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Eine alte Kriegswaffe

Langbogenschütze
Der Langbogen ist eine alte Kriegswaffe. Seine Länge entspricht etwa der Größe des Schützen. Herkömmliche Bögen sind im Vergleich dazu deutlich kürzer. Langbögen werden zumeist hergestellt aus Ulme, Esche, Goldregen, Haselnuss oder aus dem mechanisch überlegenen Eibenholz, keinesfalls jedoch aus einem beliebigen Stück Holz.
 

Ein Langbogen
Der Querschnitt des klassischen Langbogens weist das schmale D-Profil auf. Es stellt besonders hohe Anforderungen an die Druckfestigkeit des Holzes, welche nur mit ausgesuchten Holzsorten und Holzqualitäten erreicht werden kann. Ungefähr 80 Prozent der mittelalterlichen Schützen stand kein teures Eibenholz zur Verfügung. Sie mussten hellere Hölzer verwenden. Die geringere mechanische Belastbarkeit erforderte dabei ein anderes Konstruktionsprinzip. Vermutlich deshalb verbreiteten sich Bögen mit breiterem Wurfarm-Querschnitt, einem Layout, wie es auch aus steinzeitlichen Funden und späteren amerikanischen Flachbögen bekannt ist.
 

Langbogen mit holzpfeil
Geeignete Äste oder geviertelte Stämme bilden das Rohmaterial für die
Herstellung der Langbögen. Sorgfältig aus Herz und Korpus geschnitzt, verleihen die natürlichen Strukturen des Holzes dem Langbogen Eigenschaften, die schon fast mit den heutigen Kompositbögen vergleichbar sind. Unter Erhaltung eines kompletten Jahresrings, der die Vorderseite des Bogens bildet (Rücken), wird die dem Kernholz zugewandte ‚Bauchseite’ vorsichtig gleichmäßig ausgedünnt (getillert), bis sich eine homogene Biegung ohne Knicke oder steife Regionen
ergibt. Die einfache Form des Langbogens weist schon allein aufgrund der enormen Höhe nur eine leichte Krümmung mit geraden Enden auf, im Gegensatz zu dem an den Enden geschwungenen Reiterbogen der asiatischen Steppenvölker.
 

Kriegsentscheidende Waffe

Pfeilesputzen aus dem 15. Jahrhundert
Nachweislich bereits um Christi Geburt verwendeten nordeuropäische Stämme den Langbogen. Große Verbreitung fand er aber erst im hohen bis späten Mittelalter, etwa zeitgleich mit der Armbrust. Der massive Einsatz englischer und walisischer Langbogenschützen hat die Schlachten von Crécy und Azincourt wesentlich mit entschieden. Der Langbogen erlangte eine gewisse Berühmtheit als Kriegs entscheidende Waffe.
 

König Harald wird vom Pfeil im Auge getroffen. Bayeux Teppich
Die Zugkraft der Langbögen lag bei ca. 440 bis 580 Newton. Dies entspricht einem Gewicht von 44 bis 58 Kilogramm. Versuche mit Nachbauten alter Langbögen haben diese Werte ergeben. Bogenschützen waren deshalb großen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Entsprechende Skelettfunde zeigen ausgeprägte Veränderungen des Knochenbaus am Schultergelenk und am
Haltearm. Die hohe Zugkraft führt zu hoher Durchschlagskraft der Pfeile.
Kettenrüstungen und Plattenrüstungen oder gar etliche Zoll dicke Eichenbohlen können Berichten zufolge von Langbogenpfeilen durchschlagen werden. Langbogenschützen waren hoch spezialisierte und gut ausgebildete Einheiten. Angeblich galt ein Langbogenschütze nichts, wenn er nicht mit 10 bis 12 Pfeilen in der Minute ein Ziel in 200 Meter Entfernung traf, wozu es jedoch einige Zeit an Ausbildung bedurfte. Dabei wurde vermutlich mehr Wert auf die Menge, als auf
die Genauigkeit gelegt, da in einer Schlacht wohl eher Gebiete beschossen wurden, als Einzelziele. 1.000 Schützen konnten so in der Minute 500 Kilogramm Pfeile verschießen. Dieser immense Verbrauch hielt einen ganzen "Industriezweig" am Leben, den Bogenbau, für den Bogner und Pfeilmacher zuständig waren. In England wurden in großem Umfang Eiben kultiviert, da ihr Holz am besten für Langbögen geeignet war.
 

Heinrich VIII. demonstriert seine Bogentechnik
In der Schlacht gefangene Langbogenschützen wurden häufig frei gelassen, nachdem man ihnen den Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand amputiert hatte. Durch diese Verstümmelung waren sie für den Kriegsdienst am Langbogen nicht mehr geeignet.
 

Fußsoldat mit Langbogen. Die Lanze griffbereit.
Einige Kritiker halten zeitgenössische Berichte über die Vorzüge des Langbogens für stark übertrieben. Der Langbogen wurde seit dem späten 15. Jahrhundert von Feuerwaffen wie der Arkebuse verdrängt, die eine größere Durchschlagskraft entwickelten. Langbögen besaßen zwar eine größere Feuerrate, doch war die Ausbildung eines Arkebusiers deutlich weniger zeitaufwändig. Außerdem wurden die Plattenrüstungen in der beginnenden Frühen Neuzeit immer massiver, so dass sie leichter mit Hilfe eines Arkebusenschusses oder seit Mitte des 16.Jahrhunderts vor allem durch einen Musketenschuss durchschlagen werden konnten.