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Friedrich Wilhelm Ernst Paulus

Friedrich Paulus
Friedrich Wilhelm Ernst Paulus wurde am 23. September 1890 im hessischen Breitenau als Sohn des Rechnungsführers Ernst Paulus und dessen Ehefrau Bertha (geb. Nettelbeck) geboren.
 

Aufgewachsen ist er in bürgerlichen Verhältnissen. 1909 beendete er die Schule mit dem Abitur am Wilhelmsgymnasium in Kassel. Eine Bewerbung bei der Kaiserlichen Marine blieb ohne Erfolg. Im selben Jahr immatrikulierte sich Paulus für ein Semester an der Juristischen Fakultät Marburg.
 

Fahnenjunker in einem badischen Regiment

Am 18. Februar 1910 trat er als Fahnenjunker in das 3. Badische Infanterieregiment Markgraf Ludwig Wilhelm Nr. 111 in Rastatt ein, wo er am 18. Oktober 1910 zum Fähnrich befördert wurde. Nach dem Besuch der Kriegsschule Engers in Neuwied wurde er am 15. August 1911 bereits zum Leutnant befördert. Kaum ein Jahr später, am 4. Juli 1912, heiratete er die rumänische Adelstochter Elena Rosetti-Solescu, die Schwester eines Regimentskameraden. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Am 1. Oktober 1913 wurde er zum Adjutanten des III. Bataillons ernannt.
 

Verdun vor der Schlacht
Nach Kriegsausbruch und der am 6. August 1914 erfolgten Verlegung des Regiments nach Freiburg i. Br. kam Paulus' Einheit wenig später zum Fronteinsatz. Mitte September wurde das Regiment in die Region Nancy-Metz verlegt, von wo aus es zwischen den französischen Festungen Toul und Verdun nach Westen vorstoßen sollte. Dieser Plan war nicht von Erfolg gekrönt, der Durchbruch misslang. Am 8. Oktober, mittlerweile im Einsatz zwischen Lille und Arras, meldete sich Paulus krank.
 

Die Hindenburglinie bei Bullecourt
Erst 1915 wieder voll verwendungsfähig, wurde Paulus als Ordonnanzoffizier beim Regimentsstab des preußischen Jägerregiments 2 eingesetzt. In diesem Regiment stieg Paulus im Mai 1916, mittlerweile zum Oberleutnant befördert, zum Regimentsadjutanten auf. Das Regiment wurde als Teil des im Mai 1915 neu aufgestellten Deutschen Alpenkorps zunächst in Südtirol zur Verteidigung der Grenze Österreich-Ungarns gegen Italien eingesetzt. Im Oktober 1915 kam es nach Serbien und stand im Februar 1916 in Mazedonien. Wenig später kämpfte Paulus mit seinem Regiment an der Westfront, zunächst (März – Mai 1916) in der Champagne, dann (bis August 1916) in der Schlacht um Verdun. Es folgten bis zum September 1916 die Teilnahme an den Kämpfen in den Argonnen und danach der Einsatz in Siebenbürgen als Unterstützung der k. u. k.-Truppen gegen Rumänien. Dort blieb er – von einem kurzen Einsatz in den Vogesen im Mai/Juli 1917 abgesehen – bis zum September 1917. Ab September 1917 an der Isonzofront, wurde er im Frühjahr 1918 mit seinem Regiment nach Flandern verlegt. I m Mai 1918, inzwischen zum Hauptmann befördert, wurde er in den Stab des Reserve-Regiments 48 versetzt, kam aber nicht mehr zum Einsatz kam. Er beendete den Krieg mit der Auszeichnung des Eisernen Kreuzes Erster Klasse.
 

Freikorps "Grenzschutz Ost"

Während der Novemberrevolution 1918 schloss sich Paulus einem Freikorps beim Grenzschutz Ost an, das gegen die widerrechtliche Besetzung schlesischer Gebiete durch polnische Truppen kämpfte. Er war in der Organisation des Freiwilligeneinsatzes sowie der Werbung und Rekrutierung eingesetzt, nahm aber selbst nicht an Kämpfen teil.
 

Rommel wird durch Tiefflieger Angriff schwer verwundet
Zum 1. Oktober 1919 wurde Paulus in das 200.000 Mann starke „Übergangsheer“ übernommen. 1920 wurde er in Konstanz Regimentsadjutant des Infanterieregiments 14. Zwischen 1924 bis 1927 als Generalstabsoffizier eingesetzt, erhielt er anschließend als Kompaniechef im Infanterieregiment 13 sein erstes Truppenkommando. Hier lernte er Erwin Rommel kennen, der Kompaniechef der Maschinengewehrkompanie war. Danach war Paulus bis 1931 als Taktiklehrer in der Division tätig. Im Februar 1931 wurde er an die Kriegsschule nach Berlin versetzt und zum Major befördert.
 

Nachfolger von Heinz Guderian

Erich Hoepner
Mit der Machübernahme der Nationalsozialisten trat Paulus ins Interesse der neuen Führungsriege. Zentrale Bedeutung erfuhr der Aufbau von Panzern und Truppentransportern gestützter Armeen. Im September 1935 wurde Paulus als Nachfolger von Heinz Guderian Chef des Generalstabs für Kraftfahrttruppen in Zossen/Wünsdorf und war so maßgeblich am Aufbau und an der Entwicklung der deutschen Panzerwaffe beteiligt. In diesem Amt stand Paulus unter direkter Aufmerksamkeit von Adolf Hitler, der den Ausbau persönlich vorantrieb. Nach vier Jahren wurde er Anfang 1939 Chef des Generalstabs des XVI. Armeekorps unter dem Oberbefehl Generalleutnant Erich Hoepners, gleichzeitig wurde er zum Generalmajor befördert.
 

Walter von Reichenau
Ab August 1939 und im Zuge der geheimen Mobilmachung der Wehrmacht, übernahm Friedrich Paulus den Posten des Chefs des Generalstabs der 10. Armee in Leipzig, die nach dem Sieg über Polen am 10. Oktober 1939 in 6. Armee umbenannt wurde. Als rechte Hand von Oberbefehlshaber Generaloberst Walter von Reichenau nahm Paulus am Polenfeldzug 1939 und am Westfeldzug 1940 teil.
 

Paulus an Planungen für Barbarossa beteiligt

Friedrich Paulus
Im September 1940 erfolgte seine Ernennung zum Generalquartiermeister im Generalstab des Heeres. Erste Operationsstudien für den Krieg gegen Russland, den Hitler befohlen hatte, lagen bereits vor, Paulus übernahm nun die detaillierte Ausarbeitung des operativen Vorgehens. Er erkannte die Notwendigkeit eines schnellen Vorstoßes mit dem Ziel der Eroberung Moskaus. Um die Sowjetunion schnell niederwerfen zu können, war es nach seinem Dafürhalten notwendig, mit schnellen Panzerverbänden vorzustoßen und zu verhindern, dass kampfkräftige feindliche Verbände in die Weite des Raumes abziehen konnten. Für den Fall, dass dieser Plan nicht gelang, sah der Generalstab einen lange dauernden Krieg voraus, den die Wehrmacht nicht gewinnen konnte.
 

Im ersten Halbjahr 1941 war Paulus an den Verhandlungen mit den deutschen Verbündeten für den Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt. Sein Anteil an der Vorbereitung des Unternehmen Barbarossa beschränkte sich somit nicht nur auf Planspiele, sondern auch die aktive Abstimmung mit den anderen Partnern der Achsenmächte.
 

Tobruk
Am 24. April wurde Paulus nach Nordafrika gesandt, wo seit September 1940 die Wehrmacht italienische Truppen im Kampf gegen britische Einheiten unterstützte. Der Generalstab stand den Offensiven Rommels skeptisch gegenüber, da sie nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt waren und für den Angriff auf die Sowjetunion benötigte Ressourcen banden. Ein verzögerter Angriffstermin aber würde es unmöglich machen, die Kampfhandlungen vor Beginn der herbstlichen Schlammperiode siegreich zu Ende zu führen. In Nordafrika nahm Paulus am 30. April und 1. Mai am erfolglosen Angriff auf die Festung Tobruk teil.
 

Franz Halder
Am 22. Juni 1941 begann der Feldzug gegen Russland. Nach anfänglichen großen Erfolgen der deutschen Truppen geriet der Vormarsch in den Monaten August und September 1941 ins Stocken. Hitler entschloss sich nun gegen heftigen Widerstand des Generalstabes des Heeres, das Hauptgewicht auf die Besetzung des wichtigen Industriegebietes im Donezbecken zu legen und gleichzeitig an dem Ziel der Eroberung Leningrads festzuhalten. Damit fehlten der Wehrmacht die Kräfte für die Entscheidungsschlacht um die Einnahme Moskaus. Generalstabschef Halder schickte Paulus zur Beurteilung der örtlichen Lage an verschiedene Frontabschnitte. Im August 1941 besuchte er auch die 6. Armee und ihren Oberbefehlshaber Walter von Reichenau im Abschnitt der Heeresgruppe Süd.
 

Oberbefehlshaber der 6. Armee

Friedrich Paulus
Am 3. Dezember 1941 wurde Walther von Reichenau als Oberbefehlshaber der 6. Armee in Personalunion zum Chef der Heeresgruppe Süd ernannt. Dieser machte Paulus am 5. Januar 1942 unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Panzertruppen zum Oberbefehlshaber der 6. Armee. Er trat seinen Posten allerdings erst an, nachdem von Reichenau an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben war. Seine Nominierung stieß auch auf Kritik: So waren nicht nur Offiziere übergangen worden, Paulus verfügte auch kaum über Erfahrung als höherer Truppenführer. Er hatte weder eine Division, noch ein Armeekorps geführt und bekam nun Befehlsgewalt über eine ganze Armee mit rund 300.000 Mann. Am 20. Januar trat Paulus seinen neuen Posten bei der im Großraum Charkow liegenden Armee an.
 

Die Angriffe der Roten Armee seit Mitte Januar 1942 nördlich Charkow konnte die 6. Armee abweisen. Am 12. Mai begann ein massiver sowjetischer Großangriff im Raum Charkow. Paulus bewährte sich und ging siegreich aus den ersten beiden Schlachten bei Charkow hervor. 20.000 Mann eigenen Verlusten standen allein knapp 240.000 Mann gefangen genommene Rotarmisten gegenüber. Damit verstummten alle seine Kritiker und Paulus befand sich auf dem Höhepunkt seiner militärischen Karriere. Die von der Kriegspropaganda ausgeschlachtete Erfolgsgeschichte des Generals bescherte ihm in der Heimat große Popularität.
 

Am 23. Juli bekam die 6. Armee den Auftrag, anders als ursprünglich im Fall Blau geplant, allein gegen Stalingrad zu marschieren, während die Masse der deutschen Truppenverbände weiter im Südabschnitt gegen den Kaukasus vorstieß. Paulus warnte noch am 29. Juli den persönlichen Adjutanten Hitlers, dass die 6. Armee zu schwach sei, um allein die Stadt einzunehmen. Er erhielt aber nur die Zusage einer gewissen Unterstützung durch Verbände der am Südflügel der 6. Armee stehenden 4. Panzerarmee.
 

Rote Armee zieht sich in Stadtkern zurück

Paulus
Im August 1942 erreichte Paulus Stalingrad. Die zurückgedrängte Rote Armee zog sich in der Überzahl in den Stadtkern zurück. Im November reagierte die Rote Armee mit dem Angriff an den ungesicherten Flanken der Stadt und am 29. November 1942 wurde die 6. Armee mit über 220.000 Mann eingeschlossen. Luftversorgung und Entsatz durch die 4. Panzerarmee blieb 50 Kilometer vor Stalingrad im Schnee stecken. Eine Kapitulationsaufforderung lehnte Paulus am 8. Januar auf Hitlers Befehl ab. Am 30. Januar ernannte Hitler Friedrich Paulus zum Generalfeldmarschall.
 

rokossovsky undVoronov verhören
Mit 90.000 Mann erklärte Paulus, gegen den Befehl von Hitler, am 31. Januar 1943 die Kapitulation im Südteil der Stadt. Die Kapitulation des Nord-Kessels folgte wenige Tage später. Die Reste der 6. Armee gingen in russische Kriegsgefangenschaft. Am 20. Februar 1943 wurden Paulus und sein Stab dann in das Kriegsgefangenenlager Nr. 27 in Krasnogorsk bei Moskau verlegt, wo sie sechs Wochen blieben, bevor sie weiter ins Lager Nr. 160 in Susdal kamen.
 

Wilhelm Pieck
Bei einem Besuch Wilhelm Piecks, der Werbung für das neu zu begründende Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) machen wollte, zeigte er sich jedoch – anders als der größte Teil der Offiziere, die Pieck lediglich Verachtung entgegenbrachten – gesprächsbereit. In diesem Gespräch gestand er seine Enttäuschung über Hitler ein, beharrte aber darauf, dass er als Soldat unter allen Umständen zu gehorchen habe. So weigerte er sich entschieden, zu der Gründung des Komitees beizutragen.
 

Späte Erkenntnis

Claus Schenk Graf von Stauffenberg
Bis zum Sommer 1944 hielt Paulus alles Politische von sich fern. Am 24. Juli 1944 erfuhren die Gefangenen des Generalslagers von dem missglückten Attentat auf Hitler. Viele der Verschwörer kannten und schätzten Paulus, so die Generäle Beck, Fellgiebel, Olbricht und Oberst Stauffenberg. Zugleich suggerierten die Sowjets dem Feldmarschall, dass er nach dem Scheitern der Verschwörung der einzige sei, der Einfluss auf die Wehrmachtführung nehmen könne. Paulus begann die politischen Konsequenzen von NS Regime und Krieg für das deutsche Volk zu erahnen. Am 8. August 1944 unterzeichnete er einen Appell zur Beendigung des Krieges und wandte sich im Sender »Freies Deutschland« gegen Hitler und den Krieg. Der »Bund Deutscher Offiziere« (BDO) und das »Nationalkomitee Freies Deutschland« (NKFD) gewannen eine Galionsfigur hinzu, als ihre Bedeutung für die Sowjets
bereits zu sinken begann. Paulus aber hatte seine Neutralität aufgegeben.
 

Zeuge Paulus im Nürnberger Prozess
Nach Kriegsende erregte der Generalfeldmarschall mit seinem Auftritt als Zeuge vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal erneut das Interesse der Weltöffentlichkeit. »Heute, wo über die Verbrechen Hitlers und seiner Helfer Gericht der Völker gehalten wird, sehe ich mich verpflichtet, alles, was mir aufgrund meiner Tätigkeit bekannt ist und als Beweismaterial für die Schuld der Kriegsverbrecher im Nürnberger Prozess dienen kann, der Sowjetregierung zu unterbreiten«, begründete er diesen Schritt. Mit seinen Aussagen gegen die Führung der Wehrmacht schuf er einen tiefen Graben zu vielen ehemaligen Kameraden, die seine Haltung als Verrat werteten.
 

Generalleutnant Vincenz Müller
Tief im seinem Innern hatte Paulus gehofft, durch seinen Auftritt in Nürnberg von den Sowjets entlassen zu werden. Doch diese Hoffnungen zerstoben schnell. Paulus wurde nach seiner Rückkehr nicht in das allgemeine Lager zurückgebracht, sondern in eine Datscha in Tomilino verlegt. Außer ihm waren hier noch die Generäle Vincenz Müller und Arno von Lenski untergebracht, Paulus Adjutant Oberst Adam war ebenfalls häufiger anwesend. Zur Rekonvaleszenz nach einer verschleppten Lungentuberkulose verbrachten sie im Sommer 1947 zwei Monate auf der Krim. Eine Änderung trat 1948 ein, als – im Gegensatz zu Paulus selbst – die Offiziere entlassen wurden, so dass ihm lediglich als Koch und Ordonnanz  zwei deutsche Kriegsgefangene verblieben. Dies und die Nachrichten über den sich stetig verschlechternden Gesundheitszustand seiner Frau führten bei Paulus zu zunehmenden Depressionen.
 

Prominenteste Gefangene der Sowjetunion

Josef Stalin
Anfang der fünfziger Jahre lag der ehemalige Generalfeldmarschall Friedrich Paulus, der wohl prominenteste Gefangene der Sowjetunion, ohnmächtig in seiner Datscha. In den folgenden Tagen weigerte sich der sechzigjährige Offizier, das Bett zu verlassen und zu essen. Er sprach mit keinem Menschen und litt an heftigen Depressionen. Jahrelang hatte er gehofft, nach Deutschland zurückzukehren. Doch für Stalin war Paulus eine Kriegstrophäe von unschätzbarem Wert. Nun musste der Generalissimus fürchten, dass der geliebte Vogel in seinem goldenen Käfig stirbt. Daher beschloss Stalin, Paulus freizulassen. Bevor Paulus mit seinen beiden Bediensteten den Zug nach Frankfurt/Oder bestieg, schrieb er voller Dankbarkeit noch eine weitere Ergebenheitsadresse an die Sowjetunion, mit der er sich in den Augen der deutschen Öffentlichkeit endgültig zum Verräter und Wendehals abstempelte.
 

Am 24. Oktober 1953 traf Paulus in Deutschland ein.  Am Bahnsteig erwarteten ihn bereits Arno von Lenski und Wilhelm Adam. Anschließend fuhr man nach Ostberlin zu einem offiziellen Empfang durch die Staats- und Parteiführung der DDR, wo ihn Willi Stoph, der damalige Innenminister der DDR, empfing. Beeinflusst wurde diese Entscheidung, in den östlichen Teil Deutschlands und nicht in die Bundesrepublik zu gehen, von dem Tod seiner Frau im Jahre 1949. Denn nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 hatte Hitler die Inhaftierung aller Angehörigen von Offizieren, die sich aus sowjetischer Gefangenschaft heraus gegen Nationalsozialismus und Krieg aussprachen, verfügt. Paulus‘ Frau war daraufhin im KZ Dachau gefangen gehalten worden und hatte diese »Sippenhaft« nicht lange überlebt. Gewichtiger für Paulus war jedoch die Furcht vor der Auseinandersetzung um seine Person in Westdeutschland und seine in der sowjetischen Gefangenschaft entwickelten Vorbehalte gegen die Politik Adenau Adenauers zur Wiederaufrüstung und Integration der Bundesrepublik in ein westeuropäisches Paktsystem. Paulus war nicht, wie oft behauptet, als General beim Aufbau der Kasernierten Volkspolizei der DDR (KVP) tätig, wurde aber als ziviler Leiter der Kriegshistorischen Forschungsabteilung der Hochschule der KVP in Dresden eingesetzt. Hier sollte sein Buch über Stalingrad entstehen.
 

Vergünstigungen von der DDR

Friedrich Paulus bei einem Vortrag in der DDR
Die DDR bedankte sich bei Paulus mit einer Villa im feudalen Dresdener Vorort Weißer Hirsch und Vergünstigungen wie Waffenschein, Jagdrechten und einem westdeutschen Opel Kapitän. In seiner Korrespondenz mit den Führern des Arbeiter- und Bauernstaates führte er im Briefkopf stets den Titel: Friedrich Paulus - Generalfeldmarschall des ehemaligen deutschen Heeres.
 

Grab von Friedrich Paulus in Baden Baden
Tief trafen Paulus Briefe ehemaliger Kameraden, die ihm Verrat an Deutschland und gemeinsame Sache mit den Kommunisten vorwarfen, aber auch jene von Angehörigen, die schmerzlich nach Soldaten der 6. Armee suchten. Alles ihm Mögliche tat er, um hier zu helfen, aber auch im Ringen um die Freilassung der verbliebenen deutschen Kriegsgefangenen in der UdSSR. Das nagte an seiner Gesundheit, vergrößerte sein seelisches Leiden an der Verantwortung, die er trug. Schwer von einer Krankheit gezeichnet, verschwand Paulus Ende 1955 aus dem politischen Rampenlicht. Am 1. Februar 1957 starb er in tiefer Depression, die ihn in den Monaten November bis Februar stets befiel. Selbst sein Todestag unmittelbar vierzehn Jahre nach dem Untergang seiner Armee spiegelte den tiefen Bruch in seinem Leben wider. Nach einer Trauerfeier mit staatlicher Anteilnahme in Dresden wurde Paulus in der Bundesrepublik in Baden-Baden neben seiner Frau beigesetzt. Im Jahr 1960 wurde unter dem Titel: "Ich stehe hier auf Befehl" sein dokumentarischer Nachlass veröffentlicht.
 

Wassili Iwanowitsch Tschuikow

Wassilj Tschuikow nach dem Krieg
Wassili Iwanowitsch Tschuikow wurde am 12. Februar 1900 in Serebryannye Prudy im Bezirk Tula als Sohn eines Bauern geboren. Er musste sich als Laufbursche in einem Hotel und als Kaufmannlehrling durchschlagen, bevor er im April 1918 freiwillig in die Rote Armee eintrat. Schon nach viermonatiger Ausbildung wurde er als Kompaniechef eingesetzt und zeichnete sich gleich im ersten Gefecht aus. Bereits ein Jahr später trat er der KPDSU bei, wurde er Regimentskommandeur und kämpfte gegen General Koltschak, was ihm das ZK der Partei mit zwei Rotbannerorden, einem goldenen Säbel und einer goldenen Uhr honorierte. Sehr außergewöhnlich für solch einen jungen Kommandeur. Tschuikow nahm auch mit seinem Regiment am russisch/polnischen Krieg 1920/1921 teil. 1925 absolvierte er die M. W. Frunse Akademie, der anschließend ein Besuch der Akademie für Mechanisierung und Motorisierung, der Ausbildungsstätte für höhere Offiziere der Panzertruppe, in den 30 er Jahren folgte.
 

Anfang 1939 befehligte er ein Schützenkorps, marschierte am 17. September 1939 mit der Armeegruppe im Rahmen der der Weißrussischen Front in Polen ein und nahm Ende des Jahres an den Kämpfen in Finnland als Kommandeur der 9. Armee teil. Während Hitler die Sowjetunion überfiel, hielt sich Tschuikow als Militärattaché und Berater Tschiang Kai-Chek in China auf. Erst im März 1942 kehrte Tschuikow nach Moskau zurück, und zwei Monate später, Anfang Mai, wurde er zum stellvertretenden Kommandeur der Reservearmee  in Tula ernannt. Dort hatte er einen Autounfall, der ihm beinahe das Leben kostete. Sein Fahrer war betrunken und fuhr in einer Kurve geradeaus. Anfang Juli wurde die Reservearmee in 64. Armee umbenannt und nach Stalingrad verlegt. Am 17. Juli 1942 ging folgender Befehl bei seinem Stab aus Moskau ein: „ Die 64. Armee erreicht in der Nacht zum 19. Juli die Frontlinie Surowikino – Kurmojarskaja. Sie setzt sich dort fest und verhindert durch hartnäckige Verteidigung einen Durchbruch des Gegners nach Stalingrad.“
 

Wasili Tschuikow mit Stab
Nach der Schlacht von Stalingrad führte Tschuikow seine Streitkräfte zunächst ins Donezbecken, dann zur Krim, gefolgt von Weißrussland und dem Sturm auf Berlin. Dort nahm er persönlich die Kapitulation der Deutschen an.
 

Wassilij Tschuikow übergibt 1949 die Verwaltungsfunktion an Otto Grotewohl
1945/46 besetzte er den Posten des Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Thüringen (SMAT), von 1946 bis März 1949 den des stellvertretenden Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) und von März 1949 bis November 1949 war er der Oberste Chef der SMAD. 1949 bis 1953 war Tschuikow Chef der Sowjetischen Kontrollkommission (SKK) und Oberbefehlshaber der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland.
 

Mutter Heimat auf dem Mamajew-Hügel in Wolgograd
1952 bis 1961 Kandidat des ZK der KPdSU, wurde er 1961 Vollmitglied des ZK der KPdSU. Nach dem Tode Stalins machte man Tschuikow (1953 bis 1960) zu dem Chef des Militärbezirks Kiew, was für ihn einen Abstieg bedeutete. Seit 1960 Chef der Infanterie und stellvertretender Verteidigungsminister der UdSSR (bis 1964). 1964 bis 1972 war er Chef der Zivilverteidigung und seit 1972 Generalinspekteur des Verteidigungsministeriums.

Tschuikow schrieb acht autobiographische Bücher. Er wurde in Wolgograd auf dem Mamaev Hügel  beerdigt.
 

Georgij Konstantinowitsch Schukow

Portrait von Marschall Schukow. Teil eines Triptychons von Konstantin Vasilyev
Am 1. Dezember 1896 wird Georgij Konstantinowitsch Schukow in Strelkowka bei Kaluga als Sohn eines Schusters geboren. Seine streng christlich-orthodoxen Eltern schicken ihn auf eine kirchliche Schule und 1908 zu seinem Onkel nach Moskau, wo er eine Kürschnerlehre absolviert. 1911 machte er einen Abschluss in der Abendrealschule.
 

1915 wurde er als Soldat im Dragonerregiment der zaristischen Armee eingezogen und errang während des 1. Weltkrieg  zwei Auszeichnungen (Georgs-Kreuz 3. und 4. Klasse), unter anderem für die Gefangennahme eines deutschen Offiziers. 1918 trat er als Freiwilliger in die Rote Armee ein und wurde 1919 Mitglied der KPdSU. 1928 nahm er an Ausbildungskursen der deutschen Heeresleitung für sowjetische Generalstabsoffiziere teil.
 

Schukow
Am 20.08 1939 schlug Schukows Korps die Haupttruppen der 6. japanischen Armee in Chalchyn-Gol (Mongolei) - Japan hatte das Ostufer der Stadt besetzt - vernichtend, wofür er erstmalig als "Held der Sowjetunion" ausgezeichnet wurde. Insgesamt erhielt er diese Ehrung viermal. Im Juni 1940 wurde Schukow Armeegeneral und begann den Großen Vaterländischen Krieg als Mitglied des Generalstabs. September 1941 kommandierte er die Leningrader Front und leitete die Verteidigung der Stadt gegen die deutschen Truppen. Ab dem 10.10 des Jahres organisierte er die Verteidigung und die Gegenoffensive bei Moskau, wobei er aus 100.000 Einwohnern der Stadt Milizdivisionen zusammenstellte.
 

Ernennung zum Marschall der Sowjetunion

Georgi Konstantinowitsch Schukow
Für seine Leistungen bei der Blockade der Stadt Leningrad sowie bei der Schlacht um Stalingrad ernannte man ihn 1943 zum Marschall der Sowjetunion. Im Sommer 1943 war er an Planung und Ausführung der Schlacht bei Kursk beteiligt. In der Endphase des Krieges kommandierte Schukow die 1. Belorussische Front, die im Winter 1945 eine entscheidende Rolle spielte.
 

Georgi Konstantinowitsch Schukow
Einen Höhepunkt in Schukows Laufbahn stellte die Einnahme von Berlin dar; er war sowohl an der Planung als auch an der Ausführung beteiligt. Am 16. April 1945 begann die Offensive der von Schukow geführten 1. Belorussischen Front sowie der 1. Ukrainischen Front, an denen 18 Armeen beteiligt waren. Am 25. April wurde Berlin eingeschlossen.
 

Georgi Konstantinowitsch Schukow
In der Nacht des 8./9. Mai nahm Schukow für die sowjetische Siegerseite die Urkunde über die bedingungslose Kapitulation Deutschlands entgegen und wurde später Vorsitzender der sowjetischen Militäradministration. Am 24. Juni 1945 nahm er in Moskau die Siegesparade ab.
 

Schukow und Stalin
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fiel er dennoch bald in Ungnade und wurde am 9. Juni 1946 von seinem Posten als Oberbefehlshaber des Heeres und stellvertretenden Verteidigungsminister abberufen und als Kommandeur des Wehrbezirks nach Odessa versetzt. Ab dem 10. Januar 1948 wurde seine Wohnung mehrfach durchsucht, nachdem untergeordnete Kommandeure ihn beschuldigt hatten, sich im besetzten Deutschland bereichert zu haben; was übrigens im Zuge dieser Durchsuchungen auch bestätigt wurde (Unter anderem wurden 323 Pelze und 60 Bilder konfisziert). Da dies unter den sowjetischen Offizieren durchaus die Norm war, waren wohl politische Gründe ursächlich für diese Maßnahmen verantwortlich. Im Februar 1948 wurde Schukow in den militärisch drittrangige Uraler Wehrbezirk versetzt. Unmittelbar nach Stalins Tod wurde er nach Moskau zurückbeordert und als stellvertretender Verteidigungsminister und Kommandeur des Heeres wieder eingesetzt. Er soll laut Chruschtschow am 26. Juni 1953 die Festnahme Berijas durchgeführt haben, stritt dies jedoch ab. Unmittelbar nach der Verhaftung Berijas wurde er in das Zentralkomitee der KPdSU berufen. Von Juni bis Oktober 1957 saß er in dem Präsidium. Am 9.02 1955 wurde er Verteidigungsminister.
 

Schukow auf Schimmel während der großen Siegesparade in Moskau
Da Schukow in der Sowjetunion überaus beliebt und in der Armee selbst hoch verehrt war, fühlte sich Chruschtschow von ihm zunehmend in seiner Macht bedroht. Während einer Jugoslawien-Reise wurde er am 26.10 1957 aus seinem Ministeramt und dem Parteipräsidium entlassen und im Oktober 1958 in den Ruhestand geschickt.
 

Georgi Konstantinowitsch Schukow
Marschall Schukow war verheiratet und hatte drei Töchter, die in Moskau leben. Er starb 1974 und wurde an der Kremlmauer beerdigt.

Seine Memoiren, die er 1969 schrieb und die erst nach seinem Tod unzensiert erschienen, wurden zum 12. Mal anlässlich des 60. Jahrestages der Schlacht um Moskau 2002 veröffentlicht.