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Heydrichs Antrittsrede in Prag

Reinhard Heydrich
»...im Stillen schon planend und
Fundament legend für eine Endlösung«


In seiner Antrittrede in Prag vor SS Offizieren, SD Angehörigen und Verwaltungsmanagern verdeutlichte Heydrich in klaren und unmissverständlichen Worten die Ziele seiner Mission im Protektorat Böhmen und Mähren. Darüber hinaus ließ er keinen Zweifel über die Absicht der SS rassepolitische Ziele gnadenlos umzusetzen.
 

Vor dem Eintritt des Herrn Reichsprotektors wies der Unterstaatssekretär
SA-Brigadeführer von Burgsdorff in kurzen Worten darauf
hin, dass sämtliche Teilnehmer des Empfangs verpflichtet sind,
strengstes Stillschweigen über die Ausführungen des Herrn Reichsprotektors
zu wahren.
 

Parteigenossen, meine Herren!
Auf Befehl des Führers habe ich vor drei Tagen in Vertretung die
Führung der Geschäfte des Reichsprotektors übernommen, an Stelle
des erkrankten Reichsprotektors Reichsminister von Neurath.
Ich freue mich, dass ich heute nach drei Tagen schon die Gelegenheit
habe, Sie, die Mitarbeiter des Reichsprotektoratsstabes,
den beamtlichen Sektor, aber auch vor allem die Hoheitsträger der
Partei in diesem Raum des Kampfes und – abgesehen selbstverständlich
von meinen engeren Mitarbeitern aus meiner Stellung
als Chef der Sicherheitspolizei und des SD heraus – auch Sie, die
Herren Oberlandräte, die draußen die Träger der Verwaltung und –
wie ich hoffe – kämpfenden Aufgaben im Verwaltungsbereich sind,
kennen zu lernen.
 

Die Weisung des Führers, die ich für diese Aufgabe erhalten
habe – die ich zeitlich für begrenzt ansehe – lautet: dass ich mit
aller Härte in diesem Raum eindeutig sicherzustellen habe, dass die
Bevölkerung, soweit sie tschechisch ist, einsieht, dass an den Realitäten
der Zugehörigkeit zum Reich und des Gehorsams gegenüber
dem Reich nicht vorüberzugehen ist; für die Deutschen, dass sie
wissen, dass dieser Teil des Reiches eben ein Teil des Reiches ist
und dass auf der einen Seite der Deutsche hier den Schutz genießt
und die führende Rolle spielt und zu spielen hat, aber auch, dass
der Deutsche entsprechend diesem Recht die Pflicht hat, sich als
Deutscher zu benehmen und zu führen.
In der politischen Linie bedeutet das, was mir der Führer gesagt
hat, die Anerkennung dessen, was bisher politisch von Staatssekretär
Frank hier an Richtung gegeben wurde. Das bedeutet
gleichzeitig die selbstverständliche, menschliche, dienstliche und
freundschaftliche Voraussetzung für das Zusammenwirken zwischen
dem Kameraden Frank und mir.
 

Kurz ein Wort vorher. Meine Herren! In mir sehen Sie im Allgemeinen
den Chef der Sicherheitspolizei und des SD. Sie sehen im
allgemeinen darin – jedenfalls habe ich mich daran gewöhnt, dass
es in der Verwaltung so ist – den Mann der Exekutive, der alles
nach Möglichkeit nur exekutiv zu lösen beabsichtigt. Diese Auffassung
ist irrig und falsch und ich möchte auch hier – wie oft wo
anders – zunächst, bevor ich Ihnen über die Probleme des Raumes
etwas sage, einmal deutlich Klarheit geben über die Auffassungen,
mit denen ich als Chef der Sicherheitspolizei, mit denen ich als
SS-Mann und Mitarbeiter des Reichsführers-SS, mit denen ich
als Nationalsozialist an meine Aufgaben gehe.
 

Die SS ist der Stoßtrupp der Partei in allen Dingen der Sicherung
innenpolitischer Art des Raumes und der Sicherung der
nationalsozialistischen Idee. Stoßtrupp bedeutet, dass er immer ein
Stück voraus dem Gros ist, dass er besonders gut bewaffnet und einsatzbereit ist und zu kämpfen versteht. Stoßtrupp besagt aber auch,
dass er nichts tut, was nicht nach dem Willen und den Planungen
der Gesamtführung geht. Voraussetzung für die Aufgabe der
Sicherung der Idee ist aber ein tiefes Hineinfühlen, Hineindenken
in die Probleme und ein Handeln aus der Kenntnis der Probleme
heraus, nicht nur ein oberflächliches Sehen, sondern ein gründliches
Erfassen der Dinge, und kann daher nicht nur ein exekutives
äußeres Sehen, sondern ein gründliches Erfassen der Dinge und
Erfüllen von Befehlen sein. So handeln wir als ausführende Organe
im Bewusstsein der Sendung des Führers und des Reiches, jener
Sendung, die auf dem Wege über das großdeutsche und großgermanische Reich geht. Und wenn der Führer mir beim Weggehen sagte: Bedenken Sie, dass immer da, wo ich die Einheit des Reiches gefährdet sehe, ich mir einen SS-Führer nehme und ihn vom Reich aus hinschicke, um die Einheit des Reiches zu wahren – so mögen Sie von diesen Worten des Führers dann die Gesamtaufgabe der SS und damit meine spezielle Aufgabe ableiten.
 

Alled hängt vom Befehl des Führers ab...

Im Voraus gesagt: Ich habe nicht die Absicht, mich hier nun auf
meinem Posten an einer Aufgabe festzuklammern, weil sie schön
und mit repräsentativen Dingen verknüpft ist, sondern ich sehe
meine Aufgabe hier an als eine Kampfaufgabe, die ich in Vertretung
eines Anderen zu erfüllen habe, um, wenn ich sie erfüllt habe,
dem Führer melden zu können: »Mein Führer, ich habe sie erfüllt.
Ich darf mich nun wieder meiner Hauptaufgabe widmen. Die
Zeiten sind mir noch unbekannt; ob das Wochen oder Monate
sind, hängt von der Lösung, von den Problemen der Aufgabe, hängt
vom Befehl des Führers ab.
 

Ich sprach von den Aufgaben der SS als Ganzes. Ich möchte sie
zusammenfassen in der Devise: »Feind allen Feinden und Hüter
alles Deutschen«, und das mag insbesondere für diesen Raum
gelten. Feind allen Feinden – beinhaltet die Grundlinie unserer polizeilichen
und Sicherungsaufgaben, nicht nur im engeren, auch im
weiten Sinne; denn darin sehe ich nicht die Aufgabe des Verhaftens
und des Aburteilung zuführen, des Überwachens, sondern darin
sehe ich das systematische Abtasten der Lebensgebiete nach Feindeinflüssen, aber auch nach eigenen Fehlern.
 

Die zweite Seite dieser Aufgabe – Hüter alles Deutschen – ist
begründet in der Auftraggebung, mit welcher der Führer den
Reichsführer-SS zum Reichskommissar für die Festigung deutschen
Volkstums gemacht hat. Wenn ich nun hier diese Aufgabe im
Protektorat übernommen habe, so sind diese beiden Pfeiler letzten
Endes auch die Fundamente meiner Aufgaben-Erfüllung, die Abwehr
und Niederhaltung alles Feindlichen und die Sicherung, aber
auch die Planung für die Zukunft aller Dinge, die dem deutschen
Volkstum gut und für die Zukunft notwendig sind.
 

Lassen Sie mich etwas ausholen, um die Gesamtprobleme auch
dieses Raumes eben in die Gesamtheit zu stellen, um nicht nur mit
den Scheuklappen der Protektoratsgrenzen zu sehen.
Die Voraussetzung für den Krieg, für die Erfüllung des Krieges,
für die Besetzung der notwendigen Räume und für die Formung
und Gestaltung des großdeutschen und großgermanischen Reiches
war die innenpolitische Sicherung des Altreiches. Darüber hinaus
war es unsere Aufgabe, nach den persönlichen Weisungen und
Richtlinien des Führers in dem damaligen Ausland jene Dinge forschungsmäßig
und erkundungsmäßig zu planen, die dann im Laufe
der Dinge die Voraussetzung geben konnten für viele politische,
aber auch militärische Erfolge und Ereignisse. Dazu kamen dann
im Verfolg der politischen Entwicklung im europäischen Raum die
Notwendigkeit und die Aufgabe der Rückführung der Deutschen,
und zwar der Volksdeutschen aus jenen Räumen, die heute im
Osten von unseren Truppen besetzt sind, jener Volksdeutschen, die
bestimmt dasselbe erlitten hätten, was heute die Volksdeutschen an
der Wolga erleiden, wenn nicht der Führer unerhört drängend jetzt
die Überführung dieser 1/2 Million Volksdeutscher befohlen und
erwirkt hätte.
 

Und nun zum Kriege selbst.
Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass alle Dinge der letzten
Jahre in einem unerhört organischen Zusammenhang stehen,
alle militärischen und politischen Dinge, und dass die Voraussetzung
und die Konsequenz dieses Krieges das ganz klare harte
Durchziehen bis zum Letzten ist, um dies Reich zu erhalten und
zu formen und zur Größe zu bringen. Denn alle politischen
Zwischenspiele, ob diplomatischer, außenpolitischer oder anderer
Natur, waren nur ein Beiwerk der großen klaren Dinge, nämlich jener
Dinge, dass die Feinde des Reiches – geführt von Juden und
Freimaurern – letzten Endes sich das Ziel gesetzt hatten, dieses
aufstrebende Deutschland in seiner inneren Ideenführung des
Nationalsozialismus zu vernichten, dieses Deutschland als Gefahr
für die Weltpläne des Judentums dieser Welt hinzustellen, und dass
daher alles getan werden müsse, um dies Deutschland klein und
kaputt zu machen. Aus dieser Erkenntnis heraus, dass in der Geschichte des Deutschen Reiches immer dann, wenn der Jude
glaubt, uns am Boden zu haben, irgendwo aus diesem deutschen
Raum, dieser deutschen Menschen einer aufstand, der mit
einer unerhörten Ideen- und Persönlichkeitskraft diese Deutschen
packte, zu einer Einheit verschmolz und sie dann letzten
Endes zur Größe und zur Überwindung der Gefahren führte. Der
Jude wusste, dass dann diese deutsche Entwicklung gestört oder
gehindert werden konnte, wenn aus dem deutschen Raum selbst
der Dolchstoß kam.
 

Räume halten und beherrschen

Und nun haben wir unter der Führung des Führers unendlich
viel Räume in Europa besetzt als militärische Voraussetzung für
die weitere Führung und siegreiche Beendigung des Krieges. Wir
wollen uns darüber im klaren sein, dass diese Besetzung dieser
Räume jedenfalls in vielen Gebieten nicht eine vorübergehende,
sondern eine endgültige sein wird, wobei es gleichgültig ist, wie
die Form des Kontaktes dieser Räume zu uns werden wird. Das
heißt aber, die Zukunft des Reiches hängt nach Beendigung dieses
Krieges von der Fähigkeit des Reiches und von der Fähigkeit der
Menschen dieses Reiches ab, diese Räume zu halten, zu beherrschen
und gegebenenfalls mit dem Reich zu verschmelzen, sie
hängt also ab von der Art, wie wir in der Lage sind, diese Menschen
zu behandeln, zu führen und zu verschmelzen.
 

Wir müssen hier eigentlich drei große Gruppen unterscheiden: Das eine sind die Räume mit germanischen Menschen, das sind jene Menschen, die unseres Blutes und daher an sich unseres Charakters sind. Es sind
jene Menschen, die durch eine schlechte politische Führung und
Einfluss des Judentums irgendwie verbogen sind, die erst langsam
zurückgeführt werden müssen zu den Grundelementen des Gegenwartsdenkens.
Es sind das die Räume: Norwegen, Holland, Flandern,
sowie in späterer Zukunft Dänemark und Schweden. Es sind
jene Räume, die germanisch besiedelt sind und die in irgendeiner
Art, darüber müssen wir uns hier im Klaren sein, ob im Staatenbund,
Gau oder sonst wie uns gehören werden. Es ist klar, dass wir
diesen Menschen gegenüber eine ganz andere Art der Behandlung
finden und finden müssen als gegenüber den andersrassigen, slawischen und ähnlichen Völkern. Der Germane muss hart angepackt
werden, gerecht, aber er muss menschlich in ähnlicher Form wie
unser Volk geführt werden, wenn man ihn auf die Dauer im Reich
halten und ihm verschmelzen will.
 

Das zweite sind die Osträume, die zum Teil slawisch besiedelt
sind, in denen man wissen muss, dass Güte als Schwäche ausgelegt
wird, und in denen der Slawe selber gar nicht will, dass er gleichberechtigt
behandelt wird, wo er gewöhnt ist, dass der Herr sich mit
ihm nicht gemein macht. Das sind also die Räume, die wir nun im
Osten zu führen und zu behalten haben, in denen eine deutsche
Oberschicht nach der militärischen Entwicklung bis weit nach
Russland hinaus, bis weit an den Ural einmal in der ganz klaren
Führungsform als Rohstoffbasis, als Arbeiter für große, auch Kultur-
Aufgaben, als Heloten, wenn ich es ganz drastisch sagen will,
für uns eingesetzt werden muss.
 

Die rassisch besten Elemente sind die Esten...

Das sind die Räume, die man eigentlich behandelt wie die
Eindeichung neuen Landes an der Küste, indem man ganz im
Osten einen Wehrwall zieht von Wehrbauern, um dieses Land einmal
abzuriegeln gegen die Sturmflut Asiens, und dass man es dann
durch Querwälle unterteilt, um allmählich diesen Boden für uns zu
gewinnen, indem man weiterhin am Rande des eigentlichen
Deutschland, das von deutschem Blut besiedelt wird, immer langsam
einen deutschen Wall vorlegt nach dem anderen, damit man
nach dem Osten hinaus durch deutsche Menschen, die deutschen
Blutes sind, die deutsche Besiedlung vortragen kann. Unter diesem
Gesichtspunkt mögen Sie im Osten alle die Aufgaben sehen, die
wir nun dort zu erfüllen haben. Der erste Wall, von diesem Protektoratsraum will ich nachher sprechen, wird im Osten durch die
beiden Provinzen Danzig-Westpreußen und Warthegau gebildet,
die, zusammen mit Ostpreußen und mit schlesischen Teilen, vor
etwa einem Jahr noch eine Vollbesiedlung von fast 8 Millionen
Polen hatten, das sind die Räume, die nun ganz systematisch
deutsch besiedelt werden müssen, um Stück um Stück und Zug um
Zug das polnische Element heraus zu stoßen. Das sind die Räume,
die einmal ganz deutsch besiedelt werden müssen. Dann immer
weiter nach dem Osten, das Baltenland, das einmal ganz deutsch
besiedelt sein muss, wobei man sich überlegen muss, welche
Blutsteile beim Letten, Esten und Litauer rückdeutschungs- und
eindeutschungsfähig sind. – Die rassisch besten Elemente sind die
Esten – die schwedische Einflüsse haben –, dann die Letten und am
schlechtesten sind die Litauer.
 

Dann kommt der groß-polnische Raum, der das nächste Gebiet
ist, das man ganz allmählich deutsch besiedeln muss, aus dem das
polnische Element allmählich nach dem Osten verdrängt werden
muss. Dann kommt die Ukraine, die auch zunächst mit einer
gewissen Mittellösung allmählich aus dem großrussischen Raum
unter Anwendung und Ausnutzung der gewissen noch im Unterbewusstsein schlummernden völkischen eigenen Gedanken als große Rohstoff- und Ernährungsbasis unter deutscher Führung weiter
leben soll. Ohne dass man etwa diesem Volk dort eine kulturelle
Festigung oder Stärkung geben kann, ohne dass man dort eine große
Intelligenz aufbauen sollte, damit nicht etwa daraus eine Opposition
in späteren Zeiten herangezogen wird, die dann in vielen
Jahren unter einer schwachen Führung sich wieder lösen kann.
Im großen und ganzen gilt also hier in diesen Osträumen der alte
Kolonisationsgedanke, der aber im Gegensatz zur früheren Kolonisation
der Ordensritter und baltischen Barone den Gedanken hat,
dass die Kolonisation von uns getragen wird, vom Blut, und dass der
alte Gedanke im Osten, der Ordensgedanke der Ordensritter wach
wird, als die Etappe für die Beherrschung des Raumes, den wir
nicht voll besiedeln können. Und nun – wenn Sie diese gesamten
Dinge sehen, wird Ihnen klar sein, dass man diesen böhmisch-mährischen Raum auf die Dauer nie in einer Gestalt lassen darf, die es überhaupt dem Tschechentum ermöglicht, zu sagen, dass es ihr Raum sei. Hier gibt es nur eins, dass man in Erkenntnis des Lebenswichtigen und Vordringlichen sich zunächst einmal erinnern
wird, welche geschichtlichen Fundamente liegen in diesem Raum,
und dass man sich schlüssig wird, was macht man hier einmal.
Woraus ist dieser Raum gewachsen. Woher sind die Menschen,
wohin gehören sie usw.
 

Dazu möchte ich kurz einmal streifen, es wird für Sie hoffentlich
nichts Neues sein, aber ich möchte er doch umreißen: Wir müssen
uns klar sein, dass in der deutschen Geschichte Böhmen-Mähren ein
Herzstück des Reiches war, ein Herzstück, das in positiven Zeiten
stets ein Bollwerk des Deutschtums war, dass es in der Zeit der
Kolonisation die Wacht nach dem Osten war, dass letzten Endes –
das dokumentiert auch die Entwicklung auf kulturellem Gebiet – es
immer und immer in guten Zeiten die Festung war und, wie Bismarck
sagte, die »Zitadelle Europas«. Das wird auch begründet
dadurch, dass die erste Reichsuniversität vor Krakau und vor Wien
hier in Prag gegründet wurde. Wenn Sie nun die Dinge sich
genauer betrachten, so wird Ihnen eindrucksvoll klar, welch
schicksalhafte Dynamik dieser Raum für Deutschland und die
deutsche Geschichte hat. In den Jahren deutscher Geschichte, die
wir einmal übersehen wollen, kommen die Dolchstösse für den
Niedergang des Reiches in den meisten Fällen aus diesem Raume
heraus. Ob das nun ein Marbod aus Böhmen ist, der gegen Armin
den Cherusker vorging, ob das die Slawenapostel Cyrill und Methode
waren, die unter religiös-kirchlichen Gedankengängen der
Ostkirchen diesen Raum loslösen, auf kirchlichem Wege ihn an den
byzantinischen Gedanken bringen wollten, ob das die äußerlichen
Anfänge des 30jährigen Krieges durch den Fenstersturz zu Prag
sind, oder ob es in dieser Zeit der Versuch ist, durch illegale
Widerstandsbewegungen das Reich zu gefährden und in seinem
entscheidenden Schicksalskampf gegen den Bolschewismus nun
hier dem Reich in den Rücken zu fallen.
 

Meine Herren! Das sind alles Dinge, die eine ganz klare logische
Aneinanderreihung von gleichen Gedanken und Geschehnissen
sind, das sind die gleichen Elemente des Dolchstosses, die aus diesem
Raum herauskamen. Desgleichen aber umgekehrt ist immer
da, wo die Reichsführung erkannte, dass dieser Raum entscheidend
ist, Böhmen und Mähren gleichzeitig ein Teil, ein schicksalhafter,
entscheidender Anteil an positiver Planung der Geschichte. Es sind
die Namen, die in der Ostkolonisation eine Rolle spielen. Ob
König Ottokar letzten Endes in der Ostkolonisation als Stoßtrupp
gegen Osten bis Königsberg vorging und diese Stadt gründete, ob
es die Zeit Karls IV. ist oder ob es die Kämpfe Friedrich des
Großen sind oder der Kampf von Königgrätz oder ob es heute dann
die unendlich geschichtliche und schicksalhafte entscheidende
Führungsgewalt Adolf Hitlers ist, der in zwei Etappen diesen Raum
nun endgültig gewinnt.
 

Und nun zu der augenblicklichen Situation. Ich sagte, wir erleben
heute entscheidend die Entwicklung zum neuen Dolchstoß.
Wir haben in den letzten Wochen durch Sabotage-, durch Terrorgruppen,
durch Vernichtung der Ernte, durch Langsamarbeiten,
durchgesteuert von der Londoner Propaganda, geduldet und gefördert
von der Protektoratsregierung, organisiert in einer ganz klaren
Großlinien-Widerstandsorganisation, die Entwicklung, die – wenn
auch nicht zu einem aktiven Aufruhr kommend – doch ganz systematisch
vorbereitend alles tat, was zu dem Moment bereit stehen
sollte, wenn nach dem Glauben der tschechischen und Londoner
Regierung die Zeit kommt, diesen Raum in eine gefährliche Unruhe
zu bringen zum Schaden des Reiches. Selbst wenn es nur das
Eine ist, dass der Feind diese tschechische Bevölkerung so in
Aufruhr bringt bzw. bringen will, dass wir einen empfindlichen Verlust
an Arbeitsleistung in der Rüstung, eine empfindliche Unruhe
haben, die letzten Endes Vorbild hätte sein können für die übrigen
besetzten Gebiete.
 

Bekämpfung aller tschechischen Selbstständigkeit

So ist der Zustand der letzten Wochen so gewesen, dass man nur
sagen kann, die Einheit des Reiches war eindeutig gefährdet, dieser
Raum war in einer Situation, die unter der Oberfläche derart
gärte, dass man nur sagen kann, hier musste rechtzeitig zugepackt
werden. Und ich möchte ganz offen sagen: Die Schuld liegt nicht
nur beim Gegner, die Schuld liegt auch bei uns Deutschen, weil in
diesem Raum nicht alle Deutschen, die hier hineinkamen, von dem
Gedanken beseelt waren, dass das ein Kampffeld, ein Kampfraum
ist, wo jeder einzelne Deutsche ohne Rücksicht auf irgendwelche
Kompetenzfragen auch als Kämpfer siegen muss für das Deutschtum.
Jeder Deutsche, der hier hervorragt, muss sich als politischer
Soldat des Führers fühlen, er muss in der Grundlinie dieses Raumes
vollkommen klar sehen, er muss wissen, dass die Grundlinie die
Sicherung dieses Raumes, die Bekämpfung aller tschechischen
Selbständigkeit ist, und er musste in der Einzelbehandlung erkennen,
dass der Tscheche Slawe ist, dass auch der Tscheche jede Güte
nur als Schwäche auslegt. Dass es ein Wahnsinn ist, im Einzelfall
nachzugeben, dass der andere das nicht anerkennt, sondern immer
sofort nachstoßend dieses Nachgeben als Schwäche auslegt und
zum anderen Mal mit einer größeren Forderung kommt.
 

Darüber hinaus ist aber die Voraussetzung in diesem Raum, dass
man nicht glaubt, was leider der Deutsche sehr oft tut, er sei in
einem deutschen Raum, als wäre es genau so eine Provinz wie im
Reich und dass man mit denselben Verwaltungsmethoden hier nun
vom Tisch verhandeln könne, was nie und nimmer geht. Die
Verwaltungseinteilung dieses Raumes, von deutscher Seite aus
gesehen, ist lediglich eines der Mittel und Methoden, diesen Raum
endgültig zu beherrschen und zu führen. Es ist eine Apparatur, die
keineswegs zu vergleichen ist mit der Verwaltungseinteilung und
den Verwaltungsmethoden, die im Reich gültig sind, deutschen
Menschen gegenüber. Dazu kommt aber einmal als Grundlage der
Gedanke: Alles Handeln hier von deutschen Menschen in diesem
Raum kann nur ganz eindeutig ein gleichgerichtetes sein, nämlich,
dass wir im Augenblick aus kriegswichtigen und taktischen Gründen
den Tschechen in gewissen Dingen nicht zur Weißglut und zum
Verbrennen bringen dürfen, dass wir im Moment aus bestimmten
taktischen Gründen hart sein müssen, aber doch so zu handeln
haben, dass er nicht – weil er keinen Ausweg mehr weiß – nun zum
endgültigen Aufstand etwa glaubt gehen zu müssen.
Aber die Grundlinie muss für all dieses Handeln unausgesprochen
bleiben, dass dieser Raum einmal deutsch werden muss, und
dass der Tscheche in diesem Raum letzten Endes nichts mehr verloren
hat. Das sind Dinge, die meine Aufgabe hier in zwei ganz
große und klare Etappen und Aufgabengebiete teilen. Das Eine ist
die kriegsmäßige Nahaufgabe und das Zweite ist die Einleitung
einer weitsichtigen Endaufgabe. Die erste, die Nahaufgabe ist
diktiert von den Notwendigkeiten der Kriegsführung. Ich brauche
also Ruhe im Raum, damit der Arbeiter, der tschechische Arbeiter,
für die deutsche Kriegsleistung hier vollgültig seine Arbeitskraft
einsetzt und damit wir bei dem riesigen Vorhandensein von
Rüstungsindustrien hier den Nachschub und die rüstungsmäßige
Weiterentwicklung nicht aufhalten.
 

Dazu gehört, dass man den tschechischen Arbeitern natürlich das
an Fressen geben muss – wenn ich es so deutlich sagen darf, dass er
seine Aufgabe erfüllen kann. Es gehört aber auch dazu aufzupassen,
dass der Tscheche nach seiner Eigenart nicht diese Notlage des
Reiches benutzt, um für sich privaten und eigenen tschechischen
Sondernutzen herauszuholen. Diese Nahaufgabe setzt voraus, dass
wir zunächst einmal den Tschechen zeigen, wer Herr im Hause ist,
dass er genau weiß, hier diktiert das deutsche Interesse und hier ist
letzten Endes entscheidend das Reich. Das Reich, vertreten durch
seine Führung in diesem Gebiet, also auch durch Sie, meine Herren.
Das Reich lässt nicht mit sich spaßen und ist eben Herr im Hause,
d.h., dass auch nicht ein einziger Deutscher dem Tschechen etwas
vergibt, etwa in derselben Art wie im Reich beim Judentum, dass es
keinen Deutschen gibt, der sagt, der Tscheche ist aber anständig.
Das war das Problem bei der Judenfrage im Reich. Sie können
sich vorstellen, was so mit der Lösung der Judenfrage geworden
wäre. Wenn hier also einer sagt: Der ist aber anständig, den müssen
wir ausnehmen – wenn wir nicht alle in der Gesamthaltung,
sichtbar und nach außen gegen das Tschechentum eine Front bilden,
wird der Tscheche immer Hintertüren finden, durch die er sich
herausmogelt. Diese Frage, ob man vom Einzelnen sagen kann,
dass er tatsächlich ein anständiger Kerl ist, wird erst zur Erörterung
stehen, wenn wir darangehen, die weitsichtige Endlösung der Aufgabe
zu beginnen, also bei der Frage der Eindeutschung und diesen
Problemen.
 

Dazu darf eines nicht vergessen werden: dass wir
äußerlich, kulturell und das ist besonders wesentlich, uns keine
Blöße geben, so dass der Tscheche sich lustig machen kann darüber,
wie der Deutsche sich benimmt. Der Deutsche kann es sich nicht
erlauben, sich im Lokal die Nase zu begießen, sondern da müssen
wir ganz offen sein: dass einer sich die Nase begießt, dass er aus sich
heraus kann, da wird keiner etwas dagegen sagen, aber er soll das
in seinen vier Wänden tun oder im Kasino.
Der Tscheche muss sehen, dass im Dienst oder privat sich der
Deutsche bewegen kann, dass er ein Herr ist vom Scheitel bis zur
Sohle. Und ich habe deswegen angeordnet, dass wir hier in Prag
eine zentrale deutsche Polizei-Wache bekommen, die sich vor allem
darum kümmert, dass auch die Deutschen in diesem Raum sich
ordentlich benehmen. Denn der Deutsche, der nicht führungsmäßig
erzogen ist, der fühlt sich wohl als Herr im Hause, aber in der
falschen Sicht und benimmt sich zum Schaden des Reiches mehr,
als er glauben kann.
 

Die Presse schreibt, was ich brauche...

Dazu kommt weiterhin, dass ich erwarte, dass wir in der Behandlung
des Tschechentums uns im klaren sind, dass auch bestimmte
taktische Voraussetzungen notwendig sind. Wenn ich z.B. eine
Presseanordnung treffe, hat sie ohne zu mucken die Dinge zu
schreiben, die ich brauche. Trotzdem werde ich selbstverständlich
mit diesen Tschechen ein nettes gesellschaftliches Verhältnis
führen, wobei ich immer aufpassen muss, dass ich die Schranken
nicht überschreite, dass ich in jedem Augenblick mir sage: Pass auf,
es sind aber Tschechen! Verstehen Sie? Dass man bei der taktischen
Notwendigkeit, mit Tschechen, die uns dienstbar sind, zusammenkommen,
auch dann immer zurückkommt auf den Gedanken: Es sind aber Tschechen!
 

Das Zweite ist dann, das ist das Wesentlichste, dass wir bei aller
Härte uns wirklich um die Dinge kümmern, die tatsächlich nicht in
Ordnung sind. Denn es hat ja keinen Zweck, dass ich auf dem
Tschechen herumknüppele und ihn mit aller Mühe und polizeilichen
Einflussnahme dazu bringe, an seine Arbeit zu gehen, wenn er
tatsächlich nicht das bekommt, was er braucht, um die physischen
Kräfte zu haben, seine Arbeit zu verrichten. In dieser Richtung ist
auf Vorschlag von Staatssekretär Frank eine Besprechung beim
Führer gewesen unter Zuziehung von Staatssekretär Backe, und
wir werden voraussichtlich, ich bitte dies alles für sich zu behalten
bevor es herauskommt, weil es propagandistisch entsprechend
aufgemacht werden muss, wir werden voraussichtlich zu einer Erhöhung
der Fettrationen bei den tschechischen Arbeitern kommen,
die etwa um 400 g herum liegt, das ist eine Summe, die sich sehen
lassen kann.
 

Und nun, meine Herren, ein paar Gedanken zur Endlösung, die
ich auch bitte, ja für sich zu behalten, die ich Ihnen aber sagen
möchte, weil Sie sie wissen müssen, um bei der Nahaufgabe keine
Fehler zu machen. Meine Herren, die Endlösung wird folgendes
mit sich bringen müssen:
1.) dass dieser Raum einmal endgültig deutsch besiedelt werden
muss. Dieser Raum ist ein Herzstück des Reiches und wir können
nie dulden – das zeigt die Entwicklung der deutschen Geschichte
–,dass aus diesem Raum immer wieder Dolchstöße gegen das Reich
kommen. Zur endgültigen Eindeutschung dieses Raumes will ich
nicht etwa sagen: Wir wollen nach alter Methode nun versuchen,
dieses Tschechengesindel deutsch zu machen, sondern ganz nüchtern:
Das setzt schon bei den Dingen an, die heute bereits getarnt
eingeleitet werden können. Um zu übersehen, was von diesen
Menschen in diesem Raum eindeutschbar ist, muss ich eine
Bestandsaufnahme machen in rassisch-völkischer Beziehung. D.h.
also, ich muss durch die verschiedensten Methoden, mit den
verschiedensten Hintertürchen die Gelegenheit haben, diese Gesamtbevölkerung
einmal völkisch und rassisch abzutasten. Ob mit
dem Röntgensturmbann, durch Untersuchung einer Schule oder ob
ich die Jugend bei der Bildung eines angeblichen Arbeitsdienstes
rassisch überhole – ich muss ein Gesamtbild des Volkes haben und
dann kann ich sagen, so und so sieht die Bevölkerung aus. Da gibt
es folgende Menschen: Die einen sind gutrassig und gutgesinnt,
das ist ganz einfach, die können wir eindeutschen. Dann haben wir
die anderen, das sind die Gegenpole: schlechtrassig und schlecht gesinnt.
Diese Menschen muss ich hinausbringen. Im Osten ist viel Platz.
Dann bleibt in der Mitte nun eine Mittelschicht, die ich genau
durchprüfen muss. Da sind in dieser Schicht schlechtrassig Gutgesinnte
und gutrassig Schlechtgesinnte. Bei den schlechtrassig Gutgesinnten
– wird man es wahrscheinlich so machen müssen, dass
man sie irgendwo im Reich oder irgendwie einsetzt und nun dafür
sorgt, dass sie keine Kinder mehr kriegen, weil man sie in diesem
Raum nicht weiter entwickeln will. – Aber nicht vor den Kopf
stoßen! Es ist dies ja alles nur theoretisch gesehen. Dann bleiben
übrig die gutrassig Schlechtgesinnten. Das sind die gefährlichsten,
denn das ist die gutrassige Führerschicht. Wir müssen hier überlegen,
was wir bei diesen machen. Bei einem Teil der gutrassig
Schlechtgesinnten wird nur eines übrig bleiben, dass wir versuchen,
sie im Reich in einer rein deutschen Umgebung anzusiedeln, einzudeutschen und gesinnungsmäßig zu erziehen oder, wenn das
nicht geht, sie endgültig an die Wand zu stellen; denn aussiedeln
kann ich sie nicht, weil sie drüben im Osten eine Führerschicht
bilden würden, die sich gegen uns richtet.
 

Das Primäre ist die Behrrschung

Das sind die ganz klaren grundsätzlichen Gedanken, die wir uns
als Leitlinie nehmen müssen. Und wann das geschieht, das ist eine
Frage, die der Führer entscheiden muss. Aber die Planungen und
das Rohmaterial zusammenzutragen, das sind Dinge, die wir schon
einleiten. Wir müssen das Material prüfen, wir haben die vorhandenen
Möglichkeiten auszunutzen. Das Bodenamt z.B. kann, politisch
umgekehrt eingesetzt wie es die Tschechen einmal getan haben,
uns heute schon in Form eines Gerippes so unendlich viel geben,
dass ich glaube, in der kurzen Zeit, die ich wohl hier sein werde,
schon manchen Grundstock für Volkstumsdinge legen zu können.
Dazu kommt noch ein Weiteres: Wir müssen uns darüber klar
sein, dass diese Dinge nur möglich sind in dieser ganzen Planungszeit,
in dieser Nahkampfzeit, wenn diese Dinge auch einheitlich
gesteuert und geplant werden. Es ist selbstverständlich klar, dass die
verschiedenen Kreisleiter z.B., die nun zu den vier Gauen gehören,
selbst in der Gesamtlinie denken und planen, die dem Gau auch
nützt. Ich möchte aber doch, dass Sie zunächst einmal sehen: Das
Primäre ist die Beherrschung und die endgültige Bezwingung
dieses Raumes, für die spätere Verteilung – meine Herren und Parteigenossen - dazu ist nachher Zeit genug.
 

Zunächst muss dieser Raum bewältigt werden, das kann ich nicht, wenn er nicht zentral gesteuert wird. Ich kann nicht die Tschechen nach vier verschiedenen Untermethoden behandeln.  Ich werde bestimmt allen Wünschen und Notwendigkeiten der Gaue in allen Dingen entgegenkommen.

Nur in einem Punkt werden Sie bei mir kein Gehör
finden, und zwar in dem Punkt, wo das Primäre, nämlich die
Notwendigkeit der Bezwingung und letzten Endes die Festigung
dieses Raumes gestört wird. Aber ich nehme an, dass Sie Nazis sind
und der Nazi weiß schließlich, dass das Gesamtinteresse des Reiches
das Primäre ist und dass erst dann das eigene Interesse kommt.
(...) Das weitere wird sein, dass wir auf der einen Seite die Arbeiterschaft
und die wirklich für uns wichtigen arbeitenden Menschen
in einer gewissen Form zur Ruhe bringen. Wir können das tun
durch gewisse propagandistische Mätzchen, durch kleine Verlautbarungen über Versorgungsfragen, über Kontrolle dieser Dinge
z.B., wobei ich ganz ehrlich sage, dass viele böhmisch-mährische
Verbände tatsächlich einer ausgesprochenen Kontrolle und Prüfung
bedürfen.
 

Wenn etwas nicht klappt, ist diese tschechische Verwaltung
schuld. Deswegen werden wir in grundsätzlichen Dingen nie die
Verantwortlichkeit bestimmter Ressorts übernehmen – vielmehr
den Tschechen sagen, das habt Ihr selbst auszubaden. Dann wird
die Linie sein, dass alles Gute das Geschenk des Reiches an
die unbotmäßige Bevölkerung ist. Wenn wir es praktisch auf
diese Weise versuchen werden, werden wir es schaffen, über die
Kriegszeit hinwegzukommen, im Stillen schon planend und
Fundament legend für eine Endlösung.