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Meldungen aus dem deutsche Hauptquartier

Berlin, 7. August

Unsere Vorhuten rückten gestern längs der ganzen Grenze in Belgien ein. Eine unbedeutende Truppenabteilung versuchte einen Handstreich auf Lüttich mit großer Kühnheit. Einzelne Reiter drangen in die Stadt ein und wollten sich des Kommandanten bemächtigen, der sich nur durch die Flucht retten konnte. Der Handstreich auf die modern ausgebaute Festung selbst glückte nicht. Die Truppen stehen vor der Festung in Fühlung mit dem Gegner.
Natürlich wird die gesamte Presse des feindlichen Auslandes diese Unternehmung, die auf den Gang der großen Operationen ohne jeden Einfluss ist, zu einer Niederlage stempeln. Für uns ist sie nur eine in der Kriegsgeschichte einzig dastehende Tat und ein Beweis für die todesmutige Angriffslust unserer Truppen.

Berlin, 7. August

Lüttich ist von den deutschen Truppen im Sturm genommen worden.

Berlin, 7. August

Nachdem die Abteilungen, die den Handstreich auf Lüttich unternommen hatten, verstärkt worden waren, wurde der Angriff durchgeführt. Heute Morgen 8 Uhr war die Festung in deutschem Besitz.

Berlin, 7. August

Der Kaiser, welcher den Chef des Generalstabes empfangen hatte, schickte soeben einen seiner Flügeladjutanten nach dem Lustgarten und ließ dort dem Publikum mitteilen, dass die Festung Lüttich gefallen sei. Das Publikum brach in Hoch- und Hurrarufe aus.
Berlin, 7. August

Die Festung Lüttich hatte eine Besatzung von über 20000 Mann und ist auf beiden Maasufern durch zwölf Forts mit schwerer Artillerie geschützt.

Berlin, 9. August

Lüttich ist fest in unserer Hand. Die Verluste des Feindes sind groß. Unsere Verluste werden sofort mitgeteilt, sobald sie zuverlässig bekannt sind. Der Abtransport von 3000 bis 4000 Kriegsgefangenen aus Belgien hat bereits begonnen. Nach vorliegenden Nachrichten hatten wir in Lüttich ein Viertel der gesamten belgischen Armee gegen uns.
 

Der Generalquartiermeister meldet:

Berlin, 10. August

In einer Depesche des Generalquartiermeisters heißt es:

Französische Nachrichten haben unser Volk beunruhigt. Es sollen 20 000 Deutsche vor Lüttich gefallen und der Platz überhaupt noch nicht in unseren Händen sein. Durch die theatralische Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion an die Stadt Lüttich sollten diese Angaben bekräftigt werden. Unser Volk kann überzeugt sein, dass wir weder Misserfolge verschweigen, noch Erfolge aufbauschen werden. Wir werden die Wahrheit sagen und haben das volle Vertrauen, daß unser Volk uns mehr glauben wird als dem Feinde, der seine Lage vor der Welt möglichst günstig hinstellen möchte. Wir müssen aber mit unseren Nachrichten zurückhalten, solange sie unseren Plan der Welt verraten können. Jetzt können wir ohne Nachteil über Lüttich berichten. Ein jeder wird sich selbst ein Urteil bilden können über die von den Franzosen in die Welt geschrieben 20000 Mann Verluste.

Wir hatten vor vier Tagen vor Lüttich überhaupt nur schwache Kräfte. Denn ein so kühnes Unternehmen kann man nicht durch Ansammlung überflüssiger Truppenmassen verraten. Dass wir trotzdem den gewünschten Zweck erreichten, lag in der guten Vorbereitung und in der Tapferkeit unserer Truppen, der energischen Führung und dem Beistande Gottes. Der Mut des Feindes wurde gebrochen, seine Truppen schlugen sich schlecht. Die Schwierigkeit für uns lag in dem überaus ungünstigen Berg- und Waldgelände und in der heimtückischen Teilnahme der ganzen Bevölkerung, selbst der Frauen, an dem Kampfe. Aus dem Hinterhalte und den Ortschaften aus den Wäldern feuerten sie auf unsere Truppen, auf die Ärzte, die die Verwundeten behandelten und die Verwundeten selber. Es sind schwere und erbitterte Kämpfe gewesen. Ganze Ortschaften mussten zerstört werden, um den Widerstand zu brechen, bis unsere Truppen durch die Forts Gürtel gedrungen waren und in dem Besitz der Stadt sich befanden. Es ist richtig, dass ein Teil der Forts sich noch hielt, aber sie feuerten nicht mehr, Seine Majestät wollte keinen Tropfen Blutes durch Erstürmung der Forts unnütz verschwenden. Sie hinderten nicht mehr an der Durchführung der Absichten.

Man konnte das Herankommen der schweren Artillerie abwarten und die Forts in Ruhe nach einander zusammenschießen, ohne nur einen Mann zu opfern. Über dieses alles durfte eine gewissenhafte Heeresleitung nicht ein Wort veröffentlichen, bis sie starke Kräfte auf Lüttich nachgezogen hatte und auch kein Teufel es uns mehr entreißen konnte. In dieser Lage befinden wir uns jetzt. Die Belgier haben bei der Behauptung der Festung mehr Truppen gehabt, wie sich jetzt übersehen lässt, als von unserer Seite zum Sturm antraten. Jeder Kundige kann sich daraus die Größe der Leistung ermessen, sie steht einzig da. Sollte unser Volk wieder einmal ungeduldig auf Nachrichten warten, so bitte ich, sich an Lüttich zu erinnern. Das Volk hat sich einmütig um seinen Kaiser zur Abwehr der zahlreichen Feinde geschart, so dass die Heeresleitung annehmen darf, es werde von ihr keine Veröffentlichung verlangt werden, die ihre Absichten vorzeitig dem Feinde kundtun und dadurch die Durchführung der schweren Aufgabe vereiteln kann.

Der Generalquartiermeister
 

Berlin, 17. August

Die Antwort Belgiens auf das deutsche Anerbieten ging am 13. August ein; Belgien wiederholt seine frühere Ablehnung.

Berlin, 17. August

Das Geheimnis von Lüttich kann entschleiert werden. Uns war Nachricht zugegangen, dass vor Ausbruch des Krieges französische Offiziere und vielleicht auch einige Mannschaften nach Lüttich entsandt waren, um die belgischen Truppen in der Handhabung des Festungsdienstes zu unterrichten. Vor Ausbruch der Feindseligkeiten war dagegen nichts einzuwenden; mit Beginn des Krieges aber wurde es ein Neutralitätsbruch durch Frankreich und Belgien. Wir mussten schnell handeln. Die mobilen Regimenter wurden an die Grenze geworfen und auf Lüttich in Marsch gesetzt. Sechs Friedensbrigaden mit Artillerie und Kavallerie haben Lüttich genommen. Danach wurden sie dort mobil gemacht und erhielten als erste Verstärkung ihre eigenen Ergänzungsmannschaften. Weitere Regimenter konnten nachgeschoben werden, die ihre Mobilmachung soeben beendet hatten. Unsere Gegner sprachen bei Lüttich von 120 000 Deutschen, die den Vormarsch wegen Schwierigkeiten in der Verpflegung nicht antreten konnten. Sie haben sich geirrt, die Pause hatte einen anderen Grund.
Jetzt erst begann der deutsche Aufmarsch. Die Gegner werden sich überzeugen, dass die deutschen Armeekorps gut verpflegt und ausgerüstet den Vormarsch antreten. Seine Majestät hat sein Wort gehalten, an die Einnahme der Forts von Lüttich keinen Tropfen deutschen Blutes mehr zu setzen. Der Feind kannte unsere schweren Angriffsmittel nicht, daher glaubte er sich in den Forts sicher. Doch schon die schwächsten Geschütze unserer schweren Artillerie veranlassten jedes durch sie beschossene Fort nach kürzester Frist zur Übergabe. Die noch erhaltenen Teile der Befestigungen retteten dadurch ihr Leben. Die Forts aber, gegen die unsere schweren Geschütze feuerten, wurden in kürzester Zeit in Trümmerhaufen verwandelt, unter denen die Besatzung begraben wurde. Jetzt werden die Forts wieder zur Verteidigung eingerichtet. Die Festung Lüttich soll den von unsern Gegnern gefassten Plänen nicht mehr dienen, sondern den deutschen Heeren ein Stützpunkt sein.
Der Generalquartiermeister v. Stein.
 

Haag, 25. August

Der Kriegskorrespondent des holländischen "Nieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt voll Bewunderung über die deutschen strategischen Maßnahmen bei Lüttich. Die schweren Geschütze seien in Teile zerlegt nach Lüttich gebracht worden. Hierbei hätten die Deutschen nichts dem Zufall überlassen und auch keineswegs sich auf das Vorhandensein von Schienen verlassen, obwohl solche aller Wahrscheinlichkeit nach in dem Industriegebiet vorhanden sein mussten. Die deutschen Truppen hätten deshalb Schienen mitgeführt, die u. a. längs der Avenue Rogier gelegt worden seien, worauf man die ungeheuer schweren Geschütze fortbewegt habe. Von dort aus (also aus der Stadt) habe man dann aus einer Entfernung von sechs bis siebentausend Meter die Forts in aller Bequemlichkeit zusammengeschossen, ohne dass Opfer an Zeit oder Soldaten gemacht werden mussten. Die Forts hätten nicht einmal antworten können, da ihr Feuer sonst die eigene Stadt zerstört hätte.
Der Korrespondent der "Daily News", der im Auto von der belgisch-französischen Grenze nach Ostende fuhr, um nicht von deutschen Truppen abgeschnitten zu werden, gibt eine lebendige Schilderung von der Panik der Bevölkerung. Er sagt, die deutschen Truppen rückten unglaublich rasch vor. In flämischen Dörfern härte ihm die Bevölkerung entgegen geschrieen: "Warum haben uns die Engländer verraten? Warum hat man uns ganz ohne Nachricht gelassen, so dass wir jetzt hilflos sind?" Der Bericht schließt: Ein paar Stunden später wälzte sich schon die deutsche Flut so rasch daher, dass wir beinahe auf unserem Weg zur Küste abgeschnitten worden wären. Keine Provinz war uns mehr gelassen, wohin wir uns hätten wenden können.