Teilkapitualion
Von September 1944 an plante General Eisenhower, der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa alle weitere Operationen gegen das deutsche Reich aus einer Berufsschule in der Rue Jolicoeur in Reims.Es sollten noch Monate vergehen und eine ernste Krise in den Ardennen überwunden werden, bis der erste förmliche Waffenstillstand einer Heeresgruppe in Italien geschlossen wurde.
Doch schon viel früher begannen die ersten Verhandlungen über Teilkapitulationen. Bereits im Februar 1945 hatte SS Obergruppenführer Karl Wolff erste Kontakte mit dem Leiter der mitteleuropäischen Zentrale des U.S. Geheimdienstes OSS (Office of Strategic Services), Allen W. Dulles in der Schweiz geknüpft. Diese Gespräche führten letztendlich zur Kapitulation der Heeresgruppe C am 2. Mai. Am gleichen Tag kapitulierte General Weidling in Berlin.
Doch auch Himmler selbst hatte im April versucht seine Haut zu retten und mit Graf Bernadotte einen „Boten“ für sein Angebot an die Westmächte für eine Teilkapitulation im Westen gefunden. Die BBC am 28. April: „Himmler hat angeboten, im Westen zu kapitulieren. Er fühlt sich dazu ermächtigt, da Hitler, wie Himmler sagt, an Gehirnblutungen leidet.“ Am nächsten Tag erfährt Hitler von Himmlers Initiative und brüllt: „Himmler hat den größten Verrat aller Zeiten begangen. Er muss so schnell wie möglich erschossen werden.“
Nach Hitlers Selbstmord im Bunker der Reichskanzlei in Berlin am 30. April und der „Inthronisierung“ von Grossadmiral Karl Dönitz als dessen Nachfolger, begann eine rege Kommunikation mit den Westmächten. Reichspräsident Dönitz und das OKW wollten die Kapitulation hinauszögern, um im Osten weiterzukämpfen mit dem Ziel, so viele Soldaten und Zivilisten vor der Roten Armee zu retten.
Am 3. Mai fiel Hamburg und die Briten näherten sich schnell denm Hauptquartier der neuen Reichsregierung in Flensburg-Mürwick, Schleswig Holstein. Um Zeit zu gewinnen schickte Dönitz seinen engsten Vertrauten und neuen Chef der Kriegsmarine, Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg zu Feldmarschall Bernard Montgomery, der sein Hauptquartier auf dem Timeloberg bei Wendisch-Evern in der Nähe von Lüneburg aufgeschlagen hatte. Dönitz und sein Kabinett hofften immer noch auf einen baldigen Zerfall des Bündnisses zwischen den Westalliierten und der UDSSR, welches durch den plötzlichen Tod von U.S. Präsident Franklin D. Roosevelt greifbar nah schien.
Um 11.30 Uhr des 3. Mai trafen von Friedeburg, General Kinzel, Konteradmiral Wagner und Major Freidel bei Montgomery ein. Dieser ließ die deutsche Abordnung erst einmal unter dem wehenden Union Jack lange warten, um sie zu demütigen, wie er später bestätigte. Anfangs bekamen die deutschen Spitzenoffiziere nicht einmal einen Stuhl. Von Friedeburgs Auftrag, einen Zeitaufschub zu erwirken, um weiter gegen die Rote Armee kämpfen zu können, wurde von Montgomery kategorisch abgelehnt. Zur Beratung fuhr die deutsche Delegation nach Flensburg zurück. Am nächsten Tag wurde um 18.30 die Kapitulationsurkunde unterzeichnet.
Zeit gewinnen
Damit war von Friedeburgs Aufgabe aber noch nicht beendet. Am nächsten Tag suchte er das Hauptquartier von General Dwight D. Eisenhower in Reims auf, um auch dort eine Teilkapitulation gegenüber der U. S. Armee zu erreichen. Dies wurde von Eisenhower schroff zurückgewiesen. Zum einem wollte Ike nicht die Vereinbarungen mit den Russen umgehen, zum anderen wäre ein Separatfrieden politisch kaum durchsetzbar gewesen. Noch hatten die Amerikaner große Sympathien für "Uncle Joe" Stalin. Am 6. Mai machte Friedeburg in Flensburg klar, dass Eisenhower allein eine bedingungslose Gesamtkapitulation akzeptiere. Dönitz wollte seine Niederlage nicht eingestehen und schickte Generaloberst Jodl nach Reims.
Alfred Jodl war für Eisenhower und seinen Stab kein Unbekannter. Jodl lernt bereits 1923 Hitler kennen, unterhielt aber keine Beziehungen zur NSDA. 1938 war er bereits Chef des Wehrmachtführungsamtes, später Wehrmachtführungsstab und wurde am 1. April 1939 zum Generalmajor und Chef der Operationsabteilung des OKW ernannt. Am 19. Juli 1940 wurde er zum General der Artillerie ernannt. Damit verbunden war auch das Amt als Hitlers persönlicher Chef des Stabes. Er galt auch als eigentlicher Planer des Polenfeldzuges und war ab 1942 verantwortlich für alle Operationen gegen die Westalliierten. Er war Hitlers engster Berater in strategischen und operativen Fragen.
Als Jodel in Reims eintraf versuchte er Zeit zu gewinnen und schlug vor, die Kapitulation solle in zwei Phasen ablaufen: eine erste, in der Bewegung der Truppen erlaubt, und eine zweite, in der sie verboten wäre. Eisenhower und sein Stab machten Jodl schnell klar, dass sie keine weiteren Verzögerungstaktiken dulden würden und verlangten seine sofortige Unterschrift unter das Abkommen der bedingungslosen Kapitulation anderenfalls würden sie die Westfront total sperren und das Feuer auf jeden deutschen Soldaten eröffnen, auch wenn er unbewaffnet käme, um sich zu ergeben. Gegen Mitternacht unterrichtet er Dönitz von der Situation und gegen 01.30 Uhr am 7. Mai autorisiert dieser Jodl: „Ich bevollmächtige Generaloberst J o d l , Chef des Wehrmachtsführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht, zum Abschluss eines Waffenstillstandsbkommens mit dem Hauptquartier des Generals Eisenhower".
Das Sprechzimmer der Berufsschule Reims war für diesen feierlichen Augenblick präpariert worden. Doch plötzlich wurde Befehl gegeben, die Scheinwerfer und Aufnahmegeräte zu entfernen. Die aus Paris eigens eingeflogenen 16 Korrespondenten wurden angewiesen, das Ereignis „off the record“ zu lassen. Die Kapitulation Deutschlands im Quartier der Westalliierten sollte nicht publiziert werden und Eisenhower entschied, nicht an der Zeremonie teilzunehmen. Um 02.41 Uhr unterzeichnet Jodl im Beisein von v. Friedeburg und General Wilhelm Oxenius als Vertreter der Luftwaffe vier Dokumente und damit die bedingungslosen Kapitulation der deutschen Truppen. Auf alliierter Seite unterzeichneten der amerikanische Generalleutnant Walter Bedell Smith (Stabschef Eisenhowers, stellvertretend für General Eisenhower als Oberbefehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte), Admiral Harold M. Burrough als Vertreter der britischen Marine, Generalmajor Iwan Susloparow, stellvertretend für das sowjetische Oberkommando, Carl Spaatz als Vertreter der U.S. Air Force, J.M. Robb als Vertreter der RAF und der in letzter Minute eingeladene Generalmajor Francois Sevez, als Vertreter der französischen Streitkräfte. Jodl`s Kommentar nach der Zeremonie: „Mit dieser Unterschrift begeben sich das deutsche Volk und die Wehrmacht auf Gedeih und Verderb in die Hände des Siegers.“
Hängen oder erschiessen
Dieser Satz traf mit Sicherheit auf Jodl zu. Jodl war in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt und auch auf den alliierten Listen der Hauptkriegsverbrecher war er zunächst nicht vermerkt. Erst im August 1945 tauchte sein Name auf Verlangen der Russen und Franzosen auf dieser Liste auf. In der abschließenden Urteilsberatung am 10. September stimmten die russischen Richter für schuldig nach vier Punkten und forderten die Todesstrafe. Es folgte eine groteske Diskussion zwei Tage später, in der die verschiedenen Parteien darüber stritten, ob Jodl zu erhängen oder zu erschießen sei. Am 1. Oktober 1946 wurde Jodl wegen Verbrechens gegen den Frieden (Angriffsplanung) und gegen die Menschlichkeit (Kriegsgefangene) zum Tode durch den Strang verurteilt und am 16. Oktober gehängt. 1953 wurde Jodl posthum von einer deutschen Spruchkammer von allen Verbrechen mit der Begründung freigesprochen, er habe sich als Militär auf rein operative Fragen beschränkt.
Damit wäre der Zweite Weltkrieg in Europa eigentlich beendet gewesen. Doch Stalin war außer sich, dass das "offizielle" Ende des Krieges in Regie der Amerikaner vollzogen war. Nicht zuletzt wegen der enormen Verluste der Sowjetunion bestand er auf einer neuen, endgültigen Kapitulation - auch wenn diese eigentlich nur eine Inszenierung war. Doch diese sollte dort stattfinden, wo alles angefangen hatte: in Berlin.
Seit der Kapitulation Weidlings war die Pionierschule der Wehrmacht in Berlin-Karlshorst das Hauptquartier der Russen. Im Offiziercasino der Schule sollte nun am 8. Mai die Kapitulation unterzeichnet werden - von Stalin bis ins Detail geplant. Für die Westalliierten unterschrieben US-General Carl Spaatz, der britische Luftmarschall William Tedder und General Jean de Lattre de Tassigny, sie waren jedoch nur Statisten.
Die wahren Protagonisten hießen Wilhelm Keitel und Georgi Schukow. Der deutsche Generalfeldmarschall war um Haltung bemüht, doch der Marschall der Sowjetunion ließ das nicht zu. Mit barschen Worten befahl er Keitel, die vorbereitete Urkunde zu unterschreiben. Keitel folgte dem steif. Schukow beschloss die Prozedur mit den Worten: "Die deutsche Delegation kann gehen". Keitel erhob zum Abschied seinen Marschallstab und ging.
Zum anschließenden Festmahl war für die Deutschen nur im Nebengebäude gedeckt. Festgesetzt war der Waffenstillstand auf den 8. Mai, 23.01 Uhr. Doch als Keitel unterschrieb war es schon Mittwoch, der 9. Mai, 0.16 Uhr. Die Uhr am Moskauer Kreml zeigte sogar schon 2.16 Uhr. Aus diesem Grund gedenken die Amerikaner am 7., die Deutschen am 8. und die Russen am 9. Mai des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa
Keitel wurde wie Jodl am 16. Oktober 1946 in Nürnberg gehängt.
Keitel wurde wie Jodl am 16. Oktober 1946 in Nürnberg gehängt.
Kapitulationsurkunde
Am 8. Mai 1945 unterzeichnete Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst, wie von Josef Stalin gefordert, die Kapitulationsurkunde für alle Wehrmachtsteile. Der Text im Wortlaut.
1. Wir, die hier Unterzeichneten, die wir im Auftrage der Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht handeln, übergeben hiermit bedingungslos dem Obersten Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und gleichzeitig dem Oberkommando der Roten Armee alle gegenwärtig unter deutschem Befehl stehenden Streitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
2. Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht wird unverzüglich allen deutschen Land-, See- und Luftstreitkräften und allen unter deutschem Befehl stehenden Streitkräften den Befehl geben, die Kampfhandlungen um 23.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit am 8. Mai 1945 einzustellen, in den Stellungen zu verbleiben, die sie in diesem Zeitpunkt innehaben, und sich vollständig zu entwaffnen, indem sie ihre Waffen und Ausrüstung den örtlichen alliierten Befehlshabern oder den von den Vertretern der obersten alliierten Militärführungen bestimmten Offizieren übergeben. Kein Schiff, Seefahrzeug oder Flugzeug irgendeiner Art darf zerstört werden, noch dürfen Schiffsrümpfe, maschinelle Einrichtungen oder Geräte, Maschinen irgendwelcher Art, Waffen, Apparaturen und alle technischen Mittel zur Fortsetzung des Krieges im allgemeinen beschädigt werden.
3. Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht wird unverzüglich den zuständigen Befehlshabern alle von dem Obersten Befehlshabern der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und dem Oberkommando der Roten Armee erlassenen zusätzlichen Befehle weitergeben und deren Durchführung sicherstellen.
4. Die Kapitulationserklärung stellt kein Präjudiz für an ihre Stelle tretende allgemeine Kapitulationsbestimmungen dar, die durch die Vereinten Nationen oder in deren Namen festgesetzt werden und Deutschland und die Deutsche Wehrmacht als Ganzes betreffen werden.
5. Im Falle, daß das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht oder irgendwelche unter seinem Befehl stehenden Streitkräfte es versäumen sollten, sich gemäß den Bestimmungen dieser Kapitulationserklärung zu verhalten, werden der Oberste Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und das Oberkommando der Roten Armee alle diejenigen Straf- und anderen Maßnahmen ergreifen, die sie als zweckmäßig erachten.
6. Diese Erklärung ist in englischer, russischer und deutscher Sprache aufgesetzt. Allein maßgebend sind die englische und die russische Fassung.
Unterzeichnet zu Berlin, am 8. Mai 1945
gez. v. Friedeburg
gez. Keitel
gez. Stumpff
Für das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht
In Gegenwart von:
Für den Obersten Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte
gez. A. W. Tedder
Für das Oberkommando der Roten Armee
gez. G. Zhukov
Bei der Unterzeichnung waren als Zeugen auch zugegen:
General, Oberstkommandierender der Ersten Französischen Armee
gez. J. de Lattre-Tassigny
Kommandierender General der Strategischen Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten
gez. Carl Spaatz
(Aus: Amtsblatt des Kontrollrates in Deutschland, Ergänzungsblatt 1, S. 6.)
2. Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht wird unverzüglich allen deutschen Land-, See- und Luftstreitkräften und allen unter deutschem Befehl stehenden Streitkräften den Befehl geben, die Kampfhandlungen um 23.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit am 8. Mai 1945 einzustellen, in den Stellungen zu verbleiben, die sie in diesem Zeitpunkt innehaben, und sich vollständig zu entwaffnen, indem sie ihre Waffen und Ausrüstung den örtlichen alliierten Befehlshabern oder den von den Vertretern der obersten alliierten Militärführungen bestimmten Offizieren übergeben. Kein Schiff, Seefahrzeug oder Flugzeug irgendeiner Art darf zerstört werden, noch dürfen Schiffsrümpfe, maschinelle Einrichtungen oder Geräte, Maschinen irgendwelcher Art, Waffen, Apparaturen und alle technischen Mittel zur Fortsetzung des Krieges im allgemeinen beschädigt werden.
3. Das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht wird unverzüglich den zuständigen Befehlshabern alle von dem Obersten Befehlshabern der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und dem Oberkommando der Roten Armee erlassenen zusätzlichen Befehle weitergeben und deren Durchführung sicherstellen.
4. Die Kapitulationserklärung stellt kein Präjudiz für an ihre Stelle tretende allgemeine Kapitulationsbestimmungen dar, die durch die Vereinten Nationen oder in deren Namen festgesetzt werden und Deutschland und die Deutsche Wehrmacht als Ganzes betreffen werden.
5. Im Falle, daß das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht oder irgendwelche unter seinem Befehl stehenden Streitkräfte es versäumen sollten, sich gemäß den Bestimmungen dieser Kapitulationserklärung zu verhalten, werden der Oberste Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte und das Oberkommando der Roten Armee alle diejenigen Straf- und anderen Maßnahmen ergreifen, die sie als zweckmäßig erachten.
6. Diese Erklärung ist in englischer, russischer und deutscher Sprache aufgesetzt. Allein maßgebend sind die englische und die russische Fassung.
Unterzeichnet zu Berlin, am 8. Mai 1945
gez. v. Friedeburg
gez. Keitel
gez. Stumpff
Für das Oberkommando der Deutschen Wehrmacht
In Gegenwart von:
Für den Obersten Befehlshaber der Alliierten Expeditionsstreitkräfte
gez. A. W. Tedder
Für das Oberkommando der Roten Armee
gez. G. Zhukov
Bei der Unterzeichnung waren als Zeugen auch zugegen:
General, Oberstkommandierender der Ersten Französischen Armee
gez. J. de Lattre-Tassigny
Kommandierender General der Strategischen Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten
gez. Carl Spaatz
(Aus: Amtsblatt des Kontrollrates in Deutschland, Ergänzungsblatt 1, S. 6.)
Auf Propaganda wollte man in Dönitz Hauptquartier in Flensburg-Mürwick bis zuletzt nicht verzichten. Selbst der letzte Wehrmachtsbericht vom 9. Mai 1945 versucht noch, den Mythos der deutschen Kriegsstärke aufrechtzuerhalten.
Der letzte Wehrmachtsbericht
"20 Uhr und 3 Minuten. Reichssender Flensburg und die angeschlossenen Sender. Wir bringen heute den letzten Wehrmachtsbericht dieses Krieges.In Ostpreußen haben deutsche Divisionen noch gestern die Weichselmündung und den Westteil der Frischen Nehrung bis zuletzt tapfer verteidigt, wobei sich die 7. Infanterie-Division besonders auszeichnete. Dem Oberbefehlshaber, General der Panzertruppe von Saucken, wurden in Anerkennung der vorbildlichen Haltung seiner Soldaten die Brillanten zum Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.
Als vorgeschobenes Bollwerk fesselten unsere Armeen in Kurland unter dem bewährten Oberbefehl des Generaloberst Hilpert monatelang überlegene sowjetische Schützen- und Panzerverbände und erwarben sich in sechs großen Schlachten unvergänglichen Ruhm. Sie haben jede vorzeitige Übergabe abgelehnt. In voller Ordnung wurden mit den nach Westen noch ausfliegenden Flugzeugen nur Versehrte und Väter kinderreicher Familien abtransportiert. Die Stäbe und Offiziere verblieben bei ihren Truppen. Um Mitternacht wurde von deutscher Seite, entsprechend den unterzeichneten Bedingungen, der Kampf und jede Bewegung eingestellt.
Die Verteidiger von Breslau, die über zwei Monate lang den Angriffen der Sowjets standhielten, erlagen in letzter Stunde nach heldenhaftem Kampf der feindlichen Übermacht. Auch an der Südost- und Ostfront, von Fiume über Brünn bis an die Elbe bei Dresden, haben alle höheren Kommandobehörden den Befehl zur Einstellung des Kampfes erhalten. Eine tschechische Aufstandsbewegung in fast ganz Böhmen und Mähren kann die Durchführung der Kapitulationsbedingungen und die Nachrichtenverbindungen in diesem Raum gefährden. Meldungen über die Lage bei den Heeresgruppen Löhr, Rendulic und Schörner liegen beim Oberkommando der Wehrmacht zur Stunde noch nicht vor. Fern der Heimat haben die Verteidiger der Atlantikstützpunkte, unsere Truppen in Norwegen und die Besatzungen der Ägäischen Inseln in Gehorsam und Disziplin die Waffenehre des deutschen Soldaten gewahrt.
Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen. Auf Befehl des Großadmirals hat die Wehrmacht den aussichtslos gewordenen Kampf eingestellt. Damit ist das fast sechsjährige heldenhafte Ringen zu Ende. Es hat uns große Siege, aber auch schwere Niederlagen gebracht. Die deutsche Wehrmacht ist am Ende einer gewaltigen Übermacht ehrenvoll unterlegen.
Der deutsche Soldat hat, getreu seinem Eid, im höchsten Einsatz für sein Volk für immer Unvergeßliches geleistet. Die Heimat hat ihn bis zuletzt mit allen Kräften unter schwersten Opfern unterstützt. Die einmalige Leistung von Front und Heimat wird in einem späteren gerechten Urteil der Geschichte ihre endgültige Würdigung finden.
Den Leistungen und Opfern der deutschen Soldaten zu Wasser, zu Lande und in der Luft wird auch der Gegner die Achtung nicht versagen. Jeder Soldat kann deshalb die Waffen aufrecht und stolz aus der Hand legen und in den schwersten Stunden unserer Geschichte tapfer und zuversichtlich an die Arbeit gehen für das ewige Leben unseres Volkes.
Die Wehrmacht gedenkt in dieser schweren Stunde ihrer vor dem Feind gebliebenen Kameraden. Die Toten verpflichten zu bedingungsloser Treue, zu Gehorsam und Disziplin gegenüber dem aus zahllosen Wunden blutenden Vaterland."
















