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Der Rhein als Grenze

Cäsar
„Das Land sieht zwar im einzelnen recht verschieden aus, ist jedoch im ganzen schaurig durch seine Urwälder oder hässlich durch seine Moore“, schreibt Tacitus in Kapitel 5 seines Werkes „Germania“. In der Tat erscheint den Römern dieses Germanien als nicht Vertrauen erweckend. Das liegt sowohl an der Landschaft wie auch an deren Bewohnern, die Caesar als noch gefährlicher, weil weniger verweichlicht, und dabei grausamer als die Gallier einstuft. Gaius Julius Caesar muss es wissen, denn er verschiebt die Grenzen des römischen Weltreiches im Jahre 55 v. Chr. an den Rhein
 

Thor oder auch Donar genannt
Erste Bekanntschaft mit den streitbaren Germanen machen die Römer im Jahre 113 v. Chr.
Die Kimbern, Teutonen und Ambronen verlassen um 120 v. Chr. ihre Heimat im heutigen Schleswig und Jütland. Wahrscheinlich lösen klimatische Veränderungen Hungersnöte aus und zwingen die Stämme zur Suche nach fruchtbaren neuen Siedlungsgebieten. Schon die erste Schlacht von Noreia (Ostalpen) beweist die Schlagkraft der Germanen. Die Römer entgehen der Vernichtung nur, weil ein plötzlich aufkommendes Gewitter die Angreifer als ein Zeichen ihres Gottes Donar interpretieren und den fast entschiedenen Kampf abbrechen. Noch dreimal, in den Jahren 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr., treffen die Römer auf die Germanen, bis sie die Eindringlinge endgültig besiegen.
 

Drei Jahre später, 55 v. Chr., betrachtet Caesar den Krieg mit den Germanen als beendet. Dennoch will er ihnen eine Lektion erteilen, um sie vor weiteren Einfällen nach Gallien abzuhalten. Er will ihnen beweisen, dass auch das Heer des römischen Reiches den Fluss ohne Mühe überschreiten kann. Als die Ubier Caesar wegen permanenter Attacken der Sueben um Hilfe bitten, sieht dieser darin den besten Anlass für einen kurzen Feldzug.
 

Karte von Gallien
n folgenden Jahren herrscht eine trügerische Ruhe. Der Zug der Kimbern und Teutonen hat die germanischen Machtverhältnisse in Mittel- und Süddeutschland erheblich erschüttert. Dadurch gelingt es suebischen Stämmen in deren Gebiete einzudringen.
Im 1. vorchristlichen Jahrhundert beginnt die römische Eroberung Galliens, die mit dem Erscheinen Caesars ihren Höhepunkt erreicht. Im Jahre 58 v. Chr. nutzt der suebische Stammesfürst Ariovist die Unsicherheit unter den linksrheinischen gallischen Völkern für einen Vorstoß auf deren Gebiet. Ein Affront, den Caesar nicht hinnimmt. Bei den ersten Scharmützeln sind die Römer über die neuen, unbekannten Kämpfer erschrocken. Im 1. Buch des „Bellum Gallicum“ schreibt Caesar:“…ergriff das Heer plötzlich ein solcher Schrecken, dass die Gemüter aller nicht wenig in Panik gerieten. Dies ging…auf Äußerungen der Gallier und Händler zurück Sie erklärten beharrlich, die Germanen seien von ungeheurer Körpergröße, unglaublich tapfer und waffenerprobt…“. Der Schrecken ist jedoch bald unter der energischen Führung Caesars gewichen und Ariovist vernichtend im Süd-Elsaß, nahe dem Rheinufer, geschlagen.
 

Rekonstriktion der Rheinbrücke Cäsars
Zwischen Weißenthurm und Neuwied errichtet er in nur 10 Tagen eine Brücke. 18 Tage lang streift das Heer durch die Heimat der Ubier, führt eine Strafexpedition in das Gebiet der Sugambrer durch und beendet schließlich die feindselige Haltung der Sueben. Danach führt er das Heer über den Rhein zurück und lässt die Brücke abreißen.
 

Nur noch einmal, 53 v. Chr., unternimmt Caesar eine zweiten Strafexpedition gegen die Germanen. Nicht weit von Weißenthurm bei Andernach und gegenüber der Rheininsel "Urmitzer Werth", liegt Urmitz. Hier befindet sich eine 100 Hektar große jungsteinzeitliche Befestigungsanlage, die wichtigste Wall- und Grabenanlage am Mittelrhein und das bedeutendste jungsteinzeitliche Erdwerk Mitteleuropas. An diesem Ort befiehlt Caesar den zweiten Brückenschlag über den Rhein. Dann erkennt er den Rhein als Grenze zwischen Römern und Germanen an.
 

In den folgenden Jahren beschränken sich die Römer darauf, Kastelle im Inneren Galliens zu bauen und vertrauen im übrigen auf ihr exzellentes Straßensystem, das ihnen im Fallle eines Angriffes zügige Truppenverlegungen an die Brennpunkte entlang der Rheingrenze ermöglicht. Das hindert die Germanen jedoch nicht an sporadischen Überfällen auf gallisches Gebiet. Diese Übergriffe verstärken sich und im Jahre 16 v. Chr. kommt es zur militärischen Katastrophe. Die Sugambrer überschreiten – höchstwahrscheinlich nördlich von Bonn – den Rhein und vernichten die 5. Legion unter dem Statthalter Marcus Lollius. Dieses Desaster, die clades Lolliana, bewirkt eine fundamentale Neuordnung der römischen Politik nördlich der Alpen.
 

Die kaiserlichen Adoptivsöhne Drusus und Tiberius beginnen im Jahre 15 v. Chr. mit den Operationen im Alpenraum. 45 Alpenstämme, darunter die Räter in Oberschwaben und die bayerischen Vindeliker, werden unterjocht, das mit Rom befreundete Noricum friedlich bis zur Donau besetzt.
 

Kaiser Ausgustus
Kaiser Augustus (31 v. Chr. – 14. n. Chr.) beschließt durch die Vorverlegung der Ostgrenze bis an die Elbe und die Errichtung einer Provincia Germania Magna, einer großgermanischen Provinz, den Druck auf die Rheingrenze zu beseitigen. Ein Zangenangriff vom Niederrhein und von der mittleren Donau ausgeführt, soll die Elbe als Nordostgrenze sichern. Zuvor sollen die Alpenvölker unterworfen und die Alpenpässe gesichert, sowie das heutige Österreich (Noricum) und Ungarn (Pannonia) in Besitz genommen werden. Zu guter letzt plant er die Unterwerfung der Markomannen in Böhmen, um eine finale Nord-Süd-Grenzlinie zu etablieren. Hauptstadt der neuen Provinz soll Köln (Oppidum Ubiorum) werden.
 

Germania
12 v. Chr. beginnt Drusus die Offensive gegen die Germanen vom Niederrhein aus und dringt bis zur Ems vor. 11 v. Chr. erreicht er die Weser und unterwirft 10 v. Chr. das Gebiet zwischen Main, Lahn und Weser. Im Jahr darauf gelingt es ihm die Elbe zu erreichen. Auf dem Rückmarsch in die Winterquartiere am Rhein stürzt sein Pferd und Drusus bricht sich den Unterschenkel. An den Komplikationen stirbt er in den Armen seines Bruders Tiberius am 9. September 9 v. Chr. in einem Feldlager zwischen Weser und Rhein. Tiberius übernimmt das Oberkommando und unternimmt mehrere erfolgreiche Feldzüge in das Germanengebiet. Im Jahre 4. v. Chr. werden die aufständischen Cherusker unterworfen. Damit gilt das Gebiet als tributpflichtige Provinz. Tiberius selbst wird im Jahre 6 v. Chr. Opfer familiärer Streitigkeiten und zieht sich in eine freiwillige Verbannung nach Rhodos zurück
 

Tiberius
12 v. Chr. beginnt Drusus die Offensive gegen die Germanen vom Niederrhein aus und dringt bis zur Ems vor. 11 v. Chr. erreicht er die Weser und unterwirft 10 v. Chr. das Gebiet zwischen Main, Lahn und Weser. Im Jahr darauf gelingt es ihm die Elbe zu erreichen. Auf dem Rückmarsch in die Winterquartiere am Rhein stürzt sein Pferd und Drusus bricht sich den Unterschenkel. An den Komplikationen stirbt er in den Armen seines Bruders Tiberius am 9. September 9 v. Chr. in einem Feldlager zwischen Weser und Rhein. Tiberius übernimmt das Oberkommando und unternimmt mehrere erfolgreiche Feldzüge in das Germanengebiet. Im Jahre 4. v. Chr. werden die aufständischen Cherusker unterworfen. Damit gilt das Gebiet als tributpflichtige Provinz. Tiberius selbst wird im Jahre 6 v. Chr. Opfer familiärer Streitigkeiten und zieht sich in eine freiwillige Verbannung nach Rhodos zurück