Newsletter abonnieren:

Operation Goodwood

Königin des Schlachtfeldes:8,8 cm Geschütz
Britischer Aufmarsch für Goodwood
Am 18. Juli fuhr unterdessen Montgomery mit seiner Taktik der permanenten Nadelstiche und Großoperationen zur Vernichtung der deutschen Panzerwaffe fort. Die Operation „Goodwood“ rollte an.  Zwischen 05.30 und 08.30 ging der bislang heftigste Bombenangriff, durchgeführt von 2 100 Maschinen der RAF und USAF, auf die Männer der Heeresgruppe Rommel nieder. Doch wieder einmal „bewies der Soldat auf deutsche Seite, mit welchem Geschick und welcher Entschlossenheit er sich zu wehren wusste“, wie Max Hastings in seinem Buch „Overlord“ schreibt.  Zwei Stunden, nachdem die Engländer den Angriff begannen, trafen sie bei Cagny auf erbitterten Widerstand. Dort standen noch vier 8,8 Flak der 16. Luftwaffen Felddivision, die den Bombenangriff überstanden hatten. Oberst Hans von Luck von der 21. Panzerdivision „überredete“ mit der Pistole im Anschlag den verantwortlichen Flak Offizier, diese Geschütze gegen die englischen Panzer einzusetzen. Mit Erfolg, denn 16 Sherman wurden allein von diesen vier Geschützen ausgeschaltet.

Britischer Infanterist vor Caen
Operation Goodwood
Dabei waren die deutschen Kräfte in einer heillosen Minderzahl. Neben der bereits erwähnten 21. Panzerdivision und 16. Luftwaffen Felddivision stemmten sich noch Teile der 1. SS Panzerdivision und die 272. Infanteriedivision, der kein einziger Panzer und kaum Pak zur Verfügung standen, gegen die alliierte Flut. In Reserve standen 2 Kampfgruppen der ausgebluteten 12. SS Panzerdivision bereit.

Tiger I in der Normandie
M 8 Selbstfahrlafette passiert zerstörten Panther
Doch die 78 Geschütze vom Kaliber 8,8 cm, der „Königin des Schlachtfeldes“ wie die Briten die Kanone ehrfürchtig nannten, brachten die Panzerwelle der Engländer und Kanadier zu stehen. Dazu kommen die Grenadiere „Panzer Meyers“, die mit Minen und Haftladungen anstürmen, sowie die 8,8 der deutschen Panzer. Zusammen halten sie grausame Ernte unter den Alliierten Panzer Divisionen. Gegen 17.00 hatte die 29. Panzerbrigade bereits 50 % ihrer Tanks verloren, die 11. Panzerdivision verlor 126 Panzer und die Guards Panzerdivision verlor in ihrer ersten Schlacht 60 ihrer Fahrzeuge. Diese Verluste wurden auf alliierter Seite recht schnell wieder ausgeglichen. Die deutschen Mannschafts- und Panzerverluste gingen an ihre Substanz.

St. Lo im Sommer 1944
Sherman mit Heckenpflug
Die Lage der Amerikaner hatte sich inzwischen durch die Einnahme Saint Lo`s weiter verbessert. Die geografischen Bedingungen in ihrem Teil der Normandie, Hecken und Hohlwege, auch Bocage genannt, begünstigten die Verteidiger und zwangen den Angreifer zu immer neuen Methoden, den Widrigkeiten zu begegnen. So erfand Sergeant Curtis G. Culin jr. von der 102. Aufklärungsabteilung eine Vorrichtung, die es den Sherman Tanks ermöglichte, durch die gefürchteten Hecken hindurchzupreschen, anstatt durch Herauffahren des Buschwerkes den ungeschützten Boden des Panzers zu entblößen. Vier Stahlzähne wurden an den Bug geschweißt, die das Buschwerk aushebelten. Diese „Geheimwaffe“ wurde bis zum Start der Operation „Cobra“ zurückgehalten. „Cobra“ sollte den endgültigen Durchbruch in die Weite des französischen Hinterlandes ermöglichen, und um dies zu garantieren, reaktivierte General Bradley seine zweite „Geheimwaffe“, General George S. Patton.

Coutances
Strasse nach Avranches
Die Offensive sollte am 25. Juli in einem Bereich westlich von Saint-Lo, zwischen den Ortschaften Hébécreyon und Montreuil durch einen gigantischen Bombenangriff, der von 2 264 Bombern geführt werden sollte, beginnen. Drei US Divisionen sollen durch die entstandene Bresche Raum gewinnen. Drei weitere Divisionen sollten westlich davon schnell Richtung Coutances vor- und anschließend Avranches, das Tor zur Bretagne, aufstoßen.

General Fritz Bayerlein
Panther in Argentan
Für die Panzer-Lehr bedeutete dieser Angriff das Ende. General Bayerlein: “Meine Flak-Batterien erhielten Volltreffer, wodurch die Hälfte der Geschütze völlig zerstört wurden und die restlichen zum Schweigen gebracht wurden. Nach einer Stunde hatte ich mit niemanden mehr Verbindung. Gegen Mittag war außer Staub und Rauch nichts mehr zu sehen. Meine Stellungen glichen einer Mondlandschaft und mindestens 70 % meiner Soldaten war gefallen, verwundet, hatten den Verstand verloren oder waren absolut handlungsunfähig. Meine Panzer in den vorderen Linien waren allesamt vernichtet“. Und dennoch leistete die Überlebenden Widerstand.. Gegen Abend hatten die drei US Divisionen erst drei Kilometer zurückgelegt. Aber zwei Tage später war auch die Kraft dieser Widerstandsnester erschöpft. Am 29. Juli nahmen die Amerikaner Coutances, am 30. Avranches. Patton trieb seine Männer immer wieder aufs neue an. Bedenken wegen seiner Flankensicherung wischte er beiseite: „Scheren sie sich um ihr Ziel, nicht um ihre Flanken“ Am 31. Juli nahmen Pattons Truppen Pontaubault und die über die Sélune führende Brücke. Jetzt hing der Erfolg der Invasion von dieser einen Brücke ab.

US Panzer und Infanterie bei St Lo
Der amerikanische Ausbruch aus der Normandie
Die letzten deutschen Streitkräfte, die von Kluge zur Verfügung hatte, waren Reste der 77. Infanteriedivision unter Oberst Bacherer und 14 Sturmgeschütze. Er sammelte Versprengte und Teile der 5. Fallschirmjägerdivision. Von Kluge schickte ihm am 30.Juli morgens folgenden Funkspruch: „Avranches ist unter allen Umständen zu nehmen und zu halten. Er ist der Angelpunkt unserer Verteidigung. Mit ihm steht und fällt die Entscheidung im Westen“. Oberst Bacherer griff am Morgen des 31. Juli an. Es war regnerisch und hielt den Deutschen die Jabos vom Hals. Der Angriff gewann Fahrt. Pontaubault wurde erobert und der Angriff weiter nach Avranches fortgesetzt. Die ersten Häuser der Stadt wurden wieder genommen, dann klarte es auf und die Jabos kehrten zurück. Binnen einer Stunde waren alle 14 Sturmgeschütze ausgeschaltet, die deutschen Kampfgruppen in ihre Ausgangsstellungen zurückgedrängt.

Mortain
Zerstörtes Sdkfz 251 bei Mortain
Patton drängte nun mit Macht in die Weite des Raumes. Er und seine Offiziere standen persönlich an der Strasse und regelten den Verkehr. Binnen 72 Stunden gelang es ihnen sieben Divisionen mit 100.000 Mann und 15.000 Fahrzeugen über diese Strasse und Brücke zu schleusen. Patton hatte sich Guderians Philosophie zu Eigen gemacht: „Der Schutz unserer Flanken ist die Aufgabe der nachfolgenden Infanterie. Das Ziel ist vorn“. Am 4. August fiel bereits Rennes!

Strasse nach Avranches
Mortain im August 1944
Hitler war außer sich und verlangte, den Flaschenhals bei Avranches mit allen Mitteln abzuschlagen. Er forderte, dass acht der neun vorhanden Panzerdivisionen für diesen Zweck bei Mortain zusammengezogen werden sollten. Dazu sollten die letzten Luftwaffenreserven, 1.000 Jäger, in den Kampf geworfen werden. In der Nacht vom 6. auf den 7. August treten dann vier Panzerdivisionen als Offensivgruppe unter dem Oberbefehl von General Freiherr von Funck (47. Panzerkorps): die 2. Division unter General von Lüttwitz, die 116. unter Graf Schwerin, Teile der 1. SS Leibstandarte unter Brigadeführer Wisch, die 2. SS Division "Das Reich" unter Gruppenführer Lammerding, eine Kampfgruppe der 17. SS Panzergrenadierdivision „Götz von Berlichingen“ und die Reste der Panzer –Lehr bei Mortain an.