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Das Fort Eben Emael

Im Rahmen der Modernisierung der Forts rund um Lüttich in den frühen 30er Jahren, wurde auch der Neubau der Festung Eben Emael  beschlossen. Diese Festung sollte als uneinnehmbar gelten. Die Gründe für diese Behauptung lagen auf der Hand.

Die geografische Lage von Eben Emael
Der Kanal Richtung Maas
Rund 10 km südlich der holländischen Stadt Maastricht liegt das Fort auf dem St.-Pieter-Berg, oberhalb des westlichen Ufers der Maas. Unterhalb der Anlage zweigt der Albert Kanal von der Maas in Richtung Antwerpen ab und bildet damit einen 65 m tiefen Einschnitt, der automatisch als Festungsgraben dient. Die Ausmaße des Forts beschreiben ein unregelmäßiges Fünfeck, welches die Tradition der französischen Festungsbauer des 16. und 17. Jahrhunderts fortsetzt..  0,75 km² bildet die riesige Grundfläche, ca 0,45 km² das eigentliche Dach des Forts. Neben der perfekten, natürlichen Lage der Anlage, verbesserte man auch deren passive Bewaffnung, in dem man Wasser gefüllte Gräben, Panzermauern und weitere Annäherungshindernisse baute.

Panzerwassergraben im Süden
Das Innere des Forts:

Innerhalb der riesigen Anlage legte man ein Netz von Verteidigungsanlagen an, auch Block genannt:

Block I    damals wie heute der Haupteingang.
Block II
Block IV
Block V
Block VI
Kanal Nord
Kanal Süd
Maschinengewehrbunker Mi-Nord
Maschinengewehrbunker Mi-Süd

Das Ostufer des Albert Kanals mit B-Bunker
Block 01 außen liegend

Alle Blöcke hatten gepanzerte Beobachtungsstände, Scheinwerfer und 60 mm Flak.

All diese Blöcke waren mit einem mehr als 4,5 km langen Stollensystem verbunden. Manchmal nutzte man sogar Fahrräder, um die Entfernungen im Berg schneller
zurückzulegen.

Bewaffnung:

Die eigentliche  Bewaffnung des Fort bestand aus folgenden Teilen:

Cupola mit 12 cm Zwillingsgeschütz
Kuppel 120, ausgelegt als drehbare Panzerkuppel mit einem 120 cm Zwillingsgeschütz.
Gesamtgewicht 450 Tonnen.

Cupola Süd neben Block V
Drehbare Kuppeln Nord und Süd mit je zwei versenkbaren 7,5 cm Geschützen.

Maastricht 2
Nordwärts gerichtete Kasematten Maastricht 1 & 2 mit je drei 7,5 cm Kanonen

Südwärts gerichtete Kasematten Vise 1 & 2. Ebenfalls mit je drei 7,5 cm Kanonen.
Darüber hinaus gab es noch drei Scheinkuppeln mit den Ausmaßen von Kuppel 120, die dem Ganzen noch mehr Größe und Gefährlichkeit attestieren sollten.


Aufgabe des Forts:

Der Albert Kanal aus der Sicht eines Maschinengewehrstandes
Strategischer Zweck dieser enormen Anlage, die den belgischen Steuerzahlern mehr als 24 Millionen Francs kostete, war es, einem aus dem Osten angreifenden Gegner – den Deutschen –  solange Widerstand zu leisten, bis alliierte Hilfe eintreffen konnte. Taktische Aufgabe bestand darin, die drei Brücken  (Veldvezelt, Vroenhoeven, Kannes) über den Albert Kanal zu sichern. Eine Besatzung von mehr als 600 Mann sollte dies bewerkstelligen.

Fall Gelb:

Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel
Generaloberst Kurt Student
Im Herbst 1939 beschäftigte sich Hitler intensiv mit der Offensive im Westen, die den Tarnnamen „Fall Gelb“ erhielt. Am 27. Oktober 1939 fand in der Berliner Reichskanzlei ein Geheimtreffen statt, an dem nur Hitler, Generaloberst Keitel als Chef des OKW, sowie der Kommandeur der 7. Fliegerdivision, Generalmajor Kurt Student,  teilnahmen. Ziel der Besprechung war die Möglichkeit einer Einnahme von Eben Emael und die Wegnahme der drei Brücken über den Albert Kanal aus der Luft. Student zeigt sich von der Aufgabe begeistert und verspricht eine sofortige Umsetzung des Planes.

Blick von Cupola Nord nach Westen
 Geheime Luftaufklärung hatte schon frühzeitig die Schwachstelle des Forts deutlich gemacht. Es gab zwar 6 cm Flak und MGs auf dem Dach der Festung, doch konnte man an Hand von Luftbildern erkennen, dass man es versäumt hatte, die freien Flächen zu verminen. Bemerkt wurde dies, als die belgische Besatzungsmannschaft auf dem Dach ein großes Fußballfeld angelegt hatten. Schlussfolgerung der deutschen Aufklärer: wo man Fußball spielt, gibt es naturgemäß keine Minen. Also lag einer potentiellen Landebahn nichts im Wege.

Student beauftragt Hauptmann Walter Koch (Sturmabteilung Koch) mit der Durchführung des Unternehmens. Dieser sammelte nun Männer des 1. Bataillons, 1. Regiment und Leutnant Witzig`s Pionier Kompanie des 2. Bataillons, 1. Regiment um sich. Die Gesamtstärke  der Sturmabteilung Koch betrug elf Offiziere und 427 Soldaten, von denen wiederum 42 als Segelflug Piloten ausgebildet wurden. Die Gruppe, die strengster Geheimhaltung unterlag, versammelte ich im November 1939 in Hildesheim, um sofort die Ausbildung zu beginnen.

Ausbildung:

Sieben Monate durchliefen die Männer unter dem Siegel der Verschwiegenheit ein intensives Training. Die Geheimhaltung war derart strikt, dass es unter Todesstrafe verboten war, über den zukünftigen Einsatz zu sprechen. Selbst Familienangehörige hatten keine Ahnung, wo sich ihre Leute befanden und zu was sie ausgebildet wurden. Selbst Zugnamen wurden ständig gewechselt. Mal hieß es „Versuchsabteilung Friedrichshafen“, mal “17. Reservestaffel“.

Lastensegler Front
Lastensegler mit Fallschirmjäger
Die Gleiter Piloten hatten eine besondere Aufgabe, da es bislang noch nie einen derartigen Angriff aus der Luft gegeben hatte und niemand bisher auf einer derart kurzen Landebahn hatten niedergehen müssen. Eine der Maßnahmen zur Verminderung der Landegeschwindigkeit war das Umwickeln der Kufen der DFS 230 mit Stacheldraht. Eine andere war die Installierung eines Bremsfallschirmes. Einen solchen Gleiter kann man heute im Luftwaffenmuseum Gatow (Link zur Berlin Reise) besichtigen.

Training mit dem Gleiter
Oberleutnant Witzig vor dem Eingang zum Fort
Die Sturmabteilung Koch wurde in 4 Gruppen gegliedert.

GRANIT, unter der Führung von Leutnant  Rudolf Witzig war für die Einnahme der Festung  verantwortlich. Neben Leutnant Witzig führte Leutnant Egon Delica diese Gruppe von 83 Männern, von denen wiederum 11 die DFS 230 Gleiter flogen.

STAHL hatte die Aufgabe die strategisch wichtige Veldvezelt Brücke an der Strasse Maastricht – Antwerpen zu nehmen.

EISEN sollte die Brücke von Kannes an der Strasse Maastricht – Lüttich besetzen.

BETON war für die Wegnahme der Vroenhoven Brücke verantwortlich.


Flakscheinwerfer
DFS 230 Lastensegler
Der Angriff:

Um 04.30 starteten am 10. Mai 1940 elf JU 52 mit ebenso vielen DFS 230 im Schlepp von den beiden Absprunghäfen Köln-Ostheim und Köln-Butzweilerhof. Um den Piloten die Navigation Richtung belgische Grenze zu erleichtern, hatte man im Abstand von 20 km je einen Flakscheinwerfer aufgestellt. Kurz vor Aachen signalisierten drei Scheinwerfer die unmittelbare Nähe des Operationszieles. Von nun an wurde nach Kompass geflogen.

Der erste Gleiter mit Trupp 8 landete um 05.24 auf der Festung. Die Überraschung war vollständig. Die Belgier hatten zwar das Rauschen der Flugzeuge vernommen, konnten sich aber keinen Reim daraus machen. Minuten später landet Trupp 5 direkt auf einem Maschinengewehrnest und macht die ersten Gefangenen.

Schlepp Maschine Ju 52
Nicht alles läuft an diesem Morgen reibungslos. Zwei JUs und deren Gleiter scheiden schon kurz nach dem Start aus der Operation aus. Ausgerechnet Leutnant Witzig muss kurz nach dem Start notlanden. Es gelingt ihm aber eine weitere JU 52 zu organisieren, die ihn und seinen Trupp 11 gegen 08.30 auf Eben Emael absetzt. Die zweite Maschine landet in der Nähe von Düren und dessen Trupp entschließt  sich zu Fuß die Festung zu erreichen. Am späten Nachmittag sollte ihnen dies auch unter heftigem Feuer gelingen.

Nach dem Kampf
Währenddessen beginnen die übrigen Trupps mit der Zerstörung der Befestigungen. Binnen 15 Minuten sind die wichtigsten Geschützstellungen außer Gefecht gesetzt. Neben dem Einsatz der üblichen Mittel wie geballte Ladungen und Flammenwerfern macht aber erst der Einsatz von Hohlladungen die unglaublich schnelle Einnahme der Festung möglich. Um 05.42 meldete GRANIT an Hauptmann Walter Koch die Nachricht, dass Eben Emael unter der Kontrolle der Paras wäre.

Hohlladungswirkung auf Mi Nord
Hohlladungswirkung auf Cupola Nord
Hohlladungen:

Die Hohlladung ist ein Hohlkörper aus Stahl, in den Sprengstoff trichterförmig eingegossen wird. Im Augenblick der Zündung wird die gesamte Detonationsenergie auf einen Punkt gebündelt. Dort bildet sich ein Stachel, dessen Staudruck selbst massivsten Stahl durchbohrt (Munroe Effekt). Erfunden wurde das Prinzip der Hohlladung bereits 1888 von dem Amerikaner Munroe. Um 1910 wurde die Idee durch den Deutschen Neumann verbessert. In den 30er Jahren beschäftigte sich auch der Schweizer Mohrhaupt mit dem Prinzip der Hohlladung und bot sie dem französischen Heer exakt am gleichen Tag an, als die Deutschen Eben Emael angriffen. Die Deutschen  Wissenschaftler verfeinerten jedoch die neue Waffe in einem Maße, die es dem Angreifer erlaubte, auch schwere Objekte anzugreifen, da sie in zwei Teilen transportiert wurde.

Die Erfindung der Holladung war Hitler so wichtig, dass er zwei Maßnahmen persönlich verfügte. Zum einen das Ausgießen der der Hohlladungs-Sprengtrichter durch Beton, zu anderen die Isolierung der in Eben Emael gefangenen Belgier in einem geheim gehaltenen Stalag (Stammlager). Die erste Maßnahme sollte Besuchern befreundeter Achsenmächte keinen Anhaltspunkt für die neue Waffe bieten, die Zweite sollte es unmöglich machen, dass Dritte von einem Eben Emael Gefangenen Einzelheiten zur Wirkung der Hohlladung Kenntnis bekamen.


Stuka im Sturzflug
Das Ende:

Der gesamte 10. Mai wurde von anhaltenden Kämpfen der Fallschirmjäger mit der Besatzung des Fort begleitet. Selbst Stukas wurden von Lt. Delica angefordert, um Widerstand zu brechen. Am 11. Mai gegen 10.00 ergibt sich das Fort unter dem Kommando von Major Jottrand. Rund 1.000 Belgier begeben sich in Gefangenschaft.

Die Gruppe Granit verzeichnete sechs Gefallene und 20 Verwundete Die Belgier meldeten 23 Tote und 59 Verwundete.

Die Brücke von Kanne
Oberleutnant Gustav Altmann
Die Gruppen BETON, STAHL und EISEN waren unterschiedlich erfolgreich.
BETON unter dem Kommando von Lt. Schacht nahm die Brücke von Vroenhoven unter schwerem Feuer intakt. Lt. Schächter und Gruppe EISEN landeten mitten im Feuer von deutschen Vorhuten nahe der Kannes Brücke, die von den Belgiern in letzter Minute gesprengt werden konnte. Die deutsche Infanterie hatte sich nicht an dem Zeitplan gehalten und war zu früh in den Kampf mit den belgischen Brückenwachen geraten.
STAHL, unter der Führung von Oberleutnant Gustav Altmann, nahm gegen 05.24 die Veldvezeldt Brücke intak eint. Insgesamt verloren die Deutschen an den Brücken 37 Tote und 100 Verwundete. Die Belgier beklagten mehr als 400 Tote und zahlreiche Verwundete.

Hitler im Gespräch mit Eben Emael Kämpfern
General Student gratuliert seinen Kämpfern
Epilog:

Hitler und Gruppe Granit
Hitler empfängt seine Truppe
Am 16. Mai verlieh Adolf Hitler im vorgeschobenen Führer HQ "Felsennest" bei Euskirchen das Ritterkreuz an: Hauptmann Walter Koch, Oberleutnant Rudolf Witzig und Oberleutnant Gustav Altmann.