
Fällt Bastogne?
Auch in Noville herrschte undurchdringlicher Nebel. Gegen 10.00 lichtete er sich plötzlich und deutsche Panzer tauchten auf. Major Desobry und seine Männer schossen vierzehn von ihnen ab und machten sich für einen Gegenangriff bereit. Bayerlein, der auch Fühlung mit der US Kampfgruppe O`Hara aufgenommen hatte, glaubte in einer Falle zu stecken und wandte sich nach Norden. Zuerst sollte Longvilly, dann Bastogne genommen werden. Gegen 14.00 setzte Bayerlein zum Angriff an. Zum gleichen Zeitpunkt, ohne dass die Beteiligten davon wussten, griff die 26. Volksgrenadierdivision den Ort an. Wenig später schaltete sich auch eine 8,8 cm Batterie in den Kampf ein, die eigentlich im Begriff war, den Ort zu umgehen. Dieser konzentrische Angriff war zuviel für die US Einheiten. Auf der gesamten Länge der Strasse Bastogne – Magaret waren gegen 15.30 sämtliche 200 Panzer und Fahrzeuge vernichtet, die Überlebenden nach Bastogne geflohen. Nur Kampfgruppe Cherry hielt aus.
In diesen Stunden hatte Eisenhower zu einem Stabsmeeting geladen. Er forderte Patton dazu auf, seine Armee nach Norden zu schwenken und den deutschen Keil abzuschneiden. Auf die Frage, wie schnell er die Drehung durchführen könne, antwortete er, „in 48 Stunden“. Das war unter den gegebenen Umständen in den Augen vieler Generalstabsoffiziere unmöglich. Doch Patton hatte vorgesorgt, indem er mit seinem Stabschef General Gay drei Pläne zu Lösung des Ardennen Problems ausgearbeitet und jedem dieser Lösungen Codewörter zugeordnet hatte. Wegen dieses einen Codewortes war es Gay möglich, die Drehung binnen Minuten einzuleiten.
Jochen Peiper war zu diesem Zeitpunkt bereits in Stoumont eingeschlossen . Von drei Seiten griff man seine Gruppe an. Von Norden näherten sich Panzer der 3. US Panzerdivision, von Süden drängte die 82. Luftlandedivision, die bereits in Cheneux stand und von Westen näherten sich Infanteristen der der 30. Division und Panzer unter Befehl von Captain Berry.
Am 20. Dezember griffen die 18. Volksgrenadierdivision und die Führerbegleitbrigade St Vith von Osten an. Die 62 Volksgrenadierdivision von Süden und zwei frische Panzerdivisionen, die 2. und 9. SS schlossen den Ring um die Stadt. Am 21. Dezember gelang es deutscher Infanterie in die Stadt einzudringen. Die Amerikaner gaben die Stadt auf und bauten hinter dem Ort eine neue Verteidigungslinie auf.
Am 22. Dezember lag die Kampfgruppe Peiper in Stoumont und klammerte sich an das bereits zusammengeschossene Sanatorium Saint Edouard. 250 Kinder, Nonnen, Priester und Flüchtlinge hielten sich in den Kellern auf und wie ein Wunder war ihnen bislang nichts geschehen. Am Abend hatten 20 überlebenden SS Soldaten die Ruine den Amerikanern überlassen, als sie mit Panzern über den rechten Flügel angegriffen wurden. Sie zogen sich nach La Gleize zurück.
An den Elsenborner Hügeln versuchte unterdessen Sepp Dietrich durch die Front der 99. US Division nach Norden durchzubrechen. Ein massiver Feuerschlag mit 8,8 und 10,5 cm Geschützen sowie Nebelwerfern bereitete den Angriff vor. Dann griffen Tiger und Panther mit Infanterieunterstützung die Fronten der 99. und 2. Division an, vernichteten die US Nachhuten in Bütgenbach und öffneten eine 800 m breite Gasse. Die jedoch wurde von Soldaten der 1. US Division wieder geschlossen. Dietrich verlor über 100 Panzer und Tausende seiner Soldaten, doch die Front hielt. Er gab auf.
Am 22. Dezember war Bastogne eingeschlossen. Gegen 11.30 gingen rund fünf kilometer südlich von Bastogne vier deutsche Parlamentäre auf die amerikanischen Linien zu. Sie hatten eine Nachricht für McAuliffe, die in der Forderung gipfelte, die Stadt zu übergeben. MacAuliffs Antwort: “Nuts“. Was so gut wie Quatsch oder Unsinn bedeutet. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Deutsche Bomber legten einen Bombenteppich auf Bastogne.
Der 23. Dezember war der erste klare Tag seit dem Beginn der Schlacht. Die US Air Force nutze die Gunst der Stunde und setzte jeden verfügbaren Jagdbomber ein, um die deutschen Spitzen aus der Luft zu stoppen. Auch Bastogne profitierte vom Wetter und wurde zum ersten Mal seit der Belagerung mit Munition und Nachschub aus der Luft versorgt.
Jochen Peipers Lage in La Gleize wurde immer bedrohlicher. Sein Treibstoff war verbraucht, die Munition ging zu Ende, der pausenlose Artilleriebeschuss zerrte an den Nerven seiner Männer. Schon am Vortag hatte er um die Ausbruchsgenehmigung nachgesucht. Sie kam endlich an diesem Abend. Fast zeitgleich näherten sich im sechs B-26 der 322. Bombergruppe Malmedy. Sie nahmen an, sie hätten Lommersum angeflogen und warfen ihre Bomben ab. Mitten hinein in eine Stadt voller Zivilisten und GIs.











