General Lamans persönlicher Bericht
“Am 11. (August) begannen die Deutschen ihr Bombardement mit 7 cm und 10 cm Kanonen. Am 12. und 13. brachten sie ihre 21 cm Geschütze zum Einsatz. Aber es dauerte noch bis zum 14. August, bis sie mit ihrem bislang schwersten Beschuss begannen und die äußeren Werke bombardierten. An diesem Tag, etwa vier Uhr nachmittags, näherte sich ein deutscher Offizier dem Fort mit einer weißen Flagge bis auf 200 m dem Fort. Wenig später, nachdem die Deutschen ihre Reichweite korrigiert hatten, begann ein schreckliches Trommelfeuer, das einige Stunden andauerte. Nachdem die Geschützbatterie auf der linken Schräge zerstört worden war, hämmerten nur noch die 21 cm Granaten auf das Fort ein.
Die dritte Phase der Bombardierung begann am Morgen des 15. August um 05.00 und dauerte ununterbrochen bis zum Nachmittag. Granaten zerstörten den Bogengang unter dem der Generalstab Schutz suchte. Das Licht erlosch wegen der Explosion und die Offiziere liefen in Gefahr, an den toxischen Gasen der Granate zu ersticken. Als es ruhig wurde, ging ich auf eine Inspektionstour der äußeren Schrägen, die durch die Beschießung zu einem Haufen Geröll verwandelt waren. Nur wenige Minuten nach Beendigung meiner Inspektion begann der Beschuss erneut. Es klang so, als ob alle deutschen Batterien Salven schießen würden. Niemand kann heute in Worte fassen, was das für uns bedeutete. Erst jetzt habe ich erfahren, dass die schweren deutschen Mörser Granaten von einer Tonne Gewicht verschossen haben; eine Dimension, die uns bis dahin völlig unbekannt war. Man konnte sie an ihrem typischen dröhnen erkennen, sie explodierten mit einem ungeheuren Brüllen, und wirbelten riesige Wolken aus Gestein und Staub auf.
Nachdem einige Zeit inmitten des Schreckens vergangen war, wollte ich wieder zu meinem Aussichtsturm. Aber ich hatte kaum ein paar Schritte in Richtung der Galerie gemacht, als eine Explosion erfolgte, die mich zu Boden riss. Es gelang mir wieder aufzustehen und weiterzugehen, bis ich von giftigen Gaswolken aufgehalten wurde. Es war eine Mixtur aus Explosions- und Brandgasen aus zerstörten Mannschaftsquartieren. Wir wurden halb erstickt zurückgedrängt. Als ichaus einem Guckloch nach draußen sah, konnte ich zu meinem Schrecken sehen, dass das Fort eingenommen war, die Hänge und Gegenhänge zu einem Trümmerhaufen verwandelt waren, während riesige Flammen aus dem Fort schossen. Mein erster und letzter Gedanke galt der Rettung meiner Soldaten und ich begab mich nach draußen, rief einige Befehle und sah einige Soldaten, die wie belgische Gendarme aussahen. Ich rief sie an und fiel wieder hin. Giftgase ließen mich wie in einem Schraubstock gezwängt fühlen. Als ich aus meiner Bewusstlosigkeit erwachte, sah ich meinen Adjutanten, Hauptmann Colland, der sich über mich beugte, und neben ihm einen deutschen Offizier, der mir ein Glas Wasser anbot. Sie sagten mir, dass ich ohnmächtig gewesen wäre, und dass die Soldaten, die ich für belgische Gendarmen gehalten hätte, in Wahrheit die ersten deutsche Soldaten gewesen wären, die sich den Zugang zum Fort erkämpft hätten. Angesichts unseres Mutes ließen mir die Deutschen meinen Degen.
General Leman's Brief an den belgischen König, Albert I.
Sir,Nach ehrenvollen Kämpfen am 4., 5. und 6. August stellte ich fest, dass die Forts von Lüttich nur eine Rolle eines "fort d'arret", eines Forts zum halten, zum verlangsamen des deutschen Vormarsches, spielen konnte. Trotzdem hielt ich das System der Militärregierung aufrecht, um die Verteidigung und die Moral der Garrison so gut wie möglich aufrecht zu erhalten.
Eure Majestät ist darüber informiert, dass ich gegen Mittag am 6. August in Fort Loncin anwesend war. Sie werden mit Schmerz gehört haben, dass gestern das Fort um 17.20 in die Luft geflogen ist, wobei der größte Teil der Garrison unter den Trümmern begraben wurde. Dass ich nicht mein Leben verloren habe, habe ich meiner Begleitung zu verdanken, Kommandant Collard, einem Infanterie Offizier der leider fiel, dem Gendarmen Thevenim, und meinen beiden Ordonnanzen Vanden Bosche und Jos Lecocq, die mich aus der Gefahrenzone zogen, in der ich nach der Explosion des Pulvermagazins zu ersticken drohte.
Ich wurde zu einem Schützengraben gebracht, wo ein deutscher Hauptmann Guson mir zu trinken gab. Danach wurde ich als Gefangener in eine Ambulanz nach Lüttich gebracht. Ich bin sicher, dass die Ehre unserer Armee unangetastet blieb. Ich habe weder die Festung, noch die Forts übergeben. Hoheit, ich bitte Sie meine Fehler zu entschuldigen. Ich bin physich durch die Explosion im Fort Loncin geschwächt. Ich bin auf dem Weg nach Deutschland, aber meine Gedanken werden wie immer bei meinem König und meinem Land sein. Lieber hätte ich mein Leben Belgien gegebene, doch der Tod wurde mir verwehrt.“


