Die Ära Vauban
Die Erfindung des Schießpulvers im 14. Jahrhundert hatte schwerwiegende Folgen für das Befestigungswesen. Als die Osmanen 1453 Konstantinopel belagerten und sturmreif schossen, wurde den Militäringenieuren schlagartig bewusst, dass die herkömmliche Stadtmauer Geschichte war. Die Festung der Neuzeit sollten geduckt sein, um möglichst wenig Zielfläche zu bieten, ihr sternförmiger Grundriss war von den Schusslinien bestimmt. Alle Mauern sollten vom eigenen Verteidigungsgeschütz bestrichen werden können, um den Feind fernzuhalten. 1527 legte Albrecht Dürer eine der ersten Traktate zum Festungsbau vor.
Die Geschichte der Festungsstadt Rocroi beginnt im 16. Jahrhundert mit den ersten Befestigungen, die von Heinrich II in Auftrag gegeben werden. Diese Stadtbefestigungen
Waren Erd- und Steinwälle in der Form eines Pentagons, eines Fünfecks. Die Entscheidung, Rocroi zu Festung auszubauen fiel mit der Konstruktion des Fort Charlemont in Givet durch
Kaiser Karl V. 1643 fand die Schlacht von Rocroi statt und 1675 besuchte Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (1633 – 1707) zum ersten Mal die Stadt.
Waren Erd- und Steinwälle in der Form eines Pentagons, eines Fünfecks. Die Entscheidung, Rocroi zu Festung auszubauen fiel mit der Konstruktion des Fort Charlemont in Givet durch
Kaiser Karl V. 1643 fand die Schlacht von Rocroi statt und 1675 besuchte Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (1633 – 1707) zum ersten Mal die Stadt.
Vauban, der als junger Kadett noch auf Seiten der Fronde des französischen Adels gegen den Absolutismus Ludwig XIV. kämpfte, wurde 1652 von Jules Mazarin (eigentlich Giulio Mazarini), Kardinal und Staatsmann für die Sache des Königs gewonnen und stieg 1678 bis zum Generalinspekteur aller französischen Festungen auf.
Im Laufe von 50 Jahren baute Vauban die "Ringmauer des französischen Hauses", einen Festungsgürtel um ganz Frankreich. Besonders stark wurde die Nord- und Ostgrenze (Pre Carré) gesichert. Vauban erbaute oder überarbeitete rund 120 Festungen. Er wurde zum führenden Festungsbauer in Europa seiner Epoche. Sein Meisterstück ist die zwischen 1698 und 1708 entstandene Garnisonsstadt Neuf-Brisach.
Vauban war nicht nur Festungs-, sondern auch Belagerungsingenieur. Sein Ruhm als Belagerer (48 erfolgreiche Belagerungen) überstieg fast den als Festungsbaumeister. In diesem Zusammenhang muss festgestellt werden, dass Vauban in der Geschichte zweifelsohne einen bedeutenden Platz einnimmt. Seine Bedeutung hinsichtlich der Kriegsführung muss jedoch als außergewöhnlich bezeichnet werden. Und das nicht nur zu seinen Lebzeiten. Bereits 1703 ernannte Ludwig XIV Vauban zum Marechal de France & Directeur General des Fortifications du Royaume
Der Erfinder Vauban
Die Art und Weise wie Vauban Belagerungen und Erstürmungen von Städten und Festungen durchführte, hielt er penibel in seinem grandiosen Werk „De L`Attaque et de la Defense des Places“ fest. Eine Fußnote der Geschichte: 1697 musste Vauban vor Ath eine Festung belagern, die er selbst gebaut hatte! Vauban's Angriffsmethode blieb für 100 Jahre und mehr die Grundlage der Kriegsführung. Napoleons Belagerungen auf der iberischen Halbinsel im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts sind eindeutig Vauban`s Grundlagen zuzuordnen. Zum Schaden Frankreichs hielten sich jedoch spätere Festungsingenieure zu lange an den Vorstellungen Vauban`s auf, ohne sie weiterzuentwickeln. Ein Fauxpas, welchen Vauban selbst nie begangen hätte.
Eine weitere Facette seiner Persönlichkeit waren Erfindungen und Erneuerungen. Unter anderem geht die Erfindung des aufsteckbaren Bajonetts auf Vauban zurück. Diese war insofern neu, da sich das Bajonett nicht wie bisher im Lauf, sondern um den Lauf herum stecken ließ. Dadurch wurde das Bajonett eine Schutzwaffe, ohne den Offensivcharakter zu verlieren. Daneben war es auch Vauban, der die Umstellung des Infanteristen von der Luntenschlossmuskete zur Steinschlossmuskete vorantrieb. Diese beiden Neuerungen trugen maßgeblich dazu bei, dass das System der spanischen Tercio – ein Mix aus Musketen- und Pikensoldaten – ein Ende fand. Anstelle dessen begann die Einführung der dünn gestaffelten Infanterieverbände, die zu einer Revolution der Taktik und Strategie führte. Zu guter letzt war es auch Vauban, der die Einführung von Kasernen vorantrieb. Ein Novum seit der Römerzeit. Dies führte zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und der Disziplin in der französischen Armee.
Natürlich war Ludwig der XIV voll des Lobes und der Anerkennung angesichts der Leistungen und Verdienste Vaubans. Dementsprechend waren auch die Einkünfte. Er erhielt vom König eine ganze Reihe von Stellungen, Titel und Posten, die er zum Teil auch vergoldete, indem er sie an seine Landsleute verkaufte. Ein damals ganz normaler Vorgang. Besonders vermarktbar waren solche, die einen Zugang zum König garantierten. Daneben erhielt Vauban auch gewaltige Summen in bar. Insbesondere nach der Einnahme von feindlichen Städten. Zu guter letzt gewährte der König ihm auch ein großes Maß an Vertrautheit. Eine Zuwendung, die deutlich macht, welchen Einfluss Vauban auf Ludwig XIV hatte. Ein Beispiel aus einem Brief des Königs an Vauban: „…fahren Sie fort mir zu schreiben. Egal was Sie beschäftigt, und seien Sie nicht enttäuscht, falls ich Ihre Vorschläge nicht übernehmen sollte, oder wenn ich Ihnen nicht sofort antworte…Es ist unmöglich größere Hochachtung, Wertschätzung und Freundschaft zu haben als ich Ihnen entgegenbringe.“
Der königliche Zehnte
Neben der Dankbarkeit seines Souveräns war er auch als Mensch respektiert und geachtet. Egal ob bei Freund oder Feind. So zum Beispiel während des englisch-französischen Krieges, als Vauban`s Schriften in London veröffentlicht wurden. Auch seine Menschlichkeit machte ihn zur großen Persönlichkeit. Er behandelte seine Untergebene niemals als Vieh. Er war entsetzt, wenn sie ihr Leben sinnlos aufs Spiel setzten, er versuchte dauernd sie vor feindlichem Feuer zu schützen und sorgte auch sonst für seine Leute wie es möglich war. Der französische Soldat verehrte ihn! Ein großes Zeichen dieser Dankbarkeit, die die Zeit überdauerte äußert sich in der Tatsache, dass Napoleon am 28. Mai1 1808 veranlasste, dass Vaubans Herz im Inavlidendom beigesetzt wurde. Hier ruht es auch heute noch, nur wenige Schritte vom Sarkophag Kaiser Napoleons entfernt.
Schließlich, 1867 unterschrieb Napoleon III, ein Großneffe von Napoleon Bonaparte, ein kaiserliches Dekret in dem Vauban`s Heimatstadt, Saint-Léger-de-Foucheret, in Saint-Léger-Vauban umbenannt wurde.
Nur einmal verließ Vauban sein Glück. Die agressive Außenpolitik Ludwig XIV belastete die Wirtschaft Frankreichs ungeheuer, vor allem, weil Adel und Geistlichkeit, als Ausgleich für ihre politische Entmachtung, von der Besteuerung faktisch ausgenommen waren. Als Vauban beim König eine Denkschrift über eine gleichmäßige Besteuerung aller Bürger einreichte, das „Projekt eines königlichen Zehnten“, verspielte er sich damit schlagartig dessen Gunst.
Doch nun zurück zur Festungsstadt Rocroi. Wie schon erwähnt ist das Layout der Stadt ein fast gleichmäßiges Pentagon mit fünf Bastionen und fünf Demi-Lunes. So bezeichnet man die im Graben vor einer Bastion errichteten, aus zwei dem Angreifer zugekehrten Seiten eines Werkes bestehende Außenwerke. Es gibt zwei Eingangstore, das Porte de Bourgogne im Nordosten zwischen der Bastion du Roi und der Bastion de Petit-Fort, sowie dem Porte de France im Südwesten zwischen der Bastion de Nevers und der Bastion de Montmorency.
Die Bastion de Montmorency and Bastion du Roi sind geschützt durch Contreguardes, dreieckigen Aussenwerken. Contreguaredes und Demi-Lunes schließen sich aneinander an und bilden so eine Reihe von Aussenwerken, sozusagen ein zweiter Wall im Graben zwischen Hauptwall und dem Chemin Couvert, dem „Gedeckten Weg“. Der Chemin Couvert war die erste Verteidigungslinie vor dem Graben. „Gedeckt“ waren die Verteiger durch die über sie hinweg feuernden Geschütze. Zwei Lunettes, dreieckige Werke, die im Vorfeld – manchmal zum Schutz der Demi-Lunes – wurden 1744 und 1838 zum Schutz der Bastion de Nevers, sowie der Demi-Lune de Geoff Frevale errichtet. Unüblich im Gegensatz zu anderen Festungen war der zweite Graben hinter dem Porte de Bourgogne.











