Der englische Aufmarsch
König Eduard III. landete am 12. Juli 1346 mit rund 12.000 Soldaten bei St. Vaast, in der Nähe von Cherbourg und marschierte landeinwärts. Er stürmte Caen in der Normandie und bewegte sich auf Rouen zu. Doch die Franzosen unter König Philip hatten die Brücken über die Seine zerstört und warteten auf der gegenüberliegenden Seite mit einer großen Armee auf Edward. Daraufhin wandte sich dieser in Richtung Paris und vermittelte so Philip die Idee, der englische König hätte es auf die Stadt abgesehen. Als Philip auf dieses Manöver hereinfiel und den Engländern folgte, machte dieser kehrt und überquerte die Seine.
Edward setzte daraufhin seinen Marsch auf die Somme fort, doch nur um festzustellen, dass auch die Brücken über diesen Fluss zerstört waren. Dreimal versuchten die Engländer vergeblich den Übergang zu erzwingen. Schließlich erzählte ein Bauer Edward von einer Furt, die unter dem Namen Blanchetaque (wegen der weißen Steine auf dem Flussbett) bekannt war. Es gelang Edward nach kurzem Kampf mit etwa 2.500 Mann einer Gruppe von Godemar du Fay, die aus wenigen Genueser Armbrustschützen, Miliz und Infanterie bestand, auch die Somme zu überschreiten. Anschließend führte er seine Truppen in einen nahe gelegenen Wald, um eine Verteidigungsstellung gegen den erwarteten französischen Angriff aufzubauen.
Edward und seine Armee waren sich ihrer begrenzten Möglichkeiten bewusst, wartete doch eine französische Streitmacht auf sie, die ihnen dreimal überlegen den Weg zur Küste versperrte. Eine Schlacht war unvermeidlich. In dieser Nacht versammelte der König seine Offiziere und seinen sechzehnjährigen Sohn, den Black Prince, um sich. Man aß und trank und betete anschließend, dass die bevorstehende Schlacht zumindest nicht ohne Ehrverlust verlief.
Edwards Armee der 12.000, von denen zwei Drittel Langbogenschützen waren, positionierten sich auf einem sanft abfallenden Abhang. Der rechte Flügel wurde vom Black Prince kommandiert. Ihm zur Seite stand Sir Godfrey of Harcourt, sowie die Ritter Sir Thomas Holland, Sir John Chandos, Lord Stafford und Lord Burghersh. Sie kommandierten 1.000 Mann Waliser leichte Kavallerie, 1.000 Mann gepanzerte Reiter und 3.000 Langbogenschützen.
Auf dem linken Flügel, nicht weit entfernt vom Dorf Wadicourt standen der Graf von Northampton und Arundel und der Bischof von Durham. Ihre Streitmacht entsprach der des linken Flügels. Das Zentrum, 700 Ritter (zu Fuß) und 2.000 Langbogenschützen standen unter dem Kommando des Königs. Die Schlacht kommandierte Edward von einer Windmühle aus, die etwa auf halber Strecke zwischen seinen Truppen und denen seines Sohnes. Von dort hatte er einen hervorragenden Blick über das Schlachtfeld und konnte leicht seine Befehle geben.
Die Masse der beiden Flügel bildete eine straffe Phalanx, ungefähr 6 Mann tief und circa 225 m lang. Die Bogenschützen waren auf den äußersten Flügeln postiert und bildeten eine umgekehrtes „V“. Sie waren versetzt aufgestellt, so dass sie eine konvergierende Schussposition bildeten. Die Reserve bildete eine kleine Einheit berittener Ritter hinter der Masse der beiden Flügel, die im Fall eines feindlichen Durchbruchs durch die erste Linie diese Kräfte in einem Flankenangriff neutralisieren sollten.
Während des Tages waren waliser und englische Infanterie damit beschäftigt, vor ihren Linien ein System von Gräben und Löchern anzulegen, in denen sich die Pferde der feindlichen Kavallerie die Beine brechen und ihre Reiter abwerfen sollten.
Daneben wurden auf dem rechten Flügel auch einige Kanonen eingesetzt. Möglicherweise der erste Einsatz von Feldgeschützen in der Geschichte der Artillerie überhaupt. Über ihre Wirkung ist nichts bekannt, woraus man schließen kann, dass sie nicht groß gewesen sein kann.
Der französische Aufmarsch
Die Armee von Philipp VI war riesig, kosmopolitisch und unorganisiert. Neben dem französischen Adel kämpften auch der römisch-deutsche König Karl IV, die Grafen von Namur und Hainault, der Herzog von Lothringen oder einige hundert deutsche und böhmische Rittern, die von dem blinden König Johann von Böhmen angeführt wurden. Die Armee bestand aus 12.000 Ritter (zu Fuß und beritten), der Creme der französischen Ritterschaft. 17.000 leichte Kavallerie und ein undisziplinierter Haufen von ca 20.000 Fußsoldaten. Eine echte Verstärkung hingegen waren die 6.000 genueser Armbrustschützen, die von Carlo Grimaldi und Odone Doria kommandiert wurden.
Bei Sonnenaufgang am Samstag, den 26. August 1346 ging König Philipp zur Messe im Kloster von Abbeville, während seine – für seine Zeit gigantische - Armee der englischen entgegenmarschierte. Vier Ritter wurden zur Aufklärung vorausgeschickt. Gegen Mittag erstatteten sie dem König, der mit der Masse des Heers nun herangekommen war, Bericht. Sie erzählten ihm, dass sich die Engländer bereits in Schlachtordnung aufgestellt hätten und kampfbereit wären. Er gab die vernünftige Anweisung anzuhalten, die rückwärtigen Truppen aufschließen zu lassen, eine Schlachtaufstellung zu bilden und am nächsten Morgen anzugreifen. Doch der Gedanke jetzt anzuhalten, den verfluchten Feind, der jetzt keinen anderen Ausweg sah als sich dem Kampf zu stellen, und der ihnen so oft entwischt war, nicht zu attackieren, war für die französische Armee unerträglich. Und überhaupt, wer garantierte, dass die Engländer am nächsten Morgen überhaupt noch anwesend wären?
Der Drang vorwärts war nicht zu kontrollieren. Alle Wege und Strassen nach Crecy waren schwarz vor französischen Truppen. Die Befehle von Philip wurden von einigen Teilen der Armee befolgt, andere ignorierten sie. Während einige Truppenteile anhielten, drückten größere Verbände nach und erzwangen sich den Weg nach vorn. Gegen 17.00 standen sie endlich dem Feind gegenüber, der sich über die Breite des Hügels von Crecy aufgestellt hatte, erst hier endete der Vorwärtsdrang.
König Philipp, der ebenfalls auf der Bildfläche erschien, wurde von der Begeisterung der Menschenmassen angesteckt. Obwohl die Sonne schon niedrig stand, waren sie entschlossen, anzugreifen. Nun beorderte man die Genueser Armbrustschützen nach vorn, die mit ihren Geschossen den Feind auf eine Kavallerieattacke vorbereiten sollten. Doch die hatten anderes im Sinn. Sie erklärten, dass sie nach einem 18 Stunden Marsch in voller Montur und kompletter Ausrüstung zu erschöpft wären, um jetzt den Kampf zu eröffnen. Doch der Graf von Alencon, der die gleiche Strecke auf dem Pferd zurückgelegt hatte, ließ dieses Argument nicht gelten. Wütend rief er ihnen zu: „Das hat man nun davon, wenn man solche Lumpen anheuert, die sich drücken wollen, wenn man sie braucht. Vorwärts Genuesen”! Als sich die Genueser nun in die Frontlinie begaben, verdunkelte sich der Himmel, und ein kurzer, heftiger Gewittersturm fegte über Crecy. Die Armbrustschützen, die ihre Ausrüstung auf ihren Packwagen zurückgelassen hatten, sahen sich nun den Gewalten ausgesetzt und mussten hilflos mit ansehen, wie der Regen die Spanndärme der Armbrust durchnässten und sie dadurch durchschlagsärmer werden ließen. Und so schnell das Gewitter gekommen war, so verschwand es wieder und nach dem Abgang der Regenwolken schien ihnen die Sonne richtig ins Gesicht.
Nun gingen die Genueser unter lautem Geschrei ein paar Schritte vor. Hielten an, warteten und gingen unter lautem Rufen wieder vor. Das ging solange weiter, bis sie sich der englischen Schlachtreihe bis auf 130 m genähert hatten. Dann schossen sie eine Bolzensalve ab. Doch wegen der nassen Sehnen ging die Salve zu kurz. Die Engländer, die bis dahin regungslos und still gewartet hatten, schritten nun ihrerseits vor und feuerten eine Salve ab. Jean Froissart, einer der bedeutendsten Quellen des französischen Mittelalters und Verfasser der „Chronicles“ schrieb dazu: “Sie verschossen ihre Pfeile in einer derart Schnelligkeit, dass man das Gefühl bekam, es würde Pfeile schneien.“
Der Effekt dieses Pfeilüberfalls auf die Genuesen war vernichtend. Binnen weniger Minuten wurden sie aus einer Entfernung, die sie mit ihren Waffen nicht überbrücken konnten, zu Tausenden getötet. Die Armbrustschützen, die solch einem Angriff noch nie ausgesetzt waren, drängten nun zurück zu den Reihen der Ritter und Infanterie, die außerhalb der Schussweite der Langbögen standen. „Tötet mir dieses Gesindel“, rief König Philipp wütend, “die verstopfen nur sinnlos unsere Wege“. Daraufhin rückte die Kavallerie durch die zurückflutenden Genueser und hieb sie mit ihren Schwertern zusammen. Dadurch kamen sie aber auch in den Wirkungsbereich der englischen Bogenschützen. Deren Salven fanden nun reiche Beute in dem Heer der Reiter, die selbst durch ihre Panzerungen nicht geschützt waren. Mutige Schwadronen ritten mitten in die Menge hinein und wurden ihrerseits von einem Pfeilregen getroffen. Die getroffenen Pferde machten Bocksprünge, warfen ihre Reiter ab und galoppierten davon. Heillose Verwirrung erfasste das französische Heer. Doch das war erst der Anfang. Nun schritten die Fußsoldaten durch die Reihen der Bogenschützen vorwärts. Froissart: „Mit ihren weit reichenden Waffen hieben und stachen sie auf Barone, Grafen, Ritter und Junker ein, töteten die meisten. Der englische König bemerkte später verbittert, dass „eine Menge guten Lösegeldes wurde sinnlos in solch sorglosen Momenten weggeworfen“.
Letztes Gefecht des blinden Königs
Nur wenigen Männern des Frontabschnitts des Grafen von Alencon gelang es die abgestiegenen englischen Ritter anzugreifen, nachdem die erste Welle der Franzosen von dem Pfeilhagel weggeschwemmt wurde. Schlimmer noch, es wurden keine Anstalten gemacht die Ordnung wiederherzustellen, bevor die zweite Welle der Franzosen angriff. Das trug noch mehr zum Chaos bei, in dem der böhmische König, Johann I den Tod fand. Johann, König von Böhmen, Graf von Luxemburg und Erbkönig von Polen war ein überaus tapferer Mann, schreibt Froissart. Als er erfuhr, dass die Schlacht eröffnet wurde, fragte er „wo ist mein Sohn Karl (der spätere Karl IV, römisch-deutscher Kaiser)?” Seine Ritter antworteten ihm, sie wüssten nicht wo er wäre, sie vermuteten ihn aber bereits in der Schlacht. Daraufhin meinte Johann der Blinde:“ Ihr seid mein Volk, meine Freunde, meine Waffenbrüder an diesem Tag. Da ich blind bin, möchte ich, dass ihr mich in die Schlacht führt, damit ich mit meinem Schwert kämpfen kann.“ Die Ritter sagten sofort zu und ketteten ihre Pferde an das von Johann, damit sie ihn im Gewühl nicht verlören. So zogen sie mit ihrem König an der Spitze in die Schlacht. Dort fochten sie tapfer bis zu ihrem Tod. Am nächsten Morgen fand man ihn am Boden liegend, die Pferde immer noch miteinander verbunden. Der Schwarze Prinz näherte sich der Leiche mit den Worten "There lies the Prince of Chivalry, but he does not die" (Hier liegt der Fürst der Ritterlichkeit, aber er stirbt nicht). Dann ergriff er den Schild Johanns mit den drei weißen Federn und dem Motto "Ich Dien". Bis heute ist es das Wappen des englischen Kronprinzen. Sein Sohn Karl, Prinz von Luxemburg, hatte, nachdem er merkte, dass sich die Dinge negativ entwickelten, mit seiner Entourage das Weite gesucht.
Nun aber entwickelte sich der Hauptangriff der Franzosen. Der Graf von Alencon und der Graf von Flandern führten schwere Kavallerie gegen die englischen Linien. Es gelang ihnen den Bogenschützen auszuweichen und die Infanterie des Schwarzen Prinzen zu erreichen. Die Gegner waren so zahlreich, dass die Ritter, die mit ihm kämpften, einen Boten zur Windmühle schickten, von wo aus er die Schlacht dirigierte. Der Bote bat um Verstärkungen, aber der König wollte oder konnte die Reserve nicht freigeben. Er soll als Antwort gegeben haben: „Der Junge soll sich seine Sporen verdienen“, was er dann auch tat.
Während der Schlacht zeigten die französischen Kommandeure keinen Sinn für Taktik. Jede Rittergruppe schien nur einen Wunsch zu haben, nämlich den Feind frontal anzugreifen. Flankenangriffe fanden nicht statt.
Fünfzehn mal griffen die Franzosen an, zum letzten Mal in der Dämmerung. Aber wegen ihrer enormen Verluste waren sie letztendlich gezwungen, den Rückzug anzutreten. Die Engländer hielten ihre Schlachtordnung bis zur Dunkelheit aufrecht. Als die Nacht anbrach, verfügte Philipp nur noch über Ritter, die in seiner Nähe waren. Er war durch einen Pfeil leicht verletzt worden, und sein Pferd war unter ihm von Pfeilen getötet worden. Sir John Hinault setzte ihn auf ein anders Pferd, nahm seine Zügel und führte ihn unter dem Protest des Königs mit den Worten vom Schlachtfeld, „er müsse leben, um an einem anderen Tag eine neue Schlacht zu führen“. Als er Amiens erreicht sind gerade noch fünf Barone bei ihm.
Froissart in seinen “Chroniken”: “Erst als die Engländer Samstag Nacht kein Rufen, Schreien oder Stöhnen mehr hörten und kein Banner mehr sahen, glaubten sie an den Sieg. Wegen der tiefen Finsternis wurden Scheiterhaufen und Fackeln angezündet. König Edward, der den ganzen Tag keinen Helm getragen hatte, kam von seinem Beobachtungsposten, der Windmühle, und ging mit seinem gesamten Batillon zum Black Prince, den er umarmte und küsste. „Mein Sohn, Gott gab Dir Standhaftigkeit. Heute hast du dich absolut loyal verhalten, du bist es wert König zu sein“. Der Prinz verbeugte sich tief und reichte Lob und Ehre bescheiden an seinen Vater weiter.
Am Sonntagmorgen hüllte Nebel das Schlachtfeld ein und der König schickte eine Aufklärungsabteilung von 500 Lanzenträgern und 2.000 Bogenschützen voraus, um die Lage zu sondieren. Diese trafen auf die Kolonnen der französischen Nachhut, die ahnungslos ob der französischen Niederlage auf dem Weg von Rouen nach Beauvais waren. Als der Kampf vorüber war, lagen 1.542 Ritter und Junker tot auf dem Feld. Danach traf die englische Abteilung auf die Truppen des Erzbischofs von Rouen und den Großprior von Frankreich, die ebenfalls ahnungslos waren. Doch auch diese Unwissenheit wurde sofort mit dem Tode bestraft. Sie fanden auch viele Versprengte und umherziehende Ritter, die ohne Gnade niedergemacht wurden. Froissart schrieb über dieses Abschlachten: „An diesem Sonntagmorgen wurden viermal so viele Soldaten abgeschlachtet, wie in der eigentlichen Schlacht am Samstag“.
Verluste
Die Verluste der Franzosen und Genuesen waren enorm. Die Schätzungen reichen von 10.000 bis 30.000 Gefallene. Wahrscheinlich ist die Zahl von 12.000 Tote, darunter elf Prinzen, 1.200 Ritternund ein Erzbischof. Die Engländer verloren zwischen 150 und 200 Männer.Unter den französischen Gefallenen waren die Adeligen Charles II, der Graf von Alençon, Philipp VI's Bruder, Johann der Blinde, Louis I, Graf von Flandern, sowie Rudolph, Herzog von Lothringen.
















