Bewegungskrieg
Der am 22. Juni 1941 begonnene Krieg gegen die Sowjetunion war ein Bewegungskrieg mit ständig wechselnden Fronten. Von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer auf einer Länge von knapp 1.600 Kilometern erstreckte sich der Frontabschnitt bei Angriffsbeginn. Zentraler Bestandteil der deutschen Kriegsführung war die Einkesselung gegnerischer Truppen durch keilförmige Panzervorstöße in deren Rücken. Jeweils Hunderttausende von Rotarmisten gerieten nach einer Reihe von Kesselschlachten zu Beginn des Feldzugs in deutsche Kriegsgefangenschaft. Entgegen dem Rat des Oberbefehlshabers des Heeres, Generalfeldmarschalls Walther von Brauchitsch, suchte Hitler den "tödlichen Stoß" gegen die Rote Armee auf den Flügeln auszuführen. Daher sollte die Heeresgruppe Süd Richtung Krim vorstoßen, um das Erz- und Industrierevier im Donezbecken sowie kaukasische Erdölgebiete zu erobern.
Spätsommer 1941. Schon früh hatte auch die sowjetische militärische Führung erkannt, wohin der nächste Stoß der deutschen Armeen führen würde: zum Kaukasus. In dem russischen Standardwerk über den Deutsch-Russischen Krieg "Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges", das auch 1963 in deutscher Sprache veröffentlicht wurde, hieß es: "Über die Krim führte der kürzeste Weg von der Ukraine zum Kaukasus. Die Halbinsel war eine ausgezeichnete Basis für die Stationierung von Fliegerkräften. Von hier aus griffen die sowjetischen Luftstreitkräfte die Häfen und die Erdölgebiete Rumäniens an." Auch Hitler betonte schon im August 1941 die Notwendigkeit, die Krim zu beherrschen, sie sei „der Flugzeugträger der Sowjetunion gegen die rumänischen Ölfelder.“
Den Angriff gegen die Krim eröffneten am 24. September 1941 die 46. und 73. Infanteriedivision, die zum LIV. Armeekorps und damit zur 11. Armee General Erich von Mansteins zählten. Schon am ersten Tag zeichnete sich ab, dass die auf sowjetischer Seite eingesetzte 51. Armee unter Generaloberst Kusnezow die Landenge von Perekop, nur 7 km breit, schon im Vorfeld - wie etwa am besonders heftig umkämpften Tatarengraben - verbissen verteidigen würde. Am 24. September verlor allein die 73. Infanteriedivision 1.500 Mann, nur mühsam kämpften sich die deutschen Infanteristen, von Bombern, Pionieren, Sturmgeschützen, von Minenfeld zu Minenfeld und von einer Verteidigungszone zur anderen vor.
In einer späteren Analyse schilderte General Hans Speth (damals Oberst im Stab des LIV. Armeekorps), wie dramatisch die Schlacht um die Krimzugänge verlief. "Am 29. September traten die deutschen Angriffsdivisionen unter Aufbietung ihrer letzten Kräfte und trotz zusammengeschmolzener Gefechtsstärke erneut an und vollendeten den schwer errungenen Erfolg des ersten Kampftages durch kühnen Vorstoß bis an die südlichen Landbrücken der Enge Perekop. Eine unerhörte Leistung war damit von zwei Infanteriedivisionen vollbracht worden. Allein die Gefangenen- und Beutezahlen gaben ein beredtes Zeugnis über die Schwere und Härte der Kämpfe. Neben hohen blutigen Opfern verlor der Gegner in der Zeit vom 24. bis 29. September 1941 über 10. 000 Gefangene, 122 Panzerfahrzeuge, 69 Geschütze, 43 Pak, 163 schwere und 275 leichte Maschinengewehre sowie 88 Granatwerfer. Das Tor zur Krim war aufgestoßen."
Es stellte sich jedoch sehr bald heraus, dass das Tor zu diesem Zeitpunkt nur einen Spalt breit geöffnet war, die Sowjets führten Verstärkungen heran, richteten sich bei Ischun zu hartnäckiger Verteidigung ein und wehrten bis Ende Oktober alle weiteren deutschen Versuche ab, tiefer in die Krim einzudringen, erst am 28. Oktober konnten die Divisionen Mansteins die Verfolgung des zunächst geschlagenen Gegners in Richtung Kertsch und Sewastopol aufnehmen, was zuvor geschah, schilderte General Speth: "Dort, wo der Angriff Ende September zum Stehen gekommen war, entbrannte am 18. Oktober die erbitterte Durchbruchsschlacht von neuem. Am zweiten Angriffstag wurde Ischun genommen. Der Gegner hatte Kräfte aus Odessa - die sogenannte selbständige Küstenarmee - herangeführt. Erst nach fünf blutigen Kampftagen war das Schwerste geschafft und der Flaschenhals endgültig durchschritten."
In der sowjetischen Darstellung über die Kämpfe bei Ischun heißt es: "Am 25. Oktober gelang es dem Gegner, unsere Stellungen zu durchbrechen. Unsere Truppen, die in einem zur Verteidigung nicht vorbereiteten Gelände kämpften, mussten den Rückzug antreten. Angesichts der komplizierten Lage befahl Vizeadmiral Lewtschenko am 29. Oktober, die Landtruppen zum rückwärtigen Verteidigungsabschnitt zurückzuführen, der entlang der Linie Sowjetski-Nowozarizyno-Saki verlief. Es gelang nicht, diesen Befehl zu verwirklichen. "
Die nach dem Fall von Ischun in Richtung Kertsch (51. Armee) und Sewastopol (Küstenarmee) zurückflutenden Rotarmisten folgte neben der Brigade des Obersten Ziegler eine schnelle Abteilung der 22. ID, von Major Robert Pretz, und schon am nächsten Tag nahm diese motorisierte Einheit den wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Dschankoj, während Verbände der Brigade Ziegler die Straße zwischen Simferopol und Sewastopol sperrte.
Eine Katastrophe für die Sowjets: "Weil der Gegner die Straße von Simferopol nach Sewastopol bereits abgeschnitten hatte, musste die Küstenarmee auf Umwegen über die Berge auf Alupka zurückgehen. Bewegliche deutsche Teile kamen unseren Verbänden zuvor. Sie eroberten am 31. Oktober bereits Alma und bedrohten Sewastopol."
Aber es gelang von Manstein nicht, die festungsartig ausgebaute Hafenstadt aus der Bewegung zu nehmen, über die Gründe schrieb General Speth in seiner Analyse: "Im Westen (also auf dem Vormarschweg in Richtung Sewastopol) war es infolge des Fehlens eines kampfkräftigen motorisierten Verbandes nicht möglich, mit dem weichenden Gegner in die Festung Sewastopol einzudringen. Unsere angreifenden Truppen stießen auf eine vorbereitete Verteidigung im Ost- und Nordteil der Festung. Eine vorübergehende Schwäche des Gegners im Südteil konnte durch die dort eingesetzten Truppen nicht bis zum entscheidenden Erfolg ausgenutzt werden - am 4. November wurde Belbek erreicht. Und zwei Tage später stand das LIV. Korps mit sehr schwachen Angriffsspitzen zwölf Kilometer vor Sewastopol. Die Truppe war infolge der Anstrengungen fast am Ende ihrer Kräfte. Obendrein verhinderte Regenwetter jede weitere Bewegung. Am 8. November begann der Festungskrieg um Sewastopol.
Die Front um Sewastopol - von Belbek bis Balaklawa - erstarrte für einige Wochen. die abgekämpften deutschen Divisionen mussten zwangsläufig dem Gegner Gelegenheit geben, seine Verbände neu zu ordnen und im zerklüfteten Vorfeld der Festung mit seinen steilen Schluchten und hohen Felshängen zu Verteidigungsstellungen auszubauen, und die Sowjets nutzten die Gunst der Stunde, in der sowjetischen Darstellung hieß es darüber: "Bereits am 10. November war die Küstenarmee wieder gefechtsbereit. Jetzt hatte der Sewastopoler Verteidigungsbezirk 52. 000 Mann, 170 Geschütze und ungefähr 100 Flugzeuge."
Aber auch Mansteins 11. Armee führte neue Truppen nach. Den Ring um die stärkste Festung der Welt verstärkten ab Mitte Dezember die 170., 73. und 24. Infanteriedivision sowie zwei rumänische Gebirgsjägerbrigaden.
Am 15. Dezember 1941 veröffentlichte von Manstein einen Tagesbefehl, in dem es hieß, dass mit Ausgang des vierten Tages die deutschen Truppen in die Stadt einzudringen und sie zu besetzen hätten. Am 17. Dezember gelang es vor allem der 22. Infanteriedivision bis zu fünf Kilometer tiefe Einbrüche in die Stellungen des Gegners zu erzielen. General Speth: "Nach tagelangen Kämpfen gelang es dieser Division und einem schnellen rumänischen Regiment, den Sowjets den nördlichen Teil der Festung zwischen Belbek und Kamyschly zu entreißen. In kühnem Angriff stießen die Truppen weiter bis zum Fort Stalin vor."
Doch dramatische Ereignisse hielten kurz nach Weihnachten den deutschen Angriff auf. Auf der Halbinsel Kertsch, seit Oktober in der Hand der 11. Armee, und bei Feodosia landeten russische Truppen. Da von Manstein befürchtete, dass gegnerische Verbände schnell in den Rücken eigener Kräfte geraten konnten, zog er die 170., 132. und 50. Infanteriedivision aus der Front vor Sewastopol ab und warf sie den gelandeten sowjetischen Truppen entgegen.
Diese Landungsoperationen der Russen führten zum Verlust der Halbinsel Kertsch und konnte von deutschen Verbänden erst im Mai 1942 wiedererobert werden. Feodosia hingegen war schon bald wieder feindfrei. Von Manstein unterstrich in seinen Erinnerungen, dass "unser Schicksal am seidenen Faden hing."
Nach dem Abzug mehrerer Divisionen von der Einschließungsfront vor Sewastopol standen auch dort die deutschen Divisionen bald unter massivem sowjetischem Druck. Im Kriegstagebuch des II. Btl./IR 32 schrieb am 18. Januar Leutnant Genzel: "HKL und Vorfeld waren nach zeitweiligem Verlust wieder in eigener Hand. Es verblieb lediglich die Feindbesetzung auf Felsnase. Das Bataillon hatte in vier schweren Kampftagen mit geringster Kampfstärke von sieben Offizieren, 24 Unteroffizieren und 117 Mann Gegner in der Gesamtstärke einer Division abgewehrt. "
Besonders kritisch wurde es für die 24. ID vor Sewastopol noch einmal am 27. Februar, Leutnant Genzel gab darüber folgende Darstellung. "Um 5.45 Uhr setzte schlagartig stärkstes Trommelfeuer aller Kaliber ein. Es war das stärkste, das das Bataillon bisher erlebte. Um 7.30 Uhr erfolgte auf der Rollbahn bei 5. Kompanie ein durch Panzer unterstützter Angriff. Die dicht vor den Panzern liegende Gruppe des Obergefreiten Meier behielt jedoch trotz der drohenden Gefahr eisern die Ruhe." Am 28. Februar schrieb Genzel: "Bis zum Mittag wurden fünf Feindangriffe abgewehrt." Dennoch gelangen später den russischen Angreifern tiefere Einbrüche bei Mekensievly Gory. Sie konnten erst am 3. März bereinigt werden."
Zu dieser Zeit begann von Manstein mit den Planungen für die Bereinigung der Kertsch-Halbinsel und der Einnahme von Sewastopol. In seinen „Erinnerungen heißt es dazu: “ Noch stand der 11. Armee die schwerste Aufgabe bevor, die Eroberung der Festung Sewastopol.
Unsere Absichten hinsichtlich der Führung des Festungsangriffes hatte ich, zusammen mit denen für die Kertsch-Offensive, bereits Mitte April Hitler im Führerhauptquartier dargelegt. Es war das erste Mal, dass ich als höherer Befehlshaber mit ihm zusammenkam, seit ich im Februar 1940 meine Gedanken über die Führung der Westoffensive vorgetragen hatte.
Auch bei dieser zweiten Begegnung hatte ich den Eindruck, dass er nicht nur sehr genau über alle Einzelheiten der rück liegenden Kämpfe unterrichtet war, sondern dass er auch durchaus Verständnis für die ihm vorgetragenen operativen Gedankengänge zeigte.
Er hörte meine Ausführungen aufmerksam an und stimmte den Absichten des Armeeoberkommandos sowohl hinsichtlich der Führung der Kertsch-Offensive wie der des Festungsangriffs voll zu. Er machte in keiner Weise den Versuch, in unsere Absichten hineinzureden oder, wie es später bei ihm häufig der Fall war, in endlose Aufzählungen von Produktionszahlen usw. abzuschweifen.“
Unsere Absichten hinsichtlich der Führung des Festungsangriffes hatte ich, zusammen mit denen für die Kertsch-Offensive, bereits Mitte April Hitler im Führerhauptquartier dargelegt. Es war das erste Mal, dass ich als höherer Befehlshaber mit ihm zusammenkam, seit ich im Februar 1940 meine Gedanken über die Führung der Westoffensive vorgetragen hatte.
Auch bei dieser zweiten Begegnung hatte ich den Eindruck, dass er nicht nur sehr genau über alle Einzelheiten der rück liegenden Kämpfe unterrichtet war, sondern dass er auch durchaus Verständnis für die ihm vorgetragenen operativen Gedankengänge zeigte.
Er hörte meine Ausführungen aufmerksam an und stimmte den Absichten des Armeeoberkommandos sowohl hinsichtlich der Führung der Kertsch-Offensive wie der des Festungsangriffs voll zu. Er machte in keiner Weise den Versuch, in unsere Absichten hineinzureden oder, wie es später bei ihm häufig der Fall war, in endlose Aufzählungen von Produktionszahlen usw. abzuschweifen.“
Damit wurde die Eroberung Sewastopols absoluter Schwerpunkt der Opretaionen und daher wurde folgerichtig dem Generalkommando 42 die Sicherung der Halbinsel Kertsch sowie der Südküste der Krim übertragen. Ihm verblieben hierzu an deutschen Kräften nur die 46. Infanterie-Division , ferner das rumänische Generalkommando 7 mit der rumänischen 10. und 19. Infanterie-Division, der 4. Gebirgs-Division und der 8. Kavallerie-Brigade. Alle anderen Kräfte wurden sofort nach Sewastopol in Marsch gesetzt.
Von Manstein machte sich hinsichtlich der Aufgabe keine Illusionen: „Dass der Angriff auf die Festung noch schwieriger sein würde als im Dezember des vergangenen Jahres, lag auf der Hand. Hatte der Gegner doch inzwischen ein halbes Jahr Zeit gehabt, seine Befestigungen zu verstärken, seine Verbände aufzufüllen und Materialreserven über See in die Festung zu bringen. Die Stärke der Festung Sewastopol lag nicht so sehr in modernen Festungswerken, obwohl auch von diesen einige vorhanden waren. Sie lag vielmehr in der außerordentlichen Schwierigkeit des Geländes und in seinem Ausbau mit einer Unzahl von kleineren Anlagen.
Diese bedeckten wie ein dichtes Netz das gesamte Gebiet vom Belbek-Tal bis zur Küste des schwarzen Meeres.“
Diese bedeckten wie ein dichtes Netz das gesamte Gebiet vom Belbek-Tal bis zur Küste des schwarzen Meeres.“
Von Manstein geht in seinen Memoiren detailliert auf die Besonderheiten der Sewastopolfront ein. Insbesondere das ganze Gelände zwischen dem Belbek-Tal und der Sewernaja-Bucht stellte ein stark ausgebautes Festungskampffeld dar. Die Nordfront verlief südlich des Belbek. Allerdings behauptete der Gegner auch nördlich desselben an der Küste noch einen weiträumigen Stützpunkt um und nördlich des Ortes Ljubimowka. Das Tal selbst wie die nach Süden ansteigenden Randhänge wurden der Länge nach durch eine modernst ausgebaute 30,5cm Panzer-Batterie (von uns „Maxim Gorki I“ genannt) bestrichen.
Die Randhöhen selbst bedeckte ein zwei Kilometer tiefes, dichtes Netz von zum Teil betonierten Feldbefestigungen. Dahinter folgte eine Reihe stark ausgebauter, meist betonierter Stützpunkte, von unseren Truppen „Stalin“, „Wolga“, „Sibirien“, „Molotow“, „GPU“, „Tscheka“ benannt. Sie waren durch eine Kette von Feldstellungen verbunden. Eine dritte Abwehrzone aus den Stützpunkten „Donez“, „Don“, „Lenin“, dem zur Verteidigung ausgebauten Ort Bartenjewka, dem alten Nord-Fort und den Küstenbatterien auf der „Batteriezunge" bestehend, verwehrte als letzte Verteidigungslinie den Zugang zum nördlichen Steilufer der Ssewernaja-Bucht. In dessen Fels waren bis 30 Meter unter der Erde liegende Unterbringungsräume für Munition und Reserven vorgetrieben.
Die Ostfront bog etwa 2 Kilometer ostwärts des Dorfes Belbek von der Nordfront nach Süden ab. Der Knickpunkt der beiden Fronten war durch die tief eingeschnittene Kamyschly Schlucht gedeckt. Im Übrigen verlief der nördliche Teil der Ostfront durch ein Gebiet dichten Buschwaldes, der hier die Steilhöhen, welche die Ausläufer des Jaila-Gebirges bildeten, bedeckte. In diesem Buschwald lagen zahllose kleinere feindliche Widerstandsnester – zum teils in den Felsboden gesprengt – die vom Angreifer mit Artillerie kaum zu fassen waren. Dieser bewaldete Nordabschnitt der Ostfront endete in den Steilhöhen südlich und südostwärts des Ortes Gajtany. Weiter südlich hörte zwar der Wald auf, dafür wurde das Gelände weiter nach Süden immer schwieriger, bis es im Bereich der Küste den Charakter eines Feldgebirges annahm.
Zunächst sperrten südlich der Tschornaja eine Reihe steiler Bergkuppen, die von den Sowjets zu starken Stützpunkten ausgebaut worden waren, den Zugang zum südlichen Festungsgebiet.
Beiderseits der großen Strasse, die von der Südküste her nach Sewastopol führte.
Sie sind den Krimkämpfern als „Zuckerhut“, „Nordnase“, „Kapellenberg“, und „Ruinenhügel“ bekannt. Es folgte das stark ausgebaute Dorf Kamarry und schließlich das Felsmassiv nordostwärts der Bucht von Balaklawa. Dort hatte der Gegner sich behaupten können, als im Herbst 1941 das Infanterie-Regiment 105 zum kühnen Angriff das Fort Baklawa nahm. Die durch diese Kette von befestigten Kuppen und Felsen gebildete Sperre war um so schwieriger zu durchbrechen, als immer ein Berg den anderen flankierte.
Beiderseits der großen Strasse, die von der Südküste her nach Sewastopol führte.
Sie sind den Krimkämpfern als „Zuckerhut“, „Nordnase“, „Kapellenberg“, und „Ruinenhügel“ bekannt. Es folgte das stark ausgebaute Dorf Kamarry und schließlich das Felsmassiv nordostwärts der Bucht von Balaklawa. Dort hatte der Gegner sich behaupten können, als im Herbst 1941 das Infanterie-Regiment 105 zum kühnen Angriff das Fort Baklawa nahm. Die durch diese Kette von befestigten Kuppen und Felsen gebildete Sperre war um so schwieriger zu durchbrechen, als immer ein Berg den anderen flankierte.
Hinter dieser vordersten Verteidigungszone im Süden erhob sich nördlich der Strasse von Sewastopol das Massiv der Fedjukiny-Höhen, nach Süden bis zum Küstengebirge verlängert durch Stützpunkte wie der „Adlerhöhe“, und das befestigte Dorf Kadykowka.
Sie alle bildeten sozusagen das Vorfeld der stärksten feindlichen Stellung auf den Sapun-Höhen. Diese sind ein steil nach Osten abfallender Höhenzug, der, mit den Felsen von Inkermann beginnend, zunächst das Tal der Tschornaja bis südlich Gajtany beherrscht. Er biegt dann nach Südwesten um, sperrt die Strasse nach Sewastopol und gewinnt in der „Windmühlenhöhe“, dem Westausläufer des Küstengebirges, den Anschluss an die Küste.
Diese Stellung ist infanteristisch, dank ihrer Steilhänge und gegenseitigen Flankierungsmöglichkeiten, schwer angreifbar.
Sie alle bildeten sozusagen das Vorfeld der stärksten feindlichen Stellung auf den Sapun-Höhen. Diese sind ein steil nach Osten abfallender Höhenzug, der, mit den Felsen von Inkermann beginnend, zunächst das Tal der Tschornaja bis südlich Gajtany beherrscht. Er biegt dann nach Südwesten um, sperrt die Strasse nach Sewastopol und gewinnt in der „Windmühlenhöhe“, dem Westausläufer des Küstengebirges, den Anschluss an die Küste.
Diese Stellung ist infanteristisch, dank ihrer Steilhänge und gegenseitigen Flankierungsmöglichkeiten, schwer angreifbar.
Sie beherrscht mit ihren Artillerie-Beobachtungen das ganze vor ihr liegende Festungsgebiet weithin. Die Sapunhöhen-Stellung war im Übrigen die Linie gewesen, die die Westmächte im Krim-Kriege als Rückendeckung ihres gegen Sewastopol vorgetragenen Angriffs gegen die untätige russische Entsatzarmee gehalten hatten. Doch selbst wenn der Angreifer diese beherrschende Höhenstellung genommen haben würde, sollte er noch nicht freie Bahn haben.
An der Küste lag eine Reihe von Küstenbatterien, darunter die moderne Panzerbatterie „Maxim Gorki II“.
An der Küste lag eine Reihe von Küstenbatterien, darunter die moderne Panzerbatterie „Maxim Gorki II“.
Desweiteren schloss sich im weiten Halbkreis bei Inkermann an der Ssewernaja-Bucht ansetzend und diese westlich der Stadt an der Strelezkaja-Bucht wieder erreichend, eine durchlaufende Stellung an. Sie bestand aus einem Panzergraben, Drahthindernis und zahlreichen Bunkern. In ihr war der aus dem Krim Krieg stammende englische Friedhof südostwärts der Stadt zu einem starken Batterienest ausgebaut. Schließlich zog sich eine letzte Befestigungslinie dicht am Stadtrand entlang, während auch die Halbinsel Chersones durch mehrere Querriegel gegen Osten abgeschirmt wurde.
Inzwischen liefen bei den deutschen Stäben der 11. Armee bereits die detaillierten Planungen für das Unternehmen "Störfang", den entscheidenden Angriff auf Sewastopol an. Um die sowjetische Zufuhr von Truppen und Waffen zu unterbinden muss der Hafen unter die Wirkung schwerer Waffen kommen. Das bedeutete, dass Sewastopol mit Schwerpunkten im Norden und Nordosten anzugreifen war. Hans Speth: "Um das gesteckte Ziel direkter Einwirkung auf den Hafen zu erreichen, mussten von unseren Einheiten die Höhen nördlich der Sewernaja-Bucht genommen werden. Uns war klar, daß die eingesetzten Divisionen damit zunächst auf die stärksten Forts - "Maxim Gorki", "Stalin", "Molotow", "GPU" und "Lenin" - treffen würden, "Negative Gedanken dieser Art seien jedoch zurückgestellt worden. Das wichtigste Ziel, den Hafen durch direktes Feuer zu sperren, habe schon im Vorfeld der konkreten Befehlsgebung schwerwiegende Bedenken erst gar nicht aufkommen lassen."
Die deutsche militärische Führung erkannte schon früh, dass im Norden der Front zwischen Belbek, Kamyschly und Mekensiewy Gory nur dann erfolgreich attackiert werden konnte, wenn zuvor Artillerie und Luftwaffe die schweren Waffen und schwer zugänglichen Stützpunkte der Roten Armee ausschalten würden. Die Armee wusste, dass "die Befestigungen des Gegners tief gestaffelt quer durch die Täler von Katscha und Belbek über die unwegsamen Höhen des Kalksteingebirges verlaufen", General Hans Speth berichtete weiter: "Ausgesuchte Elitetruppen unter Führung des sowjetischen Schwarzmeer-Admirals verteidigten sie, von Schützengräben angefangen über leichte und schwere Batteriestände bis zu Panzergeschütztürmen, Kampfanlagen mit Panzerkuppeln und schwer bewaffnete Forts. Kilometerweit war zudem das Gelände durch zehntausende Minen verseucht."
Das Mittelstück der Gesamtfront der Festung schied für einen Entscheidung suchenden Angriff aus. Der Kampf in dem Waldgelände würde allzu hohe Opfer gefordert haben, weil hier die Unterstützung durch Artillerie und Lufwaffe, unsere beiden Haupttrümpfe, niemals zur vollen Wirkung gelangen konnte. Es blieb also nur übrig, den Angriff wiederum von Norden und Nordosten her und im Süden des Ostabschnittes zu führen. Dabei sollte der Schwerpunkt ebenfalls wieder – wenigstens zunächst – auf dem Nordangriff liegen. Wenn auch im Nordgebiet der Festung, nördlich der Ssewernaja-Bucht, die feindlichen Befestigungen zweifellos stärker und zahlreicher waren als im Südteil, so bot doch dort das Gelände weit weniger Schwierigkeiten. Vor allem aber war die Einwirkung der Artillerie und Luftwaffe im Nordabschnitt in weit größerem Ausmaße möglich als im Gebirgsgelände des Südens.
Über einen Vergleich mit einer auf wenige Kilometer reduzierten Maginotlinie wurde an der Sewastopol-Front nur gelacht: "Was uns hier erwartet, ist ungleich härter und schwerer." Panzerbatterien mit drei Meter starken Betondecken oder Befehlsstände, die 40 Meter tief in den felsigen Grund getrieben wurden, das habe der Verteidigungslinie der Franzosen ganz sicher gefehlt, "Wir mussten uns auf der Krim durch ein zwölf Kilometer tiefes Hauptkampffeld, nach Erkenntnissen modernster Befestigungskunst angelegt, förmlich hindurchfressen", ergänzte Speth
Es verwunderte daher nicht, dass die Armee von Mansteins rund um Sewastopol die stärkste Artilleriemassierung der Kriegsgeschichte aufbot, um das Vorfeld der Stadt sturmreif zu schießen. Erich von Manstein bemerkte in seinen Erinnerungen dazu: „Das Armee-Oberkommando hatte selbstverständlich jedes erreichbare Rohr für den Angriff herangezogen, das OKH die schwersten vorhandenen Angriffsmittel bereitgestellt.
Insgesamt verfügte das 54. AK unter seinem Artillerie-Kommandeur, General Zuckertort, einschließlich seiner Division über 56 schwere und schwerste, 41 leichte und 18 Werfer-Batterien sowie 2 Sturmgeschütz-Abteilungen.
Insgesamt verfügte das 54. AK unter seinem Artillerie-Kommandeur, General Zuckertort, einschließlich seiner Division über 56 schwere und schwerste, 41 leichte und 18 Werfer-Batterien sowie 2 Sturmgeschütz-Abteilungen.
Den insgesamt 121 Batterien standen 2 Beobachtungsabteilungen zur Verfügung. Unter der schwersten Artillerie befanden sich Kanonen bis 19 cm Kaliber sowie einzelne Haubitz- und Mörser-Batterien der Kaliber 30,5, 35 und 42 cm. Ferner gab es 2 schwerste Mörser ( Thor und Odin ) von 60 cm und das berühmte Dora-Geschütz von 82 cm Kaliber ( von Bachtschissaraj eingesetzte). Das letztere war ursprünglich zur Bekämpfung der stärksten Werke der Maginot-Linie entworfen worden, jedoch nicht mehr gegen diese zum Einsatz gekommen.
Es war ein Wunderwerk der Artillerietechnik. Das Rohr mochte etwa 30 m lang sein, die Lafette erreichte die Höhe eines zweistöckigen Hauses. Es hatte einige 60 Eisenbahnzüge bedurft, um dieses Monstrum auf eigens angelegten Gleisen in Stellung zu bringen.
Zwei Flak-Abteilungen mussten ständig zu seinem Schutz bereitstehen. Im Ganzen gesehen hat dieser Aufwand zweifellos nicht im geringsten im Verhältnis zu dem Nutzeffekt gestanden. Allerdings hat das Geschütz mit einem Schuss ein großes feindliches Munitionslager am Nordrand der Ssewernaja-Bucht vernichtet, das 30 Meter tief in gewachsenem Fels lag.
Zwei Flak-Abteilungen mussten ständig zu seinem Schutz bereitstehen. Im Ganzen gesehen hat dieser Aufwand zweifellos nicht im geringsten im Verhältnis zu dem Nutzeffekt gestanden. Allerdings hat das Geschütz mit einem Schuss ein großes feindliches Munitionslager am Nordrand der Ssewernaja-Bucht vernichtet, das 30 Meter tief in gewachsenem Fels lag.
Die Artillerie des 30. AK wurde von dem früheren österreichischen General Martinek geführt, der ein besonders hervorragender Artillerist war. Das Korps verfügte über 25 schwere und schwerste, 25 leichte und 6 Werfer-Batterien, sowie über 1 Sturmgeschütz- und 1Beobachtungs-Abteilung. Ferner war dem Korps die Panzer-Abteilung 300 zugeteilt, die ferngesteuerte Panzer, Goliaths, welche eine Sprengladung trugen, führte. Das rumänische Gebirgs-Korps hatte für seine Fesselungsaufgabe 12 schwere und 22 leichte Batterien.
Einen erfreulichen Zuschuss erhielt die Angriffs-Artillerie dadurch, dass der kommandierende General des 8. Flieger-Korps, General von Richthofen, mehrere Flakregimenter auch für den Erdkampf einsetzte. Niemals wurde auf deutscher Seite eine so starke Artilleriemassierung erreicht, vor allem an schwersten Kalibern, wie beim Angriff auf Sewastopol. Soweit Erich von Manstein.
Einen erfreulichen Zuschuss erhielt die Angriffs-Artillerie dadurch, dass der kommandierende General des 8. Flieger-Korps, General von Richthofen, mehrere Flakregimenter auch für den Erdkampf einsetzte. Niemals wurde auf deutscher Seite eine so starke Artilleriemassierung erreicht, vor allem an schwersten Kalibern, wie beim Angriff auf Sewastopol. Soweit Erich von Manstein.
Ju-87-Sturzkampfbomber vervollständigten in nahezu pausenlosen Einsätzen das Werk der Zerstörung. Bezüglich des Munitionsverbrauchs nannte General Speth eindrucksvolle Zahlen: "In den fünf Tagen vor dem entscheidenden Angriff verließen 60. 000 Granaten aller Kaliber, also 2. 700 Tonnen Artilleriemunition, die Geschütze unserer Batterien." In der Gesamtbilanz sah das noch viel dramatischer aus: Zwischen dem 7. Juni und 1. Juli 1942 verschossen deutsche Infanteristen und Artilleristen insgesamt 47. 000 Tonnen Munition, das entsprach der Ladung von mehr als 100 Eisenbahnzügen
In diesen Tagen hätte die Armee auch kurz vor diesem entscheidenden Angriff seinen Oberkommandierenden und die deutsche Wehrmacht ihren fähigsten Strategen verloren. Von Manstein: „Ich hatte mich während der letzten Tage der Angriffs-Vorbereitungen für kurze Zeit an die Südküste begeben, um mich auch beim 30. AK genauer unterrichten zu können. Unser Gefechtsstand dort war ein kleines ehemals großfürstliches Schlösschen im maurischen Stil, zauberhaft auf einem schroffen Felsen über dem schwarzen Meer gelegen.
Am letzten Tage meines Aufenthaltes dort machte ich mit dem italienischen Schnellboot, das wir als einzige Flotteneinheit besaßen, eine Erkundungsfahrt längs der Südküste bis in Höhe von Balaklawa. Es ging mir darum, festzustellen, inwieweit die Küstenstrasse, auf der der gesamte Nachschub dieses AK verlaufen musste, von See her einzusehen und gegebenenfalls im beobachteten Feuer zu beschießen sei. Tatsächlich hat sich die sowjetische Schwarzmeer-Flotte – wohl aus Respekt vor unseren Fliegern – nicht an diese Aufgabe herangewagt. Auf der Rückfahrt ereignete sich dicht vor dem Hafen von Jalta ein Unglück. Plötzlich prasselten, peitschten und krachten rings um uns Einschläge von Geschossen aus Fliegerbordwaffen.
Zwei Jäger hatten sich auf unser Boot gestürzt. Da sie aus Richtung der blendenden Sonne anflogen, hatten wir sie nicht sehen können und das Geräusch der starken Motoren des Schnellboots hatte auch ihre Motorengeräusche übertönt.
Zwei Jäger hatten sich auf unser Boot gestürzt. Da sie aus Richtung der blendenden Sonne anflogen, hatten wir sie nicht sehen können und das Geräusch der starken Motoren des Schnellboots hatte auch ihre Motorengeräusche übertönt.
Binnen weniger Sekunden waren von den 16 Personen, die sich an Bord befanden, sieben tot oder verwundet. Das Boot brannte, was angesichts der Torpedos, die es längsseits führte, eine besondere Gefahr bedeutete. Der Kommandant, ein junger italienischer Leutnant zur See, verhielt sich tadellos. Geistesgegenwärtig traf er Maßnahmen, um das Boot und uns zu retten.
Mein Ordonnanzoffizier „Pepo“, sprang ins Wasser, schwamm ungeachtet der Verminung der Küste ans nahe Ufer, hielt dort – splitternackt – einen Lkw an und raste nach Jalta, um ein dort liegendes kroatisches Motorboot zu Hilfe zu holen, das uns dann in den Hafen schleppte.
Es war eine traurige Fahrt. Ein italienischer Maat war tot, drei Matrosen verwundet. Tot war aber auch der Hafenkommandant von Jalta, der uns begleitet hatte, Kapitän z. S. V. Wedel. In seiner Stellung als Hafenkommandant an Land gebannt, war er glücklich gewesen, als alter Seemann noch einmal die Planken eines wenn auch noch so kleinen Kriegsschiffes unter sich zu fühlen. Nun hatte ihn der Seemannstod ereilt!
Zu meinen Füssen lag aber auch mein treuester Kriegskamerad, mein Fahrer Fritz Nagel, mit einem schweren Oberschenkelschuss. Der italienische Leutnant riss sich sein Hemd vom Leibe, um einen Notverband anzulegen, aber die Blutung aus der Schlagader war kaum zu stillen. Fritz Nagel war aus Karlsruhe und seit dem Jahre 1938 mein Fahrer. Gemeinsam hatten wir so vieles erlebt. An meiner Seite war er mir ein treuer Kamerad gewesen und ein Freund geworden. Mittelgroß, dunkelhaarig, mit schönen, freimütigen, braunen Augen, ohne jede Servilität, sportlich, grundanständig und ein begeisterter Soldat, war er, immer fröhlich, ein Mensch, der die Herzen der Kameraden wie der Vorgesetzten gewonnen hatte.
Nach der Landung brachte ich ihn selbst in das Lazarett. Er wurde noch operiert, aber der Blutverlust war doch zu stark gewesen. In der Nacht verlöschte dies junge Leben. Wir haben ihn auf dem Friedhof von Jalta, zusammen mit den anderen deutschen und italienischen Kameraden, hoch über dem Meer an einem wohl der schönsten Plätzchen dieser herrlichen Küste begraben.“
Nach der Landung brachte ich ihn selbst in das Lazarett. Er wurde noch operiert, aber der Blutverlust war doch zu stark gewesen. In der Nacht verlöschte dies junge Leben. Wir haben ihn auf dem Friedhof von Jalta, zusammen mit den anderen deutschen und italienischen Kameraden, hoch über dem Meer an einem wohl der schönsten Plätzchen dieser herrlichen Küste begraben.“
Wenige Tage nach diesem Zwischenfall bezog der engste Führungsstab des Armee-Oberkommandos einen Gefechtsstand in dem tartarischen Dorf Juchary Karales. Auf einem Felsgipfel oberhalb des Dorfes, innerhalb des Felsengebirges von Tscherkess Kermen, in dem ehedem die Goten ihre Burg gebaut hatten, richtete von Manstein seinen Beobachtungsstand ein. Er wurde in der Abendstunde des 6. Juni bezogen, um am nächsten Morgen die Eröffnung des Infanterie-Angriffes auf der ganzen Front beobachten zu können. Es war ein kleiner Erdbunker mit anschließenden Scherenfernrohr-Beobachtungsstellen, in dem der Chef, Ia, Ic, ‚Pepo‘ und von Manstein die stillen Abendstunden vor dem Sturm verbrachten.
Am nächsten Morgen, des 7. Juni „hieb die Pranke unserer Artillerie mit voller Wucht zur Einleitung des Sturmes der Infanterie auf den Gegner ein, stürzten sich die Geschwader der Luftwaffe auf die ihnen zugewiesenen Ziele.“ Laut von Manstein „ein überwältigender Anblick, de sich uns darbot.“ Es war ein einzigartiger Fall im modernen Krieg, dass der Führer einer Armee das ganze Schlachtfeld übersehen konnte. Sozusagen der letzte Feldherrnhügel des modernen Kriegszeitalters.
Das 54. AK hatte auf seinem rechten Flügel die 132. Division, unter Auslassung des feindlichen Brückenkopfes von Lubjimowka, zum frontalen Angriff auf das Belbek-Tal gegen die beherrschenden Höhen südlich desselben angesetzt. Links davon hatte die 22. Infanterie-Division die Aufgabe, durch Stoss südlich des Belbek von Osten her über die Kamyschly-Schlucht der 132. Division den Übergang über das Belbek-Tal zu öffnen. Links von ihr sollte sich die 50. Infanterie-Division, über den Ort Kamyschly angreifend, diesem Stoss in südwestlicher Richtung anschließen.
Auf dem äußersten linken Flügel des Korps im Waldgebirge hatte sich die 24. Infanterie-Division in Richtung auf die Höhen von Gajtany vorzuarbeiten, in ihrer linken Flanke gedeckt durch die 18. rumänische Division. Am ersten Tage gelang es unter überwältigender Unterstützung durch die starke Angriffsartillerie sowie durch pausenlose Angriffe des 8. Flieger-Korps, die Kamyschly-Schlucht und das Belbek-Tal zu überschreiten und auf den beherrschenden Höhen südlich des Tals Fuß zu fassen.
Auf dem Südflügel hatte sich das 30. AK zunächst die Ausgangsstellungen für die Fortführung des Angriffs, zu dem es mit seinen Hauptkräften erst einige Tage später antreten sollte, beiderseits der großen Strasse nach Sewastopol zu erkämpfen. Der zweite Anschnitt des Angriffs, bis zum 17. Juni, zeigt auf beiden Angriffsfronten einen erbitterten Kampf um jeden Fußbreit Boden, um jeden Bunker, um jede Feldstellung. Immer wieder versucht der Russe durch heftige Gegenangriffe das verlorene zurück zu gewinnen. In seinen starken Stützpunkten, aber auch in den kleineren Bunkern hält er oft bis zum letzten Mann aus. In diesen Kämpfen, deren Hauptlast die Infanterie und die Pioniere tragen, verdient besondere Erwähnung die Arbeit der vorgeschobenen Beobachter der Artillerie. Sie waren es vornehmlich, die das Feuer zu leiten hatten, mit dessen Hilfe die einzelnen Stützpunkte oder Bunker genommen werden konnten. Sie, wie vor allem auch die Sturmgeschütze, waren die besten Helfer der Infanterie. In diesem Fall konnten sich die Infanteristen bei ihrem Oberkommandierenden bedanken, denn es war von Manstein, der die Schaffung der Sturmgeschützwaffe angeregt und durchgesetzt hatte.
Am 13. Juni gelingt es dem Infanterieregiment 16 der 22. Division unter Oberst von Choltitz, das Fort Stalin zu nehmen, vor dem im Winter sein Angriff zum Stehen gekommen war. Bis zum 17. Juni war es unter starken Verlusten gelungen, in das Festungskampffeld im Norden einen breiten, tiefen Keil zu treiben. Die Werke der zweiten Verteidigungslinie „Tscheka“, „GPU“, „Sibirien“, „Wolga“, waren in deutscher Hand.
Beim 30. AK gelang es bis zum 17. Juni ebenfalls, einen Keil in die vorderen, der Sapun-Stellung vor gelagerten Verteidigungszonen des Gegners zu treiben. In schweren Kämpfen fielen die befestigten Stützpunkte der vordersten Verteidigungszone: „Nordnase“, „Kapellenberg“, „Ruine“ in die Hand der 72. Division, während die 170. Division Kamary nimmt. Auch nördlich des Korps gelingt es der ersten rumänischen Gebirgs-Division nach mehrfachen, vergeblichem Anstürmen, den „Zuckerhut“ zu erobern. Dagegen zeigt sich, dass das Vorkämpfen der 28. leichten Division über die schroffen Felsen des Küstengebirges, über den „Rosenhügel“ und die Höhen „Zinnober I und II“ nur langsam vorwärts geht.
Der Kampf kann in dem wild zerklüfteten Felsgelände eigentlich nur im Stosstruppverfahren geführt werden und bringt erhebliche Verluste.
Der Kampf kann in dem wild zerklüfteten Felsgelände eigentlich nur im Stosstruppverfahren geführt werden und bringt erhebliche Verluste.
Auch beim 30. AK führte eine überraschende Verlegung des Angriffsschwerpunktes bis zum 17. Juni zu einem wichtigen Erfolg. Das Generalkommando entschloss sich, den Angriff über die Nordkette des Küstengebirges östlich Baklawa einzustellen und seine Kräfte an und dicht südlich der großen Strasse zu einem überraschenden Vorstoß zusammenzufassen. Es gelang der Abteilung am 18. Juni früh, die stark befestigte Adlerhöhe in der Nähe der Sapun- Höhen zu nehmen und sich auf ihr zu behaupten, bis weitere Kräfte der Division nachgeschoben werden konnten. Damit war die Voraussetzung gegeben, den Einbruch in das feindliche Stellungssystem nach Norden zu verbreitern.
Auch in dem nun folgenden dritten Abschnitt des Angriffskampfes wurde der Erfolg durch überraschende Verlegungen der Angriffsschwerpunkte, insbesondere artilleristisch, erreicht.
Im Norden galt er der vollen Erreichung des ersten Angriffsziels, der Ssewernaja-Bucht, im Süden der Gewinnung der Ausgangsstellung für den Angriff auf die Sapun-Höhen.
Im Nordabschnitt wird die Gesamtwirkung der Artillerie so zusammengefasst, dass es der 24. Division gelingt, die Werke der Halbinsel, die den Eingang zur Ssewernaja-Bucht beherrscht, zu nehmen. Darunter befindet sich vor allem das zwar veraltete, aber trotzdem als Stützpunkt für den Feind noch starke Nordfort.
Im Norden galt er der vollen Erreichung des ersten Angriffsziels, der Ssewernaja-Bucht, im Süden der Gewinnung der Ausgangsstellung für den Angriff auf die Sapun-Höhen.
Im Nordabschnitt wird die Gesamtwirkung der Artillerie so zusammengefasst, dass es der 24. Division gelingt, die Werke der Halbinsel, die den Eingang zur Ssewernaja-Bucht beherrscht, zu nehmen. Darunter befindet sich vor allem das zwar veraltete, aber trotzdem als Stützpunkt für den Feind noch starke Nordfort.
Die 22. Division kann sich in ihrem ganzen Gefechtsstreifen in den Besitz der Felshänge, die zum Nordufer der Bucht herabstürzen, setzen. Besondere Kämpfe toben um den Eisenbahntunnel. Der Tunnel fällt schließlich unter direktem Beschuss seines Eingangs.
Nicht nur Hunderte von Soldaten, sondern noch weit mehr Zivilisten, Männer, Frauen, und Kinder, kommen daraus hervor.
Nicht nur Hunderte von Soldaten, sondern noch weit mehr Zivilisten, Männer, Frauen, und Kinder, kommen daraus hervor.
Besonders schwierig erweist es sich, den Feind aus seinen letzten Schlupfwinkeln am Nordufer der Bucht zu vertreiben. Die Sowjets hatten in die steilen Felshänge tiefe Stollen zur Unterbringung von Munition und Reserven getrieben, die – durch Panzertore gesichert – zur Verteidigung eingerichtet waren. An eine Übergabe dachten die unter dem Druck ihrer Kommissare stehenden Insassen nicht. Es blieb nichts übrig, als den Versuch zu machen, die Tore zu aufzusprengen. Als Pioniere gegen den Eingang der ersten dieser Höhlen vorgingen, erfolgte im Innern der Kasematte eine Explosion. Ein breites Stück des Felsufers stürzte zusammen, den Feind in der Kasematte, aber auch den Pioniertrupp unter sich begrabend. Der befehligende Kommissar hatte die Kasematte nebst ihren Insassen in die Luft gesprengt.
Schließlich gelang es einem Leutnant einer Sturmgeschützbatterie, der ohne Rücksicht auf feindliche Feuerwirkung vom Südufer der Bucht her auf der Küstenstrasse vorfuhr, durch Feuer seines Geschützes aus nächster Nähe gegen die Scharten der Eingänge die Öffnung der übrigen Kasematten zu erzwingen. Die Kommissare in ihnen hatten ihrem Leben ein Ende gemacht.
Schließlich gelang es einem Leutnant einer Sturmgeschützbatterie, der ohne Rücksicht auf feindliche Feuerwirkung vom Südufer der Bucht her auf der Küstenstrasse vorfuhr, durch Feuer seines Geschützes aus nächster Nähe gegen die Scharten der Eingänge die Öffnung der übrigen Kasematten zu erzwingen. Die Kommissare in ihnen hatten ihrem Leben ein Ende gemacht.
Der Feind, dessen Augen nach Osten gerichtet waren und der wohl bereits einen Angriff auf die Sapun-Höhen selbst erwartete, wurde durch den Stoss von Süden her völlig überrascht . Die Einnahme des Fedjukiny-Massivs gelang verhältnismäßig schnell. Damit war die Ausgangsbasis für den entscheidenden Angriff auf die Sapun-Höhen gewonnen.
Auch der linke Flügel des rumänischen Gebirgs-Korps (1. Gebirgs-Division) machte in diesen Tagen Fortschritte. So sah sich die 11. Armee am Morgen des 26. Juni im Besitz nahezu des gesamten äußeren Bereichs der Festung. Der Gegner war in das innere Festungsgebiet zurückgeworfen, dessen Nordfont die steilen Höhen am Südufer der Ssewernaja-Bucht bildeten, während die Ostfront von den Höhen von Inkermann auf den Sapun-Höhen bis zu den Felsen um Balaklawa führte.
Auch der linke Flügel des rumänischen Gebirgs-Korps (1. Gebirgs-Division) machte in diesen Tagen Fortschritte. So sah sich die 11. Armee am Morgen des 26. Juni im Besitz nahezu des gesamten äußeren Bereichs der Festung. Der Gegner war in das innere Festungsgebiet zurückgeworfen, dessen Nordfont die steilen Höhen am Südufer der Ssewernaja-Bucht bildeten, während die Ostfront von den Höhen von Inkermann auf den Sapun-Höhen bis zu den Felsen um Balaklawa führte.
Das AOK stand vor der Frage, wie es diesen inneren Festungsgürtel sprengen wolle.
Dass der Gegner weiterhin verbissen kämpfen würde, um so mehr, als er nach allen Verlautbarungen seiner vorgesetzten Front (Krimfront) nicht darauf rechnen konnte, noch von der Halbinsel evakuiert zu werden, war sicher. Die deutschen Regimenter waren auf wenige hundert Mann zusammengeschmolzen. Es gab die Meldung einer herausgezogenen Kompanie, die noch eine Gefechtsstärke von einem Offizier und acht Mann meldete. Wie sollte man mit diesen zusammengeschmolzenen Verbänden den Kampf um Sewastopol zum Abschluss bringen, wo das 54. AK nunmehr die Ssewernaja-Bucht vor sich hatte, während das 30. AK vor dem schweren Angriff auf die Sapun-Höhen stand?
Dass der Gegner weiterhin verbissen kämpfen würde, um so mehr, als er nach allen Verlautbarungen seiner vorgesetzten Front (Krimfront) nicht darauf rechnen konnte, noch von der Halbinsel evakuiert zu werden, war sicher. Die deutschen Regimenter waren auf wenige hundert Mann zusammengeschmolzen. Es gab die Meldung einer herausgezogenen Kompanie, die noch eine Gefechtsstärke von einem Offizier und acht Mann meldete. Wie sollte man mit diesen zusammengeschmolzenen Verbänden den Kampf um Sewastopol zum Abschluss bringen, wo das 54. AK nunmehr die Ssewernaja-Bucht vor sich hatte, während das 30. AK vor dem schweren Angriff auf die Sapun-Höhen stand?
Das Gegebene in dieser Lage wäre gewesen, den Gesamtschwerpunkt des Angriffs nunmehr auf den Südflügel zum 30. AK zu verlegen. Gerade dies aber war praktisch nicht möglich. Schon das Verschieben von Divisionen vom Nordabschnitt in den Südabschnitt musste viele Tage dauern, die dem Gegner Gelegenheit gaben, sich zu erholen.Existierte doch nur eine schmale Strasse, die im Frontbereich die beiden Abschnitte verband und die im Winter unter unsäglichen Mühen erst durch das Gebirge gebaut worden war. Die Lasten der schweren Artillerie konnte sie jedoch nicht tragen. Die Verschiebung der Masse der Artillerie über Jalta in den Südabschnitt und ihre Munitionierung dort hätte Wochen gedauert. Hinzu kam, dass die oberste Führung in jedem Falle das 8. Flieger-Korps binnen kurzer Zeit von der Krim abziehen wollte.
Von Manstein war unmittelbar nachdem die 22. Division das Nordufer der Ssewernaja-Bucht erreicht hatte, zu ihren Regimentern gefahren. Von einer Beobachtungsstelle der 22. Division am Nordrand der Ssewernaja-Bucht wollte er sich einen Überblick verschaffen. Vor ihm lag die 800 bis 1000 Meter breite Bucht, in der einst ganze Flotten geankert hatten, jenseits rechts die Stadt Sewastopol, geradeaus vor mir die steilen Uferhöhen, gespickt mit Befestigungen. Ihm kam der Gedanke, dass man von hier aus, also von der Flanke her, die Sapunstellung aus den Angeln heben sollte. Denn gerade hier über die Sewernaja-Bucht würde der Feind einen Angriff wohl am allerwenigsten erwarten.
Das 54. AK und einigen Truppenführern hatten große Bedenken bezüglich der Breite der Meeeresbucht. Wie sollte man mit Sturmbooten die Bucht angesichts der stark ausgebauten und bestückten Höhen des Südufers überqueren können? Wie sollte man überhaupt die Sturmboote über die Felsabhänge ans Ufer bringen, die Truppen in ihnen verladen, wo es nur wenige steile Schluchten gab, die überhaupt einen Zugang zum Ufer darstellten? Stellen, die der Gegner selbstverständlich vom Südufer her einsehen und unter Feuer nehmen konnte!
Immerhin, gerade weil ein Angriff über die Ssewernaja-Bucht nahezu unmöglich erschien, würde er den Gegner überraschen und diese Überraschung konnte die Frucht des Gelingens in sich tragen. Trotz aller vorgetragenen Bedenken bestand von Manstein auf seinem Plan.
Immerhin, gerade weil ein Angriff über die Ssewernaja-Bucht nahezu unmöglich erschien, würde er den Gegner überraschen und diese Überraschung konnte die Frucht des Gelingens in sich tragen. Trotz aller vorgetragenen Bedenken bestand von Manstein auf seinem Plan.
Am 29. Juni frühmorgens sollte der allgemeine Angriff auf den inneren Festungsbereich, beim 54. AK über die Ssewernaja-Bucht, beim 30. AK auf die Sapun-Höhen beginnen.
Schon am 28. Juni war es der 50. Division gelungen, den Unterlauf der Tschornaja zu überschreiten und Inkermann zu nehmen. Hier ereignete sich eine Tragödie, die zeigte, mit welchem Fanatismus die Sowjets kämpften. Hoch über Inkermann erhob sich eine lang gestreckte weit nach Süden reichende steile Felswand. In diesem Felsen befanden sich riesige Hallen, die als Kellereien für die Sektfabriken auf der Krim gedient hatten. Neben großen Vorräten dieses Getränkes hatten die Bolschewiken in diesen Hallen Munition gelagert, sie aber auch zur Unterbringung Tausender von Verwundeten und geflüchteter Zivilbevölkerung benutzt. Als deutsche Truppen in den Ort Inkermann eindrangen, erbebte der ganze Felsen hinter dem Ort unter einer ungeheuren Detonation. Die 30 Meter hohe Felswand stürzte in einer Länge von etwa 300 Meter zusammen, Tausende von Menschen unter sich begrabend.
Schon am 28. Juni war es der 50. Division gelungen, den Unterlauf der Tschornaja zu überschreiten und Inkermann zu nehmen. Hier ereignete sich eine Tragödie, die zeigte, mit welchem Fanatismus die Sowjets kämpften. Hoch über Inkermann erhob sich eine lang gestreckte weit nach Süden reichende steile Felswand. In diesem Felsen befanden sich riesige Hallen, die als Kellereien für die Sektfabriken auf der Krim gedient hatten. Neben großen Vorräten dieses Getränkes hatten die Bolschewiken in diesen Hallen Munition gelagert, sie aber auch zur Unterbringung Tausender von Verwundeten und geflüchteter Zivilbevölkerung benutzt. Als deutsche Truppen in den Ort Inkermann eindrangen, erbebte der ganze Felsen hinter dem Ort unter einer ungeheuren Detonation. Die 30 Meter hohe Felswand stürzte in einer Länge von etwa 300 Meter zusammen, Tausende von Menschen unter sich begrabend.
Um Mitternacht vom 28/29. Juni lag eine ungeheure Spannung auf all denen, die an der Durchführung des Übergangs über die Bucht beteiligt waren. Unaufhörliche Bombenwürfe des 8. Flieger-Korps auf die Stadt sollten alle Geräusche am Nordufer der Bucht überdecken. Die gesamte Artillerie stand bereit, die Höhen des Südufers mit mörderischem Feuer zu zudecken, sobald Feuer von dorther anzeigen würde, dass der Gegner das Unternehmen erkannt habe. Aber alles blieb ruhig drüben. Das schwierige Zuwasserbringen der Sturmboote und ihre Beladung gelang. Um 1 Uhr nachts stieß die erste Welle der 24. und 22. Division vom Nordufer ab und die Sturmboote nahmen ihren Weg zum Südufer. Der Übergang, durch den der Feind offenbar völlig überrascht wurde, gelang.
Der waghalsige Sprung über die Meeresbucht war geglückt. Als die feindliche Abwehr von den südlichen Höhen in Tätigkeit trat, hatten die Grenadiere bereits auf dem Südufer Fuß gefasst. Was sich an feindlichen Abwehrwaffen auf den Hängen der südlichen Uferhöhen nunmehr zeigte, wurde durch unser Feuer zerschlagen, das Höhenplateau von unseren Truppen erstiegen. Damit war die gefürchtete Sapun-Höhen-Stellung von der Flanke her aus den Angeln gehoben.
Der waghalsige Sprung über die Meeresbucht war geglückt. Als die feindliche Abwehr von den südlichen Höhen in Tätigkeit trat, hatten die Grenadiere bereits auf dem Südufer Fuß gefasst. Was sich an feindlichen Abwehrwaffen auf den Hängen der südlichen Uferhöhen nunmehr zeigte, wurde durch unser Feuer zerschlagen, das Höhenplateau von unseren Truppen erstiegen. Damit war die gefürchtete Sapun-Höhen-Stellung von der Flanke her aus den Angeln gehoben.
Nun traten die deutschen Truppen auch zum Angriff gegen die Front dieser Stellung an. Auf dem linken Flügel des 54. AK traten die 50. Division und die neu eingesetzte 132. Division von Gajtany und südlich zum Sturm auf die Höhen bei und südlich Inkermann an. Ein Angriff, der von der Flanke her durch die Artillerie auf dem Nordufer der Ssewernaja-Bucht unterstüzt werden konnte. Ebenfalls im Morgengrauen trat das 30. AK zum entscheidenden Stoss auf die Sapun-Höhen an, unter Waffenhilfe der weittragenden Batterien des 54. AK sowie durch rollende Einsätze des 8. Flieger-Korps unterstützt.
Während das Korps dem Feind artilleristisch einen Kampf auf breiter Front vortäuschte, war die 170. Division als Stosstruppe auf ganz schmalem Raum an den Fedjukiny-Höhen in Stellung gegangen. Das direkte Feuer eines Flakregiments, Sturmgeschütze und die Panzerabteilung 300 begleiteten den Angriff. Die Division gelangte schnell auf die Höhen beiderseits der großen Strasse von Sewastopol. Unter Ausnutzung der Überraschung des Gegners gewann sie alsbald soweit Raum nach Norden, Westen, und Süden, dass das Korps die anderen Divisionen auf die Höhenstufe nachziehen konnte.
Mit dem Gelingen des Übergangs über die Bucht, dem Fall der Höhen von Inkermann und dem Durchbruch des 30. AK durch die Sapun-Stellung war das Schicksal der Festung Sewastopol besiegelt. Was noch folgte war der Endkampf einer Armee, der weder ihr Schicksal aufhalten, noch im Sinne der operativen Gesamtlage irgendeinen Nutzen für die Sowjets bringen konnte. Doch das politische System forderte die Fortsetzung des nutzlosen Kampfes. Ein Vorgeschmack dessen, was auf die deutschen Truppen in den kommenden Monaten zukommen sollte.
Die Divisionen des 54. AK, die die Sewernaja-Bucht überquert hatten, standen nach Einnahme der südlichen Uferhöhen bereits innerhalb jenes äußeren Stellungsringes, der die Stadt in weitem Bogen umspannte. Auch sein Halten war damit für die Russen aussichtslos geworden. So konnte sich das Korps, indem es mit Teilen die genannte Stellung nach Süden aufrollte, nach Westen wenden und gegen die Stadtrandstellung und die Bucht selbst vorgehen. Der berühmte "Malakoff", jenes Bollwerk, um das im Krimkrieg so viel Blut geflossen war, fiel in die Hand des Korps. Er lag bereits in der Stadtrandstellung.
Inzwischen hatte das 30. AK die Divisionen auf den Sapun-Höhen gewonnene Sprungbrett strahlenförmig zur Eroberung der Halbinsel Chersones angesetzt. Die 28. leichte Division durchbrach die äußere Ringstellung südöstlich Sewastopol durch Einnahme des noch aus dem Krimkrieg stammenden "Englischen Friedhofs". Die Sowjets hatten diesen zu einem Hauptstützpunkt ihrer äußeren Ringstellung aufgebaut. Die Marmordenkmäler, die man seinerzeit den gefallenen britischen Soldaten errichtet hatte, waren zertrümmert. Die neuen Toten lagen neben den durch Granaten aufgedeckten Gräbern. Die Division stieß dann, südlich der Stadt vorbei, nach Westen, um sie - falls sie verteidigt werden sollte - von Westen her zu nehmen, bzw. einen Ausbruch feindlicher Kräfte in dieser Richtung zu verhindern.
Die 170. Division hatte als Ziel den Leuchtturm, der auf der äußersten Westspitze der Halbinsel Chersones steht. Es ist jene Stelle, von der Iphigenie ausgeblickt hat, "das Land der Griechen mit der Seele suchend". Der 72. Division fiel der Stoss längs der Südküste zu. Sie nahm, die Sapun-Höhenstellung nach Süden aufrollend, zunächst die alles beherrschende "Windmühlenhöhe" und machte damit dem Korps die Benutzung der großen Strasse nach Sewastopol frei. Ihr folgte die 4. rumänische Gebirgsdivision, die nunmehr von rückwärts her das bisher nicht gefallene feindliche Stellungssystem um Balaklawa ausräumte. Dabei allein machte sie 10. 000 Gefangene.
Um sich einen blutigen Kampf um die Stadt selbst zu ersparen, wurde nochmals das 8. Fliegerkorps zu einem Bombardement gerufen. Immer wieder war nach Sewastopol der Befehl Stalins gefunkt worden, bis zum letzten Mann zu halten. Man konnte sich vorstellen, was ein Häuserkampf mit fanatisierten und verzweifelten Rotarmisten, die die Kommissare in ihrem Rücken fürchteten, bedeutete.
So begann der 1. Juli mit einem massierten Feuer auf die Stadtrandbefestigung und die Stützpunkte des Gegners im Innern. Es hatte vollen Erfolg. Bereits nach kurzer Zeit meldeten die Aufklärer, dass mit ernstem Widerstand nicht mehr zu rechnen sei. Das Feuer wurde eingestellt, die Divisionen gingen vor. Wahrscheinlich hatte der Gegner die Masse seiner Kräfte bereits in der Nacht zum 1. Juli nach Westen aus der Festung herausgezogen.
Noch aber war der Kampf nicht zu Ende. Die Küstenarmee hatte zwar die Stadt aufgegeben, aber nur, um den Versuch zu machen, in den Stellungen, die die Halbinsel Chersones abriegelten, erneut Widerstand zu leisten.
Noch aber war der Kampf nicht zu Ende. Die Küstenarmee hatte zwar die Stadt aufgegeben, aber nur, um den Versuch zu machen, in den Stellungen, die die Halbinsel Chersones abriegelten, erneut Widerstand zu leisten.
So dauerten die Schlusskämpfe auf der Halbinsel Chersones noch bis zum 4. Juli an. Die 72. Division nahm das von mehreren tausend Mann verteidigte Panzerwerk Maxim Gorki II. Die anderen Divisionen drängten die Russen immer mehr auf die äußere Spitze der Halbinsel zurück. Immer wieder machten die Sowjets den Versuch, bei Nacht nach Osten durchzubrechen, wohl in der Hoffnung, Anschluss an die Partisanen im Jaila-Gebirge zu gewinnen. In dichten Massen, die einzelnen Soldaten untergehakt, damit keiner zurückbleiben konnte, stürmten sie gegen die deutschen Linien vor. Zuvorderst oft Frauen und Mädchen der kommunistischen Jugend, die, selbst bewaffnet, die Kämpfer anfeuerten. Schließlich suchten die Reste der Küstenarmee in großen Höhlen Zuflucht, die sich in den Steilufern der Halbinsel Chersones befanden, und dort vergeblich auf ihren Abtransport warteten. Als sie sich am 4. Juli ergaben, kamen allein aus dem Bereich der äußersten Halbinselspitze noch 30. 000 Mann zum Vorschein.
Die Wehrmacht kostete die einmonatige Erstürmung des wichtigsten sowjetischen Flottenstützpunkts im Schwarzen Meer annähernd 6.000 gefallene oder vermisste Soldaten. Die Rumänen verloren 1.900 Mann. 97.000 Rotarmisten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mit der Eroberung der Halbinsel erkämpfte die 11. Armee bedeutende strategische Vorteile und die Flankensicherung für die deutsche Sommeroffensive von 1942 in Richtung Don und Kaukasus.
Sondermeldung
Nach dem Fall von Sewastopol gab es, wie üblich bei Radiosondereldungen von der Ostfront, zunächst die Fanfare aus „Les Presludes“ von Liszt und die Verlesung des folgenden Telegramms:An den Oberbefehlshaber der Krim-Armee, Generaloberst von Manstein
In dankbarer Würdigung Ihrer besonderen Verdienste um die siegreich durchgeführten Kämpfe auf der Krim, die mit der Vernichtungsschlacht von Kertsch und der Bezwingung der durch Natur und Bauten mächtigen Festung Sewastopol ihre Krönung fanden, befördere ich Sie zum Generalfeldmarschall. Mit Ihrer Beförderung und durch die Stiftung eines
Erinnerungsschildes für alle Krimkämpfer ehre ich vor dem deutschen Volke die heldenhaften Leistungen der unter Ihrem Befehl fechtenden Truppen.
Adolf Hitler
Geschenke
Einige der Geschenke, die von Manstein nach seinem Erfolg erhielt:Der Kommandeur der Aufklärungseinheiten, Major Eismann, ging zu einem Tataren Silberschmied und übergab ihm seine silberne Uhr mit dem Auftrag, einige Marschallstäbe anzufertigen. Am nächsten Morgen war von Manstein stolzer Besitzer eines solchen Stabes.
Der Kronprinz schickte von Manstein ein goldenes Zigarettenetui, welches auf dem Vorderseite eine Karte der Festung von Sewastopol aufwies. Mit dem Etui übersandte er eine Botschaft: Leider war es ihm nicht vergönnt Verdun zu erobern, doch es macht ihn um vieles glücklicher, dass er die Festung von Sewastopol erobert hätte.
Ein russischer Priester, der den Kommunisten entronnen war und jetzt im französischen Vichy lebte, schickte ihm einen Stock, der kunstvoll er aus einem Weinstock geschnitzt war. Im Knauf war ein Topaz eingebaut. Der Grund dafür war, dass sein Großvater im Krimkrieg Sewastopol verteidigt hatte, am Bein schwer verwundet wurde, und seine Soldaten hatten ihm eben diesen Stab geschenkt.
Ein Leder gebundenes Buch der Memoiren des Generals von Manstein, der unter Königin Anna in der russischen Armee auf der Krim gedient hatte. Dieser von Manstein trug nur den gleichen Namen, sie waren aber nicht verwandt.











































