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Schlachthaus Somme

Das Somme Schlachtfeld


Zu den entsetzlichsten Ereignissen des 1. Weltkrieges zählt die Schlacht an der Somme im Sommer und Herbst 1916. Die Deutschen, die das Gebiet an der Somme seit September 1914 besetzten, hatten die zwei Jahre genutzt, um den Landstrich zu einem der am besten befestigten Frontabschnitte zu machen. In dem festen Kreideboden hatten sie bis zu 10 m tiefe Unterstände gebaut, die selbst schwerstem Artilleriefeuer trotzen sollten. Diese Unterstände waren durch unterirdische Gänge und Kommunikationseinrichtungen mit dem Hinterland verbunden und mit allem versorgt, auch eine längere Beschießung durchzustehen. Oberirdisch wurde ein Netz von Maschinengewehrstellungen angelegt, das jeden Zugangswinkel der Ebene und der wenigen Tal Einschnitte unter Feuer nehmen konnten. Dazu gab es massive Drahtverhaue, die in den zwei Jahren Ruhe fast undurchdringlich wurden. Generalstabschef Erich von Falkenhayn hatte Anfang des Jahres den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Verdun Offensive verlegt und plante keine größere Aktion mit der 2. Armee. Er warnte jedoch General Fritz von Below, der Karl von Bulow als Kommandierenden der 2. Armee abgelöst hatte, dass die Alliierten möglicherweise eine Entlastungsoffensive für Verdun an der Somme planen könnten. Von Falkenhayn nahm aber an, dass deren Schwerpunkt nicht bei von Below, sondern bei Arras liegen würde und unterstellte ihm nur wenige Reserven.
 

Fritz von Below
Fritz von Below, ein Cousin von Otto von Below, dem Sieger der Schlacht von Caporetto, erwarb seine Meriten als Kommandeur des XXI. Korps in der zweiten Schlacht an den Masurischen Seen im Oktober 1915. Fritz von Below war Träger des Pour le Merit und erhielt im August 1916 das Eichenlaub zum Pour le Merit.
 

König Albert I. und Sir Douglas Haig
Auf der Gegenseite war der britische General Douglas Haig der dominierende Mann. Er hatte im Laufe der Zeit den britischen Oberbefehlshaber French immer wieder desavouiert, bis er am 16. Dezember 1915 dessen Stellung einnehmen konnte. Der britische Militärhistoriker John Keegan beschreibt Haig in seinem exzellenten Buch „Der Erste Weltkrieg, eine europäische Tragödie“: “Die erfolgreichen Generäle des Ersten Weltkrieges waren harte Typen. Dennoch brachten es einige fertig, Härte mit einer auffallenden menschlichen Eigenschaft zu verbinden: Bei Joffre war es Unerschütterlichkeit, bei Hindenburg Würde, bei Foch Leidenschaftslosigkeit, bei Kemal Sicherheit. Haig, in dessen öffentlichem Auftreten und privaten Tagebüchern keinerlei Teilnahme an menschlichem Leiden sichtbar wurde oder wird, kompensiert seine Reserviertheit nicht durch den geringsten menschlichen Zug. Trotz seines merkwürdigen Wesens war Haig ein tüchtiger Soldat, der French in jedem Bereich moderner militärischer Praxis überlegen war.
 

Vorbereitungen

Im Sommer 1915 bemerkten die Deutschen Bewegung hinter den französischen Linien. Eine französische Armee wurde durch britische Truppen abgelöst. Im Winter1915/1916 beschlossen die alliierten Befehlshaber, die Schlappen von 1915 durch eine gewaltige Offensive auszubügeln. Tatsächlich hatten sie jede ihrer Großangriffe scheitern sehen. Diesmal sollte eine gewaltige Anstrengung die Deutschen zermürben und einen Durchbruch gewährleisten. Diese hatten in dem festgelegten Gebiet sechs Divisionen stehen. Davon die 26. und 28. Reservedivision bereits seit September 1914, die 12. Division seit Oktober 1914 und die 52. Division seit April 1915.

Die Gegend, die sich die Alliierten für ihren Angriff ausgesucht hatten, wird wie folgt im zusammenfassenden Bericht aus dem deutschen Großen Hauptquartier beschrieben:
 

Bei Bapaume
„Der Abschnitt, den unsere Gegner für ihre neuen und gewaltigen Anstrengungen auserwählt hatten, ist in der Luftlinie etwa 40 Kilometer breit; er erstreckt sich in der Picardie zwischen den Dörfern Gommecourt, westnordwestlich Bapaume, und Vermandovillers,
südwestlich Péronne. Die beiden genannten Städte bildeten das Angriffsziel. Das Gelände ist eine teilweise leicht, teilweise kräftig gewellte Ebene, fruchtbar und gut angebaut, mit vielen wohlhabenden Dörfern und wenigen kleinen Waldparzellen durchsetzt. Zwei Wasserläufe bilden starke Einschnitte. Zunächst der Somme Fluss. Er läuft in kanalisiertem Zustande durch eine versumpfte Niederung von Süden her bis an die Stadt Péronne heran, dann mit starken Windungen in hauptsächlich westlicher Richtung. Zwischen den Dörfern Curlu und Eclusier unterbrechen seine Windungen mit den von ihnen umschlossenen Sumpfwiesen auf eine Breite von vier Kilometern senkrecht das beiderseitige Grabensystem, an dessen Stelle hier nur Drahthindernisse vorhanden waren. Einen ähnlichen, allerdings nicht ganz so bedeutungsvollen Einschnitt bildet der Ancre-Bach, welcher von Nordosten nach Südwesten durch die Stadt Albert hindurch der Somme zuströmt, die er hinter der feindlichen Front westlich Corbie erreicht. Seine Niederung durchschneidet zwischen den Dörfern Thiepval und Hamel die hier etwas nach Südwesten zurück gebogenen beiderseitigen Ausgangsstellungen
 

Phosphorgranate explodiert
So gliedert sich das Gebiet der Somme Schlacht in drei Abschnitte: den Nordabschnitt
von Gommecourt bis Hamel, den mittleren Abschnitt von Thiepval bis Curlu und den Südabschnitt vom Südrand von Frise bis Vermandovillers, der alten Hauptstadt der Viromanduer. Die Dörfer und Waldstücke des Schlachtfeldes wurden zu Stütz- und Brennpunkten des gewaltigen Ringens. Die feindliche Stellung war 1½ Jahre lang ganz von Franzosen besetzt gewesen, bis die Engländer einen Teil übernahmen. Der Punkt, an welchem sich die englische und die französische Front berührten, liegt auf einer Stelle, welche man etwa findet, wenn man eine gerade Linie vom Nordrande von Combles nach dem Südrande von Carnoy zieht“.
 

Briten an der Somme
Der eigentliche alliierte Angriffsplan sah eine große Beteiligung französischer und britischer Kräfte vor. Als jedoch am 21.Februar 1916 an der Nordfront von Verdun der deutsche Großangriff begann, waren die Franzosen gezwungen, sukzessive Divisionen von der Somme an die Verdun Front zu verlegen. Letztendlich blieb den Franzosen nichts anderes übrig, als ihren Somme Frontabschnitt zu verkleinern. Die Last lag nun hauptsächlich auf Seiten der Briten.
 

Britisches schweres Geschütz auf dem Marsch
Die 20 Divisionen, die Haig für seine Offensive bereitstellte, gehörten in erster Linie zur britischen 4. Armee unter Führung von General Henry Rawlinson. Zunächst ließ Haig für seine Truppen das Gebiet hinter den eigenen Linien zu einem riesigen Militärlager ausbauen.
Zeltstädte und Munitionslager, neue Strassen und Geschützstellungen wurden gebaut. Den Deutschen blieb dies nicht verborgen, wie der Bericht aus dem deutschen Großen Hauptquartier bezeugt: „Anzeichen wurden von unseren Truppen schon etwa Mitte Mai 1916 beobachtet. Von Ende Mai an wurde erhöhte Erkundungstätigkeit angeordnet, Patrouillen Unternehmungen missglückten daher. Bei anderen, erfolgreichen Aufklärungsversuchen wurden Gefangene eingebracht, wobei man feststellen konnte, dass der Gegner seine Grabenbesatzungen zusammen schob und verstärkte. Unsere Flieger erkannten hinter der feindlichen Front erhöhte Tätigkeit, eine Menge neuer Feldbahnen und Unterkunftsanlagen. Das alles gestattete aber noch keinen sicheren Schluss auf Stärke und Umfang des bevorstehenden Angriffs. Denn der Feind entfaltete zugleich auch auf der übrigen Front eine lebhafte Tätigkeit, um seine Absichten zu verschleiern. Volle Klarheit kann erst der tatsächlich einsetzende Angriff liefern“.
 

Dicke Berta
Der Schlachtplan Haigs glich in frappierender Weise dem des deutschen Verdun-Oberbefehlshabers von Falkenhayn. Er unterschied sich nur dadurch, dass Haig hoffte, die deutschen Linien durchbrechen und freies Gelände gewinnen zu können. Seine Hoffnungen stützten sich dabei auf ein bis dahin nicht gekanntes Artillerietrommelfeuer. Binnen einer Woche sollten eine Million Granaten verschossen werden, die damit den Angriff einleiteten.
Haig erhoffte sich damit eine totale Lähmung der deutschen Verteidiger du wollte am Tag X, dem 1. Juli 1916, 19 britische und drei französische Divisionen angreifen lassen. Haig war von dem Erfolg des Trommelfeuers derart überzeugt, dass er der Infanterie verbot auf althergebrachter Taktik „Feuer und Bewegung“ vorzugehen, sondern befahl aufrecht und in gerader Linie vorzurücken.
 

Drahthindernisse im Niemandsland
Oberbefehlshaber Haig war überzeugt von einem Durchbruch bei Bapaume, sein Frontkommandeur Rawlinson rechnete jedoch eher mit einem begrenzten Ergebnis, dem Einbruch in das deutsche Grabensystem. Beide waren aber absolut von der Wirkung des neuen Trommelfeuers überzeugt. Dafür wurden gewaltige Anstrengungen unternommen. Drei Millionen Granaten wurden in Frontnähe gelagert, 1.000 Feldgeschütze, 180 schwere Geschütze und 245 schwere Mörser bereitgestellt. Das bedeutete eine Dichte von einem Feldgeschütz auf 20 Frontmeter und ein schweres Geschütz oder Mörser auf 50 Frontmeter.
Der Artillerieplan sah vor, dass die Feldgeschütze die Drahtverhaue zerschlagen, die schweren Geschütze die Batteriestellungen und MG Nester vernichten sollten.
 

Trommelfeuer

Gas!
Ab dem 22. Juni deutete der sich steigernde Beschuss der deutschen Linien auf einen baldigen Angriffsbeginn hin. Die deutschen Grabenbesatzungen bekamen keine Minute Ruhe, denn in den Pausen zwischen den Sperrfeuern verschossen die Briten Gasgranaten, die über die deutschen Stellungen hinweg strichen. Das bedeutete doppelten Stress für die Soldaten, die nicht nur den Beschuss nervlich durchstehen, sondern auch noch die Unbequemlichkeit einer Gasmaske ertragen mussten. Vom 25. bis zum 30. Juni steigert sich die Beschießung zum Trommelfeuer.
 

Mit Drahtscheren im Vorfeld
„Am 1. Juli 1916 morgens fünf Uhr schwoll auf der ganzen Front von Gommecourt bis Vermandovillers, am meisten aber unmittelbar nördlich und südlich der Somme, das Trommelfeuer zu unerhörter Heftigkeit an. Drohend wälzten sich Gaswolken über das Schlachtfeld. Von neun Uhr an wurde deutlich, dass der Sturm unmittelbar bevorstand: das Feuer prasselte hauptsächlich auf die vorderen Gräben. Um zehn Uhr 30 Minuten verlegte der Feind es auf die zweite Stellung, und gleich darauf erfolgte auf der ganzen Linie der allgemeine Sturm“, schreibt der Chronist des zusammenfassenden Berichtes des Großen Hauptquartiers.
 

27 t Sprengstoff schufen diesen Karter
Die Literatur ist voll von Darstellungen der Stunde X am Vormittag des 1. Juli. Die Briten und Franzosen, die sich so sicher sind, dass das Trommelfeuer jeden deutschen Widerstand im Keine erstickt hat, kletterten aus ihren Gräben und gingen fast Schulter an Schulter, beladen mit einer 27 kg schweren Ausrüstung, die zur Instandsetzung der eroberten feindlichen Linien dienen sollte, gegen die Deutschen vor. Die Stimmung strotze vor Siegessicherheit. So sehr, dass einige sogar auf dem Weg zum Feind sich Fußbälle zuspielten. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass dieses ungeheure Feuer und 21 große Minensprengungen irgendein deutscher Verteidiger hätte überleben können. Doch das Erwachen aus diesem naiven Traum war fürchterlich.
 

Kameraden
Der Schrecken unter den Angreifern war groß als sie die ersten intakten Drahtverhaue vorfanden und gleichzeitig Maschinengewehre das Feuer auf sie eröffneten. Die Deutschen, die unablässig trainiert hatten die schweren MGs von ihren 10 m tiefen Unterständen nach oben zu schleppen schossen wie in Trance auf die anmarschierenden Briten. Das Feuer wanderte entlang der Verhaue bis hin zu den ersten britischen Gräben, wo sie Männer erfasste, die noch nicht einmal das Niemandsland betreten hatten. Ein Feldwebel des 3. Bataillons der Tyneside-Iren berichtete nach der Schlacht: „Links und rechts von mir sah ich lange Reihen von Soldaten. Dann hörte ich in der Ferne das Tacken von MGs. Als ich 10 m weiter gegangen war, schienen um mich herum nur noch wenige Männer übrig zu sein. Als ich 20 m gegangen war kam es mir vor, als sei ich allein. Dann wurde auch ich getroffen“.
 

Britische Gefangene helfen deutschen Soldaten bei der Durchsuchung
Im Jargon der Heeresberichterstattung las man auf deutscher Seite solches: „Sie (die Briten) waren auf einen "Spaziergang" gefasst gewesen und fanden trotzigen, hartnäckigen Widerstand, mussten sehen, wie der vernichtet geglaubte Feind schwere blutige Verluste in ihre Reihen riss. Unsterblich wird der Ruhm der Männer bleiben, die nach solcher Tage Höllengraus noch unverzagt dem Feind die Stirn geboten, seine Pläne gleich im Beginn zerschlagen haben. In der Dankbarkeit des Volkes leben die ihrem Posten bis zum Tod Getreuen fort, denen der einstürzende Graben das Ehrengrab geworden ist“.
 

1. Battailon Lancashire Fusiliers bei Beaumont Hamel
Die britischen Verluste an diesem ersten Tag waren ungeheuerlich. Von den 100 000, die das Niemandsland betreten hatten, kehrten 20 000 nicht zurück. Weitere 40 000 wurden verwundet. Die Deutschen, denen es gelang noch im Laufe des Tages Verstärkungen heranzubringen, erlitten erheblich weniger Verluste. Etwa 6 000 Mann fielen durch Tod oder Verwundung aus. Die wohl schlimmsten Verluste erlitt das 1. Neufundland-Regiment bei Beaumont Hamel.
 

Untergang der Neufundländer

Die Front bei Beaumont Hamel
Die Beaumont-Hamel Stellung lag am nördlichen Ende der 45 km langen Front und war von drei britischen Infanterie Brigaden der 29. Division besetzt. Am 1. Juli begann der Angriff der 86.,87. und 88. Brigade um 07.30 mit einer Minenexplosion am „Hawthorn Ridge“, bei der mehr als 18 Tonnen Sprengstoff einen Teil der deutschen Linien ausradieren sollten. Diese Linien wurden von erfahrenen Soldaten des 119. Reserve-Regiments der 26. Würtembergischen Reserve Division gehalten. Die Brigaden sollten den neu entstandenen Krater besetzen um dadurch den Graben beherrschen zu können
 

Kriegsfurie
Der Angriff der Brigaden endete in einem Inferno am Drahtverhau, der Kraterrand war bei Ankunft der Engländer bereits von Würtembergern besetzt und der gesamte Angriff kam zum erliegen. Der zweiten Welle erging es nicht anderes. Der Divisionskommandeur, Major General Beauvoir de Lisle, forderte gegen 08.45 das 1. Neufundland Regiment als Reserve an und warf sie gegen 09.15 in die Schlacht.
 

Die Lage bei Thiepval
Als die Neufundländer aus den Gräben kletterten und sich in Linie postierten, stellten sie fest, dass sie die einzige Truppe waren, die gegen den Feind vorgingen. Daher konnte sich auch das gesamte deutsche Feuer auf die vorgehenden Schützenlinien konzentrieren. Viele fielen schon wenige Schritte hinter dem Graben, aus dem sie geklettert waren. Weitere, als sie den englischen Drahtverhau durchquerten. Mit unglaublichem Mut nahmen die Überlebenden eine neue Schlachtordnung ein und gingen “mit dem Kinn nach unten gedrückt wie durch einen Schneesturm” auf die deutschen Linien los, die nur 400 Meter entfernt waren. Auf halbem Wege den Abhang hinunter traf sie das Feuer am heftigsten an einer Baumgruppe, die bis heute „The Danger Tree“ heisst. Der Kommandeur der Neufundländer, Lieutenant Colonel Hadow, der den Untergang seiner Truppe aus einer Sappenstellung beobachtete meldete gegen 09.45 seinem Vorgesetzten Brigadekommandeur, dass der Angriff misslungen sei und 85% seiner Leute tot oder verwundet wären. Und trotzdem kämpften überlebende Neufundländer in isolierten Stellungen weiter. Captain G.E. Malcolm versuchte mit 40 Mann dien deutschen Graben zu stürmen, blieb aber kurz vor dem Graben liegen.
 

Britischer Angriff
Die Deutschen wurden weniger durch das Trommelfeuer und den Infanterieangriff erschüttert, vielmehr waren sie schockiert von dem beispiellosen Mut und Entschlossenheit der Angreifer. Das entsetzliche Gemetzel, das ihre Maschinengewehre anrichteten, wühlte sie so auf, dass sie vielfach das Feuer einstellten und den überlebenden Verwundeten die Chance einräumten, zu ihren Linien zurück zu kriechen oder zu humpeln. Diejenigen, die es schwerer erwischt hatte, hatten keine Chance auf Rettung. Vielfach verkrochen sie sich in Granattrichter und krepierten unter entsetzlichen Qualen in den nächsten Stunden und Tagen.
 

Body Count
Falkenhayn war über die Offensive tief beunruhigt. Er war außer sich über einzelne Gebietsverluste und zog sofort Konsequenzen. Er löste von Below`s Stabschef, General Grunert, ab und ersetzte ihn durch den Chef seiner eigenen Operationsabteilung, Oberst Fritz von Lossberg. Von Lossbergs erste Amtshandlung war die Änderung der Taktik. Er ordnete eine „Verteidigung in der Tiefe“ an, die nicht auf Schützengräben, sondern auf Linien von Granattrichtern basierte. Die vordersten Linien waren nur dünn besetzt um Verluste zu begrenzen und verloren gegangenes Gelände sollte durch Gegenstöße wieder gewonnen werden.
 

Deutsche Gefallene
In den nächsten Wochen unternahmen die Alliierten unzählige Angriffe, die nichts brachten. Haigs Wunsch nach einem Durchbruch mit anschließendem Kavallerieangriff löste sich in Luft auf. Die Kavallerie mutierte zu Infanteristen. Bis zum 31. Juli hatten die Deutschen 160 000 Mann, die Briten und Franzosen über 200 000 Soldaten verloren. Dabei war die Frontlinie nur an einigen Stellen um fünf Kilometer verschoben worden. Nördlich des Flüsschens Ancre blieb alles beim alten Frontverlauf.
 

Trichterfeld
Den ganzen August hindurch hielten die Angriffe der Briten an. Die 51. Reserve Division von Generalleutnant W. Balck wurde zur Verstärkung von der Ypern Front an das rechte Somme Ufer bei Combles verlegt. Über seine erste Eindrücke vom vorgeschobenen Unterstand schrieb der Leutnant der Reserve Sapper vom Feldartillerie-Regiment 116: „"In dem 1,20 m breiten Gang, der die beiden Ausgänge verband, stand ein kleiner Tisch. An ihm saßen beim Licht einer rußenden Kerze der Bataillonsführer und sein Adjutant über ihren Karten und Stellungsplänen. Ein handgroßes Plätzchen an ihm bekam nun auch ich als Arbeitsplatz zugewiesen. Drei Infanteristen und drei Artilleristen bedienten, auf dem Böden kauernd, ihre Telefonapparate, und auf den Stollentreppen hockten noch ein halbes Dutzend Meldegänger; damit war "das Haus" bis auf den letzten Platz gefüllt. Zum Schlafen war keine Stelle zu finden, an der man sich hätte ausstrecken können. Nur der Kommandeur hatte ein kistenähnliches Bett, eine Annehmlichkeit, die er aber während meines viertägigen Aufenthaltes beim Bataillon nur einmal für einige Minuten ausnützen konnte. Am ersten Tage meines Kommandos lag der schwer gasvergiftete Bataillonsarzt in diesem Bett“.
 

Balck`s Eindrücke von der Somme Schlacht drückte er in seinem Bericht so aus: „Unendlich langsam verstrich der Tag. Dumpf vor sich hinstierend lauschte man auf den wieder anschwellenden Gefechtslärm. Aus einer Ecke drang das quälende Röcheln des gasvergifteten Rettungsmannes, vermischt mit dem leisen Wimmern der völlig zusammengebrochenen Leute aus der Telefonzentrale. Ab und zu kamen Gefechtsordonnanzen mit durch Schrecken und Anstrengung unkenntlichen Gesichtern, überbrachten wortlos ihre Meldungen aus vorderster Linie und wurden mit Befehlen wieder hinausgeschickt. Meine Telefonverbindung zu den Artilleriebeobachtungen war schon längst nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen. Ich konnte meine drei Telefonisten nur als Meldegänger verwenden. Schon am ersten Tage fielen zwei von ihnen durch Gasvergiftung aus, und erst nach zwei Tagen bekam ich Ersatz. Gegen Abend steigerte sich das feindliche Artilleriefeuer aller Kaliber zum Trommelfeuer. Zweifellos wollte der Engländer wieder angreifen, wie er es seit Tagen fast jeden Morgen und Abend an dieser Stelle versucht hatte. Da keine telefonische Verbindung nach rückwärts mehr bestand, eilte ich mit einer Leuchtpistole und roten und grünen Leuchtkugeln nach dem Stolleneingang hinauf. Dort oben war die Hölle los! Mit betäubendem Krachen schlugen überall die Granaten ein, hüllten die stürzenden Häusermauern in ihre schwarzen Rauchwolken, bohrten sich in die Trümmer und wühlten in den Schutthaufen, Steine und Eisen empor reißend. Mit scharfem Krachen und heller Flamme zersprangen die Schrapnells und klirrend barsten die Dachziegel unter ihrem Bleihagel. Balkenwerk begann zu brennen und über der Feuerglut flatterten zahllose weiße Leuchtkugeln am Himmel, von dem sich die zerschossenen und zerfetzten Häusertrümmer in gespenstischen Umrissen abhoben. Und da! - jetzt ging es los! - Scheinwerfer blitzten auf, Maschinengewehr- und Infanteriefeuer knatterte die Gräben entlang. Ich feuerte meine roten Signalpatronen ab, auch aus den Gräben fliegen jetzt überall unter weißen Leuchtkugeln rote hoch, - Sperrfeuer“.
 

Geburt einer revolutionären Waffe

Little Willi
Mitte September versuchten die Briten mit einer technischen Neuerung den Durchbruch zu erzwingen, dem Tank. Die Idee des Tanks wurde bereits vage von Leonardo da Vinci entwickelt und 1903 in einer Kurzgeschichte von HG Wells, „The Land Iron-Clads“, umrissen. Die ersten Raupenschlepper wurden bereits 1905 in der Landwirtschaft eingesetzt. Sämtliche Vorschläge ziviler Spezialisten, eine gepanzerte Kampfmaschine einzuführen, wurden aber vor dem Krieg abgelehnt. Nach Beginn des Grabenkriegs machte sich der britische Offizier, Ernest Dunlop Swinton, daran, ein ähnliches Konzept zu entwickeln. Seine Planungen wurden allerdings in erster Instanz vom Generalstab und dem Kriegsminister Lord Kitchener abgelehnt. Nachdem Swinton seinen politischen Einfluss geltend gemacht hatte, konnte er einen Test eines Prototypen durchsetzen. Dieser schlug allerdings fehl. Diese Pleite wäre beinahe das Ende des kurzen Tanklebens gewesen, wenn nicht der spätere Premierminister und damalige Marineminister Winston Churchill die Initiative ergriffen hätte. Er bezeichnete den Panzerentwurf kurzerhand als Landschiff und somit unter das Ressort der Marine fallend. So bildete Churchill aus Marineoffizieren und Zivilisten den Ausschuss für Landschiffe . Ab 17. September 1915 baute Leutnant Walter Gordon Wilson den ersten Prototyp, „Little Willie“ genannt. Als das technische Konzept der Maschine Gestalt annahm, erhielt das Komitee Dezember 1915 den Tarnnamen „Ausschuss für die Bereitstellung von Tanks“ Daraus leitete sich der heutige englische Begriff Tank ab. Im Januar 1916 hatte man „Mother“, einen größeren Prototypen mit Geschützturm gebaut. Letztendlich kamen im September 49 „Mark I„ zum Einsatz.
 

Brisicher Mk I Tank
Die noch in den Kinderschuhen steckende Technologie verlangte der achtköpfigen Besatzung das Äußerste ab. Allein die Steuerung des Tanks erwies sich als schwere Aufgabe. Das am Heck platzierte hölzerne Fahrgestell erwies sich zur Steuerung als untauglich und wurde ab dem November 1916vollkommen entfernt. Mithilfe der Kettenbremsen den Kurs zu halten, erwies sich als fast übermenschliche Aufgabe, da hierzu die Kräfte mehrerer Soldaten gebraucht wurden. Als einzig gangbarer Weg erwies sich das Auskoppeln jeweils einer Kette über ein Sekundärgetriebe, um den Panzer in eine gegebene Richtung drehen zu lassen. Doch selbst dies erwies sich wegen des infernalischen Lärms als schwierig, da die Befehle des Kommandanten nur über Klopfzeichen eines Hammers vermittelt werden konnten. Diese körperliche Schwerstarbeit fand bei Temperaturen von bis zu 50° Celsius statt. Auch Abgase und Pulverdämpfe drangen in den ungeschützten Innenraum ein und machten die Arbeit der Soldaten noch unerträglicher. Ein abgegrenzter Stauraum für Munition und Proviant war nicht vorgesehen, so dass umherrutschender Ballast ein weiteres Verletzungsrisiko darstellte.
 

Britischer Tank überwindet Schützengraben
Die Fahrzeuge wurden der Schweren Abteilung des Maschinengewehr-Korps zugeteilt und sollten an der alten Römerstrasse, die von Albert nach Bapaume führt, ihre Feuertaufe erhalten. Am 15. September um 06.20 rollten sie los. Die Überraschung ermöglichte einen Vormarsch von drei Kilometern, bevor sie wegen technischer Probleme, Schlamm, Trichter oder deutscher Artillerie ausfielen. Das war der spektakulärste Erfolg auf britischer Seite seit Jahren und hätte zu einem Durchbruch führen können, wenn nicht die deutsche Infanterie in Gegenstößen das Gefechtsfeld abgeriegelt und den Staus Quo wiederhergestellt hätte.
 

Volltreffer auf Unterstand
Haig erneuerte seine Angriffe zwischen dem 25. und 27. September mit den Schlachten von Morval und Thiepval. Ein weiterer Angriff wurde am 1. Oktober bei den Höhen der Ancre gestartet, der bis zum 11. Oktober dauerte. Im Oktober drängte Joffre die Briten weiter anzugreifen, um die Deutschen bei Verdun zu schwächen. Joffre wollte unter allen Umständen verhindern, dass deutsche Truppen zur Unterstützung der Verdun Kämpfer von der Somme Front abgezogen würden. Der letzte große Angriff fand am 13. November in der Schlacht an der Ancre statt, bei der die wichtige Feldfestung Beaumont Hamel erobert wurde.
Als die Schlacht an der Somme endlich am 19. November eingestellt wurde, hatten sie seit dem 1. Juli 11 km Gelände gewonnen. Bezahlen mussten diesen “Erfolg” die Deutschen mit wahrscheinlich 600 000 Gefallenen und Verwundeten. Engländer und Franzosen verloren sogar noch mehr. 194 451 Opfer bei den Franzosen und 419 645 Tote und Verwundete bei den Engländern. Für die Briten die größte militärische Katastrophe im 20. Jahrhundert, wenn nicht in ihrer gesamten Geschichte.
 

Kirche von Albert
Wer heute über die ehemaligen Schlachtfelder wandert, kann anhand der unzähligen Friedhöfe – einige mitten in Feldern ohne Zugang – den Verlauf dieser Horrorschlacht nachvollziehen. Eine mit Sicherheit ergreifende Wanderung.