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Malta und die zweite Belagerung

Malta
Nähert man sich Malta aus der Luft, so sieht die Insel aus wie ein Blatt, grün oder braun, je nach Jahreszeit, das auf dem blauen Ozean treibt. Die ganze Insel ist für eine Weile sichtbar, mit seinen terrassierten Feldern und Dörfern, seinen Kirchen und kleinen Bauernhöfen, alle klein und kompakt; man kann den Hafen von Valetta und die Ausmaße des Grand Harbours, des Großen Hafens, beobachten, wo Reihen kleiner Häuser über Terrassen und Palmen hinweg auf das Blau des Meeres blicken. Es ist ein erhebender Anblick und gleichzeitig sieht es so klein aus, ein so zerbrechliches und einfaches Ziel für feindliche Bomber, die nur etwas mehr als 100 km auf ihren großzügigen Flugplätzen auf Sizilien stationiert sind. Und doch leistete dieses kleine Eiland, das eine solch beeindruckende militärische Vergangenheit als Festung der Ritter von St. John und Lord Nelsons „Bollwerk auf dem Weg nach Indien“ aufzuweisen hatte, zwei Jahre lang erbitterten Widerstand gegenüber einem Feind, der alle Mittel gegen es wandte und durch ihre Hartnäckigkeit einen überaus wichtigen Part in der Mittelmeer-Strategie spielte.
 

Rommel wird durch Tiefflieger Angriff schwer verwundet
Maltas unbezähmbarer Widerstand unter den Schlägen der Achsenmächte, das Heldentum ihrer Verteidiger und die Duldsamkeit ihrer Einwohner wurde oft genug gewürdigt, ohne jedoch ihre Bedeutung als Basis für Angriffsoperationen ins rechte Licht zu rücken. Und doch ist genau das die wahre Bedeutung der Insel. Denn Malta war nichts anderes als ein riesiger Flugzeugträger, von dem aus Luftunterstützung für zahlreiche Offensivoperationen überall im Mittelmeerraum geleistet werden konnte. Malta diente darüber hinaus auch als Zwischenlandestation und Aufklärungsbasis. Am wichtigsten jedoch war ihr Einfluss auf die Nachschubrouten der Achsenmächte nach Nordafrika. Angriffe auf deren Konvois zogen eine direkte Wirkung auf die Landoperationen nach sich. Ohne Malta wäre Rommel mit ziemlicher Sicherheit nach Alexandrien und weiter in den Nahen Osten vorgestoßen; Malta im Besitz der Achsenmächte hingegen hätte eine Invasion Siziliens und Italiens unmöglich gemacht.
 

Hitler und Mussolini
Benito Mussolinis Anspruch war es, das Mittelmeer zu einem italienischen Binnensee zu machen. Als er England und einem schon fast geschlagenen Frankreich am 10. Juni 1940 den Krieg erklärte, erzählte er seinen staunenden Generälen, der Krieg wäre in vier Monaten beendet.
 

Mussolinis Schiffsbauprogramm

Italienisches Schlachtschiff Giulio Cesare
Als Mussolini 1922 die Macht in Italien übernahm, starteten die Faschisten sofort die Wiederaufrüstung mit einem großen Bauprogramm. Insbesondere die Marine wurde mit neuen Kampfschiffen ausgerüstet. Um den Ruhm des kaiserlichen Rom zu mehren, wollte er die italienische Marine soweit ausbauen, um in der Lage zu sein, England die Vorherrschaft im Mittelmeer streitig zu machen. Als er in den Krieg zog, war er zwar davon noch meilenweit entfernt, doch hatte er bereits zwei moderne Schlachtschiffe fertig gestellt, vier weitere lagen bereits am Ausrüstungskai, waren sieben schwere und 14 leichte Kreuzer, 73 Zerstörer und 106 U-Boote in Dienst gestellt worden. Und bald sollten die Briten von der deutschen Marine im Atlantik im Atem gehalten werden, und die Japaner ab der Jahreswende 1941/1942 im Pazifik zur Offensive übergehen. Nach dem französischen Waffenstillstand waren sie bereits die dominante Flotte im Mittelmeer.
 

Gibraltar
Doch es gab zwei schwerwiegende Nachteile. Die italienische Flotte hatte kein Radar und litt unter permanenten Treibstoffmangel. Darüber hinaus unterhielt die Flotte, wie auch die deutsche Marine, keine eigene Luftwaffe. Doch die Ölknappheit war die Achillesferse und bereits ab dem Winter 1940 mussten die Deutschen die Italiener mit Treibstofflieferungen aushelfen.
 

Cant Z.1007bis mit Doppelleitwerk
Die Schlacht um Malta begann bereits wenige Stunden nach der Kriegserklärung, als die ersten Angreifer im Morgendunst des 11. Juni 1940 über der Insel auftauchten. Von diesem Tag an, bis Mitte 1943, als Malta entsetzt wurde und die Alliierten Vorbereitungen zur Invasion auf Sizilien trafen, dauerten die Angriffe ununterbrochen an. Dabei lösten sich Perioden intensiver Angriffe mit Zeiträumen schwächerer Aktivitäten ab, doch es riss nie ab. Einer der Oberkommandierenden auf Malta bemerkte später, „ man hätte wie Waterloo Station Tag und Nacht geöffnet gehabt.“ In diesen Jahren erwarben sich die alliierten Besatzungen größten Respekt, sowohl bei der Verteidigung wie auch bei Angriffen. Sie kamen aus allen Teilen des britischen Commonwealth. Rhodesier, Kanadier, Australier und Neuseeländer kämpften Seite an Seite mit ihren englischen Kameraden. Insbesondere die Neuseeländer stellten dabei mit 198 Soldaten, davon 66 Jagdfliegern, ein erhebliches Kontingent.
 

Zwei der drei Oberkommandierenden der alliierten Luftwaffe waren Neuseeländer: Air Vice-Marshal F. H. M. Maynard und Air Vice-Marshal K. R. Park. Maynard. Maynard, bereits Jagdflieger im 1. Weltkrieg, hatte bereits zwei Jahre im Nahen Osten verbracht, bevor er sechs Monate vor der italienischen Kriegserklärung zum Kommandeur von Malta ernannt worden war. Zur Zeit der Kriegserklärung schätzte man die Überlebensfähigkeit von Malta wegen ihrer Nähe zu den italienischen Bomberflugplätzen für gering ein. Obwohl man drei Flugfelder gebaut hatte, und die Radarstation kurz vor der Vollendung stand, waren die Aussichten schlecht, da man über kaum Jäger, und nur über wenige Aufklärer verfügte. Trotzdem war Maynard davon überzeugt, Malta halten zu können. Bei der Suche nach Ersatzteilen fand man auf einem Abstellplatz vier Gloucester Gladiator Doppeldeckerjäger und Kisten mit weiteren Ersatzteilen, die für einen Flugzeugträger bestimmt waren; damit konnten die vier Gladiator flugfähig gemacht werden. Sofort meldeten sich freiwillig Piloten aus seinem Stab und binnen kürzester Zeit waren die Maschinen beim ersten Auftauchen der Italiener einsatzbereit. Leider ging eine der Maschinen schon bald zu Bruch, doch die übrigen drei, auf die Namen ”Faith, Hope and Charity” (Vertrauen, Hoffnung und Nächstenliebe) getauft, fuhren fort, die Italienischen Piloten wochenlang herauszufordern. Gegen Ende des Jahres wurden sie von vier Hurricane Jägern verstärkt, und diese sieben Maschinen, zusammen mit der Flak, bekämpften im Verlaufe des nächsten Monats mehr als 200 feindliche Flugzeuge.
 

Italienische Luftwaffe greift an

Gloster Gladiator MK II
Fast jeden Tag griffen die Italiener Malta an und jedes Mal stiegen alle einsatzbereite Hurricane und Gladiator auf, um sie zu stellen. Ihre Wirkung auf die italienischen Kommandeure konnte man daran ablesen, dass diese die Einsatzstärke der Malteser auf 25 Flugzeuge einschätzten. Doch Malta hielt nicht nur aus, sondern ließ den Angreifer auch zunächst dazu verführen, ihre Bombenlast aus zu großer Höhe auszuklinken, später nur noch mit Jägerbegleitschutz und zum Schluss sogar zeitweise nur noch im Schutze der Nacht anzugreifen. Nur zwei alliierte Flugzeuge gingen verloren und auch der Schaden am Boden hielt sich in Grenzen.
 

Conte di Cavour beim Angriff auf Tarent auf Grund gegangen
Nachdem Maynard seine Meinung bewiesen hatte, entschied man sich dazu, die Jäger zu verstärken und eine kleine Aufklärungsstaffel, bestehend aus Swordfish und Sunderland Flugbooten, bereitzustellen, die die italienische Flotte beobachten und Ziele für die Royal Navy aussuchen sollten. Mitte November trafen 16 weitere Hurricane Jäger ein, die vom Flugzeugträger HMS Argus angeflogen waren. Die Royal Navy musste das Gleichgewicht der Kräfte wahren, um die Italiener in Nordafrika in Schach halten zu können. In der Nacht vom 11. auf den 12. November 1940 griffen Torpedobomber vom Träger HMS Illustrious den Hafen von Tarent an. Die Torpedobomber waren altmodische Fairy Swordfish mit Spitzname „Stringbags“, Einkaufsnetze. Man nannte diese Flugzeuge deswegen so, weil man damit ausdrücken konnte, dass dieser Flugzeugtyp wirklich jede Art von Last, egal in welcher Form, tragen konnte. Mit Hilfe von Torpedos, die für den Angriff in seichten Gewässern konstruiert wurden, konnten drei Schlachtschiffe schwer beschädigt werden. Die Caio Duilio und die Littorio wurden auf Grund gesetzt, um ein Sinken zu verhindern. Die Littorio war schließlich nach vier, die Caio Duilio nach sechs Monaten wieder einsatzbereit. Die Conte di Cavour schaffte es jedoch nicht rechtzeitig in flacheres Wasser und versank bis zu ihren Aufbauten. Es dauerte bis Ende 1941 das Schiff zu heben und zur Reparatur und Modernisierung nach Triest zu verlegen. Die Reparaturen wurden jedoch bis Kriegsende nicht abgeschlossen. Japans Admiral Isoroku Yamamoto studierte diesen Angriff sehr genau und setzte seine Erkenntnisse bei dem Überfall auf Pearl Harbour ein Jahr später um.
 

Briten jagen Achsen Geleitzug
Währenddessen hatten Wellington Bomber auf dem Wege nach Kairo einen Zwischenstopp in Malta eingelegt, um auf Betreiben Maynards hin ein paar italienischen Häfen Besuche abzustatten. Gegen Ende 1940 bekam er dann die Erlaubnis ein Geschwader von Wellingtons für Angriffe auf die gegnerischen Nachschublinien aufzustellen. So war denn Malta gegen Ende des Jahres weit davon entfernt, eingenommen zu werden, sondern ganz im Gegenteil bereit, auch auszuteilen.
 

Das X. Fliegerkorps schaltet sich ein

HMS Illustrious
Doch bald drohte eine neue Gefahr, denn Hitler hatte das X. Fliegerkorps unter General Geisler von Norwegen nach Sizilien mit 150 Ju 87 Stukas, 40 Bf 109 Jägern und zweimotorige Messerschmitt Bf 110, 120 Heinkel He 111 Bombern und 20 Aufklärern verlegen lassen. Einer ihrer Hauptaufgaben war es, Englands modernsten Flugzeugträger, die HMS Illustrious zu versenken. Dieser neue Schiffstyp war größer als die HMS Ark Royal und besaß als erster Flugzeugträger ein gepanzertes Flugdeck. Diese drei Zoll dicke Panzerung sollte 250 kg Bomben widerstehen, dem schwersten Bombentyp, mit dem die Briten damals rechneten. Kein anderes Land hatte diese Technik eingeführt, da im Gegenzug weniger Flugzeuge mit an Bord genommen werden konnten.
 

Martin Harlinghausen
Doch der Chef des Stabes der X. Korps und Fachmann für die Bekämpfung feindlicher Schiffe, Oberstleutnant Martin Harlinghausen hatte eine Idee, wie man auch die Illustrious versenken konnte. Zu diesem Zweck erhielten die Piloten der II./St.G. 2 eine Sonderausbildung, um Harlingshausens Theorie den Träger mit vier Bomben zu versenken, in die Tat umzusetzen. Dafür wurde eine schwimmende Attrappe des Trägers als Ziel- und Übungsobjekt benutzt.
 

HMS Renown
In seinem Buch “Stuka“ beschrieb Peter C. Smith den Angriff des Stukageschwaders 2: „Als die deutschen Piloten im Januar 1941 diese Ausbildung gerade angeschlossen hatten, erfüllte ihnen die britische Flotte den Wunsch, endlich die Illustrious angreifen zu können. Mit dem Unternehmen „Excess“ begann eine ganze Serie von Geleitzugoperationen zur Verstärkung von Malta. Man plante, von Gibraltar aus am Abend des 6. Januar das Motorschiff „Essex“ mit weiteren Handelsschiffen nach Malta und die „Clan Cummings“, „Clan MacDonald“ und „Empire Song“ nach Alexandria auslaufen zu lassen. Den Geleitschutz stellte die „Force H“: Schlachtkreuzer HMS Renown, Schlachtschiff HMS Malaya, Träger HMS Ark Royal und mehrere Zerstörer. Die Handelsschiffe sollten in der Strasse von Sizilien auf Teile der Mittelmeerflotte, „Force B“, nämlich die Schlachtschiffe HMS Warspite, HMS Valiant, sowie den Träger HMS Illustrious und acht Zerstörern treffen, die durch die Kreuzer HMS Gloucester, HMS Sydney und HMS Southhampton und drei Zerstörern aus Malta verstärkt werden sollten.
 

Die Illustrious unter italienischem Bombenhagel
Am 10. Januar begannen im Morgengrauen die Angriffe mit einer Attacke zweier italienischer Zerstörer auf die Kreuzer. Nachdem einer der beiden versenkt worden war, begannen italienische Torpedobomber mit ihren Angriffen und beschädigten den Zerstörer HMS Gallant. Zu diesem Zeitpunkt waren fünf Fulmars der Illustrious als Jagdschutz in der Luft, von denen zwei sich bereits frühzeitig verschossen hatten, eine dritte beschädigt wurde. Captain Boyd von der Illustrious wollte daher seinen Jagdschutz verstärken, dreht den Träger in den Wind, doch zu einem Start kam es nicht mehr, da 43 Ju 87 des II./St. G. 2 unter Major Enneccerus und des I./St. G. 2 unter Hauptmann Hozzel bereits im Anflug waren. Die bedien Gruppen leisteten sich keine Fehler. Sie näherten sich in 4.000 m Höhe, nahmen dann gelöste Schwarmordnung ein, variierten dabei ständig die Flughöhe und suchten sich dabei ihre Ziele aus. Zehn Maschinen lösten sich dann aus dem Verband und griffen die Schlachtschiffe im Sturzflug an. Während sich das Flakfeuer der stärksten Schiffe auf diese Maschinen konzentrierte, wendeten sich die übrigen Stuka dem Flugzeugträger als ihrem Hauptangriff zu. Admiral Cunningham schrieb als Augenzeuge, dass “diese vollkommen neue Angriffsmethode der Stuka so interessant war, dass keine Zeit zur Angst blieb, und niemand daran zweifelte, es hier mit Experten zu tun zu haben. Sie bildeten einen großen Kreis über der Flotte und gingen, wenn sie ihre Angriffsposition erreicht hatten, einzeln zum Sturzflug über. Wir konnten die Geschicklichkeit und Präzision des Ganzen nur bewundern. Der Bombenabwurf erfolgte aus allernächster Nähe, und manche Piloten fingen ihre Maschinen so tief ab, dass sie niedriger als in Schornsteinhöhe über das Flugdeck der Illustrious hinweg flogen.“
 

Volltreffer auf der Illustrious

Flugzeugträger Illustrious geht zur Reperatur nach Norfolk, USA
Der ganze Angriff dauerte nur sechseinhalb Minuten, aber in dieser Zeit richteten die Ju 87 auf dem Flugzeugträger verheerende Schäden an. General Geisler hatte vier Volltreffer verlangt. Sie landeten nicht weniger als sechs, drei weitere Bomben schlugen in geringer Entfernung neben der Bordwand ein. Eine Bombe schlug in einem Flakstand ein, drang ins Schiff und explodierte in Höhe der Wasserlinie. Eine zweite 500kg Bombe traf den Heckaufzug, die dritte explodierte im Hangar, eine weitere riss das achtere Flugdeck auf und explodierte im Schiffsinneren, die fünfte traf das vordere Flugdeck und detonierte im Farbmagazin. Die sechste Bombe schlug in der Brücke ein. Doch noch schwamm der Träger, machte sogar noch 17 Knoten Fahrt und es gelang ihn bis nach Malta zu manövrieren, wo er um 21.45 in ein Trockendock bugsiert werden konnte.13 Tage lang reparierte man den Träger, bis er am Abend des 23. Januars mit 25 Knoten nach Alexandria dampfte. Doch bis dahin bekam er einen weiteren Voll- sowie zwei weitere Nahtreffer ab. Nach seiner Ankunft in Ägypten wurde das Schiff für ein Jahr außer Dienst gestellt, und in Norfolk, USA, von Grund auf überholt.
 

Messerschmittt Bf 109
Den ganzen Februar und März hindurch bombardierten die Deutschen, geschützt von Bf 110 und erfahrenen Bf 109 E Piloten der Jagdgeschwader 26 und 27, die drei Flugplätze und den Hafen Valetta. Jedes mal, wenn es einem Konvoi gelang nach Malta durchzubrechen, bombardierten die Stukas voller Wut das Hafengelände; selbst erfahrene Flak Mannschaften und eine steigende Anzahl Hurricane Jäger konnten sie nicht daran hindern.
 

Short Sunderland Flugbooot
Trotz der Abreise der HMS Illustrious gab es keine Ruhe. Die Deutschen waren fest entschlossen, Malta zu neutralisieren und die Nachschubwege zu Rommels Afrika Korps zu sichern. Mitte März waren die Schäden an den drei Flugfeldern so groß, dass die Wellington- und Sunderland Verbände nach Ägypten zurückgezogen werden mussten. Dadurch kamen Maltas Angriffe auf Schiffsbewegungen der Achsenmächte zum erliegen. Nur ihre kleine Schar an Hurricane Jägern hielt weiter Stand, obwohl ihre Piloten zu erschöpft waren, die Stufen zu ihren Schlafplätzen zu erklimmen. Die ununterbrochenen Nachtangriffe trugen dazu bei, und es sollte noch bis April dauern, bis Verstärkungen in Form weiterer Hurricane zu ihnen stießen. Fünf Monate, nachdem der massive deutsche Angriff begann, endete er auch. Die deutschen Verbände wurden zunächst auf den Balkan verlegt, später ersetzten sie andere Geschwader, die an die russische Grenze geschickt wurden. Vorboten des Unternehmens Barbarossa.
 

Martin A-22 in Nordafrika
Angriffe gegen Malta wurden nun wieder von Italiens Luftwaffe, der Regia Aeronautica durchgeführt, was sofort wieder zur Offensivtätigkeit der Briten führte. Die Wellingtons und Sunderlands kehrten zurück, Blenheims der Bomber Command No. 2 Gruppe, die große Erfahrung in der Bekämpfung von Schiffen in der Nordsee vorweisen konnten, wurden nach Malta verlegt, um im Mittelmeer ihre Aufgabe fortzusetzen. Ein Geschwader Martin A-22 Maryland Aufklärer machte eine verbesserte Aufklärung möglich und mehr Jagdflugzeuge wurden zur Verteidigung der Flugplätze eingeflogen.
 

Kommandowechsel auf Malta

Malta
Zu diesem Zeitpunkt übergab Maynard seinen Posten an Air Vice-Marshal Hugh Lloyd. Maynards sechzehn Monate als Oberkommandierender waren ein Beispiel an Mut und Tatkraft und trotz aller Widerstände war es ihm gelungen, die Verteidigung der Insel zu stärken. Unter seiner Führung gelang es seiner handvoll Jäger 50 feindliche Flugzeuge abzuschießen und viele weitere zu beschädigen. Er war auch vorausschauend und ließ eine 1.200m lange Asphalt-Rollbahn für Bomber bei Luqa, im Zentrum der Insel bauen. Der Bau dieser Bahn war wirklich ein Triumph des Erfindungsreichtums, da der Bau über schwierigstes Terrain, wie Felsen, Steinbrüchen und Hügel hinweg ohne den Einsatz schwerer Baumaschinen, nur mit Hilfe einfacher Malteser Arbeiter mit Pferd und Karren bewerkstelligt werden konnte.
 

Martin A-22 Maryland
Flight Lieutenant Bloxam war ein Beispiel für die enorme wichtige Aufklärungsarbeit, die mit den Marylands von Malta aus verrichtet wurde. Diese Flugzeuge waren schnell und zuverlässig und waren prädestiniert für diese schwierige Aufgabe zwischen Tripolis, Neapel, Sardinien und Griechenland. Selbst als die Deutschen einen dauernden Patrouillendienst um Malta herum einrichteten, um diese Arbeit zu unterbinden, schafften sie es weiterhin, Luftaufklärung über dem Mittelmeer zu fliegen.
 

Schlacht bei Punto Stilo
Mitte April 1941 fand und beschattete Bloxam einen Achsen-Konvoi von fünf Dampfern, die von drei Zerstörern in der Nähe der Insel Pantellaria, nordwestlich von Malta, geschützt wurden. Aufgrund seiner Aufklärung wurde ein Zerstörerverband, geführt von Captain Lord Louis Mountbatten, zu dem Konvoi geleitet. Die deutschen Frachter Adana (4205 BRT), Aegina (2447 BRT), Arta (2452 BRT), Iserlohn (3704 BRT) und die italienische Sabaudia (1590 BRT) so wie den drei italienischen Zerstörern Baleno, Lampo und Tarigo wurden von der britischen Force K (Capt. Mack) mit den Zerstörern HMS Jervis, HMS Nubian, HMS Mohawk und HMS Janus versenkt. Ein paar Wochen später stieß Bloxam auf einen Konvoi in der Nähe von Tripolis; ein daraufhin befohlener Bombenangriff von Marylands aus Malta setzte mindestens einen 15. 000 Tonnen großen Truppentransporter in Brand.
 

Hawker Hurricane
Mit dem Abzug der Deutschen aus Sizilien im Mai 1941 reduzierte sich die Zahl feindlicher Angriffe signifikant. Es gab zwar weiterhin Nachtangriffe, aber die Tagesbombardierungen hielten sich in Grenzen. Nur selten gab es Bomben- oder Tieffliegerangriffe und Aufklärungsflüge. Die Hurricanes waren auf Augenhöhe mit den italienischen Macchi 200 Jägern, dem Standardjäger der Italiener und mit der Ankunft von ein paar Hurricane II stieg sogar der Respekt der Italiener.
 

Nachschub kommt an

Die Flugplätze auf Malta
In den nächsten Monaten gab es ein paar erwähnenswerte Entwicklungen. Am wichtigsten waren die Anstrengungen der Handelsmarine und die Arbeit der Crews auf den Begleitschiffen und Flugzeugen, denen es gelang mehrere Konvois nach Malta durch zu bringen und dadurch die Insel wieder ausreichend mit Lebensmitteln, Munition, Öl, Treibstoffen und anderen nützlichen Dingen zu versorgen. Zur gleichen Zeit gelang es Air Vice- Marshal Lloyd und seinem Bauteam mit Hilfe der Armee so wichtige Konstruktionen wie der neuer Flugplätze, Lagerraum, Radarstationen und Bunker zu vollenden. Die Bereitstellung von Abstellplätzen für Flugzeuge war ein großes Problem, da praktisch jeder Zentimeter der Insel für den Anbau von Ackerfrüchten genutzt werden musste. Man behalf sich mit der Nutzung der Verbindungsstrassen, insbesondere der zwischen Safi, der das Flugfeld von Luqa mit dem von Hal Far verband.
 

Italienischer Frachter sinkt
Währenddessen, die Italiener hielten sich vornehm zurück, schlug Malta vorzugsweise gegen feindliche Häfen und den Schiffsverkehr zurück. Diese Schläge waren derart erfolgreich, dass sich Großadmiral Raeder gezwungen sah, dem Führer Mitteilung zu machen, dass „deutscher Nachschub schwerwiegende Verluste an Schiffen, Material und Personal durch feindliche Luftangriffe und U-Bootangriffe zu verzeichnen hatte.“ Mussolini beklagte den Verlust von mehr als ¾ allen italienischen Nachschubs auf den üblichen Schifffahrtswegen. Heute ist bekannt, dass die Achsenmächte annährend 200.000 Tonnen an Nachschub zwischen dem 1. Juni und dem 31. Oktober 1941 durch alliierte Luft- und Marineoperationen verloren hatten. 94.000 Tonnen wurden durch Schiffe und U-Boote versenkt, 115.000 Tonnen durch die Royal Air Force, sowie durch den Fleet Air Arm, den Marinefliegern der Briten. 90 % dieser Versenkungen betrafen den Verkehr in Richtung Nordafrika und etwa ¾ davon fiel den Angriffen aus Malta zum Opfer. Diese Erfolge trugen offensichtlich dazu bei, dass Auchinleck Rommel durch überlegenen Nachschub in die Defensive drängen konnte und damit seine Operation „Crusader“, den Vormarsch der Alliierten bis Benghasi Ende 1941, zum Erfolg verhalf.
 

Wellington Bomber
Wellington Bomber, manche davon waren von Geschwadern in Ägypten abkommandiert, hielten den Druck Tag und Nacht aufrecht. Schiffe und Häfen, manche davon weit von Malta entfernt, wie zum Beispiel Neapel, Benghasi, Benina und Tarent, waren ihre Hauptziele. Doch als Auchuinleck seine „Crusader“ Offensive startete, griffen sie auch Flugplätze bei Berka in der Cyrenaika oder das Luftwaffen Depot von Castel Benito bei Tripolis an.In der zweiten Hälfte des Jahres 1941 flogen die Malteser Wellingtons mehr als 1.000 Einsätze.
 

Ein denkwürdiges Erlebnis

Blenheim wird gewartet
Während die Blenheims und Wellingtons so den Druck auf die Nachschubrouten aufrecht hielten, wurden die Sunderland mehr als Arbeitstiere für den Transport von Menschen und Material auf die Insel und für Aufklärung eingesetzt. Normalerweise waren dies Routineeinsätze, doch Ende Dezember hatten der neuseeländische Flight Lieutenant S. W. R. Hughes und seine Crew ein denkwürdiges Erlebnis. Kurz nach Mitternacht waren sie von Abukir in Ägypten gestartet, um Material nach Malta zu fliegen. Auch an Bord, diesmal als Passagiere, waren Pilot Officer Easton mit seiner Besatzung, deren Wellington Bomber in Nordafrika notgelandet war und die nun wieder auf dem Rückflug zu ihrem Heimatstützpunkt waren.
 

Messerschmitt Bf 110
Die Route der Sunderland verlief parallel zur Küstenlinie der Cyrenaika, als sie plötzlich etwa 90 km nordöstlich von Benghasi von zwei Me 110 angegriffen wurde. Das Gefecht dauerte nur kurz: eine der Messerschmitts wurde wahrscheinlich abgeschossen, die andere brach den Kampf ab; aber zwei der britischen Bordschützen waren verwundet, einer davon schwer, und ein Passagier getötet. Die beiden Motoren der rechten Tragfläche hatten den Geist aufgegeben und das Querruder war zerstört. Man konnte noch Land erkennen und die Maschine verlor rapide an Höhe. Flight Lieutenant Hughes gelang es dank seiner Erfahrung, die Maschine in den Wind zu drehen und eine sichere Notwasserung durchzuführen. Es herrschte zu dem Zeitpunkt eine schwere Dünung, so dass die Sunderland zweimal wieder in die Luft geschleudert wurde, bevor sie zur Ruhe kam. Der rechte Schwimmer war zwar zerstört, doch der Crew gelang es, das Flugboot schwimmfähig zu halten, in dem sie auf die linke Tragfläche kletterte und so ein kentern vermied. Auf diese Weise trieb sie ein starker Nordostwind mit dem Bug voran auf die Küste zu. Sie strandeten an einem Riff, wo sie zwei Stunden blieben, bis die Sunderland sich langsam in ihre Einzelteile auflöste. Der Verwundete wurden mit Morphium versorgt und von zwei Crewmitgliedern in dem einzigen Dinghi durch die Brandung gezogen. Nach und nach gelangen die übrigen 17 Mann paarweise an den Strand.
 

Flugzeugträger laüft in Malta ein
Gegen Mittag befanden sie sich an einem steinigen Strand etwa 160 km von Benghasi entfernt, als plötzlich italienische Soldaten hinter den Felsen auftauchten. Flight Lieutenant Hughes erhob sich, um mit seiner erschöpften Truppe zu kapitulieren, als er zu seinem Erstaunen sah, wie der erste der Italiener sein Gewehr über seinen Kopf hob, es ostentativ wegwarf und mit empor gestreckten Händen sich ergab. Kaum hatte man sich von dem Anblick der sich ergebenden Soldaten erholt, als eine weitere Gruppe von etwa 80 italienischen Soldaten sich näherte. Die waren jedoch nicht darauf erpicht sich gefangen nehmen zu lassen, sondern erklärten die Briten zu Gefangenen. Hughes, der noch eine Pflicht zu erfüllen hatte, schwamm unter dem Vorwand, für seinen verwundeten Bordschützen die Stiefel holen zu wollen, zum Flugboot zurück und warf einen 100 Pfund schweren Beutel mit Goldmünzen, die für Malta bestimmt waren, über Bord.
 

HMS Royal Sovereign
Anschließend wurde für den Schwerverwundeten mit den beiden Rudern des Dinghi eine Bahre gebaut und so begann in der einfallenden Dunkelheit der lange Marsch von Gefangenen und Italienern. Regen fiel vom Himmel und Blitze erhellten die Dunkelheit. Als die Nacht hereinbrach, schlug man ein Lager auf. Doch es gab keine Decken, kein Wasser oder Rationen; die Italiener erlaubten auch kein Feuer, da sie arabische Scharfschützen fürchteten. Am nächsten Morgen wollte man wieder aufbrechen, als plötzlich 20 italienische Offiziere hinter Büschen auftauchten. Sie erklärten den Briten, dass die Deutschen ihnen ihre Fahrzeuge requiriert und ihnen empfohlen hatten, sicheres Gelände aufzusuchen. Diese Offiziere boten nun an, den Briten zu helfen, wenn diese im Gegenzug ihnen zu einer guten Behandlung verhelfen würden, falls man in britische Gefangenschaft geriete. Doch damit nicht genug. Wenig später ergab sich ein italienischer Major mit 100 seiner Soldaten. Dieser Major, etwa Mitte vierzig, tief gebräunt und mit faltigem Gesicht war eine beeindruckende Erscheinung. Er trug eine Peitsche, eine neunschwänzige Katze, an seinem Gürtel, des Weiteren einen Fly-Whisk, einen Fliegenschutz, wie ihn Reiter verwendeten. Dass der nicht für Pferde gedacht war, wurde später den Briten klar, als einer von ihnen entrüstet erklärte, dass ein italienischer Soldat die Stiefel des Verwundeten gestohlen hätte. Der Dieb wurde vor seinen Kameraden von dem Major eben mit diesem Gegenstand gezüchtigt. Im Laufe des Tages verstarb der Bordschütze und der Major organisierte seine Beerdigung mit militärischen Ehren.
 

Flugzeugträger HMS Argus
Im Laufe des Tages erreichte die Gruppe das Senussi Dorf El Hania. Dort bekamen sie Makkaroni und Kaffee; drei Eier wurden gegen eine Armbanduhr und eine zwei Shilling Münze getauscht, ein Beutel Datteln für ein ägyptisches Pfund gekauft. Der Major schlug vor, nach Benghasi zu marschieren. Doch man wusste nicht, ob die Stadt in italienischer oder britischer Hand war und wettete darauf. Der Italiener entschied mit seinen Männern dorthin zu marschieren und überließ den Engländern zu ihrem Schutz einige Gewehre. Nachdem die Italiener verschwunden waren, versorgten die Senussi die Briten mit Verpflegung und schickten einen Boten zu den sich nähernden britischen Linien. Hughes und sein Trupp entschied nun eine indische Einheit zu suchen, die laut den Senussi in nur 25 km Entfernung operieren sollten.
 

Macchi C 200
Das Ende dieser Odyssee ist ebenfalls erwähnenswert, denn nach einer Stunde überholten sie einige der Männer des italienischen Majors. Einer von ihnen rannte auf sie zu, zog sein Bajonett, lehnte es gegen einen Felsen, und sprang darauf, bis es zerbrach. Noch 24 weitere Italiener warfen ihre Gewehre weg und schlossen sich freudig der Prozession an. Noch viermal geschah solch eine Übergabe und nach drei Stunden war die Gruppe auf 150 Männer angewachsen. Die britischen Linien wurden schnell erreicht, da sich die 8. Armee anschickte, Benghasi Weihnachten zu nehmen und Flight Lieutenant Hughes konnte seine Gefangenen übegeben.
 

Luftflotte 2 im Mittelmeer

Generalfeldmarschall Kesselring
Maltas Offensive gegen die Nachschublinien der Deutschen und Italiener war so erfolgreich, dass Hitler gezwungen war, dagegen etwas zu unternehmen. Daher befahl er im November 1941 Feldmarschall Kesselring, die Luftflotte 2 in den Mittelmeerraum zu verlegen, um „Malta niederzuwerfen, die Luftüberlegenheit zu gewinnen und für sichere Schifffahrtslinien nach Nordafrika“ zu sorgen. Kesselring verlor keine Zeit und bis Mitte Dezember hatte er 250 Bomber und Aufklärer, sowie 200 Jäger in Sizilien versammelt. Gegen sie konnte Air Vice-Marshal Lloyd nur 60 Bomber und 70 Jäger stemmen, davon die meisten Hurricanes, die den modernisierten Bf 109 unterlegen waren. Es sollten noch drei weitere Monate vergehen, bis das Fighter Command endlich 15 brandneue Spitfire, die Besten der damaligen Jäger, zur Verstärkung schickte.
 

Deutscher Luftangriff auf Flugfeld von Luqa
Nun stand Malta der Härtetest bevor. Er begann in der letzten Dezemberwoche, als mehr als 200 Flugzeuge die Insel attackierten. Kesselrings Hauptziel war klar die RAF, da sich die Angriffe auf die Jagdfliegerplätze Hal Far und Takali, den Bomberstützpunkt bei und die Flugboot Basis bei Kalafrana konzentrierte. Zunächst konnten die Hurricanes, obwohl technisch unterlegen, einige der Bomberformationen aufbrechen und damit den Schaden begrenzen. Aber in den ersten Januartagen 1942 verschärften sich die Angriffe und die Verteidigung wurde für die Hurricane Jäger zu einer mühsamen Angelegenheit. Zu guter letzt verschlimmerte sich auch noch das Wetter und heftiger Regen setzte die Jägerplätze derart unter Wasser, dass sie auf den Bomberplatz Luqa ausweichen mussten. Und dennoch schlug Malta zurück. Bei einem Blenheim Angriff auf den Flugplatz Castelvetrano zerstörten die britischen Maschinen 11 und beschädigten weitere 28 schwerer Transportflugzeuge, die die Deutschen dort zusammengezogen hatten. Darauf folgte ein Nachtangriff der Wellingtons, die weitere 16 Maschinen zerstörten und das Treibstofflager in Brand setzten. Aber als sich die deutsche Offensive steigerte, so verringerten sich auch die britischen Angriffe, die im Februar sich auf 60 Einsätze und ein versenktes Schiff reduzierten.
 

Valetta während eines Luftangriffes
Im März verging nur ein Tag ohne Sirenengeheul und mehr als 2.000 Tonnen Bomben fielen auf Malta. Der Hafen und die Flugplätze wurden erheblich verwüstet, die britischen Bodentruppen und Pioniere arbeiteten verbissen daran, die zerbombten Startbahnen wieder in Stand zu setzen, Splitterboxen für die Flugzeuge zu bauen, Schutt zu entfernen und Flugzeuge zu warten. Der Flak gelang es 60 deutsche Flugzeuge abzuschießen. Doch trotz aller Anstrengungen schien es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Widerstand erlöschen musste.
 

Spitfire
Die Ankunft der ersten Spitfires weckte neue Hoffnungen, doch trotz allen Mutes der Piloten konnten sie doch keine Wunder vollbringen. Dazu kam das Problem der Wartung und Ersatzteilen, da die Spitfire über komplett anderes Material verfügte als die Hurricane. So wurde es immer schwieriger, sie zu warten und in die Luft zu bekommen. Ende März standen Lloyd gerade noch neun Spitfires und vier Hurricanes zur Verfügung und zu allem Unglück schwand auch der Munitionsvorrat der Flak bedenklich. Nahrungsmittel, Treibstoff und andere Güter wurden Mangelware. Ein Konvoi im Februar kam nicht durch und im März wurden die drei Frachter, die es bis in den Hafen von Malta geschafft hatten, an ihren Liegeplätzen versenkt, bevor ihre Ladung gelöscht werden konnte.
 

Nebelwand wird gegen Luftangriff gelegt
Der April entwickelte sich zum schrecklichsten Monat des Krieges. In diesem Monat warfen die Deutschen Verbände 6.728 Tonnen Bomben auf Malta ab; eine riesige Menge, wenn man diese Menge mit den 186 Tonnen vergleicht, die die deutsche Luftwaffe zum Höhepunkt des „Blitzes“ 1940 auf Coventry abwarf. Die meisten Bomben waren gegen wenige Quadratkilometer an der westlichen Spitze der Insel gerichtet, wo sich die wichtigsten Flugplätze und der Hafen von Valetta befanden. Bald waren die Flugplätze eine Wüste von Kratern, der Hafen mit seinen Vierteln zerbombt und die Stadt selbst ein Trümmerhaufen geworden. Am Höhepunkt der Angriffe, dem 20. April, flogen 47 Spitfire vom U.S. Träger USS Wasp nach Malta. Doch die Hoffnungen, die sie weckten, zerstoben, als die Deutschen 20 Minuten nach der Landung in Takali den Platz mit einer Serie von Bombardements angriffen. Am nächsten Morgen waren davon nur noch 27 Maschinen einsatzbereit, am Abend verringerte sich die Zahl auf 17. Am Ende des Monats hatte Lloyd noch sieben einsatzbereite Spitfires und „es war eine Titanenaufgabe, diese Zahl aufrecht zu halten. “Mehr als 100 Jäger waren Reparaturbedürftig und dienten teilweise selbst als Ersatzteillager. Teile wurden schneller verbraucht, als sie per Luftfracht eingeflogen werden konnten.
 

Beunruhigende Nachrichten

Operation Herkules
Gegen Ende April brachten Aufklärer beunruhigende Nachrichten aus Sizilien. Ihre Luftaufnahmen zeigten deutlich, dass die Deutschen Landebahnen für Segelfluggespanne anlegten und parallel dazu Eisenbahngleise verlegten. Die Achsenmächte waren, was man auf Malta natürlich nicht wusste, mit ihren Vorbereitungen für das Unternehmen Herkules, der Eroberung Maltas aus der Luft, weit vorangekommen.
 

General Kurt Student
Operation Herkules war der Deckname für ein Luftlandeunternehmen, das unter dem Kommando von General Student und zwei Fallschirmjägerdivisionen, darunter die italienische 2. Fallschirmdivision, Malta erobern sollte. Der Plan wurde bei einem Treffen Hitlers mit Mussolini am 29./30. April 1942 verabschiedet.
 

Deutsche Bomber aufg einem italienischen Flugfeld
Die Vorbereitungen dafür waren beachtlich. 35 km westlich des Vesuv wurden drei Pisten für Lastensegler errichtet. Mehr als 1.000 Lastensegler und andere Flugzeuge sollten die Landung bewerkstelligen und zwei Divisionen, eine deutsche und eine italienische, auf der südlichen Seite der Insel absetzen. Ihre Aufgabe war es, die Höhen hinter Valetta zu besetzen und anschließend die Flugplätze zu erstürmen und zu halten, bis die Truppentransporter der Achsenmächte mit schwerem Gerät dort eintrafen. Ein Angriff bei Marsa Scirocco stand auch als Ablenkung zur Diskussion, damit die Hauptlandung durch die italienische Marine und ihrer zwei bis drei Divisionen südlich von Valetta stattfinden konnte.
 

Operation Herkules wird geprobt

Stuka wird auf nächsten Einsatz vorbereitet
Nach dem ersten Ansturm sollten 70.000 italienische Soldaten an zwei Punkten landen, um sich dann mit den Luftlandetruppen zu vereinigen. Eine ganze Reihe geheimer Operationen der Achsenmächte sollten ebenfalls stattfinden, um Schlüsselstellungen der Briten vor den Luftlandungen zu zerstören. Die Regia Marina (Italienische Marine) sollte den dazu nötigen Feuerschutz bereitstellen. Die Gesamtoperation sollte fünf mal so groß werden, wie die Luftlandeoperation auf Kreta. Ein Termin war für Juli 1942 festgesetzt worden, der jedoch nie in die Tat umgesetzt werden sollte. Inzwischen hatte Hitler „Herkules“ abgeblasen, da aufgrund der Erfolge Rommels (21. Juni 1942 Einnahme Tobruks) der Sieg in Nord-Afrika auch ohne die riskante Operation für möglich gehalten wurde. Kesselring beschwor Hitler Malta einzunehmen, doch Göring und Rommel befürworteten Hitlers Rückzug, da sie glaubten, die möglichen Verluste würden ähnlich wie bei Kreta untragbar sein.
 

Britische Aufklärer haben einen italienischen Konvoy aufgespürt
Aber die Invasion war nicht das einzige, das Malta bedrohte. Sämtliche Vorräte waren auf einem alarmierenden Tiefststand angelangt. Die Februar und März Konvois fielen den deutschen Flugzeugen zum Opfer, kein einziger Konvoi stach im April in See und die Aussichten, dass der Mai eine Verbesserung bringen würde, waren negativ. Malta existierte nun ausschließlich auf der Versorgung durch U-Boote, Flugzeugen, oder schnellen Minenlegern. Lloyd schrieb über diese Tage: „Die Bedingungen haben sich extrem verschlechtert. Die schlechte Qualität der Nahrungsmittel fiel zunächst nicht auf, doch das änderte sich rasch. Im März war noch alles Okay, doch bereits im April mussten wir zwei Löcher mehr in unseren Gürtel stanzen, zu dem sich ein weiteres Loch im Mai gesellte. Unser Essen bestand aus eineinhalb Scheiben Brot mit Marmelade zum Frühstück, Büchsenfleisch und einer Scheibe Brot zum Mittagessen und Büchsenfleisch ohne Brot zum Abendessen. Es gab Zucker, aber Margarine nur alle zwei oder drei Tage; selbst Trinkwasser, Heizung und Licht waren rationiert. Alles andere, was wir für selbstverständlich hielten, gab es nicht mehr. Um Bier zu brauen brauchte man Kohle, aber auch die war seit Monaten nicht mehr vorhanden. Offiziere und Mannschaften schliefen in Steinbrüchen, Bunkern oder Höhlen. 300 Mann verbrachten die Nacht Seite an Seite wie Sardinen in einem unterirdischen Schlafsaal, zweihundert Mann in einem Tunnel. Es gab keinen Komfort, keine Wärme. Schon bald benötigten wir hunderte Tonnen an Munition, Öl….”
 

Malteser Flak
Währendessen machte die Luftwaffe immer größere Anstrengungen. Die Jäger der RAF waren hoffnungslos unterlegen, oft in einem Verhältnis 10: 1. “Wir kämpften gegen Windmühlen und zogen meist den kürzeren,” schrieb einer der Spitfire Piloten. „Wir spürten nicht nur wie der Kampf an unseren Nerven zerrte, sondern auch die Lebensumstände auf Malta zollten ihren Tribut. Unser Sperrfeuer fiel auch in sich zusammen. Die Kanoniere waren todmüde und die Rohre ausgeleiert. Wir mussten mit immer weniger Schlaf auskommen, da die feindlichen Bomber in immer größerer Zahl kamen, sobald das Mondlicht es erlaubte. Sie kämpften immer verbissener und kamen immer tiefer. Es gab gar nicht genügend Nachtjäger, um sie zu bekämpfen. Je länger die Tage andauerten, desto länger dauerte unser Dienst und desto weniger Schlaf konnten wir finden. Wir wurden gereizt und aufs äußerste gespannt.“
 

Fracht wird ausgeladen
Die Zivilbevölkerung zeigte ebenso Zeichen der Erschöpfung. Die Malteser sahen gealtert, hagerer und nervöser aus. Valetta fiel immer mehr in sich zusammen, die Hälfte aller Strassen war mit Schutt versperrt und Möbel und andere Gegenstände hingen zum Teil aus den Fluren und Zimmern. Praktisch alle Zivilisten lebten in Höhlen oder unterirdischen Räumen. Die Verteilung der Nahrungsmittel wurde immer problematischer und öffentliche Verpflegungszentren mussten eingerichtet werden.
 

Operation Barbarossa rettet Malta

Die zerstörte Oper
Als der Mai kam, war der Zustand Maltas kurz vor dem Zusammenbruch. Es sah fast so aus, als ob man nicht in einem letzten großen Kampf gegen die Invasoren fallen würde, sondern einfach kapitulieren musste, da es den Kanonen an Granaten, den Flugzeugen an Treibstoff, den Verteidigern an Essen mangelte. Es war nur die „dunkelste Stunde vor dem Sonnenaufgang“ und in wenigen Wochen sollte sich das Blatt wenden.
 

Erwin Rommel bei der 15. Panzerdivision
Merkwürdigerweise war es der Feind, der als erstes den Druck verringerte. Das Unternehmen Barbarossa, der Angriff auf Russland, verschlang Deutschlands Ressourcen. Hitler fürchtete wegen der heftigen Bombardements Repressalien seitens des britischen Bomber Commands und da er glaubte, dass die Insel am Ende wäre und Rommel genug Nachschub bekäme, zog er die Masse der Bomber aus Sizilien ab. Sie wurden entweder nach Russland, Frankreich oder in die Cyrenaika verlegt, wo sie Rommels neue Offensive unterstützen sollten. Die Deutschen kalkulierten, dass wenn die Italiener den Druck mit ihren Bombern auf Sizilien aufrecht erhielten, Malta neutralisiert wäre. Schließlich stand ja immer noch der Termin der Operation Herkules für Mitte Juli auf dem Kalender. Die Italiener hingegen waren nicht so sicher, denn sie erinnerten sich noch zu gut an die Zeit, als die deutschen Bomber das erste Mal abgezogen wurden.
 

USS Wasp
Unterdessen begann das Unternehmen “Bowery”. Die alliierte Force W unter Commodore Daniell mit den Schlachtkreuzern HMS Renown, dem Träger USS Wasp, dem Kreuzer HMS Charybdis, den Zerstörern HMS Echo und HMS Intrepidas, sowie den Zerstörern USS Lang und USS Sterett verließ Scapa Flow am 3. Mai. In der Nacht vom 8. Mai vereinigt sich diese Flotte mit einer britischen Task Force aus Gibraltar, die aus dem Träger HMS Eagle, den Zerstörern HMS Partridge, HMS Ithuriel, HMS Antelope, HMS Wishart, HMS Wrestler, HMS Westcott, HMS Vidette, HMS Georgetown und HMS Salisbury bestand. Am 9. Mai, bei zwei Starts, verließen je 47 und 17 Spitfire die Träger. Alle außer drei Flugzeugen landeten sicher auf Malta.
 

Spitfires für Malta

Augenzeuge John W. Birch war Teil dieser Mission: „Im April 1942 war ich Fähnrich auf dem Flugzeugträger USS Wasp, der vor Englands Küste kreuzte, als wir den Befehl bekamen, britische Spitfire Jagdflugzeuge nach Malta zu bringen. Zu dieser Zeit beherrschte die deutsche Luftwaffe den Himmel über Europa und die Flugzeuge wurden dringend in Malta benötigt.
 

Als wir in den Firth of Clyde in Schottland einfuhren, um die Spitfires im King George Dock in Glasgow abzuholen, empfing uns eine große Menge, die uns zurief „die Yankees kommen, die Yankees sind hier;“ das war ein toller Empfang für uns. Nachdem wir am 13. April die 47 Flugzeuge geladen hatten, liefen wir mit 25 Knoten in den Atlantik aus; umringt von einer Reihe Zerstörern. Auf dem Weg nach Gibraltar schützten uns neben den Zerstörern auch Kreuzer vor U-Booten.
 

Britische Spitfire startet von der USS Wasp
Bei Gibraltar schlossen sich uns weitere britische Zerstörer an, die wie Kreuzer mit Flak gespickt waren, und nahmen Kurs auf Malta. Nachdem wir uns siegesgewiss bis auf 220 km der Insel genähert hatten, starteten die Spitfires vom Deck der Wasp. Es wäre zu risikoreich gewesen, wenn wir sie direkt nach Malta gebracht hätten.
 

Tragischerweise warteten schon die Deutschen auf unsere Maschinen. Wir hörten später, dass der deutsche Geheimdienst von unserer Mission Wind bekommen hatte und dementsprechend ein Empfangskommando bereitgestellt hatte. Mindestens 30 – 35 der anfliegenden Spitfires wurden entweder in der Luft oder am Boden zerstört. Unsere Mission schien gescheitert. Wirklich?
 

Roosevelt und Chruchill auf der Prince of Wales
Während des Rückmarsches kontaktierte Englands Premier Winston Churchill President Franklin D. Roosevelt und bat ihn erneut um eine “Taxifahrt” der Wasp nach Malta. Roosevelt stimmte sofort zu. Vielleicht würde es uns nun gelingen…








 

USS Wasp
Der Kalender zeigte nun den Monat Mai, als wir nach Schottland zurückkehrten, um eine neue Ladung Jäger an Bord zu nehmen. Bei unserem zweiten Anlauf bekamen wir Order, direkt ins Mittelmeer zu laufen. Doch auf halber Strecke erhielten wir Befehl zum Rückzug, da “fünf oder sechs unidentifizierte Objekte mit Kurs West” (in unser Richtung) liefen. Es schien sich um ein U-Boot Wolfsrudel zu halten.
 

Sofort änderten wir unseren Kurs und fuhren in Richtung Atlantik, wobei wir einen großen, südlichen Bogen schlugen, um so der Gefahr zu entrinnen; so hofften wir zumindest. Nach einer nervenaufreibenden Nacht an Bord erreichten wir am nächsten Tag, den 9. Mai, ohne Zwischenfall den Marinehafen von Gibraltar. Britische Zerstörer hatten aufgeklärt und nun waren wir sicher, dass wir unsere Mission erfolgreich beenden würden.Wir hatten von unseren Fehlern beim ersten Trip gelernt und hatten Zusatztanks unter die Spitfires montiert, sodass sie genug Treibstoff für den Hinflug und, falls nötig, genug Sprit in den Flügeltanks hätten, um etwaige Angreifer sofort angreifen zu können. Und das war genau, was geschah. Doch diesmal verlief alles nach Plan. In dem Moment, als die Spitfire Piloten die Deutschen sahen, warfen sie die Zusatztanks ab und stürzten sich in den Luftkampf. Den erfahrenen RAF Piloten gelang es, die Deutschen zu vertreiben. Jetzt, als die Spitfires sicher auf dem Boden gelandet waren, wendete die Wasp und lief mit Höchstfahrt wieder Richtung England. Die gesamte Besatzung war unheimlich stolz auf das Erreichte. Die erfolgreiche Lieferung bedeutete einen wichtigen Faktor in der Bekämpfung der Nachschublinien nach Nordafrika.
 

Winston Churchill
Auf dem Wege nach England erhielten wir am 11. Mai ein Telegramm von Churchill, in dem stand: wer sagte, eine Wespe könne nicht zweimal stechen? Herzlichen Dank, Churchill.
Das war ein typisches Churchill Telegramm, kurz, elegant und eloquent und der Effekt für die Moral der Wasp Crew war gewaltig. Das ganze Schiff eruptierte!
 

Ich habe immer Churchill als einen großen Staatsmann und Führer geachtet und zu diesem Zeitpunkt kannte meine Bewunderung für ihn keine Grenzen. Diese Meldung bleibt für immer meine liebste Erinnerung an die Zeit auf der USS Wasp.“
 

Die Wasp wurde schließlich von dem japanischen U-Boot I-19 im September 1942 bei Guadalcanal versenkt
(Anmerkung: Im April 1942 diente John W. (Jack) Birch als Fähnrich an Bord der USS Wasp, ein State-of-the-Art Flugzeugträger, dessen Top Spee bei 30 Knoten lag und dessen Bau acht Jahre lang dauerte. Er diente auf dem Schiff vom Labour Day (Tag der Arbeit) 1941, bis zu seiner Versenkung durch Japaner im Pazifik am 15. September 1942. Er schied aus der U.S. Naval Reserve am 1. September 1974 im Rang eines Commanders aus.)
 

HMS Eagle
Anfang Juni wurde die Operation “Style” gestartet. Die Britische Force H mit dem Träger HMS Eagle, dem Kreuzer HMS Charybdis und den Zerstörern HMS Ithuriel, HMSAntelope, HMS Wishart, HMS Wrestler und HMS Westcott verließen Gibraltar am 2. Juni. Am nächsten Tag starteten vom Deck des Träger 31 Spitfires, von denen es 27 bis nach Malta schafften. Am 4. Juni kehrte die Force H nach Gibraltar zurück. Die italienischen U-Boote Brin and Malachite, die in der Nähe operierten, konnten keinen Kontakt herstellen.
 

HMS Chrybdis 1941
Am 9. Juni nahm der Träger HMS Eagle, zusammen mit den Kreuzern HMS Cairo und HMS Charybdis, sowie den Zerstörern HMS Partridge, HMS Ithuriel, HMS Antelope, HMS Wishart, HMS Wrestler und HMS Westcott Kurs auf einen Punkt südlich der Balearen. 32 Spitfires starteten und kamen sicher in Malta an.
 

Beaufighter auf Malta
Mit der Ankunft der Jäger änderte sich das Schicksal Maltas leicht. Feindliche Bomber und Jäger tauchten zwar noch immer regelmäßig auf, doch war ihre Zahl nicht mehr so hoch und der eigene Jagdschutz machte sich nun positiv bemerkbar. Man konnte auch wieder zur Offensive übergehen. Wellington Bomber griffen erfolgreich an und Beaufighter Torpedobomber wurden nach Malta verlegt. Auch die Maryland Aufklärer waren in der Luft, eine Aufgabe, die sie selbst während der Zeit der schlimmsten Angriffe nicht ruhen ließ.
 

U-Boot der 10. Flotille bei Lazaretto
So konnte Malta weiterexistieren und soweit es ihre Kräfte zuließen, auch wieder zuschlagen. Doch die Lage war immer noch ernst und die Tatsache, dass Rommel in Richtung Alexandria vorstieß, konnte es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis die Insel wieder isoliert und reif zur Invasion war. Und das war immer noch die Absicht der Achsenmächte.
 

Warten auf die Invasion

Marine Flakschif San Giorgio vor Trobruk
Im Hochsommer 1942 erwartete man die Invasion täglich. Doch die Aktivitäten der Achsenmächte wurde bereits von den Operationen in Nordafrika diktiert und gegen Ende Juni, als Rommel nach schnellem Vormarsch Tobruk eingenommen hatte, beschlossen Deutschland und Italien Operation Herkules sterben zu lassen. Mit weit reichenden Folgen.
 

Erwin Rommel in Afrika
Der eigentliche Plan sah vor, dass Rommel an der ägyptischen Grenze pausieren, währenddessen Malta erobert werden sollte. Doch Rommel wollte die Gunst der Stunde nutzen und direkt auf Alexandria vorstoßen. Hitler unterstützte seine Denkweise und Mussolini, der zunächst wegen Maltas „aktiver Wiederauferstehung“ erobert sehen wollte, schloss sich der Meinung von Hitler und Rommel an und meinte, „die historische Stunde zur Eroberung Ägyptens wäre gekommen und müsse sofort ausgenutzt werden.“ Daher wurde die Operation Herkules abgesagt und Kesselring aufgefordert, Malta niederzuhalten, um den Nachschub für Rommel nicht zu gefährden. Kesselring war alarmiert und bestand auf der Eroberung der Insel und wies auf die Gefahren von „Rommels tollkühnem Unternehmen“ hin. Doch Rommel setzte sich durch.
 

Deutsche Luftaufnahme von Valetta
So kam es, dass Malta zwar in den frühen Tagen des Juli 1942 eine Invasion erspart blieb, doch die heftigen Bombenangriffe dauerten an. Kesselring hatte nun 500 Bomber und Jäger unters seinem Kommando, und in den erstenb 14 Tagen im Juli flogen sie mehr als 1.000 Einsätze gegen Malta. Wieder waren die Flugplatzeinrichtungen das Hauptziel, doch diesmal war die Flak gerüstet und Spitfire Jäger holten sich ihre Beute am Tag, die Beaufighter Nachtjäger ihre Opfer in der Dunkelheit. Am Höhepunkt der Schlacht verloren die Deutschen binnen einer Stunde sechs Maschinen und beschädigten weitere neun. An diesem Tag hörte man einen Ruf des deutschen Seenotfunks ab, der einem Jäger meldete, er solle „nach einem abgestürzten Bomber im Meer Ausschau halten.“ Der Jägerpilot meldete sich daraufhin: „welchen Bomber?“
 

Hafen von Valetta
Bis zum 14. Juli hatte Kesselring 44 Maschinen verloren, darunter 33 Bomber. Die Malteser verloren dagegen 39 Flugzeuge, wobei dank des Einsatzes de Malteser Seenotdienstes 26 Piloten aus dem Meer geborgen werden konnten. Mitte Juli begann sich der deutsche Angriff abzuschwächen.
 

Air Vice Marshal Sir Keith Park mit einer Bomberbesatzung
Zu diesem Zeitpunkt übernahm Air Vice-Marshal Park das Kommando über die Luftverteidigung. Er hatte eine enorme Erfahrung während der Battle of Britain 1940 gewonnen, die er nun sofort in sein Konzept der Vorwärtsverteidigung einarbeitete. Anfänglich waren die Hurricane Piloten wegen der geringen Steigleistung ihrer Maschinen gezwungen, bei der Meldung feindlicher Einflüge zunächst auf Südkurs zu gehen, um ungestört Höhe gewinnen zu können, bevor sie sich dann auf den Feind stürzten. Doch Park war überzeugt, dass mit der neuen Spitfire „der Tag gekommen war, den Tagesbombardierungen unserer Flugfelder ein Ende zu bereiten.“ Daher befahl er seinen Piloten, beim Anflug auf den Feind Höhe zu gewinnen, um so den Feind nicht über, sondern nördlich der Insel abzufangen. Dieses Konzept war von Anfang an ein Erfolg und zusätzlich zu den steigenden Abschusszahlen stieg die Zufriedenheit der Einwohner wegen der nachlassenden Bombardierungen. Zuletzt übernahmen die Deutschen die Taktik, die sie in den letzten Wochen der Schlacht um England angewendet hatte: Jagd- und Jagdbombereinflüge in großer Höhe, die die Verteidigung in Atem hielt, aber ansonsten wenig anrichtet.
 

Versorgung Maltas gefährdet

Valetta Hafen
Aber um die Offensive aufrecht zu halten und Maltas junge Luftüberlegenheit zu behalten, war es dringend erforderlich, die Treibstoffreserven der Insel drastisch zu erhöhen. Darüber hinaus war die Insel, trotz Lieferungen per U-Boot und Flugzeug, wieder einmal gefährlich unterversorgt mit Nahrungsmitteln. Essen war generell knapp und Brot streng rationiert. Also begab sich ein weiterer Konvoi im August von Gibraltar auf die gefährliche Reise nach Malta. Diesmal konnte man von Malta aus Luftunterstützung garantieren, doch bis der Konvoi in die Reichweite der Malteser Jäger kam, wurde er bereits Opfer der Bomber aus Sardinien und Sizilien.
 

Deckungsgruppe mit Flugzeugträgern der Operation Pedestal
Das Oberkommando der Achsenmächte war über das Unternehmen „Pedestal” informiert und hatte Vorbereitungen getroffen, ihn zu vernichten. Zwischen Algiers und den Balearen hatte „Supermarine“ die italienischen U-Boote Brin, Dagabur, Giada, Uarsciek, Volframio und die deutschen Boote U 73 und U 331 positioniert. Nördlich von Tunis und nicht weit entfernt vom Kap Bon stand eine weitere U-Boot Gruppe mit den italienischen Booten Granito, Emo, Otaria, Dandolo, Avorio, Cobalto, Alagi, Ascianghi, Axum, Bronzo, Dessié und westlich von Malta die Asteria. Der britische Konvoi WS.21 mit 13 Frachtern und einem Tanker, geschützt von Rear Admiral Burroughs Kreuzern HMS Nigeria, HMS Kenya, HMS Manchester, HMS Cairo, und den Zerstörern HMS Ashanti, HMS Intrepid, HMS Icarus, HMS Foresight, HMS Fury, HMS Pathfinder, HMS Penn, HMS Derwent, HMS Bramham, HMS Bicester und HMS Ledbury passierten die Strasse von Gibraltar zusammen mit der Deckungsgruppe unter Vice Admiral Syfret und den Schlachtschiffen HMS Nelson, HMS Rodney, den Trägern HMS Victorious (Rear Admiral Lyster), HMS Indomitable, HMS Eagle, HMS Furious, den Kreuzern HMS Phoebe, HMS Sirius, HMS Charybdis und den Zerstörern HMS Laforey, HMS Lightning, HMS Lookout, HMS Quentin, HMS Eskimo, HMS Tartar, HMS Ithuriel, HMS Antelope, HMS Wishart, HMS Vansittart, HMS Westcott, HMS Wrestler, HMS Zetland und HMS Wilton.
 

Operation Pedestal rollt an

HMS Eagle sinkt
Am 8. August entdeckte die deutsch-italienische Aufklärungsgruppe diese Schiffsansammlungen. 37 Spitfires starteten vom Deck der HMS Furious in Richtung Malta. Anschließend traf sich die Furious mit den Reservezerstörern HMS Keppel, HMS Malcolm, HMS Venomous, HMS Wolverine und HMS Wrestler und kehrte nach Gibraltar zurück. U 73 unter Kapitänleutnant Rosenbaum versenkte mit vier Torpedos den Träger HMS Eagle (Captain L.D. Mackintosh). Mit ihr gingen 260 ihrer Crew unter.
 

HMS Nigeria
Am nächsten Tag griff das italienische U-Boot Dagabur (Lieutenant Commander Pecori) den Träger Furious an, wurde dabei aber vom Zerstörer HMS Wolverine (Lieutenant Commander Gretton) gerammt und sank. Das italienische U-Boot Giada (Kptlt. Cavallina) wurde von den Sunderlands “TK7R” and “TK7C” bombardiert und beschädigt. Wenig später griffen 19 Ju 88 des II. Fliegerkorps an, von denen aber acht durch Sea-Hurricanes der Träger abgeschossen wurden. Gegen Mittag flogen 51 italienische Bomber und zehn Torpedobomber an, wenig später gefolgt von einer weiteren Attacke durch 37 Ju 88, die Begleitschutz durch italienische Jäger erhielten. Zwei italienische Reggiane 2001 Sturzkampfflugzeuge griffen den Träger Victorious mit panzerbrechenden Bomben an, die aber alle von dem Stahldeck abprallten. Nachmittags feuerte das italienische U-Boot Emo vier Torpedos auf den Zerstörer Lookout und das italienische U-Boot Cobalto wurde vom Zerstörer Ithuriel gerammt. Am Spätnachmittag griffen 29 Ju 87 des I./StG.3 (Hauptmann Mossdorf) den Träger Indomitable an und trafen ihn dreimal, die sämtliche Flugaktivitäten des Flugzeugträgers stoppten. Vier der deutschen Angreifer kehrten nicht zu ihrem Stützpunkt zurück. Am Abend gingen die U-Boot Angriffe weiter und die italienischen Boote Dessié und Axum trafen jeweils mit einem Torpedo die Kreuzer Nigeria und Cairo, sowie den Tanker Ohio. Der Kreuzer Cairo musste aufgegeben werden, die Nigeria kehrte mit Hilfe der Zerstörer Bicester, Wilton und Derwent nach Gibraltar zurück. Nicht viel später gelang es 30 Ju 88 die Empire Hope (12.688 BRT) und Glenorchy (8982 BRT) zu versenken. Das italienische U-Boot Alagi (Lieutenant Commander Puccini) feuerte Torpedos auf den Kreuzer Kenya und den Frachter Clan Ferguson. Beide Schiffe wurden schwer beschädigt, schwammen aber noch. Kurz vor Mitternacht gelang es der Bronzo (Lieutenant Commander Buldrini) das Wrack der Empire Hope zu versenken.
 

Die Dorset im Bombenhagel
Auch die italienischen Schnellboote erwiesen sich als effektive Waffe. Am nächsten Tag gelang es innerhalb von nur vier Stunden den Schnellbooten Ms 16 (Lieutenant Commander Manuti) und Ms 22 (Lieutenant Mezzadra) den Kreuzer Manchester zu treffen, der aufgegeben werden musste, versenkte Ms 31 (Lieutenant Commander Calvani) die Glenorchy, MAS 554 (Leutnant Calcagno) und MAS 557 (Leutnant Cafiero), sowie die deutschen Schnellboote S 30 (Oberleutnant Weber) und S 36 (Oberleutnant Brauns) die Frachter Rochester Castle, Santa Elisa (8379 BRT), Almeria Lykes (7773 BRT) und Wairangi (12.436 BRT). Doch noch war das Ende des Massakers nicht in Sicht. 12 Ju 88 schickten den Transporter Waimarama (12.843 BRT) auf den Grund des Mittelmeeres, trafen acht italienische Ju 87 die Frachter Dorset, Port Chalmers und wieder den Tanker Ohio. 20 Ju 88 und Ju 87 des X. Fliegerkorps trafen erneut die Ohio, die Rochester Castle und die Dorset mit Bomben; fünf Torpedobomber des Typs SM 79 gingen leer aus. Am Abend versenkten 14 Ju 87 die beschädigte Dorset (10.624 BRT). The Minensucher Hebe, Speedy, Hythe und Rye aus Malta sammelten die übrig gebliebenen Frachter Port Chalmers, Melbourne Star und Rochester Castle ein und eskortierten sie zur Insel. Mit Hilfe der Zerstörer Penn, Ledbury und Bramham wurde sogar der lahm geschossene Tanker Ohio in den Grand Harbour geschleppt.
 

Tanker Ohio wird schwer beschädigt nach Malta geschleppt
Von 14 Frachtern erreichten nur fünf Schiffe, inklusive des Tankers Ohio, Malta. 41 Achsenflugzeuge wurden abgeschossen, doch neben den Frachtern verlor die Navy auch noch den Träger Eagle, zwei Kreuzer, einen Zerstörer und 18 Flugzeuge. Mit diesen enormen Verlusten wurde aber das Überleben des Eilandes erkauft.
 

Ohio im Grand Harbour
Nun, da Treibstoffvorrat für drei Monate vorhanden war, erneuerte Park die Angriffe auf feindliche Häfen, Flugplätze und verstärkt auf die Nachschublinien nach Nordafrika. Denn nun bedrohten Rommels Streitkräfte El Alamein und es war absolut notwendig, alles Menschenmögliche zu unternehmen, um seine langen und verwundbaren Nachschublinien zu unterbrechen
 

Erfolge gegen Achsengeleitzüge

Nachschubgeleitzug für das Afrikakorps
Die Beaufort Torpedoflugzeuge erzielten eindrucksvolle Erfolge mit ihren Tiefangriffen. Innerhalb von drei Wochen trafen sie vier große Transporter, von denen zwei sanken, einer als brennendes Wrack zurückblieb und der vierte auf den Strand gesetzt werden musste. Daneben torpedierten sie zwei Tanker, von denen der eine in die Luft flog, der andere einige Tage später gestrandet aufgefunden wurde. Im September wurden mehr als 120 Einsätze von Malta aus gegen Schiffsziele geflogen und diese, verbunden mit Einsätzen aus Ägypten und U-Boot Erfolgen, richteten unter den Nachschubeinheiten Rommels verheerende Verluste an.
 

Vize-Admiral Eberhard Weichold
Die Achsenmächte begannen sehr schnell den Effekt dieser Angriffe zu spüren. Graf Ciano schrieb in seinem Tagebuch, dass „Rommel in Ägypten wegen Treibstoffmangels gestoppt wurde. Drei von vier Tankern wurden binnen zweier Tage versenkt.“ Und der deutsche Vertreter beim italienischen Admiralstab und Befehlshaber des Deutschen Marinekommandos Italien, Vize-Admiral Eberhard Weichold, diktierte in sein Kriegstagebuch, dass „die Situation sehr ernst wurde…an der Front kämpfte das Afrika Korps erfolgreich, doch weit entfernt von den Brennpunkten der Front, schnürten die Briten systematisch den Nachschub der deutsch-italienischen Panzerarmee ab. Im September erreichten die Schiffsverluste mit 23.000 versenkter Tonnage und weiteren 9.000 Tonnen an beschädigtem Schiffsraum. Im Oktober wurde praktisch jeder unserer Konvois von Aufklärern aus Malta gesichtet und angegriffen. Von dem gesamten Schiffsraum, der nach Nordafrika ging, gingen 24.000 Tonnen verloren und über 14.000 Tonnen wurden beschädigt – ein enormer Schlag gegen die italienische Handelsmarine. Von 32,000 Tonnen deutschen Nachschubes und 940 verladenen Fahrzeugen, errecihten nur 19.000 Tonnen und 580 Fahrzeuge nordafrikanischen Boden.“ Das alles trug dazu bei, dass Rommel bei El Alamein geschlagen wurde.
 

Italienische Ju 87 Picchiatello
Unterdessen hatte der gesteigerte Jägereinsatz von Malta aus spürbar zur Verringerung feindlicher Angriffe beigetragen. Im September ertönten die Sirenen nur 38-mal und an zehn Tagen tauchte überhaupt kein feindliches Flugzeug über Malta auf. In der Nacht gelang es nur wenigen Bombern, bis Malta durchzubrechen und ihre Last abzuwerfen, die meisten drehten schon vorher ab und entledigten sich ihrer Bomben über dem Meer. Das erregte den Zorn Hitlers, der wiederum Kesselring anwies, erneut mit einer starken Streitmacht von Sizilien aus Malta anzugreifen.
 

Junkers Ju 88
Die erneute und wie sich später herausstellte, letzte deutsche Luftoffensive begann am 10. Oktober 1942; doch der Erfolg war gering. Immer wieder wurden die Bomber, die von einem dichten Jägerschirm bewacht wurden, bereits nördlich der Insel angegriffen und auseinandergetrieben. Nach zehn Tagen unermüdlichen Angriffs, in denen 46 deutsche Flugzeuge abgeschossen wurden, zog Kesselring seine Ju 88 Bomber zurück. Danach gingen die Angriffe immer mehr zurück. Gegen Ende Oktober kamen sie praktisch zum erliegen.
 

Die Breconshire setzt schwerbeschaedigt auf
Während des Höhepunktes der deutschen Offensive fielen Bomben praktisch jeden Tag auf die Flugplätze der Insel, doch gelang es den Deutschen nicht, sie für längere Zeit auszuschalten. Aufklärungsflüge fanden ohne Unterbrechung statt und nur einmal starteten alliierte Bomber nicht von Malta, um feindlichen Schiffsverkehr zu unterbinden und das nur, weil keine Ziele in Reichweite von Malta aus zu finden waren. Das Ergebnis war für die Achsenmächte ernüchternd. Anstatt Malta auszuschalten, erlitten sie herbe Verluste und mehr als 500 Bomber mussten auf Sizilien stationiert werden, die anderswo möglicherweise dringender und effektiver hätten eingesetzt werden können.
 

Ein unglaubliches Abenteuer

Bristol Type 152 Beaufort
Ein unglaubliches Erlebnis, einmalig in der Geschichte des Luftkrieges, erlebten die neuseeländischen Sergeants A. R. Brown und Wilkinson, ein englischer Navigator und der südafrikanische Beaufort pilot, Lieutenant E. T. Strever, gegen Ende Juli 1942. Die Beaufort, mit der sie einen feindlichen Konvoi westlich der griechischen Küste attackierten, musste notwassern. Es gelang den beiden, das schnell sinkende Flugzeug zu verlassen und ihr Dinghi zu besteigen. Sofort begannen dann in Richtung Küste zu paddeln. Wenig später beleuchtete ein Cant 501 Flugboot des italienischen Seenotdienstes die See und ihr Dinghi. Strever schwamm herüber und erhielt Brandy und Zigaretten. Wenig später wurden die beiden Neuseeländer und der Navigator aufgenommen, die eine ähnliche Behandlung erfuhren. Dann bewegte sich das Flugboot langsam auf den Hafen der Insel Korfu zu. Dort wurden sie offiziell gefangen genommen und in ein Lager gebracht, wo ihnen die Italiener zunächst ein prächtiges Mahl servierten, anschließend eine Party schmissen und ihnen zuletzt bequeme Betten in der Offiziersvilla anboten.
 

Cant Z.501
Am nächsten Morgen teilten ihnen ihre neuen Freunde mit, dass sie aufs Festland nach Italien geflogen würden. Das machte schlagartig ihre gute Laune zunichte , da sie sich nicht vorstellen konnten, von einem Flugzeug aus zu fliehen. Es sei denn, sie würden es kapern. Doch wie man dies anstellen sollte, war ihnen schleierhaft.
 

Ihr Taxi entpuppte sich dann als das gleiche Flugboot mit einer vierköpfigen Besatzung plus einem Bewacher, der mit einem Revolver bewaffnet war, das sie in der Nacht zuvor gerettet hatte. Das Flugzeug startete und nahm Kurs auf Italien. Zunächst verlief der Flug ohne Zwischenfälle. Dann sah Wilkinson plötzlich eine Gelegenheit, al er den etwas abgelenkten Bewacher mit einem Faustschlag gegen dessen Kinn niederschlug, sich auf ihn warf und entwaffnete. Den Revolver schob er Strever zu und schob den niedergeschlagenen Bewacher wie einen Schild in Richtung Piloten vor sich her. Strever folgte dicht dahinter und richtete den Revolver auf den Piloten, der wiederum selbst zu seiner Waffe greifen und landen wollte. Doch schließlich beugte er sich Strevers Argumenten und gab sich geschlagen. Inzwischen hatten Brown und der Navigator den Rest der Crew entwaffnet und mit Gurten gefesselt. Strever übernahm nun den Steuerknüppel des Flugbootes.
 

Spitfire Piloten nach dem Luftkampf
Das nächste Problem war, ein völlig unbekanntes Flugzeug mit Instrumenten, die italienisch beschriftet waren, kontrolliert zu fliegen. Daher setzten sie den italienischen Co-Piloten wieder auf seinen Sitz, der einen ungefähren Kurs nach Malta eingab. Bald erkannten sie die Stiefelspitze Italiens und in anbetracht ihrer Treibstoffvorräte änderten den Kurs mehr südlich in Richtung Malta. Schließlich kam die Insel in Sichtweite, doch als das Flugboot in niedriger Flughöhe Malta ansteuerte, stießen Spitfire auf sie nieder. Alle ihre Bemühungen, sich auf sich aufmerksam zu machen schlugen fehl und bald schlugen Kugeln und Granaten in den Rumpf ein. Strever beschloss sofort das Flugboot zu wassern. Als sie unten waren, ging auch sofort der Motor wegen Spritmangels aus. Sie stiegen aus der Maschine aus und winkten den Spitfires zu. Wenig später wurden sie nach Valetta geschleppt.
 

HMS Indomitable, dahinter die HMS Eagle
Die britische Crew, der es etwas peinlich war, die italienische Gastfreundschaft so missbraucht zu haben, konnte sich nur entschuldigen und so gut es ging sich revanchieren. Die Italiener akzeptierten deren Entschuldigung, waren aber dennoch traurig, da sie eigentlich auf dem Weg in den Heimaturlaub waren. Einer von ihnen hatte sogar eine Flasche Wein dabei, die nun von allen freudig geteilt wurde.
 

HMS Eagle legt im Grand Harbour an
Malta schien nun gerettet. Die Oktoberkämpfe gingen für Park und seine Männer erfolgreich zu Ende und die Deutschen, die nun sowohl von Malta und Ägypten und nun auch noch von Algerien aus angegriffen wurden, konnten keine weitern Kräfte in die Schlacht werfen. Am 16. November 1942 traf ein weiterer Konvoi mit Nachschub aus Ägypten ein. Obwohl mehrfach von Torpedoflugzeugen angegriffen, gelang es Flugze