Portsmouth Historic Dockyard
Die Geschichte der Marinebasis Portsmouth geht auf das Jahr 1194 zurück. Damals entstand auf Anordnung von König Richard I. das erste Dock in der Stadt, die in den folgenden Jahrhunderten von der Marine geprägt sein sollte. Bereits 1495 wurde das erste Trockendock der Welt dort gebaut, das Bau und Wartung von Schiffen revolutionierte. 1510 wurde das erste von Anfang an als Kriegsschiff konzipierte Schiff der britischen Marine, die Mary Rose in Dienst gestellt. 1Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden große BefestigungsanlagenUnd 1733 öffneten sich die Pforten zur Marineakademie Portsmouth. 1824 wurde der Semaphore Tower, Sitz der Hafenkommandantur, errichtet, der noch heute genutzt wird. Mitte des 19. Jahrhunderts war Portsmouth bereits mit seinen vier Quadratkilometern das größte zusammenhängende Industriegebiet der Welt. 1906 lief die revolutionäre HMS Dreadnought, das modernste Schlachtschiff seiner Zeit nach nur 366 Tagen Bauzeit vom Stapel. Sieben Jahre später folgte die Super-Dreadnought HMS Queen Elizabeth, das erste ölbefeuerte Schlachtschiff der Welt Während beider Weltkriege war Portsmouth neben Scapa Flow der zentrale Stützpunkt der britischen Marine und spielte eine wichtige Rolle bei der Landung in der Normandie 1944.
Heute ist Portsmouth weiterhin der bedeutendste Stützpunkt der Royal Navy und wird seit 2003 komplett um- und ausgebaut. Wegen der Einführung neuer Zerstörer der Daring-Klasse und Flugzeugträger der Queen Elizabeth Klasse müssen Dockanlagen ausgebaut und die Fahrrinne vertieft werden.
Daneben beherbergt die Basis das größte Marinemuseum Europas, das Royal Naval Museum, sowie die Mary Rose, die HMS Warrior - der erste Eisenrumpf eines hochseetauglichen Kriegsschiffes - und die HMS Victory. Letztere ist immer noch das Flaggschiff der Royal Navy und damit das älteste aktive Kriegsschiff der Welt
Mary Rose
Die Mary Rose wurde 1510 als erstes reines Kriegsschiff Englands in Dienst gestellt. Man nimmt an, dass der Name des Schiffes sich aus König Heinrich VIII Schwester Mary und dem Emblem des Hauses Tudor, einer Rose benannt wurde. Das Schiff verdrängte 500 Tonnen, war 38,5 Meter lang und 11,7 Meter breit. Die reguläre Mannschaft bestand aus 200 Seeleuten, 185 Soldaten und 30 Kanonieren. Sie war eines der größten Schiffe der Flotte Heinrichs VIII, die insgesamt aus 53 Schiffen bestand.
Die Mary Rose diente als Flaggschiff von Admiral Sir Edward Howard in den Italiensischen Kriegen und kam mehrmals zum Einsatz. 1512 war sie ebenso das Flaggschiff einer Flotte von 50 Schiffen, die die Franzosen in Brest angriffen. Bei diesem Gefecht verloren die Franzosen die Marie de la Cordelière und mit ihr mehr als 1.000 Mann. 32 Schiffe der Franzosen wurden versenkt.
1528 wurde die Mary Rose komplett umgebaut. Die Verdrängung wuchs von 500 auf 700 Tonnen und 91 Kanonen wurden installiert. 1545 drohte der französische König Francis I. mit 200 Schiffen und der Invasion von 30.000 Mann. Dieser Armada konnten die Engländer nur 80 Schiffe entgegen setzen. Anfang Juli drangen die Franzosen in den Solent zwischen Hampshire und der Isle of Wight ein. Am 18. Juli kam es zur ersten Kanonade beider Flotten, die jedoch wegen der zu großen Entfernung keine Schäden verursachte. Am nächsten Tag verließ die Mary Rose vor den Augen Heinrichs VIII den Hafen von Portsmouth um am Gefecht teilzunehmen. Dann geschah jedoch die Katastrophe aus heiterem Himmel. Bei einem Wendemanöver kenterte die Mary Rose!
Sir Peter Carew, Bruder von Sir George Carew, dem kürzlich ernannten Vice Admiral auf der Mary Rose, gab folgenden Bericht. Er sagte aus, dass sobald der Wind auffrischte, sich die unter Vollsegeln laufende Mary Rose zur Seite neigte. Als sein Onkel, Sir Gawain Carew, vorbeisegelte und nachfragte, was denn sein Problem wäre, rief ihm dieser zu, dass “er einen Haufen Strauchdiebe an Bord habe, die sich nicht unterordnen lassen”. Möglicherweise ein Indiz für ein irreguläres Verhalten an Bord, welches das Schiff so schräg legte, dass Wasser in die offenen Geschützpforten eindringen konnte. Binnen weniger Minuten war die Mary Rose von der Wasseroberfläche verschwunden und mit ihr rund fünfhundert Mann ihrer Besatzung.
Bereits im August des Jahres 1545 versuchte man die Mary Rose zu heben. Zu wertvoll waren die Materialien, die in dem Schiff verbaut waren. Doch der Versuch verlief negativ. Dann geriet das Wrack in Vergessenheit. Erst 1836 verfing sich ein Fischernetz in ihren Aufbauten und dem Taucher John Deane gelang es Holzplanken, Kanonen und Langbögen an die Oberfläche zu bringen. Damit war aber 1840 Schluss. Erst 1965 startete Alexander McKee erneut eine Suche und 1967 fand Professor Harold Edgerton bei der Suche mit einem Seitensonar eine akustische Anomalie. 1971 kam ein Zufall zur Hilfe. Eine Springflut legte das Wrack stellenweise frei und man konnte beobachten, dass sich das Wrack in einer 60 Grad Seitenlage steuerbords befand. Acht Jahre später wurde der Mary Rose Trust gegründet, um das Wrack zu heben. Am 11. Oktober 1982 wurde die Mary Rose in Anwesenheit von Prince Charles gehoben und in ein besonders präpariertes Trockendock gebracht, wo sie bei 95 % Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von 2-6 Grad Celsius eine neue Heimat fand.
HMS Victory
Die HMS Victory im Trockendock von Portsmouth ist das fünfte Schiff, welches in Diensten der Royal Navy diesen Namen trug. Die erste war ein800 Tonnen Schiff, das 1559 vom Stapel lief und Sir John Hawkins als Flaggschiff im Kampf gegen die Spanische Armada diente. Das nächste wurde 1620 in Dienst gestellt, verdrängte 875 Tonnen und nahm an den beiden Holländischen Kriegen (1652 – 1667) teil. 1666 wurde sie umgebaut und nahm am dritten Hollämndischen Krieg (1672 – 1674) teil. Die dritte Victory aus dem Jahre 1734 hatte ein Größe von 1.486 Tonnen und nahm an der Schlacht von Barfleur (1692) teil. Das vierte Schiff dieses Namens lief 1734 vom Stapel, war 1920 Tonnen groß und ging mit Mann und Maus im Kanal 1744 verloren.
Die Geschichte der fünften HMS Victory geht auf das Jahr 1758 zurück. Damals beschlossen die Minister von Georg II den Bau von 12 Linienschiffen. Der Bau des ersten Schiffes begann im Sommer 1759, dem „Jahr der Siege“. Es war der Höhepunkt des Siebenjährigen Krieges mit Siegen in den Schlachten von Surat (Indien), Minden und Quebec, sowie bei den Seeschlachten von Lagos (Portugal) und Quiberon Bay (Bretagne). Es wundert daher niht, dass der Name des neuen Schiffes Victory sein sollte.
Normalerweise dauerte der Bau eines solch großen Schiffes fünf Jahre, doch da keine große Eile wegen der Erfolge notwendig erschien, lief die HMS Victory erst am 7. Mai 1765 in Chatham vom Stapel. Da der Friede von Paris im Jahre1763 alle Feindseligkeiten beendete, stellte man das Schiff nicht in Dienst, sondern ließ es für 13 Jahre im Medway liegen Dort muß sie schon der junge Horatio Nelson gesehen haben, als er im Januar 1771 als 12 jähriger den Dienst auf seinem ersten Schiff, der HMS Raisonable antrat.
1778 wurde sie dann endlich in Dienst gestellt, um die Streitkräfte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu unterstützen, der von Frankreich militärisch gefördert wurde. Die Victory wurde das Flaggschiff der Kanalflotte von Admiral Keppel und nahm an der Schlacht von Ushant teil, die unentschieden ausging. 1782 nahm sie ebenfalls an der Schlacht von Kap Spertel teil und wurde im folgenden Jahr still gelegt. Erst zehn Jahre später, England hatte sich der Ersten Koalition gegen die Französische Revolution angeschlossen, wurde die Victory mit 21 weiteren Kriegsschiffen ins Mittlemeer verlegt. Zunächst wurde Toulon erobert, musste aber wieder aufgegeben werden, da ein gewisser Napoleon Bonaparte Festung und Stadt unter Artilleriefeuer hielt. Bei der Belagerung von Calvi wurde eine Abteilung Soldaten mit Geschützen an Land gebracht und unter das Kommando von Kapitän Horatio Nelson gestellt. Bei diesen Kämpfen verlor Nelson nach Splittertreffer die Sehrkraft auf dem rechten Auge
1797 kehrte die Victory nach Chatham zurück und wurde an die Kette gelegt. 1801 kam sie ins Dock und wurde komplett aus- und umgebaut. Die Arbeiten waren so umfangreich, dass es eigentlich ein kompletter Neubau wurde. Hier bekam sie ihr Aussehen, wie wir es heute kennen. 1803 wurde sie wieder in Dienst gestellt und diente seit dem Sommer dem Oberkommandierenden Lord Nelson als Flaggschiff. Nach 18 Monate langer Belagerung Toulon´s gelang es dem französischen Admiral Pierre-Charles Villeneuve mit 11 Linienschiffen die Blockade Nelson´s zu durchbrechen. Am 8. April passierte er die Straße von Gibraltar und segelte nach Westindien, um sich dort mit Admiral Ganteaume´s Flotte zu vereinigen und die Briten zu bekämpfen. Nelson, der mit seiner Flotte Villeneuve verfolgte, war wegen ungünstiger Winde rund einen Monat zurück. Als er endlich in Antigua eintraf, hatte schon Villeneuve beschlossen, nach Europa zurückzukehren, da die erwartete französische Flotte nicht eingetroffen und seine Angriffe auf englische Einrichtungen nur bescheidene Erfolge aufwiesen.
Am 22. Juli befand sich der französische Admiral bereits in der Biscaya, wo er auf die englische Flotte von Vize Admiral Sir Robert Calder traf. Dieser war zahlenmäßig unterlegen und dennoch gelang es ihm zwei französische Schiffe zu kapern. Villeneuve, der nur halbherzig die unterlegenen Engländer beschattete, beschloß zunächst nach Coruna und anschließend nach Cadiz zu segeln. Damit war der Traum einer Invasion in England beendet. Nelson seinerseits belagerte nun Cadiz und wartete auf eine Entscheidung. Villeneuve bekam Order im Mittelmeer englische Schifffahrtslinien zu bekämpfen. Zunächst zögerte er, doch als er merkte, dass Napoleon ihn als Flottenkommandierenden ablösen lassen wollte, folgte er dem Befehl. Napoleon hatt in einem Brief an das Marineministerium geschrieben, dass „Villeneuve nicht die charakterliche Stärke besitze, eine Fregatte zu führen. Es fehlt ihm an Durchsetzungsvermögen und Zivilcourage“. Also gab er am 18. Oktober 1805 den Befehl, die Segel zu setzen.
Wegen schlecht ausgebildeter Mannschaften und dem schwierigen Fahrwasser von Cadiz dauerte es zwei Tage, bis sich alle 33 französischen Schiffe formiert hatten. Aber schon nach drei Tagen verlor er den Mut und kehrte zurück. Bei diesem Manöver fing Lord Nelson mit die Franzosen bei Trafalgar ab und brachte ihnen eine vernichtende Niederlage bei. As the two fleets moved towards engagement, he then ran up a thirty-one flag signal to the rest of the fleet which spelled out the famous phrase "England expects that every man will do his duty". Von den 33 Schiffen verloren die Franzosen 18. Vier entkamen zunächst, wurden aber 14 Tage später gestellt. Der Rest entkam nach Cadiz und blieb dort bis zum Ende des Krieges.
Dieser grandiose Sieg wurde getrübt durch den Tod des Mannes, der ihn ermöglichte. Eine Kugel traf Lord Nelson um 13:25 die linke Schulter und Rückgrat. Um 16:30 verstarb er. Er wurde am 6. Januar 1806 in der St. Paul´s Kathedrale beerdigt.
Am 7. November 1812 endete die Karriere dieses großartigen Schiffes. Sie wurde als Depotschiff bei Gosport stillgelegt und rottete mehr als ein Jahrhundert vor sich her. Erst 1921 organisierte die Society of Nautical Research den „Save the Victory Fund“, der die traurigen Reste des einst stolzen Schiffes restaurierten sollte. Diese Aktivitäten führten letztendlich zum Ziel, als die britische Regierung die Finanzierung übernahm.
1922 wurde sie in das älteste Trockendock der Welt, No 2, verholt. 1928 enthüllte König Georg V anlässlich der Fertigstellung eine Plakette, obwohl die Restaurierungsarbeiten noch weitergingen. Zur 200 Jahrfeier der Schlacht von Trafalgar wurde sie erneut überholt. Heuet ist die HMS Victory das älteste sich im Dienst befindliche Kriegsschiff der Welt, wobei die 30 Jahre jüngerer USS Constitution das älteste schwimmende Kriegsschiff der Welt ist.
HMS Warrior
Die HMS Warrior ist das erste hochseetüchtige gepanzerte Schlachtschiff mit einem Eisenrumpf. Sie wurde als Antwort auf die französische La Gloire entworfen, die jedoch im Gegensatz zur Warrior einen Holzrumpf mit aufmontierten Panzerplatten aufwies. Aber nicht nur der Eisenrumpf unterschied die Warrior von der La Gloire. So verdrängte die La Gloire 5.530 Tonnen, die Warrior hingegen 9.681 Tonnen. Auch hinsichtlich der Bewaffnung gab es große Unterschiede. Die La Gloire trug eine Batterie von 36 6-inch Kanonen, die Warrior jedoch zehn 9-inch und sechzehn 7-inch Kanonen. Beide Konstruktionen wurden von Dampf und Wind angetrieben, denn der geringe Kohlevorrat von 850 Tonnen war für eine Seereise nicht ausreichend. Schon der Stapellauf der Warrior war unglücklich. Der Winter 1860 war der kälteste seit 50 Jahren und als die Bolzen weggeschlagen wurden, rührte sich der Rumpf nicht von der Stelle. Er war festgefroren. Erst mit Hilfe von sechs Schleppern gelang es, den Rumpf von den Hellingen der Thames Ironworks bei London herunterzuziehen.
Die rapide fortschreitende Technik machte binnen zehn Jahre aus dem einst modernsten Panzerschiff der Royal Navy ein nutzloses Fahrzeug und sie und ihr Schwesterschiff HMS Black Prince wurden am 1. April 1875 in den Reservedienst und am 31. Mai 1883 endgültig außer Dienst gestellt. Kanonen und Masten wurden entfernt. Von nun an diente sie als schwimmende Lagerhalle und zwischen 1902 – 1904 als stationärer Versorger für eine Zerstörer Flotille. 1904 wurde sie auch in Vernon III umbenannt und der Royal Navy Torpedo Schule zugewiesen. Hier diente sie als schwimmendes Dampf- und Elektrizitätswerk
1925 wollte man das Schiff als Alteisen verkaufen, doch niemand schien sich für sie zu interessieren. 1929 wurde sie nochmals umgetauft. Diesmal auf den Namen Oil Fuel Hulk C 77 und wurde nach Pembroke Dock in Wales verholt. Dort blieb sie 50 Jahre.
1979 begannen die Arbeiten zum Museumsschiffumbau in Hartlepool. 1984 wurden diese beendet und das Schiff zurück nach Portsmouth an ihren heutigen Liegeplatz geschleppt und erneut umbenannt. Diesmal in Warrior (1860), um sie nicht mit der heutigen HMS Warrior zu verwechseln, die als Einsatzleitung der Royal Navy in Northwood dient.





















