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Malta und die Große Belagerung von 1565

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Malta wurde bereits um 5.200 V. Chr. besiedelt. Um 1.000 v. Chr. kolonisierten die Phönizier die Insel, die sie als Außenposten nutzten, um ihren Warenhandel im Mittelmeerraum auszudehnen. Später kam Malta zunächst unter die Herrschaft Karthagos (400 v. Chr.), anschließend die der Römer (218 v. Chr.). Unter römischer Herrschaft expandierte Malta und viele römische Baudenkmäler und Artefakte bestehen noch heute; ein Beweis für die engen Bande zwischen Maltesern und Römern. Im Jahre 60 soll der Legende nach auch Paulus die Insel besucht haben, nachdem er in der nach ihm benannten "Saint Paul's Bay" Schiffbruch erlitten haben soll.
 

870 wurden die Inseln von den Arabern erobert. Grundsätzlich tolerierten sie das Christentum der Insulaner, führten Zitrusfrüchte und Baumwolle und Bewässerungssysteme ein. Am wichtigsten war jedoch die Einführung der arabischen Sprache, die die Mehrheit der Malteser als ihre Muttersprache annahm. Die moderne Sprache Maltas hingegen weist nicht nur arabischen, sondern auch romanischen Einfluss auf und nutzt das lateinische Alphabet. Sie änderten auch den Namen Melite in Maltacheum, woraus später Malta entstand.
 

Diese arabische Periode dauerte bis 1091, nachdem die Inseln von den sizilianischen Normannen unter dem Grafen Roger erobert worden war. Sie verbanden es mit Sizilien und errichteten auf der Insel ein Marquisat.
 

Grossmeisterpalast von Rhodos
1530 sollte sich das Schicksal Maltas grundlegend ändern. Süleyman I., auch der Prächtige genannt, hatte die Johanniter nach sechsmonatiger Belagerung am 25. Dezember 1522 auf Rhodos zur Aufgabe gezwungen und ihnen freies Geleit gewährt.
 

Die Ursprünge des Ordens

Papst Paschalis II.
Der Johanniterorden geht auf die Zeit vor den Kreuzzügen zurück. Der Ritterliche Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem ist der älteste geistliche Ritterorden. Die Anfänge liegen im Dunkel. Nach den Quellen gründeten Kaufleute aus Amalfi zwischen 1048 und 1071 in Jerusalem ein Hospital für arme und kranke Pilger, das eine Laienbruderschaft leitete. Die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer (1099) war für das Hospital zunächst ohne Einfluss. 1113 konnte es von Papst Paschalis II. ein Schutzprivileg erlangen, das bereits sieben Filialhospitäler in Bari, Otranto, Tarent, Messina, Pisa, Asti und Saint Gilles (Südfrankreich) erwähnt.
 

Unter Raimund von Puy (1120-1160), der dem ersten bekannten Meister Gerhard nachfolgte, vollzog sich der Wandel von der Spitalbruderschaft zum geistlichen Ritterorden. Über die diakonischen Tätigkeiten hinaus übernahm er militärische Aufgaben.
 

Süleyman I.
Nach dem Fall Akkós (1291) und dem damit verbundenen endgültigen Verlust des Heiligen Landes für die Kreuzfahrer, war vorübergehend Limassol auf Zypern, dann Rhodos (1306 - 1522) Hauptsitz des Johanniterordens. Infolge der Aufhebung des Templerordens (1312) erwarb der Johanniterorden in Europa zusätzlichen Besitz. Der Johanniterorden konnte seine Herrschaft von Rhodos aus auf andere Inseln des Dodekanes und bis auf das kleinasiatische Festland ausdehnen. Obwohl der Johanniterorden mehrere osmanische Angriffe erfolgreich abwehren konnte, ging Rhodos 1522 verloren. Die Festung war von den Türken unter Suleiman dem Prächtigen im Jahre 1522 bei der Belagerung von Rhodos nach mehreren Monaten sturmreif geschossen worden, woraufhin die Ritter kapitulierten und zu Neujahr 1523 die Insel verließen.
 

Auf der Suche nach einer Heimat

Grandmaster Phillipe Villiers de Lisle Adam
8 Jahre irrten die Ritter des Johanniterordens in Europa umher und antichambrierten bei den herrschenden Königshäusern, um eine neue Heimat zu finden. Heinrich VIII. hatte sie mit Geld abgespeist, und Papst Clemens VIII. hatte ihnen eine allerdings nur vorübergehende Zuflucht in Viterbo gewährt. Der raffinierte spanische König Karl V. jedoch bot ihnen Malta - unter Missachtung des von seinem Großvater den Inseln zugestandenen Selbstverwaltungsrechts - als permanenten Aufenthaltsort an unter der Bedingung, dass sie auch die schwierige Verteidigung von Tripolis übernehmen würden. Eine Delegation des Ordens besuchte Malta und brachte einen niederschmetternden Bericht über die Inseln zurück: Unfruchtbares Land, keine Wasserquellen, ständig von Piratenüberfällen bedroht, schwierig zu verteidigen und von 12.000 völlig verarmten Menschen bewohnt. Da für den Orden jedoch keine Alternative in Sicht war, akzeptierte der Großmeister L'IsIe Adam das Angebot Karls V., die Inseln gegen die jährliche Übergabe eines Wanderfalken als Lehen zu nehmen. Die Stiftungsurkunde, die in den Archiven der maltesischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird, wurde im April 1530 unterzeichnet, und die Schiffe der Ritter kamen im Oktober des gleichen Jahres in Malta an.
 

Kaiser Karl V. von Spanien
Dabei erhielten sie finanzielle Hilfe von Karl V., die insbesondere für den Bau der Festungsanlagen genutzt wurde. Nach der Abspaltung protestantischer Ordensmitglieder bürgerte sich die Bezeichnung „Malteserorden“ ein.







 

Jean Parisot de la Vallette
In den ersten 25 Jahren der Herrschaft des Johanniterordens auf Malta lebte der maltesische Adel in der alten Hauptstadt Mdina im Landesinneren, während die Ordensritter die Gegend von Birgu, dem heutigen Vittoriosa, mit Festungsanlagen versahen. in dieser Zeit beherrschten die Türken nahezu ungestört den gesamten zentralen Mittelmeerbereich. 1551 überfielen die Türken Gozo und entvölkerten die Insel, indem sie etwa 5.000 Einwohner in die Sklaverei verbrachten. Im gleichen Jahr verlor der Johanniterorden das übernommene, aber von ihm unerwünschte Tripolis an die Türken. Im Jahr 1557 übernahm Jean Parisot de La Valette das Amt des Großmeisters des Ordens.
 

Malteserkreuz
Mit der Amtsübernahme von La Valette entstand auch das heutige Malteserkreuz, das aus acht Spitzen besteht. Diese acht Spitzen symbolisieren nach heutiger Deutung die acht Seligpreisungen der Bergpredigt Jesu im Neuen Testament. Eine weitere Deutung der acht Spitzen ist die Zuordnung zu den acht "Zungen" des Malteserordens: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragon, England, Deutschland und Kastilien. Die vier nach innen zeigenden Spitzen werden den vier Kardinaltugenden zugeordnet: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.
 

Die Osmanen im Mittelmeer

Fort St. Angelo vor Birgu (Vittoriosa)
Die Osmanen und ihre Verbündeten waren seit den 1540er Jahren im westlichen Mittelmeerraum militärisch äußerst aktiv. Khayr ad-Din plünderte 1542 mit seiner Flotte die katalanische Küste, eroberte 1543 im Bündnis mit Frankreich Nizza und unternahm 1544 einen Plünderungszug entlang der italienischen Küste. Das von den Johannitern verteidigte Tripolis wurde 1551 von den Osmanen erobert. Aufgrund dieser Entwicklung ließ Jean Parisot de la Vallette, den Ausbau der Befestigung des maltesischen Hafens beschleunigen und ausweiten.
 

Malta war nun die einzige Hürde, die Suleyman nehmen musste, um endgültig das Mittelmeer zu beherrschen. Er war bereits 70 Jahre alt war und wollte eine Expedition gegen Malta nicht wie in seiner Jugend gegen Rhodos persönlich führen. Er teilte das Oberkommando in zwei Befehlsbereiche: Sein junger Admiral Piale Pasha befehligte die Seestreitkräfte, sein alter und erfahrener General Mustafa Pasha das Heer.
 

Sein direkter Gegner war der Großmeister Jean de la Valette, ein harter, fanatischer christlicher Gotteskrieger, gegen den er bereits auf Rhodos gekämpft hatte. La Valette war sowohl ein erfahrener Kriegsveteran, als auch ein überzeugter christlicher Führer. Als sich die Belagerung der Insel durch Suleyman abzeichnete, wandte er sich an seine Ritter mit einer Ermunterung: „Heute steht unser Glaube Spiel und es wird zur Frage Christentum oder Koran kommen. Gott bittet nun um unser Leben, das wir ihm als Unterpfand gaben. Glückselig sind die, die es für ihn opfern werden.“
 

Keine Unterstützung aus Europa

Francis I. von Jean Clouet
La Valette war sich darüber im Klaren, dass er wenig Unterstützung von den königlichen Höfen Europas erwarten konnte. Franz I von Frankreich war durch einen Freundschaftsvertrag mit den Türken gebunden, und der deutsche Kaiser zu sehr mit sich selbst und den ständig attackierenden Türken in seinem Herrschaftsbereich beschäftigt, um Malta unterstützen zu können. Und es war klar, dass die protestantische englische Königin Elisabeth I. nicht unterstützend eingreifen würde.
 

Papst Pius IV.
Nur vom spanischen König Philip II konnte La Valette Hilfe erwarten. Immerhin hatte sein Vater Karl V. den Rittern Malta zugeschanzt. Sollte Malta fallen, wären weitere spanische Besitzungen wie Sizilien und dann das Königreich von Neapel bedroht. Doch noch garantierte der „düstere König“, der mitten in der Einöde des kastilischen Hochlandes in seinem Kloster San Lorenzo del Escorial residierte, keine Hilfe. Nur Papst Pius IV. schickte 10.000 Kronen. Die konnte man gut gebrauchen, aber dennoch wurde der schlimmste Mangel damit nicht behoben: Kämpfer. Am Vorabend der Schlacht standen La Valette gerade einmal 700 Ritter und 9.000 Soldaten zur Verfügung.
 

Suleiman hatte schon den Tag verflucht, an dem er den Malteser Rittern freien Abzug aus Rhodos eingeräumt hatte. Doch nun richtete er seine Augen auf Malta, das ihm als Sprungbrett zur Eroberung Westeuropas günstig erschien. Im Spätherbst 1564 erreichte La Valette die Nachricht seiner Spione, dass die osmanische Flotte sich für den Feldzug vorbereitete.
 

Die ersten Monate des Jahres 1565 verbrachte die Insel mit fieberhaften Vorbereitungen auf die bevorstehende Schlacht. Obwohl die Ritter bei ihrer Ankunft im Jahre 1530 die Insel als unfruchtbares Land mit wenigen Wasserquellen betrachteten, lernten sie Malta jetzt als natürliche Festung schätzen. Ihre Kargheit bedeutete für den Aggressor, dass er alles für eine Belagerung notwendige mitzubringen hatte. Es war für die Osmanen unmöglich, sich aus dem Land zu ernähren.
 

7.900 gegen 40.000

Im April 1565 standen La Valette 541 Ritter und Unterleute, sowie 5,000 Malteser Infanteristen und 500 Galeerensträflinge zur Verfügung. Nachdem La Valette einen Hilferuf durch Europa gesandt hatte, versammelten sich 700 Ordensritter und 9.000 Soldaten. Mit dieser Streitmacht mussten sie den Osmanen trotzen. Taten sie es nicht, wäre der Orden ausgelöscht und Westeuropa bedroht.
 

Mustafa Pasha
Im Winter 1564/1565 hatte der Sultan keine Kosten und Mühen gescheut, seine bis dato größte Armada auszubauen. Er vertraute seinem General Mustafa Pasha. Der hatte schon fanatisch gegen die Ritter auf Rhodos gekämpft und trug eine persönliche Vendetta gegen die Christen mit typisch islamischem Fanatismus aus. Er wollte seine Karriere mit einem triumphalen Sieg über die Ritter von St. John krönen, indem er sie ein für allemal aus dem Mittelmeerraum vertreiben würde.
 

Dragut Reis
Der Admiral der Flotte, Piali Pasha, war nicht so blutrünstig wie Mustafa, doch hatte der getaufte Christ dem Glauben entsagt. Zum Zeitpunkt des Angriffs stand Piali auf dem Gipfel seiner Macht. Zu seinen größten Erfolgen zählt auch der große Raid an die italienische Küste, den er 1558 zusammen mit dem Korsaren Turgut Reis, auch Dragut genannt, unternahm. Suleiman befahl seinen beiden Kommandeuren, so lange mit dem Angriff zu warten, bis Dragut mit seinen Streitkräften eingetroffen wäre.
 

Die Türkenflotte läuft aus

Galeere
Am 29. März 1565 stand Süleyman am Bospurus und sah zu, wie seine riesige Flotte die Segel setzte. Die Flotte bestand aus 181 Schiffen: 130 große und 30 kleine Galeeren wurden von 11 großen Handelsschiffen begleitet, in deren Laderäumen sich je 600 Soldaten, 6.000 Fass Pulver und 1.300 Kanonenkugeln befanden. La Valette hätte sich nicht im Traum vorstellen können, wie viele Schiffe und welch große Armee der Sultan gegen ihn aufmarschieren ließ.
 

Janitschar Offizier
Die osmanische Armee hatte 40.000 ausgebildete Kämpfer; nicht gezählt die viele Tausend Sklaven und Hilfskräfte, die nötig waren, um solch eine gewaltige Streitmacht zu versorgen. Speerspitze dieser gewaltigen Streitmacht waren 6.300 Janitscharen, die besten Truppen des Osmanischen Reiches. Anfänglich fungierten die Janitscharen als Leibgarde des Großherrn, doch schon früh wurden sie in die Infanterie des osmanischen Heeres integriert. Sie bildeten die Eliteeinheit der Pfortentruppen und unterstanden dem direkten Befehl des Sultans. Eine Besonderheit stellte das Aushebungsverfahren der Truppe dar. Seit 1438 wurden die durch die sog. Knabenauslese rekrutiert. Daher setzte sich die Einheit aus Christenknaben zusammen, die aus den europäischen Gebieten des Reiches, hauptsächlich aus dem Balkan, stammten.
 

janitscharenkapelle
In früher Kindheit waren sie ihren Eltern weggenommen, türkisch erzogen und islamisiert worden. Janitscharen wurden unter strikter Disziplin und harter Arbeit in acemi-oglan-Schulen ausgebildet, wo sie dem Zölibat unterworfen waren und islamisiert wurden. Im Gegensatz zu freien Moslems durften sie nur einen Schnurrbart und keinen echten Bart tragen. Die Janitscharen gehörten als Armee dem Sultan und wurden so erzogen, dass sie das Korps als ihre Heimat und Familie und den Sultan als ihren Vater anerkannten. Nur diejenigen, die sich als stark genug herausstellten, verdienten sich den Rang eines echten Janitscharen im Alter von 24 bis 25 Jahren. Das Eigentum von gestorbenen Mitgliedern ging auf das Regiment über. In den ersten Jahrhunderten waren die Janitscharen exzellente Bogenschützen, sie benutzten aber Feuerwaffen, sobald sie verfügbar waren. Im Nahkampf verwendeten sie Beile, Säbel und Jatağane. Mit ihren gefürchteten Yatağanen, konnten die Janitscharen ihren Feinden mit einem Schlag den Kopf abtrennen. Auf die abgeschlagenen Köpfe von Gegnern waren Prämien, Geschenke und Ehrungen ausgesetzt. Für drei derartige Trophäen wurden die Kämpfer zudem mit einem silbernen Abzeichen in Federform ausgezeichnet, das an Mütze oder Turban geheftet wurde.
 

Die Malteser verbarrikadieren sich

Fort St. Elmo vor Valette
Unterdessen hatte Großmeister La Valette seine Vorbereitungen abgeschlossen. La Valette ließ die wenigen Wasserstellen auf Malta vergiften, die Ernte einbringen und dann die Tore von Birgu, I'Isla und Mdina verschließen. Kommandos wurden mit dem Befehl nach Gozo geschickt, alle Bewohner in der Zitadelle zu versammeln. Die Malteser waren auf alles vorbereitet. Der befestigte Hafen umfasste zwei parallel verlaufende Landzungen, deren Enden durch eine große Kette verbunden waren, um gegnerischen Flotten den Zugang zu verwehren. Zwischen den Senglea und Birgu genannten Festungen, die auf diesen Landzungen erbaut worden waren, wurde eine provisorische Brücke errichtet, während in den niedrigen Gewässern westlich Sengleas eine Palisade aus spitzen Holzpfählen die Anlandung feindlicher Truppen verhindern sollte. Da La Valette annahm, dass die neu erbaute und noch unerprobte Festung von St. Elmo nördlich des Hafens das erste Ziel der Osmanen sein würde, hatte er deren Garnison verstärkt. Normalerweise dienten dort sechs Ritter und 600 Soldaten. Er verstärkte sie nun mit 46 weiteren Rittern und 200 Infanteristen. St. Elmo war nun bereit, eine der glorreichsten Episoden des Christentums zu schreiben.
 

Mitte Mai rief La Valette nun alle seine Brüder zusammen. Es war die letzte Gelegenheit, zu allen in der großen Halle sprechen zu können. Es waren viele da, die er später nicht mehr begrüßen sollte.
 

Grossmeister und Ritter im 14. Jahrhundert
„Jetzt kommt es also zur großen Schlacht zwischen dem Koran und dem Kreuz. Eine große Armee Ungläubiger stehe kurz davor, unsere Insel zu besetzen. Wir sind die Auserwählten unter dem Kreuz, und wenn das Himmelreich unser Opfer verlangt, so wird sich sicherlich eine bessere Gelegenheit ergeben als jetzt. Last uns nun zum heiligen Altar schreiten. Dort werden wir unseren Glauben stärken und die Sakramente empfangen, die uns Todesverachtung verleihen und uns unbesiegbar machen.“
 

Als die Ritter die Kirche verließen, waren sie voller Jubel. „Kaum hatten sie vom Leib Christi gekostet, so verschwand jede Form von Schwäche“, erklärte einer von ihnen nach der Schlacht. „Alle Unstimmigkeiten zwischen uns und alle private Zwistigkeiten waren vergessen“.
 

Belagerungsgeschütze werden in Stellung gebracht

Ankunft der Türkenflotte (Perez d´Aleccio)
La Valette hatte beschlossen, die Landung der Osmanen nicht zu stören. Die Schiffe setzten die Truppen ab, die sofort ein halbkreisförmiges Zeltlager um das vorgeschobene Fort St. Elmo aufbauten. Mustafa Pasha gab daraufhin den Befehl, Belagerungsgeschütze zum Mount Sciberras zu schaffen. Zwei 60-Pfund- und zehn 80-Pfund Feldschlangen, sowie eine riesige Basilisk Kanone sollten für den Angriff auf St. Elmo in Stellung gebracht werden. Basilisken verschossen Eisenkugeln von 38 kg Gewicht und ihr Rohrgewicht lag bei bis zu 3,75 Tonnen. Auf kurze Entfernung stellten diese osmanischen Geschütze eine schreckliche Bedrohung dar.
 

Basilisken ohne Lafetten
Nach knapp einer Woche ertönte das Zeichen zum Angriff. Binnen einer Stunde begannen die Sandsteine, mit denen das Fort gebaut war, unter der mathematisch genauen Beschießung zu zerbröseln. Täglich gingen bis zu 7.000 Geschosse über dem Fort nieder. Piali und Mustafa waren überzeugt, die Eroberung sei nur eine Sache weniger Tage. Doch die Osmanen hatten nicht mit dem Widerstandswillen der Verteidiger gerechnet. Die Ritter unternahmen im Schutze der Nacht einen Ausbruch, senkten langsam die Zugbrücke und eroberten den ersten türkischen Graben. Die osmanischen Arbeitstrupps, von der Tagesarbeit erschöpft, wurden vollständig überrumpelt und flohen über den Höhenrücken vom Mt. Sciberras.
 

Yatagan, das Schwert der Jannitscharen
“Janitscharen nach vorn“, befahl Mustafa. Bei Angriff oder Verteidigung, in unzähligen Feldzügen und in vielen Ländern erschallte dieser Ruf, wenn es darum ging, einer panischen Reaktion des osmanischen Heeres zu begegnen, oder eine hängende Entscheidung in einen Sieg zu verwandeln. Dafür waren die Janitscharen, die Elitetruppe des Sultans, ausgebildet. Sie wurden in die Schlacht geworfen, um als Zünglein an der Waage den Sieg für Allah sicher zu stellen.
 

Janitscharen
Als die Arbeitsbataillone rückwärts strömten, stieß die Elite vor. Die Ritter hatten sich jedoch schon zurückgezogen und kehrten rechtzeitig in die Festung zurück, bevor ihre eigene Artillerie das Feuer auf die Janitscharen eröffnete. Trotzdem gelang diesen die kürzlich verlorenen Gräben wieder zu besetzen und bauten sie umgehend zu einer Feste aus. Obwohl die Ritter wieder zurückgeschlagen wurden, hatte ihre Moral darunter nicht gelitten.
 

Dragut trifft ein

Dragut
Die osmanischen Truppen wurden durch die Ankunft des 80 Jahre alten Korsaren Dragut verstärkt. Dieser alte Haudegen, den seine Männer „das gezogene Schwert des Islam“ nannten, war ein Veteran von Belagerungen, kannte jeden Trick und hatte detaillierte Kenntnisse von Malta und seinen Verteidigungsanlagen. Für seinen Angriff versammelte er 1.500 bis an die Zähne bewaffnete Krieger. Sie wurden am Tigne Point gegenüber St. Elmo in Stellung gebracht. Dem Haudegen fiel auf, was Mustafa und seinem Stab entgangen war: Die Verteidiger von St. Elmo wurden nachts durch Boote versorgt und verstärkt.
 

Befehle wurden ausgegeben: „Nachrichtenverbindungen unterbrechen und die Außenwerke einnehmen“! Dragut, an der Spitze seiner Männer, wollte den Angriff aus vorderster Stellung beobachten. Die Schreie, der Lärm der Geschütze und die Flammen an den Hängen des Berges verkündeten den Verteidigern von St. Angelo Draguts Ankunft. Dragut schlug sein Hauptquartier in den Gräben seiner Soldaten auf und sorgte dafür, dass die Kanonade doppelt so stark ausfiel wie zuvor. Schon nach 24 Stunden zeigte es Wirkung. Erste Lücken taten sich auf und sobald die Verteidiger Ersatzmauern aufschichteten, wurden sie umgehend wieder zerschossen. Es war klar, dass der Hauptangriff kurz bevorstand.
 

Malta
Es gab keinen Schutz vor der glühend heißen Maisonne. Türken wie Ritter litten unter Wassermangel. Die Ruhr grassierte unter den Osmanen; es wurde so schlimm, dass hunderte von Zelten bei Marsa aufgeschlagen wurden, um die Kranken zu betreuen. Und dennoch hatte La Valette allen Grund besorgt zu sein. Am Tag nach Draguts Ankunft, gelang es einem kleinen Schiff die Blockade zu durchbrechen. Die Nachricht, die es brachte, konnte schlechter nicht sein: Es gab keine Hilfe von Don Garcia de Toldedo, dem Vizekönig von Sizilien.
 

La Valette schrieb umgehend einen Aufruf an seine Unterführer: “ Wir wissen jetzt, dass wir uns nicht auf Hilfe anderer verlassen können. Nun können wir nur noch auf Gott und auf unser Schwert vertrauen. Aber besser die Wahrheit zu kennen, als sich auf vage Versprechungen zu verlassen. Unser Glaube und die Ehre unseres Ordens sind in unserer Hand. Wir werden nicht versagen!“
 

Mssiver Artillerieschlag

Es war der Morgen des 3. Juni, dem Fest von St. Elmo, als die neue Batterie, die am Tigne Point aufgestellt worden war, auf Befehl von Dragut das Feuer auf St. Elmo eröffnete. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der infanteristische Hauptangriff folgte. Es stand für Dragut außer Frage, dass er sie einnehmen würde.
 

Der erste große Nachtangriff fand am 10. Juni statt. Mustafa entschied, dass sobald die Dunkelheit hereingebrochen war, frische Truppen die besten Chancen hätten, die müden Verteidiger überraschend anzugreifen und zu überwältigen. Die angreifenden Janitscharen warfen Sachetti, Vorreiter der Molotowcoctails, ähnlich denen, die die Ritter auf die Türken herab warfen. Die Osmanen hatten eine brennbare Flüssigkeit erfunden, die wenn sie auf ein Ziel – wie zum Beispiel die Rüstung eines Ritters, haften blieb. Um nicht geröstet zu werden, mussten die Ritter, die in den Breschen standen und getroffen wurden, in bereit stehende Wasserbecken springen. Der Feuerschein während dieses Nachtangriffs war so grell, dass ein Zeuge auf Fort St. Michael erzählte, dass es Plötzlich „taghell“ wurde. Es war so hell, dass die Verteidiger die Angreifer gut erkennen konnten, und so ihr Feuer auf sie richteten. Mehrfach stürmten die Ottomanen gegen die Mauern an und genauso of wurden sie zurückgeworfen. Als der Morgen anbrach schätzte man, dass 1.500 Soldaten des Sultans tot oder im Sterben zwischen Fort und Graben lagen. Die Verteidiger beklagten den Verlust von 60 ihrer Männer.
 

Arkebuse
Die gesamte türkische Flotte war während der Nacht des 15. Juni näher an die Stadt herangekommen und hatte sich wie ein Ring um das Fort gelegt. 4.000 Arkebusiere (eine im Spätmittelalter erfundene Handfeuerwaffe mit langem Lauf, die mit einem Luntenschloss-Mechanismus ausgelöst wurde) eröffneten das Feuer. Gleichzeitig begannen die Batterien von Tigne Point und Gallows' Point St. Elmo unter Kreuzfeuer zu nehmen.
 

Janitschar
Die Verteidiger erwarteten den Angriff hinter den Wällen und Barrikaden. Vor zwei Tagen hatte ein Konvoy kleiner Schiffe sie mit Munition und Nahrungsmittel versorgt und während der Nacht hatten sie die Angreifer mit Feuergranaten und heißem Öl überschüttet. Doch jetzt wurde das Wasser knapp. Es erschien Türken wie Christen geradezu unwirklich, dass solch ein kleines Fort so lange hatte Widerstand leisten können. 150 Mann der Garnison waren gefallen, viele weitere verwundet. Doch die Angreifer verloren an diesem Tag 1.000 von insgesamt 4.000 Männern.
 

Freiwillige gesucht

Janitschar Kommandeur
Am 18. Juni rief La Valette nach Freiwilligen, die die Festung verstärken sollten. 30 Ritter und 300 Infanteristen meldeten sich für ein sicheres Himmelfahrtskommando. Am gleichen Tag wurde Dragut durch einen Steinsplitter, der von einem Kanonenschuss ausgelöst worden war, tödliche am Kopf verletzt. Ein zweiter Schuss tötete den Aga (Fürst) der Janitscharen. Doch Mustafa weigerte sich aufzugeben.
 

Das “Blanke Schwert des Islam” wurde zu seinem Zelt gebracht und trug dazu bei, dass die Moral der osmanischen Truppen sank. Die sank am nächsten Tag noch mehr, als der Master General der Türken, Vizekommandeur aller osmanischen Truppen, getötet wurde.
 

Da die Ordensritter alle kampffähigen Männer aus dem Inland in den drei Festungen zusammengezogen hatten, war das Hinterland mit der Hauptstadt Mdina ungeschützt und verwundbar. Das wusste auch Mustafa Pascha. Er befahl einem General, mit einer kleinen Truppe von 1.800 Soldaten das Hinterland einzunehmen. Wie erwartet zogen die Osmanen durch die Dörfer, ohne auf Widerstand zu stoßen. Der Kommandant von Mdina erfuhr jedoch rechtzeitig vom Anmarsch der Osmanen. Für eine wirkungsvolle Verteidigung lagerten viel zu wenig Pulver und Kanonenkugeln in der Stadt. Also entschloss er sich, eine Täuschung zu versuchen, und kleidete alle in der Stadt verbliebenen Bauern und Frauen in Uniformen. Dann ließ er sie, mit allen zur Verfügung stehenden Waffen und Geschützen ausgerüstet, an den Wällen Aufstellung nehmen. Als die Türken angreifen wollten, sahen sie sich derart vielen Verteidigern gegenüber und wurden mit einem solch kurzen, aber gewaltigen Feuer empfangen, dass sie Mdina für einen viel stärkeren Gegner als erwartet hielten und frustriert abzogen. Dieser Schachzug des Stadtkommandanten von Mdina ging als „Der große Bluff“ in die Geschichtsanalen der Insel ein.
 

Die letzten 100 Mann

Die große Belagerung
In den frühen Morgenstunden des 23. Juni gingen die Schiffe Piali´s ganz nah an das Fort heran, um ihm den Todesstoss zu versetzen. Ihre Buggeschütze eröffneten unisono mit der gesamten türkischen Armee das Feuer auf das Fort. Zum Erstaunen der Türken hielt das Fort noch eine weitere Stunde. Danach lebten noch 100 Verteidiger, die auf die sich zurückziehenden Türken blickte. Diese gruppierten sich nur neu zum endgültig letzten Angriff. Für die Beobachter auf den benachbarten Festungen von Birgu und Senlea deutete sich nun das Ende an. Eine Welle weißgekleideter Osmanen wälzte sich wie eine Welle den Hügel herab, verzögerten wie ein Brecher am Strand, bevor die Welle über den Wällen des Forst St. Elmo hereinbrach. Ein Verteidiger nach dem anderen verschwand in der Woge der Türken. Die einen starben schnell, die anderen tödlich verwundet langsam zwischen den Leibern ihrer Kameraden. Der italienische Ritter Francisco Lanfreducci, war auf diesen schlimmsten Fall vorbereitet. Er zündete ein Signalfeuer gegenüber von Bighi Bay an, das La Valette mitteilte, dass St. Elmo gefallen war.
 

Fort St. Angelo vor Birgu (Vittoriosa)
Ungeduldig besichtigte nun Mustafa sein Werk. Ein Standartenträger mit der Fahne des Sultans trat durch die Bresche von St. Elmo. Nun folgte ein ungeheurer Akt von Brutalität. Die toten Soldaten wurden von den neun überlebenden Rittern getrennt Mustafa Pascha ließ die Ritter köpfen, ihre Leichen kreuzigen und sie über das Wasser in Richtung des maltesischen Hafens treiben. Am nächsten Morgen trieben sie an das Ufer von Fort St. Angelo. Oberbefehlshaber Mustafa Pascha soll nach der Besichtigung des genommenen Forts beim Anblick von St. Angelo gesagt haben: "Was werden erst die Eltern kosten, wenn schon das Kind einen so fürchterlichen Preis gekostet hat?"
 

Um den Türken zu zeigen, dass man sich nicht einschüchtern ließ, befahl La Valette alle türkischen Gefangenen zu köpfen, ihre Körper ins Meer zu werfen und die Köpfe zu verschießen. Dies erregte natürlich die Wut der Türken dermaßen, dass sie schworen keine Gefangene mehr zu machen. Den Christen war schlagartig klar, dass es von nun an kein Pardon mehr gab.
 

Die Moral der Malteser Ritter stieg, als eine Verstärkung von 42 Rittern und 700 Milizsoldaten aus Sizilien ankam. Unter dem Kommando von Chevalier de Robles, einem berühmten Malteser Ritter wurde diese kleine Streitmacht als Piccolo Soccorso bekannt.
 

Als Mustafa am nächsten Morgen das neue Banner über dem Christenfort sah, war er verblüfft. Er hatte keine Ahnung wie groß die Verstärkung war, und glaubte, es wäre an der Zeit Verhandlungen aufzunehmen. Ihm war klar, dass die Eroberung von St. Elmo überproportionale Verluste gekostet hatte. Daher offerierte er La Valette die gleichen Bedingungen, wie sie Großmeister Villiers de l'Isle Adam vor 43 Jahren auf Rhodos akzeptiert hatte: freien Abzug für ihn und seine Anhänger und anschließende Kapitulation der Insel. Doch dieses Ansinnen wurde von den Rittern zurückgewiesen; Mustafa schäumte vor Wut.
 

Türken graben Minentunnel

Nun begannen die Türken erstmalig Tunnel unter die Verteidigungsanlagen zu graben. Dies bedeutete eine besonders schwierige Aufgabe für die speziell ausgebildeten ägyptischen Pioniere. Am 18. August war der Tunnel unter der Bastion of Castile fertiggestellt. Obgleich La Valette wusste, dass die Türken einen Tunnel bauten, war es dennoch unmöglich die exakte Position festzustellen. Mit ungeheurem Getöse explodierte die Mine und ein Großteil der Mauer stürzte ein. Sofort griffen Piali´s Truppen an Die Explosion hatte die Verteidiger auch von der Bresche gedrängt und in dem allgemeinen Chaos sah es so aus, als ob sie die Kontrolle verloren hätten. Doch die Verteidiger verarbeiteten den Schock schnell und verteidigten sich verbissen. Schließlich zogen sich die Türken zurück . Die beiden Festungen blieben in christlicher Hand.
 

Belagerungsturm
Nun setzte Mustafa seine Hoffnungen in einen Belagerungsturm, den er gegen die Festung Birgu einsetzte. Gegen Angriffe mit Brandbomben hatte man den hölzernen Turm mit riesigen Lederdecken versehen, die permanent mit Wasser übergossen wurden. Der Turm war jetzt schon so nah der Mauer, dass Janitscharen von der oberen Plattform Ritter und Soldaten auf den Zinnen abschießen konnten. La Valette erklärte daraufhin die Zerstörung des Turms zur Chefsache. Er befahl Malteser Arbeitern ein Loch genau gegenüber dem Turm in die Mauer zu bohren. Nachdem, der Tunnel fast fertig gestellt war, wurde eine riesige Kanone vor das Loch gestellt, die äußere Hülle des Loches aufgestoßen und das Rohr des Geschützes hineingefahren.
 

Die Türken, die auf dem Turm kämpften bekamen nicht mit, was sich hinter der Festungsmauer abspielte. Die Kanone war mit so genannten Kettenkugeln, die aus zwei mit einer Kette verbundenen Eisenkugeln bestanden Beim Verlassen des Rohres gingen die Kugeln auf Kettenlänge auseinander und flogen instabil um sich selbst rotierend bis zum Aufprall. Auf solch kurzer Entfernung war der Einschlag der Kettenkugeln verheerend. Die Holzkonstruktion wurde an der Basis zerrissen, die Janitscharen fielen mit heißem Öl, Waffen und anderem Gerät herunter und setzten das Ganze in Brand. Mit einem dröhnenden Geräusch fiel die ganze Konstruktion in sich zusammen.
 

Auf der anderen Seite der Mauern hatte man inzwischen die Kanonen zurückgezogen und die Arbeiter waren bereits zugange, das tiefe Loch wieder zuzumauern. Die Osmanen waren schockiert. Nun begann die Moral noch schneller zu sinken. Verpflegung und Nachschub wurden knapp, Krankheiten griffen um sich und die enormen Verluste machten die Männer kampfesmüde.
 

Die Moral der Ritter steigt

Dem gegenüber stieg die Moral der Ritter. Hätten sie gewusst, dass sich eine Streitmacht in Messina auf Sizilien dran machte, ihnen zu Hilfe zu eilen, wäre ihnen noch wohler gewesen. Diese Truppe setzte sich aus professionellen Soldaten, hauptsächlich aus Spaniern, aber auch aus Italienern, Deutschen, Franzosen und anderen Europäern zusammen.
 

Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba
Viceroy Don Garcia persönlich hatte das Kommando übernommen, als sich die Flotte aus 28 Schiffen mit 10.000 Mann an Bord nach einem schweren Sturm endlich am 5. September in Bewegung setzte.







 

Flucht der Türken (Perez d´Aleccio)
Die Misere der türkischen Streitkräfte vergrößerte sich. Mit Ausnahme von St. Elmo waren die Festungen der Malteser Ritter weiterhin intakt. Es war ihnen gelungen, die Lücken in den Mauern immer wieder durch Tag. Und Nachtarbeiten zu schließen und machte es für die Türken immer unwahrscheinlicher, den Feldzug siegreich zu beenden. Bedingt durch die Hitze des Sommers gab es viele Ausfälle, Munition und Nachschub wurden knapp und die ständigen Niederlagen zerrten an den Nerven.
 

Die türkischen Befehlshaber trafen keine Vorkehrungen für solch einen Fall und obwohl sie eine riesige Flotte hatten, setzten sie diese nie richtig ein. Sie vernachlässigten ihre Kommunikationslinie nach Nordafrika und trafen keine Vorkehrungen, Verstärkungen und Nachschub aus Sizilien für die Verteidiger abzuschneiden. Am 1. September unternahmen sie ihren letzten Versuch das Schicksal zu wenden, doch alle Ermunterungen und Drohungen gelang es ihnen nicht, ihre Soldaten für einen durchschlagenden Angriff zu motivieren. Für die Verteidiger bedeutete das Zaudern des Feindes eine große Erleichterung. Sah man doch bereits das Ende der Belagerung voraus. Als die Verstärkungen aus Sizilien in der Melleha Bay eintrafen, waren die Türken an ihrem Tiefpunkt angelangt. Garcia war endlich mit 150 Rittern am 7. September aus Syrakus kommend auf Malta eingetroffen. Die Türken hatten daraufhin genug. Am nächsten Tag hoben sie die Belagerung auf und bis zum 12. September hatten sie die Insel verlassen.
 

Ungeheure Verluste

Am Tag der türkischen Abreise zählte das Heer der Malteser Ritter noch 600 Männer. Die Verluste der Türken waren jedoch schrecklich. Die realistischsten Schätzungen über die Größe des türkischen Heers lagen bei 40.000 Mann. 24.000 wurden getötet, 10.000 verwundet oder durch Krankheiten geschwächt und etwa 1.000 von den Maltesern gefangen genommen.. Es war ein trauriger Abgesang der einst strahlenden Herrschaft von Süleyman I. dem Prächtigen. Auf maltesischer Seite starben von den 17.200 Mann (Ordenskämpfer und Entsatzheer zusammengerechnet) etwa 10.300 Mann. 1.300 Menschen wurden verwundet.
 

Die Belagerung ist hervorragend in den Fresken von Matteo Perez d'Aleccio in der Halle von St. Michael und St. George, auch als Thronraum im Palast des Großmeisters in Valetta, dargestellt.
 

Großmeister del Monte
Mit dem Ende der Großen Belagerung beginnt die neuere Geschichte Maltas. Der Johanniterorden hatte mit dem Sieg nach der Großen Belagerung die Kräfte des Islam in den östlichen Teil des Mittelmeeres zurückgedrängt. Der Papst und die gekrönten Häupter Europas, darunter die protestantische Königin von England, Elisabeth I, dankten es dem Orden mit großzügigen finanziellen Zuwendungen. Dadurch wurde es möglich, daß Maltas neue, befestigte Hauptstadt, Valletta, in nur zehn Jahren erbaut werden konnte. Großmeister de la Valette, der 1568 starb, folgte Großmeister del Monte (1568 -1572), der 1571 die neue Hauptstadt einweihte.
 

Selim II.
1571 unternahm die stark vergrößerte osmanische Flotte erneut einen Versuch, die Seeherrschaft über das Mittelmeer zu erringen. Die Mittelmeerflotte Sultan Selims II. stand unter dem Kommando von Admiral Ali Pascha. In der Schlacht von Lepanto, der Bucht zwischen Patras und den südlichen Ionischen Inseln, standen sich 260 osmanische und 211 Schiffe der Heiligen Liga gegenüber. Mit etwa 200.000 Soldaten war es die größte Seeschlacht der damaligen Zeit. Insgesamt dauerte sie den gesamten Tag an, wobei allein die Aufstellung der Schiffe in der Schlachtlinie zwei Stunden dauerte.
 

Die Schlacht von Lepanto

Die Seeschlacht von Lepanto von Fernando Bertelli
Zu Beginn der Schlacht befahl der Oberkommandierende der heiligen Flotte, Don Juan de Austria, dem Kapitän seines Flaggschiffs, das Kommandoschiff seines osmanischen Gegenspielers, Admiral Ali Pascha, anzugreifen und zu kapern. Es folgte ein mehrstündiges Infanteriegefecht, das auf beiden Decks tobte. Während der schweren Gefechte wurde Admiral Ali Pascha getötet, und die Heilige Liga konnte das Schiff erobern. Daraufhin war Don Juan de Austria in der Lage, den südlichen Abschnitt der Front zu unterstützen. Inzwischen war es dem Vizebefehlshaber der osmanischen Flotte, Ülüc Ali Pascha, gelungen, die Verbände der Heiligen Liga aufzureiben. Seine kampferprobten Männer konnten die christlichen Streitkräfte sogar in die Defensive drängen. Mit Unterstützung aus anderen Frontabschnitten gelang es der Heiligen Liga aber schließlich doch, die Osmanen zu überwältigen. Die Heilige Liga verlor in der Schlacht 13 ihrer Schiffe und fast 8.000 Soldaten. Die osmanische Flotte setzte 30 ihrer Schiffe selbst auf Grund, 80 wurden versenkt, und 150 Galeeren fielen in die Hände der Sieger. Es starben ca. 30.000 Mann auf osmanischer Seite. Damit war der Nimbus der Unbesiegbarkeit der osmanischen Mittelmeerflotte gebrochen.
 

Lepanto
Im Prinzip war das 17. Jahrhundert für Malta vergleichsweise friedlich. Der letzte türkische Angriff fand im Jahr 1617 statt, und von da an mussten sich die Inseln nur gelegentlicher Piratenüberfälle erwehren. Großmeister Lascaris (1636 - 1657) führte strenge, puritanische Regeln in dem mittlerweile lockeren Orden ein und begann, die Festungsanlagen zu bauen, die als die Margherita Lines bekannt sind. Lascaris regierte bis ins hohe Alter von 97 Jahren. Lascaris' Nachfolger, der Spanier de Redin (1657 - 1660), baute eine Reihe von Befestigungstürmen, von denen viele noch heute erhalten sind.
 

Trinkgelage, Duelle und unvergleichlicher Pomp hatten mittlerweile die Ideale des Ordens überwuchert und waren deutliche Anzeichen des sich abzeichnenden Niedergangs. Die Ritter entwickelten einen militanten Katholizismus und entwickelten sich zu einer exotischen Streitmacht im Zentralbereich des Mittelmeeres, die es sich vorwiegend zur Aufgabe gemacht hatte, Piratenschiffe aufzubringen.
 

Großmeister Ximines
Während der Amtszeit des Großmeisters Ximenes (1773 - 1775) fand eine Rebellion des maltesischen Klerus gegen die Ordensritter statt der als der „Aufstand der Priester“ (1775) bekannt ist. Ximenes ließ die Anführer hinrichten. Im gleichen Jahr übernahm - zu spät für eine Rettung des Ordens - der kluge und vorsichtige Franzose de Rohan das Amt des Großmeisters. Er versuchte, durch Erlasse und neue Gesetze das öffentliche Leben neu zu ordnen und der allgemeinen Spannung entgegenzuwirken. Die maltesische Bevölkerung hatte aber langsam keine Geduld mehr mit ihren selbst zerstörerischen und arroganten Herrschern. Die ohnehin schon finanziell und geistig verarmten Ordensritter erhielten ihren Todesstoß durch die Französische Revolution 1789. Viele der adligen Ritter hatten ihre Besitztümer in Frankreich, und daraus bezog auch der Orden große Teile seines Reichtums. Großmeister de Rohan finanzierte den missglückten Fluchtversuch Ludwigs XIV. aus Frankreich im Jahr 1791, was dazu führte, dass alle Besitztümer des Ordens in Frankreich konfisziert wurden. Das bedeutete den Verlust von drei Viertel aller Einnahmequellen. De Rohan starb 1797 in dem Bewusstsein, der letzte Großmeister des Ordens auf Malta gewesen zu sein.
 

Großmeister de Rohan
Im ausgehenden 18. Jahrhundert herrschte große politische Nervosität in Europa, und damit stieg das Interesse der Großmächte an Malta aus strategischen Überlegungen. Das führte dazu, dass die Regierungen vor allem daran interessiert waren, die Inselgruppe nicht in den Machtbereich des jeweiligen Widersachers geraten zu lassen.
 

Napoleon auf Malta

Ferdinand von Hompesch zu Bolheim
Im Jahr 1797 wurde der erste Deutsche, Ferdinand von Hompesch, Großmeister des Johanniterordens (bis 1798). Mit gewisser politischer Einfältigkeit, vor allem aufgrund finanzieller Anreize, akzeptierte von Hompesch den Vorschlag des russischen Zaren, einen russisch-orthodoxen Zweig im Orden einzurichten. Dies missfiel den mit den Russen befeindeten Franzosen. Auf dem Weg zu seinem Ägyptenfeldzug ließ Napoleon eine Armada von 472 Schiffen und 50.000 Soldaten im Juni 1798 vor und im Grand Harbour vor Anker gehen. Er bat den Großmeister um die Erlaubnis, seine Schiffe mit Wasser zu versorgen, was dieser unter Einschränkungen bewilligte. Vorschriften irgendwelcher Art wollte Napoleon jedoch natürlich nicht akzeptieren, und es entwickelte sich ein Schusswechsel zwischen den Ordensleuten und der französischen Armada. Eine Gruppe französischer Ritter trat zu Napoleon über, und es dauerte nur zwei Tage, bis von Hompesch bedingungslos kapitulierte.
 

Napoleon Bonaparte
Bei den »Verhandlungen«, die auf Napoleons Paradeschiff »L'Orient« stattfanden, wurden dem Orden drei Tage zugestanden, die Insel zu verlassen. Den französischen Ordensrittern wurde freigestellt, zu bleiben oder zu gehen. Die maltesische Bevölkerung wurde hinsichtlich ihres zukünftigen Status ebenso hingehalten, wie sie es schon in der Vergangenheit immer wieder erfahren hatte. Friedrich von Hompesch erhielt Zuflucht in Russland, und der Orden wurde aufgelöst.
 

Seeschlacht von abukir
Napoleon blieb auf Malta nur wenige Tage, doch die genügten, um Insel und Orden systematisch auszuplündern. Napoleon verließ Malta im Besitz von Schätzen, die in fast dreihundert Jahren auf der Insel gesammelt worden waren, und sein Schiff, die »L'Orient«, wurde mit soviel Silber beladen, wie sie eben fassen konnte. Zwei Monate später wurde die »L'Orient« von Nelson in der Schlacht von Abukir versenkt.
 

Auf Malta blieb General Vaubois mit einer kleinen Armee von etwa 4.000 Mann zurück. Er erließ eine Reihe neuer Gesetze, die der Bevölkerung missfielen. Er brachte auch den Klerus in Aufruhr, als er die Schätze der Karmeliterkirche in Mdina veräußern wollte. Das war der Startschuss für die maltesische Bevölkerung einen Aufstand gegen die französischen Besatzer zu beginnen.
 

Alexander John Ball
Es gelang den Maltesern, die Franzosen in der Befestigung der Hauptstadt Valletta einzuschließen. Die Portugiesen, die noch Herrscher im »Königreich der beiden Sizilien« waren, und die Briten kamen den Maltesern zu Hilfe. Für Nelson war dies eine günstige Gelegenheit, seiner Armada nach der siegreichen Schlacht auf dem Nil gegen Napoleon eine Ruhepause zu gönnen. So wurden die Franzosen in Valletta vom Meer und vom Land her eingeschlossen. Es dauerte noch bis zum 5. September 1800, bis die französischen Truppen unter General Vaubois kapitulierten. Im Oktober dieses Jahres übernahm Kapitän Alexander Ball formell im Namen der Engländer die Herrschaft über die Inseln.
 

Malta britische Kolonie

Nach der Abdankung Napoleons und dem darauf folgenden Vertrag von Paris im Jahr 1814 wurde Malta offiziell in die Liste der britischen Kolonien aufgenommen. Der erste britische Gouverneur auf Malta, Sir Thomas Maitland, schaffte abermals die maltesische „Universitá“ ab und erließ zahlreiche Gesetze, die das Leben im Sinne der englischen Rechtsprechung regeln sollten.
 

Das 19. Jahrhundert verlief für Malta ohne besondere Ereignisse. Wirtschaftlich hatten die Inseln Anteil am Aufschwung des britischen Kolonialreiches. Sowohl der Krimkrieg (1854 - 1856) wie die Eröffnung des Suezkanals 1869 brachten einen gewissen Wohlstand. Es wurden Gelder bereitgestellt, um die Befestigungsanlagen im Grand Harbour und die Victoria Lines im Inselinneren auszubauen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war Malta zu einem wichtigen Anlaufhafen der britischen Handelsschiffe auf dem Weg von England nach Indien geworden, die hier Kohle bunkerten.
 

Im Ersten Weltkrieg übernahm die Insel wieder eine der Aufgaben, die sie schon in der Zeit der Ordensritter gehabt hatte: Etwa 25.000 Kranke und verwundete Soldaten aus dem Dardanellenkrieg wurden hier gepflegt.
 

In den 30er Jahre verlegte die britische Mittelmeerflotte ihre Schiffe wegen der geografischen Nähe zum faschistischen Italien nach Alexandria. Während es 2. Weltkrieges spielte Malta wegen seiner Nähe zu den Schifffahrtslinien der Achsenmächte eine große Rolle und kam einer Invasion sehr nahe.
 

Nach dem Krieg entschädigte die britische Regierung Malta mit 30 Millionen Pfund für die entstandenen Kriegsschäden und ließ wieder eine Selbstverwaltung zu. Im September 1947 wurde eine Verfassung, die der aus dem Jahre 1921 glich, verabschiedet, die allerdings auch das Frauenwahlrecht vorsah. Im gleichen Jahr setzte eine große Auswanderungswelle nach Nordamerika und Australien ein.
 

Elisbath II. bei ihrer Krönung am 2. Juni 1953
Bei den Wahlen im Jahr 1962 führten die beiden führenden Parteien, die Labour Party und die Nationalist Party, die Forderung nach der Unabhängigkeit Maltas in ihrem Wahlprogramm. In einem Referendum sprach sich die maltesische Bevölkerung mit einer massiven Mehrheit für die Unabhängigkeit aus. Dieser deutlichen Entwicklung konnte sich die Regierung in London nicht länger entgegenstellen und entließ Malta am 21. September 1964 in die Unabhängigkeit. Gleichzeitig wurde ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen unterzeichnet, und Malta blieb Mitglied des »British Commonwealth«, die englische Königin wurde »Königin von Malta«.
Ein Verteidigunsabkommen, das kurz nach der Unabhängigkeit abgeschlossen wurde, lief am 31. März 1979 aus. Am 1. Mai 2004 wurde Malta Teil der Europäischen Union.