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Das Ende

Die Lage für Peiper wird nicht nur kritisch, sie ist hoffnungslos. Seine Streitmacht ist auf weniger als 1500 Mann geschrumpft. Die Anzahl seiner Panzer ist immer noch beeindruckend, aber bedingt durch extremen Sprit- und Munitions-Mangel nur noch stationär einsetzbar. Alle deutschen Bemühungen, Stavelot einzunehmen und den Nachschub in Gang zu bringen, sind gescheitert. In ihrer Not versuchen die Deutschen sogar halbvolle Benzinkanister die Ambleve hinunter bis La Gleize treiben zu lassen. Und der Druck seitens der Amerikaner wächst stündlich.

Am Freitag, den 22. Dezember versucht die KG Peiper einen letzten Vorstoß mit einem Tiger und zwei Panzer IV. Doch in einem ungeheueren Artillerieschlag werden alle drei in wenigen Minuten außer Gefecht gesetzt. Artillerie spielt jetzt im letzten Akt des Dramas eine immer stärker werdende Rolle. Nur ein Beispiel. Die Artillerie der 30. US Division verschießt in den sechs Tagen der Kämpfe 57.275 Schuss!

Am Abend des 22. Dezembers bittet  Peiper seinen Divisionschef Mohnke um die Erlaubnis aus La Gleize ausbrechen zu dürfen. Gegen 14.00 am folgenden Tag wird dieser Bitte statt gegeben. In einem Meeting mit seinen Offizieren wird die Strategie des Ausbruchs ausgearbeitet. Ein Spähtrupp wird in Marsch gesetzt, um eine Lücke im amerikanischen Ring um den Ort zu finden. Man findet sie auch  ca 1.500 Meter vom Ort entfernt an einem Eisenbahntunnel, neben dem eine Holzbrücke die Ambleve überquert. Da die Zerstörung des Gerätes die US Streitkräfte auf den geplanten Ausbruch aufmerksam machen könnte, wird auf die Sprengung der Panzer zunächst verzichtet. Einige Leichtverwundete erhalten den Befehl zurückzubleiben und erst nach dem Abrücken des Gros die verbliebenen Panzer zu sabotieren. Alle Schwerverwundeten bleiben in der Obhut von SS Feldarzt Willi Dittmann zurück. Am Sonntag morgen, zwischen 02.00 und 03.00, beginnt der Rückzug der verbliebenen 800 Männer der KG Peiper. Zurück bleiben eine Nachhut, sowie etwa 200 Schwerverwundete und 170 gefangene GIs.

La Gleize im Januar 1945
Gegen 06.30 beginnt der amerikanische Angriff auf La Gleize. Sehr schnell wird klar, dass nur wenige SS Soldaten in der Kirche zurückgeblieben sind, um Widerstand zu leisten. Dieser wird mit massivem Artilleriefeuer gebrochen. Um 10.00 ist der Ort in amerikanischer Hand. Sechs Königstiger, dreizehn Panther, sechs Panzer IV und 46  SPWs fallen zerstört in ihre Hände. Darüber hinaus drei Pumas. sechs 15 cm Geschütze, vier 2 cm Flak und zwölf andere Fahrzeuge, Die Überlebenden der 1. SS- Panzerdivision müssen sich auf dem Marktplatz aufstellen. Dort fällt auf, dass einige brandneue US Stiefel und Wollhosen tragen. Diese müssen sofort ausgezogen werden und man zwingt die SS Leute barfuss zu laufen. All dies sind wohl Reaktionen auf das Malmedy Massaker, das die GIs wütend macht.

Jochen Peiper
Peiper indessen ist klar, welch Mühsal und Gefahr auf ihn und seine 800 Männer warten. Sein Glück ist, dass die 82. Luftlande Division, die ihnen in Cheneux so übel zugesetzt hat, auf Befehl von Generalmajor Matthew Ridgway, Chef des 18. Luftlande Korps, zurückgenommen wurde. Er will seine Frontlinie begradigen. Mit dabei  ein Belgier aus La Gleize, Yvan Hakin, der als Scout fungiert, sowie Major Hal McCown vom119. US Infanterieregiment, der am 21. Dezember gefangen genommen ist. McCown  ist von Peiper sehr beeindruckt. Er hat mehrere Stunden in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember mit Peiper verbracht und erfährt so eine Menge über Peipers Gedankenwelt und den ungebrochenen Glauben an den deutschen Sieg. Er ist erschrocken, dass solch ein netter Mann, wie er sich ausdrückte, ein derart überzeugter Nazi ist.

Die 800 Mann unter Führung Peipers quälen sich, schwer beladen mit Waffen, Ausrüstung und Proviant durch Bäche und Täler, über Hügel und Berge immer Richtung Süden. Als man die Spitze des Mont St. Victor erreicht, sieht Peiper, dass die Brücke bei Coo Cascade von den Amerikanern gesprengt ist. Demnach muss der Marsch nach Süden in der Nacht weitergeführt werden. Den Tag verbringt man im Schutze des Unterholzes um von den US Spotter Flugzeugen, die die Gegend nach Peiper absuchen, nicht entdeckt zu werden. Am 25. Dezember erreicht die Gruppe gegen 02.00 morgens das Dörfchen Bergeval. Hier schwenkt man nach Osten und nähert sich der Salm, zu dieser Jahreszeit ein reißender Gebirgsbach.

Dort stößt man auf Captain McPheeters`s Kompanie, die dem 505. Fallschirmjägerregiment, 82. Fallschirmjäger Divsion, angehört. Hier entwickelt sich ein kurzer, harter Kampf, der von Peipers Männern entschieden wird. Während dieser Auseinandersetzung gelingt es Hal McCown zu fliehen.

Nun gilt es das letzte Hindernis, die Salm zu überwinden. Man sucht eine Furt und die größeren, stärkeren SS Männer stellen sich in den Fluss, um ihren schwächeren Kameraden helfen zu können. Länger als eine Minute hält das aber keiner bei dieser Kälte aus. Dann wird er abgelöst. Am 2. Weihnachtstag erreichen 770 Überlebende der KG Peiper die deutschen Truppen bei Wanne. Nur 30 überleben diesen den Marsch nicht. Einen Marsch von 20 km Länge, der in genau 36 Stunden durch extrem schwieriges Gelände zurückgelegt wird.

Jochen Peiper erhält am 4. Februar von Hitler die Schwerter zum Ritterkreuz, doch findet man keinen Hinweis auf seine weitere Verwendung. Michael Reynolds, britischer Autor einer beeindruckenden Peiper Biographie, verweist auf ein medizinisches Gutachten (30. Januar 1945) von SS Arzt Dr. Sickel, der eine commotio cerebri attestiert. Dies ist ein lateinischer Fachbegriff für Gehirnerschütterung und/oder im weitesten Sinne Nervenzusammenbruch. Reynolds äußert die Vermutung, dass Peiper möglicherweise eben dies erlitt, als Folge des ungeheuren Stress der Kämpfe und des Marsches.

Gefängnis in Schwäbisch Hall
Erst im Februar , die Leibstandarte ist nach Kämpfen bei Bastogne wieder aufgefrischt worden, taucht Peiper wieder bei seinen Männern in Ungarn auf, wo Hitler am Plattensee eine letzte Offensive befahl. Diese endet im grundlosen Schlamm und mit der erneuten Zerschlagung der Division. Am 8. Mai ergeben sich die Reste und auch Peiper den Amerikanern. Am 21. August wird er festgenommen und am 24. August die Anklage wegen des Malmedy Massakers verlesen.

Malmedy Prozess
Am 16. Mai 1946 findet in Dachau der Prozess gegen 71 Männer der Gruppe Peiper, sowie drei Generäle der 6. Panzerarmee statt. Der Malmedy Prozess, wie er genannt wird, kann nicht als Ruhmesblatt in die Annalen der US Kriegsgerichte eingehen. Zu haarsträubend sind die Verfahrensfehler. Doch unter dem Eindruck von Holocaust und Kriegsverbrechen, vor allem der Verbrechen der Waffen-SS, kommt das Gericht nach nur drei Minuten Beratungszeit pro Angeklagten zu folgendem Urteil: 43 von ihnen, einschließlich Peiper, werden zum Tode durch Erhängen verurteilt. 22, inklusive Sepp Dietrich, zu lebenslänglich und der Rest zu 10 oder 20 Jahre Gefängnis.

Sepp Dietrich als Kriegsverbrecher angeklagt
Im Laufe der nächsten Jahre beginnt in den USA eine Reihe von Hearings und Diskussionen über die Art und Weise des Prozesses und ihre Urteile. Nach und nach werden die Urteile gemildert. Dietrich wird 1955 entlassen, Peiper verlässt Landsberg auf Bewährung am 22. Dezember 1956. Peiper, der nie einen bürgerlichen Beruf erlernte, aber in seiner Gefängniszeit zu einem hervorragenden Übersetzer der englischen Sprache avanciert, versucht nun im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Seine erste Stelle verschafft ihm sein Bewährungshelfer und Porsche Personalchef Alfred de Maight. Porsche Ferry Porsche will ihn später in sein Management Team übernehmen, was aber auf heftigen Widerstand der Gewerkschaften stieß.  Später wird er Trainer für VW-Verkaufsmanager.

Jochen Peiper im Zeugenstand
1968 wird Anklage gegen ihn und zwei weitere ehemalige SS-Angehörige wegen Mordes an Italienischen Zivilisten erhoben. Die Klage wird wegen der geringen Beweislage eingestellt. Ein Jahr später entschließen sich Peiper und seine Frau nach Frankreich zu ziehen, wo sie in Traves in der Hautes Saone ein Haus bauen. In dieser Zeit beginnt er auch als freier Schriftsteller unter dem Synonym Reiner Buschmann für den Motor Buch Verlag militärische und historische Bücher zu übersetzen. Doch die Vergangenheit holt in selbst in Frankreich ein.

In Treves fand Peiper sein Ende
Am 21. Juni 1976 tauchen erste Flugblätter in Traves auf denen steht: „Bürger von Traves, unter uns lebt der SS-Kriegsverbrecher Peiper“. Weitere Flugblätter fordern seine Ausweisung. Die Tageszeitung L`Humanite´ beteiligt sich ebenfalls an dieser Hexenjagd, die bald von weitere französischen und internationalen Gazetten aufgegriffen wird. Peiper muss eine Vorahnung gehabt haben, was ihn erwarten würde, denn in einem letzten Brief an seine Frau, den er ihr nie gab und von dem sie erst nach seinem Tod erfährt, spricht er von dem Unausweichlichen. Am 13 Juli erhält Jochen Peiper Briefe und Telefonanrufe in denen gewarnt wird, dass Haus und Hunde brennen würden. Am 14. Juli, um 01.00 in der Nacht brennt tatsächlich Peiper`s Haus. Der Polizeibericht weist später aus, dass Molotow Cocktails dafür verantwortlich zu machen sind. Doch die intensive Suche nach den Tätern bleibt erfolglos. Jochen Peiper ist tot.