Terezin - Theresienstadt 1940-1945
Terezin liegt ungefähr 20 km westlich von Prag in der Nähe der Industriestadt Kladnound. Die Stadt wurde 1780 von dem österreichischem Kaiser Joseph II gegründet, der sie nach dem Namen seiner Mutter, Kaiserin Maria Theresia, nannte. Terezin bestand eigentlich nur aus der Kleinen Festung und der Garnisonsstadt. Die Garnisonstadt war von Wällen umgeben und beherbergte Kasernen. Nach 1882 wurde Terezin nicht mehr als Festung genutzt und veränderte sich in den nächsten Dekaden kaum, fast abgeschnitten vom Rest des Landes. Am 10. Juni 1940 übernahm die Gestapo Terezin und richtete ein Gefängnis in der Kleinen Festung ein, die ein Teil der Befestigungen auf dem linken Ufer der Ohře war.
Die Kleine Festung war das größte Gefängnis im Protektorat Böhmen und Mähren. Es war abgetrennt und unabhängig vom jüdischen Ghetto in der Garnisonsstadt auf dem rechten Flussufer. Rund 90.000 Menschen kamen hier an und wurden üblicherweise in die Todeslager weitergeleitet. 2.600 wurden hier hingerichtet, starben an Hunger oder gingen an Seuchen zugrunde. Möglicherweise überlebten 1.500 von 15. 000 Kinder, die hierher geschickt worden sind.
Die Lage in Terezin änderte sich dramatisch, als der Chef des RSHA (Reichssicherheitshauptamt) und Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, Reinhard Hydrich, die Stadt in Theresienstadt umbenannte. Ungefähr 1.300 Juden wurden in zwei Transporten am 24. November und am 4. Dezember 1941 nach Theresienstadt transportiert und bildeten so die Aufbaukommandos AK 1 und AK. Ihre Aufgabe war es, die Garnisonsstadt mit ihren schätzungsweise 7.500 Einwohnern in ein Konzentrationslager umzuwandeln, das 35.000 bis 60.000 Häftlinge aufnehmen sollte.
Nichtjüdische Tschechen werden ausquartiert
Neben den fehlenden Häusern gab es zu wenige Waschgelegenheiten, das Trinkwasser war kontaminiert und die Stromversorgung war unzureichend. Um diese Probleme zu lösen, ernannten die Nazis Jakob Edelstein zum Judenältesten und gründeten einen Judenrat. Während die Juden am Modell-Ghetto Theresienstadt bauten, schaute die Bevölkerung zu. Wenig später, im Frühjahr 1942, wurden die nichtjüdischen tschechischen Bewohner von Theresienstadt ausquartiert. Sie wurden mit Geld entschädigt, das vorher den Juden abgenommen wurde, die nach Theresienstadt transportiert wurden.
Das Ghetto wurde von der SS Verwaltung übernommen und ihr erster Chef wurde SS-Offizier Dr. Siegfried Seidl. Er war der Lagerkommandant für den Zeitraum November 1941 bis Juli 1944. Dr. Siegfried Seidl, nach Abschluss seines Studiums der Geschichte und Germanistik in Wien bereits NSDAP Mitglied, war er ab 1938 als Beamter der Eichmann Abteilung RSHA tätig, von wo aus er 1941 mit der Einrichtung Theresienstadts beauftragt wurde. Dr. Ernst Feldberg, im Oktober 1944 Matrikenführer der "Jüdischen Selbstverwaltung" beschreibt Seidls Kommandantur unter anderem wie folgt: "Da die Geschlechter in Theresienstadt wohnungsmäßig getrennt waren, wurde die Schwangerschaft eines Mädchens meist mit der Verschickung bestraft." Lichtsperren, Prügel- und Peitschen- sowie Todesstrafen waren an der Tagesordnung. Der CIC (Counter Intelligence Service) übergab Seidl nach Kriegsende an die österreichische Justiz, die ihn im August 1947 als Einzigen der drei österreichischen Lagerkommandanten zum "Tode durch den Strang" verurteilte.
1943 änderte sich die Programmatik für Theresienstadt unter Reichsführer SS-Himmler. Seidl wurde ins KZ Bergen Belsen versetzt, ein Vorzeigelager sollte Theresienstadt unter dem Lagerkommandant Anton Burger, werden. Burger sollte die Leitung von Juli 1943 bis Februar 1944 innehaben. Nach dem faktischen Anschluss Österreichs am 12. 3. 1938 hatte sich Burger im zweiten Wiener Gemeindebezirk hervor getan, konvertierte sodann von der SA zur SS - Zentralstelle für jüdische Angelegenheiten: Von Eichmann nach Prag gehievt, war er dort nebst Enteignung von ca. 1.400 Haushalten für Jüdinnentransporte verantwortlich. Nach Kriegsende entkam Burger der österreichischen Exekutive zweimal hintereinander und lebte bis 1991 in Deutschland, wie in seiner Heimat glücklich auf freiem Fuß. Simon Wiesenthal fand ihn erst 1993, zwei Jahre zu spät für die irdische Justiz.
Dritter und letzter Kommandant war SS-Obersturmführer Karl Rahm der von Februar 1944 bis Mai 1945 , als Theresienstadt von der Roten Armee befreit wurde, leitete. Als Hauptscharführer SS und SD stieg Karl Rahm im Oktober 1940 zum Obersturmführer und stellvertretendem Leiter der Zentralstelle Prag auf, von wo er am 8. 2. 1944 von Eichmann nach Theresienstadt zur Komplettierung der eingeleiteten "Verschönerung" an Stelle Burgers befördert wurde. Rahm wurde nach dem Krieg der Prozess gemacht und gehängt.
Das Ghetto wurde von Nazi loyalen tschechischen Gendarmen bewacht. Innerhalb des Lagers regelte der jüdische Ältestenrat alle Abläufe und Vorkommnisse. Nur im niederländischen Lager Westerbork herrschte eine ähnliche Ordnung. Der einzige Unterschied zu Theresienstadt war, dass Westerbork ein Transitlager war. Theresienstadt agierte sowohl als Durchgangslager, als auch als Ghetto. Der Rat der Judenältesten wurde zunächst von Jacob Edelstein angeführt. Wie die ihm folgenden Vorsitzenden Eppstein und Murmelstein wurde auch er von Eichmann ernannt.
Erschießung in Auschwitz
Edelstein, ein Zionist polnischer Herkunft und ehemaliger Vorsitzender des Prager Judenrates, glaubte, dass Theresienstadt eine Art Hachshara – Vorbereitung für junge Juden auf die Aliyah – die Auswanderung nach Israel nach dem Krieg, wäre. Er wurde von Eichmann durch Paul Eppstein ersetzt, da er angeklagt war, korrumpierte Transportlisten erstellt zu haben. Trotzdem blieb er der 1. Stellvertreter und Murmelstein 2. Stellvertreter Eppsteins. Schließlich, im November 1943, wurde Edelstein von der Gestapo verhaftet und angeklagt, falsche Transportlisten erstellt zu haben, um damit eine Reihe von Juden vor dem Transport in die Todeslager zu retten. Edelstein wurde umgehend nach Auschwitz in Einzelhaft gesteckt, wo er dann am 20. Juni 1944 erschossen wurde. Zuvor musste er noch der Exekution seiner Frau und seines Sohnes zusehen, bevor er selbst ermordet wurde.
Sein Nachfolger war Paul Eppstein. Als Ältester übernahm er im Januar 1943 die Verantwortung und blieb bis zum 27. September 1944 in dieser Stellung, als auch er von der Gestapo verhaftet wurde. Sie klagten ihn an, die Selbstverteidigung der Juden in Theresienstadt organisiert zu haben und erschossen ihn am Yom Kippur, 1944.
Der Wiener Rabbi Benjamin Murmelstein war der dritte und letzte der Ältesten von Theresienstadt. Er übernahm das Amt am 5. Dezember 1944 als dritter und letzter der Judenältesten. Er blieb es auch bis zum 5. Mai 1945, als das Lager offiziell dem Roten Kreuz Mitarbeiter Paul Dunant übergeben wurde.
Der Tod war ein ständiger Begleiter. Zuerst wurden die, die gestorben waren, in Papier eingehüllt und beerdigt. Aber der Mangel an Nahrungsmitteln, Medizin und ganz einfach genug Raum zollte Tribut an den Häftlingen von Theresienstadt und bald türmten sich die Leichen. Im September 1942 wurde ein Krematorium, aber keine Gaskammer, gebaut. Die Kapazität des Krematoriums betrug 190 Leichen pro Tag. Nachdem die Asche zunächst nach Zahngold untersucht worden war, wurde sie in Kartons geschüttet und gelagert. Als das Ende des Krieges absehbar war, wollten die Nazis die Spuren verwischen und warfen fast 8.000 Kartons in eine Grube. Der Inhalt weiterer 17.000 Kartons verschwand in den Fluten der Ohře.
Viele der Juden hatten gehofft, dass sie der Aufenthalt in Theresienstadt vor der Verlegung in Richtung Osten schützen würde, solange der Krieg andauerte. Diese Hoffnung verschwand am 5. Januar 1942, als Befehl Nr. 20 den ersten Transport aus Theresienstadt in Gang setzte. Von nun an verließen Züge mit jeweils 1.000 – 5.000 Häftlingen Theresienstadt in Richtung Auschwitz und anderer Todeslager.
Das Rote Kreuz greift ein
Im Oktober 1943 nahm die Geschichte Theresienstadts eine plötzliche und unerwartete Wendung. In Dänemark versuchten die deutschen Besatzer, die dänischen Juden zusammen zutreiben und zu deportieren. Jedoch nur etwa 450 fielen den Nazis in die Hände; sie alle wurden nach Theresienstadt geschickt. Die dänische Regierung forderte sofort Genehmigung, sie dort aufzusuchen. Schließlich gestattete SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der Organisator der Deportation der europäischen Juden, dass Repräsentanten des Dänischen und des Internationalen Roten Kreuzes das Lager besichtigen könnten, jedoch nicht vor dem Frühjahr 1944. Um das Lager für den Besuch vorzubereiten, begann die SS im Dezember 1943 mit einer groß angelegten "Stadtverschönerungsaktion". Den jüdischen Häftlingen wurde befohlen, die Häuserfronten zu streichen, die Straßen zu säubern, Blumenbeete anzulegen, im Park einen Spielplatz für die Kinder und auf dem Marktplatz einen Musikpavillon zu bauen, die Schaufenster der Läden zu füllen, das Ghetto-Café und die Bank herzurichten und die ehemalige Sokolovna-Turnhalle in ein Gemeinschaftshaus mit Bühne, Betstube, Bibliothek und Terrasse zu verwandeln. Das Verschönerungsprojekt dauerte Monate. Damit das Ghetto weniger übervölkert aussah, wurden 7.500 Personen im Mai 1944 nach Auschwitz geschafft.
Die Inspektion des Roten Kreuzes fand schließlich am 23. Juni 1944 statt. Die Delegierten ließen sich durch die falschen Fassaden vollständig täuschen und reichten günstige Berichte ein. Der groß angelegte Schwindel erwies sich als ein kompletter Sieg für die Nazipropaganda. Ein unmittelbares Resultat dieses Besuches war, dass das Internationale Rote Kreuz davon absah, andere Lager im Osten zu inspizieren, insbesondere das "Arbeitslager" in Auschwitz. Zwischen der Rot-Kreuz-Visite und dem Kriegsende wurden weitere 18. 000 Juden von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Sieben Wochen nach der Inspektion begannen die Dreharbeiten für den Theresienstadt-Film.
Der Theresienstadt-Film
Zweck dieses Films war es, ein falsches Bild von Theresienstadt zu geben und die Außenwelt darüber zu täuschen, was wirklich mit den europäischen Juden geschah. Der Film wurde im August und September 1944 gedreht; seine Darsteller waren die jüdischen Häftlinge des Lagers selbst: Hunderte wurden als Statisten eingesetzt oder mussten eine spezielle Rolle übernehmen. Die SS-Lagerkommandantur machte den Berliner Kabarettisten, Schauspieler und Regisseur Kurt Gerron, selbst Häftling in Theresienstadt, zum Leiter eines jüdischen Produktionsstabes. Ein Kamerateam der Prager Wochenschau-Gesellschaft Aktualita kam nach Theresienstadt, um die eigentlichen Dreharbeiten im Lager durchzuführen. Der Film wurde in Prag geschnitten und im März 1945 fertig gestellt. Bei Kriegsende jedoch war der Nazifilm über Theresienstadt verschwunden, und obwohl seither einzelne Szenen und Fragmente wieder aufgetaucht sind, gibt es bis heute keine vollständige Kopie.
Dem Journalisten Karel Margry ist es nach intensiver Recherche gelungen, zumindest ein Script des fertigen Filmes anzufertigen. Demnach war die Story des Filmes so strukturiert:
1. Titelsequenz: Der von Karel Fischer geleitete Chor singt
Mendelssohns Elias (unter den Zuschauern: Jo Spier und die Gräfin
Görtz aus Holland).
2. Theresienstadt: seine Entstehungsgeschichte, illustriert durch
Zeichnungen von Spier; Blick über die damalige Stadt.
3. Stadtplatz mit Jazzband in einem Musikpavillon, die Zuhörer stehen
oder sitzen auf Parkbänken.
4. Terrasse mit Sonnenschirmen, Kellnerinnen servieren Limonade,
Leute spazieren in dem sich anschließenden Garten auf und ab
(Prominente: der "Judenälteste" und frühere Berliner
Universitätsprofessor Paul Eppstein; die früheren tschechischen
Minister Alfred Meissner und Georg Gradnauer; der französische
Minister Léon Meyer; der österreichische Feldmarschall Johann
Friedländer und Generalmajor Emil Sommer; der dänische
Oberrabbiner Max Friediger und Frau Clara von Schultz, die Witwe
eines dänischen Flotten-Kommandeurs).
5. Kaffeehaus: abendliche Stimmung mit Musik und Tanz.
6. Freizeit auf den Stadtwällen: Leute genießen den Blick auf die
ländliche Umgebung; sonnenbadende Mädchen; alte Männer spielen
Schach.
7. Sport auf einer der Basteien: Leichtathletik der Männer, Frauen
spielen Handball.
8. Theater: Bühnenszenen aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen und
aus dem jiddischen Stück In mitt'n Weg (im Publikum: Frau Julie
Salinger, Opernsängerin aus Hamburg).
Diese ersten acht Sequenzen bestimmen die Tendenz des
gesamten Films. Alle bisherigen Szenen zeigen Unterhaltung,
Amüsement, Sport und andere Freizeitbeschäftigungen.
Theresienstadt wird als eine Art Ferienort präsentiert. Im weiteren zeigt
der Film, wie gut die Einrichtungen der Stadt organisiert sind.
9. Der Stadtplatz am Beginn eines Werktages: Gruppen singender
Männer und Frauen mit geschulterten Spaten und Rechen
marschieren singend zur Arbeit.
10. Die jüdische Selbstverwaltung: eine Sitzung des Ältestenrates, die
Ältesten hören einer Rede des Judenältesten Paul Eppstein zu.
11. Gericht der jüdischen Selbstverwaltung: eine Gerichtsverhandlung.
12. Die Bank der jüdischen Selbstverwaltung: Geschäfte an den
Bankschaltern, der Banktresor.
13. Läden: Leute warten auf die Öffnung der Geschäfte, Kunden in
einem Herrenbekleidungsgeschäft.
14. Postamt: Leute, die Pakete aus vielen verschiedenen Ländern
abholen; ein Paket wird in der Unterkunft eines Ehepaares
ausgepackt.
15. Gesundheitswesen: Szenen aus den Ambulanzen, aus dem
zentralen Krankenhaus; eine Operation; ein Krankenzimmer;
Patienten sonnen sich im Garten der Klinik; das
Kindererholungsheim; Kinder, die Weißbrot und Obst essen.
16. Kinder auf dem Spielplatz im Stadtpark, im nahe gelegenen
Kinderpavillon, im Gebäude des Kindergartens, die Kinder
spielen, trinken Milch und Limonade.
17. Das Theater: auf der Bühne die Kinderoper Brundibar
(Schlussszene).
18. Die Feuerwehr der jüdischen Selbstverwaltung: Feueralarm, der
Löschwagen verlässt die Feuerwehrstation, die Feuerwehrmänner
löschen ein Feuer.
19. Eisenbahnbau: Gleisarbeiter reparieren einen Schienenabschnitt.
20. Landwirtschaft: (a) Gärtnerei außerhalb der Stadt: Gemüse und
Kartoffeln, Seidenraupenzucht; (b) Enten- und Geflügelhaltung; (c)
Ernte, eine Dreschmaschine bei der Arbeit; (d) das Wirtschaften auf
dem Ackerland.
21. Verpflegung: in einer Zentralküche wird das Essen zubereitet,
Essenausgabe auf Lebensmittelkarten, essende Leute im
gemeinsamen Speisesaal.
22. Freilichtvarieté auf einer Wiese außerhalb der Ghettomauern: es
treten auf eine Tänzerin, ein Musikduo (Akkordeon und Violine), ein
deutsches Kabarett-Trio, eine Sängerin sowie Gerron selbst
(Prominente im Publikum: Dr. Rolf Grabower aus Berlin; Phillip
Kozower von der jüdischen Kulturgemeinde aus Berlin; Frau Franzi
Schneidhuber, Witwe eines SA-Obergruppenführers aus München;
Frau Elly von Bleichröder; Frau von Hennicke; der österreichische
Oberst a. D. Leon Neuberger).
23. Schwimmen im Flussbad der Eger.
24. Zentrale Wäscherei.
25. Maschinentischlerei in einer früheren Reitschule: das Sägen von
Holz, die Herstellung von Brettern und von Bauteilen für
Holzbaracken.
26. Werkstatt eines Huf- und Wagenschmieds: ein Schmied beschlägt
einen Ochsen.
27. Metallwerkstätten: Schmiede, Schweißer und Schlosser bei der
Arbeit.
28. Töpferei: ein Bildhauer (Professor Rudolf Saudek aus Leipzig) bei
der Arbeit.
29. Herstellungs- und Reparaturwerkstätten in hölzernen Baracken
außerhalb der Stadt, Produktion "für das allgemeine Wohl der
Bevölkerung": Schneider, Näherinnen und Schuhmacher bei der
Arbeit, Herstellung von Handtaschen und Geldbörsen.
30. Fußballspiel im Hof der "Dresdner Kaserne".
31. Zentralbad.
32. Zentralbücherei (anwesend: Richter Heinrich Klang und Dr. Desider
Friedmann aus Wien, Professor David Cohen aus Amsterdam,
Professor Ernst Kantorowicz aus Frankfurt).
33. Vortrag eines Universitätsprofessors (Professor Emil Utitz aus
Wien); (unter den Zuhörern: Rabbiner Dr. Leo Baeck, Professor
Hermann Strauss, Dr. Otto Stargardt und Dr. jur. Alexander Cohn aus
Berlin; Professor Alfred Philippson aus Bonn; Professor Alfred Klein
aus Jena; Professor Klang und Rabbiner Benjamin Murmelstein aus
Wien; die Professoren Artur Stein, Leo Taussig und Maximilian Adler
aus Prag; Franzi Schneidhuber und Elly von Bleichröder).
34. Konzert: das Orchester wird von Karel Ancerl dirigiert (im Publikum:
Dr. Ernst Rosenthal von der jüdischen Kulturgemeinde aus Berlin;
gleichfalls aus Berlin Dr. Fritz Gutmann, Dr. Julius Moritz,
Theaterdirektor Karl Meinhard und Bankier Karl Löwenstein; Dr. Leo
Löwenstein aus Aachen; Professor Saudek aus Leipzig; Dr. Heinrich
Gans und Dr. Heinrich Dessauer aus Wien; der Industrielle Ove
Meyer sowie Morits und Melanie Oppenhejm aus Kopenhagen; Dr.
Franz Kahn und und Robert Mandler von der Prager jüdischen
Kultusgemeinde; der Leiter der Chirurgie im Ghetto, Dr. Erich
Springer; Elisabeth Czech, die Witwe eines früheren tschechischen
Ministers; die Komponisten Hans Krasa aus Prag und Pavel Haas
aus Brno).
35. Schrebergärten am Festungsgraben unterhalb der Stadtmauer.
36. Abendliche Freizeit: Leute erholen sich außerhalb von Holzbaracken, Szenen aus den Gemeinschaftsunterkünften.
37. Abendessen einer Familie (um den Tisch sitzen: Professor Cohen
und Frau Cohen aus Amsterdam; Herr und Frau Kozower und Kinder
aus Berlin).
38. Schlußmontage.
1. Titelsequenz: Der von Karel Fischer geleitete Chor singt
Mendelssohns Elias (unter den Zuschauern: Jo Spier und die Gräfin
Görtz aus Holland).
2. Theresienstadt: seine Entstehungsgeschichte, illustriert durch
Zeichnungen von Spier; Blick über die damalige Stadt.
3. Stadtplatz mit Jazzband in einem Musikpavillon, die Zuhörer stehen
oder sitzen auf Parkbänken.
4. Terrasse mit Sonnenschirmen, Kellnerinnen servieren Limonade,
Leute spazieren in dem sich anschließenden Garten auf und ab
(Prominente: der "Judenälteste" und frühere Berliner
Universitätsprofessor Paul Eppstein; die früheren tschechischen
Minister Alfred Meissner und Georg Gradnauer; der französische
Minister Léon Meyer; der österreichische Feldmarschall Johann
Friedländer und Generalmajor Emil Sommer; der dänische
Oberrabbiner Max Friediger und Frau Clara von Schultz, die Witwe
eines dänischen Flotten-Kommandeurs).
5. Kaffeehaus: abendliche Stimmung mit Musik und Tanz.
6. Freizeit auf den Stadtwällen: Leute genießen den Blick auf die
ländliche Umgebung; sonnenbadende Mädchen; alte Männer spielen
Schach.
7. Sport auf einer der Basteien: Leichtathletik der Männer, Frauen
spielen Handball.
8. Theater: Bühnenszenen aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen und
aus dem jiddischen Stück In mitt'n Weg (im Publikum: Frau Julie
Salinger, Opernsängerin aus Hamburg).
Diese ersten acht Sequenzen bestimmen die Tendenz des
gesamten Films. Alle bisherigen Szenen zeigen Unterhaltung,
Amüsement, Sport und andere Freizeitbeschäftigungen.
Theresienstadt wird als eine Art Ferienort präsentiert. Im weiteren zeigt
der Film, wie gut die Einrichtungen der Stadt organisiert sind.
9. Der Stadtplatz am Beginn eines Werktages: Gruppen singender
Männer und Frauen mit geschulterten Spaten und Rechen
marschieren singend zur Arbeit.
10. Die jüdische Selbstverwaltung: eine Sitzung des Ältestenrates, die
Ältesten hören einer Rede des Judenältesten Paul Eppstein zu.
11. Gericht der jüdischen Selbstverwaltung: eine Gerichtsverhandlung.
12. Die Bank der jüdischen Selbstverwaltung: Geschäfte an den
Bankschaltern, der Banktresor.
13. Läden: Leute warten auf die Öffnung der Geschäfte, Kunden in
einem Herrenbekleidungsgeschäft.
14. Postamt: Leute, die Pakete aus vielen verschiedenen Ländern
abholen; ein Paket wird in der Unterkunft eines Ehepaares
ausgepackt.
15. Gesundheitswesen: Szenen aus den Ambulanzen, aus dem
zentralen Krankenhaus; eine Operation; ein Krankenzimmer;
Patienten sonnen sich im Garten der Klinik; das
Kindererholungsheim; Kinder, die Weißbrot und Obst essen.
16. Kinder auf dem Spielplatz im Stadtpark, im nahe gelegenen
Kinderpavillon, im Gebäude des Kindergartens, die Kinder
spielen, trinken Milch und Limonade.
17. Das Theater: auf der Bühne die Kinderoper Brundibar
(Schlussszene).
18. Die Feuerwehr der jüdischen Selbstverwaltung: Feueralarm, der
Löschwagen verlässt die Feuerwehrstation, die Feuerwehrmänner
löschen ein Feuer.
19. Eisenbahnbau: Gleisarbeiter reparieren einen Schienenabschnitt.
20. Landwirtschaft: (a) Gärtnerei außerhalb der Stadt: Gemüse und
Kartoffeln, Seidenraupenzucht; (b) Enten- und Geflügelhaltung; (c)
Ernte, eine Dreschmaschine bei der Arbeit; (d) das Wirtschaften auf
dem Ackerland.
21. Verpflegung: in einer Zentralküche wird das Essen zubereitet,
Essenausgabe auf Lebensmittelkarten, essende Leute im
gemeinsamen Speisesaal.
22. Freilichtvarieté auf einer Wiese außerhalb der Ghettomauern: es
treten auf eine Tänzerin, ein Musikduo (Akkordeon und Violine), ein
deutsches Kabarett-Trio, eine Sängerin sowie Gerron selbst
(Prominente im Publikum: Dr. Rolf Grabower aus Berlin; Phillip
Kozower von der jüdischen Kulturgemeinde aus Berlin; Frau Franzi
Schneidhuber, Witwe eines SA-Obergruppenführers aus München;
Frau Elly von Bleichröder; Frau von Hennicke; der österreichische
Oberst a. D. Leon Neuberger).
23. Schwimmen im Flussbad der Eger.
24. Zentrale Wäscherei.
25. Maschinentischlerei in einer früheren Reitschule: das Sägen von
Holz, die Herstellung von Brettern und von Bauteilen für
Holzbaracken.
26. Werkstatt eines Huf- und Wagenschmieds: ein Schmied beschlägt
einen Ochsen.
27. Metallwerkstätten: Schmiede, Schweißer und Schlosser bei der
Arbeit.
28. Töpferei: ein Bildhauer (Professor Rudolf Saudek aus Leipzig) bei
der Arbeit.
29. Herstellungs- und Reparaturwerkstätten in hölzernen Baracken
außerhalb der Stadt, Produktion "für das allgemeine Wohl der
Bevölkerung": Schneider, Näherinnen und Schuhmacher bei der
Arbeit, Herstellung von Handtaschen und Geldbörsen.
30. Fußballspiel im Hof der "Dresdner Kaserne".
31. Zentralbad.
32. Zentralbücherei (anwesend: Richter Heinrich Klang und Dr. Desider
Friedmann aus Wien, Professor David Cohen aus Amsterdam,
Professor Ernst Kantorowicz aus Frankfurt).
33. Vortrag eines Universitätsprofessors (Professor Emil Utitz aus
Wien); (unter den Zuhörern: Rabbiner Dr. Leo Baeck, Professor
Hermann Strauss, Dr. Otto Stargardt und Dr. jur. Alexander Cohn aus
Berlin; Professor Alfred Philippson aus Bonn; Professor Alfred Klein
aus Jena; Professor Klang und Rabbiner Benjamin Murmelstein aus
Wien; die Professoren Artur Stein, Leo Taussig und Maximilian Adler
aus Prag; Franzi Schneidhuber und Elly von Bleichröder).
34. Konzert: das Orchester wird von Karel Ancerl dirigiert (im Publikum:
Dr. Ernst Rosenthal von der jüdischen Kulturgemeinde aus Berlin;
gleichfalls aus Berlin Dr. Fritz Gutmann, Dr. Julius Moritz,
Theaterdirektor Karl Meinhard und Bankier Karl Löwenstein; Dr. Leo
Löwenstein aus Aachen; Professor Saudek aus Leipzig; Dr. Heinrich
Gans und Dr. Heinrich Dessauer aus Wien; der Industrielle Ove
Meyer sowie Morits und Melanie Oppenhejm aus Kopenhagen; Dr.
Franz Kahn und und Robert Mandler von der Prager jüdischen
Kultusgemeinde; der Leiter der Chirurgie im Ghetto, Dr. Erich
Springer; Elisabeth Czech, die Witwe eines früheren tschechischen
Ministers; die Komponisten Hans Krasa aus Prag und Pavel Haas
aus Brno).
35. Schrebergärten am Festungsgraben unterhalb der Stadtmauer.
36. Abendliche Freizeit: Leute erholen sich außerhalb von Holzbaracken, Szenen aus den Gemeinschaftsunterkünften.
37. Abendessen einer Familie (um den Tisch sitzen: Professor Cohen
und Frau Cohen aus Amsterdam; Herr und Frau Kozower und Kinder
aus Berlin).
38. Schlußmontage.
In seiner fertigen Fassung hatte der Film eine Länge von 2.400 bis 2.500 Metern und dauerte etwa 90 Minuten. Auf Befehl der SS bestand die Filmmusik fast ausschließlich aus Stücken von jüdischen Komponisten, darunter Mendelssohn, Sekunda, Dauber, Offenbach, Krasa und Haas.
Am 3. Mai 1945, fünf Tage bevor die Rote Armee das Ghetto befreite, übergaben die Nazis das Ghetto dem Roten Kreuz. So kam ans Tageslicht, dass die SS noch im Jahre 1945 eine Gaskammer in einem Flur des Befestigungswalles, in der Nähe des ehemaligen Litomerice-Tors, eingerichtet hatten. Die Gaskammer kam allerdings nicht mehr zum Einsatz.



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