Historischer Hintergund des Military Tattoo
Die Bands und Musiker der britischen Armee sind eine Erinnerung an die Pracht und die Herrlichkeit vergangener Tage. Sie erfüllten aber durchaus einen praktischen Zweck. Für die meisten Leute bedeutet militärische Musik nicht mehr als von einer Militärkapelle an einem Sommerabend im Park unterhalten zu werden oder sie bei einem offiziellen Anlass oder königlichem Besuch zu sehen und zu hören. Oder sie kennen vielleicht das Edinburgh Military Tattoo, das alljährlich von durchschnittlich 200.000 Menschen besucht und von geschätzten 100 Millionen Fernsehzuschauern gesehen wird.
Bei diesen Veranstaltungen scheinen die Musiksoldaten, die alle in farbenfrohen und prächtigen Uniformen antreten, den Eindruck zu bekommen, Teil einer Darbietung zu sein, die zwischen Zirkus und Spielzeugkiste angesiedelt scheint. Tatsache ist trotzdem, dass die Bands der britischen Armee, die Melodien, die sie spielen und die Farben, die sie tragen eine hörbare und visuelle Verkörperung ihrer Traditionen und Leistungen denen sie angehören, repräsentieren. Die schottischen Regimenter, die mit all dem bestens versorgt sind, sind stolz darauf, ein sogar noch größeres Erbe an Dudelsackmusik zu besitzen.
Pflicht und Unterhaltung
Vom historischen Standpunkt gesehen, erfüllte militärische Musik zwei umfangreiche Funktionen im Leben eines Soldaten. Zunächst als eine Begleitung seiner Pflichten und zum anderen als Quelle für Unterhaltung und Prestige. Traditionell versorgten Trommeln und Querpfeife den ersten Aspekt und die Militärkapelle den letzteren. Aber der schottische Soldat hatte sein eigenes, einzigartiges und einheimisches Instrument, das beide Aufgaben und mehr erfüllte: die imposanten Highland War Pipes. (Anmerkung: Die Highland Pipes bestehen aus einem Sack (Bag), der über ein Mundstück (Blow Pipe), in welchem sich ein Rückschlagventil befindet, mit Luft befüllt werden kann. An diesen Sack sind drei Bordunpfeifen (Drones) und eine Melodieflöte (Chanter) angeschlossen).
Heute ist militärische Dudelsackmusik unerreicht und der schmucke Dudelsackspieler im vollen Ornat versinnbildlicht den starken „Jock“ (synonym für schottischer Soldat). Aber das war nicht immer so. In der Vergangenheit klammerten sich die schottischen Regimenter nur in Momenten höchster Not an ihre altehrwürdige Musik, die ihnen seit Jahrhunderten Inspiration und Trost gab.
Im alten Highland Clan System stand der “Piper” an vierter Stelle zum Clanführer und war daher hoch angesehen. Dieses Clan- oder Familiengefühl war immer schon bei den schottischen Regimentern ausgeprägt; besonders bei denen, die aus den Highlands kamen und man erwartete geradezu, dass der „Piper“ seine traditionellen Privilegien und Respekt genoss.
Kriegsnministerium fordert Verbannung der Pipe
Leider wurde diese Sichtweise nicht von den Herren im Kriegsministerium in London geteilt, die absolut nicht einsehen wollten, warum diese “Wilden“ im Norden Englands nicht wie jeder andere in der Armee zu den traditionellen englischen Flöten und Trommeln kämpfen und marschieren sollten. Die jährlich auftauchenden inspizierenden Offiziere forderten unnachsichtig, die Verbannung der Dudelsackmusik und ebenso unnachsichtig weigerten sich die die kommandierenden schottischen Offiziere Folge zu leisten.
Die Royal Scots, das älteste Regiment in der britischen Armee, hat eine lange Geschichte an Bag Pipe Musik und dennoch steht in den Geschichtsbüchern, dass im 17. Jahrhundert die “Pipers” vor den Inspektionen versteckt werden mussten. Natürlich war es in den schottischen Regimentern üblich, die „Pipers“ in den Stammrollen als Trommler und Flötenspieler zu deklarieren; auf diese Weise konnten sie einen Penny pro Tag für Sonderaufgaben kassieren. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts führten die Lovat Scouts und Scottish Horse ihre „Piper“ als Trompeter.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren die inoffiziellen und heimlichen “Piper” innerhalb des Bataillons auf je eine Kompanie verteilt und spielten für ihre Kameraden an der Spitze der Marschordnung, bei Paraden oder in der Schlacht. Anfangs waren sie gekleidet wie die einfachen Soldaten; das bedeutete bei den Highland Regimentern roter Mantel, Kilt und Kappe mit Feder.
Aber der besondere Status der „Piper“ wurde durch die Bewahrung des Säbels, der an einem schwarzen Ledergürtel hing, ein stattlicher Dolch und der Plaid (schott.: Decke), einer relativ dünnen, häufig gemusterten Wolldecke zum Ausdruck gebracht. Alles Gegenstände, die schon lange vorher ausgemustert worden waren.
Offiziere begleichen die Kosten
Schließlich, 1854, beschloss das Kriegsministerium den Highland Regimentern widerwillig je einen „Pipe“ Offizier und fünf „Piper“ zu gestatten. Für die Lowland Regimenter ging jedoch der Kampf um die Anerkennung weiter. Regimentern wie den King's Own Scottish Borderers und den Cameronians (Scottish Rifles), die obwohl sie als englische Linienregimenter gekleidet waren, eifersüchtig an ihren „Pipes“ festgehalten hatten, wurde dies immer noch offiziell verwehrt. Das Beste, was sie erwarten konnten, war, dass die Vorgesetzten darüber hinwegsehen und hören würden, so lange Instrumente, die Sonderuniformen und Bezahlung nicht vom Verteidigungsetat bezahlt wurden. Das bedeutet letztendlich, dass die Offiziere für dies Kosten aufkommen mussten.
Ungefähr zu diesem Zeitpunkt begannen die Kompanie „Piper“ und die Regimentstrommler zusammenzuspielen, unisono als „Pipe und Drum Band“. Jetzt wurde auch die Uniform der „Piper“ mit der Einführung des grünen Wams, wie wir ihn heute kennen, aufgewertet. Der Säbel mit dem schwarzen Gürtel und der Plaid blieben, aber die gefederte Mütze wurde durch die „Glengarry Mütze“, einer bootsförmigen, klappbaren Kappe, die mit einer schwarzen Hahn Feder geschmückt wurde, ersetzt.
Die Rolle der “Piper” im täglichen Leben der Armee bedeutete immer mehr als nur die Parade anzuführen, oder zum Kampf anzustacheln. Natürlich war es die Schlacht, die den Dudelsack zum Kampfinstrument stilisierte. Seine Wirkung war so gewaltig auf die nachfolgenden Kämpfer, dass sie in zahlreichen Schlachten die Schotten die Extraportion Motivation gaben und so den Tag und die Schlacht retteten.
Von der Reveille zum "Lights Out"
Aber bis zum heutigen Tag regeln die “Piper” in den Camps und Kasernen den Tagesablauf der schottischen Soldaten: von der Reveille, dem Weckruf, mit „Hey, Johnnie Cope", bis zum Mittagsruf "Brose and Butter" oder "Bannocks and Barley". Im weiteren Tagesverlauf riefen sie die Männer zum Appell, zur Parade oder anderen Pflichten. Melodien wie "Retreat," "Tattoo" and finally "Lights Out" ("Sojer Lie Doon on Yer Wee Pickle Straw") beendeten den Tag.
Wenn der “Piper” die nationalen und spirituellen Bedürfnisse der Männer erfüllte, so war die Aufgabe des Trommlers eher eine funktionale. Sein Spiel hielt die Marschordnung aufrecht und war während der Schlacht die Stimme seines Kommandeurs. In den Tagen der „Fuß an Fuß“ Kriegsführung zwischen großen, eng gestaffelten Infanterieabteilungen, war das Schlachtgetöse immens und die Trommler Korps, die hinter den Linien aufgestellt waren, trommelten unisono und gaben dadurch Richtungsänderungen und Geschwindigkeit an die kämpfende Truppe weiter.
Die Trommeln hatten eine besondere Bedeutung und trugen häufig besondere Embleme und Auszeichnungen, waren sie doch der vernehmbare Geist des Regiments, sozusagen ihr Herzschlag. Natürlich waren die Musiker gleichermaßen privilegiert und trugen besondere Uniformen und Soldzulage. Bis ins frühe 19. Jahrhundert trugen Trommler seitenverkehrte Mäntel. Soll heißen, wenn ein Regiment rote Mäntel mit gelbem Kragen und Manschetten trugen, so wie die Gordon Highlander, dann trugen die Trommler gelbe Mäntel mit rotem Kragen und Manschetten.
Das Trommel Korps stand unter dem Kommando eines Drum Majors und wegen der besonderen Bedeutung war solch ein Drum Major immer ein Mann von beispielhafter Führung und Verhalten. Während des Marsches gingen die Trommler voran und an der Spitze der gesamten Kolonne ging der Drum Major, der den stolzen Geist und Erfolge des Regiments verkörperte. Häufig war dieser ein Mann besonderer Ausstrahlung und Aussehens. Schottische Regimenter hingegen waren grundsätzlich damit zufrieden, ihn mit einer eher auffälligeren Version der normalen Trommleruniform auszustatten, die obendrein mit einem symbolischen Trommlergürtel, der die Insignien und Auszeichnungen des Regiments trug, versehen war. In seiner Hand hielt er einen verzierten Stab, mit dem er die Trommler dirigierte.
Bugle ersetzt Trommel
Als die Kriegsführung flüssiger wurde, und die Bewegungen der Soldaten schneller abliefen, ersetzte man die Trommeln durch die weiter reichende Bugle, auch Clairon genannt, einer simplen Trompete ohne Ventile. Die Trommler verloren nicht an Ansehen, denn sie wurden nun angewiesen auf dieses neue Instrument umzusatteln. Von nun an mussten sie die täglichen Pflichten mit diesem Instrument anweisen.
In Light Infantry und Rifle Regimentern wurde das Clairon schon immer im Feld benutzt. Manchmal tauchte es sogar im Regimentsabzeichen auf. Separate Gruppen von Clairon Musikern ohne Trommeln waren ein besonderes Merkmal ihrer Militärkapellen und oft marschierten sie unter dem Kommando des Bugle-Majors voran, so wie bei den Highland Light Infantry und den Cameronians (Scottish Rifles).
Während die Kampagne zur Anerkennung der “Pipes” fortgesetzt wurde, gab es sie bereits einige Musikstücke. Das Kriegsministerium war nämlich zu der Überzeugung gekommen, dass Soldaten auf dem Marsch und im Camp aufgemuntert werden müssten und darüber hinaus wäre eine laute Band auch gut, um neue Rekruten anzuwerben.
Trotz ihrer nicht genehmigten “Piper” war es den schottischen Regimentern gestattet, eine eigene Kapelle samt Dirigenten zu formieren, die die „Jocks“ "The Sittin' Doon Band" nannten. Vor der Einführung der Klappenblechblasinstrumente (keyed brass) setzte sich die Instrumentierung aus harmonischen Blasinstrumenten, chromatischen Holzblasinstrumenten und Perkussionsinstrumenten kontinentalen und orientalischen Ursprungs zusammen wie zum Beispiel die Oboe, Tambourine, Zimbals und dem populären Jingling Johnnie, dem Schellenbaum. Dieses Instrument auch Turkish crescent genannt, hat seinen Ursprung vermutlich in China. Dort existierte bereits der "Chinesische Schellenhut" (französisch chapeau chinois). Dieser kam über Indien nach Kleinasien und fand bei den Türken in den Musikgruppen der Janitscharen großen Anklang. Zusammen mit den Schlaginstrumenten – Trommel, Becken – und dem Triangel wurde er durch rhythmisches Schütteln zur Takt bestimmenden und auch charakteristischen Begleitung der Melodie führenden Blasinstrumente. Später stießen Ventilblasinstrumente wie Kornett, Klarinette, Tuba und andere dazu.
Extra ausstaffierte Spielmänner
Spielmänner galten als eine Anerkennung des Regiments und wurden dementsprechend ausstaffiert. Weiße Waffenröcke tauchten um 1830 auf und waren mit ihren Federmützen, langen Tartanschärpen oder Schulterplaids sehr beeindruckend. Nach 1874 wurde die Kapelle, ähnlich wie die Mannschaften, mit roten Waffenröcken aber auch mit extra Tressen und einer Tasche, ähnlich der einer Patronentasche, an einem Schultergürtel, ausgerüstet.Fife & Drums (Querflöten und Trommeln)
Heute können die Rudimente ehemaliger Pracht der großen britischen Regimenter nur noch bei Musikkapellen und ihren Musikern entdeckt werden. Hier bewahren Individualität und die stolzen und ehrenvollen, wenn auch manchmal exzentrischen Unterschiede in Uniform und Brauch, ein letztes Bollwerk gegen Schmucklosigkeit und Standardisierung. Nirgendwo kann man dies so deutlich erkennen wie bei der Musik und den Uniformen schottischer Regimenter.
Die Geschichte der Fife and Drums verlief ganz anders wie von dem Kentish Guards Fife and Drum Corps zu erfahren war. Querflöte und Trommel sind prähistorische Musikinstrumente; sie waren einfach in der Formgebung und entstanden bevor der Mensch die Schrift erfand. In fast jeder Kultur wurden diese Instrumente in verschiedenen Formen und Kombinationen eingesetzt. Das erste Mal, dass beide Instrumente in der Form von Fife & Drums dokumentiert wurden, geschah in der Schweiz. In der Schweiz hießen diese Querflöten Schwegel (von althochdeutsch "suegala": "Schienbeinknochen") oder Natwärisch-Pfeife. Urprünglich wurden mit Schwegel verschiedene Arten von Längsflöten (Blockflöte) bezeichnet, die oft einhändig zugleich mit einer Trommel gespielt wurden. Die Schweizer hatten ihre Freiheit 1291 erkämpft und waren berühmt wegen der Tapferkeit und der Vorzüglichkeit ihrer Streitkräfte. Die Bedürfnisse der langen Märsche und das Lagerleben ermutigte die Entwicklung von Schwegel und Trommel als „Kriegsinstrument“ im 13. Jahrhundert. Der Rest Europas nahm bald Notiz von dieser neuen Musikform, als sie zum ersten Mal 1515 in der Schlacht von Marignano (bei Mailand) praktiziert wurde.
Marschieren im Gleichschritt zur Musik
Die deutschen Fürsten „adoptierten“ den Stil im 1. und 15. Jahrhundert. Um 1600 und 1700 sicherten sich die Franzosen die Dienste von schweizer Söldnern, die Fife & Drums auch in der französischen Armee einführten und diese nachhaltig beeinflussten. Während der Herrschaft von Königin Anne (1707 – 1714) war die englische Armee ein undisziplinierter und unorganisierter Haufen. Georg I. (1714 – 1727) aus dem Hause Hannover reorganisierte die Streitkräfte und zwang sie dazu im Gleichschritt zur Musik zu marschieren. Mit Ausnahme der schottischen Regimenter übernahmen nun die englischen Einheiten das System von Fife & Drums. Auch die englischen Kolonisten in Nordamerika übernahmen das neue englische Modell.
Die militärische Struktur sah nun vor, dass eine Kompanie von 100 Mann ein oder zwei Flötisten und Trommler besaßen. Wenn acht bis zehn Kompanien zu einem Regiment zusammengeschlossen waren, wurden deren Musiker zu einer Regimentskapelle formiert. So ist ein Fife & Drums Korps die Kapelle für ein Regiment von 800 – 1000 Mann. Das Regiment ist traditionell die größte Einheit, die „von einer Stimme“ kommandiert wurde und daher ist ein Fife & Drums Korps von 8 – 40 Musikern (typisch sind 16 – 20) die größte Formation, die sich historisch durchsetzte.
Die Musiker versorgten die Armee mit Melodien auf den Märschen. Napoleon erkannte schnell die motivierende Wirkung von Musik auf extremen Märschen. Daneben waren die Musiker natürlich auch trainiert, Befehle zu übermitteln. Das Lagerleben verlangte nach einer Reihe von musikalischen Signalen: Weckruf, Frühstückssignal, Signal zur medizinischen Untersuchung, Sammelsignal, Mittagstisch, Arbeitssignal, Abendessen, Zapfenstreich und Sperrstunde. Der Begriff „Tattoo“ stammt aus dem holländischen „die den tap toe“, was soviel bedeutet wie „Zapfhähne schließen“; die Soldaten sollten ihr Bier austrinken und zurück in die Kasernen gehen. Der Tattoo, auch Zapfenstreich, wurde gewöhnlich nur von den Spielleuten der Wachen, bei besonderen Anlässen jedoch von den Spielleuten der ganzen Garnison geschlagen und gespielt, wobei die Musikkorps meist durch verschiedene Straßen des Ortes geführt wurden.
Wenn die Armee kampierte, machte der Offizier vom Dienst immer in Begleitung eines Trommlers die Runde, um im Falle eines Angriffes sofort Alarm schlagen zu können, Offiziere und Unteroffiziere zu einer Besprechung zu rufen oder alle Spielleute zur gemeinsamen Übung „zusammenzutrommeln”. Im Gegensatz zur langläufigen Meinung, wurden keine Signale während einer Schlacht gegeben; abgesehen von „Feuer einstellen“ oder ähnlichen Befehlen. Das Schlachtfeld war zu laut und zu verwirrend und, wie die Franzosen schnell um 1750 herausfanden, konnte der Feind die gleichen Signale hören und verstehen. Manchmal marschierten die Spielleute vor ihrer Armee im Angesicht des Feindes auf, um ihn zu verspotten. Zur Anfeuerung der Truppe zogen sie es jedoch vor, aus sicherer Deckung heraus zu spielen.
Befehle durch verschiedene Melodien geben
Musikalische Befehle wurden dennoch gegeben, um die Truppen auf das Schlachtfeld oder vom Schlachtfeld zu lotsen. Signale wurden gegeben, um Formationen zu bilden, Formationen zu wenden, nach rechts oder links zu schwenken, zu halten, oder vorwärts zu gehen, zu extrahieren oder enger zusammen zu gehen. Alle diese Befehle wurden durch verschiedene Melodien übermittelt. Auch auf dem Marsch konnte so die Kolonne verlängert oder verkürzt werden. Ein wichtiges tägliches Ritual, egal ob auf dem Marsch oder im Lager, vor oder nach der Schlacht, war die Aufforderung zur Parade. Die Parade war die formelle Versammlung aller Regimentsangehörigen; hier wurden Truppen und Ausrüstung inspiziert, wurden Einsatzbefehle verlesen, Auszeichnungen und Bestrafungen verlautet, oder sonstige Ankündigungen kundgetan. Das „Trooping of the Colors”, eine Flaggenparade, vermittelte den Soldaten die Fahnen, denen sie im Felde zu folgen hatten. Musik spielte eine wichtige Rolle in diesem Jahrtausend alte Zeremonie; musikalische Befehle wurden zur Ankündigung des Rituals und zur Truppenbewegung auf dem Exerzierplatz übermittelt. Diese Parade, Versammlung oder Truppenmusterung ist auch das so genannte „Muster“, das traditionell viermal im Jahr abgehalten wurde, um die örtliche Miliz zu zählen, zu inspizieren und ihren militärischen Ausbildungsstand zu überprüfen.
Die britische Armee und die englischen Kolonialisten, die sich während der amerikanischen Revolution gegenüberstanden, setzten gleichermaßen Fife & Drums ein. Damit ist Fife & Drums Musik eng mit der Geburt der USA verbunden und wurde vom U.S. Militär bis zum Bürgerkrieg genutzt. Mit der Einführung von Schusswaffen wuchs auch schnell die Schützenlinie und Märsche wurden durch Truppentransporte per Bahn oder Schiff ersetzt und machten dadurch Fife & Drums überflüssig. Nach dem Bürgerkrieg wurde die Bugle oder Clairon, ein einfaches Blasinstrument, vorgezogen. Fife & Drums wurden noch bis 1921 von Marineabteilungen eingesetzt.
Zivile Fife & Drums Korps dagegen blühten um das Jahr 1876, der amerikanischen Hundertjahrfeier. Nostalgische U.S. Patrioten erweckten wieder diesen Musikstil, die sie so sehr mit ihrer Revolution in Bezug setzten. Viele lokale Milizkompanien wurden in freiwillige Feuerwehren umgewandelt und unterhielten städtische Fife & Drums Korps. Deren Musikstil rührte von den militärischen Wurzeln her, doch waren sie offen für neue Stile. Dieses zivil-patriotische Musikgenre entwickelte sich zu einer starken Folk Tradition und blieb es bis heute.
Lebendige Szene in den USA
Traditionelle Fife & Drums Korps beteiligen sich an Paraden und Tattoos, und manchmal auch an Wettbewerben, in denen sie ihre musikalische Kompetenz zum Ausdruck bringen konnten. Einige Korps spielten ausschließlich Folk orientierte Musik, die um 1870 entstand, andere wiederum widmeten sich ausschließlich Originalmusik aus der Zeit der Revolution oder dem amerikanischen Bürgerkrieg. Hauptsächlich sind diese Bands an der Ostküste zwischen Virginia und Massachusetts beheimatet, mit Schwerpunkt Connecticut. Es gibt eine Reihe von Musikkorps in der Schweiz, die den amerikanischen, den alten Stil verkörpern, wobei sich der Kreis wieder schließt.
Die Kentish Guards ist eine Milizkompanie, die 1774 in East Greenwich, Rhode Island gegründet wurde. Damals hatten sie zwei Flötenspieler und zwei Trommler, ausreichend für eine Kompanie. Die Kentish Guards wurden nie aufgelöst und sind damit die die 6. älteste Militärorganisation in ununterbrochener Folge in den USA. Im Laufe ihrer Geschichte hatten sie eine Reihe verschiedener Musikeinheiten und 1966 stellten sie eine Regiment starkes Fife & Drums Korps auf. Heute gibt es nur noch vier oder fünf Fife & Drums Korps in den USA, die Teil einer bestehenden militärischen Organisation sind: Die Kentish Guards, die Pawtuxet Rangers in Rhode Island, die Second Company Governor’s Footguard in Connecticut, und die Old Guard der 3. U.S. Army in Ft. Myers, Virginia.
Das Kentish Guards Fife & Drum Corps (KGF&DC) in East Greenwich trägt die Uniform so wie die Kentish Guards zwischen 1790 and 1820. Auf der kleine Trommel, Rührtrommel, Marschtrommel, Schnarrtrommel, bzw. Snare oder Snare Drum ist der “Winkel” der Kentish Guards’ Flagge zu sehen: ein rotes Feld mit einem Rhode Island Anker und unionistischem Adler; über dem Adlerkopf sitzen 16 Sterne und auf der Adlerbrust ist ein Schild mit 16 Streifen zu sehen. So wie die 16 Staaten sich zusammengeschlossen hatten, als um 1800 dieses Wappen entstand.
Das Korps spielt eine ganz Bandbreite von Musik. Angefangen bei traditioneller Fife & Drums Musik bis hin zu eigenen Kompositionen; darunter gehört eine Melodie, die 1774 von William Williams, dem ersten Fife Instruktor geschrieben wurde. The Kentish Guards Militia, eine per Gesetz bevollmächtigte militärische Organisation, gibt dem Kentish Guards Fife & Drum Corps viele Möglichkeiten, bei militärischen Zeremonien aufzuspielen.

















