Knochenmühle "Toter Mann"
Die schnelle Eroberung des Douaumont versetzte die Franzosen in Panik. Als bekannt wurde, dass die Maasbrücken zur Sprengung vorbereitet wurden, wurden die Lebensmitteldepots geplündert. Alles sah nach einem Rückzug aus. Das änderte sich erst, als der Vertreter Joffres, General Castelnau, entschied, die vorgeschobenen Stellungen zu halten. Er betrachtete den Kampf um Verdun als einen Prüfstein für die Fähigkeit Frankreichs den Kampf fortzuführen. Mit der Durchführung beauftragte er General Petain, der ganz nach dem Geschmack von Falkenhayns war. Er war ein Mann, der nie aufgab.
Petain erkannte sofort die Notwendigkeit einer Verbesserung der Nachschubsituation und einem besser koordinierte Einsatz der Artillerie. Petain erklärte kurzerhand die einzige Verbindungsstrasse zwischen Verdun und Bar-leDuc zur Nachschubroute und verbannte jeglichen Verkehr außer dem von Lastkraftwagen in die 80 km entfernte Stadt. In kürzester Zeit hatte er 3 500 LKWs requiriert, die die benötigten 2 000 Tonnen täglich heranschafften. Später, nachdem das ganze Land nach Fahrzeugen durchkämmt worden war, waren 12 000 LKWs auf der Voie Sacree, der heiligen Strasse, unterwegs.
Der verbesserte Einsatz der französischen Artillerie, sowie der verzweifelte Widerstand der Infanterie ließ den deutschen Vormarsch schließlich stoppen. Bereits am 27. Februar hieß es, es gäbe nirgends Erfolg. Unter den Franzosen, die schwer verwundet in deutsche Gefangenschaft an diesem Tag gerieten, war unter anderen auch Hauptmann Charles de Gaulle. Immer mehr Geschütze wurden von den Deutschen an die Front geschafft und von Pferden unter unvorstellbaren Qualen über eine Kraterlandschaft in Stellung gebracht. An einem Tag sollen mehr als 7 000 von ihnen umgekommen sein. Bis um Abend des 27. Februar waren die Deutschen bis auf sechs Kilometer an die Stadt herangekommen. Dann ging nichts mehr.
Von Falkenhayn und der Kronprinz beschlossen eine neue Strategie. Ein Angriff auf das linke Maasufer sollte den Vormarsch wieder in Gang setzen. Ziele waren die Artilleriestellungen hinter den Kuppen „Toter Mann“ (Mort Homme) und „Höhe 304“. Im Bericht des deutschen „Großen Hauptquartiers“ konnte man über diese Gegend lesen: „Das Gelände stellt hier eine von den Argonnen her sich langsam zum Maas Tale absenkende Hochfläche dar, deren Erhebungen zum Teil von weiten Wäldern bedeckt, zum Teil völlig kahl und Wasser los sind. In den flachen Senkungen ist eine Anzahl Dörfer mit soliden Steinhäusern eingebettet. Die Wälder, die Höhen, die Dörfer boten der Verteidigung Stützpunkte, die mit allen Mitteln verstärkt worden waren und immer noch weiter verstärkt wurden. Der Kampf um diese Punkte bildet den eigentlichen Inhalt des mörderischen Ringens, das sich hier fast ohne Unterbrechung in den Monaten März, April und Mai 1916 abspielte.“
Am 6. März begann die Offensive mit einem Trommelfeuer. Es schneite, als gegen Mittag die Schlesier des VI. Reserve-Korps sich in Richtung „Toter Mann“ in Bewegung setzten. Unter anderem wurden sie auch von einem Panzerzug unterstützt, der auf dem linken Maasufer aus Dannevoux in Richtung Verdun fuhr. Dieser durchbrach die Drahtverhaue der Franzosen, musste aber bald darauf zurücksetzen, da der Qualm der Lokomotive französische Artillerie anlockte. In den nächsten Tagen schoben sich die Deutschen unaufhaltsam in Richtung „Toter Mann“ vor, bis am 14. März die Schlesier des Reserve-Infanterie-Regiments 38 die Kuppe besetzten. Diese hätten sogar noch weiter vorrücken können, wurden jedoch von ihren Vorgesetzten daran gehindert. Ein grober Fehler, denn nun saßen sowohl Deutsche als auch Franzosen auf dem „Toten Mann“, der nicht nur einen Gipfel, sondern deren zwei besaß.
Am 8. März hatte auch ein weiterer Angriff auf Fort Vaux und das benachbarte Dorf begonnen. Am Abend hieß es fälschlicherweise, das Fort wäre genommen worden und so wurde es am 9. März auch im Heeresbericht verkündet. Man verlieh sogar dem Kommandeur der 9. Reserve-Division, General von Guretzky, den Pour le Merit. Dabei lag die Einnahme des Forts noch in weiter Ferne.
Die Soldaten mussten furchtbares erdulden. Kälte, Schnee, Regen, ununterbrochenes Trommelfeuer und daraus resultierender Mangel an Verpflegung ließen das Dasein auf dem Schlachtfeld zu einem Martyrium werden. Dazu kam die Zweiklassengesellschaft. Die Generalstabsoffiziere lebten hinter der Front in der Etappe ohne den Horror der Front. Nur durch das Scherenfernrohr sahen sie dem Tod ins Auge. Dazu kam die kalte Arroganz. Was sollte ein normales frierendes „Frontschwein“ denken wenn ihn Generalstabsoffizier gefragt hätte: „Frieren Sie? Frieren tun Onanisten, Säufer und Hurenböcke. Was sind sie?“
Am 9. April verstärkte die Deutschen ihre Bemühungen wieder und begannen ihre dritte Offensive. Vier Tage rannten sie gegen die gegnerischen Stellungen an. Bis der Regen jeden weiteren Kampf im Schlamm erstickte. Nun übernahm die Artillerie den Fortgang und hielt so die „Knochenmühle“ Verdun am laufen. Im Mai besserte sich das Wetter und die Angriffe wurden wieder aufgenommen
Inferno im Douaumont
Das Fort Douaumont wurde seit der Einnahme im Februar von den Deutschen als Organisationszentrale genutzt. Hier gab es eine Signalstation, mit der man Verbindung nach hinten aufnehmen konnte, hier wurden Munitionslager eingerichtet und hier gab es eine Sanitätseinrichtung für die vielen Verwundete. Stabsarzt Dr. Hallauer von der Sanitätskompanie 3 des III. Armee-Korps hatte Anfang Mai gefordert im Douaumont ein Lazarett einzurichten, da bei dem sechs Kilometer langen Weg in die rückwärtigen Lazarette die meisten der Schwerverwundeten verstarben. Am 6. Mai richtete er mit vier Freiwilligen im untersten Stockwerk des Westraktes einen Operationssaal ein.
Am Vormittag des 7. Mai schlug eine schwere Granate in den Gang des Lazarettes ein und verschüttete den Entlüftungsschacht. Sofort machte sich starker Chlorgeruch breit. Ein untrüglicher Beweis , dass es sich um eine Gasgranate gehandelt haben musste. Erst als die Lüftung wiederhergestellt worden war, wurde das Atmen wieder erträglich. Plötzlich, gegen vier Uhr morgens, hallten Schreie durch die Gänge, „die Schwarzen kommen“, bevor drei gewaltige Explosionen ertönten. Schlagartig erlosch das Licht und eine ungeheure Druckwelle raste durch das Fort.
Leutnant Wolfstieg vom 12. Bataillon der 5. Infanterie-Division war der erste Offizier, der den Mut hatte mit Hilfe zweier Soldaten und Gasmasken das Innere des Douaumont zu erkunden. Zu sehen war zunächst wegen der Finsternis nichts. Um besser sehen zu können nahmen sie die Masken ab und erstarrten vor Schreck. In dem Gang, in dem sie sich befanden, liegen Soldaten in ihren Schlafdecken und sind sämtlich tot. In anderen Gängen, die zu den verschiedenen Kasematten führen, liegen verstümmelte Tote, manchmal nur Teile von Menschen, Rümpfe, Arme, Beine, alles schwarz gefärbt und mit Pulverstaub bedeckt. Die gewaltige Druckwelle hatte die Getöteten in die Ecken der Gänge gequetscht. Dort lagen die Leichen in mehreren Lagen übereinander. Einige schienen an den Wänden zu kleben. Der untere Gang war vollständig verschüttet und man hörte explodierende Infanterie Munition.
Dr. Hallauer begann die Toten Soldaten und Offiziere zu untersuchen. Er schätzte die Anzahl der Toten auf 700 bis 800 Mann. Er stellte fest, dass die meisten durch den Luftdruck, durch Splitterwirkung, Verbrennungen und Ersticken getötet worden waren. Die Überlebenden waren in einem Zustand von Schock, Verwirrungs- und Erregungszuständen. Viele litten an Sprachlähmung, Hysterie, Krämpfen und Psychosen. Viele der Leichen waren aber überhaupt nicht entstellt. Diese Menschen waren an Rauch- und Gasvergiftung gestorben.
Dr. Hallauer versuchte nun die Ursachen der Explosionen zu finden und wurde bald fündig. Es stellte sich heraus, dass in der Nähe des Südausganges Flammenwerfer und das dazugehörige Flammöl in einem Korridor des Kellergeschosses neben einem Stapel französischer 15 cm Granaten und dem Handgranatenlager abgestellt worden waren. Infanteristen hatten wahrscheinlich ziemlich sorglos mit Gaskochern Kaffee heißmachen wollen und dabei das Flammöl entzündet. Dies wiederum führte zu starken Bränden, die auch die Schwärzung der Gesichter („die Schwarzen kommen!“) verursachten. Andere Infanteristen glaubten nun, durch schwarze französische Soldaten angegriffen worden zu sein und warfen ihnen Handgranaten entgegen. Diese entzündeten die Granaten und weitere Gasminen, die dort lagerten. Die Bergung der Leichen war so mühselig und schwierig, dass die Pioniere beschlossen, die meisten Leichen in den zwei linken Außenkasematten zu stapeln. Dann wurden Ziegelmauern hochgezogen.
Am 22. Mai versuchten die Franzosen, die Gelegenheit zu nutzen und den Douaumont wieder zu erobern. Ihren Sturmtruppen gelang es bis zu den Außenmauern vorzudringen, dann wurden sie jedoch wieder von den Deutschen geworfen. Zwischen dem 1. und 7. Juni versuchten die Deutschen endlich das Fort Vaux einzunehmen. Auf einer fünf Kilometer breiten Front, unterstützt von 600 Geschützen, griffen die Divisionen des 1. Bayerischen Armeekorps, des X. Reservekorps und des XV. Armeekorps an. Ein erbitterter Kampf tobte um das Fort wobei Minenexplosionen und Flammenwerfer die einzelnen Abschnitte unter Feuer nahmen. Schließlich musste der Kommandant, Major Raynal, wegen Wassermangels kapitulieren.
Die Deutschen, von dem ungeheuren Verteidigungswillen der Franzosen beeindruckt, zollten Major Raynal militärische Ehren. Der deutsche Kronprinz empfing den Major, um seinen Respekt zu bekunden. Als er bemerkte, dass Raynal seinen Degen verloren hatte, schenkte er ihm einen anderen als Zeichen seiner Anerkennung.
Bis zur Erschöpfung
Am 22. Juni begann ein weiterer deutscher Angriff in Richtung der beiden Forts von Souville und Tavannes. Hier setzten sie auch zum ersten Mal Grünkreuzgas Granaten gegen die feindlichen Artilleriestellungen ein. Wegen der fehlenden Artillerieunterstützung wankten die Reihen der Franzosen beim Ansturm des Alpenkorps, einer Elitedivision des Bayerischen Leibregiments und eines preußischen Jägerregiments, dem auch der spätere Oberbefehlshaber der 6. Armee in Stalingrad, Generalfeldmarschall Paulus, angehörte. Am 23. Juni gelang den Bayern eine Schlagzeile. Die 1. bayerische Division eroberte das Zwischenwerk Thiaumont, ihre Nachbarn, das Alpenkorps nahm das Dorf Fleury ein und stieß einen weiteren Kilometer bis zur „Filzlaus“ vor, einer starken französischen Stellung bei Belleville. Der weiteste Vorstoß gelang dem spätere SA- und damaliger Kompanieführer Ernst Röhm und einem weiteren Offizier zusammen mit 15 Mann, die das Infanteriewerk 147 auf dem Höhenkamm „Kalte Erde“ (Froide Terre) erreichten.
Die Deutschen ahnten nicht, wie nah sie dem Durchbruch waren. Bis in die Vororte Verduns waren die Verteidiger in Panik gelaufen. Überall wälzten sich Gaskranke auf dem Boden und starben unter unsäglichen Qualen. Schon begann man Schützengräben in den Vororten anzulegen und der Kommandant des Tunnels von Tavannes wollte die Eingänge sprengen, obwohl dieser die einzige Zuflucht für Verwundete war. Und wieder einmal waren es ein paar Maschinengewehre, ein paar Feldgeschütze und ein paar Offiziere, die sich nicht von der Panik anstecken ließen und den Widerstand organisierten und den Vormarsch der Deutschen stoppten.
Der Chef des Generalstabes der 5. Armee, Generalleutnant Schmidt von Knobelsdorf wollte unbedingt einen weiteren Angriff starten, da er sich nur noch 3 km vor Verdun befand Falkenhayn hingegen war das Unternehmen Verdun sichtlich leid. Knobelsdorf hingegen wollte einen letzten Versuch, da er keine Alternative sah. Ein Zurückgehen, wie es der Kronprinz forderte kam dem Eingeständnis einer Niederlage gleich. Falkenhayn ließ sich am 24. Juni noch einmal überzeugen und gab grünes Licht.
Doch die Franzosen kamen Knobelsdorf zuvor. Am gleichen Tag eröffneten sie nach einem vierstündigen Trommelfeuer ihren Großangriff und brachten damit die deutschen Vorbereitungen völlig durcheinander. Die Bayern, die sich in Fleury verschanzt hatten, wehrten sich verzweifelt. Prinz Heinrich von Bayern, eine Ausnahme unter den Söhnen deutscher Fürstenhäuser, da er ein Bataillon in vorderster Linie führte, wurde bei einem Volltreffer au seinen Unterstand verschüttet. Da die Quellen unter Feuer lagen, mussten die Infanteristen sich das Wasser aus den Trichtern holen. Es kam durchaus vor, dass sie am nächsten Morgen Würmer im rostbraunen Wasser entdeckten. Wasser aus Trichtern, in denen seit Tagen Leichen lagen.
Am 11. Juli wurde ein letztes Mal versucht, die Franzosen aus dem Fort Souville zu vertreiben. Stoßtrupps gelangten bis auf das Dach des Forts, wurden aber zurückgeschlagen
Am 11. Juli wurde ein letztes Mal versucht, die Franzosen aus dem Fort Souville zu vertreiben. Stoßtrupps gelangten bis auf das Dach des Forts, wurden aber zurückgeschlagen
Selbst für den größten Optimisten unter den Deutschen war es offensichtlich, dass alle Anstrengungen umsonst waren. Mit dem Beginn der Somme Offensive wurden Truppen und schwere Artillerie in diesen neuen Kampfraum verlegt. Am 12. Juli erließ der Kronprinz einen Erlass aus dem hervorging, dass die Offensive „vorübergehend“ eingestellt werden sollte.
Am 15. August zog von Falkenhayn in einem Schreiben an Kronprinz Wilhelm erstmalig den Abbruch der Schlacht in Erwägung, da "Sparsamkeit in der Ausgabe von Menschen und Munition" geboten sei. Wilhelms Stabschef Schmidt von Knobelsdorf beharrte jedoch auf Fortführung der Offensive. Empört bat der Kronprinz seinen Vater, Kaiser Wilhelm II., um die Abberufung Knobelsdorfs. Am 23. August entsprach Wilhelm II. dieser Bitte und bereitete ebenso die Ablösung von Falkenhayns in die Wege, die sechs Tage später erfolgte. An von Falkenhayns Stelle traten Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff. Hindenburg ordnete sofort die Beendigung der Kämpfe und den Ausbau einer festen Stellung in der gewonnenen Frontlinie an.
Die Schlacht bei Verdun hatte mit dem Übergang der Fünften Armee zu einer defensiven Taktik noch nicht geendet. General Nivelle plante eine groß angelegte Gegenoffensive, wobei die Rückeroberung des Forts de Douaumont das primäre Ziel war. Am 24. Oktober gingen die französischen Infanteristen nach einem mehrtägigen Trommelfeuer zum Angriff auf das Fort de Douaumont über. Nachdem ihnen durch MG-Feuer schwere Verluste zugefügt worden waren, gelang es den Franzosen, das Fort zu erstürmen. Kurz darauf eroberten sie auch das Dorf Douaumont zurück. Nach einem weiteren französischen Vorstoß sah sich die deutsche Besatzung von Fort Vaux am 2. November zum Rückzug gezwungen. Diese Gebietsgewinne trugen dazu bei, dass Nivelle am 15. Dezember als Nachfolger von General Joffre zum designierten Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte ernannt wurde. Am selben Tag erfolgte ein letzter französischer Großangriff auf dem rechten Ufer der Maas, der die deutschen Verbände bei Douaumont bis zum 18. Dezember um über drei Kilometer zurückdrängte. Am 20. Dezember wurde die französische Offensive eingestellt.
Der letzte Angriff
Das Jahr 1917 verging mit Stoß und Gegenstoß, Patrouillen und Stellungsverbesserungen. Wegen der sich rapide verschlechternden Munitionslage, begannen deutsche Truppen in ihrem Bereich aufzuräumen und fanden tausende Granaten, die einfach im Gelände herumlagen. Giftgasgranaten wurden in Unterständen gefunden, auf denen Soldaten sogar schliefen. Selbst herrenlos herumstehende Geschütze wurden gefunden und wieder in Dienst gestellt. Die deutsche Führung wollte Frontverkürzungen durchführen, um Truppen einzusparen. Problematisch war dies im Bereich der Höhen „Toter Mann“ und „Höhe 304“, da niemand, auch nicht Armeeführer Gallwitz auf diese mit schweren Opfern erkauften Hügeln verzichten wollte und konnte.
Beide Hügel waren mit raffinierten Anlagen ausgestattet, die zum einen eine Einnahme schwierig und die Versorgung der eigenen Truppen leichter machte. Anfang Mai wurden dort zwei riesige Tunnel in Betrieb genommen, die einen ungestörten Nachschub und gefahrlose Ablösungen garantierten. Ein Pionieroffizier namens Lenze, der vor dem Krieg leitender Ingenieur bei Thyssen war, hatte diese Tunnel in Rekordzeit fertig gestellt. Der eine, der zur Front führte und nach dem Armeechef „Gallwitztunnel“ genannt wurde, begann im Rabenwald und war 630 m lang. Am Ende des Tunnels, in der Caurettes Mulde, ging es auf Leitern 45 m nach oben ans Tageslicht. Der zweite Tunnel, „Kronprinzentunnel getauft, führte unter dem „Toten Mann“ 905 m nach hinten. Hier waren Unterkünfte, Stallungen, Sanitätseinrichtungen und eine kleine Seltersfabrik untergebracht. Ein Fördergleis verband diese einzelnen Einrichtungen untereinander.
Am 18. August 1918 begannen die Franzosen ihren großen Angriff, um die beiden Höhen in ihren Besitz zu bringen. Riesige Eisenbahngeschütze vom Kaliber 40 cm trommelten auf die Hügel und richteten ein Inferno an. Sieben Tage dauerte dieses Feuer, das selbst den Stolz deutscher Ingenieure, die Tunnels, zerstörte. Am 19. August wurde die 12 m starke Tunneldecke des Nordausgangs des „Kronprinzentunnels“ durch zwei 40 cm Geschosse durchschlagen. 140 Mann starben, 60 erlitten Gasvergiftungen nur 30 konnten sich durch einen Luftschacht retten. Am 20. Augustvormittags ging der Südeingang des Tunnels verloren. Auch der „Gallwitztunnel“ ging am nächsten Tag verloren. Am nächsten Tag wurden die Deutschen vom „Toten Mann“ gefegt und am 24. August musste auch die „Höhe 304“ geräumt werden.
Im Frühjahr 1918 plante Ludendorff einen Entlastungsangriff bei Verdun, um die „Michael-Offensive“ gegen die Engländer unterstützen zu können. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Da die Franzosen und Amerikaner ihrerseits zum Angriff übergingen. Im Novembernebel des Jahres 1918 ging die Schlacht um Verdun endgültig zu Ende.

























