Britisch patriotischer Mythos
Die Schlacht von Azincourt zählt neben der Schlacht von Crécy und derSchlacht von Poitiers zu den bedeutenden und berühmten Schlachten des
Hundertjährigen Krieges. In der Schlacht von Azincourt kämpften die Truppen von König Heinrich V. von England gegen das Heer von König Karl VI. von Frankreich und verschiedener französischer Edelherren.
Um diese Schlacht ringt sich ein patriotischer britischer Mythos, der unter
anderem von William Shakespeares Drama ,Heinrich V.’ aus dem Jahre 1599 unterstützt wird. Die Schlacht ist tief im kollektiven Bewusstsein der Engländer als einer der größten Siege der Militärgeschichte gegen ihren Erzfeind, die Franzosen, verankert. Ein Zitat von John Keegan, Engländer, soll diesen Mythos verdeutlichen:
anderem von William Shakespeares Drama ,Heinrich V.’ aus dem Jahre 1599 unterstützt wird. Die Schlacht ist tief im kollektiven Bewusstsein der Engländer als einer der größten Siege der Militärgeschichte gegen ihren Erzfeind, die Franzosen, verankert. Ein Zitat von John Keegan, Engländer, soll diesen Mythos verdeutlichen:
„Azincourt gehört zu den epischen Ereignissen der englischen Geschichte, die man sofort bildhaft vor Augen hat und deren Betrachtung ein inneres Erlebnis bedeutet. Es ist der Sieg des Schwachen über den Starken, des gemeinen Mannes über den Ritter hoch zu Roß, des Entschlossenen über den Hochtrabenden, des Verzweifelten, in die Ecke Gedrängten und fern der Heimat Kämpfenden, über den Vermögenden und Dünkelhaften. Optisch ist Azincourt ein präraffaelitisches Bild, oder besser: ein Schlachtgemälde aus einer Medici-Galerie – eine Komposition aus kräftigen Vertikalen und Horizontalen, in der leuchtendes Dunkelrot und Lincolngrün mit Schuppengrau und Polarblau ringen. Es ist wie ein Schulausflug ins Old Vic, „Shakespeare macht Spaß“, Son-et-Lumière, Blankvers, Laurence Olivier in stolzer Rüstung kämpfend; es lässt das Herz jedes Schulbuben höher schlagen, der sich sonst in der Geschichtsstunde tödlich langweilt, ein sauber inszeniertes Stück von der moralischen Überlegenheit Englands und geheiligter Bestandteil eines verwehenden Nationalmythos. Es ist auch eine Geschichte von Schlächterei und ungezügelter Grässlichkeit.“
Der erst seit zwei Jahren auf dem englischen Thron regierende englische König Heinrich V. beanspruchte als Angehöriger des Hauses Anjou -Plantagenet den französischen Thron und erneuerte damit den Hundertjährigen Krieg. Um seine Stellung in England zu festigen, versuchte Heinrich V. damit von den innerenglischen Auseinandersetzungen abzulenken, z. B. den Adelsaufständen im Norden, die sein Vorgänger Heinrich IV. nur mit Mühe hatte unterdrücken können, und dem Bürgerkrieg, der durch die Verfolgung der Anhänger John Wyclifs, den Lollarden, ausgelöst worden war. Systematisch warb Heinrich V. deshalb vorwiegend ein professionelles Heer von in den Bürgerkriegen und in den Kriegen mit Wales erfahrenen, von ihm bezahlten, gut ausgerüsteten, mit Verpflegung versorgten, ihm persönlich ergebenen Soldaten an, die anders als die feudalen Ritterheere nicht bei Gefangennahme auf Auslösung hoffen konnten. Von Southampton kommend landete er am 14. August 1415 in Harfleur, Département Seine-Maritime, in der Normandie.
Harfleur war eine stark befestigte Stadt mit großer Stadtmauer, 26 Türmen, einem Wassergraben und drei Barbicans, so genannten Zugbrückentore, die von einigen hundert Mann verteidigt wurden. Die Franzosen erwiesen sich geschickt in der Verteidigung und zwangen die Engländer, sich auf ihre Artillerie zu verlassen Diese verwendeten Belagerungsgeschütze, die sehr groß und schwer waren. Rohrlängen von 3 - 5 m und Gewicht von 1 - 5 Tonnen waren nicht unüblich. Geschützlafetten gab es nicht und die Rohre wurden auf Wagen transportiert, am Ort der Belagerung auf eine grobe Unterlage aus Balken gelegt und durch Keile in die gewünschte Richtung positioniert. Eine schnelle Änderung der Schussrichtung war nicht möglich. Um eine Verschiebung durch den Rückstoß beim Schuss aufzufangen und so das umständliche Neuausrichten zu vermeiden, wurden am hinteren Ende des Rohres mächtige Verpfählungen und Verschanzungen angebracht. Diese "Anstoß" oder "Preller" genannten Holzbauten waren gleichzeitig Schutzdeckung für die Bedienungsmannschaft. Sie hielten aber nicht lange, nach mehreren Schüssen musste der Preller erneuert werden. Daher war es nicht verwunderlich, dass die englischen Kanoniere große Verluste erlitten.
Am schlimmsten waren jedoch die hygienischen Verhältnisse, unter den insbesondere die Engländer zu leiden hatten. Die Belagerer mussten fast ausnahmslos auf dem Boden nächtigen, und tranken kontaminiertes Wasser sowie Cidre und Wein, das ebenfalls nicht einwandfrei war. Die Folge war ein massiver Ausbruch von Ruhr, die bis zum Fall der Stadt am 22. September 1415 Heinrich ein Drittel seiner Armee kostete und viele seiner Soldaten schwächten.
Auf französischer Seite stand ihm der geisteskranke König Karl VI. gegenüber. Unter seinen Reichsverwesern waren der Herzog von Burgund, Johann ohne Furcht, und der Herzog von Orléans, Charles d'Orléans, die mit ihren Parteien der Cabochiens, den Pariser Zünften und der Armagnacs einen Machtkampf austrugen, der die französische Seite im Krieg gegen die Engländer nahezu paralysierte. Kein französisches Entsatzheer kam der belagerten Stadt Harfleur zu Hilfe, die am 22. September kapitulierte. Zwar fand nach dem Fall Harfleurs eine Mobilmachung der Lehnsheere in den französischen Provinzen statt, aber die Heere der Herzöge von Orléans und Burgund hätten sich vermutlich auf ihrem Marsch an die Front gegenseitig bekämpft, wenn die beiden Herzöge ihnen vorangeschritten wären. So blieb das Heer des burgundischen Herzogs Johann ohne Furcht zurück und der Connétable, Charles d'Albret, ein kluger junger Ritter, kommandierte die französische Streitmacht. Dieser hatte aus dem Studium der vorangegangenen Kämpfe mit den englischen Expeditionsheeren in Crécy 1346 und Poitiers 1356 die verheerende Wirkung der Langbogenschützen fürchten gelernt. Deshalb versuchte er die direkte Konfrontation der beiden Heere möglichst lange herauszuzögern, entgegen dem Wunsch der französischen Ritter, an ihrer Spitze der Herzog von Alençon, der wegen der Aussicht auf Ruhm und Ehre bei der vierfachen Überlegenheit einer schnellstmöglichen Konfrontation entgegenfieberte.
Nach dem Fall von Harfleur hatte Heinrich V. Verletzte und Beute mit den wenigen verbliebenen Schiffen nach England zurückgeschickt. Heinrich ließ auch den Earl of Dorset und mit ihm 500 Rittern und 1.000 Bogenschützen als Besatzer von Harfleur zurück und mit ihm die gesamte Artillerie und Wagen der Nachschubkolonne. Er selbst verließ Harfleur am 8. Oktober mit einer Streitmacht von 900 Rittern und 5.000 Bogenschützen und Proviant für acht Tage. Die Vorhut wurde von Sir Gilbert Umfraville und Sir John Cornwall, die Hauptmasse von Heinrich selbst, sowie Duke of Gloucester and the Earl of Huntington und die Nachhut schließlich von Duke of York und dem Earl of Oxford kommandiert. Der Fluss Bethune führte bereits Hochwasser und sie mussten flussaufwärts auf der Suche nach einer Furt marschieren, was ihnen auch am 11. Oktober gelang. Am nächsten Tag überschritten sie die Breste und legten somit fast 130 km in fünf Tagen zurück.
Mit diesem, von Tag zu Tag durch Ruhr stärker geschwächten Heer, zog Heinrich V. nach Calais, seit 1347 die letzte Bastion der englischen Krone in Nordfrankreich, wo er sich auf die kommenden Kampfhandlungen vorbereiten wollte. Am 13. Oktober marschierten sie in die Nähe der Somme-Mündung, um dort den Fluss zu überqueren, mussten aber von einem Gefangenen hören, dass 6.000 Franzosen die Brücke bewachten. Daraufhin schwenkte Heinrich in südöstliche Richtung ab, in der Hoffnung einen Übergang zu finden. Erst nach fünf Tagen gelang dies bei Bellencourt und Voyenes, wo sie einen französischen Kavallerieangriff abwehrten. Nachdem die Somme am 19. Oktober überschritten war, erklärte Heinrich den darauf folgenden Tag zum Ruhetag. An diesem Tag tauchten auch französischen Herolde auf, die zur Schlacht aufforderten:
"Unsere Lords haben gehört, dass sie mit ihrer Armee Dörfer, Städte und Burgen des französischen Reiches erobern und die Städte entvölkern wollen. Daher haben sich vieler unserer Lords zusammengefunden, um für ihr Land und ihre Rechte zu kämpfen. Durch uns lassen sie euch wissen, dass bevor ihr Calais erreichen werdet, sie euch stellen und zur Schlacht zwingen.“ Daraufhin erwiderte Heinrich lakonisch: „Wenn Gott es so will.“
Am 21. Oktober marschierten die Engländer 30 km und in den nächsten drei Tagen weitere 85 km. Damit waren sie nur noch zwei Tage von dem sicheren Calais entfernt. Doch am späten Nachmittag des 24. Oktobers erfuhr Heinrich von den Spähern des Duke of York, dass die französische Armee den Weg nach Calais versperrt und auf einer Anhöhe bei Maisoncelle in Sichtweite der Engländer Stellung bezogen hatten
Die Schlacht begann mit der Aufstellung beider Heere im frühen Morgenlicht in einer Entfernung von ca. 900 Metern. Das Schlachtfeld war ein Acker, der an den Flanken beider Heere von Gehölz begrenzt war. Auf der Seite der Engländer war der Acker ca. 800 bis 900 Meter breit, auf der Seite der Franzosen ca. 1.100 Meter. Die Heereszahlen belaufen sich nach Keegan auf 6.000 bis 7.000 Engländer, davon 5.000 bis 6.000 Bogenschützen und 1.000 berittene Gewappnete und auf ca. 25.000 Franzosen, davon 1.000 Reiter. Dagegen kommt Professsor Curry in ihrem im Mai 2005 erschienen Buch ‚Agincourt – A New History’ zu dem Urteil, dass die Franzosen den Engländern und Walisern zwar immer noch zahlenmäßig überlegen waren – allerdings nicht 4:1, sondern lediglich 3:2. Auf Seiten der Franzosen standen demnach 12.000 Bewaffnete, während Engländer und Waliser zusammen auf 8.000 kamen. Die in ihrem Buch dargestellten Ergebnisse werden von zahlreichen Experten für Mittelaltergeschichte gewürdigt. Die Aufstellung des englischen Heeres: die Gewappneten standen zu Fuß in drei
Blöcken, die Bogenschützen standen zwischen den Blöcken und an beiden Flanken. Diese Linie war vier bis fünf Mann tief.
Blöcken, die Bogenschützen standen zwischen den Blöcken und an beiden Flanken. Diese Linie war vier bis fünf Mann tief.
Das französische Heer stellte sich in drei Linien auf. Nach Keegan standen in den ersten beiden Linien je 8.000 Mann in einer Tiefe von acht Mann. Zwischen der ersten und zweiten Linie postierten sich die Armbrustschützen und an deren Flügeln „wirkungslose Kanonen“. Die dritte Linie setzte sich aus Berittenen zusammen. Außerdem nahmen an beiden Flanken je 500 Berittene platz. Keegan gliederte die Schlacht in folgende Episoden: „eine Zeit des Wartens, ein englisches Vorrücken, ein englischer Pfeilangriff, eine französische Kavallerieattacke, ein Gemenge zwischen französischen und englischen Gewappneten, ein Eingreifen der englischen Bogenschützen, die Flucht der französischen Überlebenden, eine zweite Zeit des Wartens (dieweil die französische dritte Linie weiterhin vorrückte und ein kleiner Trupp einen weiteren Angriff durchführte), ein französischer Überfall auf das Gepäcklager, ein Massaker der französischen Gefangenen und schließlich beiderseitiges Abrücken vom Schlachtfeld.“ Die ‚Zeit des Wartens’ hielt von ca. 7 bis 11 Uhr an. Das diese Dauer für die Männer beider Heere ‚aufreibend’ war, liegt nahe. Es ist aber weiterhin zu erwähnen und bedeutend für den Verlauf der Schlacht, dass es geregnet hatte. Der Acker war kurz vorher gepflügt worden. Und die Temperatur lag um die Null Grad. Das Vorrücken der Engländer ging geordnet und langsam vor sich. Das Heer legte ca. 600 Meter in Richtung der Franzosen zurück. Die Bogenschützen rammten vor ihren Stellungen angespitzte Pfähle in den Boden und danach stellten sie sich vor diese.
Bogenschützen gegen Fußtruppen und Reiterei
Jeder der englischen Bogenschützen hatte einen oder zwei Köcher mit Pfeilen bei sich. Das heißt, jeder von ihnen hatte zwischen 12 und 24 Pfeilen dabei. Als der Befehl kam zischten die Pfeilschwärme im steilen Winkel auf die französische Stellung zu. Forschungsergebnisse der letzen Jahre legen die Vermutung nahe, dass die englischen Bogenschützen den schwer gepanzerten französischen Rittern in Wahrheit nur recht wenig mit ihren Pfeilen anhaben konnten, da man damals bereits übergegangen war, für Rüstungen Stahl statt Eisen zu verwenden. Dennoch ist die moralische Wirkung der Pfeile nicht zu verkennen. Beim Auftreffen tausender von Pfeilen verspürten die Franzosen mit Sicherheit ein lautes Geklirr, sowie Schmerzensschreie getroffener Pferde. Schließlich provozierten die Engländer den französischen Angriff.
Den Kavallerieangriff führten die beiden Abteilungen von je 500 Mann zu Ross der französischen Flankenstellung. Diese ritten auf die englischen Bogenschützen an den Flanken zu, um sie vom Schlachtfeld zu vertreiben. Bei diesem Angriff handelte es sich um eine typische Taktik Mittelalterlicher Schlachten, um die Überlegenheit der Kavallerie gegenüber der Infanterie auszunutzen. Bei Gelingen dieses Plans, hätten die Franzosen einen entscheidenden Vorteil für die nachrückenden Linien der Gewappneten zu Fuß geschaffen. Bei solch einer Attacke, den beschriebenen Kavallerieangriff, wurde Knie an Knie und je mit einer Lanze unter dem Arm geritten. Die Pferde galoppierten mit großer Geschwindigkeit – etwa 20 bis 25 Stundenkilometer – auf die feindlichen Reihen zu.
Obwohl ein Teil der Reiter in die Reihen der Engländer einbrach, blieb die Linie standhaft. Die Wirkung des Zusammenpralls ging von den Pfählen aus. Es ist anzunehmen, dass die Engländer sich unmittelbar vor Eintreffen der Reiter schnell hinter die Pfähle zurückzogen. Demzufolge war es für die Franzosen zu spät zum Ausweichen und es kam zu einer heftigen Kollision. Dennoch gelang es einigen (Reiter der hinteren Reihen) den tödlichen Zusammenstoß zu verhindern und zurück zu reiten. Die Bogenschützen schossen bereits während des Angriffs auf die wenig geschützten Pferde und brachten damit Reiter zu Fall. Der eine oder andere zu Ross hat seinen Nachbarn mit zu Fall gebracht. Die fliehenden Reiter wurden von hinten beschossen. Zu Boden gefallene Ritter wurden mit Schlägen und Hieben zwischen die Plattengelenke getötet. Den Engländer gelang es, diesen ersten Angriff taktisch klug zu vereiteln.
Fußtruppen gegen Fußtruppen
Die wilde Flucht der Überlebenden der Kavallerieattacke wirkte einerseits demoralisierend, andererseits trafen die zurückgaloppierenden Pferde auf die erste Abteilung der Fußtruppen, die auf den englischen Mittelabschnitt vorrückten. Die Reihen der Fußtruppen waren etwa 8 bis 10 Mann tief und nach Keegan je 5.000 Mann stark. Sie konnten ihre Reihen nicht schnell genug öffnen, um den Fliehenden Gassen zu verschaffen. Somit wurde der Rhythmus des Vormarsches durchbrochen und Chaos in die Reihen der Franzosen gesät. Zahlreiche Männer wurden niedergetrampelt und auf den schlammigen Untergrund gedrückt. Sich wieder zu erheben, brachte in einer Rüstung einige Schwierigkeiten mit sich.
Die Unterbrechung des Vorrückens gab den Engländern Zeit mehr Pfeilsalven abzuschießen und sich besser für die Begegnung zu rüsten. Die flachen Schwärme von etwa 5.000 Pfeilen im 10-Sekunden-Takt dürften unter den französischen Gewappneten einige Opfer gefordert haben. Dennoch gelang es den Engländern nicht den Angriff zum Stehen zu bringen. Die Franzosen teilten sich in drei Säulen auf und griffen die englischen Gewappneten an. Nachdem die Franzosen sich durch das selbst verursachte schlammige ca. 270 Meter lange Schlachtfeld gekämpft hatten, kamen sie erschöpft und vereinzelt an der Kampflinie der Engländer an. Der Zusammenprall der Heere erlahmte. Er hatte nicht den gewünschten Effekt, die englische Linie aufzubrechen und in diesen Reihen Unordnung zu säen.
Die Masse der hinteren Männer drückte auf die Vordersten in der Kampflinie. Wegen des Platzmangels konnten die Hinteren nicht sehen,
was vorn vor sich ging. Außerdem waren viele geduckt gelaufen, um das
Eindringen von Pfeilen in das Visier und in andere verletzliche Stellen an der Rüstung zu verhindern. Im Gedränge der Franzosen gab es keine durchgehende Befehlsgewalt. Das Drängen und Schieben von hinten verhinderte die notwendige Bewegungsfreiheit der Kämpfer und riss viele zu Boden. Die Franzosen in der Kampfzone unterlagen einer gewissen Ohnmacht und Verzweiflung. Für die Engländer war es ein leichtes Spiel, da sich der Gegner selbst am Kämpfen hinderte.
was vorn vor sich ging. Außerdem waren viele geduckt gelaufen, um das
Eindringen von Pfeilen in das Visier und in andere verletzliche Stellen an der Rüstung zu verhindern. Im Gedränge der Franzosen gab es keine durchgehende Befehlsgewalt. Das Drängen und Schieben von hinten verhinderte die notwendige Bewegungsfreiheit der Kämpfer und riss viele zu Boden. Die Franzosen in der Kampfzone unterlagen einer gewissen Ohnmacht und Verzweiflung. Für die Engländer war es ein leichtes Spiel, da sich der Gegner selbst am Kämpfen hinderte.
Zu diesem Zeitpunkt der Schlacht ist anzunehmen, dass die
Bogenschützen ihre Pfeile bereits verschossen hatten. Sie bewaffneten sich mit Schwertern, Streitäxten, Hämmern oder Hellebarden und griffen die Säulenflanken an. Die Waffen wurden teilweise von bereits gefallenen französischen Gewappneten entwendet. Das Zum-Stehen-Bringen der Frontlinie und der Flankenangriff senkten die Waagschale zu Gunsten der Engländer, denen zunehmend ein Umfassungsangriff gelang. Die Bogenschützen agierten nun als
schnell bewegliche, dennoch schwer bewaffnete Infanterie. Ihr Vorteil war ihre leichte Panzerung gegenüber der schweren Rüstung. Als der Zusammenbruch der ersten Abteilung der Franzosen erkennbar war, setzte sich die zweite Abteilung in Bewegung. Der größte Teil der französischen ersten Abteilung, der nicht fliehen konnte, war tot, verwundet, gefangen oder war sich zu ergeben bereit. Der Ansturm der zweiten Abteilung schien keinerlei merkliche Wirkung gezeigt
zu haben. Viele der zweiten Abteilung machten kehrt. Der Acker war von
Verwundeten und Leichen der bereits Gefallenen, sowie Pferdekadavern übersät. Die Toten der Franzosen lagen dicht.
Bogenschützen ihre Pfeile bereits verschossen hatten. Sie bewaffneten sich mit Schwertern, Streitäxten, Hämmern oder Hellebarden und griffen die Säulenflanken an. Die Waffen wurden teilweise von bereits gefallenen französischen Gewappneten entwendet. Das Zum-Stehen-Bringen der Frontlinie und der Flankenangriff senkten die Waagschale zu Gunsten der Engländer, denen zunehmend ein Umfassungsangriff gelang. Die Bogenschützen agierten nun als
schnell bewegliche, dennoch schwer bewaffnete Infanterie. Ihr Vorteil war ihre leichte Panzerung gegenüber der schweren Rüstung. Als der Zusammenbruch der ersten Abteilung der Franzosen erkennbar war, setzte sich die zweite Abteilung in Bewegung. Der größte Teil der französischen ersten Abteilung, der nicht fliehen konnte, war tot, verwundet, gefangen oder war sich zu ergeben bereit. Der Ansturm der zweiten Abteilung schien keinerlei merkliche Wirkung gezeigt
zu haben. Viele der zweiten Abteilung machten kehrt. Der Acker war von
Verwundeten und Leichen der bereits Gefallenen, sowie Pferdekadavern übersät. Die Toten der Franzosen lagen dicht.
Kriegsgefangenschaft im Mittelalter
Das "Gefangene machen" gehörte bei den mittelalterlichen Auseinandersetzungen zu den wichtigsten Maßnahmen, den mit diesen war Kasse zu machen. Vereinfacht kann man sagen, dass vermögende Gefangene zu einem Lösegeld ausgesetzt werden, andere arme Gefangene getötet werden.Neben der Gefangennahme ist die Internierung derer zu nennen. Diese stellt für die Betroffenen eine durchweg traumatische Erfahrung dar, die meist mit jahrelanger Dauer und der Ungewissheit eines Endes verbunden war, und jene für immer zeichnete. Der Gewinn von Kriegsbeute ist auch zu erläutern. Der Gegner wurde durch die Abnahme von Waffen, Pferden, auch ‚Wertsachen’ geschwächt.
Das Ziel ist, den Gegner in seinem Kriegspotential zu schwächen. Demzufolge ist es nachvollziehbar, dass Gefangene der Gegenseite von großer Bedeutung waren. Die Möglichkeit, über Kriegsgefangene zu verfügen, trug in der Tat entscheiden dazu bei, eine vorteilhafte Position im Hinblick auf künftige Friedensverhandlungen einzunehmen. Deshalb war es nicht üblich, die Gefangenen vor Abschluss des Friedensvertrages freizulassen, selbst dann nicht, wenn die Feindseligkeiten eingestellt und es zu einem Waffenstillstand gekommen war. Vorteilhaft war der Besitz zahlreicher Gefangener, besonders wenn sich darunter Persönlichkeiten befanden, die in ihrer Heimat einflussreich waren, und der Gegner nicht über Gleiches verfügen konnte, also seine Verhandlungsbasis relativ schwach war, und er sich, um diese seine Bürger zurück zu gewinnen, zu Zugeständnissen bereit finden musste.
Das Töten der Gefangenen in der Schlacht von Azincourt
Die Franzosen, die noch konnten ergriffen die Flucht. Diejenigen, die aber nicht mehr entkamen, wurden von englischen Kopfgeldjägern gejagt und gestellt. Die Toten wurden von den Lebenden getrennt, in der Hoffnung ein Lösegeld als Faustpfand zu erhalten. Die wertvollsten französischen Gefangenen wurden unter Bewachung gestellt. Ein Ritter reicht seinen rechten Handschuh als Zeichen der Ergebung und nimmt den Helm ab, um seine Kampfunfähigkeit zu signalisieren. Heinrich V. konnte zu diesem Zeitpunkt nicht zulassen, das jeder Einzelne der gefangenen Ritter sequestrierte, das heißt, sich in Verwahrung gab. Denn da die dritte Abteilung des französischen Heeres noch immer anzugreifen drohte, war es klüger, die Linie noch zusammenzuhalten. So blieben die Engländer in fester Formation stehen. Ihre Linie hatte sich etwa 200 bis 300 Meter nach vorn verlagert.
Nach Mittag griff der Herzog von Brabant mit einem kleinen Gefolge
die englischen Reihen an. Er war zur Schlacht zu spät gekommen und seine Attacke verebbte. Er wurde überwältigt und ebenso gefangen genommen. Dieses mutige Vorgehen brachte noch einmal Bewegung in die französische dritte Abteilung. Etwa 600 Mann stellten sich zu einem konzentrierten Angriff zusammen. Zeitgleich wurde der Tross der Engländer im Rücken angegriffen. Den Angriff führte eine zusammengestellte Truppe von Bauern unter dem Herrn von Azincourt. Diese zwei Ereignisse lösten den Befehl von Heinrich V., die Gefangenen zu töten, aus. Ein Grund war, dass die Möglichkeit im Falle eines Angriffes der dritten französischen Abteilung, sich die gefangenen Ritter wieder bewaffnen konnten. Dieses Risiko konnte Heinrich V. nicht eingehen.
die englischen Reihen an. Er war zur Schlacht zu spät gekommen und seine Attacke verebbte. Er wurde überwältigt und ebenso gefangen genommen. Dieses mutige Vorgehen brachte noch einmal Bewegung in die französische dritte Abteilung. Etwa 600 Mann stellten sich zu einem konzentrierten Angriff zusammen. Zeitgleich wurde der Tross der Engländer im Rücken angegriffen. Den Angriff führte eine zusammengestellte Truppe von Bauern unter dem Herrn von Azincourt. Diese zwei Ereignisse lösten den Befehl von Heinrich V., die Gefangenen zu töten, aus. Ein Grund war, dass die Möglichkeit im Falle eines Angriffes der dritten französischen Abteilung, sich die gefangenen Ritter wieder bewaffnen konnten. Dieses Risiko konnte Heinrich V. nicht eingehen.
Zunächst aber verweigerten die Aufseher der Gefangenen den Befehl. Deshalb wurden etwa 200 Bogenschützen unter dem Befehl eines englischen Ritters zur Vollstreckung abkommandiert. Heinrich V. wählte in diesem Falle wahrscheinlich Bogenschützen aus, da diese einerseits Berufssoldaten waren und andererseits der ein oder andere in England für zivile Straftaten verantwortlich war, und hoffte diesen zu entgehen. Die Gefangenentötung wurde beendet, als die französische dritte Abteilung ihre Angriffsformation aufgab. Dennoch begleiteten zwischen 1.000 und 2.000 Gefangene Heinrich V. nach England.
Die Verwundeten
Viele Franzosen trugen tödliche Verletzungen davon, dagegen hatten viele Engländer Schnittverletzungen. Es kommt hinzu, dass die verwundeten Franzosen nicht vom Schlachtfeld getragen wurden und demzufolge ein großer Teil verblutete oder der Kälte der folgenden Nacht erlag. Am nächsten Morgen durchquerten Engländer das Schlachtfeld und töteten noch lebende Verletzte. Diese wären mit ziemlicher Sicherheit ohnehin gestorben. Keegan schätzt deren Zahl auf etwa 6.000 Männer.
Als Sieger der Schlacht gehen die Engländer hervor. Die Zahlen der Toten schwanken in der Literatur. Auf Seiten der Engländer spricht man von wenigen hundert Gefallenen. Es sollen in etwa 400 gewesen sein. Bei den Franzosen reicht die Spannweite von mindestens 5.000 bis 8.000 gefallenen Rittern. Die Zahl der toten Franzosen ist immer im Verhältnis zur Truppenstärke des jeweiligen Autors zu sehen. Unter den toten Franzosen waren 3 Herzöge, 5 Grafen und 90 Barone. Da diese Edelleute auch wichtige politische, administrative und wirtschaftliche Funktionen im Land hatten, war ihr Verlust ein noch härterer Schlag für Frankreich.
Der Kampfwille
Was ließ die Männer Schlachten, wie zum Beispiel Azincourt, schlagen? Am Ende dieser standen entweder Schmach und Strafe für die Niederlage oder Ruhm und Entlohnung für den Sieg. Die Möglichkeit des eigenen Todes schwang immer mit.
Ein gewichtiger Faktor, wie Keegan schreibt, war der Alkohol. Kaum einer ging nüchtern in die Schlacht. Ob der Alkohol, die Motivation zu kämpfen steigerte, oder nur die Hemmschwelle verringerte, ist fraglich. Die Anwesenheit des englischen Königs Heinrich V. war mit Sicherheit ein wichtiger Motivationsfaktor. Nicht nur die Tatsache, dass dieser sein eigenes Leben in der Schlacht aufs Spiel setzte, sondern auch das Band der Treue und Untergebenheit, werden die Moral des Heeres gestärkt haben. „Verstärkt wurde sie auch durch die Kraft der Religion. Die moralischen Fragen des Tötens beschäftigten den Berufssoldaten nach allgemeiner Auffassung herzlich wenig, aber der christliche Ritter war durchaus auf sie trainiert. Unrechtmäßiges Töten im Kriege war genau definiert und wurde nach den zivilen, militärischen und religiösen Gesetzen bestraft. Rechtmäßiges Töten war andererseits ein im Rahmen des gerechten Krieges präzise von religiösen Vorschriften gebilligter Akt, und wie vage und marginal auch die religiöse Doktrin auf das Bewusstsein des einfachen Soldaten zurückwirken mochte, so muss doch die religiöse Vorbereitung des ganzen englischen Heerbanns bei Azincourt zu den wichtigsten Stimmungsfaktoren gerechnet werden. Die Soldaten erflehten rituell den Segen, bevor sie in die Reihe traten; sie knieten nieder, bekreuzigten sich und nahmen Erde in den Mund zum Zeichen dafür, dass sie Tod und Begräbnis hinnahmen.“ Die oben beschriebenen Motivationsfaktoren sind natürlich unmittelbar vor der Schlacht von Bedeutung. Der wichtigste Punkt für den gemeinen Mann, der als Berufssoldat dient, ist aber die Aussicht auf Lösegeld und Beute.
Ein weiterer Faktor ist die Alltäglichkeit des Krieges im Mittelalter, die Macht der Gewohnheit. Dennoch war das Erleben einer Schlacht ein Extrem, aber nicht unvorstellbar für den Einzelnen. Im Falle der Schlacht von Azincourt darf die Unausweichlichkeit sich dem Kampfe zu stellen nicht vergessen werden. Die Engländer marschierten seit dem 5. Oktober und wurden von Hunger und Kälte getrieben. Ihre einzige Alternative war entweder zu kapitulieren und gefangen genommen zu werden oder sich
entschlossen dem Gegner zu stellen.
entschlossen dem Gegner zu stellen.
Schlußbetrachtung
Durch die Reichweite der Bogenschützen gelang es den Engländern mit den ersten Pfeilsalven den Angriff der französischen Kavallerie zu provozieren. Die Pfeile haben wahrscheinlich die ersten verletzten Pferde gefordert. Den Rittern aber konnten die Bogenschützen auf diese Distanz wenig anhaben. Die Wirkung des Zusammenpralls der französischen Kavallerieabteilung mit der englischen Linie ging von den Pfählen, die sie in den Boden gerammt hatten, aus. Der Rückzug der französischen Reiter brachte Unordnung in ihre eigenen Reihen.Das schlauchartige Schlachtfeld zwang die Franzosen, sich beim Vorrücken auf die Engländer dicht zusammenzudrängen. Dabei behinderten sie sich gegenseitig und stolperten über die Verwundeten und Leichen der bereits Gefallenen, sowie Pferdekadaver. Dabei dürften viele erstickt sein, da sie von den nachdrängenden Soldaten und Reitern in den Schlamm getrampelt wurden. Der schlammige Untergrund erschwerte das Vorrücken der Franzosen zusätzlich. Sie kamen
deshalb erschöpft und vereinzelt an der Kampflinie an. Im zunehmenden Chaos der Schlacht waren die Bogenschützen aufgrund ihrer leichten Panzerung besser gestellt. Sie konnten sich schneller bewegen und fügten den Franzosen dadurch erheblich mehr Schaden zu. So lässt sich vermuten beziehungsweise schlussfolgern, dass die Bogenschützen größeren Schaden als Kämpfer mit Handwaffen, wie Schwertern, Dolchen, Äxten oder Hämmern anrichteten. Zumal der Vorrat an Pfeilen zu Beginn der Schlacht aufgebraucht wurde.
Entscheidend für den Ausgang der Schlacht ist aber die Verteidigungstaktik der eigenen Kampflinie der Engländer. In diese fügen sich die Bogenschützen gewichtig ein. Die Verteidigung schonte natürlich die Kräfte der Männer im Vergleich eines Angriffes bei den gegebenen Witterungsverhältnisses und Umständen des vorangegangenen Marsches der Engländer. Schließlich ist festzustellen, dass sowohl die englischen Bogenschützen, als auch die Gewappneten und die Taktik Heinrich V., ebenso die Umstände der Schlacht und die Franzosen selbst zum Sieg der Engländer beitrugen. Nach Aussage von Professor Curry handelt es sich bei der Schlacht von Azincourt um einen Mythos, der um Heinrich V. herumkonstruiert wurde, um sein Ansehen als König zu steigern. Nicht zuletzt erheblich zu diesem Mythos beigetragen hat Shakespeares Drama "Heinrich V." aus dem Jahre 1599.
















