
Der Angriff
Als um 05.30 der deutsche Artillerieschlag begann, war die Überraschung gelungen. Und dennoch hatten die Amerikaner Unannehmlichkeiten parat. An der rechten Flanke des deutschen Angriffs sollten Monschau, Losheimergraben und der Bergrücken bei Elsenborn genommen werden, um der 1. und 2. SS Panzerdivision eine Bresche zu schlagen. Das jedoch misslang wegen des energischen Widerstands der 78. US Division. Grenadiere der 1. SS-Panzerdivision warfen zwar die 99. US Division zurück, aber wertvolle Zeit war verloren.
Auch unterstützende Aktionen wie zum Beispiel der Einsatz der Fallschirmjäger unter Oberst von der Heydte bei Baraque Michel und der Einsatz von Otto Skorzeny, dessen Gruppe Greif in US Uniformen und Fahrzeugen im Rücken der amerikanischen Front für Verwirrung sorgen sollten, waren größtenteils vergebens. Von der Heydte konnte wegen nicht vorhandener Flugzeuge erst einen Tag später als geplant von seinen Flughäfen starten und verlor wegen Nebels die Hälfte seiner Leute. Skorzeny blieb mit der Masse seiner Greif Truppe im Megastau hinter der deutschen Front stecken. Dennoch war seine Mission erfolgreich. Vier seiner Leute wurden von den Amerikanern geschnappt und gestanden die Sabotageaktion. Die Amerikaner verbreiteten daraufhin die Meldung, tausende Deutsche seien in US Uniformen hinter ihren Linien eingesetzt. Sie hatten einfach die Fallschirmjäger von der Heydtes mit den Skorzeny Leuten in einen Topf geworfen. Doch das Ergebnis gab Skorzeny Recht. Sie GIs waren verunsichert und verängstigt.
Zwei Regimenter der 106. US Infanteriedivision lagen in der Schnee Eifel. Eine gottverlassene Gegend, in der die GIs mehr dem Wintersport frönten, als sich der Gefahr bewusst zu werden, die sich im Osten aufbaute. Es dauerte nicht lange und beide Regimenter waren von Manteuffels Verbänden eingekesselt. Darunter der Sohn von General Jones, dem Kommandeur der 106. Infanteriedivision.
Am 17. Dezember machte sich um St. Vith Panik unter den Amerikanern breit. Eine 30 km lange Fahrzeugschlange zwischen Vielsalm und St. Vith, auf wilder Flucht vor den deutschen Verbänden, verlangsamte das Vorrücken der 7. US Panzerdivision. Nur wenige Einheiten, darunter Pioniere, stellten sich in diesem Moment der deutschen Attacke. General Clarke, Chef der 7. Panzerdivision, gelang es vor seinen Einheiten in St. Vith zu sein und übernahm im Gefechtsstand der 106. Infanteriedivision das Kommando von General Jones.
Hasso von Manteuffel stand unter Druck. Der Vormarsch war ihm erheblich zu langsam. St. Vith, die einzige Stadt, die von Hitlers Forderung, alle großen Widerstandnester zu umgehen ausgenommen war, musste schleunigst fallen. Sie war neben Bastogne der größte und wichtigste Straßenknotenpunkt. Elementar wichtig für den Nachschub. Am Abend des 17. trafen sich von Manteuffel und Model zufällig in der Nacht an einer Kreuzung in der Nähe von Schönberg. Model war nicht entzückt über den langsamen Vormarsch und bot von Manteuffel die Elitepanzereinheit "Führerbegleitbrigade" an. Sie sollte das Zünglein an der Waage bei der Eroberung von St. Vith spielen.
Am gleichen Tag fand aber das entscheidende Tagesgefecht in Clervaux statt. Diese wunderschöne und romantische kleine Stadt in Luxemburg stellte ein wichtiges Hindernis auf dem Wege nach Bastogne dar, aber war durch seine besondere Lage in einem kleinen Talkessel für den Angreifer elementar wichtig. Die einzige Strasse führte durch bergiges Gelände, über Haarnadelkurven und Flüsse durch diesen Ort. Die Deutschen mussten ihn haben. Der kommandierende Amerikaner, Colonel Hurley Fuller, bat General Cota, Chef der 28. US Infanteriedivision um Schützenhilfe, sprich Panzerunterstützung, die Cota ihm auch gab. Bis diese eintrafen, musste sich Fuller mit seinen Kräften begnügen. Doch die Nachrichten, die in seinem Gefechtsstand im Hotel Claravallis eintrafen, wurden von Stunde zu Stunde bedrohlicher. Eine verteidigte Ortschaft nach der anderen fiel und Cota`s Panzer waren auch gegen 10.00 noch nicht eingetroffen. Die wenigen Panzer die Fuller hatte, waren an den Brennpunkten eingesetzt und fast alle zerstört.
Um 09.30 brachen 30 deutsche Panzer durch die Trümmer von Marnach auf dem östlich gelegenen Höhezug und fuhren das Tal in Richtung Clervaux hinunter. Um 10.20 trafen sechzehn Panzer von Cota ein, die auch sofort gegen den Gegner in Stellung gebracht wurden. Fünf bei Heiderscheid, die übrigen elf sollten die Ostseite verstärken. Gegen 11.30 wurde Fullers Lage dramatisch. Mehrere deutsche Panzer und Hunderte von Infanteristen hatten eine Nebenstrasse via Urspelt benutzt, um Clervaux von Norden einzuschließen. Wenig später waren elf der Panzer, die an der Ostseite eingesetzt waren, vernichtet.. Es ging dem Ende zu.
Elf Kilometer südlich ging etwa um die gleiche Zeit die Panzer-Lehrdivision, angeführt von dem charismatischen Generalmajor Fritz Bayerlein, bei Gemünd über die Ur. Sie sollten am nächsten Tag Bastogne nehmen. Bayerlein hatte seinen Offizieren die Wichtigkeit ihrer Mission eingehämmert.. Er selbst ging mit größten Beispiel voran: „Es ist unwichtig, ob ich falle“ soll er gesagt haben, als er an der Spitze der Vorhut aufbrach.
In Clervaux ging die Schlacht pausenlos weiter. Fuller verlor einen Stützpunkt nach dem anderen. Deutsche Grenadiere und Panzer näherten sich der Stadt von allen Seiten und trieben die Amerikaner vor sich her. Eine Sturmgeschützabteilung, die Cota Fuller zu Hilfe schickte, erhielt von diesem Befehl, Munshausen zu entsetzen aber musste mit Schrecken Minuten später mit ansehen, wie diese Geschütze in wilder Flucht aus der Stadt stoben. Cota selbst geriet unter enormen Druck der Verbände Manteuffels, der weiter auf Wiltz vorstieß. Seine Regimenter waren auseinander gerissen und teilweise bereits aufgerieben. Für Cota der blanke Horror. War doch seine 28. Division, die mit dem Bluteimer-Emblem, bereits im Oktober im Hürtgenwald von den Deutschen zerschlagen worden. Nun bereiteten ihm diese eine weitere bittere Niederlage.
Am Morgen des 18. Dezember fiel Clervaux endgültig den Deutschen in die Hände. Fuller gelang es, mit wenigen Überlebenden seines Gefechtsstandes auszubrechen. Zur gleichen Zeit standen Brandenbergers Infanterieeinheiten bereits vor Wiltz und Diekirch. Von Manteuffels 5. Panzerarmee hatte ebenfalls Geländegewinnne gemacht. Die 2. Panzerdivision hatte Clervaux hinter sich gelassen, die 116. Panzerdivision war auf dem Weg nach Houffalize.














