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Visionen

Hermann Oberth
Werner von Braun im Jahre 1970
Die 20er Jahre in Deutschland waren nicht nur geprägt von den Auswirkungen des Weltkrieges, sie waren auch eine Dekade voller technischer Neuerungen und Visionen, die ihre Wirkung bis heute entfalten. Schon 1923 veröffentlicht der Gymnasialprofessor und Hobbyraketentheoretiker Hermann Oberth sein bahnbrechendes Werk „Die Rakete zu den Planetenräumen“. Sechs Jahre später erscheint „Wege zur Raumschifffahrt“, das ihn endgültig zur Leitfigur deutscher Raketenspezialisten werden lässt. Neben Obert machen auch der Österreicher Max Valier durch seine Veröffentlichung „Vorstoß in den Weltenraum“ (1926), sowie der junge Werner von Braun, der 1929 mit seiner “Theorie der Fernrakete“ auf sich aufmerksam. Weitere Raketenvisionäre sind Rudolf Nebel und Eugen Sänger, die mit „Raketenflugplatz“, beziehungsweise „Raketen-Flugtechnik“ auffallen.

Max Valier
Alle diese Männer haben eines gemeinsam, sie hatten alle ihre ersten technischen Erfahrungen im Weltkrieg gemacht. Rudolf Nebel und Max Valier hatten bereits als Fliegeroffiziere mit Feststoffraketen experimentiert. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die militärische Komponente Zugang zu den Wissenschaftlern finden sollte.

Kinotheodolit
Klaus Riedel
In gewisser Weise ist der Versailler Vertrag mitverantwortlich für die geheime Entwicklung von Raketen in Deutschland während der Weimarer Republik. Dieser verbot den Besitz und die Entwicklung weit reichender Artillerie-Rohrwaffen. Doch in der Reichswehr wusste man sich zu helfen. Technische Neuentwicklungen beschleunigten die Entwicklung. So zum Beispiel 1925 der Kinotheodolit, ein Gerät zur Distanzmessung und Höhenwinkelberechnung. Oder 1929 die Erfindung der Mehrachsensteuerung für Fluggeräte. Bereits 1928 kommt das Impulszeit- Fernmessverfahren, ein Jahr später revolutioniert die Schlieren-Windkanal-Fotografie die Aerodynamikforschung.

Das Buch
Albert Einstein
Am 23. Juli 1930 läuft in der Chemisch-Technischen-Reichsanstalt in Berlin der erste Flüssigkeitsraketenmotor unter wissenschaftlicher Leitung 96,5 Sekunden lang. Im gleichen Jahr starten Nebel und sein Partner Klaus Riedel die erste Flüssigkeitsrakete, die MIRAK 1 (Minirakete). In dieser Zeit sucht Nebel zunehmend Unterstützung in allen Lagern. Er trifft sich sowohl mit SA Führern wie Wolf Graf von Helldorf,  wie auch mit dem Sozialdemokraten und Innenminister Carl Severing. Selbst Albert Einstein findet Gefallen an Nebels Visionen und unterstützt ihn. 1930 trifft er zum ersten Mal Major Professor Dr.-Ing Karl Becker.

Professor Nebel und Werner von Braun
Das Interesse Beckers lag in der Denkschrift von Generalleutnant Wilhelm Groener, der im Auftrag Severings das militärische Potential der Raketenforschung ausloten sollte. Basierend auf dessen Erkenntnissen macht Becker Nebel klar, dass nur dann massive Unterstützung von Seiten des Heers zu erwarten wäre, wenn die Raketenforschung waffentechnische Überlegenheit produzieren würde. Nebel versteht den Wink mit dem Zaunpfahl. Wenig später, am 27. September 1930 kann er am Tegeler Weg mit finanzieller Unterstützung des Heereswaffenamtes den Raketenflugplatz Tegel eröffnen.