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Die Brücke von Remagen

In den Jahren vor Beginn des 1. Weltkrieges forderte General Erich Ludendorff energisch den Bau einer neuen Eisenbahnbrücke über den Rhein, um eine schnelle Verbindung für Truppenverschiebungen und Nachschub vom Rhein-Ruhrgebiet an die Westgrenze zu erreichen. Erst 1916 begann man dann angesichts der immer größer werdenden Verbrauchseinheiten mit dem Bau bei Stromkilometer 632,8. Fast schon an historischer Stelle, denn schon Cäsar baute die erste Rheinüberquerung im Jahre 53 nur 25 km  weiter flussaufwärts.

Die Brücke von Remagen 1919
Binnen zwei Jahre entstand durch die Kölner Firma Grün & Bilfinger ein doppelgleisiges, 4642 Tonnen schweres Bauwerk, das mehrere Besonderheiten aufwies. Das Ostufer wurde vom Felsen Erpeler Ley überragt, der die Gleisführung in einen Tunnel zwang. Dieser Tunnel beschrieb eine Kurve, die die Strecke wieder parallel zum Flussverlauf rheinabwärts führte. Die andere Besonderheit waren die je zwei Türme an beiden Enden der Brücke, die die Konstruktion wie eine Burg schützen. Schießscharten und Plattformen eröffneten Verteidigern gute Optionen, Wendeltreppen führten zu Vorratslagern und Wachstuben.. Zu guter letzt hatte man auch die zweigleisige Anlage mit großzügig bemessenen „Bürgersteigen“ für Truppenverkehr in beiden Richtungen ausgebaut und Vorkehrungen getroffen, die Schwellen mit Brettern abzudecken, um eine Fahrbahn für Kfz und LKWs zu gewährleisten. Eine perfekte Kriegsbrücke.

Die westlichen Brückenpfeiler
Jahreswende 1944/45. Der kälteste Winter seit 20 Jahren begleitet Hitlers letztes großes Vabanquespiel in den Ardennen. Der Illusion, die Alliierten in einer großen Zangebewegung zerschlagen zu können, opfert er die letzten großen Panzerreserven, die so dringend an der Ostfront benötigt werden. Spätestens am 23. Januar ist auch diese letzte Hoffnung zerstoben.

Der letzte erhaltene Brückenbogen
Amerikaner, Franzosen und Engländer verstärken ihre Anstrengungen und bringen bis Februar 1945 von der Schweizer Grenze bis zur Nordsee 3.725000 Mann in Stellung. Ihnen stehen 6.000 Panzer, gegliedert in 23 Panzerdivisionen, zur Seite. Dazu kommen noch weitere unabhängig operierende Panzerverbände. Dem gegenüber stehen  ganze 500 deutsche Panzer und 1 Million Mann, die in 55 Divisionen gegliedert sind.

General George S. Patton
Drei zeitgleiche Großoperationen Eisenhowers sollen den schnellen Zusammenbruch der deutschen Armeen westlich des Rheins herbeiführen.  „Veritable“ und „Grenade“ sind die Decknamen für Montgomery`s 21. Armeegruppe, die das untere Rheinland von Düsseldorf bis zur holländischen Grenze bei Nijmegen erobern soll. „Lumberjack“ sieht vor, die 12. Armeegruppe unter Bradley mit der 1. Armee unter Hodges in Richtung Köln – Bonn – Remagen und der 3. .Armee unter Patton in Richtung Koblenz in Marsch zu setzen. „Undertone“ zielt auf die Eroberung der Saar und die daraus resultierende Sicherung der Rheinebene von Mainz bis Karlsruhe. Dazu werden Teile von Patton`s 3. Armee und Alexander M. Patch`s 7. Armee aufgeboten.

Field-Marshal Bernard L.Montgomery
Am 28. Februar beginnt die Operation „Lumberjack“. Patton drückt aus dem Luxemburger Raum gegen Trier, Mosel und Hunsrück und hat nur ein Ziel vor Augen: Vor Montgomery und Courtney Hodges (1. Armee) den Rhein zu überqueren. Nördlich von Patton startet Hodges 1. Armee ihren Vorstoß zum Rhein und kommt auch zügig voran. Eisenhower hat die 1. Armee als eine Art Reserve auserkoren, um bei Bedarf entweder Patton auszuhelfen oder im Norden  Montgomery zu unterstützen. Primäre Aufgabe der Armee ist die Besetzung des Rheinufers in ihrer gesamten Sektorenbreite.

Verschlossener Tunneleingang auf Ostufer
Schon am 6. März befinden sich Vorausabteilungen der 9. US Panzerdivision unter der Führung von General William Hoge in Meckenheim bei Bonn. Zu diesem Zeitpunkt befiehlt Major Rolf Pauls (363. Volksgrenadierdivision) seinen Einheiten, konträr zu den Befehlen der Heeresgruppe, den Rückzug hinter den Rhein. Man bezichtigt den Ritterkreuzträger, der in Russland einen Arm verloren hatte, der Feigheit und droht mit Standgericht. Durch Zufall entgeht er weiteren Nachstellungen. Nach dem Krieg, im August 1965, tritt er übrigens als erster Botschafter der Bundesrepublik sein Amt in Tel Aviv an. Er versteht es mit großem Geschick und Einfühlungsvermögen, die feindselige Stimmung, die ihm 1965 bei seiner Ankunft in Form von Stein- und Flaschenwürfen entgegenschlägt, in Sympathie und Hochachtung zu verwandeln.

Am 7. März, normaler Flugbetrieb war wegen des Wetters nicht möglich, ist dennoch eine Piper Cub in der Luft. Lt. Harold Larsen, Artilleriebeobachter der 9. US Panzerdivisionsartillerie, ist auf der Suche nach lohnenden Zielen seiner Geschütze und fliegt Richtung Rhein. Gegen 10.30 nähert er sich Remagen und bemerkt zu seinem Erstaunen, dass die Brücke, entgegen der langläufigen Meinung des US Generalstabes, noch steht. Larsen informiert postwendend Gen. Hoge, der wiederum seine Einheit in Meckenheim alarmiert.

Die Westtürme
Sofort wird eine Task Force unter dem Kommando von Colonel Leonard Engeman formiert, die aus derm 27. Armoured Infantery Bataillon (Major Deevers), sowie dem 14. Panzer Bataillon bestand. Nachdem der leichte Widerstand auf der Strecke Meckenheim, Fritzdorf und Oeverich gebrochen ist, stößt der Voraustrupp unter Führung von Lt. Emmet „Jim“ Burrows durch Birresdorf und erreicht gegen Mittag eine Stelle, von der aus er das gesamte Rheintal bei Remagen überblicken kann. Tatsächlich, die Ludendorff Brücke ist nicht zerstört und deutsche Verbände nutzten sie als Rückzugsstrasse.

Burrows befiehlt dem Chef seiner A Company, Lt. Karl Timmermann, mit einem Stoßtrupp in Remagen aufzuklären. Timmermann, ein in Frankfurt/Main geborener Sohn eines US Besatzungssoldaten und einer Deutschen, kämpft sich langsam durch den Ort und nähert sich der Brücke. Gegen 15.00 trifft er seinen Bataillonschef, Major Murray Deevers, der ihm den Befehl von Gen. Hoge übermittelt, die Brücke zu nehmen.
 
Die Situation auf der anderen Seite der Brücke ist zum Zerreißen gespannt. Kommandeur der Ludendorf Brücke ist Hauptmann Bratge, dem 36 Mann unterstehen. Zumeist sind diese Männer Rekonvaleszenten des Linzer Lazarettes. Verantwortlich für die Sprengung ist Hauptmann Karl Friesenhahn, der eine Pionierabteilung von 120 Soldaten befehligt. Die Abwehrpläne der Deutschen sehen überdies vor, im Ernstfall 180 Hitlerjungen, 120 russische Hiwis und ca 500 Mann Volkssturm einzusetzen.

Die Türme auf dem Ostufer
Schon seit September 1944 wird die Ludendorff Brücke, wie auch alle anderen Rhein-Übergänge, permanent von der US Air Force bombardiert. Ein Angriff mit 33 Maschinen am 19. Oktober, von der 36. US Bomber Group geflogen, suggeriert der US Führung die Zerstörung der Brücke. Aber schon am 9. November haben deutsche Reparaturkräfte die Konstruktion soweit wiederhergestellt, dass der Nachschub normal rollen kann. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate wird die Brücke mehrmals angegriffen, getroffen und wieder repariert.

Osttürme
Es herrsche Chaos in den frühen März Tagen in Remagen. Die Batterie Vierlings Flak auf der Erpeler Ley wird am Nachmittag des 6. März nach Koblenz verlegt, ohne den Brückenkommandanten davon in Kenntnis zu setzen. Bratke erfährt davon erst am nächsten Morgen und befiehl einer Flak Batterie, die über die Brücke vom Westufer zurückkehrt, Stellung auf der so bedeutsamen Höhe zu beziehen. Dieser Befehl wirde vom Flak Kommandeur ignoriert.

Im Falle eines feindlichen Angriffs soll eine mächtige Sprengung die Anfahrtsrampe auf dem Westufer zerstören, um feindlichen Panzern den Zugang zu verhindern, den eigenen Truppen aber immer noch eine Fluchtmöglichkeit offen halten. Die eigentliche Sprengung der Brücke soll erst dann erfolgen, wenn das Gros des Angreifers acht Kilometer vor der Brücke auftaucht. Dies ist ein von Hitler persönlich initiierter Befehl, der für alle Rheinbrücken gilt. General Hitzfeld, der erst am Morgen den Abschnitt übernommen hat, schickt seinen Adjutanten Major Scheller zu Bratke, um ein genaues Bild von der Lage zu bekommen. Scheller hat jedoch auf dem Weg zur Brücke den Funkwagen wegen Benzinmangels aufgeben müssen und ist daher nicht in der Lage seinen Chef schnell zu informieren. Als Hauptmann Friesenhahn Timmermann und seine Leute herankommen sieht, gibt er Befehl zur Sprengung der Auffahrt. General Hitzfeld hat sich genau diesen Moment ausgesucht um Bratke durch Major Scheller als Brückenkommandant abzulösen. Aufgrund des nachfolgenden Informationschaos vergeht weitere kostbare Zeit, die eigentliche Brückensprengung in die Wege zu leiten. Inzwischen liegt die Brücke unter heftigem Infanterie- und Panzerbeschuss. Um 15.20 gibt Scheller endlich auf Drängen von Bratke den finalen Befehl. Bratke läßt sich den Sprengbefehl schriftlich im Wortlaut notieren. Es soll ihm später nicht viel nützen.

Blick von der Ostseite auf die Ludendorff Brücke
Dies also ist die Situation zu dem Zeitpunkt als Timmermann mit der A Company nahe der  Brückenauffahrt die erste Sprengung erlebt. Nachdem sie die Situation in Augenschein genommen haben, erfolgt gegen 15.40 die nächste, etwas kleinere Explosion, wenig später gefolgt von einer weiteren, größeren. Als sich der Pulverdampf verzogen hat, sieht Timmermann, dass die Brücke sich nur leicht gehoben und dann wieder auf ihre Widerlager gesetzt hat. Der gewerbliche Sprengstoff, den man einsetzten muss, da die eigentlichen 600 KG Pionier-TNT nicht eingetroffen ist, ist zu schwach. Schweres MG- und 2 cm Flak- Feuer setzt ein. Augenblicklich gibt er den Angriffsbefehl, doch niemand rührt sich. Major Deevers, der Timmermann noch begleitet, ruft diesem zu:“ Ich sehe Euch drüben und wir werden Hühnchen zum Dinner haben“. Einer der GIs, der dies hört antwortet Deevers: “Ich geh da nicht raus um zu krepieren, eher können sie mich vor ein Standgericht zerren und erschießen“. Doch als Timmermann als erster auf die Brücke losrennt, folgt ihm die gesamte Kompanie auf der Stelle.

Ein US Panzer gibt Feuerschutz während Timmermann über die Brücke hastet. Neben ihm rennen Sergeant Joe DeLisio, der die erste Gruppe anführt und Sgts. Alex Drabik, sowie Sgts Joe Petrencsik mit der zweiten Abteilung. Direkt hinter ihnen folgen Lt. Mott mit einigen Pionieren: Chinchar, Samele, Massie, Wegener und Jensen. Sie sind Italiener, Tschechen, Norweger, Deutsche und Russen. Kinder europäischer Immigranten, die zurückgekehrt sind, ihre Landsleute zu befreien.  Leitungen zu den verschieden Sprengladungen werden durchschnitten und, wenn möglich, die Ladungen in den Fluss geworfen. Während sie um ihr Leben rennen, sehen sie einen deutschen Pionier am Ende der Brücke., wie er verzweifelt am Sprengkasten dreht, ohne eine Explosion auszulösen. Ungefähr auf halber Strecke finden sie vier 15 kg TNT Ladungen, die umgehend entsorgt werden.

Blick aus dem Eisenbahntunnel auf die rechtsrheinischen Brückentürme
Währenddessen stürmt DeLisio auf den rechten Turm zu von dem das meiste Feuer kam, rennt die Spiraltreppe vier Stockwerke nach oben und findet eine MG 42 Besatzung, die er prompt entwaffnet. Ihr MG wirft er runter auf die Brücke, was natürlich mit Freuden von seinen Kameraden begrüßt wird. Drabik ist der erste GI, der ans Ostufer gelangt, gefolgt von anderen, die die deutschen Pioniere im Tunnel sofort gefangen nehmen. Lt. Burrows stürmt mit einer Kompanie unter Verlusten die Erpeler Ley und verteidigt sich dort gegen eine große Zahl Deutscher und eine 2 cm Flak. Daher heißt der 170 m hohe Felsen später „Flak Hill“.

Der 16 jähriger Deutsche Soldat Heinz Schwarz aus einem Dorf nur wenige Kilometer entfernt, ist neugierig und hat , wie er glaubt, einen Logenplatz in einem der Türme, als gesprengt wird. Er sieht, wie sich die Brücke hebt und wie anschließend Timmermann und seine Männer auf ihn zu stürmen.  Da beschließt er so schnell wie möglich das Weite zu suchen, rennt durch den Tunnel direkt nach Hause. 15 Jahre später sitzt er als Abgeordneter im Deutschen Bundestag.

Der Tunnel ist nicht nur HQ für Bratke und seine Männer, sondern auch Zufluchtsort für ca 400 Zivilisten und Fremdarbeiter. Sie stehen oder liegen neben Munitionslager und Kesselwagen mit Benzin, von denen einer stark leckt. Für Hauptmann Bratke stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, sich mit seinen wenigen Soldaten gegen die Interessen der Zivilisten den Ausgang zu erkämpfen. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits von Major Scheller nichts mehr zu sehen. Er muss unbemerkt den Tunnel bereits verlassen haben. Gegen 17.30 sieht Bratke keine andere Möglichkeit, als sich zu ergeben.

Die Brücke vier Stunden vor dem Einsturz
In der Zwischenzeit haben US Pioniere die Auffahrt geräumt, den Krater zugeschüttet und den Weg für schweres Gerät freigemacht. Der erste Sherman Panzer wirde von Sgt. William Goodson über den Rhein gesteuert. Dahinter folgen im Abstand acht weitere. Der Panzer direkt hinter Goodson fährt sich jedoch in einem Brückenglied fest und konnte erst gegen 17.30 wieder flott gemacht werden. Nach 24 Stunden sind bereits 8.000 US Soldaten auf der anderen Rheinseite.

Amerikaner wie Deutsche erkennen sofort, dass die Ludendorff Brücke zum Schlüsselpunkt der gesamten  alliierten Angriffs Kampagne geworden ist und unternehmen beide alle Anstrengungen, den  zu stabilisieren beziehungsweise zu destabilisieren. Beide Seiten werfen alle verfügbaren Verstärkungen in den Raum Remagen. Für die Amerikaner ist es ein leichtes, Divisionen aus dem Raum Köln blitzschnell nach Remagen zu dirigieren. Sie haben die absolute Lufthoheit. Die Deutschen müssen dies bei Nacht und unter unvorstellbarem Verkehrschaos zu Wege bringen. Einer der ersten Verbände, die in der Nacht vom 7. auf den 8. März auf deutscher Seite vor Remagen eintrifft, ist der von Rolf Pauls. Er wird nachträglich für sein besonnenes Verhalten bei der Rückführung seiner Geschütze und Panzer belobigt und mit der Bekämpfung des amerikanischen Brückenkopfes beauftragt.

Sturzkampf (Stuka) Bomber Junkers Ju 87
Messserschmidt Me 262
Doch nicht nur Model und seine Heeresgruppe B reagieren rasch. Die Luftwaffe tritt ebenfalls auf den Plan und greift ab dem Morgen des 8. März mit Todesverachtung die Brücke an. Zunächst kommen acht Stukas (JU 87) und zwei weitere Maschinen, von denen acht abgeschossen werden. Unteroffizier Waldemar Führing, einer von Pauls Männern erinnert sich: „Ich lag ca 800 m entfernt von der Brücke in einem Gebüsch und sah den Angriff. Die Piloten waren äußerst tapfer aber obwohl sie ihre Bomben nahe an der Brücke platzierten, zerstörten sie sie nicht". In den nächsten 9 Tagen sollen Stukas, Jabos und Düsenjäger bzw. Düsen Jabos die Brücke unentwegt angreifen. Aber von den 367 Angreifern werden 106 abgeschossen.

Die V 2 wurde nur einmal, bei Remagen, gegen das eigene Land gerichtet
Die Amerikaner reagieren umgehend. Binnen kürzester Zeit entsteht um die Brücke und das Tal herum die mit Abstand größte massivste Flak-Konzentration des gesamten Krieges. Ein US AP Kriegsberichterstatter erzählt über einen der Angriffe: „Das Abwehrfeuer der Flak-Batterien war so stark, dass der Boden erzitterte. Binnen drei Minuten war das gesamte Remagen Tal in eine Wolke von Staub und Rauch eingehüllt. Es war ungeheuerlich“. Doch alle Flak dieser Welt ist nutzlos gegen die V 2 Angriffe. Es ist das erste und einzige Mal, dass V 2, von Hellendoorn in Holland gestartet, sich gegen die Heimat wendet. Aber die verzweifelte Lage der Deutschen läßt auch das zu. Aber nur eine dieser Raketen schlägt in 300 Meter Entfernung von der Brücke ein. Alle anderen 12 Geschosse sind extreme Fehlschüsse. Ein weiterer Wunderwaffen Einsatz ist der der Me 262, die als Jabo umgerüstet die Aufgabe haben, die Brücke zu treffen. Doch auch deren Einsatz ist umsonst.

Artillerie wird ebenfalls auf beiden Seiten eingesetzt. Die US Armee schafft jedes verfügbare Rohr nach Remagen, um alle deutschen Angriffe schon in den Bereitstellungsräumen zu lähmen. Die Deutschen wiederum setzten ihre schwersten Kaliber ein, um die Brücke vernichtend zu treffen. Als Höhepunkt der deutschen Bemühungen muss der Einsatz des Mörsers „Karl“ gesehen werden. Dieses 132 Tonnen Monster, auf einem Panzerchassis montiert, verschießt zwei Tonnen schwere 60 cm Granaten. Doch nach 14 Schuss ist dieses Geschütz bereits am Ende und wird abgezogen.

Nachdem US Pioniere begonnen haben Pontonbrücken ober- und unterhalb der Brücke zu errichten, entschließt man sich auf deutscher Seite auch zu einem Einsatz von Kampfschwimmern. Sechs Froschmänner, unter Führung von Leutnant Schreiber, werden aus Berlin eingeflogen und steigen am 15. März gegen 19.15 in der Nähe von Linz in den Rhein. Die Amerikaner haben jedoch mit solchen Einsätzen gerechnet und Gegenmaßnahmen eingeleitet. So sind zum einen Scharfschützen auf den Brücken im Einsatz, die auf alles Bewegliche schießen. Zum anderen hat man Torpedonetze oberhalb (flussaufwärts) der Brücken installiert und neuartige britische Scheinwerferpanzer mit Kohle-Lichtbogen-Lampen aufgestellt. Diese werden auch Leutnant Schreiber zum Verhängnis. Sie werden schon kurz hinter Linz erkannt und zur Aufgabe gezwungen.

Die Ludendorff Brücke nach dem Einsturz
An eben diesem 17. März kommt auch das Ende der Ludendorff Brücke in Remagen. Die ungeheure Belastung aus vorherigen Bombenabwürfen der US Air Force, die versuchte deutschen Sprengung und die zahllosen Naheinschläge durch Bomben und Artillerie sowie letztlich der ununterbrochene Strom an Panzern und LKW sind für die Statik der Brücke zuviel. Gegen 15.00 gib tdie Stahlkonstruktion plötzlich einen lauten Knall von sich, dem augenblicklich ein Grollen und Knirschen folgt. Sieben GIs ertrinken, 18 werden als vermisst gemeldet und 66 werden verletzt, von denen später noch drei weitere sterben.

An dem Erfolg der Amerikaner kann der Einsturz nichts mehr ändern. Die drei inzwischen gebauten Pontonbrücken ersetzen die Kapazität der Ludendorff Brücke total und stellen die Versorgung der 9. US Panzerdivision sicher.

Die Brücke von Remagen im Jahre 1950
Ein Nachspiel gibt es jedoch für die an der Verteidigung der Brücke beteiligten Offiziere und den kommandierenden Oberbefehlshaber General von Rundstedt. Dieser wird durch Generalfeldmarschall Kesselring ersetzt. Fünf Offiziere, einer davon in Abwesenheit, werden von einem Standgericht zum Tode verurteilt. Major Scheller `s Todesurteil bezieht sich auf den Umstand der Entfernung von der Truppe und weil er als Rang ältester Offizier nicht rechtzeitig für die Sprengung gesorgt hat. Nach dem Krieg strengt seine Witwe einen Prozess um die Aufhebung dieses Schandurteiles an und gewinnt ihn. Ein nicht alltäglicher Vorgang bei der Vergangenheitsbewältigung von militärischen Fehlurteilen.

Föhn Flugabwehr System
Die Majore Strobel und Kraft werden wegen unterlassener Gegenvorstöße  und weil sie sich nicht vor Ort über die Lage informiert haben sollen, zum Tode verurteilt. In Abwesenheit – die Gefangenschaft schütze ihn vor dem Erschießungskommando – wird Hauptmann Bratke als Hauptverantwortlichen ebenfalls zum Tode verurteilt. Der fünfte zum Tode Verurteilte hat eigentlich gar nichts mit dem Verlust der Brücke zu tun. Oberstleutnant Peters muss sterben, weil er mehrere Flak-R-Werfer samt Munition, auch Föhn genannt, die noch als Geheimwaffen gelten, in Feindshand fallen läßt. Scheller und Peters werden am 13. März in Rimbach, die beiden anderen in Oberirsen hingerichtet.