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Das Bovington Panzermuseum

Britischer Stahl
Die fünf Hallen des Bovington Panzer Museums beherbergen die weltweit umfassendste Sammlung von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen. Hier gibt es über 200 Exemplare aus 26 Ländern beginnend mit einer einzigartigen Kollektion aus dem 1. Weltkrieg bis hin zum modernen Panzer aus dem Golfkrieg.

Im Innern des Museum ist sicherlich das „Trench Museum“, das Graben Museum, ein Highlight, welches die brutale Realität des Kampfes widerspiegelt. Von der Rekrutierung bis zum „Sprung über den Grabenrand“. Diese beeindruckende Erfahrung wird mit einzigartigen Fakten, Grafiken und Vorlesungen begleitet. Ein Höhepunkt ist ein Gang durch einen deutschen Graben während des 15. September 1916, als sich zum ersten Mal Tanks über die deutschen Gräben ihren Weg bahnten.

Das Museum hat auch ihre „For Valour“ (für Heldentum) Abteilung geöffnet, eine Sammlung von Orden und Medaillen, die dem außergewöhnlichen Mut und Tapferkeit von Panzersoldaten gewidmet ist. Diese Sammlung ist in einer interaktiven und spannenden Weise dargestellt, die mit Fotos, Geschichten, Artefakten und Tagebüchern der Männer erzählt, die sich diese Medaillen verdient haben.
 

Einige der vielen Exponate

Little Willi
Hornsby Tractor
Wahrscheinlich das älteste existierende Gleisketten Fahrzeug. Der Hornsby „Little Caterpillar“ wurde 1909 für das War Office (Kriegsministerium) gebaut. Die Gleisketten sind ein Patent von David Roberts und sind von einem 6-Zylinder Motor angetrieben. Er spielt keine direkte Rolle in der Entwicklung des Tanks, aber soll eine Erinnerung daran sein, dass die Idee der Gleiskette viel älter als die des eigentlichen Panzers, des Tanks ist.

Little Willi
Als William Tritton und Walter Wilson ihre Arbeit am „Landschiff“(landship) im Sommer des Jahres 1915 begannen, bauten sie dieses Fahrzeug und rüsteten es mit aus den USA importierten Ketten aus. Die erwiesen sich als nutzlos und daher begann man selber welche zu konstruieren, die sich prompt bewährten. Little Willi ist in einer Werkstatt Atmosphäre, dargestellt, so wie es Anfang des Jahrhunderts aussah.

Mark I, 1916
Der älteste „männliche“ Kampfpanzer der Welt ist in den Farben der C Company, Heavy Branch Machine Gun Corps ausgestellt. So sah er aus, als am 15. September 1916 bei Flers der ersten Panzerangriff der Geschichte begann.
 

Mark II
Von der Crew „Flying Scotsman“ (Fliegender Schotte) genannt, nahm dieser Typ an der Panzerschlacht von Arras im April 1917 teil. Einige der Schäden, die der Tank damals davon trug sind noch heute zu sehen. Beachtenswert auch der Radkasten, der ein Paar schwerer Vickers Maschinengewehre trug. Das gab diesem Tank F 53 die Bezeichnung „weiblich“.

Whippet
Der Whippet, auch bekannt als Medium A, tauchte zuerst 1918 auf. Der Whippet hatte zwei Motoren und war schwierig zu fahren. Mit diesem Typ erkämpfte sich der junge Offizier Cecil Sewell posthum das Victoria Cross (vergleichbar mit dem Ritterkreuz) für die Rettung seiner Kameraden.

Mark V
Einer der letzten Tanks des 1. Weltkrieges, der noch voll einsetzbar ist. Von diesem Tank weiß man, dass er an der Schlacht von Amiens am 8. August 1918 teilgenommen hat. Der Kommandant erhielt damals das Military Cross. Er ist ein „männlicher“ Tank bewaffnet mit 6-pounder Geschützen.
 

Sherman Crab
Independent
Ein einzigartiges Exemplar aus dem Jahr 1926. Der Independent hatte 5 Drehtürme und wurde von einem luftgekühlten V 12 Benzinmotor angetrieben. Dieses Exemplar wurde nur einmal in England gebaut und beeinflusste das Design des riesigen russischen T-35

Cruiser Mark III
Dieser Panzer basierte auf dem Chassis des amerikanischen Christie. Dieser schnelle Panzer war das Rückgrat der 1. British Armoured Division in Frankreich, 1940. Er wurde in den Farben des Panzers von Sergeant Ron Huggins, 10th Royal Hussars, einem freien Mitarbeiter des Museums lackiert.

Sherman Crab and DUKW
Einer der wichtigsten und gleichzeitig vielfältig einsetzbaren Panzer des 2. Weltkrieges war der Sherman. Auf dieser britischen Version wurde ein Minenräumgerät, „Dreschflege“ montiert und sah Action am D-Day, dem 6. Juni 1944. Ein weiteres Beispiel für amerikanische Ingenieurskunst ist das 6-rädrige DUKW Amphibienfahrzeug, das erheblich zur Normalisierung des Nachschubes an den Landungsstränden beitrug.
 

Chinesischer Kommandopanzer vom Typ 69 IIC
Chinesischer Typ 69 IIC Kommandanten Panzer
Dieser Typ zeichnet sich durch die besonderen Packgelegenheiten aus, die gleichzeitig als extra Panzerung dienten.

Iraqi T-55
Kurz vor Beginn des Golf Krieges stellte die Irakische Verteidigungsindustrie eine modifizierte Version des russischen T-55 mit verstärkter Panzerung vor. Einige dieser Typen waren in die Kämpfe verwickelt.

2S3
Russische Selbstfahrlafette, die mit einer 152 mm Haubitze im Drehturm ausgestattet war. Ganze Batterien dieser Fahrzeuge wurden beim Vorstoß der Koalitionstruppen überrannt und einige wurden zur weiteren Überprüfung nach England transportiert.
 

T-72
Chieftain
Dieser ureigene britische Panzer aus den 70er und 80er Jahren war in Berlin stationiert und wurde in urbaner Tarnfarbe lackiert. Dieses Exemplar ist auch mit der Sonderpanzerung „Stillbrew“ ausgestattet.

T-72
Dieses beeindruckende russische Design ist der Kleinste aller modernen Panzer und verfügt über eine 125 mm Kanone mit automatischer Ladeeinrichtung. Dieser Panzer ist ein Geschenk der Bundeswehr an Bovington.
 

Tiger 131 in Bovington
Alle zwei Jahre sind die Schätze des Panzermuseums für die Öffentlichkeit zugänglich. Die weltbeste Sammlung von historischen, mobilen Panzern wird über sieben hochoktanige Stunden in der Museums eigenen Arena präsentiert.

Panzer Museum Kurator David Willey bemerkte dazu: Das TANKFEST ist eine einzigartige Gelegenheit, da man nur hier die Fahrzeuge - darunter auch viele weniger bekannte Exemplare – im Einsatz sehen kann. Dieses Jahr werden wir Fahrzeuge am Start haben, die weder ausgestellt, noch live beim TANKFEST bislang zu sehen waren.

Jedes unserer Exponate hat ein besonderes Feldzugthema. So können die Besucher die Panzer sehen, die sich seit dem Afrikafeldzug im 2. Weltkrieg auch gegenüberstanden.“
Das TANKFEST, das alle zwei Jahre stattfindet, hatte beim letzten Event an einem sonnigen Mai Wochenende 2004 mehr als 5.000 Besucher in seinen Bann gezogen, die sich diese einmalige Sammlung in Aktion nicht entgehen lassen wollten.

Darunter war auch der beeindruckende Panzer VI Tiger. Das weltweit einzige fahrbereite Exemplar wurde akribisch restauriert und fuhr zum ersten Mal seit 60 Jahren zur Begeisterung des Publikums.

Dieses Jahr verspricht das TANKFEST wieder ein phantastisches Programm:
 

Challenger
° Wichtige Fahrzeuge aus der Panzergeschichte.
° Sämtliche britischen Kampfpanzer von 1944 bis heute.
° Eine beeindruckende Kollektion amerikanischer, russischer und  
   britischer Fahrzeuge.
° Eine einzigartige Gruppe deutscher Kampffahrzeuge und Artillerie.   
  Einige werden von
privaten Sammlern zur Verfügung gestellt.
° Realistische Camp Darstellungen mit Ausrüstung, Uniformen und    
  Lebensumständen, wie
 sie britische, deutsche und amerikanische Soldaten ertragen mussten.
° Große 2. Weltkrieg Neuinszenierung von Angriffen alliierter Infanterie  
  und Panzer auf
  deutsche Stellungen.
° Ausstellung über einige der wichtigsten Feldzüge in der
  Panzergeschichte: Nordafrika
  1942, Normandie 1944, Korea Krieg, Kalter Krieg und Desert Storm 
  (Irak).

Das Royal Armoured Corps wird mit modernsten Ausrüstungsgegenständen und Fahrzeugen präsent sein.

Neben den Fahrzeugen, die vom Panzermuseum Bovington ausgestellt werden, werden mehr als 400 Exponate, vom ersten jemals gebauten Panzer bis zum modernsten Typ, präsentiert. Aber mit Sicherheit wird die Hauptattraktion der Tiger mit der Turmnummer 131 sein!
 

Tiger 131

Tiger bei Tunis
Im Mai 1943 wurde ein Tiger mit der Turmnummer 131 an die Schwere Panzerabteilung 504 ausgeliefert und zwischen dem 12. März und 16. April nach Tunesien verfrachtet. Nr. 131 wurde Teil des 3. Zuges der 4. Kompanie. Tiger 131 wurde am 21. April 1943 nach einem Kampf mit Churchill Panzern des 48. Royal Tank Regiments (Nr. 4 Troop, A Squadron) erbeutet. Mit Hilfe einer Caterpillar D-8 Raupe des 104 Army Workshops, Royal Electrical & Mechanical Engineers und 25th Tank Brigade Workshop REME wurde der Tiger geborgen. Am 24. Mai 1943 kam er schließlich in Tunis an und wurde am 2. Juni von Winston Churchill und Anthony Eden und am18. Juni von König VI inspiziert. Tiger 131 fuhr dann mit eigener Kraft zum Hafen von La Goulette and kam auf dem Seeweg mit Hilfe des Panzerlandungsbootes Nr. 568 am 3. August in Bizerta an. Von dort ging es am 9. August mit der Empire Candida nach Bone und weiter mit der SS Ocean Strength nach Glasgow, wo Tiger 131 am 8. Oktober 143 eintraf. Am 20. Oktober wurde der Panzer beim Department of Tank Design in Surrey abgeliefert. Im November nahm er an der Horse Guards Parade in London teil, wurde anschließend zerlegt und einer intensiven technischen Überprüfung unterzogen.
 

Tiger der Leibstandarte bei Charkow
Die westlichen Alliierten taten wenig, um ihre Truppen auf den neuen Typ einzustellen. Obwohl ihnen bewusst war, dass der neue Tiger den eigenen Tanks weit überlegen war. Diese Einschätzung beruhte auf der richtigen Annahme, dass dieser neue Typ nur in geringen Stückzahlen produziert werden würde. Sie wurde ebenso auf der Doktrin der USA gestützt, wonach nicht auf Panzer-gegen-Panzer, sondern auf Panzer-gegen-Tank Destroyers (Jagdpanzer) Taktik Wert gelegt wurde.
 

Tiger auf Ausstellung
Am 25. September 1951 wurde der Tiger offiziell dem Tank Museum in Bovington Camp durch das Beschaffungsministerium übergeben. Im Juni 1990 begannen die Vorbereitungen zur vollständigen Restaurierung des Panzers in einen fahrbereiten Zustand. Nachdem der Tiger von ABRO (Army Base Repair Organisation) generalüberholt worden war, kam er im Dezember 2003 nach Bovington zurück.
 

Die Tiger Historie

Der Tiger
Der Tiger unterschied sich von früheren deutschen Panzern durch seine Design Philosophie.
Die Vorgänger des Tigers zeichneten sich durch eine Balance aus Mobilität, Feuerkraft und Panzerung aus. Sie waren größeren Kalibern manchmal unterlegen, glichen dies jedoch mit besserer Taktik wieder aus.
 

Tiger frontal
Der Tiger I wich nun von der alten Doktrin ab und setzte auf Feuerkraft und Panzerung; zu Lasten der Mobilität. Design Studien begannen schon in den spätern 30er Jahren, jedoch ohne jegliche Produktionsplanung. Der Ruf nach dem Tiger erfolgte erst mit dem Auftauchen des sowjetischen T-34. Obschon das grundsätzliche Design und das Layout durchaus dem Panzer IV glich, wog der Tiger mehr als doppelt so viel. Dies rührte in erster Linie wegen der substantiell dickeren Panzerung aber auch wegen der größeren Kanone, größerer Maschine und demzufolge größeren Tank, größerem Getriebe, stärkerem Chassis und einem größeren Vorrat an Munition her. Die Frontpanzerung war 102 mm – im Gegensatz zu den 80 mm des Panzer IV – die Seiten- und Heckpanzerung 80 mm stark Dies reichte beim damaligen Stand der Panzerabwehrwaffen völlig aus, um aus mittlerer oder großer Entfernung Frontaltreffer wegzustecken. Auf kürzerer Entfernung und von der Seite sah das natürlich anders aus. Die Deckenpanzerung des Tigers tendierte zwischen 20 mm und 40 mm, ähnlich den anderen Medium Panzern der damaligen Zeit.
 

Tiger auf dem Marsch
Die Panzerplatten waren meist flach und miteinander verzahnt, die Schweißnähte von hoher Qualität. Ein Benzinmotor sorgte für Vortrieb über Leiträder an der Front, die relativ niedrig angeordnet waren. Das Fahrwerk war ein Schachtellaufwerk mit je Seite 4 Innen- und 4 Außenlaufräderpaaren, die über Schwingarme an Drehstäbe aufgehängt waren. Am ersten und letzten Schwingarm sind in der Wanne liegende einseitig wirkende Stoßdämpfer angebaut. Das Spannen der Scharnierkette erfolgte mechanisch über die Umlenkrolle.
 

Irgendwo in Russland
Die Kanone des Tiger I war eine 88 mm KwK 36 L/56 deren Verschluss- und Feuermechanik von der berühmten 88 mm Flak stammte. Neben der 88 mm KwK 43 L/71 des Tiger II „Königstiger“ war diese Kanone eine der effektivsten und am meisten gefürchtete Panzerkanone des 2. Weltkrieges. Die Schusskurve der 88 mm, die auch als erste deutsche Kampfwagenkanone mit doppelt wirkender Mündungsbremse ausgerüstet war, verlief flach und die Zielgenauigkeit war dank des Zeiss TFZ 9b Zielgerätes extrem akkurat. Bei Nachkriegsversuchen der Briten gelang es fünf Schuss hintereinander auf eine 16 x 18 Zoll große Scheibe auf einer Entfernung von 1.600 m zu landen. Es wurde glaubhaft berichtet, dass Tiger einige ihrer Gegner auf einer Entfernung von mehr als 1.600 m abgeschossen haben. Die meisten Auseinandersetzungen fanden jedoch auf erheblich kürzerer Entfernung statt.
 

Tiger Chassis
Die Größe des Tigers erzwang den Einsatz neuer komplexer Techniken, die den Ingenieuren erhebliches Kopfzerbrechen bereitete. Der 11 t schwere Turm hatte ein hydraulisches Antriebsystem, das vom Motor angetrieben wurde. Trotzdem dauerte es rund eine Minute den Turm komplett zu drehen. Das Schachtellaufwerk machte zwar Geländefahrten einfacher, das Leben der Werkstattkompanien jedoch schwerer. Das größte Problem bereiteten Schlamm und Eis. Im gefrorenen Zustand kam es durchaus vor, dass der Panzer nicht zu bewegen war. Den Russen blieb das nicht verborgen und manchmal timten sie ihre Angriffe so, dass sie in den frühen Morgen fielen.
 

Kettenwechsel
Die Gleisketten waren extreme 725 mm breit und überschritten damit das zulässige Eisenbahnmaß. Die Lösung des Problems war die schmalere Verladekette und die breitere Einsatzkette, die wechselseitig montiert werden musste. Doch damit nicht genug. Es gab auch kein geeignetes rollendes Transportmaterial bei der Reichsbahn, sodass 270 Spezialwaggons der Muster SSyms (82 t) und 470 vom Typ Ssys (52) gebaut werden mussten.
 

Bahntransport
Natürlich war der Panzer für die meisten Brücken zu schwer und daher wurde er von vornherein mit einer Watfähigkeit von 4m konstruiert. Dies wiederum verlangte ungewöhnliche Ventilation- und Kühlungslösungen. Die Vorbereitungen für solch einen Watgang dauerten 30 Minuten. Dabei mussten Turm und Geschütz in 12 Uhr Richtung fixiert und abgedichtet werden.
 

Zwei statt drei Famo schleppen Tiger ab
Eine weitere interessante technische Neuerung war das Antriebssystem. Die Leistung des Motors wurde über eine Kardanwelle und eine nasse Mehrscheiben-Kupplung an das im Bug eingebaute Maybach „Olvar“ Schaltgetriebe mit 8 Vorwärts und 4 Rückwärtsgängen übertragen. Auch das Lenkgetriebe war unkonventionell. An Stelle des üblichen Kupplung-Bremssystems der leichteren Fahrzeuge kam eine Variante des britischen Merrit-Brown Systems zum Einsatz. Dadurch standen erheblich mehr Kurvenradien zur Verfügung, wobei der engste nur vier Meter betrug. Dieses und andere System war ihrer Zeit weit voraus, jedoch auch sehr anfällig. So überhitzte der Motor sofort, wenn der Tiger einen anderen Tiger abschleppen musste. Manchmal kam es dabei auch zu Motorenbränden. Letztendlich mussten zwei Tiger oder drei FAMO 18 t Halbkettenzugmaschinen Schadpanzer abschleppen. Die Gleisketten sprangen auch häufig vom Triebrad, was sofortigen Stillstand bedeutete. Solche Kettenschäden zogen das Lösen der Ketten nach sich, was ebenso häufig misslang. Daher griff man häufig zu Handgranaten, um den Splint zu lösen.
 

Tiger Motor Maybach HL 230 P 45
Zunächst war eine 590 PS starker – aber eher schwachbrüstiger - 21 Liter Maybachmotor vorgesehen, der jedoch schnell durch den stärkeren 23,88 Liter großen Maybach HL/P 45 ersetzt wurde.
 

Geballte Feuerkraft
Die Innenausstattung war typisch für deutsche Panzer. Vorne, getrennt durch das Getriebe, saßen Fahrer (links) und Funker (rechts). Unten im Turm war die Position des Ladeschützen, oben saßen Richtschütze und Kommandant. Im hinteren Teil des Panzers war der Motorraum sowie vier Treibstofftanks, von denen zwei für Tauchgänge ausgelegt waren, Kühler und Ventilatoren.
 

Nach vorn
Obwohl der Tiger I einer der am stärksten gepanzerten und bewaffneten Panzer des 2. Weltkrieges und ein ernst zu nehmender Gegner für alliierte Panzer war, war sein Design konservativ und wies einige Unzulänglichkeiten auf. Die Panzerung war anders als beim T-34 nicht schräg angeordnet, sondern senkrecht und musste daher stärker ausfallen. Das dadurch hohe Gewicht drückte aufs Chassis, während das Schachtellaufwerk Probleme bei der Wartung im Feld hervorrief. Das unorthodoxe Getriebe war ebenfalls anfällig.
 

Panzer III Flammpanzer
Das größte Problem waren jedoch die extrem hohen Produktionskosten. Während des Krieges wurden über 40.000 Sherman und 58.000 T-34 gebaut. Im Gegensatz dazu gerade mal 1.350 Tiger I und 500 Tiger II (Königstiger). So kostete der Tiger doppelt soviel wie ein Panzer IV und viermal soviel wie ein Sturmgeschütz III.
 

Karlshorst T 34
Henschel & Sohn begannen im Frühjahr 1937 mit der Entwicklung des Tigers. Neben Henschel legten auch MAN, Porsche und Daimler-Benz 1941 Entwürfe für einen 35 t Panzer mit 75 mm Kanone vor. Das Auftauchen des T-34 machte diese Vorschläge jedoch im Ansatz
zunichte. Sofort wurde eine Anhebung des Gewichts auf 45 t und eine Vergrößerung des Kalibers auf 88 mm befohlen. Am 20. April 1942, Führers Geburtstag, sollten die Vorschläge
eingereicht werden. Um diesen Zeitplan einhalten zu können, basierten die neuen Vorschläge auf dem Grunddesign der vorherigen. Auch die schrägen Konturen des T-34, die die deutschen Granaten wie Tennisbälle abprallen ließ, flossen nicht ein. Doch die stärkere Armierung machte diesen Nachteil wett.
 

Ferdinand
Porsche und Henschel präsentierten vor Hitler in Rastenburg ihre Prototypen. Letztendlich gewann das Henschel Design, doch musste der Porsche Turm übernommen werden. Die Produktion des Panzers VI Ausführung E begann im August 1942. Zur gleichen Zeit wurden 90 der abgelehnten Porsche Chassis geordert. Diese wurden zum Panzerjäger Tiger P, besser bekannt als Ferdinand umgebaut. Später entschied Hitler dieses Fahrzeug in Elefant umzubenennen.
 

Auf dem Weg zur Front
Noch im Prototypen-Zustand wurde der Einsatz angeordnet und daher flossen im Laufe der Produktion ununterbrochen kleine und große Änderungen in das Design ein. Eine der wichtigsten Änderungen war die Einführung eines verbesserten Turmes, der eine niedrigere
Kuppel aufwies. Um die Kosten zu senken wurde auch die geforderte Watfähigkeit von 4 m fallen gelassen. Gleiches galt auch für das externe Luftfiltersystem.
 

Panzer VI Königstiger mit Porsche Turm
Die Produktion des Tiger I begann im August 1942 und bis August 1944, als sie endete, wurden 1.355 gebaut. Zunächst wurden 25 pro Monat gefertigt, dann im April 1944 erreichte man mit 104 Exemplaren den Höhepunkt. Das bedeutet, dass es zweimal so lange dauerte den Tiger zu fertigen als den Panzer IV. Als die verbesserte Tiger II Ausführung B im Januar 1944 in die Produktion aufgenommen wurde, war das Ende des Tiger I besiegelt.
 

Churchill IV
Ein Tiger war in der Lage seine Gegner wie den Sherman, den T-34 oder den Churchill IV auf einer Entfernung von 1.600 m zu zerstören. Im Gegensatz dazu gelang es der 76,2mm Kanone des T-34 überhaupt nicht den Tiger frontal zu durchschlagen. Nur seitlich war dies auf einer Entfernung von 500 m mit der besonderen BR-350P APCR Munition möglich. Die 85 mm Kanone des T-34/85 schaffte den frontalen Durchschlag auf einer Maximalentfernung von 1.000 m. Der Josef Stalin II Panzer mit 122 mm Kanone hatte damit keine Probleme.
 

Sherman mit Heckenpflug
Der M4 Sherman mit der 75 mm Kanone hatte keine Chance auf einen Frontaldurchschlag aus irgendeiner Entfernung, war aber seitlich bei 500 m erfolgreich. Der britische 17-Pfünder war mit APDS Munition auf 1.500 für den Tiger tödlich. Das amerikanische 76 mm Geschütz mit normaler APCBC Munition durchschlug den Tiger auf keiner Entfernung frontal, und musste mindestens auf 1.000 m herangehen, um seitlich erfolgreich zu sein. Schoß dieses Geschütz jedoch mit der nicht häufig verfügbaren HVAP Munition, gelang der Durchschuss bereits auf 1.000 m frontal.
 

Feuerkraft
In dem Moment wo sich die Entfernung verringert, durchschlagen mehr Granaten Panzerungen. Die hohe Durchschlagskraft des Tigers gab ihm den Vorteil, bereits auf großer Entfernung Feindpanzer auszuschalten, ohne dass diese sich wehren konnten. Dies war im offenen Gelände von großem Vorteil und zwang den Gegner den Tiger meist aus der Flanke heraus anzugreifen.
 

Tiger bei Leningrad
Der Tiger I stand zum ersten Mal im Feuerkampf vor Leningrad im August 1942. Hitler hatte soviel Druck gemacht, dass die ersten Modelle Monate früher als geplant an der Front zum Einsatz kamen. Und diese Fahrzeuge erwiesen sich als nicht ausgereift. Am 29. August rollten die ersten vier Tiger vom Bahnhof Mag direkt in den Kampf. Von diesen kehrte einer intakt zurück. Die anderen bleiben mit defektem Lenkgetriebe, Motor- und Getriebeschaden liegen.
Am 22. September erfolgte der nächste Einsatz. Diesmal in nicht Panzer tauglichem Gelände.
Ein Panzer blieb mit Elektrikschaden liegen und wurde von deutschen Soldaten in Brand gesetzt. Wohl weil man glaubte ihn nicht retten zu können. Drei weitere fuhren sich im Sumpf fest oder wurden von der russischen Pak abgeschossen.
 

Panzer VI Tiger
Der nächste Einsatzort der Tiger war Ende November 1942 Nordafrika, wo sie im offenen Gelände ihre Vorzüge ausspielen konnten. Doch auch hier brachten Kinderkrankheiten viele Panzer vorzeitig in die Werkstatt. Dennoch bewiesen die Tiger hier ihre Überlegenheit und verlängerten so das Ende des Afrikakorps bis zum 12. Mai 1943.
 

Der Tiger war langsamer als die Mehrheit der im 2. Weltkrieg eingesetzten Panzer. Aber niedrige Geschwindigkeit war typisch für die schweren Panzer und Infanterie Begleit Tanks.
Die Spitzengeschwindigkeit lag bei 38 km/h. Der Josef Stalin, sein direkter Gegner
schaffte 37 km/h. Dazu kamen permanente Probleme im Antrieb, die dazu führten, dass Tiger Einheiten oft unter Sollstärke antreten mussten. Lange Märsche forderten immer wieder Ausfälle. Dazu kam der begrenzte Einsatzradius wegen des enormen Spritverbrauchs. Als einen Pluspunkt muss man den niedrigen Bodendruck des Tigers erwähnen. Dieser war erheblich geringer als viele seiner kleineren Gegner mit der Ausnahme des T-34.
 

M4 Sherman
Die Feuerkraft und Panzerung des Tigers war bei den Alliierten gefürchtet. In taktischer Defensive war die eingeschränkte Mobilität nicht ausschlaggebend. Da die Sherman Crews zum Beispiel wussten, dass sie einzeln dem Tiger nicht gewachsen waren, griffen sie meist im Rudel an. Ein, zwei zogen die Aufmerksamkeit des Tigers auf sich, die anderen fuhren ihm in die Flanke um ihn im seitlichen Nahkampf auszuschalten. Da der Munitionsvorrat des Tigers in den seitlichen Nischen untergebracht war, war solch ein Treffer meist tödlich. Diese Taktik war viel versprechend aber auch gefährlich. Viele alliierte Panzerbesatzungen bezahlten diesen Fehler mit ihrem Leben. Es bedurfte erhebliches taktisches Geschick einen Tiger auszuschalten.
 

Obersturmführer Michael Wittmann
Normalerweise wurden Tiger in eigenständigen schweren Abteilungen zusammengefasst.
Solche Abteilungen wurden bei Durchbrüchen oder Gegenangriffen eingesetzt. Ein paar SS Panzer Divisionen hatten eine Reihe von Tigern. Ein Name fällt in diesem Zusammenhang immer wieder: Michael Wittmann von der Schweren Panzerabteilung 101. Er war einer der erfolgreichsten Panzerkommandanten des 2. Weltkrieges. An einem einzigen Tag gelangen ihm mehr als zwei Dutzend Abschüsse von alliierten Panzern und Fahrzeugen. Er hielt in Villers Bocage eine komplette Panzer Brigade auf, bis sein Tiger unter ihm zusammengeschossen wurde und er und seine Mannschaft ausbooten mussten. Letztendlich wurde aber auch er ein Opfer der alliierten Übermacht, als er in einem Kampf gegen fünf Sherman den Kürzeren zog.
 

Tiger As Michael Wittmann
Mehr als zehn Tiger Kommandanten erzielten mehr als 100 Abschüsse: Johannes Bölter 139,
Otto Carius 150, Kurt Knispel 168 oder Michael Wittmann mit 138.
 

Tigerfibel

M 1 Abrahams
Als die US Army ihren neuesten Kampfpanzer M 1 Abrahams einführten, waren sie mit einem Problem konfrontiert. Die große Frage war, wie erkläre ich eine Hitec Maschine wie den M 1einem unterdurchschnittlich gebildeten Soldaten. Die Antwort war eine Comic Book ähnliche Bedienungsanleitung.
 

Tigerfibel
Die Idee komplizierte Technik mit Cartoons und Sprechblasen zu vermitteln war keine amerikanische Erfindung. Bereits bei der Einführung des Tiger I wurde diese Methode angewandt. Oberstleutnant Hans Christern, der Schulungschef der zukünftigen Tiger Besatzungen, war sich der Komplexität des Tigers bewusst und suchte nach einer Alternative zu den üblichen Hersteller-Bedienungsanleitung. Leutnant Josef von Glatter-Goetz übernahm diese Aufgabe und entwickelte die Idee einer Mixtur aus Cartoon, Umgangssprache und Reimen. Diese Bedienungsanleitung, offiziell als D 656/27 bekannt, wurde berühmt als „Tigerfibel“. Heute ein Sammlerkleinod unter Militaria Kennern.

Diese Tigerfibel ist ausführlich in David Byrden´s exzellenter „Tiger1 info“ website einzusehen: http://tiger1.info/fibel/index.html