
HMS Belfast
Eine weitere Attraktion des IWM ist der Leichte Kreuzer HMS Belfast.
1936 orderte die britische Admiralität zwei größere und verbesserte Exemplare des leichten Kreuzers der Southhampton Klasse. Diese Schiffe sollten nach den Buchstaben des Washington Gesetzes 10.000 Tonnen verdrängen, aber sechzehn 6 Inch Geschütze in vier Türmen aufnehmen. 1 Inch = 2,54 cm. Das Geschützkaliber wäre also 15,24 cm.
Letztendlich kam es dazu nicht, da die Entwicklung eines derartigen Turmes so große Schwierigkeiten aufwarf, dass man darauf verzichtete und zum bewährten Drilling zurückkehrte. Das dadurch gesparte Gewicht wurde für eine stärkere Panzerung und eine um 50% gesteigerte Flak.Kapazität (gegenüber der Southhampton Klasse) genutzt.
Um der Tradition Rechnung zu tragen, erhielten die beiden Neubauten, wie alle „Southhampton“ Typen, Namen englischer Städte: Edinburgh und Belfast. Der Bau der Belfast wurde auf der nordirischen Werft Harland & Wolff in Belfast am 21. September 1936 begonnen. Am St. Patricks Day, dem 17. März 1938, taufte das Schiff die Gattin des Premiers, Neville Chamberlaine.
Der Kreuzer hatte die folgenden Maße und Gewichte:
Länge 187 m, Breite 21 m, Tiefgang 6,1 m. Verdrängung: 10.000 Tonnen
Die Bewaffnung betrug Zwölf (4x3) 6-inch Geschütze, Acht (4x2) 4-inch (10,16 cm) Geschütze, zwölf (6x2) Bofors Flak Geschütze.
Max. Geschwindigkeit: 32 Knoten = 58 km/h
Kosten: Pfund Sterling 2. 141,514 inklusive 75. 000Pfund für die Geschütze und weitere 66. 000 Pfund für Flugzeuge.
Das Schiff wurde am 5. August 1939 in Dienst gestellt.
Als der Krieg ausbricht, ist die HMS Belfast Teil der 18. Kreuzer Flotte, die in Scapa Flow, auf den Orkney Inseln, stationiert ist. Der erste Erfolg ist die Aufbringung des deutschen Frachtschiffes Cap Norte am 9. Oktober. Wegen der Größe und der Wichtigkeit der Prise bekam die Mannschaft von der Admiralität Prisengeld in bar ausgezahlt. Doch wenige Tage später, am 21. November verlässt das Glück die HMS Belfast. Eine Magnetmine trifft das Schiff beim Verlassen des Firth of Forth. Die Schäden am Kiel und der Struktur sind wegen des „Peitscheneffekts“ so gewaltig, dass sie für drei Jahre ausfällt.
Als sie im November 1942 in den aktiven Dienst zurückkehrt, ist sie der größte und am besten ausgerüstete Kreuzer der Navy. Man hatte sie mitschiffs vergrößert (11.553 Tonnen) und mit dem modernsten Radar- und Feuerleitsystem der damaligen Zeit ausgestattet. Sie wurde das Flagschiff der 10. Kreuzer Flotte, die den Begleitschutz für die arktischen Konvois nach Russland stellte.
Berühmt wird die HMS Belfast durch ihre Teilnahme an der Versenkung des Schlachtkreuzers Scharnhorst. Großadmiral Dönitz gerät im Herbst/Winter 1943 zunehmend unter Druck die Russland Konvois anzugreifen. Zu vielen gelingt es, wertvolles Material und Fahrzeuge ungeschoren nach Murmansk zu transportieren. Dönitz befiehlt am 25. Dezember 1943 den Einsatz des Dickschiffes. Sie verlässt zusammen mit fünf Begleitzerstörern ihren Liegeplatz im norwegischen Langerfjord mit dem Befehl die Konvois JW 55B und RA 55A zu zerstreuen und zu vernichten.
Den Engländern bleibt das Manöver nicht verborgen, ist es ihnen doch gelungen das ultrageheime deutsche Nachrichten Chiffriersystem Enigma zu knacken. Nun sind sie genau im Bilde und können in aller Ruhe ihre Schiffseinheiten für einen klassischen Zangenangriff platzieren. Rear Admiral Burnett auf der HMS Belfast schützte mit ihr und den Kreuzern Norfolk und Sheffield den Konvoi, Admiral Fraser auf dem Schlachtschiff HMS Duke of York, stellte sein Schiff, sowie die Kreuzer HMS Jamaica und vier Zerstörer südlich davon auf, um die Falle zuschnappen lassen zu können. Am nächsten Morgen, die Scharnhorst musste ihre Zerstörer wegen der extrem stürmischen See zurücklassen, erfüllt sich ihr Schicksal. Die Britischen Schiffe erfassen mit ihrem modernen Radar die Scharnhorst bereits zu einem Zeitpunkt, an dem das deutsche Schiff noch nicht einmal weiß, wie nah sie eigentlich am Konvoi steht. Als die britischen Kreuzer das Feuer auf sie eröffnen, ist es schon zu spät. Die Radar gesteuerten Geschütze der Engländer feuern Punkt genau. Eine 20 cm Granate der HMS Norfolk trifft die Scharnhorst, die zunächst noch versucht, in den Konvoi einzubrechen, dann aber die Sinnlosigkeit des Manövers erkennt und nun versucht, ihren Gegnern mit Hilfe ihrer höheren Geschwindigkeit zu entkommen. Die HMS Belfast und die HMS Sheffield bleiben ihr auf den Fersen.
Der Scharnhorst bleibt die Nähe der schweren britischen Einheiten wegen ihres Radarausfalls verborgen und bemerkt dies erst, als sie von einer Salve der 36 cm Geschütze der HMS Duke Of York“ getroffen wird. Der deutsche Schlachtkreuzer wird zur Zielscheibe. Ohne jede Chance wehrt sich das Schiff gegen eine überwältigende Übermacht. Zum Schluss liegt sie wehrlos im Nordatlantik und drei Zerstörer feuern ihre Torpedos auf sie ab. Nun völlig bewegungslos, schießen auch die HMS Belfast und HMS Jamaica ihre Torpedos auf das waidwunde Schiff . Das Schiff versinkt mit 1.936 deutschen Seeleuten in der Nähe des Nordkaps. Nur 36 Mann werden gerettet.
Am 3. April ist die HMS Belfast auch Teil einer gewaltigen Armada aus Zerstörern, Kreuzern, vier Geleitträgern und den beiden vollwertigen Trägern Victorious und Furious, die das Schlachtschiff Tirpitz, Schwesterschiff der Bismarck, im Altenfjord bedrohen. 120 Meilen vor der norwegischen Küste verlassen 42 Barracuda Bomber und 80 Jäger ihre Träger und greifen die Tirpitz an. Sie landen 14 Treffer auf der Tirpitz, was 108 Sailors das Leben kostet und weitere 284 verletzt. Aber die Tirpitz schwimmt noch. Erst am 12. November 1944 gelingt es zwölf in Schottland gestarteten Lancaster Bombern, mit mehreren Tallboy Bomben das Schiff zu versenken. Dabei sterben 902 Besatzungsmitglieder, 880 werden gerettet.
Während der Landung in der Normandie war die HMS Belfast ein Teil der Operation Neptune, des maritimen Teils von Overlord. Die HMS Belfast war das Flaggschiff der Bombardierungsflotte die den Auftrag hatte, die Landungen im britischen Bereich mit ihren schweren Geschützen zu unterstützen. Die HMS Belfast tat dies vor den Landungsstränden Juno und Gold. Die letzte Salve verließ ihre Rohre am 8. Juli als sie zusammen mit dem Schlachtschiff HMS Rodney und dem Monitor HMS Roberts die Angriffe um die Stadt Caen unterstützte.
Nach dem Krieg versetzte man den Kreuzer als Flagschiff der 5. Kreuzer-Flotte in den Fernen Osten. Bei Ausbruch des Koreakrieges am 25. Juni 1950, unterstützte die HMS Belfast die zurückweichenden süd-koreanischen und US Truppen mit ihrem Geschützfeuer. Am 27. September 1952, nach 404 Tagen aktivem Dienst, feuerten ihre Geschütze zum letzten Mal. Anschließend verbrachte sie ruhigere Jahre in Europa, bevor man sie am 24. August 1963 außer Dienst stellte. Am 21. Oktober 1971, am Trafalgar Tag, überführte man den Kreuzer nach London, wo er seitdem als Museumsschiff des Imperial War Museums dient.

