
Adlertag
Göring eröffnete die Schlacht am 30. Juni mit Angriffen auf Flugplätze, Radarstationen, Schiffskonvois und Flugzeugfabriken. Es war mehr ein Privatkrieg der Luftwaffe, während die anderen Waffengattungen und Hitler selbst mehr als unbeteiligt den Aktivitäten zuschauten. Diese erste Phase, die den ganzen Juli über andauerte, gilt als die „Kanalphase“. Oberst Fink, Kommodore des Kampfgeschwaders 2 wurde zum „Kanalkampfführer“ ernannt. Er bekam Unterstützung durch zwei Stukagruppen und ein Jagdgeschwader. Ziel war es, die britischen Jäger in Abnutzungskämpfen zu schwächen. Dowding versuchte jedoch gerade dies mit allen Mittel zu verhindern. Selbst auf Kosten eigener versenkter Schiffe. Und die Luftwaffe wartete auf den eigentlichen persönlichen Einsatzbefehl für den Großangriff.
Am 1. August 1940 gab Hitler mit seiner Führerweisung Nr. 17 Göring die Möglichkeit, genau solch einen Großangriff zu planen. „Adlertag“ sollte am 13. August der Anfang vom Ende für die Briten werden. So zumindest sah es Göring. Der 13. wurde jedoch zum Desaster. Entgegen der meteorologischen Vorhersage war das Wetter morgens schlecht. Göring wollte verschieben, doch Fink`s KG 2 erreichte der Befehl in Arras nicht. Die Quittung waren fünf abgeschossen Bomber und fünf weitere so beschädigt, dass sie nicht mehr einsatzbereit waren. Erst am Nachmittag besserte sich das Wetter. Der „Adlertag“ fand nun doch statt. Die Bomberangriffe gegen die Flugplätze kosteten die Deutschen erheblich mehr Opfer, als sie sich das vorgestellt hatten. Doch auch die RAF konnte auf Dauer die Verluste trotz der steigenden Produktionszahlen nicht ausgleichen. Die Angriffe auf die Flugplätze zeigten kontinuierlich, doch frustrierend langsam, Wirkung zu zeigen.
In diesen Wochen wurden einige der Jagdflieger, auf beiden Seiten zu regelrechten „Stars“. Die Asse, wie man sie nannte, wurden zu nationalen Helden stilisiert. Die Luftwaffe konnte einige mit enormen Abschusszahlen vorweisen. Da war zum Beispiel
Werner Mölders, der als erster Pilot der Luftwaffe das Ritterkreuz mit Eichenlaub für 40 Abschüsse verliehen bekam. Er stürzte auf dem Flug zu den Trauerfeierlichkeiten für Ernst Udet im November 1941 tödlich ab. Adolf Galland hatte am Ende der Schlacht um England 52 Abschüsse auf seinem Konto. Helmut Wick erzielte gar 56 Kills bevor er selber abgeschossen wurde und im Kanal ertrank.
Auf englischer Seite war der Kult um die höchsten Abschusszahlen nicht so ausgeprägt. Auch waren die tatsächlichen Zahlen nicht so hoch wie bei den deutschen Piloten. Der Tscheche Josef Frantisec gilt mit 17 bestätigten Abschüssen als bester RAF Pilot, gefolgt von Lacey (15), Carbury (15) Doe (15) und Gray (14).
Am 4. September begann der von Dowding so gefürchtete Großangriff auf die englischen Flugzeugwerke. Während dieser Angriffe auf die Werke in Rochester und Brooklands
sank die Einsatzbereitschaft der britischen Jäger auf einen Tiefpunkt. Die Luftwaffe hatte keine Ahnung, dass das Jägerkommando kurz vor dem Ende stand. Im Gegenteil. Sie waren derart frustriert über die ständig steigenden Flugzeugzahlen, dass sie sich nicht vorstellen konnten, wie sehr die RAF Piloten unter dem ständigen Stress fast zerbrachen.









