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Die Lagergründung

Karte von Buchenwald
Buchenwald war mit seinen 130 Satelliten- und Außenlagern eines der größten Konzerntrationslager auf deutschem Boden. Es wurde im Juni 1937 wurde auf den bewaldeten Hängen des Ettersberges ungefähr 8 km von Weimar entfernt errichtet. Bereits die Benennung dieses Lagers bereitete der Weimarer NS-Kulturgemeinde ein Problem, da es sich in unmittelbarer Nähe zu Schloss und Park Ettersburg auf dem Ettersberg befand, was nun einmal untrennbar mit Goethe und damit der Weimarer Klassik verbunden war. Eine Benennung nach dem benachbarten Hottelstedt schied deshalb aus, weil sich dann die SS-Lagermannschaft mit einer geringeren Besoldung als ortsüblich hätte zufrieden geben müssen. Durch Veranlassung von Heinrich Himmler bekam das Lager den Namen „K.L. Buchenwald/ Post Weimar". Somit war einerseits der Name offiziell nicht mit dem Ort verbunden und zum anderen behielt die Mannschaft ihr Gehalt nach der Ortslage von Weimar.
 

Der Elektrozaun von Buchenwald
Das Lager war von einem 3 km langen und 3 m hohen Stacheldrahtzaun mit einer angelegten Spannung von 380 Volt und von 22 Wachtürmen umgeben. Die Häftlinge waren in einstöckigen Holz- und zweistöckigen Steinbaracken untergebracht. Zum Schutzhaftlager gehörten verschiedene Einrichtungen und Gebäude:
 

Insassen des Judenlagers, des sogenannten Kleinen Lagers nach ihrer Befreiung
Ein 20.000 m² großer Appellplatz
Das Torgebäude mit Arrestzellen ("Bunker"), der Mord- und Folterstätte des Lagers. Das Lagertor trug die Inschrift "Jedem das Seine".
Das Krematorium mit Sezierraum und Pathologie zum Herausbrechen von Goldzähnen. Es wurde 1939 errichtet und im Sommer 1942 durch die Erfurter Firma "Topf & Söhne" ausgebaut. An im Keller des Krematoriums befindlichen Wandhaken wurden viele Häftlinge hingerichtet. Als eines der prominentesten Opfer wurde hierhin in der Nacht vom 17. auf den 18.August 1944 der Reichstagsabgeordnete und KPD Vorsitzende Ernst Thälmann ohne Gerichtsverfahren auf Befehl Adolf Hitlers am Eingang zum Ofenraum erschossen.
Das "Judenlager", ein abgetrenntes Lager mit besonders schlechten Lebensbedingungen innerhalb des Schutzhaftlagers. Es wurde nach der Masseneinlieferung im Zuge der Pogrome der Reichskristallnacht errichtet.
Das "kleines Lager", 1938 errichtet, um bei Überbelegung des Lagers genutzt zu werden. Es bestand aus fensterlosen Wehrmachtspferdeställen. Es wurde vor allem für die Unterbringung arbeitsunfähiger Häftlinge und als Quarantänelager verwendet. Ab 1943 war es ständig belegt. Die Lebensbedingungen waren katastrophal, die Sterblichkeit hoch. Die ehemaligen Pferdeställe wurden für 50 Pferde gebaut und nun mit bis zu 1.960 Häftlingen belegt.
Der Häftlingskrankenbau wo nur Häftlinge von Häftlingen behandelt werden durften. Ausgebildeten Ärzten allerdings war das Praktizieren verboten. Der Krankenbau war der zentrale Ort für den illegalen Lagerwiderstand, aber auch der des Mordes mit Giftspritzen durch SS-Ärzte.
Ein Lagerbordell für Häftlinge gab es ab 1943 innerhalb des Schutzhaftlagers als "Antriebsmittel für höhere Leistungen". Zu diesem Zweck wurden im Juli 1943 16 weibliche Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück nach Buchenwald verbracht und zur Prostitution gezwungen.
 

Baracken von Buchenwald
Darüber hinaus befanden sich auf dem Gelände Magazinbaracken, eine Kinobaracke, eine Küche, ein Kartoffelkeller, eine Wäscherei, eine Effekten-, eine Bekleidungs-, und eine Gerätekammer, eine Gärtnerei, eine Häftlingskantine und eine Bücherei. Außerhalb des eigentlichen eingezäunten Lagers, in der Mitte des SS-Bereiches, entstand 1942/43 eine Gruppe von Isolierbaracken für prominente Insassen, bekannt als Sonderlager „Fichtenhain“. Inhaftiert waren hier unter anderem Rudolf Breitscheid, Mafalda von Savoyen und Fritz Thyssen. Nach dem Attentat auf Hitler am 20.Juli 1944 wurden hier auch beteiligte Offiziere und Politiker, sowie deren Familien eingesperrt.
 

Häftlinge aus Buchenwald bei Sklavenarbeit
Ein anderer Ort für die Arretierung von prominenten Häftlingen war das SS-Falknerhaus. Hier waren der frühere Ministerpräsident der französischen Volksfrontregierung Léon Blum sowie andere Regierungsmitglieder untergebracht, darunter Édouard Daladier und Paul Reynaud. Ein weiteres Gebäude außerhalb des Schutzlagers war der Pferdestall Dort wurde zwischen 1941 bis 1945 ein großer Teil der etwa 8.000 sowjetischen Kriegsgefangenen durch Genickschüsse ermordet.
 

Kasino und Zoo für die SS

Buchenwald Kommandantur und Verwaltungsgebäude
Die Lagerverwaltung der SS bestand aus der Lagerkommandantur mit dem Büro des Kommandanten, der Adjutantur, der Gestapo, sowie Einrichtungen des Truppenstabes und der politischen Abteilung. Die SS-Kasernen waren 16 im Halbrund angeordnete "Hunderschaftsgebäude" der SS-Totenkopfstandarte "Thüringen" mit Kasinos, Waffenkammern, einem Truppenlazarett, Schieß- und Exerzierplätzen, Großgaragen und zwei Tankstellen. Es waren Kapazitäten für mehr als ein Regiment vorhanden. Dies war einer der großen Stützpunkte und Ausbildungsstätten der Waffen-SS. Der SS-Zoo lag unweit des Zaunes des Schutzhaftlagers und wurde für die SS und deren Familien errichtet. Falkenhof und Wildgehege wurden 1940 eröffnet. Sie lagen innerhalb des Lagers und dienten zur Unterhaltung der SS und ihrer Angehörigen sowie der Weimarer Bevölkerung.
 

Lagerleiter Koch hatte einen Zoo für die SS Leute und Familien anlegen lassen
Am 15. Juli 1937 trafen die ersten 149 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen auf dem Ettersberg ein. In den folgenden Wochen löste die SS die Konzentrationslager Sachsenburg und Lichtenburg auf und brachte die Insassen - Widerständler, Zeugen Jehovas, vorbestrafte Kriminelle und vereinzelt auch Homosexuelle - in das neue Lager. Sie mussten den Wald roden, Kanalisation und Stromleitungen legen, Straßen, Kasernen, Wohnhäuser, Garagen und ein Barackenlager bauen.
 

Die "Hexe von Buchenwald"

Ilse Koch beim Dachauer Prozess
Der erste Lagerkommandant war SS-Standartenführer Karl Otto Koch (1937-1941). Er wurde wegen Unterschlagungen im großen Stile und wegen Handels auf dem Schwarzmarkt zuerst nach Lublin versetzt, wo er die Errichtung des KZ Majdanek anleitete. Dann wurde er jedoch von Heinrich Himmler fallen gelassen und exemplarisch für alle anderen korrupten KZ-Kommandanten angeklagt. Er wurde zum Tode verurteilt und 1945 von der SS hingerichtet. Seine Frau Ilse Koch (1906-1967) beteiligte sich aktiv an den Gräultaten im Lager, sie wurde wegen ihrer Brutalität von den Häftlingen die „Hexe von Buchenwald” genannt und musste sich nach dem Krieg mitverantworten.
 

Krematorium (Foto Gedenkstätte Buchenwald)
Kochs Nachfolger wurde SS-Oberführer Hermann Pister. Er leitete das Lager von 1942 bis 1945 und baute es zu einem funktionierenden KZ-Wirtschaftsbetrieb um. Unter seiner Kommandantur erfolgte die Errichtung einer Waffenfabrik der Wilhelm-Gustloff-Stiftung beim KZ. Nach dem Krieg wurde er verhaftet und von einem US-Militärgericht zum Tode verurteilt. Er starb 1948 in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech an einer Herzmuskellähmung.
 

Heinrich Himmler
Die ersten Insassen des Konzentrationslagers Buchenwald waren politische Gegner des NS-Regimes, Zeugen Jehovas, Homosexuelle sowie mehrfach Vorbestrafte, sogenannte befristete Vorbeugehäftlinge. Von April bis Juni 1938 erfolgte auf Befehl des Reichsführers-SS und "Chefs der Deutschen Polizei", Heinrich Himmler, die Inhaftierung von sogenannten Arbeitsscheuen, die als Arbeitsfähige zweimal angebotene Arbeitsplätze abgelehnt oder die Arbeit nach kurzer Zeit wieder aufgegeben hatten, und "Asozialen", vor allem Bettler, Obdachlose und Prostituierte. Unter dem Deckmantel der Polizeiaktion "Arbeitsscheu Reich" wurden auch zahlreiche Juden sowie Sinti und Roma verhaftet und in das Lager deportiert. Nach der Pogromnacht am 9. November brachte die SS nahezu 10.000 Juden in das Lager.
 

The U.S. senator W. Barkley in Buchenwald
Ab Mitte Juli 1941 wurden mehrere Hundert Häftlinge für die Vergasung in den "Euthanasie"-Anstalten Sonnenstein und Bernburg ausgewählt. Des weiteren kamen zahlreiche KZ-Insassen bei Versuchen mit epidemischen Krankheiten ums Leben, an denen die IG Farben und die Wehrmacht beteiligt waren. Ab Oktober 1942 wurden auf Befehl Himmlers die meisten jüdischen Häftlinge von Buchenwald nach Auschwitz deportiert sowie über 8.000 sowjetische Kriegsgefangene von der SS durch Genickschuß in Buchenwald ermordet.
 

Sklavenarbeiter

Häftlinge in Buchenwald am Tag ihrer Befreiung
Hatten die Häftlinge bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs vorwiegend im Lageraufbau und im lagereigenen Steinbruch gearbeitet, so veränderte sich ihre Tätigkeit ab 1942 fundamental. Buchenwald wurde ab 1942 zum Umschlagplatz für Arbeitskräfte aus ganz Europa.. Aufgrund der stärkeren Orientierung der SS auf wirtschaftliche Ausnutzung der Konzentrationslager wurden die KZ-Insassen von nun an in über 130 Außenkommandos hauptsächlich zur Herstellung von Flugzeugen, Raketen, synthetischem Treibstoff und Munition eingesetzt. Um die Kriegsproduktion voranzutreiben, ließ die SS ab April 1944 Juden sowie Sinti und Roma aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau nach Buchenwald transportieren.
 

Ermordete Gefangene vor dem Krematorium, die nicht mehr verbrannt werden konnten
In Buchenwald selbst gab es drei Betriebe, in denen die Häftlinge Sklavenarbeit ausführen mussten. Die Arbeit im Steinbruch galt als die härteste und wurde meist von Strafkompanien ausgeführt. Häufig wurden Häftlinge von der SS "auf der Flucht erschossen". Der Rüstungsbetrieb Gustloff-Werk II des Weimarer "Fritz-Sauckel-Werks" wurde 1943 eröffnet und war Arbeitsstätte für etwa 4.500 Häftlinge Nach dem alliierten Bombenangriff am 24. August 1944 wurde der Betrieb fast völlig zerstört. Die DAW, Deutsche Ausrüstungswerke, waren eine 1940 gegründete, innerhalb des Schutzhaftlagers befindliche Produktionsstätte für bis 1.400 Häftlinge. Hier wurde für den Kriegsbedarf der Waffen-SS produziert und, bevor der "Pferdestall" zu diesen Zwecken ungebaut worden war, eine Vielzahl sowjetischer Kriegsgefangener exekutiert.
 

Luftbild nach dem Luftangriff
Nach Auflösung der Lager im Osten überführte die SS Anfang 1945 Tausende der Insassen nach Buchenwald, das zu Jahresbeginn mit über 100.000 Häftlingen das größte noch bestehende Konzentrationslager war. Innerhalb von knapp 100 Tagen starben 14.000 Häftlinge aufgrund der Überfüllung des Lagers und ausbrechender Seuchen. Ab dem 6. April 1945 begann die Lagerleitung, die jüdischen Häftlinge auf "Todesmärsche" zu schicken, und verließ am 11. April das Lager. Am selben Tag trafen amerikanische Truppen im Lager ein.
 

Ein GI sieht sich fassunglos einen Berg menschlicher Überreste ausserhalb des Krematoriums in Buchenwald an
Im KZ Buchenwald waren insgesamt über 240.000 Menschen aus allen europäischen Ländern inhaftiert, von denen 34.000 von der SS registrierte, tatsächlich jedoch mindestens 50.000 starben. Unter den Häftlingen des KZ Buchenwald befanden sich der Schriftsteller und Künstler Bruno Apitz, der Sozialdemokrat Rudolf Breitscheid sowie der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Ernst Thälmann.
 

Ernst Thälmann
Von 1945 bis 1950 wurde das ehemalige KZ Buchenwald als "Speziallager Nr. 2" vom sowjetischen Geheimdienst "Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten" (NKWD) zur Internierung von ehemaligen Funktionären des NS-Regimes, Wehrmachtsangehörigen und willkürlich denunzierten Personen benutzt. Von den nach Kriegsende insgesamt ca. 28.000 im Speziallager inhaftierten Frauen und Männern starben über 7.000 Menschen an den Folgen der Haftbedingungen.
 

Buchenwald Memorial von Professor Fritz Cremer
1958 wurde in Buchenwald die erste "Nationale Mahn- und Gedenkstätte" der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf dem ehemaligen Lagergelände eingeweiht.









 

Prominente Gefangene

General Alexander von Falkenhausen
Kleine Liste bekannter Gefangene
Jean Améry Österreichischer Schriftsteller jüdischer Herkunft
Bruno Apitz Schriftsteller. Roman: Nackt unter Wölfen)
Léon Blum Französischer sozialistischer Politiker jüdischer Herkunft
Dietrich Bonhoeffer Evangelischer Theologe
Rudolf Breitscheid SPD-Reichtagsabgeordneter
Édouard Daladier Französischer Ministerpräsident
Alexander von Falkenhausen General, Befehlshaber in Belgien
Ernst Federn Professor Dr, Psychoanalytiker, Wien.
Ernst Heilmann SPD-Reichtagsabgeordneter
Robert Antelme Französischer Schriftsteller
Albin Grau Film Produzent (Nosferatu, 1922)
Paul-Emile Janson Ehemaliger belgischer Premierminister
Israel Meir Lau Ehemaliger Chefrabbiner von Israel
Ernst Thälmann Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands.
Elie Wiesel Französisch-amerikanischer Schriftsteller