
Kesselring schlägt zurück
Montgomerys vorsichtiges Vorgehen wurde prompt von Kesselring für Truppenverschiebungen genutzt. Er zog die 26. Panzer- und die 29. Panzergrenadierdivision von der Briten Front ab und warf sie an die rechte Flanke des US Brückenkopfes. Gegen die linke Flanke setzte er die 3. Panzergrenadierdivision, sowie die 2. Fallschirmjägerdivision ein, die frisch aus Rom eingetroffen war. Im Zentrum, wo die Gefahr für die Deutschen am größten war, platzierte er die Reste der Division "Hermann Göring" und die 15. Panzergrenadierdivision.
Clark, der sich schon als Sieger auf dem Schlachtfeld fühlte,sollte in den nächsten Stunden die gesamte Angriffswut der deutschen Verbände zu spüren bekommen. Altavilla ging verloren und das Seletal wurde zu einem Grab amerikanischer Panzer. Besonders heiß umkämpft war die Tabakfabrik von Persano. Am 13. September meldete Generaloberst von Vietinghoff, der die Salerno Front befehligte, er stünde kurz davor, die Amerikaner zurück ins Meer zu werfen. Clark war nahe dran aufzugeben und hatte schon Befehle zur Vernichtung des angelandeten Materials formuliert. 15 deutsche Panzer IV erreichen gegen 18.30 die Brücke über die Calore. Es waren nur noch sieben Kilometer bis zum Strand.
Auch die deutsche Luftwaffe griff in die Kämpfe ein. In den ersten drei Tagen der Invasion
gab es 100 Einsätze deutscher Bomber und mehr als 450 Einsätze von Jägern und Jagdbombern. Die Luftflotte 2 versenkte dabei vier Frachter, einen schweren Kreuzer, sieben Landungsfahrzeuge und erzielten 85 Treffer auf alliierten Schiffen. Höhepunkt der Luftwaffen Angriffe waren die ersten Einsätze ferngesteuerter Gleitbomben. Die von der Firma Henschel entwickelte HS-293 wurde von einer Do 217 außer Reichweite feindlicher Flak abgeworfen. Sie ging in zunächst einen Gleitflug über, startete dann ihren Raketenmotor und wurde per Funksteuerung ans Ziel dirigiert. Die Angriffe und Treffer auf den US Kreuzer Savannah und die britische Warspite markieren also den historisch ersten erfolgreichen Einsatz einer Fernlenkwaffe.
Clark wird nur durch den schnellen Einsatz der 158. und 179. Artillerie Batterie gerettet, die das Seletal und die Panzer unter Feuer nehmen. Der Einsatz von 2.500 Fallschirmjägern der 82. US Luftlandedivision, die am Abend abspringen, stabilisiert die Lage.
Am 14. und 15. September greifen die Deutschen weiter an. Doch der rücksichtslose Einsatz schwerer Schiffsartillerie und die steigende Luftüberlegenheit der Alliierten kontrollieren jeden heranrollenden Panzer und nehmen ihn unter schweres Feuer. Kesselring gibt auf. Die Deutschen organisieren einen geordneten Rückzug hinter die Reinhardstellung am Volturno Fluss und überlassen Briten und Amerikanern ein verwüstetes Neapel.
Die Stimmung der Alliierten war auf dem Höhepunkt. Man glaubte in der zweiten Hälfte Oktober Rom einnehmen zu können. Doch die deutsche Armee und die Topographie stellten den Truppen Clarks und Montgomerys große Schwierigkeiten entgegen. Die Deutschen wollten jede Stunde nutzen, um die Gustav Linie, eine Verteidigungslinie vom Golf von Gaeta bis zum adriatischen Meer in der Höhe der Mündung des Sangro, auszubauen. Vom 15. November bis zum 15. Januar gelang den Amerikanern ein Geländegewinn von nur 15 km. Den Briten sogar noch weniger, da sie hohe Verluste scheuten. In den nächsten Wochen organisierte die deutsche Führung die Verlegung von 15 Divisionen, um sie von Vietinghoff zu unterstellen. Kesselring, als OB der neu ernannten italienischen Heersgruppe C, schätze die Stärke seines Gegners auf das Dreifache der eigenen, die Feuerkraft sogar auf das Zehnfache. Auf Seiten der Alliierten stand die 8. britische Armee mit zwölf englischen, kanadischen, neuseeländischen und polnischen Divisionen. Dazu eine griechische Brigade. Die 5. Armee setzte sich aus vier US und die englischen Divisionen zusammen. Dazu sollten noch marokkanische, tunesische, algerische und französische Einheiten hinzu stoßen.
Am Abend des 2. Dezember 1943 liegen im Hafen von Bari mehr als 30 alliierte Schiffe, die soeben entladen werden. Um die Arbeiten zu beschleunigen hat man die gesamte Hafenbeleuchtung eingeschaltet. Eine Einladung an die deutsche Luftwaffe. 96 Ju 88 der I. und II. Gruppe des KG 54, sowie die I. und II. Gruppe des KG 76 starten auf den Flugplätzen Villaorba und Aviano. Keine gegnerische Flak, kein Jäger stört die deutschen Bomber auf ihrem Anflug auf Bari. Um 19.30 fallen die ersten Bomben. Es sollte einer der erfolgreichsten Angriffe des gesamten Krieges werden. Niemals, mit Ausnahme von Pearl Harbour, werden so viele Schiffe versenkt. Insgesamt sinken oder explodieren19 Frachter und Tanker mit 73.343 BRT. Sieben weitere werden beschädigt. Zwei Munitionsfrachter explodieren gleichzeitig und lassen jede Scheibe im Umreis von12 km zersplittern. Über 1.000 See- und Schauerleute verlieren ihr Leben. Eine Meldung wird jahrzehntelang geheim gehalten: der Untergang der „SS John Harvey“. Der Frachter hatte neben konventioneller Munition auch 100 Tonnen Gelbkreuzgas, besser bekannt als schweres Senfgas, in 45,5 kg schweren Bomben geladen. Obwohl ohne Zünder, bersten eine Reihe der Bomben und das Gift verteilt sich im Hafenbecken, in dem bereits viele Menschen treiben. Da niemand von dem Gift weiß, kann auch niemand adäquate Gegenmaßnahmen ergreifen. Erst 12 Stunden nach dem Unglück wird die Senfgas Situation als solche erkannt. 83 Menschen sterben an den Folgen. Der Hafen Bari fällt für lange Zeit aus.














