Die Höhen von Vimy
Im September 1914 besetzten die Deutschen den strategisch wichtigen Höhenzug von Vimy. Vimy ist Teil des Kreidegürtels des Artois, der sich südwärts über die Somme bis zur Champagne erstreckt. Und Vimy war der alles beherrschende Punkt, wo die Hügelkette abrupt nach Osten zur Ebene von Douai abfällt, die sich bis zur strategisch wichtigen Eisenbahnlinie Lille – Metz erstreckt. Bedingt durch die Extremität des Geländes waren de Deutschen gezwungen, diesen Ort unter allen Umständen halten.
Kaum war Vimy besetzt, begannen gewaltige Arbeiten an den Verteidigungsanlagen und war bald einer der am stärksten ausgebauten Frontabschnitte der Westfront. Dieser Frontabschnitt wurde mit einem dreifachen Grabensystem, betonierten MG Nestern und Tunnels ausgestattet. Den Alliierten war die Bedeutung dieses Höherückens bewusst und schon recht bald begannen Planspiele für eine Offensive.
Im Mai 1915 griffen Briten den Höhenrücken von Aubers an, die Franzosen eine Woche später den Höhenzug von Vimy. Die britische 1. Armee wurde sofort gestoppt. Die Franzosen, mit Petains XXII. Korps an der Spitze, gelang es bis zum Kamm der Höhe vorzustoßen. Mit dem Einsatz all ihrer Reserven gelang den Deutschen ein entschiedener Gegenstoß, der ihnen den Höhenzug sicherte.Am 25. September wiederholten die Franzosen ihre Attacke gegen Vimy. Sie eroberten die Dörfer Carency, Neuville, St. Vaast und Souchez bei Verlusten von 150.00 Mann, aber den Höhenzug nahmen sie nicht
Minenkrieg
Im März 1916 übernahm der britische Korps Kommandeur Sir Henry Wilson den Frontabschnitt, um die französische 10. Armee bei Verdun zu entlasten. 1916 war das Jahr der Pioniere am Vimy Höhenrücken. Sehr bald erkannte die britische Aufklärung, dass die Deutschen die ruhigen Zeiten für intensiven Tunnelbau genutzt hatten, um die feindlichen Befestigungen mit Minen in die Luft zu jagen. Vom militärischen Standpunkt aus betrachtet hätte man sofort die eigenen Linien 3-4000 Meter zurücknehmen müssen, aber die politische Lage musste der neue Befehlshaber der 3. Armee, Sir Edmund Allenby respektieren. Man konnte nicht einfach aufgeben, wofür die Franzosen so viele Verluste hinnehmen mussten.
Im März 1916 übernahm der britische Korps Kommandeur Sir Henry Wilson den Frontabschnitt, um die französische 10. Armee bei Verdun zu entlasten. 1916 war das Jahr der Pioniere am Vimy Höhenrücken. Sehr bald erkannte die britische Aufklärung, dass die Deutschen die ruhigen Zeiten für intensiven Tunnelbau genutzt hatten, um die feindlichen Befestigungen mit Minen in die Luft zu jagen. Vom militärischen Standpunkt aus betrachtet hätte man sofort die eigenen Linien 3-4000 Meter zurücknehmen müssen, aber die politische Lage musste der neue Befehlshaber der 3. Armee, Sir Edmund Allenby respektieren. Man konnte nicht einfach aufgeben, wofür die Franzosen so viele Verluste hinnehmen mussten.
Der Minenkrieg war eine deutsche Erfindung, um den statischen Stellungskrieg in Bewegung zu versetzen. Die erste Mine wurde am 20. Dezember 1914 gezündet. Deutsche Pioniere hatten bei Givenchy zehn Tunnel unter die britischen Linien getrieben und je 50kg Sprengstoff in diesen platziert. Nach der Sprengung stürmten die Deutschen die gegnerischen Stellungen. 800 Männer des indischen Korps wurden getötet. Seit dem Tag war der Minenkrieg für den Infanteristen die größte Bedrohung.
Bereits am 3. Dezember hatte in weiser Voraussicht der Kommandeur des IV. Korps, Sir Henry Rawlinson, gefordert, ein spezielles Minen Bataillon aufzustellen. Wenige Tage nach den deutschen Explosionen am 28. Dezember, schlug Major John Norton Griffiths, ehemaliges Mitglied des Unterhauses und Offizier der 2. King Edward's Horse Regiments vor, “Clay Kickers” spezielle Arbeiter, die die U-Bahn in London bauten, anzufordern. Letztendlich wurden Männer aus den eigenen Reihen zu den neuen Brigaden, den „Mining Sections“, abkommandiert. Die erste britische Mine wurde am 17. Februar 1915 unter dem Hügel 60 bei Passchendaele von Truppen der 28. Division gezündet.
Im gleichen Monat wurde beschlossen, acht britische Tunnelling Companies, Tunnelbau Kompanien, aufzustellen. Die Mannschaften dafür kamen aus den vorhandenen Truppenteilen und zivilen Bergarbeitern aus der Heimat. 12 weitere Kompanien wurden 1915, und noch eine weitere 1916 in Dienst gestellt. Im März 1916 formierten die Kanadier ihre erste von drei Tunnel Kompanien, gefolgt von einer neuseeländischen und drei australischen im Mai des gleichen Jahres. Neben den Minentunnels bauten diese Einheiten unterirdische Unterstände, Verbindungsgänge und ähnliches mehr.
Die 3. Armee begann nun einen intensiven Tunnel und Minenkrieg, den die Deutschen nur mit einem Angriff begegnen konnten, um die Tunneleingänge zu besetzen. Am 21. Mai war es dann soweit. Nach einer fürchterlichen Artillerievorbereitung (70.000 Granaten in vier Stunden) griffen die Deutschen an und besetzten die gegnerischen Gräben und Minentrichter. Gegenstöße der Briten blieben erfolglos. Am 26. Mai beschlossen die Engländer den Abbruch der Aktivitäten und die Verlegung ihrer Artillerie an die Somme. Anschließend kehrte trügerische Ruhe ein. Die Briten wurden vor Vimy im Winter 1916 von vier Divisionen des kanadischen Korps unter dem Kommando von Sir Julian Byng abgelöst.
Dezember 1916 ersetzte Robert Nivelle Joseph Joffre als Oberkommandierenden der alliierten Streitkräfte an der Westfront. Sofort begann Nivelle mit Angriffsplanungen. Für den Artilleristen Nivelle war es logisch den Vimy Höhenzug als erste Priorität in seinen Generalplan aufzunehmen, da die Höhe die gesamte Region beherrschte. Nivelle wollte nördlich und südlich der „Schultern“ des großen deutschen Frontbogens entlang der Somme angreifen, da das Somme Schlachtfeld unpassierbar geworden war. Die Briten sollten den nördlichen Sektor bei Arras und Vimy übernehmen, die Franzosen den südlichen Abschnitt an der Aisne und am Chemin des Dames. Die Aufgabe den Vimy Höhenrücken einzunehmen übernahm das kanadische Korps.
Das Wetter im April war schlicht grauenhaft. Schnee, Schneeregen und Regen wechselten sich ab und die Temperaturen waren stets nah dem Gefrierpunkt. Das ständige Artilleriefeuer und die Nässe hatten den Kreideboden zu einer zähen Schlammmasse verbunden, der jede Bewegung zu einem Alptraum werden ließ. Die deutschen Truppen unter ihrem Oberbefehlshaber General Ludwig von Falkenhausen hatten zwar die Vorbereitungen der Alliierten beobachtet, jedoch keine besonderen Schlüsse daraus gezogen. Falkenhausen war überzeugt davon, dass seine sieben Frontdivisionen stark genug wären, jedem Ansturm standzuhalten. Diese Meinung hatte ihn dazu bewogen, seine Reserven 24 km hinter der Front zu positionieren. Eine grobe Fehleinschätzung, die sich bitter rächen sollte.
Neue Methoden
Die Kanadier unter dem Kommando ihrem britischen Befehlshaber Lieutenant General Sir Julian Byng und dem kanadischen Stabschef Major General Arthur Currie hatten nicht vor die Meinung der meisten alliierten Generalstabsoffiziere zu teilen. Dass nämlich die Einnahme des Vimy Höhenrückens unmöglich wäre. Die Kanadier wollten ihre Aufgabe mit unorthodoxen Methoden lösen. Currie und Byng waren bereits ein Team während der grauenvollen zweiten Schlacht um Ypern, 1916. Currie war Befehlshaber der kanadischen Truppen bei dem Gasangriff 1915 bei St. Julien und konnte als Beobachter aus erster Hand die Probleme der Franzosen während der Schlacht von Verdun beobachten. Diese beiden Befehlshaber wollten aus den Fehlern der Briten und Franzosen ihre eigenen Schlüsse ziehen.
Die Kanadier unter dem Kommando ihrem britischen Befehlshaber Lieutenant General Sir Julian Byng und dem kanadischen Stabschef Major General Arthur Currie hatten nicht vor die Meinung der meisten alliierten Generalstabsoffiziere zu teilen. Dass nämlich die Einnahme des Vimy Höhenrückens unmöglich wäre. Die Kanadier wollten ihre Aufgabe mit unorthodoxen Methoden lösen. Currie und Byng waren bereits ein Team während der grauenvollen zweiten Schlacht um Ypern, 1916. Currie war Befehlshaber der kanadischen Truppen bei dem Gasangriff 1915 bei St. Julien und konnte als Beobachter aus erster Hand die Probleme der Franzosen während der Schlacht von Verdun beobachten. Diese beiden Befehlshaber wollten aus den Fehlern der Briten und Franzosen ihre eigenen Schlüsse ziehen.
Monate vor der Eröffnung der Schlacht begannen die Vorbereitungen. Hinter der Front wurde eine Kopie des Höhenrückens mitsamt den deutschen Stellungen reproduziert. So konnte man in aller Ruhe das Grabensystem, die MG-Nester und andere Verteidigungsanlagen studieren. Ebenso wichtig war es für die Zug-, Kompanie- und Bataillonsführer zu lernen, wie ihre Einheit im Verbund miteinander ihre Aufgabe lösen konnte.
Das setzte eine neue Qualität der Aufklärung voraus, die die Kanadier perfektionierten.
Das setzte eine neue Qualität der Aufklärung voraus, die die Kanadier perfektionierten.
Im Niemandsland zwischen den feindlichen Gräben wurden Mikrofone verlegt, die das Gelände vermaßen. Luftaufklärung durch Flugzeuge und Fesselballons trugen zur Aufklärung bei, sowie Stoßtruppunternehmen, die zum Schluss ein perfektes Bild der deutschen Verteidigungsmaßnahmen wiedergaben. Fast jedes MG-Nest konnte lokalisiert werden, die meisten deutschen Batteriestellungen konnten so identifiziert werden. Diese Aufklärung trug letztendlich dazu bei, dass 85% aller deutschen Artilleriestellungen vor dem Infanterieangriff zerstört werden konnten.
Eine weitere Besonderheit des kanadischen Systems war die Einführung des Platoon Systems. Dieses System auf Zug-Ebene hob sich radikal von existierenden Praktiken in der britischen Armee. Anstatt wie bisher Infanterie Welle auf Welle ins Feuer zu schicken und sie fast chancenlos dem MG und Artilleriefeuer auszusetzen, setzte man nun Spezialistentrupps ein, die sich dem Gelände anpassten, sich gegenseitig Deckung geben konnten und so dem Gegner ein wesentlich kleineres Ziel abgaben.
Sie wurden außerdem von ihren Offizieren bis ins Detail instruiert und jeder Soldat mit genauen Karten ausgestattet. Daneben wurde die Aufgabe, die dem Zug zugewiesen wurde geübt, so dass im Falle eines Ausfalles des Offiziers die Truppe ihr gestecktes Ziel zur Not auch ohne ihn erreichen konnte. Um die Kommunikation, ein markanter Schwachpunkt auf beiden Seiten, zu verbessern, wurden fast 100 km Telefonkabel verlegt. Diverse Tunnel von insgesamt fünf Kilometer Länge und unterirdische Aufenthaltsräume, - Lazarette und – Nachschublager eingerichtet. Um die Artillerie über das von Kratern zerklüftete Gelände besser nach vorn bringen zu können, wurden tragbare Brücken hergestellt.
Eine weitere revolutionäre Neuerung der Kanadier war der Einsatz von Maschinengewehren während des Angriffs. Bislang nur als Abwehrwaffe eingesetzt, wollte man mit verstärkter Feuerkraft das Manko fehlender Feldartillerie ausgleichen. Mit leichten Vickers MGs in der vordersten Linie waren die deutschen Grabenbesatzungen in Deckung zu zwingen.
Die kanadischen Artillerie Experten hatten sich ebenfalls etwas Neues einfallen lassen. 250 schwere und schwerste Geschütze, sowie 600 leichte Feldgeschütze sollten die deutschen Linien drei Wochen vor Angriffsbeginn unter Feuer halten. Dann sollte das Feuer auf MG Nester und Artilleriestellungen verlegt werden. Täglich sollten 2.500 Tonnen Granaten auf die deutschen Stellungen regnen. Darunter Granaten mit neuen Zündern, die speziell für die Drahtverhaue konstruiert waren. Man wollte unter allen Umständen verhindern, dass wie an der Somme, der Stacheldraht zur Falle werden würde. Revolutionär war jedoch das neue Artillerie/Infanterie Konzept.
Die Deutschen hatten sich nach drei Jahren Stellungskrieg an die Artillerievorbereitungen gewöhnt und diese Zeit in sicheren Unterständen verbracht. Erst als diese schwieg, besetzten sie die Gräben und verteidigten sich mit ihren Maschinengewehren. Die Kanadier hatten sich etwas völlig neues einfallen lassen. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes Konzept von vorrollendem Artilleriefeuer und vorrückender Infanterie (Rolling Barrage, Feuerwalze) sollte die Entscheidung bringen. Jeweils 100 Meter in drei Minuten sollten die Verteidiger in die Deckung zwingen und es so den Kanadiern ermöglichen, sich sukzessive an die Gräben heranzuarbeiten.
Der Angriff
Am Ostermontag, den 9. April 1917, um 05.30 begann der Angriff. 2 800 Geschütze überschütteten die deutschen Linien mit einem Granathagel und hinter der sich langsam vorarbeitenden Feuerwalze und 30 000 kanadische Soldaten folgten ihr. Die 1. Division unter Führung von Major General A.W. Currie nahm bereits nach 30 Minuten den Zwölfer Graben. Eine Stunde später war das Thelus Grabensystem ebenfalls unter kanadischer Kontrolle. Die 3. Division unter Major General L.J. Lipsett nahm den riesigen Schwabentunnel ein. Gleichzeitig hatten sich einige deutsche MG Nester von dem Schock erholt und nahmen die Angreifer unter mörderisches Feuer. Besonders die 4. Division litt unter dem Beschuss. Deren 87. Bataillon allein verlor 50% ihrer Sollstärke. Das 85. Nova Scotia Highlander Bataillon, das eigentlich eine Nachschub- und Baurolle innehatte, wurde als Verstärkung geschickt und nahm den höchsten Punkt, Höhe 145 am Ende des Tages.
Am Ostermontag, den 9. April 1917, um 05.30 begann der Angriff. 2 800 Geschütze überschütteten die deutschen Linien mit einem Granathagel und hinter der sich langsam vorarbeitenden Feuerwalze und 30 000 kanadische Soldaten folgten ihr. Die 1. Division unter Führung von Major General A.W. Currie nahm bereits nach 30 Minuten den Zwölfer Graben. Eine Stunde später war das Thelus Grabensystem ebenfalls unter kanadischer Kontrolle. Die 3. Division unter Major General L.J. Lipsett nahm den riesigen Schwabentunnel ein. Gleichzeitig hatten sich einige deutsche MG Nester von dem Schock erholt und nahmen die Angreifer unter mörderisches Feuer. Besonders die 4. Division litt unter dem Beschuss. Deren 87. Bataillon allein verlor 50% ihrer Sollstärke. Das 85. Nova Scotia Highlander Bataillon, das eigentlich eine Nachschub- und Baurolle innehatte, wurde als Verstärkung geschickt und nahm den höchsten Punkt, Höhe 145 am Ende des Tages.
Die für unmöglich gehaltene Eroberung des Vimy Höhenrückens hatte das kanadische 3 598 Tote und 7 104 Verwundete gekostet. Die deutsche 6. Armee unter Falkenhausen verlor ungefähr die doppelte Anzahl an Männern. Mehr als 4 000 Deutsche gerieten in Gefangenschaft. Letztendlich nütze dieser überwältigende Sieg der Kanadier den Alliierten nicht viel, da sie die Situation nicht nutzen, um das offene Tor in den freien Raum Ostfrankreichs weit aufzustoßen. Die dafür notwendigen Reserven waren einfach nicht bereitgestellt worden.
Für die Kanadier bedeutet der Sieg bei Vimy etwas ganz besonderes: die Geburt einer Nation.
Es war das erste Mal in Kanadas Geschichte, dass ihre Einheiten als Verband in einem unabhängig von anderen Schlachten fochten. Ihre Methoden und Angriffswille machten sie schlagartig zur besten Truppe an der Westfront.
Es war das erste Mal in Kanadas Geschichte, dass ihre Einheiten als Verband in einem unabhängig von anderen Schlachten fochten. Ihre Methoden und Angriffswille machten sie schlagartig zur besten Truppe an der Westfront.





















