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Hitler befiehlt in "Blut zu waten"

Kurt Daluege

Nachdem Heydrich am 4. Juni 1942, im Bulovka Hospital in Prag verstorben war, befahl Hitler wütend Kurt Daluege, Heydrich's Nachfolger, in „Blut zu waten“, um die Attentäter dingfest zu machen. Hitler hatte immer eine hohe Meinung von Heydrich und es gab durchaus Theorien, die vermuteten, dass Hitler den „Mann mit dem Herz aus Eisen“ als seinen Nachfolger aufbaute. Hitler war überaus rachsüchtig und verlangte in seiner Raserei die sofortige Exekution von 30.000 Tschechen.
 

Protektorat Böhmen und Mähren
Der Mann, der die Nachfolge Heydrichs antreten sollte, war Oberst-Gruppenführer und Generalmajor Kurt Daluege. Daluege befürchtete, dass eine Massenerschießung von 30.000 Tschechen einen enormen Rückschlag für das tschechische Arbeitsprogramm bedeutete. Daraufhin änderte Hitler seine Meinung und verlangte die Verhaftung von 10.000 Personen. In der Nacht vom 27. Mai befahl Himmler Daluege, noch in der gleichen Nacht 100 „Intellektuelle“ zu erschießen. In den nächsten Tagen wurden 3.188 Tschechen verhaftet, von denen 1.357 ermordet wurden; 657 starben in den Gefängnissen an Folter. Dennoch war Hitler damit nicht zufrieden.
 

Im Hradschin aufgebahrt
Am 8. Juni fand das Staatsbegräbnis für Heydrich statt. Am nächsten Tag erhielt Daluege von Hitler den Befehl, eine kleine Gemeinde in der Nähe eines großen Industriestandortes auszusuchen und dem Erdboden gleichzumachen. Auf diese Weise würde man nicht die Arbeiterschaft der Tschechei treffen, Hitler dennoch in seiner Rachsucht befriedigt werden.
 

Verwechselung

Der Grund warum Lidice ausgewählt wurde, war, dass einer der Attentäter Verbindungen zu diesem Dorf hatte. Darüber hinaus hatte die Gestapo eine verdächtige Nachricht abgefangen, in der Lidice erwähnt wurde. Doch das Lidice dieser Nachricht war ein anderer Ort gleichen Namens in der Tschechoslowakei. Diese Tatsache wurde erst später festgestellt, als die Terrormaßnahme in der Nähe Prags bereits durchgeführt worden war.
 

Schutzpolizisten vor dem Hof der Familie Horak
Am 4. Juni, dem Tag an dem Heydrich starb, drangen deutsche Verbände in Lidice ein. Die Gestapo verhörte Einwohner und durchsuchte Häuser. Danach verschwanden sie wieder.









 

Sprengung von Lidice
Am 9. Juni kehrten sie am Abend wieder zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Einwohner des Ortes bereits zu Bett gegangen. Sie wurden geweckt und auf den Dorfplatz zitiert. Frauen und Kinder wurden auf eine Seite gestellt, Männer und Jungen über 15 Jahre auf die andere. Die männlichen Einwohner sperrte man anschließend in eine Scheune, die Frauen und Kinder wurden in der Schule untergebracht. Nachdem so die Einwohner unter der Kontrolle der Gestapo waren, begann eine weitere Hausdurchsuchung, bei der sämtliche Wertgegenstände weggeschafft wurden. Selbst die bäuerlichen Gerätschaften und das Vieh wurden abtransportiert. Selbst auf den ersten Blick wertloses Gut wurde gestohlen.
 

Frauen und Kinder nach Ravensbrück

KZ Ravensbrück
Am nächsten Morgen um 05.00 wurden 198 Frauen und 98 Kinder auf Lastwagen getrieben und ins Konzentrationslager Ravensbrück transportiert. Solche Kinder, die den Vorstellungen der „Germanisierung“ der SS entsprachen, wurden SS Familien in Obhut übergeben. Die anderen, die diesen nicht entsprachen, wurden in die Todeslager überstellt.
 

Lidice. Erschossene Einwohner vor dem Matratzenkugelfang
Die Männer wurden nun aus der Scheune herausgebracht und vor einer Mauer aufgestellt, an der Matratzen gelehnt waren. Das Exekutionskommando brachte nun jeweils Gruppen von zehn Personen zur Aufstellung und erschoss sie. Die 19 Männer, die zur Nachtschicht unterwegs waren, wurden auf ihrem Nachhauseweg abgefangen und ebenfalls exekutiert. Selbst Männer, die zu diesem Zeitpunkt Freunde oder Verwandte in Lidice besuchten, wurden gleichfalls umgebracht.
 

Lidice während er Zerstörung
Anschließend wurde die Ortschaft dem Erdboden gleichgemacht. Häuser wurden eingerissen, Obstgärten umgegraben, der Friedhof eingeebnet. Selbst Haustiere wurden nicht verschont. Dann pflügten SS-Pioniere das Gelände und ebneten es ein. Anschließend wurde Getreide gesät. Der gesamte Vorgang wurde von der SS gefilmt und der Name Lidice von allen deutschen Landkarten getilgt. Zwei Wochen nach dieser Aktion wurde auch das Dorf Ležáky zerstört. Hier wurden Männer und Frauen erschossen, die Kinder zur „Arisierung“ in Lager verschleppt.
 

Tod durch den Strang

SS-Hauptsturmführer Harald Wiesmann, einer der Anführer der Lidice-Mordbrenner
Kurt Daluege wurde nach dem Krieg der Prozess wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gemacht, für schuldig gesprochen und am 24. Oktober 1946 in Prag gehängt.









 

Churchill wollte Vergeltung

Winston Churchill
Am 2. Januar 2006 veröffentlichte Ian Cobain einen Artikel in der britischen Zeitung The Guardian mit der Überschrift:
Churchill wollte deutsche Dörfer im Verhältnis 3:1 als Vergeltung für die Massaker an der tschechischen Bevölkerung zu bombardieren. Kürzlich veröffentlichte Dokumente des War Cabinets bestätigten, dass Winston Churchill solch einen Plan entwickelte.
 

Dieser Plan, kleine deutsche Dörfer im Verhältnis 3:1 anzugreifen, entstand im Sommer 1942, fünf Tage nach der Ermordung der 450 Einwohner von Lidice, einem kleinen Ort nördlich von Prag, als Vergeltung für die Ermordung des Vizechef der SS, Reinhard Heydrich, durch deutsche Truppen. Dieses Vorhaben wurde nur deshalb nicht in die Tat umgesetzt, weil Mitglieder des Kriegskabinetts dagegen opponierten, da sie fürchteten, alliierte Flugzeugbesatzungen könnten ebenso als Vergeltung hingerichtet werden. Clement Attlee, der Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Dominions und spätere Labour Premier, sagte, er hielte es „für nicht klug, sich in einen Gräueltaten-Wettbewerb mit Deutschland zu begeben.“ Am 15. Juni räumte Churchill ein, dass „mein Instinkt sagt, wir sollten es tun, doch ich beuge mich widerwillig meinen Kabinettskollegen.“
 

Sir Norman Brook
Die Existenz dieses „Dorfvernichtungsplans“ wurde durch die Notizbücher von Sir Norman Brook enthüllt, Churchills damaligem Sekretär, der als Protokollführer Sitzungen mitschrieb. Diese Notizen, die jetzt von den National Archives in Kew, südwestlich von London gelegen, veröffentlicht wurden, zeigen auch, dass Churchill entschlossen war, Hitler zu exekutieren: „Hitler müsse "natürlich" getötet werden, sollte er den Briten in die Hände fallen."Dieser Mann ist die treibende Kraft des Bösen, und falls er in unsere Hände fällt, wird er sterben.“ Zur Tötung empfahl Churchill "den elektrischen Stuhl für Gangster". Die Ausrüstung sollte aus den USA über den Lease-Lend Pakt besorgt werden, da diese Hinrichtungsmethode in Großbritannien bis dahin noch nicht angewendet worden war. Er verweis damit auf das U.S. Beistandsabkommen, das Großbritannien überleben half.