklären sollten, dass die Vorhut nur in kleiner Scharmützel verwickelt worden ware und das der Sieg ihnen sicher wäre.
 

Gute Nachrichten

Robert the Bruce und seine 2. Frau Elizabeth de Burgh
Robert de Bruce war zwar dank der Erfolge zuversichtlicher als am Tag zuvor, doch spielte er immer noch mit dem Gedanken an Rückzug zum westlich gelegenen Lennox, das für die englischen Ritter zu ungünstig wäre, um ihnen zu folgen. Es erschien ihm immer noch vorteilhafter, da die Hauptmacht der Engländer immer noch beeindruckend war. Aber Sir Alexander Seton, ein Schotte in schottischer Ritter und früher Unterstützer Robert´s, der später zu den Engländer übergelaufen war, wechselte erneut die Seiten und kam mit Nachrichten über die Mutlosigkeit der Engländer. Das war schließlich der letzte Anstoß für die Entscheidung von Robert de Bruce, hier und jetzt die Entscheidung zu suchen. Er wollte aber nicht auf den Feind warten, er wollte ihn angreifen.
 

Bei Tagesanbruch waren die Schotten bereits in ihrer Ausgangsposition. Sie blickten auf das Carse hinunter und konnten sehen, wie sie Engländer hastig sich auf die Schlacht vorbereiteten und die Reiter schon im Begriff waren, den Hohlweg zu überqueren. Robert wandte sich noch einmal an seine Truppen, bevor sie den kirchlichen Segen bekamen. Eduard, der die Schotten kniend beten sah, war darüber sehr erstaunt. Der Chronist John Barbour zitierte ihn:“Sie knien nieder und bitten um Gnade“. Darauf antwortete ihm Ingram de Umfraville: “Sie bitten um Gnade, aber nicht um die Ihre. Sie beten zu Gott. Für sie bedeutet es Tod oder Sieg”. Umfraville und Gilbert de la Clare, Earl of Gloucester, drängten Eduard, die Schlacht zu verschieben, da ihnen die Position ihrer eigenen Armee als unvorteilhaft erschien. Eduard klagte daraufhin prompt Gilbert als Feigling an. Verärgert über diese Anschuldigung bestieg der Graf von Gloucester sein Pferd und führte die Vorhut in einen ruinösen Angriff gegen die schottischen, von Edward Bruce kommandierten, Shiltrons. Gloucester, der letzte der Clares, starb in einem Wald schottischer Speere. Mit ihm kamen John Comyn, Sir Robert Clifford und viele andere prominente Ritter ums Leben.
 

Robert de Bruce befahl nun Randolph unnd Douglas nach vorn, um seinen Bruder zu unterstützen, während er selbst seine eigene Shiltron in Reserve behielt. Die restlichen englischen Bataillone waren nun so dicht zusammengedrängt, dass sie eine große Masse bildeten und neben den Bogenschützen eingekeilt wurde. Nun begann sich der Vorteil einer sehr großen Armee in einen Nachteil zu verwandeln. War Eduard II schon ein schlechter König, zeigte er nun, dass er ein noch schlechterer Feldherr war. Er hatte sicher die Stimme seines Vaters im Hinterkopf, der von seinem Triumph bei Fallkirk schwärmte. Doch die Bogenschützen, die damals der Kavallerie die Möglichkeit bot, Wallace´Shiltrons zu durchstoßen, waren nun hoffnungslos von ihrer eigenen Infanterie eingekeilt und bewegungsunfähig. Die Verluste stiegen ununterbrochen und doch gelang es Eduard zumindest eine Kompanie nördlich der Schotten anzusetzen. Doch ohne Unterstützung der Kavallerie war auch dieses Manöver zum scheitern verurteilt. Sie wurde von der schottischen Reiterei unter Sir Robert Keith, die genau für solch einen Zweck in Reserve gehalten wurde, hinweggefegt.
 

Jetzt setzte Robert de Bruce auch seine eigene Division zu einem blutigen Vorstoß in die panischen englischen Formationen ein. Jetzt wurden alle Reserven in die Schlacht geworfen, die gesamte schottische Streitmacht kämpfte Seite an Seite in einer einzigen Front. Bogenschützen vergrößerten das englische Elend und ihre Soldaten waren nun so eng eingeschlossen, dass wenn ein Kämpfer das Gleichgewicht verlor und hinfiel, er sofort von den anderen zu Tode getrampelt wurde. Nun gaben die englischen Ritter nach und die hinteren Reihen suchten ihr Heil in der Flucht. Als die Schotten dies sahen ertönte ein lautes Gebrüll: „Lay On! Lay on! They fail! (schlag zu, sie weichen). Dieses Geschrei wurde auch vom schottischen Gesinde, die die Bagagewagen bei Coxet Hill bewachten, gehört. Sie ergirffen daraufhin sofort jede greifbare Waffe und Banner und stürmten in Richtung der Schlacht. Für die erschöpften Engländer musste das wie der Angriff einer frischen Reserve aussehen und sie verloren ihren letzten Mut. Das Ende war nah und Eduard, der auch mit persönlichem Einsatz seine Fehlentscheidung nicht revidieren konnte, wurde gegen seinen Willen vom Earl of Pembroke und den Leibwächtern vom Schlachtfeld gebracht.
 

Die englische Armee löst sich auf

Eduards erzwungener Rückzug war das Zeichen für die völlige Auflösung der englischen Armee. Panik griff um sich und eine Niederlage endete in totaler Vernichtung. Die schlimmsten Verluste erlitten die Engländer beim Überschreiten des Bannockburn Baches. Der Lanercost Chronicle bemerkte dazu: “Viele Noblen und andere fielen mit ihren Pfernde in den Bach, andere entkamen nur mit Mühe, und viele konnten sich nicht mehr aus dem Graben befreien.“
 

Eduard und sein Gefolge kamen nun an die Tore von Stirling Castle, um Schutz zu suchen. Doch Sir Philip Mowbray, der nun wegen seines Abkommens mit Edward Bruce verpflichtet war, die Burg zu übergeben, verweigerte seinem König den Zutritt. Daraufhin gelang es Eduard westlich an den Schotten vorbei zu kommen, nach Süden zu flüchten, immer verfolgt von James Douglas. Schließlich gelangte er nach Dunbar Castle, wo er bei seinem Verbündeten Earl Patrick Zuflucht fand. Von dort gelangte er per Schiff nach England.
 

Das moderne Bannockburn Monument
Von dem Blutbad bei Bannockburn flohen die Reste seiner Armee, so gut wie sie konnten. Dem kaltblütigen Earl of Pembroke gelang es eine große Gruppe walisischer Infanterie über die Grenze in Sicherheit zu bringen. Schottland hatte so seinen größten Sieg errungen, England hingegen seine schlimmste Niederlage. Die Schlacht von Bannockburn war der größte Sieg in der Geschichte Schottlands und garantierte die Fortsetzung der schottischen Monarchie für die nächsten 300 Jahre.
 

"Nie wurden englische Ritter so geschlagen"

Winston Churchill
Bannockburn war neben der früheren Schlacht von Golden Spurs bei Courtrai ein Vorkonflikt des hundertjährigen Krieges. Dies war eine Schlacht der Flamen gegen Frankreichs Machtanspruch. Eines der Kriegsziele des hundertjährigen Krieges ab 1337 war die Herrschaft über die Tuchindustrie Flanderns.) ein Meilenstein in der Entwicklung der Kriegsführung. Diesen Beispielen sollten andere folgen wie zum Beispiel die Schlacht von Morgarten, in der die Schweizer die Österreicher schlugen. In seiner „History of the English Speaking Peoples” schrieb Winston Churchill über die Schlacht von Bannockburn: “Nie wieder wurden die englischen Ritter an einem einzigen Tag so fürchterlich geschlagen. Selbst Towton (29. März 1461) während des Rosenkrieges war nicht annährend so vernichtend. Die Vernichtung einer Armee von Kavallerie und Bogenschützen durch Speerträger muss wie ein Wunder der Kriegsführung gesehen werden.“
 

Die Tage feudaler Kavallerie waren Vergangenheit. 30 Jahre später nahmen die Engländer die Lehren dieser Lektion mit nach Frankreich, wo sie die Schlachten des 100 jährigen Krieges führten.
 

Befreit von der englischen Bedrohung konnten nun die schottischen Armeen nach Nordengland einfallen. Robert de Bruce vertrieb auch nachfolgende englische Expeditionen nördlich der Grenze und unternahm Vorstöße nach Yorkshire und Lancashire. Angestachelt durch den Erfolg, marschierten Roberts Truppen 1315 auch in Irland ein. Möglicherweise, um Irland von den Engländern zu befreien, möglicherweise aber auch, um eine zweite Front im andauernden Kampf gegen England zu errichten.
 

Die Erklärung von Abroath
Dieser Feldzug war anfangs von Erfolg gekrönt, doch es gelang Robert de Bruce nicht, die Clan Chefs der Nicht-Ulster für seinen Krieg gegen England zu gewinnen, oder große Gebiete Südirlands unter Kontrolle zu bekommen. Schließlich blieb von dieser Kampagne nur der Mythos, obwohl gerade das nicht in seiner Absicht lag, nachdem er seit 1307 ununterbrochen gesiegt hatte.
 

Unabhängigkeit von England

Arbroath Abtei
In der Abtei von Arbroath kam es 1320 zu einer Versammlung, an der der Adel, der Klerus und Vertreter des einfachen Volkes teilnahmen. Sie verabschiedeten am 6. April eine Erklärung - die Erklärung von Arbroath- die dem Papst Johannes XXII. in Avignon überbracht wurde. Darin protestierten sie gegen die Exkommunikation ihres Königs, sowie von vier Bischöfen, die einst von Klement V. exkommuniziert worden waren, weil sie einer Vorladung des Papstes nicht gefolgt waren. Sie forderten in der Erklärung auf, die Exkommunikation zurück zu nehmen und Robert de Bruce als König von Schottland anzuerkennen. Desgleichen erklärten sie sich darin von England unabhängig.
 

Schottische Könige
Am 20. Januar wurde Edward II. durch den Geliebten der englischen Königin Isabella, Roger Mortimer, gestürzt und zugunsten von Edward III. zur Abdankung gezwungen. Im Juni fiel Robert de Bruce mit Thomas Randolph und "Black" Douglas in Nordengland ein. Edward III. zog ihnen mit einer Armee entgegen. Doch die Schotten wendeten erfolgreich ihre Guerilla-Taktik an. Im Stanhope Park in Weardale bei Durham brachte Randolph´s Guerilla-Taktik den jungen König zu einem Nervenzusammenbruch. In diesem Nachtangriff wäre es den Schotten beinahe gelungen, den jungen Edward III. gefangen zu nehmen. Als Edward III. dann nach York zog, zerstörten die Schotten Northumberland. Schließlich gaben sich die Engländer geschlagen. In Berwick vereinbarten de Bruce und Edward III., dass Edward Robert de Bruce und seine Nachfolger als Könige eines unabhängigen Schottlands anerkennen sollte. Des weiteren wurde beschlossen, dass sich die Schwester des englischen Königs, Joan, und der schottische Thronfolger David vermählen sollten. Ein Militärbündnis zwischen den Ländern wurde ebenso beschlossen. Zuletzt verpflichtete sich Edward III. sich beim Papst einzusetzen, die Exkommunikation von Robert de Bruce zurück zu nehmen. Robert de Bruce verpflichtete sich zur Zahlung von 20.000 Pfund an England. Am 1. May 1328 wurde der Vertrag von Edinburgh-Northampton unterschrieben.
 

König Robert the Bruce. Buntglas am Wallace Monument, Sterling Castle
Zu der Zeit erkrankte König Robert ernstlich; wahrscheinlich an Lepra und starb am 7. Juni 1329 im Alter von 54 Jahren in Cardross, Dunbartonshire. Wenige Tage später erklärte der Papst, dass schottische Könige ab sofort bei ihrer Krönung gesalbt werden dürften. Ein klares Zugeständnis an die schottische Unabhängigkeit.
 

Beisetzung in der Grabeskirche geplant

Sir James Douglas
Robert I wurde in Dunfermline Abbey beerdigt, aber bevor er starb nahm der König Sir James Douglas, seinem ältesten und hochgeschätzen Gefolgsmann ein Gelübde ab. Er sollte sein Herz ins Heilige Land tragen und dort in der Grabeskirche beisetzen. Sein Herz wurde in ein Emailschatulle platziert, die Douglas um seinen Hals an einer Kette trug. 1330 setzte Douglas mit sechs weiteren Rittern und 26 Knappen und Edelleuten die Segel
 

Historisches Foto des Eingangs der Grabeskirche in Jerusalem
Zunächst machten sie in Sluys, Flandern, halt, wo sich ihnen mehr Männer anschlossen. Dort erhielten sie die Nachricht, dass Alfonso XI von Kastilien sich auf einen Kreuzzug gegen die Mauren von Granada befand. Daraufhin segelten sie nach Sevilla wo sie Alfonso mit großer Dankbarkeit wegen ihrer Waffenhilfe empfing. In der Nähe von Teba, einer Burg an der Grenze zu Kastilien, kam es zur Schlacht. Der Kalif hatte einen Scheinangriff von 3.000 Reitern auf die Spanier befohlen, währenddessen er die Hauptkräfte umging und das spanische Lager überfiel. Alfonso hatte jedoch davon erfahren, hielt seine Hauptkräfte zurück und versuchte mit dem Rest seines Heers dem Angriff der Mauren standzuhalten.
 

Teba
Während die Schlacht an einer Stelle erfolgreich geführt wurde, erwiesen sich Douglas und seine Männer, die mit der Vorhut kämpften, nicht so glücklich. Bald war er von Mauren umzingelt und das Ende schien nah. Da riss er das Kästchen vom Hals und warf es vor sich mit den Worten auf den Boden: „"Geh voran, tapferes Herz, wie du es immer getan hast und Douglas wird dir folgen oder sterben." Douglas und fast alle seine Männer wurden anschließend getötet. Douglas und das Kästchen wurden nach der Schlacht auf dem Feld gefunden und von seinen überlebenden Männern zurück nach Schottland gebracht. Anschließend wurde sein Herz unter dem Hochaltar von Melrose Abbey in Roxburghshire beigesetzt.
 

Abtei Melrose
Nachtrag: Bei Ausgrabungen wurde tatsächlich das Herz von Robert the Bruce, Robert I. , König von Schottland, gefunden. Die Überreste wurden in einen Metallzylinder gelegt und wieder in der Abtei beigesetzt.