
Landung in Salerno
September 1943. Die Alliierten haben Sizilien erobert. Am 2. September landet Montgomery im Süden der italienischen Halbinsel bei nur geringem deutschen Widerstand. Das einzige deutsche Regiment, welches zu diesem Zeitpunkt bei Reggio stand, hatte sich in die Berge zurückgezogen. Kalabrien wurde in drei Tagen von dem XIII. britischen Korps erobert. In Tarent liefen alliierte Schiffe wie zu einem Flottenbesuch ein und Brindisi, sowie Bari wurden kurz darauf unter ähnlichen Umständen befreit.
In diesen Tagen deutete sich auch das Ende der Ära Mussolini an. Die Italiener waren kriegsmüde und begannen Kapitulationsverhandlungen. Bereits am 3. September, um 15.15, unterzeichnete General Giuseppe Castellano, Planungsoffizier des Comando Supremo unter Marschall Badoglio, im Beisein von General Eisenhower die Kapitulationsurkunde. Verkündet wurde dies erst am 8. September, da Eisenhower plante, Rom im Handstreich durch die 82. US Luftlandedivision zu nehmen zu lassen. Das Unternehmen wurde jedoch wegen der Stärke der deutschen Truppen in und um Rom abgeblasen. Die Deutschen hatten einen Verrat vermutet, waren jedoch über die Details und die frühe Kapitulation nicht im Bilde. Generalfeldmarschall Kesselring, OB Italien, hatte jedoch Vorkehrungen getroffen, im Ernstfall die italienischen Streitkräfte zu entwaffnen.
Die Entwaffnung begann am 9. September, nachdem Kesselring das Losungswort „Achse“ ausgerufen hatte. Die Soldaten von fast 80 Divisionen wurden Gefangene. Eine ungeheure Liste an requiriertem Material verschaffte der deutschen Wehrmacht eine materielle Atempause. 1,2 Millionen Gewehre, 38.383 Maschinengewehre, 9.988 Geschütze, 970 Panzer, 4.553 Flugzeuge, 287.502 Tonnen Munition, 15.500 Lastwagen, 67.700 Pferde, 3.400 Tonnen Quecksilber, 196.000 Tonnen Eisenerz und vieles andere mehr gelangten in deutsche Besitz. Generaloberst Alfred Jodl bemerkte dazu:“ Der Überfluss kehrte für einige Zeit bei der deutschen Armee ein. Das war der einzige Dienst, den Italien uns jemals gemacht hat“.
So stellte sich also die Situation am Vorabend der alliierten Landung in Salerno dar. In den offiziellen Angaben der alliierten Oberkommandos ist zwar immer von der 5. US Armee die Rede, Fakt ist aber, dass US General Mark Wayne Clark nur 69.000 Amerikaner, aber 100. 000 Briten befehligte. Die Angriffsspitze war in das X. britische Korps auf dem linken Flügel und der 36. US Division auf dem rechten Flügel gegliedert. Die Aufgabe war einen Schwenk auf Neapel vorzunehmen, die Stadt zu erobern, Verbindung mit Montgomerys 8. Armee herzustellen und eine gemeinsame Front bis zur Adria herzustellen.
Die Deutschen hatten eine derartige Operation erwartet und gewisse Vorkehrungen getroffen.
Für Kesselring kam eine Landung der Alliierten in der Bucht von Neapel nicht in Frage, da eigene Artillerie in dem großen Halbrund die Angreifer unter mörderisches Kreuzfeuer hätte nehmen können. Salerno hingegen war weitaus offener und hatte wegen der südlicheren Lage auch den Vorteil Jagdschutz von Flughäfen von Sizilien bieten zu können. Kesselring entschloss sich daher die 16. Panzerdivision in den Raum von Salerno zu verlegen.
Die Stimmung unter den Alliierten war gelöst. Man erwartete einen schnellen Erfolg. In der Nacht vom 8. auf den 9. September 1943 begann die Landung. General Ernest J. Dawley entschloss sich sein VI. Korps am Strand von Paestum ohne vorherige Artillerievorbereitung landen zu lassen. Um 3.30 gingen die ersten GIs an Land. Eine Lautsprecherstimme mit starkem deutschen Akzent zerriss die Stille: You are covered! Come on and give up“ (Ihr seid in unserem Schussfeld, ergebt Euch!). Gleichzeitig tauchten Scheinwerfer den Strand in helles Licht und das Feuer wurde eröffnet. Die Amerikaner ließen sich davon nicht einschüchtern und griffen die Verteidigungsstellungen der Deutschen an. Der antike Turm von Paestum, in ein MG Nest verwandelt, hielt sich am längsten. Andere Verteidiger lösten sich relativ schnell vom Strand. Die deutsche Artillerie hingegen verursachte heilloses Durcheinander an den Landungsabschnitten Blue und Yellow, sodass spätere Landungen in andere Abschnitte umgeleitet werden mussten. Doch nach kurzer Zeit hatten die Amerikaner einen Brückenkopf von fünf Kilometer Tiefe erkämpft.
Die Engländer waren nur teilweise erfolgreich. Ihre Kommando Einheiten landeten bei Vietri, westlich von Salerno. Sie sollten die Küstenstrasse nach Salerno freikämpfen und den Cava-Nocera Pass besetzen. Die drei US Ranger Bataillone, die die nördlichste Angriffspitze der britischen Landung darstellte, landeten in Maiori, 10 km westlich von Salerno. Ihnen gelang es die Passhöhe von Chiunzi zu besetzen und zu sichern. Von ihren Stellungen aus konnten die Rangers von Colonel William O`Darby Pompeji und den Vesuv sehen. Sie hielten die Stellungen gegen wütende deutsche Gegenangriffe bis zur Vereinigung der beiden Landeköpfe. Die Angriffe östlich von Salerno waren hingegen nicht von schnellem Erfolg gekrönt.
Drei Tage lang mussten Briten und Amerikaner hart um ihren Erfolg kämpfen. Clark brachte die 45. US Division als Reserve an Land und ging auf Ponte Sele vor. Die Engländer eroberten Altavilla und kämpften immer noch hart um Salerno, Battipaglia und Montecorvino.
Paestum war gesichert Die antike Stätte, von Kämpfen verschont, bildete nun eine Heimat für Stabskompanien. So zum Beispiel sicherte sich das 480. Bataillon, eine Einheit ausschließlich aus Farbigen, den Neptun oder auch Poseidon Tempel genannt, als ihr Stabsquartier. Die Vereinigung mit Montgomery schien unmittelbar bevorzustehen.














