
Omaha Beach
Omaha Beach wäre beinahe zum Fiasko der US Truppen geworden. Ein massiver Bombenangriff der Air Force richtet nur Schaden im Gelände an, da die Bomber Order bekamen, einige Sekunden später als geplant ihre Last über dem Strand auszuklinken, der durch Wolken unsichtbar geworden war. Dieser Fehler sollte viele Tausend GIs das Leben kosten, denn er vernichtete nicht wie geplant die drei im Bereich des Abschnittes Omaha liegenden deutschen Widerstandsnester W 59, 61 und 62. Hein Severloh, MG 42 Schütze in WN 62 schreibt in seinem Buch „WN 62 – Erinnerungen an Omaha Beach“: „Mein MG war inzwischen so glühend heiß, dass sich aus seiner Mündung das trockene Gras entzündete. Mehr als 12.000 Schuss hatte ich daraus verfeuert, und der Lauf hatte längst keine Züge mehr. Auch meine beiden Karabiner waren völlig überhitzt; annähernd 400 Schuss hatte ich aus ihnen abgegeben. Ich wusste, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, da alles verloren war. Zwar nahm ich das MG mit, doch wollte ich niemanden mehr töten – es war genug…“.
Wenige Kilometer von WN 62 entfernt erhob sich die Steilküste, an deren höchsten Punkt, dem Pointe du Hoc, die Deutschen eine Batterie errichtet hatten, der die Amerikaner höchste Priorität einräumten. Man setzte das 2. Rangerbataillon an. 200 Mann unter dem Befehl von Colonel Rudder sollten mit Leitern der Londoner Feuerwehr, Raketen getriebenen Seilhaken und anderem exotischem Gerät das Gelände in den ersten Minuten des Sturmes erstürmen.
Den Amerikanern war entgangen, dass die Deutschen den Abschnitt Omaha in den vergangenen Wochen verstärkt hatten. Die Brieftauben des französischen Agenten, die er in letzter Minute mit dieser Nachricht gen England losschickte, wurden von einem deutschen Soldaten abgeschossen. Diese Tatsache war verheerend für die ersten Stunden des Kampfes.
Die 352. Infanteriedivision des General Kraiss hätte beinahe die Amerikaner zurück in die Schiffe getrieben. Nur der gnadenlose Einsatz schwerster Schlachtschiffartillerie auf Strand und Dünen, ohne Rücksicht auf eigene Männer, machte den Erfolg der Amerikaner möglich. Zum Schluss lagen nach dem ersten Sturm an dem 6 km langen Abschnitt mehr als 3.000 Tote und Schwerverwundete. Ein entsetzlicher Blutzoll.
An den britischen Landungsabschnitten bot sich erheblich geringerer Widerstand seitens der Deutschen. Die 716. Infanteriedivision unter General Richter musste einen 34 km breiten Streifen verteidigen, der bereits durch Bomber und Artillerie mehrfach umgepflügt worden war. Besonders hart getroffen waren das Regiment 736 und das 2. Bataillon 726. Das Ostbataillon hatte schon frühzeitig Reißaus genommen. Dadurch taten sich Lücken auf, die von den englischen Panzer und der begleitenden Infanterie sofort ausgenutzt wurden. Ziel waren Caen und Bayeux.
Erst gegen 14. 30 setzte entschiedene deutsche Gegenwehr ein. Der Kommandierende des 84. Korps, General Marcks, setzte zwei Abteilungen des Panzerregiments 22 in Marsch. Ziel ist die Küste und die Aufspaltung des britischen Landungskopfes. Marcks im Gespräch mit dem Regimentskommandeur Oberst von Oppeln-Bronikowski: „Oppeln, wenn es ihnen nicht gelingt die Engländer ins Meer zu werfen, haben wir den Krieg verloren“. Neben den Panzern setzt General Marcks das I. Bataillon Panzergrenadierregiment 192 in Marsch. Doch es ist schon zu spät. Zwar gelingt es den Grenadieren zwischen Lion und Luc das Meer zu erreichen und die britischen und kanadischen Streitkräfte zu spalten, aber ohne Panzerunterstützung können sie sich nicht lange halten. Und die Panzer kommen nicht. Starke englische Pak Stellungen machen es unmöglich. Eine weitere Infanteriestellung, die auf Panzerunterstützung wartet, ist der Luftwaffen-Radarstützpunkt Douvres. 230 Luftwaffensoldaten unter Oberleutnant Igle, ausgestattet mit einigen Pak und Infanteriegeschützen, sowie MGs und Flammenwerfern, trotzen den Engländern zehn lange Tage. Aber Entsatz kommt nicht.
Als die Sonne am ersten Tag der Invasion untergeht, lassen die Kämpfe nach. Die Alliierten sind erschöpft, den Deutschen fehlen die Mittel zum nächtlichen Gegenschlag. Am Ende dieses Tages befinden sich 75.215 Engländer und 57.500 Amerikaner, sowie 15.500 amerikanische und 7.900 englische Luftlandesoldaten auf französischem Boden. Und die zweite Welle geht erst an Land
Doch keines der taktischen Ziele wird erreicht. Weder Caen, noch Bayeux oder Carentan sind eingenommen. Von der Luftwaffe ist den ganzen Tag bis auf drei Focke Wulf Fw 190 nichts zu sehen. Die Marine schickt drei Zerstörer in Richtung Landungsstrände, die umgehend kurz und klein geschossen werden. Die deutschen Hoffnungen liegen vor allem auf der Panzer-Lehrdivision des Generals Bayerlein, die seit Mittag auf dem Marsch von Le Mans in die Normandie ist. Aber zerstörte Brücken, brennende Städte und pausenloser Jabo Angriff verzögern die Ankunft.
Der 7. Juni sah weitere Kämpfe um St Mere Eglise und den Versuch der Amerikaner ihre beiden Brückenköpfe bei Carentan zu vereinigen. Bei diesen Kämpfen bekleckerten sich einige deutsche Einheiten nicht unbedingt mit Ruhm. Die alten Reservisten des IR 1058 ergriffen die Flucht vor 60 US Panzern und nur durch den persönlichen Einsatz von General von Schlieben gelang es, die Flucht zu stoppen. Das 759. Osttruppenbataillon ergab sich geschlossen der US Armee.Von dem 1. Bataillon des 6. Fallschirmjägerregiments meldeten sich 25 Mann in Carentan beim Gefechtsstand. Die Übrigen der 700 Mann starken Einheit waren tot, verwundet oder gefangen genommen. Am 11. Juni fiel Carentan endgültig. Major von der Heydte ignorierte Hitlers Befehl bis zur letzten Patrone zu kämpfen und führte seine Männer in eine Auffangstellung zurück.
Montgomery plante nun die endgültige Wegnahme Caens und wollte dies mit einem Umfassungsmanöver erreichen. Vom rechten Ufer der Orne sollte sich das 1. Korps bis Cagny im Südosten der Stadt vorschieben. Gleichzeitig hatte das XXX. Korps mit der 7. Panzerdivision die Aufgabe Tilly sur Seulles, Villers- und Noyers-Bocage zu nehmen und anschließend im Linksschwenk die wichtige Höhen bei Evrecy im Südosten Caens besetzen. Unter anderem wird der Angriff durch die schwere Artillerie des Schlachtkreuzers „Nelson“ unterstützt . Der Schlachtkreuzer wurde durch Verlagerung des Ballasts in eine Schlagseite manipuliert, um durch den steileren Schusswinkel die Reichweite auf 30 km vergrößern zu können.
Die Deutschen planten ebenso einen Angriff im gleichen Sektor, der aber von den Engländern zurückgeschlagen wurde. Im Gegenzug drehte die 7. Panzerdivision am 13. Juni in Richtung Villers Bocage und besetzte die Höhe 213. Nun war die Panzer-Lehr in ihrem Rücken bedroht und ein Einsturz der Front zeichnete sich ab. Die Vorhut der Engländer, eine ganze Brigade, war mit ihren Fahrzeugen bereits durch den Ort gefahren und bewegte sich weiter Richtung Caen. Sie bemerkten nicht den einsamen Tiger Panzer, der ihren Vormarsch beobachtete.


















