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Kriegshafen Portland

Leuchtturm von Ushant
Zu einem Großteil verantwortet die Karibik das teilweise grausige Wetter an der Südküste.
Tiefdruckgebiete rasen über den Atlantik in Richtung Nordost und treiben Stürme an die Westküste Englands und Frankreichs. Einige dieser Strme pressen sich durch die Enge zwischen Land´s End und der Insel Ushant und treffen dann genau auf Chesil Beach und Portland., dem Grab vieler Segelschiffe. Und doch formen Chesil Beach und die Isle of Portland einen riesigen Wellenbrecher, der weit in den Kanal reicht und der im Osten eine tiefe Bucht formt, die Potland Roads. Schon seit der Antike bildet diese geologische Gegebenheit einen natürlichen Schutz vor den Weststürmen für die Schifffahrt. Im englsichen Kanal.
 

Admiral Robert Blake
Die Bucht, die heute Portland Harbour bildet, erzählt eine lange Geschichte, die von Schutz vor Orkan suchenden Römern und Sachsen bis zum heutigen Urlaubsstrand und kommerziellen Hafenbetrieb reicht. Die Spanische Armada kam in Sichtweite vorbei und vor Portland Bill wurde eine große See schlacht geschlagen. Einheimische Schiffe nahmen an der Schlacht teil und schleppten erbeutete Galeonen nach Weymouth. Während des Bürgerkrieges lagen Kriegsschiffe des Parlaments in Portland Road und kurze Zeit später lieferete Admiral Blake dem holländischen Admiral van Tromp eine Schlacht.
 

Chesil Beach
Über Jahrhunderte suchten Segelschiffe bei Sturm Schutz in Lee der Chesil Beach und bereits im Jahre 1794 machte man sich Gedanken, den Naturhafen zu einen Schutzhafen auszubauen. 1844 entschied sich die Regierung zu solch einem Vorhaben. Ein Plan zur Verteidigung des neuen Hafens wurde entwickelt. Neben einer großen Festung auf dem Vern sollten zwei Batterien sowohl auf dem East Wear als auch auf dem Inner Pier Head entstehen. Dazu zwei Forts auf dem Wellenbrecher (Breakwater) und auf dem Nothe Festland, die für perfekten Feuerschutz sorgen sollten. 1848 legte Prinz Albert, Gatte von Königin Viktoria, den Grundstein für die Anlage.
 

Der Hafen wird eröffnet
Alle Gebäude, bis das Fort auf dem Wellenbrecher, wurden bis 1872 vollendet, als Alberts Sohn Edward Prince of Wales, der spätere König Edward VII, nach Portland kam, um den Schlussstein zu setzen. Beim Bau des Breakwater Forts tauchten Bodensenkungsprobleme auf, so dass es erst 1875 fertig gestellt wurde Es wurde erst 1895 offiziell übernommen.
 

East Wear Battery

Diese erste Version des Hafens hatte nur zwei Wellenbrecher, die bis in die Mitte der Bucht reichten. Später erkannte man, dass man die Schiffe vor mehr als nur dem Wetter schützen musste und zwei weitere entstanden. Die Entwicklung der Technik schürte auch die Entwicklung des Hafens. Die Tage der Segelschiffe waren vorüber und fossile Brennstoffe trieben die modernen Schiffe an; zunächst mit Kohle, später mit Öl. Von jetzt ab konnten Schiffe nicht mehr so lange auf See bleiben, wie der Proviant reichte. Dampfer mussten in regelmäßigen Abständen bunkern und Portland auf halbem Weg durch den Kanal und gesegnet mit schnellen Ein- und Ausfahrmöglichkeiten, war dafür ideal. So wurde aus dem Hafen eine Bunkerstation der Royal Navy; zuerst für Kohle, später für Öl, sowie eine Basis mit Docks, Hospital und Ausbildungseinrichtungen.
 

Pierhead Batterie
Mit der Entwicklung des Torpedos erkannte die Admiralität die Verwundbarkeit der Reede und beschloss den Bau zweier weiterer Wellenbrecher, die den Hafen komplett einschlossen. Beide Molenköpfe wurden als kleine, mit Geschützen bewaffnete Forts konzipiert. Jetzt zur Jahrhundertwende war Portland der größte Tiefwasserhafen Europas.
 

Whitehead mit beschädigtem Torpedo

Der Torpedo spielte in der Geschichte des Portland Hafens eine große Rolle. Robert Whitehead, der erste Torpedo Hersteller, baute seine Fabrik an der Nordseite des Hafens in Ferrybridge und recht bald gehörten Torpedo Schiess- und Testbahnen zum normalen Bild des Hafens. Das Aufkommen des Torpedos beschleunigte die Entwicklung des U-Bootes und anschließend die Technik diese aufzuspüren und zu vernichten. Auf diese Weise wurde Portland zum Zentrum für Forschung im Unterwasserkrieg.
 

Whitehead Torpedofabrik in Rijeka 1905
Der Torpedo war von seiner Erfindung im Jahre 1866 bis zur Atombombe 1945 die am meisten gefürchtete maritime Waffe. Wäre sie nicht erfunden worden, wären nicht 25 Millionen Tonnen Schiffsraum versenkt worden und U-Boote wären nicht der Abschreckungsfaktor wie sie es heute sind. Trotzdem ist außerhalb maritimer Kreise die historische Entwicklung und die Komplexität dieser Waffe nicht hinreichend bekannt. Der britische Erfinder Robert Whitehead war ein brillianter Ingenieur des Viktorianischen Zeitalters, der, obwohl vom Rest der Welt hofiert und geehrt, im eigenen Land wenig Anerkennung widerfuhr. Selbst die Verwaltungsbeamten der Royal Navy schienen keinen Respekt vor dieser Waffe gehabt zu haben. Sogar noch 1950 wurde eine fantastische Sammlung antiker Torpedos, die in der Torpedo Experimental Establishment HMS Vernon, dem britischen Torpedo Versuchsamt, trotz Proteste der Ingenieure, die die Sammlung zusammengestellt hatten, zum Alteisen geworfen.
 

Torpedo Test
Nachdem die britische Regierung 1871 beschlossen hatte, sich die Fertigungsrechte der Waffe von der Whitehead Torpedo Gesellschaft (deren Heimat war Fiume, im damaligen Österreich) zu sichern erschien der Royal Navy die Gegend zwischen Weymouth und Portland als ein ideales Testgelände. 1895 eröffnete die Whitehead Company ihre erste Fertigungsstätte in Wyke Regis, auf der Weymouth Seite von Portland Harbour.
 

Torpedo Range Weymouth
1898 war auch das Testgelände in Bincleaves, in der Nähe von Newtons Cove einsatzbereit und viele Torpedos gingen im Verlaufe dieser Tests verloren. 1970 entdeckte Ed Cumming aus Weymouth einen 21 Zoll Mark VIII Torpedo aus dem Jahre 1936 in der Nähe der Hafenmauer und hat seitdem mehrere Teile von neun weiteren Torpedos vom Grund der Bucht geborgen. Andere Taucher fanden ebenso Komponenten aletr Torpedos, andere wiederum gingen Fischern ins Netz. Einige dieser Exemplare sind sehr selten. Unter anderem ein 14 Zoll Torpedo aus dem Royal Laboratory des Jahres 1887. All diese Torpedos und Torpedoteile sind Teil der Ausstellung in Fort Nothe.
 

Große Flotten kamen und gingen. Eine Zeitlang war Portland der Heimathafen der Kanalflotte, dann der Home Fleet und ein Depot der U-Boote Flotte. Edward der VII, Georg V., Edward VIII und Georg VI nahmen hier Flottenparaden ab. Junge Seeleute wurden auf alten Fregatten, die im Hafen ankerten, trainiert. Diese hießen alle sukzessive HMS Boscawen. Während beider Weltkriege war Portland Harbour eine Anlaufstation für neutrale Schiffe, die hier nach nützlicher Fracht für den deutschen Feind durchsucht wurden. Hereingelotst wurden sie durch einstige Ferienraddampfer, die grau gestrichen, mit Royal Navy Freiwilligen bemannt waren. Unruhig wurde es in Portland nach dem Fall Frankreichs im Jahre 1940. Portland war nun Frontstadt und Ziel wütender deutscher Luftangriffe. Das Flakhilfsschiff HMS Foylebank wurde durch Stukas versenkt, ebenso wie eine Reihe Frachter. Einer der Crew des Flakhilfsschiffes, Leading Seaman Jack Mantle erhielt wegen dieses Einsatzes das Victoria Cross.
 

Die wahrscheinlich größte Aktion, die Portland Harbour je gesehen hat, war die Einschiffung amerikanischer Truppen für die Landung in der Normandie, 1944. Am 6. Juni gingen Tausende alliierter Soldaten an der Küste der Normandie an Land. Die erste Welle beatnd aus zwei britischen, einer kanadischen und zwei U.S. Divisionen. Eine dieser beiden U. S. Divisionen, die 1., auch „The Big Red One“ genannt, lief von Weymouth und Portland aus. Portland Harbour war wenige Tage vor der Landung vollgestopft mit Schiffen, auf die Panzer, LKWs, Geschütze, amphibische Fahrzeuge und allem beladen wurde, was eine moderne Armee brauchte. Die Infanterie ging auf kleine Landungsboote, die am Kai vom Weymouth Pavillon festmachten und die Truppen zu den auf Reede liegenden großen Transporter brachte.
 

D-Day Einschiffung
Diese Truppen hatten die letzten Tage in getarnten Stellungen im Süden von Dorset, nicht weit von den Häfen entfernt, verbracht. „The Big Red One“ sollte die Speerspitze des Angriffs auf Omaha Beach werden, einer von fünf Codenamen von Stränden, die für die Invasion vorgesehen waren. Hier sollten sie den härtesten deutschen Widerstand erleben und schreckliche Verluste erleiden. In den Tagen nach der Landung konnten die Menschen von Weymouth und Portland die Rückkehr vieler Verwundeter beobachten. Ein strenger Kontrast zu den jubelnden Truppen, die England wenige Tage zuvor verlassen hatten.
 

Landungsboote werden in Portland beladen
Nach dem Krieg wurde aus Portland das Trainingszentrum der Royal Navy. Mit der wachsenden Bedeutung des Helikopters und des Einsatzes als U-Boot Jäger, wurde ein Flugplatz bei Chesil gebaut. Daneben wurde der Hafen auch Hauptliegeplatz der Royal Fleet Auxiliary, der Versorger der britischen Flotte.
 

Westland Sea King
Mit der Reduzierung der Royal Navy in den 90er Jahren, ging auch eine Budgetverkleinerung für Marinebasen einher. Letztendlich entschloss man sich für eine komplette Schließung der Basis und aus Portland Harbour wurde Portland Port. Eine neu gegründete Entwicklungsgesellschaft sollte das Gelände zu einem neuen Zentrum maritimer Firmen machen. Eine der ersten Neuzugänge war ein Gefängnisschiff.
 

Fort Nothe

Fort Nothe aus der Luft
Der Bau von Fort Nothe begann im Jahre 1860 mit einer zivilen Baufirma, die bald darauf Pleite ging. Daraufhin erhielt die 26. Kompanie der Royal Engineers, Vorläufer der 26. Armoured Assault Squadron den Job, den Bau zu vollenden. Rund 50 Pioniere waren mit dem Bau beschäftigt und setzten zunächst als Fundamente eine Unzahl an riesigen quadratischen 12 Zoll Eichenpfähle mit Hilfe von Dampframmen und Kränen in den schlammigen Grund.
Die ursprüngliche Idee war, eine offene Batterie von fünf 64 Pfünder Geschützen zu errichten. Doch der plötzlich gab es eine neue Bedrohung, als die Franzosen mit der La Gloire der Welt erstes Panzerschiff auf Kiel legten und und eine neue Marinebasis in Cherbourg bauten. Daher wurde der Plan dahingehend geändert, dass siebzehn schwere Geschütze in zwei Reihen eingebaut werden sollten. Etwas später, als der Bau schon begonnen hatte, wurde die ursprüngliche Zahl von siebzehn auf zwölf reduziert und die untere Geschützpfortenreihe zugeschüttet.
 

Fort Nothe im Bau
Das Fort wurde 1872 fertiggestellt und in Dienst gestellt. Es kostete letztendlich 120.000 Pfund. Unterdessen war der Bau des südlichen Wellenbrechers, der Verne Zitadelle und das Wellebrecher Fort fortgeschritten. Sie wurden alle 1875 fertig gestellt.
 

Bauarbeiten machen Forstschritte
Die erste Garnison, die das Fort bezog war die Nr. 2 Battery Royal Artillery, die speziell für die Handhabung schwerer Geschütze bis zu 18 t ausgebildet war. Sie hatten zunächst die Aufgabe, zwei 64-Pfünder, vier 9-inch und sechs 10-inch Geschütze ins Fort zu schaffen und aufzustellen. Diese Geschütze waren Vorderlader mit spiralförmigen Zügen, die ein Taumeln der Granaten verhinderten und so für größere Treffergenauigkeit sorgten. 1890 wurden sieben dieser Geschütze gegen massive 12,5-inch Frontladergeschütze ausgetauscht, die pro Stück 38 t wogen und eine 800 Pfund schwere Granate dreieinhalb Kilometer weit schossen. Die Granaten enthielten rauchfreies Pulver und wiesen statt eines Zapfens einen weichen Metallring an der Basis auf, der ein unerwünschtes Entweichen von Gasen verhinderte. Diese Granaten sollten den ständig wachsenden Schiffspanzer durchschlagen können
 

Fort Nothe
In dem zunehmenden Maße wie die Bedeutung des Hafens hinsichtlich der Kanal- und später der Atlantikflotte wuchs, so wichtig war die Rolle, die Fort Nothe zu spielen hatte. Mit der Einführung moderner Hinterladergeschütze wurden die alten Kanonen entfernt und durch neue 6-inch Geschütze ersetzt. Die Technologie war so rasend schnell vorwärts geschritten, dass zwei oder drei der neuartigen Geschütze, den gleichen Job wie zwölf riesige Vorderlader erfüllen konnten. Die neuen Panzergranaten, die nur noch 100 Pfund wogen, konnten schneller und weiter – über zehn Meilen – geschossen werden.
 

Tägliche Inspektion des 6-inch Geschützes 1940
Das Fort Nothe erlebte den Ernstfall erst im 2. Weltkrieg und dann kam die größte Bedrohung aus der Luft. Bis dahin wurden die großen Geschütze nur zu Übung oder im Wettbewerb abgefeuert. Im Juli 1940 gaben zwei unbekannte Schiffe kein Erkennungssignal und wurden beschossen. Sie schalteten sofort ihre Beleuchtung an und wurden als Flüchtlingsschiffe von den Kanalinseln erkannt.
 

Vickers Pom Pom
1938 wurde beschlossen das Fort als zentrales Flakmunitionsdepot zu nutzen und einige der Kasematten an der Südseite wurden dafür umgerüstet und mit einem Aufzug versehen. Von hier aus wurden Geschütze bis nach Coventry mit Munition versorgt. Fort Nothe erhielt natürlich eigene Flakgeschütze. An der Nordwestecke baute an eine Vickers PomPom ein, die später durch eine 40 mm Bofors Kanone ersetzt wurde. Eine Batterie von vier 3,7-inch Geschütze wurden auf dem Glacis platziert. Gegen Schrapnell erhielten die Geschützstellungen spezielle Beton- und Stahlschutzschilde.
 

Fort Nothe 1941
Der Küstenschutz wurde 1956 abgeschafft und das Fort für einige Jahre als Lager für Marineproviant und für Entmagnetisierungskomponenten genutzt. 1961 erwarben die Stadt Weymouth und der Bezirk Melcombe Regis County das Bauwerk. Man war mehr in das Grundstück als an dem Gebäude interessiert für das man keinen Verwendungszweck hatte. Hippies und Vandalen trugen dazu bei, dass Fort Nothe recht bald in einem erbarmungswürdigen Zustand war. Alles, was nicht niet- und nagelfest war wurde entfernt und als Schrott verkauft oder verbrannt. Die Weymouth Civic Society erwarb das Gebäude 1979, um es als Museum auszubauen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heute ist Fort Nothe in einem perfekten Zustand und wird von mehr als 50.000 Besuchern jährlich aufgesucht.