
Unterstützung durch das Heereswaffenamt
Im März 1932 gelingt Nebel mit MIRAK 3 ein Schuss bis auf 4.000 Meter Höhe. Ein Versuch vor Heereswaffenamt Mitarbeitern auf dem Artillerie-Versuchsschießplatz Kummersdorf fällt jedoch mit 900 Metern kümmerlich aus, so dass das Amt weitere Zahlungen verweigert. Einziger positiver Nebeneffekt der katastrophalen Demonstration war die Anforderung von Nebels Chauffeur und Theoretiker Werner von Braun als Verbindungsmann zum Heereswaffenamt. Dieser wird dem Kommando des Hauptmannes Walter Dornberger unterstellt und richtet in Kummersdorf-West eine Versuchstelle für Flüssigkeitsraketen ein. Binnen vier Jahren wächst diese Gruppe auf 77 Mitarbeiter. Darunter sind der Diplom Ingenieur Walter „Papa“ Riedel, Heinrich Grünow und Arthur Rudolph. Rudolph, seit 1931 Parteimitglied, hatte ein vollautomatisches Flüssigkeitstriebwerk mit der bemerkenswerten Schubleistung von 300 kg entwickelt.
Schon Ende 1932 ist ein wichtiger nächster Schritt erfolgt. Rudolph baut, basierend auf einer Denkschrift von Brauns über Thermodynamik des Strahlantriebs, einen Motor, den man „Ofen“ nennt. Im Januar 1933 wird dieser „Ofen“ zum ersten Mal erfolgreich in Kummersdorf getestet. Der Weg zu wirklich starken Motoren ist nun geebnet. Das Aggregat A 1, das aber Schwächen in der Balance aufweist, entsteht 1933. Die Weiterentwicklung A 2 wird Ende 1934 erfolgreich auf Borkum gestartet. Der nächste Schritt ist die A 3. Diese Rakete hat bereits ein Startgewicht des fünffachen der A 1 und entwickelt einen Schub von 1.500 kg. Damit wird Kummersdorf zu eng für weitere Versuche. Man braucht freies, weites Schussfeld.
März 1936 besucht Werner Freiherr von Fritsch, Oberbefehlshaber des Heeres, Kummersdorf und ist tief beeindruckt. Zusammen mit den Generalen von Brauchitsch, Komm und Olbricht wird beschlossen, das Raketenprojekt mit aller Kraft zu unterstützen. Auch die Luftwaffe ist von dem Projekt begeistert und der Chef der Luftzeugmeisterei, Albert Kesselring, beschließt zusammen mit dem Heer das Raketenprojekt mit zu unterstützen. Es wird vereinbart, dass in Zukunft Heer und Luftwaffe das Projekt gemeinsam betreiben. Unter Federführung des Heeres.
Damit ist auch die Entscheidung getroffen, ein völlig neues Entwicklungszentrum zu bauen. Zunächst dachten Dornberger und von Braun daran, die Schmale Heide an der Prorer Wiek auf Rügen in Besitz zu nehmen. Doch dieses Gelände war schon von der KdF Organisation (Kraft durch Freude) gekauft, um darauf den gigantischen Ferienkomplex Prora zu errichten. Von Braun`s Mutter erinnerte sich an Erzählungen ihres Vaters, der als Jäger von der Unberührtheit des Peenemünder Hakens auf Usedom schwärmte. Anfang 1936 wird beschlossen, das Forschungsamt in Peenemünde zu bauen. Kesselring organisiert den Landkauf von der Gemeinde Wolgast und ab April 1936 beginnen die Bauarbeiten.
Peenemünde bietet mehrere Vorteile. Abseits jeder größeren Ortschaft ist das Gelände praktisch unbesiedelt. Nur drei leicht zu kontrollierende Brücken verbinden Usedom mit dem Festland und das Schiessgebiet entlang der pommerschen Küste ist praktisch unbegrenzt.
Der Neubau wird mit grosser Entschlossenheit durchgeführt.
1936, August erster Spatenstich, Umsiedlung des Dorfes Peenemünde.
1936, September Baubüro wird etabliert. Ankunft von 10 000 Bauarbeitern.
1936, November Rollfeld und Verwaltungsgebäude im Rohbau fertig,
1937, Januar Beginn der Beginn der Bauarbeiten an Versuchsanlagen.
1937, April Gebäude bezugsfertig
1937, Mai Militärstab zieht ein. Werkstätten schlüsselfertig.
1937, Juli Wissenschaftler ziehen in ihre Wohnungen ein
1937, Dezember Wesentliche Teile der Werke West und Ost fertig.
1938, April Start des ersten Flugzeuges der Luftwaffenversuchsstelle.
Ende 1939 wird die Entwicklungsarbeit komplett nach Peenemünde verlagert und am 1. Mai 1940 übernimmt Albert Speer, Generalbauinspekteur der Reichshauptstadt, die Verantwortung für Peenemünde. Nicht mehr „Germania“ hat erste Priorität, sondern die Rüstungsindustrie. Bauleiter in Peenemünde ist übrigens Wilhelm Lübke, der spätere Bundespräsident.
Während Peenemünde wächst, arbeiten die Technik-Teams weiterhin in Kummersdorf an der Verbesserung der Triebwerke und Aerodynamik. Insbesondere Dr.-Ing Walter Thiel gelingt ein Meilenstein im Triebwerksbau. Er erfindet mit einer kreisförmigen Anordnung von 18 Einspritzdüsen auf der Brennkammer eine einfache und dennoch effiziente technische Lösung zur Verkürzung des Antriebsblockes. Im August 1940 gelingt es auf dem Prüfstand 1 ein neues Triebwerk zu testen, das die geforderten 25 t Schub entwickelt.
Während die Erprobungen an der A 3 weitergehen, beginnt man mit den Arbeiten am Folgemodell A 4. Dieses 4 Tonnen schwere Gerät, 14 Meter lang und mit einem Durchmesser von 166 Zentimetern, „schluckt“ gut 5 t flüssigen, auf minus 183 Grad gekühlten Sauerstoff, den A Stoff, sowie weitere 4 Tonnen 75% Alkohol, den B Stoff. Damit liegt das Startgewicht inklusive eines 750 kg Sprengkopfes bei fast 14 Tonnen. Der erste Brennversuch am 25. Februar 1942 zerstört das Aggregat. Auch ein weiterer Versuch im Juni schlägt fehl. Erst am 3. Oktober gelingt ein Traumstart. Die Rakete erreicht fast Mach 5, erreicht eine Höhe von 84,5 km und fliegt 190 km weit.
















