
Der Untergang
General Clark, von der Unmenschlichkeit der Forderung General Freybergs überrascht, wagt es dennoch nicht, aus Angst Neuseeland könne sich aus dem Konflikt verabschieden, negativ zu reagieren. Die Bombardierung wird für den 15. Februar beschlossen und durchgeführt. 142 B-17 und 87 B-25 treffen mit unerhörter Präzision den Klosterberg, der in einer einzigen Eruption zu verschwinden scheint. Anschließend eröffnet die Artillerie das Feuer, gefolgt von einer zweiten Bomberwelle. 287 Tonnen Sprengbomben und 66 Tonnen Brandbomben gehen auf Monte Cassino nieder. Die Klosterbrüder, die in der Krypta Schutz gesucht hatten, kommen mit dem Leben davon.
Nutzen von der Bombardierung hat nun allein die deutsche Wehrmacht. Oberst Heilmann verschanzt sich mit dem 1. Bataillon des Fallschirmjägerregiments 3 in den Trümmern. Bald sollen sie die alliierten Soldaten nur noch die „grünen Teufel vom Monte Cassino“ nennen. Durch Heeresartillerie verstärkt, übernimmt die 1. Fallschirmjägerdivision unter Führung von Oberst Heilmann die Verteidigung des ganzen Frontabschnitts Monte Cassino.
General Freyberg unternahm zahlreiche Angriffe, erschöpfte sich aber zusehends. Es gelang ihm zwar Teile des Bahnhofs, einen Teil des nördlichen Stadtbezirkes und den Schlosshügel zu erobern, aber das vermochte die deutsche Position nicht zu schwächen. Auch der ungeheure Artillerieeinsatz mochte daran nichts ändern. Im Verlaufe der letzten Märzwoche verschossen die Alliierten nicht weniger als 588.094 Granaten. Dennoch, der Weg nach Rom blieb versperrt.
Ende April wurde es ruhiger. Beide Seiten bereiteten sich auf den nächsten Waffengang vor.
Die Frage, die sich die Deutschen stellten war, wo wird der Schwerpunkt der nächsten Offensive sein. Kesselring wollte alle Risiken abwägen und begann auch weitere Abwehrlinien zu errichten. Die Gotenlinie, die in der Höhe von Florenz quer durch Italien verlief, die Cäsarlinie im Süden Roms und die Adolf-Hitler-Linie direkt hinter der Front, die aber später als Sengerlinie bekannt werden sollte. Außerdem werden Reserven gebildet.
Drei Panzergrenadierdivisionen und zwei Panzerdivisionen stehen nun bereit. Man bereitete sich auf eine Offensive vor, die man um den 25. Mai erwartete. Daher durfte der Befehlshaber der 10. Armee, General des XIV. Panzer Korps von Senger und Etterlin nach Deutschland fahren, um dort das Eichenlaub zum Ritterkreuz für die Verteidigung des Monte Casino entgegenzunehmen.
In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai erklärte ein marokkanischer Überläufer, dass die Offensive unmittelbar bevorstehe. Man nahm ihn nicht ernst. Eine Nacht später eröffneten 2.000 Rohre ein Trommelfeuer. Diesmal wollte Clark das Lirital in einem direkten Angriff öffnen. Zwei kleine polnische Divisionen des General Anders sollten das ermöglichen, was allen anderen nicht gelungen war, die Eroberung des Monte Cassino. Zwingend erforderlich für ein Gelingen des gesamten Unternehmens war die Einnahme des Monte Majo, der südliche Eckpfeiler der deutschen Cassino Front. Algerier und Marokkaner des französischen Korps sollten diese Aufgabe übernehmen und meistern. Am 13. Mai war ihnen dies auch gelungen. Doch der Majo war nur der erste Schritt, um die Bergkette des Aurunci unter Kontrolle der Alliierten zu bekommen. Das Gebirgskorps, bestehend aus selbstständigen marokkanischen Eingeborenen Bataillonen, den Tabors, sowie einem Regiment der 4. marokkanischen Gebirgsdivision – insgesamt 12.000 Mann mit 4.000 Maultieren – eroberte sukzessive den Monte Retondo, das Tal der Ausente, den Monte Revolte und unterbrachen am 18. Mai die wichtigste Querverbindung der 10. deutschen Armee, die Strasse von Pico nach Itri. Vier Monate hielt die Gustav Linie allen Angriffen stand, doch der mörderische Fußmarsch der Marrokaner und Algerier stellte alles binnen vier Tagen in Frage. Die deutsche Front geriet ins Wanken. Cassino war zum größten Teil bereits geräumt. Nur die Fallschirmjäger trotzten dem Feind. Erst der persönliche Befehl Kesselrings zum Abzug bewog die „grünen Teufel“ ihre Stellungen in und auf dem Monte Cassino zu verlassen.. Als die Polen den Gipfel erreichen, finden sie keinen Gegner mehr. Die Schlacht war entschieden.










