Einsatzziel Maginotlinie
Im Zuge der strategischen Ausrichtung der Wehrmacht wurde Mitte der 1930er Jahre zwar die Blitzkriegstrategie entwickelt, jedoch fragte das Heereswaffenamt bei Krupp nach schwersten Kanonen, die Befestigungen und Bunkeranlagen wie die Maginotlinie zerstören konnten. Die Geschütze sollten ausdrücklich aus vorbereitenden Stellungen innerhalb des eigenen Territoriums eingesetzt werden, jedoch in Teillasten über das normale Schienenverkehrsnetz transportabel sein. Daraufhin wurden Geschütze in 70, 80 und 100 cm Kaliber projektiert. Auf ausdrücklichen Wunsch Hitlers erging dann der Auftrag für das 80 cm-Geschütz in Haubitzenbauweise im Jahre 1937.
Es wurden 2 Geschütze vom Kaliber 80 cm bestellt (Gustav und Dora). Laut Taube trug das erste Geschütz seitens Krupp formal die Bezeichnung „Schwerer Gustav“ das baugleiche zweite die Bezeichnung „Schwerer Gustav 2“, das projektierte dritte Geschütz aufgrund seiner Modifikationen die Bezeichnung „Langer Gustav“. Die formale Wehrmachtsbezeichnung für den Waffentyp der Geschütze 1+2 war „Gustav-Gerät“. Das erste einlagige Rohr wurde im Herbst 1941 auf dem Schießplatz Hillersleben auf einer Behelfslafette eingeschossen. Die Fertigstellung der Lafette erfolgte kurze Zeit später, dann wurde das Geschütz auf dem Übungsplatz Rügenwalde montiert, getestet und auf den Namen „Gustav“ nach dem Krupp-Seniorchef getauft. Kurze Zeit später wurde das zweite Geschütz, „Dora“ fertig gestellt.
Zu Beginn des Jahres 1942 wurde „Gustav“ der Artillerieabteilung (E)672 zugeteilt und mit dieser nach Russland verlegt. Das Geschütz erhielt den Spitznamen „Dora“, was etwas für Verwirrung sorgt, weil das zweite, nie eingesetzte Geschütz ebenfalls „Dora“ hieß. Die Verlegung des Geschützes sowie der Mannschaften und des Gleismaterials erforderte allein fünf Eisenbahnzüge und drei bis vier Bauzüge für den Aufbau des Geschützes und der Feuerstellung.
Der Bau der Feuerstellung nahm die meiste Zeit in Anspruch, da die Aufbaustrecke dreigleisig und die in einem Kreisbogen verlegte Schießstellung zweigleisig mit zusätzlichen Stabilisierungselementen über eine Länge von ca. 900 m angelegt werden musste. Zudem wurden zu beiden Seiten der Schießstellung Erdwälle aufgeworfen, die zusammen mit Tarnnetzen für den Schutz des Geschützes sorgten. Außerdem gab es zwei Flak-Batterien.
Der Aufbau des Geschützes selbst konnte mit den auf zwei zusätzlichen Schienen außerhalb der drei Aufbaugleise laufenden Portalkränen innerhalb von 56 Stunden erfolgen. Zum Verschieben des Geschützes in der Feuerstellung kamen zwei eigens von Krupp für diese Aufgabe entwickelte Dieseldoppelloks des Typs V188 (DB Baureihe 288) zum Einsatz. Die bislang vorhandenen Wehrmachtsdiesellokomotiven waren dafür allesamt noch viel zu schwach.
So griff man auf den eben erst für den Paris-Nizza-Express eingeführten dieselelektrischen 4.200PS Motor zurück, der für diese Aufgaben geeignet war. Die Zugmaschinen für diese Geschütze sollten gleichzeitig auch die Energie für die Aufbaukräne zur Erstellung der Feuerstellung, den Strom für die beiden Munitionszüge und den Strom für die Mannschafts- und Maschinenwagen liefern. Deshalb die Entscheidung für den dieselelektrischen Antrieb. Der Transport von Deutschland auf die Krim wurde mit Dampflokomotiven der Baureihe 50 durchgeführt. Diese zogen den aus mehreren Teilen zusammengestellte Geschützzug an die Front. Die Kanone musste aufgrund ihres großen Gewichtes von 1.350 t auf zwei parallel laufenden Gleisen gefahren werden.
Nun erfolgte die Feinrichtung in Selbstfahrt durch eingebaute Elektromotoren in den Drehgestellen des Geschützes. Die Kartuschen der Granaten wurden wie bei allen schweren deutschen Eisenbahngeschützen seit dem Paris-Geschütz in einem extra Klimawagen gelagert, um die für die optimale und vor allem berechenbare Verbrennung des verwendeten Nitroglycerinpulvers erforderliche Temperatur von ca. 15 °C zu gewährleisten.
Der erste und einzige Kampfeinsatz fand bei der Belagerung der Festung Sewastopol auf der Halbinsel Krim statt. Er dauerte vom 5. bis 17. Juni 1942. In diesem Zeitraum wurde der gesamte Munitionsvorrat von 48 panzerbrechenden Granaten auf die verschiedenen Festungsanlagen der Stadt abgefeuert. Später wurden noch weitere fünf Schuss auf „Maxim Gorki I“ abgegeben, ohne aber wirkungsvoll zu treffen. Ein Ziel war ein bis zu 20 Meter in gewachsenen Fels und unter Wasser gelegenes Munitionslager der Roten Armee, genannt „Weiße Klippe“, in dem die Russen den gesamten Bedarf für zwei Jahre an Munition der Festung lagerten. 16 Schuss wurden auf das Ziel abgegeben, eine 120 m hohe Rauchsäule soll vom Ziel aufgestiegen sein. Es ist unklar, ob Volltreffer im Stollensystem erzielt wurden oder ob außerhalb (Munition für die Einlagerung bereit gelegt) gelagerte Munition explodierte.
Trotz einer schlechten Zielgenauigkeit der Schüsse und der daraus resultierenden großen Streuung der Einschläge war der verursachte Schaden doch immens. Da Geschütz und vor allem Munition noch nicht wirklich erprobt waren, kann der Einsatz unter Frontbedingungen als Erfolg gewertet werden. Dennoch war das Kosten-Nutzenverhältnis absurd gering. "Im ganzen gesehen hat dieser Aufwand zweifellos nicht im richtigen Verhältnis zu dem Nutzeffekt gestanden.", bemerkte der Sieger von Sewastopol, Generalfeldmarschall von Manstein.
Nach der Beschießung Sewastopols sollte ein weiterer Einsatz bei der Belagerung Leningrads folgen. Das Geschütz war jedoch gerade fertig montiert, als die Blockade durchbrochen wurde.
Das Geschütz wurde zur Überholung nach Deutschland gebracht und erhielt dort ein neues, diesmal zweilagiges Seelenrohr. Es wurde nur noch einmal, am 18. März 1943 unter Anwesenheit von Hitler, auf dem Übungsplatz Rügenwalde bei einer Vorführung abgefeuert.
Im weiteren Kriegsverlauf wurde eine Modifizierung der beiden „Gustav“-Geräte als Planprojekt betrieben, um parallel zum Einsatz der V-Waffen Großbritannien mit Artillerie zu beschießen. Um die erforderlichen Schussweiten von 100- 200 km zu erreichen sollte ein auf 44 m verlängertes glattes Seelenrohr eingebaut, Gegengewichte für die Rohrverlängerung am Verschlussblock montiert, sowie Ansetzer und Munitions- und Kartuschentransport umkonstruiert werden. Noch wichtiger für die Reichweitensteigerung war der Einsatz neuer Munition. Da sich Granaten mit Raketenzusatzantrieb bei vorangegangenen Projekten als unpräzise erwiesen hatten, verlegte man sich auf den Einsatz eines „Peenemünder Pfeilgeschosses“, eines unterkalibrigen (52 cm), pfeilstabilen Treibspiegelgeschosses. Dieses sollte bei einem Gewicht von 2.000 kg eine Mündungsgeschwindigkeit von über 1200 m/s und eine Reichweite von über 130 km haben. Bei einer Sprengladung von nur noch 180 kg wäre dieses nicht panzerbrechende Geschoss jedoch nur noch eine psychologische Waffe ohne militärischen Wert gewesen.
Am 11.09.1943 1943 wurde das Eisenbahngeschütz Dora im Neben-Zeugamt Auerswalde (Sachsen) eingelagert. Laut Matthias Gluba, einem Historiker aus Auerswalde, trugen die acht Soldaten der Begleitmannschaft das "Krimschild" .Gleichzeitig mit der Dora wurde eine Batterie 3,7 cm Flak mit 3 Geschützen in das Depotgelände verlegt. Gleichzeitig wurde in ungefähr einem Kilometer Entfernung auf dem Bergrücken zwischen Auerswalde und Garnsdorf, 12 Soldaten mit einem Flakscheinwerfer und einem Horchgerät stationiert. Einheitsbaracke aus dem Kistenwerk Köthensdorf wurden ebenfalls dort aufgebaut. Um die Stromversorgung sicherzustellen,wurde in dem Waldstück "Pfarrfichten" ein Stromgenerator getarnt installiert. Diese Einheiten blieben bis Anfang 1945 hier in Stellung.
Die beiden Fahrgestellhälften und die beiden Schießgerüste wurden in der großen Geschützhalle abgestellt. In der kleinen Geschützhalle wurden das Seelen- und Mantelrohr, die Wiege und das Bodenstück mit dem Verschluss eingelagert. Munitions- und die restlichen Materialwagen wurden vor der Halle geparkt. Das gesamte Schienen- und Schwellenmaterial, das für die Schiesskurve benötigt wurde, lagerte im Depotgelände. Um das Geschütz einsatzbereit zu halten, besonders um die Schmierung der Gleitlager an den Achsen zu gewährleisten, wurde in bestimmten Abständen der gesamte Komplex immer nachts vom Bahnhof Oberlichtenau nach Chemnitz-Küchwald, Chemnitz-Hilbersdorf und zurück bewegt.
Einen Tag vor dem Eintreffen der Amerikaner am 14. April 1945 wird die Wiege und der Verschluss der Dora von den verbliebenen Wehrmachtsangehörigen des Depots gesprengt. Bei der Wucht der Explosion wird die gesamte kleinere Geschützhalle zerstört.
Die noch intakten Teile und auch einige Trümmer wurden von sowjetischen Fachleuten analysiert und Ende 1945 zu einer Sammelstelle in Merseburg gebracht. Das zweite, niemals aktivierte Geschütz wurde in Metzenhof bei Grafenwöhr ebenfalls gesprengt um es vor dem Zugriff der Alliierten zu bewahren.
Abmessungen
Richtbereich Seite (°): 0Gesamtmasse (t): 1.350 t
Länge über Puffer (m): 47,3 m
Breite (m): 7,1 m
Höhe (m): 11,6 m
Geschoßmasse (kg): 4.800/7.100
Sprengstoffanteil (kg): 700,0/250,0
Anzahl der Treibladungen: 3/1
Anfangsgeschwindigkeit Vo (m/s): 820/720
Höchstschussweite (km): 48,0/38,0
Durchschlagsleistung: Stahl 1 m
Eisenbeton 8 m
Gewachsenes Erdreich 32 m















