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Am Zusammenfluss von Ourthe und Maas

Mit 200.300 Einwohner ist Lüttich ((französisch Liège, wallonisch Lîdje, niederländisch Luik) das kulturelle Zentrum der belgischen Region Wallonien und liegt am Zusammenfluss von Ourthe und Maas. Das beweisen auch die zahlreichen Museen, die Oper, das Theater und andere kulturelle Einrichtungen. Lüttich hat den drittgrößten Binnenhafen Europas, was die Stadt zu einem wichtigen Knotenpunkt der Binnenschifffahrt auf Maas, Juliana- und Albertkanal macht.
Als eines der ältesten Industriegebiete Europas dehnt es sich im Maastal über die Grenzen der Stadt hin aus. Hauptschwerpunkte der Lütticher Industrie sind die Waffenproduktion, Stahl-, Edelstahl-, und Walzwerke, Glashütten, Kupfer- und Zinkschmelzen, Leichtmetallindustrie, Kunststoffproduktion, Nahrungsmittel-, Zement- und Elektronikindustrie, Druckereien und Verlage. Weiterhin ist Lüttich Knotenpunkt wichtiger Eisenbahnlinien und europäischer Straßen.
 

Historischer Hintergrund

Lüttich 1914
Am 4. August 1914 überschritten deutsche Truppen bei Aachen die Grenze zum neutralen Belgien, um die Festung Lüttich im Handstreich zu nehmen. Dies waren die ersten Kampfhandlungen des Deutschen Reiches im I. Weltkrieg. Nach wenigen Tagen war die Festung Lüttich in deutscher Hand.
Warum war es für die das Deutsche Reich so wichtig, allen anderen Kampfhandlungen voraus, diese Festung zu nehmen und dabei die Neutralität Belgiens zu verletzen, wohl wissend, dass dies den Kriegseintritt Großbritanniens nach sich ziehen musste? Wie gelang die schnelle Einnahme? Lag es an guter Operationsführung? Lag es an der Tapferkeit der Truppe? War es Glück oder Zufall? Wie reagierte die belgische Seite?
Die amerikanische Schriftstellerin Barbara Tuchmann schreibt in ihrem Buch „August 1914“: „Lüttich war das Fallgatter, das den Zugang nach Belgien von Deutschland her abriegelte. Diese Stadt, die hundertfünfzig Meter hoch über dem linken Maasufer auf einem Steilhang lag, von dem hier etwa 200 Meter breiten Fluss wie von einem Burggraben umgeben und durch einen Fortgürtel von achtundvierzig Kilometern im Umkreis gesichert war, galt allgemein als die gewaltigste Festungsanlage ganz Europas. Zehn Jahre zuvor hatte Port Arthur neun Monate lang einer Belagerung standgehalten, ehe es sich ergab. Die ganze Welt erwartete, Lüttich werde sicherlich den Rekord von Port Arthur erreichen, wenn nicht überhaupt uneinnehmbar sein.“
Nach dem modifizierten „Schlieffenplan“ des deutschen Generalstabs sollte im Kriegsfall die französische Armee in einer gigantischen Umfassung in Frankreich zusammengedrängt und geschlagen werden. Dazu marschierte fast das gesamte Heer an der belgischen und französischen Grenze auf, 7 Armeen mit 1,5 Millionen Mann. Die erste Armee, am rechten Flügel, hatte die Engstelle zwischen Holland und dem Nordrand der Ardennen, die von der Festung Lüttich beherrscht wurde, zu passieren. Sie hatte den weitesten Weg und nach ihrem Tempo hatte sich die Angriffsgeschwindigkeit der anderen Armeen zu richten. Die fünf Maasbrücken in Lüttich stellten die einzige Möglichkeit für einen massierten Übergang dar, und als Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien, die Deutschland und Belgien mit Nordfrankreich verbanden, war Lüttich lebensnotwendig für die Versorgung der deutschen Armeen während des Vormarsches. Solange also Lüttich nicht genommen und der Festungsgürtel nicht unschädlich gemacht worden war, hatte der deutsche rechte Flügel keine Bewegungsfreiheit.
Obwohl Deutschland sowohl im Westen als auch im Osten von zwei potentiell feindlichen Mächten bedroht war, gab es nur diesen Plan für den Angriff im Westen. Der Aufmarschplan nach Osten gegen einen russischen Angriff war einige Jahre zuvor außer Kraft gesetzt worden, in der Annahme, dass die russische Mobilisierung lange dauern würde, und man in der Zwischenzeit zunächst Frankreich schlagen und dann die freigewordenen Truppen nach Osten werfen könnte.
So kam es, dass man Ende der so genannten Julikrise 1914 mit Ausrufung der Mobilmachung nur noch eine militärische Option hatte: Der sofortige Angriff auf das neutrale Belgien! Kaum fassbar ist es heute, dass die politische Führung von dieser Entwicklung nichts wusste und fast ohne diplomatische Optionen war, als sie am 31. Juli 1914 in einer dramatischen Besprechung beim Kaiser davon erfuhr. Kriegsminister von Falkenhayn berichte in seinen Erinnerungen: „"...Zum allgemeinen Erstaunen erklärte Moltke, dass der Aufmarsch nach Westen nicht mehr aufzuhalten und dass trotz allem Frankreich mit Krieg überzogen werden müsste. Hierüber entspann sich nun eine äußerst lebhafte und dramatische Diskussion, Moltke, sehr erregt, mit bebenden Lippen, beharrte auf seinem Standpunkt; vergeblich redeten der Kanzler und der Kaiser und gelegentlich alle anderen auf ihn ein (...). Moltke erinnerte, wie er in seinen Memoiren berichtet, an die Unmöglichkeit, den Westmarsch nachträglich abzuändern und gab zu bedenken, "dass es für uns eine Katastrophe herbeiführen müsste, wenn wir mit unserer gesamten Armee nach Russland hineinmarschiert wären, mit einem mobilen Frankreich im Rücken.“
So trug diese militärische Planung ohne Abstimmung mit der politischen Führung zum direkten Weg in den Krieg bei.
Die Exkursion nach Lüttich zeigt im Gelände, wie sich das alles auf die Operationen der beteiligten Truppen auswirkte. Die deutsche Angriffsplanung und die belgische Verteidigung kann heute noch in wesentlichen Teilen im Gelände gezeigt werden. Die Exkursion folgt vom Ring der Außenfestungen beginnend, hauptsächlich den Spuren der Brigade 14, an deren Spitze schließlich General Ludendorff die Zitadelle in Besitz nahm. Die tapfere Fortsetzung der Verteidigung der Belgier aus den eingeschlossenen Forts heraus wird geschildert wie die letztlich entscheidende Einnahme des Forts de Loncin, aus dem heraus der belgische General Leman die letzte Phase der Verteidigung leitete. Der Besuch dieser gewaltigen Festungsanlage mit den durch den neuen Krupp-Mörser „Dicke Bertha“ angerichteten Zerstörungen beschließt die Exkursion.