General Wade
General George Wade (1673-1748) wurde als dritter Sohn eines Dragoner Offiziers geboren. Dieser hatte durch Schenkung Land in Irland erhalten. 1690 ging Wade als Siebzehnjähriger zur Armee. Schnell machte er zwischen 1692 und 1714 Karriere im Krieg gegen Frankreich in Flandern, Spanien und Portugal , wurde 1708 Brigadegeneral und schließlich Generalmajor im Jahre 1714.
Wade selbst war groß, stämmig, reich, leutselig, unvoreingenommen und praktisch veranlagt. Er war Mitglied des Parlaments von Bath und in der Stadt sehr populär, die zu ihrer besten Zeit der vornehmste Urlaubsort Englands war. Eine Anekdote verdeutlicht ein wenig den Charakter von Wade. Er hielt sich einmal in einem zwielichtigen Spielklub auf, als er plötzlich seine Schnupftabakdose vermisste. Wütend verlangte er, dass jeder Anwesende durchsucht werden sollte. Einer der Herren sprach ihn an und bat um ein Gespräch unter vier Augen. Der zog ein halbes Hähnchen aus der Rocktasche. Es ging ihm finanziell nicht gut und ein freundlicher Kellner hatte ihm das Huhn geschenkt, das er am nächsten Tag verzehren wollte. Er wollte nicht vor den anderen bloßgestellt werden, doch der General könne ihn durchsuchen. Wade gab ihm daraufhin 100 Pfund, etwa der Sold eines einfachen Soldaten für zehn Jahre. Anschließend fand er die Dose in einer anderen Tasche seiner Jacke.
Wade propagiert Infrastrukturmaßnahmen
Nachdem ihn König George I. beauftragt hatte, einen Bericht über die drohende Gefahr eines Highland Aufstandes zu verfassen, schlug er eine Reihe dringender Maßnahmen vor, darunter die bauliche Verstärkung der Forts und die Verbesserung oder den Bau von Strassen zwischen ihnen. Binnen eines Monats war Wade Oberkommandierender der königlichen Streitkräfte, seiner Burgen, Forts und Kasernen in Nordengland und damit beauftragt, seine Vorschläge in die Tat umzusetzen. Diese Stellung behielt er bis 1740.
Während dieser 16 Jahre in Schottland entwickelte und baute Wade zwei neue Forts, in Inverness und in Kiliwhimen. Beide basierten auf Designs von John Romer. Eine erste, für eine Garnison von 400 Mann vorgesehen Festungsanlage mit dem Namen „Fort George“, zu Ehren von Georg II., entstand 1727 in Inverness auf einem Hügel am River Ness am Standort einer mittelalterlichen Burg, an deren Stelle Oliver Cromwell 1657 eine später aufgegebene Befestigung errichtet hatte. Wegen baulicher Probleme mit dem ursprünglichen Fort in Kiliwhimen, beschloss Wade ein neues, großes Fort, Fort Augustus zu planen und zu bauen. Baubeginn war 1729, doch beendet wurde es erst 1742 vollendet. Den Namen erhielt es zu Ehren von Georg II. drittem Sohn, William Augustus, der später besser bekannt war als Duke of Cumberland oder „Butcher“ Cumberland. Wade erweiterte auch zahlreiche andere Festungen, darunter Perth, Ruthven, Edinburgh und Dumbarton.
Wade erkannte, dass die nicht vorhandenen Kommunikationswege dazu geführt hatten, dass sich in den Highlands die letzte Stammesgesellschaft, die Clans, in Europa bewahren konnte. Fahrzeuge konnten sich in der gebirgigen Landschaft nicht bewegen. Eine Landstrasse war nicht mehr als ein Pfad, auf dem ein Mann oder ein Pferd sich im Sommer nur hintereinander bewegen konnten. Im Winter war dies wegen nicht vorhandener Brücken von vornherein aussichtslos. Ein Netz gut ausgebauter Strassen, das man zu allen Jahreszeiten nutzen konnte, war dringend notwendig, um die einsamen und rebellischen Teile des Territoriums zu kontrollieren. Bei Anzeichen von Unruhen könnten so Soldaten und Artillerie schnell von den Lowlands zu den Highlands verlegt werden, um den königlichen Frieden wieder herzustellen.
Massiver Strassenbau
Während der nächsten zehn Jahre setzte Wade bis zu 500 Soldaten pro Baustelle ein, um den Straßenbau voran zu treiben. Gemeine Soldaten erhielten doppelten Sold, einen Shilling pro Tag, und der Graben zwischen Mannschaften und Offizieren verschwand wegen der harten Arbeitsbedingungen, wo jeder auf jeden angewiesen war. 400 km Straßen und 40 Brücken, einschließlich der Taybrücke in Aberfeldy, entstanden so. Das Strassennetz war so ausgelegt, dass Truppen schnell vom Innern Schottlands zu den Festungen im Great Glen verlegt werden konnten. Die erste Strasse verlief entlang des Glen von Inverness zum Fort William. Südlich von Fort Augustus schlängelte sich die Verbindungsstrasse von den Lowlands über den Corryarack Pass nach Dalnacardoch, wo eine Abzweigung über Taybridge nach Crieff und die andere zur Highland Line bei Dunkeld führte. Eine andere Strasse verlief südlich von Inverness nach Aviemore, dann Richtung Westen nach Ruthven, wo Kasernen errichtet wurden. Dort teilte sie sich dreifach. Eine Strecke führte zur Hauptstraße bei Fort Augustus, die andere nach Corryarack und die dritte, südliche, nach Dalwhinnie. Wade entwickelte Pläne für eine Erweiterung des Systems, die von seinem Nachfolger Major William Caulfeild nach 1740 verwirklicht wurden. Caulfeild übertraf noch seinen Vorgänger, indem er mehr als 1.600 km Strassen und über 600 Brücken baute.
Die Verteidigungsanlagen der verschiedenen Forts wurden erst im August 1745 einem wahren Test unterworfen, als Charles Edward Stuart seine Standarte bei Glenfinnan hisste und damit das Zeichen für den Aufstand gab. Einige Festungen wie Inversnaid und Fort Augustus fielen schnell, während andere wie Ruthven, Edinburgh und Stirling größeren Widerstand entgegensetzten. Zum Zeitpunkt der entscheidenden Schlacht von Culloden, neun Monate später, waren viele der Forts schwer beschädigt oder mussten dringend repariert werden. Dazu wurde das Know-how der Ingenieure Lewis Marcell und William Skinner benötigt.
Wade organisierte auch das Milizsystem der Highland Watches, die von Mitgliedern des Landadels gestellt wurden. Die ersten sechs Kompanien entstanden 1725. Drei wurden von den Campbells ausgehoben, und je eine von den Frasers, Grants und Munros. Vier weitere waren 1739 einsatzbereit, dann aber bereits unter der Bezeichnung Black Watch Regiment.
Wade in der Schlacht von Dettingen
Die Beförderung Wades zum Generalleutnant erfolgte 1742, was ihn gleichzeitig zum Geheimrat machte. Ab 1743 wurde er er, im Rang eines Feldmaschalls, zum gemeinsamen Befehlshaber der anglo-österreichischen Truppe im Österreichischen Erbfolgekrieg ernannt, wo er in Flandern gegen die Franzosen kämpfte und die britischen Truppen unter Georg II. in der Schlacht bei Dettingen anführte. Er gab im März 1744 dieses Kommando ab und kehrte als Oberbefehlshaber nach Großbritannien zurück. Als die Jakobiter sich 1745 wieder erhoben, konnte Wade nicht mehr Schritt halten. Er erlitt eine Niederlage, als er versuchte ihren Einmarsch nach England aufzuhalten und war folgedessen vom Kommando entbunden worden. Prinz William Augustus, Duke of Cumberland führte das britische Heer in der entscheidenden Schlacht von Culloden an.
Heute sind viele seiner Strassen unter Asphalt verschwunden, aber manchmal kann man sie noch entdecken, wenn sie den Verlauf der modernen Landstrasse verlassen und sich entweder den Hang hinaufschlängeln oder über eine der alten Brücken führen. Einige ihrer vielen Kilometer führt durch öde Moorlandschaften und im Dunst einer Sommernacht glaubt man manchmal noch die entfernten Geräusche der Generalskutsche und ihrer Pferde vernehmen zu können.








