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Der Plan „Seelöwe“

Von Rundstedt , Oberbefehlshaber West
Landungsprähme im Hafen von Boulogne
„Seelöwe“ sah vor, dass eine Armada von 155 Schiffen und 3.000 Schuten die Truppen übersetzen sollten. Es gab nur wenige Landungsboote, wie man sie vor den D-Day Landungen in der Normandie kennt. Hier war alles improvisiert und zum Teil so dilettantisch organisiert, dass die übenden Truppen am Kanal schon begannen, Witze über die Invasion zu erzählen.
Auch das Heer war mit dem Plan nicht einverstanden. Man bemängelte die viel zu kleine Landungszone und die zu geringe Zahl der Voraustruppen. Der Plan sah vor, dass von Rundstedts Armeegruppe A den Hauptteil der Angriffstruppen stellen sollte. Die 16. Armee von General Busch sollte am rechten Flügel bei Ramsgate landen, die 9. Armee des General Strauß am linken Flügel. Cherbourg war als Absprunghafen der Armeegruppe B gedacht. Drei Divisionen des General von Reichenau sollten nordwärts auf Bristol vorstoßen. Die übrigen Verbände der Armeegruppe B, 120.000 Mann in zehn Infanteriedivisionen, von 650 Panzern unterstützt, sollten als erste Welle gelandet werden. Eine Woche nach Landung sollte der Brückenkopf gesichert und ein Ausbruch gegen das westliche Gebiet Londons durchgeführt werden.

Übung für Seelöwe
Fährprahm mit Flugzeugmotoren
Lächerliche zwei Wochen wollte das OKW für die Ausarbeitung der Pläne aufwenden. Die alliierten Stäbe brauchten für ihre Vorbereitungen des Unternehmens Overlord, der Landung in der Normandie, zwei Jahre. Es verwundert niemanden, dass man in den deutschen Stäben keine große Begeisterung für den Plan hegte. Die Invasion wurde zunächst auf den 31. Juli festgesetzt, dann jedoch auf den 17. September verschoben. Als Vorraussetzung galt die Erringung der Luftherrschaft. Göring in totaler Verkennung der wahren Lage und in einer fatalen Fehleinschätzung der wahren Stärke der Royal Air Force, erklärte großspurig, dass „seine“ Luftwaffe diesen Kampf gewinnen würde.

Die Wenigen...
“Never in the history of human conflict has so much been owed by so many to so few.”
Winston Churchill

Die Formulierung, die Churchill benutzte, dass „so viele so wenigen soviel zu verdanken haben“ ist eine klare Danksagung an die Piloten der Spitfires und Hurricanes des Fighter Command, dem Oberkommando der Jagdflieger unter der Führung von Air Chief Marshal Sir Hugh Dowding. Er widersprach Churchill, als dieser britische Jäger über Frankreich einsetzen wollte und widersetzte sich auch dem Versuch, die Jagdwaffe als Begleitschutz für Schiffskonvois verheizen zu lassen. Er war felsenfest davon überzeugt, dass die Stunde seiner Jäger mit dem Beginn der Luftschlacht kommen würde.

Standardjäger der Luftwaffe bis 1942, die Me 109
Eine kanadisc he Spitfire
Die Protagonisten der kommenden Auseinandersetzung hatten jeweils von ihrem Gegner eine falsche Einschätzung. Die Engländer fürchteten die Luftwaffe, die sie im Einsatz über Polen gesehen und über Frankreich selbst am eigenen Leib erfahren hatten. Die deutsche Messerschmidt Me 109, der Standardjäger bis Mitte 1941, erwies sich den englischen Hurricanes als leicht überlegen, der Spitfire zumindest gleichwertig, obwohl die Spitfire in einigen Belangen der Me 109 technisch und fliegerisch voraus war. Der General der Jagdflieger, Adolf Galland, erwiderte einmal auf die Frage Görings, was er denn brauche um zu gewinnen: „Geben sie mir eine Staffel Spitfire!“

Link zu Originalton Galland

Heinkel He 111
Junkers Ju 88
Tatsächlich überschätzte die RAF die deutsche Luftwaffe. Ihre Reichweite war zu gering, um wirkungsvoll Geleitschutz für die Bomber leisten zu können. Es blieben den Jägern gerade mal 30 Minuten, dann leuchtete die Reservetanklampe auf und die Maschinen nahmen Kurs auf Frankreich. Wurde ein deutscher Pilot über England abgeschossen,  war er so oder so für die Luftwaffe verloren. Die englischen Piloten hingegen, die einen Absturz überlebten, waren sofort wieder einsatzfähig. Auch wurde die deutsche Bomberflotte überschätzt. Die Tatsache, dass die Deutschen die Entwicklung schwerer viermotoriger Bomber verschlafen hatten, sollte sich rächen. Später bekamen die deutschen Städte die furchtbare Wirkung solcher viermotorigen Bomberflotten zu spüren.

Radarstation in Kent
Im Gegenzug unterschätzte die Luftwaffe die Royal Air Force sträflich. Nicht nur das fliegende Material bekam schlechte Noten, auch das hervorragende Jägerleitsystem wurde völlig ignoriert. Man kannte zwar die großen Sendemasten an der Südküste, hatte aber keine Ahnung, dass diese Masten Teil des britischen Radar-Frühwarnsystems waren.
Zu guter letzt tappten die Deutschen völlig im Dunkeln, was der wahre Stand der britischen Jägerproduktion war. Sie gingen von maximal 130 – 330 Jäger „der ersten Garnitur“ aus. In Wahrheit steigerten die Engländer die Fertigung auf bis zu 496 Maschinen im August. Der neuen Minister für Luftfahrtproduktion, Lord Beaverbrook, nahm damals schon voraus, wozu Albert Speer später die deutsche Industrie trimmen sollte: Konzentration auf das Wesentliche.

Douglas Bader
Ein Aspekt muss aber noch im Zusammenhang mit den kommenden Ereignissen hervorgehoben werden. Die Luftschlacht um England war mit Sicherheit die letzte ritterliche Auseinandersetzung in einem großen Konflikt. Diese Feststellung wurde recht schnell auch nach dem Kriege bekannt, als sich die Gegner von einst, die Gallands und die Baders regelmäßig bei Air Shows wie der von Biggin Hill trafen.