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Die Hölle von San Pietro

Das Tor nach Cassino aufstossen
Der Monte Sammucro
Parallel zum Angriff auf die Front bei Monte Cassino setzten die Alliierten auf eine weitere Landung hinter der deutschen Front. Eine Invasion bei Anzio und dem benachbarten Fischerdorf Nettuno sollte deutsche Kräfte von der Cassino Front abziehen und die Hauptnachschubstrassen von Rom zur Gustavlinie abschneiden. Bis es soweit war, verstärkten die Alliierten ihre Operationen in Richtung Cassino. Das X. britische Korps und das II. US Korps nahmen in strömendem Regen und bitterer Kälte den 900 Meter hohen Camino, einem Bergklotz oberhalb des Garigliano. General Clarks 5. Armee musste den Monte Lungo, den Monte Maggiore und die Ortschaft San Pietro Infine und den Monte Sammucro nehmen. In den Augen der Planer im alliierten HQ eine leichte Aufgabe. Schienen doch der Sammucro wie auch die Ortschaft feindfrei. Eine fatale Fehleinschätzung der Lage, wie sich sehr schnell herausstellte. Die Deutschen hatten die strategische Bedeutung des Ortes erkannt und sich auf eine verbissene Verteidigung eingestellt. Von San Pietro aus hatten sie eine klare Einsicht auf alle Aktivitäten am Monte Lungo und die Strasse Nr. 6, die durch das Tal nach Cassino führte. Dazu war das Dorf außer über einer Strasse nur über Pfade oder Feldwege zu erreichen. Dazu war San Pietro wie geschaffen für den Verteidigungskampf.

San Pietro Infine
San Pietro Infine
Hier sollte nun einer der härtesten Kämpfe in Süditalien stattfinden. Anfang Dezember wurden zwei Regimenter der 29. Panzergrenadierdivision auf dem Monte Lungo und dem  Monte Sammucro in Stellung gebracht. Zwischen den Bergen waren zwei Bataillone des 15. Panzergrenadierregiments platziert, die ein ausgeklügeltes System an Gräben, Drahthindernissen, Deckungslöchern und Bunkern errichtet hatten. Immun selbst gegen Jabo Angriffe.

Der Monte Lungo aus deutscher Sicht
S-Minen werden von GIs bei San Pietro geräumt
Der amerikanische Angriffsplan sah vor, dass neben der 36. US Division auch eine italienische Einheit in die Kämpfe eingreifen sollte. Die 1. Raggruppamento  Motorizzato (1. Motorisierte Gruppe) war die erste italienische Einheit, die unter Brigadegeneral Vincenco di Dapino seit der Kriegserklärung Italiens an Deutschland am 13. Oktober, aktiviert wurde. Ihre Aufgabe war es, Monte Lungo zu nehmen. Am 7. Dezember begann der Angriff. Die Italiener, motiviert und voller Elan, begannen den Aufstieg zu Gipfel nach 30 Minuten Artillerievorbereitung. Leider hatten sie jedoch vor Angriffsbeginn keinerlei Aufklärung betrieben und glaubten sich nach dem Artilleriefeuer sicher. So erklomm man den Berg in kompakter Formation und gab deutschen MG Schützen perfekte Ziele ab. Das Resultat war grauenhaft. Drei Stunden später war die Truppe durch MG und Granatwerferfeuer völlig demoralisiert und dezimiert. Munitionsmangel verschlimmerte die Situation und zwang die Italiener zum Abbruch. Der US Angriff auf den Monte Sammucro und Höhe 905 verlief hingegen positiv. Leutnant Rufus J. Cleghorn vom 143. Infanterieregiment überrannte mit seinen 250 Mann gegen 06.00 das 71. Panzergrenadierregiment auf dem Monte Sammucro. Auch der Angriff auf die Höhe 950 war von Erfolg gekrönt. Doch waren die Ausfälle beträchtlich. Über drei Tage mussten die GIs sich wütenden deutschen Gegenangriffen wehren. Zum Fiasko geriet jedoch der Frontalangriff auf San Pietro. Das zweite und dritte Bataillon des 143. Infanterieregiments mühte sich zwei Tage lang vergebens, die extrem dichte Verteidigung zu durchbrechen. Artilleriefeuer vom Monte Lungo unterstützte die Verteidiger des Dorfes effektiv.

Abgeschossener Panzer bei San Pietro Infine
Der 1. Angriff auf San Pietro Infine
Am 12. Dezember begann ein weiterer Angriff. Diesmal mit Panzer Unterstützung. Doch das Gelände, terrassenartig und voller Tücken, vereitelte jeden Versuch. Entweder blieben die Tanks an den Terrassenmauern hängen, oder steckten im Morast fest. Auch ein weiterer Angriff auf den Sammucro und seine Nebengipfel entwickelte sich zum Desaster. Das 1. Bataillon des 143. Infanterie Regiments besaß am Ende des Tages noch 155 kampffähige Männer!

San Pietro Infine
Der letzte Angriff auf San Pietro Infine
Der Dritte Versuch San Pietro zu nehmen begann am 15. Dezember um 11 Uhr Morgens.
Das 753. Panzer Bataillon unter Colonel Felber sollte die Wende bringen. Diesmal wollte man die Strasse von Ceppanga nach San Pietro und das benachbarte Gelände nutzen, mehr Feuerkraft gegen San Pietro einzusetzen und den Ort endlich zu nehmen. 16 Shermans und ein britischer Valentine Brückenlegepanzer machten sich auf den Weg. Der erste Sherman schaffte es in einigen Stunden bis in Sichtweite der Ortschaft zu kommen. Dann rief man ihn zurück. Die anderen folgten ihm vorsichtig, wurden aber durch Minen und Artillerie einer nach dem anderen außer Gefecht gesetzt. Nur drei schafften intakt den Rückweg. Die begleitende Infanterie Captain Eben C. Bergmann fand ebenfalls kein Rezept, die Verteidigung San Pietros zu knacken.

San Pietro Infine
San Pietro Infine
Am 16. Dezember sollte Major Milton J. Landy vom zweiten Bataillon einen weiteren und letzten Angriff führen. Er schätzte die Verteidiger des Dorfes auf 100 Mann und war beeindruckt von dem Feuer, das diese relativ kleine Streitmacht ihm entgegen setzte. Die Männer der 29. Panzergrenadierdivision hatten einen perfekten Hinhaltekampf den Amerikanern geliefert. Und es sah so aus, also ob sich die GIs die Zähne an San Pietro ausbeißen würden.

GIs in San Pietro Infine
Monte Sammucro mit San Pietro rechts im Bild
Dann jedoch entschied eine andere Episode den Kampf um den Ort. In der Nacht vom 15. Dezember gelang es US Einheiten den Monte Lungo zu nehmen. Damit war der Flankenschutz der Verteidiger von San Pietro genommen. Die deutsche Truppe bekam Befehl die Ortschaft zu räumen. Am Morgen des 17. Dezember war es still in San Pietro. Zunächst dachte man an eine Falle, aber stellte schnell fest, dass die Deutschen sich abgesetzt hatten.

M-10 TankDestroyer am Monte Lungo
San Vittore del Lazio
Hollywood Star Regisseur John Houston war in diesen Tagen mit seinem Kamera Team in San Pietro und hat ein beeindruckendes Filmdokument unter dem Titel „The Battle Of San Pietro“ geschaffen, das so eindringlich wie kein Streifen zuvor die Schrecken des Krieges auf Zelluloid bannte. Heute sieht San Pietro genauso aus, wie es die Amerikaner am Morgen des 17.  Dezember vorgefunden haben. Das Dorf wurde nach Kriegsende aus Respekt und auch wegen der Angst vor Erdbeben am Fuße des Hügels neu aufgebaut.