Newsletter abonnieren:


 

Der Weg nach Arnheim

General Omar Bradley, Eisenhower und Patton (von links)
Nach der Kesselschlacht von Falaise im August 1944 zogen sich die Trümmer der deutschen Armeen durch Belgien und Holland, sowie Ostfrankreich auf die deutsche Grenze zurück. Fast 200 Tage früher als im Originalplan Overlord vorgesehen, bewegten sich zwei alliierte Armeegruppen rasch in Richtung Reich. Im Norden rückte die britische 21. Army Group unter Feldmarschall Bernard Montgomery entlang einer Linie von Antwerpen bis zur nördlichen belgischen Grenze vor. Südlich von ihm näherte sich die 12. Army Group unter General Omar N. Bradley der Grenze, wobei die 1. Army auf Aachen zielte. Nach ihrer Landung in Südfrankreich bewegte sich die 6. Army Group unter General Jacob Devers zügig auf die Reichsgrenze zu. Anfang 1944 hemmte nicht so sehr die Wehrmacht den weiteren alliierten Vormarsch, sondern die Schwierigkeiten, die sich wegen der weiten Wege beim Nachschub einstellten.
 

General Dwight D. Eisenhower
Die Frage, die sich dem alliierten Oberkommando nun stellte lautete nun, wie man diesen einmaligen Erfolg nun ausnützen sollte. Die Möglichkeiten, die sich General Dwight D. Eisenhower boten, waren begrenzt, da sich seine strategischen Reserven eher auf Luftlandetruppen als auf reguläre Infanterie stützten. Unter den Generalstäblern Eisenhowers hatte diese Frage oberste Priorität. Mitte August wurde ein „Combined Allied Airborn Headquarters“ ( kombiniertes alliiertes Luftlandetruppen-Hauptquartier) zusammengestellt und begann sofort mit den Planungen für eine massive Luftlandung jenseits des Westwalls.
 

18 verschiedene Pläne

Britisches XXX. Corps auf der Brücker von Nijmegen
Zu dem Zeitpunkt, als sich alliierte Einheiten der Reichsgrenze näherten, hatte diese Planungsgruppe bereits 18 Pläne ausgearbeitet und sofort wieder verworfen. Fünf davon hatten schon ein gewisses Planungsstadium erreicht. Drei waren soweit ausgearbeitet, dass sie sofort in die Tat umgesetzt werden konnten. Aber keiner setzte sich durch. In den meisten Fällen waren schon die schnellen Bodentruppen kurz davor, die gesteckten Ziele zu erreichen, bevor Luftlandetruppen überhaupt einsatzbereit gewesen wären.
 

Montgomery
Die meisten dieser Pläne konzentrierten sich darauf, massive Truppenkontingente über den Rhein zu schaffen, der sich als natürliche Barriere zwischen den Alliierten und Deutschland präsentierte. Ein Plan mit dem Codenamen Comet, der eineinhalb Divisionen Fallschirmjäger zur Einnahme des Rheinübergangs bei Arnheim vorsah, wurde Anfang September von Eisenhower abgelehnt, da er nicht genügend Truppen vorsah, um den Job erfolgreich abzuschließen. Am Tag, als dieser Plan abgelehnt wurde, schlug Feldmarschall Montgomery einen viel ambitionierten Plan vor, um den Rheinübergang bei Arnheim zu erzwingen.
 

Luftbild Arnheim kurz vor dem Angriff
Dieser neue Plan trug den Namen Operation Market. Dreieinhalb Divisionen Luftlandetruppen sollten in der Nähe von Grave, Nijmegen und Arnheim abgesetzt werden, um die Brücken über diverse Kanäle und die Flüsse Maas, Waal (Rhein) und Neder Rijn (Niederrhein) zu besetzen. Sie sollten einen Korridor öffnen, der 80 Kilometer von Eindhoven nordwärts führen sollte. In einem Begleitplan mit dem Codenamen Operation Garden sollten Einheiten der 2. British Army von der belgisch-holländischen Grenze bis zur Zuider See vorstoßen. Eine Strecke von fast 160 Kilometern. Die Hauptlast sollte vom XXX Corps aus einem Brückenkopf auf dem gegenüberliegenden Ufer des Maas-Ascaut Kanals, ein paar Kilometer südlich von Eindhoven an der belgisch-holländischen Grenze gelegen.
 

Ruhrgebiet ist das Ziel

Crwomwell der Guards Panzerdivision auf Hell´s Highway in Richtrung Nijmegen unterwegs
Market Garden hatte zwei Hauptziele: Zum einen den Rhein zu überqueren, zum anderen das Ruhrgebiet, das Herz der deutschen Schwerindustrie, zu besetzen oder zumindest zu neutralisieren. Das taktische Grundprinzip hinter Market Garden lag in der Sicherstellung eines genügend großen Durchbruches um großen Panzerverbänden das Manövrieren in die Tiefe des Raumes der norddeutschen Ebene hinein zu ermöglichen.
 

Brücke von Nijmegen
Aus einer Reihe von Gründen stuften die alliierten Geheimdienste die Kampfkraft der Wehrmacht gegenüber solch einer Offensive als gering ein. Deutsche Einheiten strömten häufig ungeordnet in Richtung Grenze und der Generalstab hielt die Möglichkeit einer geordneten Verteidigung für kaum vorstellbar. Die zahlreichen Warnungen, dass diese Einschätzung falsch wäre, wurden als „nicht glaubwürdig“ eingestuft. Man blieb bei der ursprünglichen Planung. Es wurde schlichtweg angenommen, dass wenn ein Durchbruch erfolgt wäre, die Wehrmacht sich außerstande sehen würde, umzugruppieren, um mit frischen Kräften die Lücke zu schließen. Man nahm allen Ernstes an, dass das britische XXX Corps binnen 2-5 Tagen die Zuider See erreichen würde, obwohl sie eine Strecke von fast 160 km im feindlichen Gebiet zurückzulegen hatten.
 

Arnheim als deutscher Ruheraum

General von Zangen
In den frühen Septembertagen hatte das OKH (Oberkommando des Heeres) die 1. Fallschirmjäger Division unter dem Befehl von General Kurt Student nach Holland verlegt, um die nach dem Debakel in der Normandie fliehenden deutschen Truppen aufzufangen und einzugliedern. Das OKH befahl ebenfalls die 15. Panzerarmee unter Generalmajor Gustav von Zangen sich aus der Scheldemündung zur Auffrischung ins Innere Hollands zurückzuziehen, um später als Korsettstange zur Verteidigung Norddeutschlands eingesetzt zu werden. Beide Armeen waren der Heeresgruppe B, Feldmarschall Walter Model unterstellt. Dessen Hauptquartier befand sich in Osterbeek, weniger als 400 Meter von der alliierten Absprungzone entfernt.
 

Landezone bei Arnheim
Montgomery hatte hart dafür gekämpft, die für diesen Plan notwendigen Truppenteile zu erhalten. Er nervte geradezu Eisenhower sämtliche Vorbereitungen anderer Offensiven zu stoppen, um alle Mittel für MARKET-GARDEN sicherzustellen. Letztendlich versprach ihm Eisenhower die Bereitstellung von täglich 1000 Tonnen Nachschub für den Zeitraum 10. September – 1. Oktober. Daraufhin setzte Montgomery den Angriffstermin auf den 17. September fest. Damit blieb dem Stab von General Lewis H. Brereton gerade sieben Tage die Operation zu planen und vorzubereiten. Sie begannen sofort damit, die tausenden von Details auszuarbeiten, die notwendig waren, um drei Divisionen samt Material knapp 1000 km in ein Kampfgebiet zu verschieben.
 

Lieutenant-General Sir Miles Dempsey
Brereton ernannte den Kommandeur des 1. Airborne Corps, Generalleutnant F.A.M. „Boy“ Browning, zum Oberbefehlshaber der Landungsstreitkräfte, bis sie sich mit den Landstreitkräften vereinigt hätten. Danach würden die Luftlandetruppen General Sir Miles Dempsey, dem Kommandeur der 2. British Army, unterstellt werden.
 

Briefing in Monty´s HQ

Frederick Browning
Am 10. September, direkt nach der Absage von Operation Comet, wurden die Kommandeure der drei Luftlandedivisionen in Montgomery´s Hauptquartier befohlen, wo sie von Generalleutnant Browning, dem Vize-Kommandeur der 1. Allied Airborne Army und Kommandeur des British Airborne Corps von der kommenden Operation in Kenntnis gesetzt wurden. Als Browning von Montgomery seine Befehle erhielt, wurde ihm erklärt, die 2. British Army würde in zwei Tagen in Arnheim eintreffen. Ihm kamen Zweifel an diesem Fahrplan und laut Cornelius Ryan´s Bestseller sprach er den berühmten Satz: “I think we can hold the bridge for four
days but I think we may be going a bridge too far.” (Ich denke, wir können die Brücke vier Tage halten, aber ich glaube wir gehen eine Brücke zu weit).
 

Deutsche Infanterie bei einem Horsa Lastensegler
Bei der Planung zur Operation musste Brereton´s Stab wichtige Analysen durchführen. Die erste war die Frage zu klären, ob der Absprung der Luftlandetruppen am Tage oder in der Nacht stattfinden sollte. Die Nacht bot besseren Schutz vor Flak, die Luftwaffe jedoch, die ihre Überlegenheit schon lange verloren hatte, war zwar tagsüber vom Himmel gefegt, nachts jedoch waren ihre Nachtjäger eine gefürchtete Waffe. Wegen der einfacheren Navigation und Zusammenführung in der Luft und auch wegen des besseren Schutzes durch die RAF und ASAF entschied man sich für den Tagangriff. Die zweite Analyse betraf die Flugrouten und Formationen bis zum Zielgebiet. Langgezogene Formationen alarmieren schneller feindliche Geschützbatterien, dicht gedrängte Formationen
hingegen machen es den Geschützführern umso leichter schwere Verluste zu verursachen. Brereton´s Stab entschied sich für einen Kompromiss.
 

Anflugkarte Market Garden
Sie entwickelten zwei Einflugrouten zum Zielgebiet – eine nördliche und südliche Route. Jeweils die Hälfte der beteiligten Maschinen würde die eine oder andere Route nutzen. Das dritte Problem war die Auswahl der Absprungzonen (drop zones).
Die Lehrmeinung diktiert das eigentliche Ziel als beste Absprungzone. Das spezielle Problem in Arnheim lag an der Tatsache, dass das eigentliche Ziel, die Brücke, mitten in einem dicht bebauten Stadtgebiet lag. Da eine Reihe von Truppen in Lastensegler (Horsas) abgesetzt werden würden und diese existentiell wichtig für den Erfolg der gesamten Operation waren, entschloss man sich für eine Absprungzone, die sich zwar 10 km von der Brücke am Neder Rijn entfernt befand, die aber für die Horsas wie geschaffen war. Das vierte Problem, welches gelöst werden musste war die Frage wie man die Masse der Fallschirmjäger absetzten sollte: ein oder zwei Absetzmanöver pro Tag? Diese Frage wurde zwischen den Transportführern und den Kommandeuren heiß debattiert. Schlussendlich wurde allen klar, dass das tatsächliche Problem nicht die Anzahl der zu erobernden Brücken, sondern dass das Fehlen einer genügend großen Flugzeugflotte den Erfolg von Market Garden in Frage stellen konnte. Zwölf der Bodenkommandeure wollten zwei Absetzoperationen pro Tag, um so schnell wie möglich so viele Truppen wie möglich an den Einsatzort zu schaffen. Sie wollten so schnell es ging die höchstmögliche Kampfkraft sicherstellen. Die Transportführer hingegen beharrten auf dem Standpunkt, dass zwei Starts Piloten und Maschinen zu sehr beanspruchen würden, welches zur Dezimierung der Flotte führen würde. Zu guter letzt schlug sich Brereton auf die Seite der Transportführer, obwohl sein Stab prognostizierte, dass selbst bei perfektem Wetter es unter diesen Umständen vier Tage dauern würde, bis sämtliche Kräfte ins Operationsgebiet geflogen worden wären.
 

85 km langer Korridor

Zerstörter deutscher Panzer IV in Westervoortsedijk

Um den 85 km langen Korridor zwischen Eindhoven und Arnheim (Operation Garden) zu durchfahren, musste das XXX Corps drei große Flüsse überqueren: die Maas, den Waal, und den Neder Rijn; dazu drei größere Kanalsysteme. Die Luftlandeeinheiten (Operration Market) hatten alle Übergänge über diese Flüsse zu besetzen und zu halten. Die 101. Airborne hatte die Aufgabe die Brücken von Zon und Eindhoven im Süden zu nehmen. Die Ziele der 82. Airborne Division waren die Maas-Brücke bei Grave, die Waal-Brücke bei Nimwegen und die des Maas-Waal Kanals. Die 1. British Airborne hatte die Brücke über den Neder Rijn in Arnheim zu nehmen, sowie einen Brückenkopf nördlich des Flusses zu sichern, der groß genug war, dem XXX Corps als Durchmarschgebiet für den Stoß zur Zuider See zu ermöglichen.
 

Gemälde von Colonel Frosts Truppe an der Arnheimer Brücke

Der Absetzplan gestaltete sich wie folgt:

An D-Day Absprung der Hauptkampfeinheiten der drei Division, nämlich drei Regimenter der 101., 82. US Luftlandedivision und drei Infanterie Brigaden der britischen 1. Airborne Division.

An D-Day + 1 sollten die übrigen Teile der 1. British Airborne nach Arnheim geflogen werden, die 101. Airborne ihre Lastensegler und die 82. ihre Artillerie erhalten.

An D-Day + 2 waren die polnische Fallschirmjäger Brigade, das Lastensegler Regiment der 101. und die Artillerie der 82. Airborne Division abzusetzen.

An D-Day +3 sollten die übrigen Truppenteile aller Divisionen in ihren Landezonen eintreffen. Alles in allem mussten 34 000 Soldaten per Fallschirm und weitere 13 781 per Lastensegler abgesetzt werden.
 

Hell´s Highway
Während die Planungen für die Luftlande Operationen weitergingen, wurden auch die Vorbereitungen für Garden mit Nachdruck fortgesetzt. General Brian Horrocks, Kommandeur des XXX Corps, hatte die Aufgabe zu lösen, 20 000 Fahrzeuge binnen 60 Stunden über eine schmale Landstrasse, später als „Hell´s Highway“ berühmt geworden, zu schleusen. Er wollte dies unter dem Schutz eines starken Luft- und Artilleriebombardement durchführen, um so die Überraschung zu nutzen und den Durchbruch bei Eindhoven zu erzwingen.
 

Generalfeldmarschall Walter Model
Den Deutschen war natürlich klar, dass etwas in der Luft lag, doch deutsche Quellen belegen, dass Model von der eigentlichen Idee der Alliierten keine Ahnung hatte.







 

Die Schlacht

1. Alliierte Luftlandearmee
Am 17. September, zwischen 12.30 und 14.00 wurden fast 16 000 Soldaten in ihren jeweiligen Zielgebieten abgesetzt oder gelandet. Diese ersten Absetzungen waren äußerst erfolgreich. Am Ende des Tages hatte die 101. alle Brücken bei Eindhoven, außer der über den Wilhelmina Kanal bei Zon, die bei Annäherung der Amerikaner von den Deutschen gesprengt wurde. Die 82. erreichte alle ihre Ziele, nämlich die Brücken über die Maas bei Grave und den Maas-Waal Kanal bei Heuven und rückte vor, um die höher gelegenen Gebiete um Grosboek, die das Gebiet um Nimwegen beherrschten, zu sichern.
 

Lieutenant-Colonel John Frost in der Uniform der Cameronians Scottish Rifles
Währenddessen sprang die 1. British Airborne in ein Wespennest bei Arnheim, direkt in die Ruhezone zweier – allerdings geschwächter – deutscher Panzerdivisionen. Die total überraschten Deutschen reagierten geradezu perfekt auf die Luftlandungen. Nachdem Feldmarschall Model nur knapp einer Gefangennahme entkam, gab er General Bittrich den Befehl mit der 9. SS Panzerdivision die Brücken von Nimwegen und Arnheim zu schützen. Daraufhin stoppten deren Aufklärungseinheiten drei von vier britischen Einheiten, die die Brücke von Arnheim erreichen wollten. Nur Oberstleutnant J. D. Frost´s 2. Fallschirmjäger Bataillon gelang es zur Brücke vorzustoßen. Im Gegenzug wurde die Aufklärungseinheit der 9. SS Panzerdivision beinahe von Frost´s Männern bei dem Versuch aufgerieben, nach ihrem Vorstoß auf Nimwegen wieder über die Brücke nach Arnheim zurück zu kehren.
 

Kompletter Kommunikationsausfall

Arnheim - St. Eusebius Kirche
Die Entfernung zwischen den britischen Landungszonen und ihren Zielen schuf für die Alliierten eine Abhängigkeit der Führung von taktischen Funkgeräten. Der fast komplette Kommunikationsausfall der 1. British Airborne zwang deren Kommandeur, General R. E. Urquhart, mit einem Jeep von Einheit zu Einheit zu fahren, um die Übersicht und eine Befehlsstruktur seiner weit verstreuten Truppe aufrechterhalten zu können. Während einer dieser Chaosfahrten im Niemandsland traf er auf mehrere deutsche Patrouillen, die ihn zu einem unfreiwilligen Aufenthalt und Tatenlosigkeit in einem Dachboden eines Arnheimer Hauses verdammten.
 

Sprengladungen an der Nijmegen Brücke werden von Briten entfernt
Am Ende des 17. Septembers, als sich die Fallschirmjäger eingruben und auf den nächsten „Drop“ warteten, hatte sich General Horrocks XXX Corps bis auf 10 km an die 101. bei Eindhoven herangearbeitet. Den ganzen Weg über waren die Kämpfe hart und obwohl die Vorausabteilungen von Horrocks sich tapfer schlugen und Kilometer machten, konnten sie den deutschen Kordon nicht durchstoßen. Am nächsten Morgen des 18. begann der Kampf aufs neue aber erst am späten Abend trafen sie am Wilhelmina Kanal in der Nähe von Zon auf die 101. Division. Britische Pioniere begannen sofort mit den Brückenarbeiten; gegen Morgen hatten sie eine Panzerbrücke über den Kanal geschlagen. Jetzt war der Weg bis Nimwegen frei.
 

Die Brücke über die Maas bei Grave
Als die motorisierten Truppen des XXX Corps auf dem “Hell´s Highway” in Richtung der Stellungen de 82. Division bei Grave fuhren, wurde die Situation bei Urquharts 1. British Airborne Division immer prekärer. Model war es gelungen, genug Kampfkraft zu versammeln, um die Briten einzuschließen. Das 2. Fallschirmbatallion unter Oberstleutnant Frost hielt zwar immer noch das Nordende der Arnheimer Brücke, doch der Rest der Division musste sich vier Kilometer nach Osten zurückziehen, wo sie einen Verteidigungsperimeter um die britische Absprungzone bildeten.
Da es keine Funkverbindung sowohl nach innen als auch nach außen gab, war jede Koordination bezüglich Luftunterstützung hinfällig. Darüber hinaus gab es natürlich auch keine Möglichkeit die Transportführer darüber in Kenntnis zu setzen, dass die vorgesehenen Absetzzonen für Mensch und Nachschub der nächsten Operation von den Deutschen besetzt waren. Am Ende des zweiten Tages war der gesamte Nachschub in deutscher Hand.
 

Schlechtes Wetter behindert Absetzungen

Sosabowski kurz vor Market Garden
Währenddessen sorgte schlechtes Wetter für eine schleppende Verstärkung der Kampfkraft im Zielgebiet. Die polnische Fallschirmjäger Brigade unter General Stanisław Sosabowski, die für Arnheim bestimmt war, kam zwei Tage später an; genauso wie Generalmajor James M. Gavin´s 325. Infanterie Regiment, das in Lastenseglern eingeflogen wurde. Zahlreiche Versuche der 82. die Nimwegen Brücke einzunehmen wurden am 19. und 20. September von den bestens positionierten Deutschen Truppen, die die Südauffahrt verteidigten, abgewiesen. Das lag zum Teil auch an der Tatsache, dass Gavins Verbände nur halbe Stärke aufwiesen.
 

Brücke von Arnheim
Mittwochnachmittag, den 20. September, unternahm Gavin´s 504. Fallschirmjägeregiment einen Sturmangriff mit löchrigen Segeltuchbooten über die Maas. Es gelang ihnen tatsächlich unter schwerem Abwehrfeuer das Nordende der Brücke zu besetzen und die deutschen Sprengladungen auszuschalten. Gleichzeitig griffen die Grenadier Guards an und nahmen den südlichen Teil der Brücke in Besitz. Nun endlich war der Weg nach Arnheim endlich offen.
 

Britische Lastensegler landen
Parallel mit dem wachsenden Erfolg im Süden, verschlechterte sich die Situation von Urquhart´s Division in Arnheim. Am Donnerstag, den 21. September, war Frost´s Truppe an der Brücke fast aufgerieben und die Stellung auf der Brücke verloren. Zur gleichen Zeit gelang es endlich Funkkontakt zwischen den britischen Truppen im Perimeter bei Osterbeek und der Vorhut des XXX Corps herzustellen. Erst jetzt erfuhr der 2. Armee Kommandeur von der misslichen Lage der britischen 1. Airborne Division.
 

Hotel Hartenstein , HQ des 1. britischen Luftlandekorps
Freitag, der 22. September, war ein schwieriger Tag. Das schlechte Wetter verhinderte Nachschubflüge und den Einflug von Verstärkungen und das XXX Corps rückte nur langsam auf Arnheim zu. Nur Aufklärungseinheiten schafften es bis zum Neder Rijn gegenüber Osterbeek. Die britische 1. Airborne wurde noch enger in ihrem Perimeter zusammengedrängt und der deutsche Widerstand gegenüber dem XXX Corps versteifte sich. Am Samstag, gelang es General Dempsey Montgomery davon zu überzeugen, angesichts steigender Verluste und schwierigem Widerstand Urquhart den Befehl zu geben, ihre Stellungen auszugeben und sich südwärts zum Neder Rijn zurück zu ziehen. Von den 10 095 Paras, die über Arnheim abgesprungen waren, schafften es nur 2 163 den Fluss zu überqueren.
 

Feldmarschall Bernard Montgomery

Fallschirmjäger
Feldmarschall Bernard Montgomery´s Befehl an die 2. Armee am 14. September, 1944
(1) Die erste Aufgabe der Armee ist es nordwärts vorzudringen und im Großraum Arnheim-Nimwegen-Grave die Brücken über den Rhein und die Maas zu sichern. Ein Luftlande Korps mit drei Divisionen ist zu diesem Zweck dem Kommando der 2. Armee unterstellt.
(2) Die Armee wird anschließend auf der Linie Zwolle-Deventer-Arnheim in voller Stärke Richtung Osten mit tiefen Brückenköpfen auf dem Ostufer der IIjssel aufmarschieren. Von dort aus wird die Armee ostwärts auf den Großraum Rheine-Osnabrück-Hamm-Münster vorrücken. Der Schwerpunkt liegt auf dem rechten Flügel in Richtung Hamm, von wo aus ein starker Vorstoß entlang des östlichen Ruhrgebiets nach Süden durchgeführt werden wird.
(3) Der Vorstoß nach Norden zur Sicherung der Flussübergänge wird hart und schnell durchgeführt werden, ohne Rücksicht auf die Flanken. Später wird die Armee Anstrengungen unternehmen, den Korridor zu erweitern um eine sichere Nachschublinie zu gewährleisten.
 

Generalmajor R.E. Urquhart

John Frost Brücke
Generalmajor R.E. Urquhart´s Botschaft an alle Beteiligten der Schlacht um Arnheim vom 28. September, 1944.

(1) Ich möchte Ihnen persönlich und gleichzeitig jedem Soldaten und Offizier meinen Dank aussprechen für das was Sie für die gerechte alliierte Sache in Arnheim geleistet haben. Ich möchte darüber hinaus Ihnen meine eigene Bewunderung zum Ausdruck bringen und die Bewunderung von uns allen in der 21. Army Group, für den unglaublichen Kampfgeist, welche Ihre Division im Kampf gegen schlimmste Widerstände auf dem Nordufer des Niederrheins in Holland gezeigt hat.
(2 Es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass, falls Sie versagt hätten, anderweitige Operationen in ernste Mitleidenschaft gezogen worden wären. Sie haben nicht versagt und die anderweitige Lage ist in Ordnung. Ich möchte, dass ganz Großbritannien weiß, dass Eure letzte Meldung aus Arnheim lautete: „Allen wurde befohlen auszubrechen anstatt sich zu ergeben. Wir haben unser Bestes gegeben und wir werden fortfahren so lange wie möglich unser Bestes zu geben.“ Und ganz Großbritannien wird euch sagen: Ihr habt, euer Bestes gegeben, Ihr habt eure Pflicht erfüllt, und wir sind stolz auf Euch.
(3) In den Annalen der britischen Armee gibt es viele glorreiche Heldentaten. In unserer Armee haben wir immer Kraft und Inspiration aus unserer Tradition gewonnen und nach den hohen Standards gestrebt uns an denen zu messen, die schon von uns gegangen sind. Aber es gibt kaum Episoden, die glorreicher sind als das Epos von Arnheim. Und es wird denen, die Euch nacheifern, schwer sein, es Euch gleich zu tun.
(4) Solange wir in der britischen Armee Männer und Offiziere haben, die sich so verhalten, wie Ihr es getan habt, solange können wir mit großem Vertrauen in die Zukunft blicken. In den kommenden Jahren wird es eine großartige Sache zu sagen: Ich habe in Arnheim gekämpft!
(5) Bitt leiten Sie meine besten Wünsche und meinen großen Dank an jeden Mann und Offizier in ihrer Division weiter.
 

General Dwight D. Eisenhower

Eisenhower bei der 8. US Division
General Bernard Montgomery über die Operation Market Garden in seiner Autobiographie “The Memoirs of Field Marshal Montgomery” (veröffentlicht 1958)
Die Operation Market Garden wurde am 17. September 1944 gestartet. Sie wurde von zahlreichen Schríftstellern beschrieben und ich werde sie nicht wieder kommentieren. Wie wir alle wissen gelang es uns nicht, den Brückenkopf nördlich von Arnheim einzunehmen. Daraus ergab sich die Tatsache, dass wir die 2. Army nicht in eine erwünschte Position bringen konnten um die Nordseite des Ruhrgebiets anzugreifen. Aber die Eroberung der Brücken über die Maas bei Grave und über den Niederrhein bei Nimwegen (Waal in Holland genannt) erwies sich später als extrem hilfreich. Wir hatten einen großen Teil Hollands befreit, wir hatten das Sprungbrett das wir brauchten, um die erfolgreichen Rheinlandschlachten führen zu können. Ohne diese Erfolge wäre es uns nicht gelungen den Rhein mit Masse im März 1945 überqueren zu können. Aber wir bekamen nicht unseren Brückenkopf – und das müssen wir zugeben.
 

Gefangene der 1. britischen Fallschirmjäger Schwadron/3. Fallschirmjäger Battailon
Es gab viele Gründe, warum wir nicht bei Arnheim erfolgreich waren. Aus meiner Sicht hier die Wichtigsten:
1. Die Operation wurde vom Obersten Hauptquartier nicht als die Speerspitze einer großen alliierten Offensive zur Umfassung, Isolierung und letztlich zur Besetzung des Ruhrgebietes – ein Gebiet, welches die Deutschen nicht aufgeben konnten – angesehen. Es gibt für mich nicht den geringsten Zweifel, dass Eisenhower immer Priorität der nördlichen Umfassung den Vorzug gegenüber einer südlichen geben wollte. Er befahl die Ausführung und dachte, dass dies auch so geschehen würde. Es geschah nicht.


2. Die Luftlandeeinheiten wurden zu weit von ihrem eigentlichen Ziel, der Brücke, abgesetzt. Es dauerte einige Stunden, bis sie dort eintrafen. Ich übernehme dafür die Verantwortung. Ich hätte der 2. Army und dem 1. Airborne Corps den Befehl geben sollen, wenigstens eine komplette Fallschirmjäger Brigade ganz in der Nähe des Ziels, der Brücke, abzusetzen, um sie binnen Minuten einzunehmen und damit Zeit zu gewinnen, die Verteidigung vorzubereiten. Das tat ich nicht.
3. Das Wetter. Nach dem ersten Tag änderte es sich und wir konnten nicht unser Absetzprogramm voll fahren. Aber das Wetter ist immer ein unsicherer Faktor; im Kriege wie im Frieden. Diese Unsicherheit haben wir alle akzeptiert. Dies hätte man nur ausgleichen und garantieren können, wenn man größere Ressourcen zur Verfügung gestellt hätte und die Operation zu einem alliierten und nicht nur britischen Einsatz aufgewertet hätte.
4. Wir wussten, dass das SS Panzerkorps im Großraum Arnheim aufgefrischt wurde, nachdem es in der Normandie zusammengeschlagen worden war. Aber wir lagen falsch zu glauben, sie wären nicht einsatzbereit gewesen; Ihre Kampfbereitschaft war erheblich besser, als wir angenommen hatten. Es wurde schnell gegen die 1. Airborne Division eingesetzt.