Napoleons Niedergang beginnt
Die Niederlage Napoleons im russischen Feldzug von 1812 markiert den Beginn der Befreiungskämpfe, denen sich endlich auch Preußen nach der Konvention von Tauroggen am 30. 12. 1812 anschloss. Zwei Monate später, am 27/28, Februar 1813 schlossen Preußen und Russland ein Bündnis, dem kurze Zeit später die Kriegserklärung an Frankreich am 16. März folgte. Napoleon gelang es erneut ein zahlenmäßig (230.000 Mann) überlegenes Heer aufzustellen mit dem er die verbündeten Preußen und Russen (124.000 Mann) am 2. Mai bei Großgörschen und am 22. Mai bei Bautzen schlug und zwang sie zum Rückzug nach Schlesien.
Mit dem Beitritt Österreichs zum preußisch/russischen Bündnis und der darauf folgenden Kriegserklärung an Frankreich am 11. August wuchs die Front gegen Napoleon, der sich später noch Schweden und Bayern anschloss. Der Herbst des Jahres 1813 war gekennzeichnet. durch eine Reihe von Kämpfen. Nach wechselhaftem Schlachtenglück erzwang Blücher am 3. Oktober bei Wartenburg den Elbübergang, dessen Folge eine Umfassung von Napoleons Armee durch die Alliierten war. Die sich daraufhin entwickelnde Völkerschlacht von Leipzig (16. – 19. Oktober) bedeutete eine vernichtende Niederlage Napoleons und den Zusammenbruch der französischen Herrschaft in Deutschland.
Hier beginnt nun die Betrachtung der Ereignisse durch Karl Marx und Friedrich Engels, die im Oktober 1875 eine biografische Abhandlung über Blücher schrieben und detailliert auf die Ereignisse bei Craonne eingingen:
„Die Verbündeten waren sich über den jetzt zu befolgenden Operationsplan uneinig; die einen schlugen vor, am Rhein zu bleiben und dort eine Defensivstellung einzunehmen; die anderen wollten über den Rhein gehen und nach Paris marschieren. Nach vielem Hin und Her auf Seiten der Monarchen setzten sich Blücher und seine Freunde durch, und es wurde beschlossen, in einer konzentrischen Bewegung auf Paris zu marschieren; die Hauptarmee sollte von der Schweiz aus vorrücken, Bülow von Holland aus und Blücher mit der Schlesischen Armee vom Mittelrhein. Für den neuen Feldzug erhielt Blücher drei zusätzliche Korps, nämlich das von Kleist, das des Kurfürsten von Hessen und das des Herzogs von Sachsen-Coburg. Nachdem er einen Teil des Korps von Langeron zur Einschließung von Mainz zurückgelassen und veranlasst hatte, dass die neuen Verstärkungen als zweite Division folgten, überschritt Blücher am 1. Januar 1814 den Rhein an drei Stellen: bei Mannheim, Caub und Koblenz, trieb Marmont hinter die Vogesen und die Saar in das Mosel Tal, stellte das Yorksche Korps zwischen die Moselfestungen und rückte mit einer Streitmacht von 28.000 Mann, die aus dem Korps Sackens und einer Division des Korps Langerons bestand, über Vaucouleurs und Joinville nach Brienne vor, um sich mit der Hauptarmee zu seiner Linken zu vereinigen.
Er wurde am 29. Januar von Napoleon, dessen Kräfte 40.000 Mann umfassten, bei Brienne angegriffen; Yorks Korps war noch von der Schlesischen Armee detachiert, und die Hauptarmee, 110.000 Mann stark, hatte erst Chaumont erreicht. Demzufolge sah sich Blücher den weit überlegenen Kräften Napoleons gegenüber, aber dieser griff ihn weder mit dem üblichen Nachdruck an, noch hinderte er Blücher am Rückzug nach Trannes, von einigen Kavalleriescharmützeln abgesehen. Nachdem Napoleon Brienne erobert, einen Teil seiner Truppen in der Umgebung gelassen und Dienville, La Rothière und Chaumênil mit drei verschiedenen Korps genommen hatte, wäre er am 30. Januar in der Lage gewesen, mit zahlenmäßiger Überlegenheit über Blücher herzufallen, da dieser immer noch auf seine Verstärkung wartete.
"Wir müssen nach Paris"
Napoleon blieb jedoch passiv, während sich die Hauptarmee bei Bar-sur-Aube konzentrierte und einige Detachements Blüchers rechte Flanke stärkten. Die Inaktivität des Kaisers erklärt sich aus seinen Hoffnungen auf die Verhandlungen des Friedenskongresses von Châtillon, den er zustande gebracht hatte und durch den er Zeit zu gewinnen hoffte. Nachdem sich die Schlesische Armee mit der Hauptarmee vereinigt hatte, bestanden die Anhänger diplomatischer Verhandlungen tatsächlich darauf, daß während der Verhandlungen auf der Friedenskonferenz der Krieg nur zum Schein geführt werden sollte. Fürst Schwarzenberg sandte einen Offizier zu Blücher um dessen Einwilligung zu erwirken; doch Blücher entließ ihn mit der Antwort:"Wir müssen nach Paris. Napoleon hat allen Hauptstädten Europas seinen Besuch abgestattet; sollten wir weniger höflich sein? Kurz, er muss dem Thron entsagen, und bis er nicht heruntergeworfen ist, werden wir keine Ruhe haben."
Er wies nachdrücklich auf die großen Vorteile eines Angriffs der Verbündeten auf Napoleon bei Brienne hin, bevor dieser den Rest seiner Truppen heranbringen konnte, und bot sich selbst für diesen Angriff an, wenn er nur während der Abwesenheit Yorks Verstärkung erhalten könne. Die Erwägung, dass die Armee in dem öden Tal der Aube nicht bestehen könne und, wenn sie nicht angreife, zurückweichen müsse, hatte zur Folge, dass sich sein Rat durchsetzte. Man entschied sich für die Schlacht, aber Fürst Schwarzenberg stellte Blücher nur das Korps des Kronprinzen von Württemberg (40.000 Mann), das von Gyulay (12.000) und das von Wrede (12.000) zur Verfügung, anstatt die vorhandenen vereinten Kräfte auf den Feind zu werfen. Napoleon seinerseits wusste nichts von dem Eintreffen der Hauptarmee, noch vermutete er etwas.
Als ihm am 1. Februar gegen 1 Uhr mittags gemeldet wurde, dass Blücher vorrücke, wollte er es nicht glauben. Nachdem er sich dessen vergewissert hatte, bestieg er sein Pferd mit dem Gedanken, einer Schlacht auszuweichen, und gab Berthier entsprechende Befehle. Als er jedoch zwischen dem alten Brienne und La Rothière zu der jungen Garde kam, die, als sich der Kampflärm näherte, zu den Waffen gegriffen hatte, wurde er mit solchem Enthusiasmus empfangen, daß er sich in der Lage glaubte, die Gelegenheit wahrzunehmen, und ausrief: "L'artillerie en avant!" ("Artillerie vorwärts!") So begann sich gegen 4 Uhr die Affäre von La Rothière ernsthaft zu entwickeln. Nach dem ersten Rückschlag nahm Napoleon jedoch persönlich keinen Anteil mehr an der Schlacht. Da sich seine Infanterie in dem Dorf La Rothière festgesetzt hatte, war der Kampf lang und hartnäckig, und Blücher musste sogar seine Reserven heranholen.
Die Franzosen wurden nicht vor 11 Uhr nachts aus dem Dorf getrieben, als Napoleon den Rückzug seiner Armee befahl, die einen Verlust von 4.000 bis 5.000 Toten und Verwundeten, 2.500 Gefangenen und 53 Geschützen erlitten hatte. Wenn die Verbündeten, die damals nur einen Sechstagemarsch von Paris entfernt waren, kräftig vorgestoßen wären, hätte Napoleon ihrer gewaltigen zahlenmäßigen Überlegenheit erliegen müssen; doch die Monarchen, immer noch ängstlich alles vermeidend, was Napoleon von einem Friedensschluss auf dem Kongress von Châtillon abhalten könnte, ließen es zu, dass Fürst Schwarzenberg, der Oberbefehlshaber der Hauptarmee, jeden Vorwand benutzte, um einem entscheidenden Kampf aus dem Wege zu gehen.
Während Napoleon Marmont befahl, auf dem rechten Ufer der Aube nach Ramerupt zurückzugehen, und er sich selbst durch einen Flankenmarsch nach Troyes zurückzog, teilte sich die Armee der Verbündeten in zwei Armeen. Die Hauptarmee rückte langsam nach Troyes vor, und die Schlesische Armee marschierte zur Marne, wo Blücher sicher war, auf York und einen Teil der unter dem Befehl von Langeron und Kleist stehenden Korps zu stoßen, so dass seine Gesamtkräfte auf 50.000 Mann ansteigen würden. Sein Plan bestand darin, Marschall Macdonald, der inzwischen an der unteren Marne erschienen war, bis Paris zu verfolgen, während Schwarzenberg den Hauptteil der französischen Armee an der Seine in Schach halten sollte. Napoleon aber, der sah, dass die Verbündeten ihren Sieg nicht zu nutzen wussten, und der sicher war, die Seine zu erreichen, bevor die Hauptarmee in Richtung Paris weit gekommen sein konnte, beschloss, über die schwächere Schlesische Armee herzufallen. Demzufolge ließ er 20.000 Mann unter Victor und Oudinot gegenüber den 100.000 Mann der Hauptarmee zurück, rückte mit 40.000 Mann, den Korps von Mortier und Ney, in Richtung auf die Marne vor, nahm Marmonts Korps bei Nogent auf und kam am 9, Februar mit diesen vereinigten Kräften in Sézanne an.
Inzwischen war Blücher über St. Ouen und Sommepuis auf der kleinen Straße, die nach Paris führt, vorgedrungen und schlug am 9. Februar bei dem Städtchen Vertus sein Hauptquartier auf. Die Verteilung seiner Kräfte war folgende: ungefähr 10.000 Mann bei seinem Hauptquartier; 18.000 Mann unter York, zwischen Dormans und Château-Thierry aufgestellt, um Macdonald zu verfolgen, der bereits auf der großen Poststraße von Épernay nach Paris war; 30 000 Mann unter Sacken zwischen Montmirail und La-Ferté-sous-Jouarre, die die geplante Vereinigung von Sébastianis Kavallerie mit Macdonald verhindern und letzterem bei La-Ferté-sous-Jouarre den Weg abschneiden sollten; der russische General Olssufjew mit 5.000 Mann wurde in Champaubert einquartiert. Diese fehlerhafte Verteilung, durch die die Schlesische Armee sehr weit en échelon auseinander gezogen wurde, resultierte aus den widerstreitenden Motiven, die Blücher beeinflussten. Einerseits wollte er Macdonald den Weg verlegen und dessen Vereinigung mit Sébastianis Kavallerie verhindern; andererseits wollte er die Korps von Kleist und Kapzewitsch aufnehmen, die von Châlons aus vorrückten und am 9. oder 10. erwartet wurden, um sich mit ihm vereinigen. Das eine Motiv hielt ihn zurück, das andere trieb ihn vorwärts.
Am 9. Februar fiel Napoleon bei Champaubert über Olsufjew her und schlug ihn. Blücher rückte mit Kleist und Kapzewitsch, die inzwischen eingetroffen waren, jedoch ohne den größeren Teil ihrer Kavallerie, gegen Marmont vor, der von Napoleon detachiert worden war, und folgte ihm auf seinem Rückzug nach La Fère-Champenoise, aber als Blücher von der Niederlage Olsufjews erfuhr, kehrte er in derselben Nacht mit 2 Korps nach Bergères zurück, um die Straße nach Châlons zu decken. Sacken hatte nach einem erfolgreichen Kampf Macdonald bei Trilport am 10. über die Marne getrieben, doch als er am Abend desselben Tages von Napoleons Marsch nach Champaubert hörte, eilte er am 11. nach Montmirail zurück. Bevor er es erreicht hatte, musste er sich bei Vieux Maisons Kaiser Napoleon stellen, der von Montmirail aus gegen ihn vorstieß. Sacken wurde mit großen Verlusten geschlagen, ehe sich York mit ihm vereinigen konnte; erst danach vollzogen die beiden Generale bei Viffort ihren Zusammenschluss und zogen sich am 12. Februar nach Château-Thierry zurück. Dort mußte York ein sehr verlustreiches Nachhutgefecht bestehen und ging dann nach Oulchy-la-Ville zurück.
Napoleon hatte Mortier befohlen, York und Sacken auf der Straße nach Fismes zu verfolgen, und blieb am 13. in Château-Thierry. Ungewiss darüber, wo York und Sacken waren und welche Erfolge ihre Kämpfe hatten, beobachtete Blücher von Bergères aus am 11. und 12. ruhig, wie sich Marmont ihm gegenüber bei Etoges aufstellte. Am 13. von der Niederlage seiner Generale benachrichtigt und in der Annahme, dass sich Napoleon auf die Suche nach der Hauptarmee gemacht habe, gab er der Versuchung nach, einen Todesstreich gegen Marmont zu führen, den er für Napoleons Nachhut hielt. Nach Champaubert vorrückend, drängte er Marmont nach Montmirail, wo sich dieser am 14. mit Napoleon vereinigte, der sich nun seinerseits gegen Blücher wandte. Napoleon stieß mit 20.000 Mann, aber fast ohne Kavallerie, mittags bei Vauchamps auf Blücher, griff ihn an, umging dessen Kolonnen mit der Kavallerie und warf ihn mit großen Verlusten nach Champaubert zurück.
Bedachtsame Langsamkeit
Auf ihrem Rückzug aus diesem Ort hätte die Schlesische Armee vor Einbruch der Dunkelheit ohne beträchtliche Verluste Etoges erreichen können, wenn Blücher nicht an der bedachtsamen Langsamkeit der Rückzugsbewegung Gefallen gefunden hätte. Er wurde daher auf seinem Marsch ständig angegriffen, und ein Detachement seiner Truppen, die Division des Prinzen August von Preußen, wurde auf ihrem Marsch durch Etoges aus den Seitenstraßen dieser Stadt erneut bedrängt. Blücher erreichte sein Lager bei Bergères ungefähr um Mitternacht, brach nach einigen Stunden Rast nach Châlons auf, traf dort am 15. Februar mittags ein und vereinigte sich am 16. und 17. mit den Truppen von York und Sacken. Die verschiedenen Gefechte bei Champaubert, Montmirail, Château-Thierry, Vauchamps und Etoges hatten Blücher 15.000 Mann und 27 Geschütze gekostet, wobei Gneisenau und Müffling allein für die strategischen Fehler verantwortlich sind, die zu diesen Niederlagen führten.
Napoleon und Ney überließen es Marmont und Mortier, Blücher zu stellen, und kehrten in Eilmärschen zur Seine zurück, wo Schwarzenberg Victor und Oudinot zurückgetrieben hatte, die sich über den Yères zurückgezogen und dort 12.000 Mann unter Macdonald sowie einige Verstärkungen aus Spanien aufgenommen hatten. Am 16. wurden sie durch die plötzliche Ankunft Napoleons überrascht, dem am 17. seine Truppen folgten. Nach seiner Vereinigung mit den Marschällen eilte Napoleon Schwarzenberg entgegen, den er auf einem ausgedehnten Dreieck zwischen Nogent, Montereau und Sens aufgestellt fand.
Als die unter Schwarzenbergs Kommando stehenden Generale Wittgenstein, Wrede und der Kronprinz von Württemberg nacheinander von Napoleon angegriffen und geschlagen worden waren, gab Fürst Schwarzenberg Fersengeld, zog sich nach Troyes zurück und benachrichtigte Blücher, zu ihm zu stoßen, damit sie gemeinsam an der Seine eine Schlacht liefern könnten. Blücher, der inzwischen neue Verstärkungen erhalten hatte, folgte diesem Ruf sofort, traf an 21. Februar in Méry ein und wartete dort am 22. einen ganzen Tag auf die Dispositionen für die versprochene Schlacht. Am Abend erfuhr er, dass Napoleon durch den Fürsten von Liechtenstein ein Waffenstillstand angeboten worden war und Napoleon darauf mit einer glatten Ablehnung geantwortet hatte. Blücher schickte sofort einen Offizier vertraulich nach Troyes und beschwor Fürst Schwarzenberg, die Schlacht zu liefern, und bot sich sogar an, dies allein zu tun, die Hauptarmee müsse nur eine Reserve bilden. Aber Schwarzenberg war durch die Nachricht, dass Augereau General Bubna bis in die Schweiz zurückgetrieben hatte, noch mehr erschrocken und hatte bereits den Rückzug nach Langres befohlen.
Blücher begriff sofort, dass ein Rückzug auf Langres zu einem Rückzug hinter den Rhein führen würde, und um Napoleon von der Verfolgung der entmutigten Hauptarmee abzuziehen, beschloss er, erneut in gerader Richtung auf Paris gegen die Marne zu marschieren. Er konnte jetzt damit rechnen, dort eine Armee von 100.000 Mann zusammenzubringen; denn Wintzingerode hatte mit ungefähr 25.000 Mann die Gegend von Reims erreicht und Bülow mit 16.000 Mann Laon, der Rest des Kleistschen Korps aus Erfurt und der Rest von Langerons Korps unter Saint-Priest aus Mainz wurden noch erwartet.
Diese zweite Trennung Blüchers von der Hauptarmee war es, die das Blatt gegen Napoleon wendete. Wenn dieser der zurückweichenden Hauptarmee gefolgt wäre statt der vorrückenden Schlesischen, dann wäre der Feldzug für die Verbündeten verloren gewesen. Den einzigen schwierigen Punkt bei Blüchers Vormarsch, die Aube zu überschreiten, ehe ihm Napoleon gefolgt war, überwand er durch eine Pontonbrücke bei Anglure am 24. Februar. Napoleon befahl Oudinot und Macdonald, mit ungefähr 25.000 Man der Hauptarmee zu folgen, und verließ Herbisse mit Ney und Victor zusammen am 26. zur Verfolgung der Schlesischen Armee. Auf Blüchers Mitteilung hin, daß die Hauptarmee nur noch 2 Marschälle vor sich habe, beendete Schwarzenberg seinen Rückzug, fasste Mut, wandte sich gegen Oudinot und Macdonald und schlug sie am 27. und 28. Februar. Blücher beabsichtigte, seine Armee an einem Punkt möglichst nahe bei Paris zu konzentrieren. Marmont stand mit seinen Truppen noch immer bei Sézanne, Mortier bei Château-Thierry. Während Blüchers Vormarsch zog sich Marmont zurück und vereinigte sich am 26. mit Mortier bei La-Ferté-sous-Jouarre, um von dort mit Mortier nach Meaux zurückzugehen.
Da Blüchers Versuch, in 2 Tagen den Ourcq zu überqueren und mit einer stark vorgeschobenen Front die beiden Marschälle zur Schlacht zu zwingen, fehlgeschlagen war, musste er jetzt auf dem rechten Ufer des Ourcq marschieren. Er erreichte Oulchy-le-Château am 2. März, hörte am Morgen des 3. von der Kapitulation von Seissons, die Bülow und Wintzingerode erreicht hatten, überschritt im Laufe desselben Tages die Aisne und konzentrierte seine gesamte Armee bei Soissons. Napoleon, der die Marne bei La-Ferté-sous-Jouarre zwei Eilmärsche hinter Blücher überschritten hatte, rückte in Richtung auf Château-Thierry und Fismes vor, nachdem er die Vesle passiert hatte, und überquerte die Aisne bei Berry-au-Bac am 6. März nach der Wiedereroberung von Reims durch ein Detachement seiner Armee.
Blücher`s Schlachtplan
Blücher hatte ursprünglich beabsichtigt, Napoleon bei dessen Übergang über die Aisne hinter dem Fluss anzugreifen, und seine Truppen für diesen Zweck zusammengezogen. Als er merkte, dass Napoleon die Richtung Fismes und Berry-au-Bac nahm, um links an der Schlesischen Armee vorbeizugehen, entschied er sich, Napoleon von Craonne aus in der Flanke anzugreifen, so bald dieser aus Berry-au-Bac herauskäme, so dass Napoleon gezwungen gewesen wäre, mit einem Defilee im Rücken zu kämpfen. Nachdem Blücher seine Kräfte bereits aufgestellt hatte, den rechten Flügel an der Aisne, den linken an der Lette, auf halbem Wege zwischen Soissons und Craonne, gab er diesen ausgezeichneten Plan wieder auf, denn er hatte erfahren, dass Wintzingerode es zugelassen hatte, dass Napoleon am 6. Berry-au-Bac unbehelligt passieren und sogar ein Detachement auf der Straße nach Laon vorschieben konnte. Blücher hielt es jetzt für notwendig, an keiner anderen Stelle als bei Laon eine entscheidende Schlacht anzunehmen.
Um Napoleon aufzuhalten, der über Corbeny auf der Chaussee von Reims Laon ebenso schnell erreichen konnte wie die Schlesische Armee von Craonne aus, stellte Blücher das Korps Woronzows zwischen der Aisne und der Lette auf dem starken Plateau von Craonne auf, während er 10.000 Reiter unter Wintzingerode aussandte, die über Festieux nach Corbeny vorstoßen und Napoleon in die Flanke und in den Rücken fallen sollten, sobald Napoleon Woronzow angreifen würde. Da Wintzingerode das ihm befohlene Manöver nicht ausführte, vertrieb Napoleon Woronzow am 7. von dem Plateau, verlor aber selbst 8.000 Mann, während Woronzow mit einem Verlust von 4.700 Mann entkommen konnte und in der Lage war, sich geordnet zurückzuziehen.
Am 8. hatte Blücher seine Truppen bei Laon konzentriert, wo die Schlacht das Schicksal beider Armeen entscheiden musste. Abgesehen von Blüchers zahlenmäßiger Überlegenheit, konnten sich die 20.000 Reiter der Schlesischen Armee auf der weiten Ebene von Laon besonders gut entfalten. Laon selbst liegt auf dem Plateau eines einzelnen Berges, der auf jeder Seite einen Abhang von 12,16, 20 bis 30 Grad hat und an dessen Fuß 4 Dörfer liegen, und bot sowohl für die Verteidigung als auch für den Angriff große Vorteile. An diesem Tage wurde der von Napoleon angeführte linke französische Flügel zurückgeschlagen, während der rechte Flügel unter Marmont in den Biwaks bei Einbruch der Nacht überfallen und so vernichtend geschlagen wurde, dass der Marschall seine Truppen erst bei Fismes zum Halten bringen konnte.
Napoleon, der mit seinem nur 35.000 Mann zählenden Flügel völlig isoliert und in einer schlechten Stellung eingepfercht war, hätte vor der weit größeren Zahl siegesbewusster Truppen zurückweichen müssen. Doch am folgenden Morgen erkrankte Blücher an einem Fieberanfall und einer Augenentzündung, und Napoleon blieb in provokatorischer Haltung weiterhin in derselben Stellung. Dadurch wurden die Männer, die jetzt die Operationen leiteten, so eingeschüchtert, dass sie nicht nur den bereits begonnenen Vormarsch ihrer eigenen Truppen stoppten, sondern Napoleon auch ermöglichten, sich bei Nachteinbruch ruhig nach Soissons zurückzuziehen.
Die Schlacht bei Laon hatte jedoch seine Kräfte physisch und moralisch gebrochen. Er versuchte vergeblich, durch die plötzliche Eroberung von Reims am 13. März, das in die Hände von Saint-Priest gefallen war, sein Ansehen wiederherzustellen. Seine Situation war jetzt so klar, dass selbst Schwarzenberg ihm standzuhalten wagte, als Napoleon am 17. und 18 auf Arcis-sur-Aube gegen die Hauptarmee vorrückte, obwohl er Napoleons 25 000 Mann nur 80.000 entgegenstellen konnte, und die Schlacht annahm, die vom 20. bis zum 21. dauerte. Als Napoleon sie abbrach, folgt ihm die Hauptarmee bis Vitry und vereinigte sich in seinem Rücken mit de Schlesischen Armee. In seiner Verzweiflung nahm Napoleon zu einem Rückzug nach St. Dizier seine letzte Zuflucht, er glaubte, mit seiner Handvoll Leute die gewaltige Armee der Verbündeten gefährden zu können, indem er ihre Hauptverbindungslinie abschneiden und ihnen den Rückzug zwischen Langres und Chaumont verlegen wollte. Diese Bewegung wurde von den Verbündeten mit ihrem Vormarsch nach Paris beantwortet. Am 30. März fand die Schlacht vor Paris statt, in der die Schlesische Armee den Montmartre stürmte
Obwohl Blücher seit der Schlacht von Laon noch nicht wiederhergestellt war, erschien er zu Pferde, mit einem Schirm über den Augen, für kurze Zeit auf dem Schlachtfeld. Doch nach der Kapitulation von Paris legte er sein Kommando unter dem Vorwand seiner Krankheit nieder; der wirkliche Grund war jedoch sein offen ausgesprochener Franzosenhass, der mit der diplomatischen Haltung im Widerspruch stand, die die verbündeten Herrscher glaubten an den Tag legen zu müssen. So betrat er am 31. März Paris als Privatmann. Während des gesamten Feldzugs von 181 4 repräsentierte er allein in der Armee der Verbündeten das Prinzip der Offensive. Durch die Schlacht von La Rothière beschämte er die Châtillon-Friedensstifter; durch seine Entschlossenheit bei Méry rettete er die Verbündeten vor einem verderblichen Rückzug, und durch die Schlacht von Laon entschied er die erste Kapitulation von Paris.
Nach dem ersten Frieden von Paris begleitete er Zar Alexander und König Friedrich Wilhelm von Preußen bei deren Besuch nach England, wo er als der Held des Tages gefeiert wurde. Er wurde mit allen militärischen Orden Europas überschüttet; der König von Preußen stiftete für ihn den Orden des Eisernen Kreuzes, der Prinzregent von England (Georg) gab ihm sein Porträt, und die Oxford-Universität verlieh ihm den akademischen Grad eines Doktors der Rechte.
Im Jahre 1815 wiederum entschied er den letzten Feldzug gegen Napoleon. Obwohl jetzt 73 Jahre alt, bestand er nach der unglücklichen Schlacht bei Ligny am 16. Juni darauf, seine in die Flucht geschlagene Armee neu zu formieren und dem Sieger auf den Fersen zu bleiben; dadurch war Blücher in der Lage, am Abend des 18. Juni auf dem Schlachtfeld von Waterloo zu erscheinen, eine Heldentat, wie sie in der Kriegsgeschichte noch nicht da gewesen war. Seine Verfolgung der fliehenden Franzosen nach dieser Schlacht von Waterloo nach Paris hat nur in Napoleons außergewöhnlicher Verfolgung der Preußen von Jena nach Stettin eine Parallele. Blücher betrat jetzt Paris an der Spitze seiner Armee und verfehlte auch nicht, Müffling, seinen Oberquartiermeister, als militärischen Generalgouverneur von Paris einzusetzen. Er bestand darauf, dass Napoleon erschossen und die Jenaer Brücke gesprengt werde sowie die Schätze, die von den Franzosen in den verschiedenen Hauptstädten geraubt worden waren, den ursprünglichen Eigentümern zurückgegeben werden. Seine erste Forderung wurde von Wellington zunichte gemacht und die zweite von den verbündeten Monarchen, lediglich die letzte wurde realisiert. Drei Monate blieb Blücher in Paris, wo er die Spieltische für rouge-et-noir sehr ausgiebig besuchte. Am Jahrestag der Schlacht an der Katzbach stattete er seiner Geburtsstadt Rostock einen Besuch ab, wo sich die Einwohner zusammenfanden, um ihm zu Ehren ein Denkmal zu errichten. Bei seinem Tode hatte die gesamte preußische Armee 8 Tage Trauer.
"Le vieux diable" ("Der alte Teufel"), wie er von Napoleon genannt wurde, "Marschall Vorwärts", wie er bei den Russen in der Schlesischen Armee hieß, war vor allem ein Kavalleriegeneral. Auf diesem Gebiet zeichnete er sich aus, da es nur taktische Anforderungen stellte, aber kein strategisches Wissen verlangte. Er teilte im höchsten Grade den allgemeinen Hass gegen Napoleon und gegen die Franzosen und war beim Volk wegen seiner plebejischen Passionen, wegen seines urwüchsigen gesunden Menschenverstandes, wegen seiner groben Manieren und seiner rauen Redeweise beliebt, die allerdings bei passender Gelegenheit einen Anflug glühender Beredsamkeit erhielt. Er war das Muster eines Soldaten. Da er ein Beispiel an Tapferkeit in der Schlacht und an Unermüdlichkeit bei Anstrengungen gab; da er einen faszinierenden Einfluss auf den einfachen Soldaten ausübte; da sich mit seiner tollkühnen Bravour sein Scharfblick auf dem Terrain, seine Raschheit des Entschlusses in schwierigen Situationen, seine Zähigkeit in der Verteidigung, die seiner Energie im Angriff gleichkam, verbanden und da er klug genug war, bei einfacheren Kombinationen selbst den richtigen Weg zu finden und sich bei schwierigeren auf Gneisenau zu verlassen, war er der rechte General für die militärischen Operationen von 1813 bis 1815, die teils den Charakter eines regulären und teils den eines Insurrektion Krieges (Aufstand) trugen."














