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Die Warze von Anzio

Der Anzio-Nettuno Landungsbereich
Blick von Anzio nach Nettuno
In der Zwischenzeit bauten die Deutschen die Gustav Stellung  und die Alliierten ihre Kapazität für die Landung bei Anzio und Nettuno aus. Die Gegend war ideal für eine Landung. Sanft ansteigende Strände, kaum Brandung und eine große Ebene, die erst bei den Albaner Bergen endete. Dieses Gelände, von den Römern Pontinische Sümpfe genannt und wegen ihrer Malaria gefürchtet, wurde erst durch Mussolinis Faschisten trockengelegt. Daher hieß auch der Hauptentwässerungskanal Canale Mussolini. Dieser Canale Mussolini agierte nun wie ein riesiger Panzergraben auf der geplanten rechten Flanke der Landung.

Die Landungszonen
Hafen von Anzio
Die Vorbereitungen begannen mit einer Reihe von Angriffen entlang der Gustav Linie. Die Briten erzwangen den Übergang über den Garigliano, den Amerikanern gelang der Übergang über den Rapido bei Cassino. Dann blieben sie bei den Kasernen am Stadtrand hängen.
Daher kam die Meldung der Landung bei Anzio wie eine Erleichterung. Ohne einen Schuss war das VI. Korps mit der 1. britischen und der 3. amerikanischen Division am 22. Januar um 02.00 an Land gegangen. Der Hafen von Nettuno fiel unversehrt in die Hand der Angreifer. 36.034 Mann und 3.069 Fahrzeuge wurden bereits am ersten Tag ausgeladen. Bereits um die Mittagstunde hatte man das erste Etappenziel bereits erreicht. Der Preis dafür: 13 Gefallene, 97 Verwundete und 44 Vermisste  Die Deutschen waren total überrascht!

Piazza von Anzio
Landezone der Briten
General John P. Lucas, der OB der Landungsstreitmacht, nutzte aber nicht die Gunst der Stunde, um direkt auf Rom zu marschieren, sondern wartete in aller Seelenruhe die Entladung seiner Streitmacht ab. Eine grobe Missachtung des napoleonischen Grundsatzes „activite´, activite´, vitesse“. Das wiederum nutzte Kesselring aus, um den Fall „Marder“ – eine vermutete Landung in der Nähe Roms – auszulösen. Plan „Marder“ sah vor, neun Divisionen sofort in Marsch zu setzen. Hitler wollte die “Warze von Anzio verschwinden sehen“.

General John P. Lucas
General Patton, der Lucas in seinem Brückenkopf besuchte gab ihm den nicht unbedingt freundschaftlichen Rat, „vielleicht nicht gerade den Tod zu suchen, aber sich doch eine schwere Verwundung zu holen, weil man einen verwundeten General nicht kritisiert“.
Churchill schrieb wutentbrannt, er habe geglaubt, „eine Wildkatze, nicht einen gestrandeten Wal“ auf den Strand von Anzio gesetzt zu haben. Zu guter letzt wird Lucas von General Clark durch General Truscott ausgetauscht. Zu spät, wie sich herausstellt.

Leopold in den USA
He 177 mit Enzian Lenkwaffe
Schon am 1. Februar kann die Landung von Anzio/Nettuno als gescheitert angesehen werden. Angriffe auf Cisterna und Campoleone werden von den Deutschen abgewiesen und schwere Artillerie, sowie zwei 28 cm Eisenbahngeschütze an die Front geworfen. „Leopold“, von den GIs „Anzio Annie“ genannt, richtet verheerende Schäden an. Der Hafen von Nettuno wird allein durch diese beiden Geschütze  völlig unbrauchbar. „Leopold“ wurde übrigens von den Deutschen im Juni 1944 auf dem Güterbahnhof von Civitavecchia zurückgelassen und ist heute als Ausstellungsstück auf dem Aberdeen Proving Ground in den USA zu besichtigen.

Lenkwaffe PC 1400 X Fritz X
Do 217 mit Lenkwaffen
Die Luftwaffe ist, wie in Salerno, auch über Anzio aktiv. Schon zu Beginn der Landung versuchen He 177, auch „Fliegendes Feuerzeug“ genannt, der II. Gruppe des KG 40 und die Do 217 des KG 100 erfolglos die Schiffseinheiten mit Gleitbomben vom Typ Hs 293, sowie PC 1400 X "Fritz X" zu bekämpfen. Die US Zerstörer „Woolsey“, „Frederick C. Davis“ und „Herbert Jones“ stören erfolgreich die Signale der Fernsteuerungen. Man hatte von Salerno gelernt. Dennoch gibt es Verluste unter den Schiffseinheiten im Verlauf der nächsten Wochen.

Heinkel He 177
US Patrouille in Cisterna
Am 3. Februar beginnt die von Eberhard von Mackensen geführte Offensive. Sie richtet sich gegen die bereits in Stellung gegangenen Kräfte, sowie Verstärkungen wie die 1. US Panzerdivision, die 45. US Infanteriedivision und die 56. britische Infanteriedivision. Der Brückenkopf hat jetzt eine Tiefe von 11 km und eine Breite von 24 km. Insgesamt stecken 150 000 Soldaten in dem Sack.

Die Fabrik
Isola Bella und Cisterna
Bereits am 10. Februar entreißen die 1. Fallschirmjägerdivision und das XXVI Panzer Korps den Engländern den Bahnhof von Carroceto und die landwirtschaftliche Versuchsanstalt von Aprilia. Am 16.. Februar wirft von Mackensen seine gesamte Streitkraft in die Waagschale. 61 Bataillone, unterstützt von 270 Panzern, darunter 75 Tiger. Als es dem Infanterie Lehrregiment gelingt, die Strasse nach Albano im Bereich der1. britischen und 3. US Division zu unterbrechen, opfert sich ein britisches Bataillon, damit die Deutschen nicht ihren Einbruch erweitern können. Der alliierte Widerstand versteift sich.

Breitseite gegen deutsche Stellungen
Am 19. Dezember erklärt General Westphal, Chef des Stabes von Generalfeldmarschall Kesselring, dass der hartnäckige Widerstand der Alliierten, sowie die Luftüberlegenheit und die Schiffsartillerie es unmöglich macht, den Gegner ins Meer zu werfen. Man versucht es am 29. nochmals, aber die Realität zwingt  zum Abbruch der Offensive. Anzio entwickelt sich in den nächsten Wochen zunehmend zu einem Frontabschnitt wie im 1. Weltkrieg. Dominiert von Grabenstellungen und Drahthindernissen. Es steht remis.

Das Tor nach Cassino aufstossen
General Bernard C. Freyberg
An der Gustavlinie tobt der Kampf weiter. Clark versucht mit allen Mitteln den Zugang nach Rom durch knacken den Sperrriegels Cassino zu bezwingen. Bei einer Umgruppierung der Kräfte kommt ein weiteres Armee Korps unter sein Kommando. Das II. neuseeländische Korps, geführt von dem 36 mal verwundeten General Freyberg, soll Monte Cassino frontal angreifen. Dieses Korps besteht aus einer neuseeländischen, indischen und englischen Division. Freyberg insistiert bei den Vorbesprechungen auf einer Bombardierung der Abtei. Sein Argument: die Deutschen nutzen es als Ruhe- und Beobachtungsraum. Diese Behauptung wird unterstützt von dem britischen Oberkommandierenden im Mittelmeerraum, Sir Henry M. Wilson, der die Abtei in einer Piper Cup überflogen hatte. Auch er behauptet, die Deutschen würden die Abtei in ihre Verteidigung mit einbeziehen. Dies ist aber falsch.

Die Benediktinerabtei
Abt Gregorio Diamare bei General Fridor von Senger
Der Vatikan hatte Kesselring gebeten, den Klosterberg und die Abtei zu schützen. Kesselring hatte Order erlassen, einen 300 m großen Sperrkreis zu errichten, der von keinem deutschen Soldaten, sei er auch verwundet, betreten werden dürfe. Die Klosterbrüder bestätigten auch später, dass kein Soldat oder Depot auf dem Gelände der Abtei gewesen wäre. Bereits am 8. Dezember hatte der österreichische Oberstleutnant Schlegel dem Vertreter des Vatikans den gesamten Kulturschatz der Abtei von Monte Cassino zur Verwahrung übergeben. Unter den geretteten Werken befinden sich auch ausgelagerte Werke der Nationalen Gemäldegalerie von Neapel.